{"id":69761,"date":"2018-07-26T16:37:04","date_gmt":"2018-07-26T14:37:04","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69761"},"modified":"2018-07-26T16:37:04","modified_gmt":"2018-07-26T14:37:04","slug":"xi-r-22-17-organisationsverschulden-bei-ueberwachung-der-revisionsbegruendungsfrist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-22-17-organisationsverschulden-bei-ueberwachung-der-revisionsbegruendungsfrist\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;R&nbsp;22\/17 &#8211; Organisationsverschulden bei &Uuml;berwachung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.5.2018, XI R 22\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.220518.XIR22.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Organisationsverschulden bei &Uuml;berwachung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Ein Organisationsverschulden kann nicht ausgeschlossen werden, wenn statt einer Fristenkontrolle die zu beachtende Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist nur in einer Wiedervorlageliste oder durch Erfassung der Wiedervorlage in einem elektronischen Dokumentationssystem ber&uuml;cksichtigt wird.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 9. November 2016&nbsp;&nbsp;2 K 1912\/15 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Verg&uuml;tung von Vorsteuern im besonderen Verfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;9 des Umsatzsteuergesetzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der von der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) erhobenen Klage wurde mit Urteil des Finanzgerichts (FG), das in den Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1697 ver&ouml;ffentlicht wurde, stattgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen das Urteil des FG legte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (Beklagter) erfolgreich Nichtzulassungsbeschwerde ein. Der Senat lie&szlig; mit Beschluss vom 27.&nbsp;Juni 2017 XI&nbsp;B&nbsp;98\/16 die Revision zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beschluss vom 27.&nbsp;Juni 2017 wurde am 8.&nbsp;Juli 2017 zugestellt. Mit Schreiben vom 14.&nbsp;August 2017 teilte der Vorsitzende des XI.&nbsp;Senats dem Beklagten mit, dass die Begr&uuml;ndung der Revision bisher dem Bundesfinanzhof (BFH) nicht vorliege. Die Revisionsbegr&uuml;ndungsschrift des Beklagten vom 4.&nbsp;September 2017 wurde mit Telefax vom gleichen Tag dem BFH &uuml;bermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte hat wegen der Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung des Wiedereinsetzungsantrags macht der Beklagte geltend, dass er ohne Verschulden gehindert gewesen sei, die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist einzuhalten, denn er habe durch innerbeh&ouml;rdliche Organisation daf&uuml;r Sorge getragen, dass die Einhaltung der Frist unter &uuml;blichen Umst&auml;nden gew&auml;hrleistet gewesen sei. Es sei bei Eingang des Beschlusses eine neue Prozessakte angelegt worden und die Neuaufnahme des Revisionsverfahrens im Dokumentenmanagementsystem DOMEA erfolgt. Dabei werde &uuml;blicherweise die Wiedervorlage in DOMEA und in einer Worddatei eingetragen. Dies sei versehentlich unterblieben. Ein Verschulden des Beklagten sei nicht gegeben. Es handele sich um ein entschuldbares B&uuml;roversehen. Die zust&auml;ndige Sachbearbeiterin habe stets zuverl&auml;ssig gearbeitet. Auch sei regelm&auml;&szlig;ig eine stichprobenartige &Uuml;berwachung der Arbeit der zust&auml;ndigen Sachbearbeiterin durch den Referatsleiter erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Sache selbst r&uuml;gt der Beklagte die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unzul&auml;ssig zu verwerfen, hilfsweise die Revision unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte hat die Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision vers&auml;umt. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist nicht zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist die Revision beim BFH innerhalb eines Monats nach Zustellung des Urteils schriftlich einzulegen und sp&auml;testens innerhalb eines weiteren Monats zu begr&uuml;nden. Im Fall der Stattgabe nach Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;7 FGO) betr&auml;gt die Begr&uuml;ndungsfrist f&uuml;r den Beschwerdef&uuml;hrer einen Monat nach Zustellung des Beschlusses &uuml;ber die Zulassung der Revision (&sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vorliegend ist die Begr&uuml;ndung der Revision versp&auml;tet beim BFH eingegangen. Der Beschluss &uuml;ber die Zulassung der Revision ist am 8.&nbsp;Juli 2017 dem Beklagten zugestellt worden, so dass am 8.&nbsp;August 2017 die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist ablief. Erst am 4.&nbsp;September 2017 reichte der Beklagte die Begr&uuml;ndung der Revision beim BFH ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die mit selbigem Schriftsatz beantragte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann nicht gew&auml;hrt werden. Die Voraussetzungen sind nicht glaubhaft gemacht worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO kann auf Antrag gew&auml;hrt werden, wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten. Hiernach schlie&szlig;t jedes Verschulden &#8211;also auch einfache Fahrl&auml;ssigkeit&#8211; die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus. Bei der Beurteilung, ob eine Beh&ouml;rde sich die Vers&auml;umung einer gesetzlichen Frist als schuldhaft anrechnen lassen muss, gelten die gleichen Ma&szlig;st&auml;be, wie sie die Rechtsprechung f&uuml;r das Verschulden von Angeh&ouml;rigen der rechts- und steuerberatenden Berufe entwickelt hat (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 6.&nbsp;November 2012 VIII&nbsp;R&nbsp;40\/10, BFH\/NV 2013, 397, und vom 16.&nbsp;September 2014 II&nbsp;B&nbsp;46\/14, BFH\/NV 2015, 49, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; von einer Finanzbeh&ouml;rde Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen eines entschuldbaren B&uuml;roversehens begehrt wird, muss substantiiert und schl&uuml;ssig vorgetragen werden, dass kein Organisationsfehler vorliegt, d.h. dass die Finanzbeh&ouml;rde alle Vorkehrungen getroffen hat, die nach vern&uuml;nftigem Ermessen die Nichtbeachtung von Fristen auszuschlie&szlig;en geeignet sind, und dass sie durch regelm&auml;&szlig;ige Belehrung und &Uuml;berwachung ihrer B&uuml;rokr&auml;fte f&uuml;r die Einhaltung ihrer Anordnungen Sorge getragen hat (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 7.&nbsp;Februar 2002 VII&nbsp;B&nbsp;150\/01, BFH\/NV 2002, 795; vom 24.&nbsp;Juni 2002 IX&nbsp;R&nbsp;38\/01, BFH\/NV 2002, 1467; vom 14.&nbsp;Mai 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;47\/07, BFH\/NV 2007, 1684, und vom 14.&nbsp;Dezember 2011 X&nbsp;B&nbsp;50\/11, BFH\/NV 2012, 440).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unerl&auml;ssliche Voraussetzung einer ordnungsgem&auml;&szlig;en B&uuml;roorganisation ist dabei ein Fristenkontrollbuch oder eine vergleichbare Einrichtung, in der der Ablauf s&auml;mtlicher Fristen vermerkt und eine Frist erst nach Vornahme der zu ihrer Einhaltung erforderlichen Handlung gestrichen wird (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 7.&nbsp;Februar 1992 III&nbsp;R&nbsp;57\/91, BFH\/NV 1992, 615; vom 25.&nbsp;M&auml;rz 2003 I&nbsp;B&nbsp;166\/02, BFH\/NV 2003, 1193; vom 23.&nbsp;September 2010 III&nbsp;R&nbsp;64\/09, BFH\/NV 2011, 54, und vom 17.&nbsp;November 2015 V&nbsp;B&nbsp;56\/15, BFH\/NV 2016, 222; Gr&auml;ber\/ Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;20, Stichwort &quot;Fristenkontrolle&quot;, m.w.N.). Bei einer elektronischen Fristenkontrolle gelten keine geringeren Anforderungen (vgl. BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Juli 2011 IV&nbsp;B&nbsp;131\/10, BFH\/NV 2011, 1909). Insbesondere sind bei einem EDV-gest&uuml;tzten Fristenkalender die dort vorgenommenen Eintragungen durch Ausgabe der eingegebenen Einzelvorg&auml;nge &uuml;ber den Drucker zu kontrollieren (vgl. Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 12.&nbsp;Dezember 2005 II&nbsp;ZB&nbsp;33\/04, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht 2006, 500; BFH-Beschl&uuml;sse vom 6.&nbsp;August 2001 II&nbsp;R&nbsp;77\/99, BFH\/NV 2002, 44; jeweils m.w.N.; vom 30.&nbsp;April 2013 IV&nbsp;R&nbsp;38\/11, BFH\/NV 2013, 1117).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es gen&uuml;gt nicht, dass die Finanzbeh&ouml;rde lediglich Wiedervorlagefristen f&uuml;r die Bearbeitung einer Sache in einen daf&uuml;r bestimmten Fristenkalender eintr&auml;gt. Bei einer solchen Verfahrensweise ist eine korrekte Kontrolle, wann die Frist abl&auml;uft und ob die Beschwerdebegr&uuml;ndungsschrift rechtzeitig abgesandt wurde, nicht m&ouml;glich (BFH-Urteil vom 11.&nbsp;November 1972 VIII&nbsp;R&nbsp;8\/67, BFHE 107, 486, BStBl II 1973, 169; BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 1992, 615; vom 31.&nbsp;Juli 2002 VI&nbsp;B&nbsp;17\/02, BFH\/NV 2002, 1490; in BFH\/NV 2012, 440, Rz&nbsp;8; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;20, Stichwort &quot;Fristenkontrolle&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Au&szlig;erdem muss auch die Finanzbeh&ouml;rde die Erledigung des fristwahrenden Schriftsatzes bis zu seiner Absendung (Postausgangskontrolle) &uuml;berwachen (s. BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;Dezember 1982 VIII&nbsp;R&nbsp;77\/79, BFHE 137, 221, BStBl II 1983, 229; BFH-Urteile vom 19.&nbsp;Juli 1994 II&nbsp;R&nbsp;74\/90, BFHE 175, 302, BStBl II 1994, 946; vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2007 VI&nbsp;R&nbsp;31\/05, BFHE 217, 453, BStBl II 2007, 533; BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;August 2009 II&nbsp;B&nbsp;184\/08, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Tatsachen, die eine Wiedereinsetzung rechtfertigen k&ouml;nnen, sind, soweit sie nicht offenkundig oder gerichtsbekannt sind, vollst&auml;ndig, substantiiert und in sich schl&uuml;ssig vorzutragen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 24.&nbsp;Juni 2008 X&nbsp;R&nbsp;38\/07, BFH\/NV 2008, 1517; vom 3.&nbsp;April 2013 V&nbsp;R&nbsp;24\/12, BFH\/NV 2013, 970; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;36). Hierzu geh&ouml;rt vor allem, dass die Fristenkontrolle sowie die Postausgangskontrolle nach Art und Umfang geschildert werden (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 30.&nbsp;Juli 2009 VI&nbsp;R&nbsp;56\/08, BFH\/NV 2009, 1996; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;37).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Im Streitfall ist ein Organisationsverschulden des Beklagten als Ursache f&uuml;r das Fristvers&auml;umnis nicht auszuschlie&szlig;en, weil offensichtlich keine Fristenkontrolle und Postausgangskontrolle durchgef&uuml;hrt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Vortrag des Beklagten zu den Wiedervorlagefristen belegt, dass es an einer Fristenkontrolle durch ein Fristenkontrollbuch oder einer Fristenkontrolle auf andere (elektronische) Weise fehlte. Allein die Ber&uuml;cksichtigung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist in einer Wiedervorlageliste in Form einer Worddatei und\/oder Eintragung in einem Eingabefeld f&uuml;r Wiedervorlagen im elektronischen Dokumentationssystem reicht nicht aus. Dabei ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass es das DOMEA-System im Streitfall zulie&szlig;, dass eine Akte ohne Erfassung einer Wiedervorlage und ohne erfolgte und erfasste Revisionsbegr&uuml;ndung in einen Ordner verschoben werden konnte, in dem sich ausschlie&szlig;lich Akten mit dem Vermerk &quot;z.d.A.&quot; befanden, bei denen keine Fristen bestanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem hat der Beklagte nicht geschildert, ob und wie die Postausgangskontrolle der Schrifts&auml;tze organisiert war. Hierzu w&auml;re eine entsprechende Schilderung der Verh&auml;ltnisse von Seiten des Beklagten erforderlich gewesen. F&uuml;r gerichtliche Hinweise oder gar Amtsermittlungen ist im Verfahren &uuml;ber die Wiedereinsetzung regelm&auml;&szlig;ig kein Raum (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 20.&nbsp;Dezember 2007 IX&nbsp;B&nbsp;178\/07, n.v., m.w.N., und vom 23.&nbsp;Januar 2008 I&nbsp;B&nbsp;101\/07, BFH\/NV 2008, 1290; BFH-Urteil vom 20.&nbsp;November 2013 X&nbsp;R&nbsp;2\/12, BFHE 243, 158, BStBl II 2014, 236; Gr&auml;ber\/Stapperfend, a.a.O., &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;36 a.E.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zwar wurde mit Beschluss des Senats vom 27.&nbsp;Juni 2017 XI&nbsp;B&nbsp;98\/16 die Revision uneingeschr&auml;nkt zugelassen; jedoch reicht die Bindungswirkung der Zulassung nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;3 FGO, die &quot;erst recht&quot; auch f&uuml;r die Zulassung der Revision durch den BFH selbst gilt (vgl. BFH-Urteil vom 26.&nbsp;November 2008 X&nbsp;R&nbsp;20\/07, BFHE 223, 330, BStBl II 2009, 388, unter II.2.a; Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;309, m.w.N.), nicht weiter als ihr Gegenstand, n&auml;mlich die Aufhebung der verfahrensrechtlichen Zugangsschranke zum Revisionsgericht. Alle &uuml;brigen Anforderungen an die Zul&auml;ssigkeit der Revision &#8211;hier die Einhaltung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 FGO&#8211; bleiben unber&uuml;hrt (s. Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 28.&nbsp;M&auml;rz 2006&nbsp;&nbsp;&nbsp;6&nbsp;C&nbsp;13.05, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2006, 1158; Lange in HHSp, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;300; Bier, jurisPR-BVerwG 11\/2006 Anm.&nbsp;5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 22.5.2018, XI R 22\/17ECLI:DE:BFH:2018:B.220518.XIR22.17.0 Organisationsverschulden bei &Uuml;berwachung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist Leits&auml;tze NV: Ein Organisationsverschulden kann nicht ausgeschlossen werden, wenn statt einer Fristenkontrolle die zu beachtende Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist nur in einer Wiedervorlageliste oder durch Erfassung der Wiedervorlage in einem elektronischen Dokumentationssystem ber&uuml;cksichtigt wird. Tenor Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-22-17-organisationsverschulden-bei-ueberwachung-der-revisionsbegruendungsfrist\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;R&nbsp;22\/17 &#8211; Organisationsverschulden bei &Uuml;berwachung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69761\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}