{"id":69904,"date":"2018-10-26T15:29:51","date_gmt":"2018-10-26T13:29:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69904"},"modified":"2018-10-26T15:29:51","modified_gmt":"2018-10-26T13:29:51","slug":"iii-r-20-17-zusammenveranlagung-nach-bestandskraeftiger-einzelveranlagung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-20-17-zusammenveranlagung-nach-bestandskraeftiger-einzelveranlagung\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;20\/17 &#8211; Zusammenveranlagung nach bestandskr&auml;ftiger Einzelveranlagung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.6.2018, III R 20\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.140618.IIIR20.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zusammenveranlagung nach bestandskr&auml;ftiger Einzelveranlagung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Erf&uuml;llen Ehegatten die Voraussetzungen der Ehegattenveranlagung (&sect; 26 Abs. 1 EStG), k&ouml;nnen sie nach der im Jahr 2008 geltenden Rechtslage zwischen getrennter Veranlagung (&sect; 26a EStG), Zusammenveranlagung (&sect; 26b EStG) sowie der besonderen Veranlagung im Jahr der Eheschlie&szlig;ung (&sect; 26c EStG) w&auml;hlen und die einmal getroffene Wahl bis zur Unanfechtbarkeit eines Berichtigungs- oder &Auml;nderungsbescheides frei widerrufen. Dieses Wahlrecht besteht auch dann, wenn einer der Ehegatten zuvor einzeln veranlagt wurde.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine Zusammenveranlagung setzt in einem solchen Fall voraus, dass der Bescheid des anderen Ehegatten ge&auml;ndert werden kann. Falls dieser bestandskr&auml;ftig ist, kommt als Rechtsgrundlage &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO auch dann in Betracht, wenn der andere Ehegatte besonders veranlagt wurde.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 30. Mai 2016&nbsp;&nbsp;4 K 4262\/14 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) erkl&auml;rte in seiner am 18.&nbsp;Januar 2010 beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eingegangenen Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2008, seit dem &quot;20.08.2009&quot; verheiratet zu sein, obwohl er bereits seit dem 20.&nbsp;September 2008 verheiratet war (20.8.2009 statt 20.9.2008). Weitere Angaben zur Ehefrau und zur Wahl der Veranlagungsart enthielt die Erkl&auml;rung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA setzte die Einkommensteuer f&uuml;r das Streitjahr (2008) gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger mit Bescheid vom 4.&nbsp;Februar 2010 auf 0&nbsp;EUR fest. Aufgrund einer Mitteilung vom 1.&nbsp;November 2011 &uuml;ber die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r 2008 erging am 16.&nbsp;November 2011 ein ge&auml;nderter Bescheid, mit dem die Einkommensteuer auf 4.947&nbsp;EUR festgesetzt wurde. Nach einer ge&auml;nderten Mitteilung &uuml;ber die gesondert festgestellten Besteuerungsgrundlagen minderte sich die Einkommensteuer f&uuml;r 2008 sodann durch Bescheid vom 2.&nbsp;Januar 2012 wieder auf 0&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 6.&nbsp;Januar 2012 beantragten der Kl&auml;ger und seine Ehefrau f&uuml;r das Jahr 2008 die Zusammenveranlagung. Dem Antrag war eine gemeinsame Einkommensteuererkl&auml;rung der Eheleute beigef&uuml;gt; als Datum der Eheschlie&szlig;ung war zutreffend der 20.&nbsp;September 2008 angegeben. Beigef&uuml;gt war ferner der Einkommensteuerbescheid der Ehefrau f&uuml;r 2008 vom 13.&nbsp;April 2010. F&uuml;r sie war eine besondere Veranlagung f&uuml;r den Veranlagungszeitraum der Eheschlie&szlig;ung durchgef&uuml;hrt und die Einkommensteuer auf 13.017&nbsp;EUR festgesetzt worden (&sect;&nbsp;26c des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211; in der bis 2011 geltenden Fassung &#8211;EStG&nbsp;a.F.&#8211;). Das FA lehnte den Antrag auf Zusammenveranlagung dem Kl&auml;ger gegen&uuml;ber ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Es entschied, der Kl&auml;ger habe in seiner Einkommensteuererkl&auml;rung keines der Wahlrechte zur Ehegattenveranlagung ausge&uuml;bt, d.h. zur Zusammenveranlagung (&sect;&nbsp;26b EStG), zur getrennten Veranlagung (&sect;&nbsp;26a EStG a.F.) oder zur besonderen Veranlagung (&sect;&nbsp;26c EStG a.F.). Die erstmalige Aus&uuml;bung des Wahlrechts k&ouml;nne nicht nachtr&auml;glich durch einen Antrag auf gemeinsame Veranlagung nachgeholt werden. Das Veranlagungswahlrecht k&ouml;nne zwar ge&auml;ndert werden, wenn ein &Auml;nderungsbescheid ergehe (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 27.&nbsp;Oktober 2015 X&nbsp;R&nbsp;44\/13, BFHE 252, 94, BStBl II 2016, 278). Der Kl&auml;ger wolle aber nicht das Wahlrecht anders aus&uuml;ben, etwa von der vormals getrennten zur Zusammenveranlagung, sondern begehre den Wechsel von der Einzelveranlagung zur Zusammenveranlagung. Eine &Auml;nderung der Wahlrechtsaus&uuml;bung k&ouml;nne aber nur dann als r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. von &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) angesehen werden, wenn innerhalb der Ehegattenveranlagungsarten gewechselt werde, weil die Wahl der Veranlagungsart kein Merkmal des gesetzlichen Tatbestands der Einzelveranlagung sei (FG Hamburg, Urteil vom 1.&nbsp;August 2013&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;279\/12, juris). Der Einzelveranlagungsbescheid sei danach zwar rechtswidrig, aber nicht nichtig. Andere &Auml;nderungsvorschriften (z.B. &sect;&nbsp;129 AO, &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO) k&auml;men nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger r&uuml;gt die Verletzung materiellen Rechts. Er meint, er sei nicht einzeln, sondern getrennt veranlagt worden. Das FG habe zudem seine Ehefrau zu Unrecht nicht beigeladen und dadurch rechtliches Geh&ouml;r versagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat keinen ausdr&uuml;cklichen Antrag gestellt; er beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>den Bescheid &uuml;ber die Ablehnung des Antrags auf Zusammenveranlagung vom 13.&nbsp;Januar 2012 und die Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;November 2014 aufzuheben und das FA zu verpflichten, ihn mit seiner Ehefrau zusammen zu veranlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet, sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der nicht spruchreifen Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat wirksam beantragt, mit seiner Ehefrau zusammen veranlagt zu werden (1.). Die Zusammenveranlagung w&auml;re, da der Bescheid der Ehefrau ge&auml;ndert werden k&ouml;nnte, durchzuf&uuml;hren, wenn der Kl&auml;ger und seine Ehefrau alle Voraussetzungen der Ehegattenveranlagung erf&uuml;llten (2.). Da dies vom FG nicht festgestellt und vom FA bestritten wurde, ist der Rechtsstreit nicht entscheidungsreif (4.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger hat den Antrag auf Zusammenveranlagung wirksam gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Erf&uuml;llen Ehegatten die Voraussetzungen der Ehegattenveranlagung &#8211;g&uuml;ltige Ehe, unbeschr&auml;nkte Steuerpflicht, kein dauerndes Getrenntleben (&sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EStG)&#8211;, k&ouml;nnen sie f&uuml;r das Streitjahr zwischen getrennter Veranlagung (&sect;&nbsp;26a EStG&nbsp;a.F.) und Zusammenveranlagung (&sect;&nbsp;26b EStG) w&auml;hlen. Im Jahr der Eheschlie&szlig;ung k&ouml;nnen sie auch die besondere Veranlagung nach &sect;&nbsp;26c EStG&nbsp;a.F. w&auml;hlen und die einmal getroffene Wahl bis zur Unanfechtbarkeit eines Berichtigungs- oder &Auml;nderungsbescheides &#8211;vorbehaltlich rechtsmissbr&auml;uchlichen oder willk&uuml;rlichen Verhaltens&#8211; frei widerrufen (BFH-Urteile vom 19.&nbsp;Mai 1999 XI&nbsp;R&nbsp;97\/94, BFHE 189, 63, BStBl II 1999, 762; vom 24.&nbsp;Januar 2002 III&nbsp;R&nbsp;49\/00, BFHE 198, 12, BStBl II 2002, 408). Dieses Wahlrecht kann bis zum Eintritt der Bestandskraft der Steuerfestsetzung ausge&uuml;bt werden und wird daher durch einen Berichtigungs- oder &Auml;nderungsbescheid bis zu dessen Unanfechtbarkeit neu er&ouml;ffnet (Senatsurteile in BFHE 198, 12, BStBl II 2002, 408; vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2005 III&nbsp;R&nbsp;22\/02, BFHE 209, 454, BStBl II 2005, 690; vom 30.&nbsp;August 2012 III&nbsp;R&nbsp;40\/10, BFH\/NV 2013, 193, Rz&nbsp;16; vom 25.&nbsp;September 2014 III&nbsp;R&nbsp;5\/13, BFH\/NV 2015, 811, betr. Antrag auf Zusammenveranlagung nach Bestandskraft der Bescheide beider Ehegatten). Die sich aus &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 EStG i.d.F. des Steuervereinfachungsgesetzes 2011 &#8211;StVereinfG&nbsp;2011&#8211; vom 1.&nbsp;November 2011 (BGBl I 2011, 2131) ergebenden Einschr&auml;nkungen gelten erstmals f&uuml;r den Veranlagungszeitraum 2013 und sind daher im Streitfall nicht anwendbar (&sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;68 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Wird ein Steuerpflichtiger, der als Ehegatte nach &sect;&nbsp;26a EStG&nbsp;a.F. getrennt, nach &sect;&nbsp;26b EStG zusammen oder nach &sect;&nbsp;26c EStG&nbsp;a.F. besonders zu veranlagen ist, stattdessen rechtswidrig einzeln veranlagt, so kann er dagegen innerhalb der Einspruchsfrist (&sect;&nbsp;355 Abs.&nbsp;1 AO) Einspruch einlegen (Senatsurteil vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2017 III&nbsp;R&nbsp;12\/16, BFHE 259, 229). Stattdessen kann er bis zur Bestandskraft der Steuerfestsetzung auch die Durchf&uuml;hrung eines anderen, wesensverschiedenen Veranlagungsverfahrens beantragen (Senatsurteil vom 19.&nbsp;Mai 2004 III&nbsp;R&nbsp;18\/02, BFHE 206, 201, BStBl II 2004, 980, Rz&nbsp;24), also auch die Zusammenveranlagung mit seinem Ehegatten anstelle der erfolgten Einzelveranlagung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dies gilt auch, wenn der Steuerpflichtige bereits zuvor rechtswidrig, aber bestandskr&auml;ftig einzeln veranlagt wurde und sodann &#8211;wie hier aufgrund ge&auml;nderter Beteiligungseink&uuml;nfte&#8211; ein &Auml;nderungsbescheid ergeht, in dem er wiederum einzeln veranlagt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Verwaltungsakte, die unanfechtbare Verwaltungsakte &auml;ndern, k&ouml;nnen nach &sect;&nbsp;42 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO nur insoweit angegriffen werden, als die &Auml;nderung reicht, wenn sich aus den Regelungen &uuml;ber die Aufhebung und &Auml;nderung von Verwaltungsakten nicht etwas anderes ergibt. Die Reichweite der Pr&uuml;fung wird damit durch die bereits bestandskr&auml;ftige Regelung in dem Ursprungsbescheid begrenzt und &#8211;bei zahlenm&auml;&szlig;igen Feststellungen&#8211; auf den Differenzbetrag zu dem &Auml;nderungsbescheid beschr&auml;nkt (BFH-Urteil vom 14.&nbsp;September 2017 IV&nbsp;R&nbsp;28\/14, BFH\/NV 2018, 1, Rz&nbsp;43).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO begrenzt aber lediglich den Umfang der Anfechtung eines Steuerbescheides. War ein Steuerpflichtiger bereits zuvor als Ehegatte veranlagt worden, so ist das Begehren auf &Auml;nderung der Veranlagungsart nicht als Anfechtung zu verstehen, sondern als ein auf Durchf&uuml;hrung einer erneuten Veranlagung gerichtetes Verpflichtungsbegehren. Die im Zusammenhang mit der &Auml;nderung eines Steuerbescheides erneut ausge&uuml;bte Wahl der Veranlagungsart l&ouml;st die Rechtsfolgen der &sect;&sect;&nbsp;26a bis 26c EStG (a.F.) aus, l&auml;sst aber die Besteuerungsgrundlagen im &Uuml;brigen unber&uuml;hrt und ist daher nicht nach &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO ausgeschlossen (Senatsurteil in BFHE 198, 12, BStBl II 2002, 408; vom 31.&nbsp;Januar 2013 III&nbsp;R&nbsp;15\/10, BFH\/NV 2013, 1071). Mit dem Antrag auf Durchf&uuml;hrung eines anderen Veranlagungsverfahrens wird der Steuerbescheid mithin nicht i.S. von &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO &quot;angegriffen&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Steuerbescheid durch ein anderes Veranlagungsverfahren nicht angegriffen wird, kommt es auch nicht darauf an, ob von einer Ehegattenveranlagungsart zu einer anderen oder von einer Einzelveranlagung zu einer Ehegattenveranlagung gewechselt werden soll. &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO schlie&szlig;t eine Zusammenveranlagung mithin auch dann nicht aus, wenn zuvor einzeln veranlagt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nicht zu folgen ist der Auffassung des FG, der Aus&uuml;bung des Veranlagungswahlrechts durch den Kl&auml;ger stehe entgegen, dass diese nicht als r&uuml;ckwirkendes Ereignis (&sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO) gewertet werden k&ouml;nne, weil zuvor eine Einzelveranlagung stattgefunden habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der angefochtene Bescheid vom 2.&nbsp;Januar 2012 w&auml;re wegen des innerhalb der Einspruchsfrist gestellten Antrags auf Zusammenveranlagung zu &auml;ndern. Eines r&uuml;ckwirkenden Ereignisses bedarf es dazu nicht. Die Vorschrift des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO kommt stattdessen als verfahrensrechtliche Grundlage f&uuml;r die &Auml;nderung der Steuerfestsetzung gegen&uuml;ber dem anderen Ehegatten in Betracht, wenn diese bereits bestandskr&auml;ftig ist (Senatsurteil in BFHE 209, 454, BStBl II 2005, 690), hier also der Ehefrau des Kl&auml;gers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die beantragte Zusammenveranlagung setzt weiter voraus, dass der bestandskr&auml;ftige Bescheid der Ehefrau des Kl&auml;gers ge&auml;ndert werden kann. Rechtsgrundlage daf&uuml;r w&auml;re &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO, da sich die &Auml;nderung des Veranlagungswahlrechts &#8211;von der besonderen zur Zusammenveranlagung&#8211; als r&uuml;ckwirkendes Ereignis darstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die Frage, ob eine bestandskr&auml;ftige Einzelveranlagung die nachtr&auml;gliche Zusammenveranlagung ausschlie&szlig;t, weil die Wahl der Zusammenveranlagung dann kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO w&auml;re (so FG Hamburg, Urteil vom 1.&nbsp;August 2013&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;279\/12, juris), kommt es nicht an, da die Ehefrau nicht einzeln, sondern als Ehegatte gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;26c Abs.&nbsp;1 EStG&nbsp;a.F. besonders veranlagt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA weist zwar zutreffend auf die Parallelen zwischen der besonderen Veranlagung und der Einzelveranlagung hin sowie darauf, dass die Prozessbevollm&auml;chtigte des Kl&auml;gers im Antrag auf Zusammenveranlagung (unzutreffend) ausgef&uuml;hrt hatte, dass die Ehefrau einzeln veranlagt worden sei. Das ist jedoch unerheblich, da die besondere Veranlagung voraussetzt, dass Ehegatten die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG erf&uuml;llen und diese Form der Veranlagung auch w&auml;hlen. Ma&szlig;gebend f&uuml;r &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO ist die &Auml;nderung dieses Wahlrechts und nicht, dass Ehegatten nach &sect;&nbsp;26c EStG&nbsp;a.F. materiell so behandelt werden, als h&auml;tten sie die Ehe nicht geschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da die Revision schon mit der Sachr&uuml;ge Erfolg hat, braucht der Senat &uuml;ber die Verfahrensr&uuml;ge des Kl&auml;gers nicht zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen reichen nicht aus, um das FA zur Zusammenveranlagung zu verpflichten. Dazu m&uuml;ssten der Kl&auml;ger und seine Ehefrau die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG &#8211;wirksame Ehe, unbeschr&auml;nkte Steuerpflicht, kein dauerndes Getrenntleben&#8211; zu einem beliebigen Zeitpunkt des betreffenden Veranlagungszeitraums erf&uuml;llt haben (z.B. Senatsurteil vom 22.&nbsp;August 2007 III&nbsp;R&nbsp;89\/06, BFH\/NV 2008, 351, Rz&nbsp;12). Es fehlt jedoch die Feststellung, dass der Kl&auml;ger und seine Ehefrau im Streitjahr &#8211;anders als vom FA vermutet&#8211; nicht dauernd getrennt gelebt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.6.2018, III R 20\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.140618.IIIR20.17.0 Zusammenveranlagung nach bestandskr&auml;ftiger Einzelveranlagung Leits&auml;tze 1. Erf&uuml;llen Ehegatten die Voraussetzungen der Ehegattenveranlagung (&sect; 26 Abs. 1 EStG), k&ouml;nnen sie nach der im Jahr 2008 geltenden Rechtslage zwischen getrennter Veranlagung (&sect; 26a EStG), Zusammenveranlagung (&sect; 26b EStG) sowie der besonderen Veranlagung im Jahr der Eheschlie&szlig;ung (&sect; 26c EStG) w&auml;hlen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-20-17-zusammenveranlagung-nach-bestandskraeftiger-einzelveranlagung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;20\/17 &#8211; Zusammenveranlagung nach bestandskr&auml;ftiger Einzelveranlagung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69904\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}