{"id":69758,"date":"2018-07-26T16:37:08","date_gmt":"2018-07-26T14:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69758"},"modified":"2018-07-26T16:37:08","modified_gmt":"2018-07-26T14:37:08","slug":"ii-r-37-14-massgebliche-mieten-im-ertragswertverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-37-14-massgebliche-mieten-im-ertragswertverfahren\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;37\/14 &#8211; Ma&szlig;gebliche Mieten im Ertragswertverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2018, II R 37\/14<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.160518.IIR37.14.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ma&szlig;gebliche Mieten im Ertragswertverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Eine Zur&uuml;ckrechnung der bei der Bewertung im Ertragswertverfahren zugrunde zu legenden Mieten aus aktuellen Mietspiegeln ist nicht zul&auml;ssig.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 29. April 2014&nbsp;&nbsp;3 K 3370\/10 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) kaufte im Jahr 2007 im ehemaligen Westteil von Berlin ein mit einem 1981 errichteten Wohnhaus bebautes Grundst&uuml;ck. Im Jahr 2008 teilte er das Objekt in f&uuml;nf Wohnungseigentumseinheiten und zwei Teileigentumseinheiten (Garagen) auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) stellte f&uuml;r diese Einheiten im Wege der Nachfeststellung Einheitswerte auf den 1.&nbsp;Januar 2009 fest. Die Wohnungen bewertete das FA als Einfamilienh&auml;user &#8211;Wohnungs-\/Teileigentum&#8211; im Ertragswertverfahren ausgehend von einem monatlichen Mietwert von 3,90&nbsp;DM\/qm (gute Ausstattung, Mietspiegelfeld Ia) und einem Vervielf&auml;ltiger von 9,1 (Bauausf&uuml;hrung A, Nachkriegsbau nach dem 20.&nbsp;Juni 1948). F&uuml;r die Garagen als sonstige bebaute Grundst&uuml;cke &#8211;Wohnungs-\/Teileigentum&#8211; wurde der Wert im Sachwertverfahren ermittelt. Die festgestellten Einheitswerte betragen je 16.105&nbsp;EUR f&uuml;r die Wohnungen Nr.&nbsp;1 und 3, 20.451&nbsp;EUR f&uuml;r die Wohnung Nr.&nbsp;2, 19.582&nbsp;EUR f&uuml;r die Wohnung Nr.&nbsp;4, 16.974&nbsp;EUR f&uuml;r die Wohnung Nr.&nbsp;5 und je 1.636&nbsp;EUR f&uuml;r die beiden Garagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Einspr&uuml;che und die auf Aufhebung der Einheitswertbescheide und der Einspruchsentscheidungen gerichtete Klage blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) war der Auffassung, die Vorschriften &uuml;ber die Einheitsbewertung seien trotz erheblicher verfassungsrechtlicher Bedenken auf den 1.&nbsp;Januar 2009 noch als verfassungsgem&auml;&szlig; anzusehen. Es sei auch nicht zul&auml;ssig, aus einem aktuellen Mietspiegel unter Ber&uuml;cksichtigung von Preisindices auf den Hauptfeststellungszeitpunkt 1.&nbsp;Januar 1964 zur&uuml;ckzurechnen. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 1460 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision macht der Kl&auml;ger geltend, die Vorschriften &uuml;ber die Einheitsbewertung seien zum Stichtag 1.&nbsp;Januar 2009 nicht mehr verfassungsgem&auml;&szlig; gewesen. Es sei zu nicht mehr hinnehmbaren Wertverzerrungen gekommen. &sect;&nbsp;79 des Bewertungsgesetzes (BewG) m&uuml;sse verfassungskonform dahingehend ausgelegt werden, dass die der Einheitsbewertung zugrunde zu legende Miete aus aktuellen Mietspiegeln durch Zur&uuml;ckrechnung auf den 1.&nbsp;Januar 1964 zu ermitteln sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den Vorlagebeschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 22.&nbsp;Oktober 2014 II&nbsp;R&nbsp;37\/14 (BFH\/NV 2015, 309) entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) mit Urteil vom 10.&nbsp;April 2018&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;11\/14 u.a. (Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2018, 791), dass die &sect;&sect;&nbsp;19, 20, 21, 22, 23, 27, 76, 79 Abs.&nbsp;5, &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 BewG i.V.m. Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz 1 und Satz&nbsp;3 des Gesetzes zur &Auml;nderung des Bewertungsgesetzes i.d.F. des Art.&nbsp;2 des Gesetzes vom 22.&nbsp;Juli 1970 (BGBl I 1970, 1118), soweit sie bebaute Grundst&uuml;cke au&szlig;erhalb des Bereichs der Land- und Forstwirtschaft und au&szlig;erhalb des in Art.&nbsp;3 des Einigungsvertrags genannten Gebiets betreffen, jedenfalls seit dem 1.&nbsp;Januar 2002 unvereinbar mit Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) sind. Der Gesetzgeber ist nach dem Urteil verpflichtet, eine Neuregelung sp&auml;testens bis zum 31.&nbsp;Dezember 2019 zu treffen. Bis zu diesem Zeitpunkt d&uuml;rfen die als unvereinbar mit Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG festgestellten Regeln &uuml;ber die Einheitsbewertung weiter angewandt werden. Nach Verk&uuml;ndung einer Neuregelung d&uuml;rfen die beanstandeten Regelungen f&uuml;r weitere f&uuml;nf Jahre ab der Verk&uuml;ndung, l&auml;ngstens aber bis zum 31.&nbsp;Dezember 2024 angewandt werden. Den Verfassungsbeschwerden 1&nbsp;BvR&nbsp;639\/11 und 1&nbsp;BvR&nbsp;889\/12, &uuml;ber die das BVerfG mit dem Urteil in DStR 2018, 791, ebenfalls entschied, gab das Gericht daher nur insoweit statt, als es feststellte, dass die angegriffenen BFH-Beschl&uuml;sse vom 18.&nbsp;Januar 2011 II&nbsp;B&nbsp;74\/10 und vom 24.&nbsp;Februar 2012 II&nbsp;B&nbsp;110\/11 sowie die vorangegangenen finanzgerichtlichen Urteile und Verwaltungsakte die Beschwerdef&uuml;hrer in ihrem Grundrecht aus Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG verletzen. Aufgehoben wurden die Entscheidungen nicht. Es blieb daher auch bei den finanzgerichtlichen Kostenentscheidungen zulasten der Beschwerdef&uuml;hrer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger &auml;u&szlig;erte sich nicht zu diesem Urteil.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er beantragt, die Vorentscheidung, die Einspruchsentscheidungen vom 18.&nbsp;November 2010 und die Einheitswertbescheide vom 25.&nbsp;Juni 2010 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat die Klage im Ergebnis zu Recht abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die im Streitfall anwendbaren Vorschriften &uuml;ber die Einheitsbewertung waren zwar entgegen der Ansicht des FG im Feststellungszeitpunkt 1.&nbsp;Januar 2009 nicht mehr verfassungsgem&auml;&szlig;. Sie d&uuml;rfen aber nach dem BVerfG-Urteil in DStR 2018, 791 auf diesen Zeitpunkt angewandt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die vom FA festgestellten Einheitswerte sind nicht zu beanstanden. Sie stehen in Einklang mit den ma&szlig;gebenden Vorschriften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Bewertung bebauter Grundst&uuml;cke erfolgt abh&auml;ngig von der Grundst&uuml;cksart (&sect;&nbsp;75 BewG) nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;76 BewG im Regelfall im Ertragswertverfahren, in Ausnahmef&auml;llen im Sachwertverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das Ertragswertverfahren gilt nach &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 BewG f&uuml;r Mietwohngrundst&uuml;cke, Gesch&auml;ftsgrundst&uuml;cke, gemischtgenutzte Grundst&uuml;cke, Einfamilien- und Zweifamilienh&auml;user. Die H&ouml;he des Einheitswerts basiert gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;78 Satz&nbsp;1 BewG auf dem Grundst&uuml;ckswert, der den Bodenwert, den Geb&auml;udewert und den Wert der Au&szlig;enanlagen umfasst. Der Grundst&uuml;ckswert ergibt sich nach &sect;&nbsp;78 Satz 2 BewG durch Anwendung eines im Anhang zum BewG enthaltenen Vervielf&auml;ltigers auf die zu erzielende Jahresrohmiete, die nach den Wertverh&auml;ltnissen von 1964 bestimmt wird, unter Ber&uuml;cksichtigung gewisser pauschaler Erm&auml;&szlig;igungen und Erh&ouml;hungen (&sect;&sect;&nbsp;81 und 82 BewG). Durch diese Bewertungsmethode soll in einem vereinfachten, typisierten Verfahren der Bodenwert wie auch der Geb&auml;udewert in einem Rechenschritt ermittelt und so der gemeine Wert, also der Verkehrswert, des jeweiligen Grundst&uuml;cks ann&auml;hernd abgebildet werden (BVerfG-Urteil in DStR 2018, 791, Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die ma&szlig;gebliche Jahresrohmiete richtet sich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;1 BewG vorrangig nach der f&uuml;r das Grundst&uuml;ck aufgrund vertraglicher Vereinbarungen im Hauptfeststellungszeitpunkt gezahlten tats&auml;chlichen Miete. Unmittelbar anwendbar ist diese Vorgabe nur f&uuml;r Grundst&uuml;cke, die im Hauptfeststellungszeitpunkt 1.&nbsp;Januar 1964 bereits vermietet waren. Andernfalls bestimmt sich die Jahresrohmiete gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;2 BewG nach der &uuml;blichen Miete (BVerfG-Urteil in DStR 2018, 791, Rz&nbsp;112).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die &uuml;bliche Miete ist nach &sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 BewG in Anlehnung an die Jahresrohmiete zu sch&auml;tzen, die f&uuml;r R&auml;ume gleicher oder &auml;hnlicher Art, Lage und Ausstattung regelm&auml;&szlig;ig gezahlt wird. Ma&szlig;geblich bleiben f&uuml;r die H&ouml;he der Miete auch bei Fortschreibungen und Nachfeststellungen immer die Wertverh&auml;ltnisse im Hauptfeststellungszeitpunkt 1.&nbsp;Januar 1964 (&sect;&sect;&nbsp;27, 79 Abs.&nbsp;5 BewG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zur Ermittlung der &uuml;blichen Miete ziehen die Finanzbeh&ouml;rden &uuml;berwiegend Mietspiegel heran, die regelm&auml;&szlig;ig nach Baujahren, mietpreisrechtlichen Gegebenheiten, Ausstattungsgruppen und Gemeindegr&ouml;&szlig;en gegliederte Quadratmeter-Mieten zum Stand vom 1.&nbsp;Januar 1964 ausweisen. Im Hinblick auf die Ausstattungsgruppen unterteilen die Mietspiegel meist in einfache, mittlere, gute und sehr gute Ausstattung und legen hierf&uuml;r Rahmen-s&auml;tze f&uuml;r die anzuwendenden Mietwerte fest (BVerfG-Urteil in DStR 2018, 791, Rz&nbsp;12, 113).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Heranziehung dieser auf den Hauptfeststellungszeitpunkt 1.&nbsp;Januar 1964 aufgestellten Mietspiegel f&uuml;r die Sch&auml;tzung der &uuml;blichen Miete gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 BewG auf diesen Zeitpunkt ist zul&auml;ssig, wenn eine Sch&auml;tzung der &uuml;blichen Miete im unmittelbaren Vergleich daran scheitert, dass nach Art, Lage und Ausstattung vergleichbare vermietete Objekte am 1.&nbsp;Januar 1964 nicht oder nicht in hinreichender Zahl vorhanden waren und die Mietspiegel in ihren Aufgliederungen nach Mietpreisregelungen und den anderen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 BewG ma&szlig;gebenden Kriterien (insbesondere Baujahr und Ausstattung) den vom Gesetz gestellten Anforderungen f&uuml;r die Sch&auml;tzung der &uuml;blichen Miete entsprechen (BFH-Urteil vom 4.&nbsp;M&auml;rz 1999 II&nbsp;R&nbsp;106\/97, BFHE 188, 425, BStBl II 1999, 519, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die vom Kl&auml;ger begehrte Zur&uuml;ckrechnung der der Einheitsbewertung zugrunde zu legenden Mieten aus aktuellen Mietspiegeln ist mit &sect;&sect;&nbsp;27, 79 Abs.&nbsp;2, 5 BewG nicht vereinbar. Dies ergibt sich daraus, dass die im Ertragswertverfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;80 BewG auf die Jahresrohmiete anzuwendenden und aus den Anlagen 3 bis &#8203;8 zum Bewertungsgesetz ersichtlichen Vervielf&auml;ltiger ebenfalls nach den Verh&auml;ltnissen des Jahres 1964 ermittelt wurden. Der Konzeption der Vervielf&auml;ltiger liegen Reinertr&auml;ge zugrunde, die unter Ber&uuml;cksichtigung pauschalierter Bewirtschaftungskosten und Bodenertragsanteile, aufgegliedert nach Grundst&uuml;cksarten, Baujahrgruppen und Gemeindegr&ouml;&szlig;enklassen, ermittelt worden sind. Die Vervielf&auml;ltiger k&ouml;nnen dementsprechend unmittelbar auf die Rohertr&auml;ge angewandt werden und sollen dabei zugleich die altersbedingten Unterschiede zwischen Grund und Boden und Geb&auml;ude miterfassen (BVerfG-Urteil in DStR 2018, 791, Rz&nbsp;120).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Dass die festgestellten Einheitswerte aus anderen Gr&uuml;nden fehlerhaft seien, hat weder der Kl&auml;ger konkret vorgetragen noch ist dies ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO. Danach fallen die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat. Dies gilt auch dann, wenn wie im Streitfall das BVerfG die dem angefochtenen Verwaltungsakt zugrunde liegenden Vorschriften zwar r&uuml;ckwirkend f&uuml;r verfassungswidrig erkl&auml;rt, aber zugleich deren weitere Anwendung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zugelassen hat und der Verwaltungsakt deshalb nicht aufzuheben oder zu &auml;ndern ist (BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;M&auml;rz 1994 III&nbsp;B&nbsp;543\/90, BFHE 173, 506, BStBl II 1994, 473). Diese Beurteilung steht im Einklang mit dem Urteil des BVerfG in DStR 2018, 791, das die mit den Verfassungsbeschwerden 1&nbsp;BvR&nbsp;639\/11 und 1&nbsp;BvR&nbsp;889\/12 angegriffenen BFH-Beschl&uuml;sse vom 18.&nbsp;Januar 2011 II&nbsp;B&nbsp;74\/10 und vom 24.&nbsp;Februar 2012 II&nbsp;B&nbsp;110\/11 sowie die vorangegangenen finanzgerichtlichen Urteile einschlie&szlig;lich der getroffenen Kostenentscheidungen zulasten der Beschwerdef&uuml;hrer trotz des festgestellten Verfassungsversto&szlig;es unver&auml;ndert bestehen lie&szlig;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2018, II R 37\/14ECLI:DE:BFH:2018:U.160518.IIR37.14.0 Ma&szlig;gebliche Mieten im Ertragswertverfahren Leits&auml;tze Eine Zur&uuml;ckrechnung der bei der Bewertung im Ertragswertverfahren zugrunde zu legenden Mieten aus aktuellen Mietspiegeln ist nicht zul&auml;ssig. Tenor Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 29. April 2014&nbsp;&nbsp;3 K 3370\/10 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-37-14-massgebliche-mieten-im-ertragswertverfahren\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;37\/14 &#8211; Ma&szlig;gebliche Mieten im Ertragswertverfahren<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69758"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69758\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}