{"id":69905,"date":"2018-10-26T15:29:54","date_gmt":"2018-10-26T13:29:54","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69905"},"modified":"2018-10-26T15:29:54","modified_gmt":"2018-10-26T13:29:54","slug":"iii-r-27-17-zugangsvermutung-bei-beauftragung-eines-privaten-postdienstleisters-unter-einschaltung-eines-subunternehmers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-27-17-zugangsvermutung-bei-beauftragung-eines-privaten-postdienstleisters-unter-einschaltung-eines-subunternehmers\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;27\/17 &#8211; Zugangsvermutung bei Beauftragung eines privaten Postdienstleisters unter Einschaltung eines Subunternehmers"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.6.2018, III R 27\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.140618.IIIR27.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zugangsvermutung bei Beauftragung eines privaten Postdienstleisters unter Einschaltung eines Subunternehmers<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Unter &quot;Aufgabe zur Post&quot; i.S. des &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 AO wird auch die &Uuml;bermittlung eines Verwaltungsakts durch einen privaten Postdienstleister erfasst.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Einschaltung eines privaten Postdienstleisters sowie die weitere Einschaltung eines Subunternehmers k&ouml;nnen f&uuml;r die Zugangsvermutung innerhalb der Dreitagesfrist von Bedeutung sein, weil hierdurch m&ouml;glicherweise ein l&auml;ngerer Postlauf gegeben ist. In diesen F&auml;llen ist zu pr&uuml;fen, ob nach den bei den privaten Dienstleistern vorgesehenen organisatorischen und betrieblichen Vorkehrungen regelm&auml;&szlig;ig von einem Zugang des zu bef&ouml;rdernden Schriftst&uuml;cks innerhalb von drei Tagen ausgegangen werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 30. M&auml;rz 2017&nbsp;&nbsp;13 K 3907\/15 Kg aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nster zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob die Klage fristgerecht erhoben worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) wies den gegen den Kindergeldablehnungsbescheid vom 30.&nbsp;April 2013 gerichteten Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;November 2015 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Auf der Einspruchsentscheidung ist vermerkt: &quot;abgesandt am: 06.11.2015&quot; (Freitag). Nach Auskunft der Familienkasse wurde die versandfertige Ausgangspost am Freitag zwischen 12:30&nbsp;Uhr und 13:00&nbsp;Uhr durch den Kurierdienst, einen Subunternehmer der X (Y), abgeholt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen den ablehnenden Bescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 5.&nbsp;November 2015 erhob der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) am 10.&nbsp;Dezember 2015 Klage. Im Klageverfahren trug er vor, dass die Einspruchsentscheidung ihm erst am 12.&nbsp;November 2015 zugegangen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage wegen Vers&auml;umung der Klagefrist durch Prozessurteil ab. Nach dem Gesamtergebnis des Verfahrens war das FG davon &uuml;berzeugt, dass die Einspruchsentscheidung von der Familienkasse am 6.&nbsp;November 2015 zur Post gegeben worden war. Dem Kl&auml;ger sei es im &Uuml;brigen nicht gelungen, die gesetzliche Vermutung des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) zu entkr&auml;ften, n&auml;mlich dass die Einspruchsentscheidung drei Tage nach der Aufgabe zur Post am Montag, dem 9.&nbsp;November 2015 zugegangen sei. Insbesondere fehle es an einem substantiierten Tatsachenvortrag des Kl&auml;gers zu einem versp&auml;teten Zugang der Einspruchsentscheidung. So gen&uuml;ge die alleinige Behauptung, dass der Verwaltungsakt versp&auml;tet zugegangen sei, nicht. Das gelte auch bei der Bef&ouml;rderung durch einen privaten Zustelldienst (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 18.&nbsp;April 2013 X&nbsp;B&nbsp;47\/12, BFH\/NV 2013, 1218). Dem Kl&auml;ger h&auml;tte es im Hinblick auf den von ihm behaupteten atypischen Postlauf von sechs Tagen oblegen, eine entsprechende Beweisvorsorge zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger st&uuml;tzt seine Revision auf die Verletzung des &sect;&nbsp;122 AO, des &sect;&nbsp;76 der Finanzgerichtsordnung (FGO) und der Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 und Art.&nbsp;102 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes. Er beantragt sinngem&auml;&szlig;, das Urteil des FG aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO). Denn die tats&auml;chlichen Feststellungen des FG reichen nicht aus, um die Zul&auml;ssigkeit der Klage beurteilen zu k&ouml;nnen. Es kann insbesondere nicht ausgeschlossen werden, dass der Kl&auml;ger die Klagefrist gewahrt hat. Das FG hat die fehlenden tats&auml;chlichen Feststellungen dazu im zweiten Rechtsgang nachzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;47 Abs.&nbsp;1 FGO betr&auml;gt die Frist f&uuml;r die Erhebung der Anfechtungsklage einen Monat; sie beginnt mit der Bekanntgabe der Entscheidung &uuml;ber den au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelf. Die Entscheidung kann auch durch die Post &uuml;bermittelt werden (&sect;&nbsp;366 AO i.V.m. &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 AO). Die Entscheidung gilt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO am dritten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, au&szlig;er wenn sie nicht oder zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt zugegangen ist. Im Zweifel hat die Beh&ouml;rde den Zugang des Verwaltungsaktes und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bestreitet der Steuerpflichtige nicht den Zugang des Schriftst&uuml;cks &uuml;berhaupt, sondern behauptet er lediglich, es nicht innerhalb des Dreitageszeitraums des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO erhalten zu haben, hat er sein Vorbringen im Rahmen des M&ouml;glichen zu substantiieren, um Zweifel an der Dreitagesvermutung zu begr&uuml;nden. Er muss Tatsachen vortragen, die den Schluss zulassen, dass ein anderer Geschehensablauf als der typische &#8211;Zugang binnen dreier Tage nach Aufgabe zur Post&#8211; ernstlich in Betracht zu ziehen ist. Es gen&uuml;gt nicht schon einfaches Bestreiten, um die gesetzliche Vermutung &uuml;ber den Zeitpunkt des Zugangs des Schriftst&uuml;cks zu entkr&auml;ften. Es m&uuml;ssen vielmehr Zweifel berechtigt sein, sei es nach den Umst&auml;nden des Falles, sei es nach dem schl&uuml;ssig oder jedenfalls vern&uuml;nftig begr&uuml;ndeten Vorbringen des Steuerpflichtigen (Senatsurteil vom 3.&nbsp;Mai 2001 III&nbsp;R&nbsp;56\/98, BFH\/NV 2001, 1365). Das Erfordernis eines substantiierten Tatsachenvortrags darf allerdings nicht dazu f&uuml;hren, dass die Regelung &uuml;ber die objektive Beweislast, die nach dem Gesetz die Beh&ouml;rde trifft, zu Lasten des Steuerpflichtigen umgekehrt wird (BFH-Urteil vom 11.&nbsp;Juli 2017 IX&nbsp;R&nbsp;41\/15, BFH\/NV 2018, 185, Rz&nbsp;18, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Hat der Kl&auml;ger seinen Vortrag im Rahmen des ihm M&ouml;glichen substantiiert, hat das FG die Frage, ob &quot;Zweifel&quot; daran bestehen, dass ihm die Einspruchsentscheidung innerhalb der Dreitagesfrist &#8211;hier sp&auml;testens am 9.&nbsp;November 2015&#8211; zugegangen ist, &quot;nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen &Uuml;berzeugung&quot; zu beantworten (&sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO). Dies schlie&szlig;t ein, dass die richterliche &Uuml;berzeugung ihre Grundlage in dem Gesamtergebnis des Verfahrens haben muss. Das Gebot &quot;freier&quot; &Uuml;berzeugungsbildung verpflichtet damit das FG dazu, sich zun&auml;chst die geeigneten Grundlagen zu verschaffen, um sich darauf eine derartige &Uuml;berzeugung bilden zu k&ouml;nnen. Hierzu geh&ouml;rt eine angemessene Aufkl&auml;rung des ma&szlig;geblichen Sachverhalts (&sect;&nbsp;76 FGO). Das Gericht darf insoweit Umst&auml;nde, die zum Gegenstand des Verfahrens geh&ouml;ren, nicht ohne zureichenden Grund ausblenden. Der Zugang bleibt mithin Gegenstand der Sachaufkl&auml;rungspflicht des FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Unter welchen n&auml;heren Voraussetzungen ein Gericht von der Bekanntgabe innerhalb des Dreitageszeitraums nach &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO &uuml;berzeugt ist oder ob noch Zweifel am Zugang bestehen, l&auml;sst sich nicht allgemeing&uuml;ltig bestimmen, sondern ist Inhalt der jeweiligen tatrichterlichen &Uuml;berzeugungsbildung (vgl. BFH-Urteil vom 31.&nbsp;Oktober 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;14\/00, BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156). Diese ist grunds&auml;tzlich nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO f&uuml;r die Rechtsmittelinstanz bindend. Sie kann im Revisionsverfahren nur darauf hin &uuml;berpr&uuml;ft werden, ob das FG von einem unzureichend aufgekl&auml;rten Sachverhalt ausgegangen ist oder mit seiner Sachverhaltsw&uuml;rdigung gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss&auml;tze versto&szlig;en hat (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2003 X&nbsp;R&nbsp;17\/99, BFH\/NV 2003, 1031).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die vom FG im Streitfall vorgenommene W&uuml;rdigung ist auch unter Ber&uuml;cksichtigung dieses eingeschr&auml;nkten Pr&uuml;fungsma&szlig;stabs zu beanstanden. Das FG hat verfahrensfehlerhaft n&auml;here Ermittlungen zum Zeitpunkt des Zugangs der streitgegenst&auml;ndlichen Einspruchsentscheidung unterlassen, obwohl sich entsprechende Ermittlungen aufdr&auml;ngen mussten und ist insoweit zu Unrecht von der Zugangsfiktion nach &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO ausgegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Zwar hat das FG zutreffend festgestellt, dass die Familienkasse die Einspruchsentscheidung am 6.&nbsp;November 2015 zur Post aufgegeben hat, indem diese dem Subunternehmer des privaten Zustelldienstes X &uuml;bergeben wurde. Unter &quot;Aufgabe zur Post&quot; i.S. des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO wird auch eine &Uuml;bermittlung des Verwaltungsakts durch einen privaten Postdienstleister erfasst (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2013, 1218, Rz&nbsp;17; M&uuml;ller-Franken in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;122 AO Rz&nbsp;335, m.w.N.), so dass der Tag der Aufgabe zur Post nicht hinausgeschoben wird. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass das FG nach dem Gesamtergebnis des Verfahrens unter Ber&uuml;cksichtigung der von der Familienkasse geschilderten Vorkehrungen zur Postversendung von einer &quot;Aufgabe zur Post&quot; der Einspruchsentscheidung am 6.&nbsp;November 2015 ausgegangen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Im vorliegenden Fall ergeben sich aber aus den besonderen Umst&auml;nden des Falles Zweifel an dem typischen Geschehensablauf, dass das Schriftst&uuml;ck am dritten Tag nach Aufgabe zur Post (in C) den Empf&auml;nger (den Kl&auml;ger in B) erreichen konnte. Zwar trifft es zu, dass es regelm&auml;&szlig;ig zun&auml;chst nur im Verantwortungsbereich des Absenders liegt, das zu bef&ouml;rdernde Schriftst&uuml;ck den postalischen Bestimmungen entsprechend rechtzeitig zur Post zu geben, sodass es nach den organisatorischen und betrieblichen Vorkehrungen des Postdienstleisters den Empf&auml;nger innerhalb eines Dreitageszeitraums erreicht (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 4.&nbsp;April 2000&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;199\/00, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2001, 495, Rz&nbsp;8). Die Zugangsfiktion des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO kann sich dabei weiter auch auf schriftliche Verwaltungsakte erstrecken, die durch lizenzierte private Postdienstleister &#8211;zu denen auch der Postdienstleister X geh&ouml;rt&#8211; &uuml;bermittelt werden, da die Zuverl&auml;ssigkeitspr&uuml;fung durch die Regulierungsbeh&ouml;rde die Vermutung des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO gew&auml;hrleisten kann (vgl. zu &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes Beschluss des S&auml;chsischen Oberverwaltungsgericht vom 5.&nbsp;September 2014&nbsp;&nbsp;3&nbsp;A&nbsp;722\/12, S&auml;chsVBl 2015, 44, Rz&nbsp;10&nbsp;ff.). Zu beachten ist aber, dass im Rahmen der Lizenzierung die Einhaltung konkreter Postlaufzeiten nicht gepr&uuml;ft wird (vgl. Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 21.&nbsp;August 2017 L&nbsp;2&nbsp;R&nbsp;49\/17, juris, Rz&nbsp;32, m.w.N.). Daher ist grunds&auml;tzlich zu ermitteln, ob nach den bei dem privaten Dienstleister vorgesehenen organisatorischen und betrieblichen Vorkehrungen regelm&auml;&szlig;ig von einem Zugang des zu bef&ouml;rdernden Schriftst&uuml;cks innerhalb von drei Tagen ausgegangen werden kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn neben dem privaten Zustelldienst, der wie die X bei bundesweiten Zustellungen regelm&auml;&szlig;ig nur &uuml;ber Verbundgesellschaften t&auml;tig wird, ein weiteres Dienstleistungsunternehmen zwischengeschaltet wird. Insoweit kann die Einschaltung privater Postdienstleister bei der Frage von Bedeutung sein, ob die Zugangsvermutung als widerlegt gilt, weil hierdurch m&ouml;glicherweise ein l&auml;ngerer Postlauf die Folge ist (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2013, 1218, Rz&nbsp;17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Kl&auml;ger hat auf diese besonderen Umst&auml;nde im Streitfall hingewiesen. Weitere Ausf&uuml;hrungen, um die Zugangsfiktion zu ersch&uuml;ttern, sind nach Ansicht des Senats bei der hier vorliegenden Sachverhaltskonstellation nicht erforderlich. Dem Begriff des Zweifels entspricht es, dass auch unbewiesene Tatsachen dieser Art die Nachweispflicht der Beh&ouml;rde ausl&ouml;sen (BFH-Urteil vom 7.&nbsp;November 1985 V&nbsp;R&nbsp;3\/83, BFH\/NV 1987, 274). Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die einzelnen organisatorischen und betrieblichen Abl&auml;ufe bei dem von der Beh&ouml;rde in Anspruch genommenen Dienstleister im beh&ouml;rdlichen Verantwortungs- und Risikobereich liegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei dieser Sachlage und im Hinblick auf den auf einen Freitag fallenden Postaufgabetag h&auml;tte das FG den organisatorischen und betrieblichen Ablauf beim Postdienstleister und seinem Subunternehmer weiter aufkl&auml;ren m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall ist insbesondere nicht bekannt, ob und wann das m&ouml;glicherweise nur regional t&auml;tige Subunternehmen die von der Familienkasse empfangenen Schreiben an den privaten Postdienstleister X weitergeleitet hat. Weiterhin ist ungekl&auml;rt, ob der zwischen der X und der Familienkasse geschlossene Zustellvertrag bei Einschaltung eines Subunternehmers die zeitnahe Zustellung ihm &uuml;bergebener Briefsendungen auch &uuml;berregional sichert. Der bisher festgestellte Sachverhalt gibt keinen Aufschluss &uuml;ber die organisatorischen und zeitlichen Bef&ouml;rderungsabl&auml;ufe. Der Familienkasse obliegt eine gewissenhafte Pr&uuml;fung, ob eine Zustellung innerhalb des Dreitageszeitraums des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 AO durch den hier gew&auml;hlten privaten Postdienstleister mit jedenfalls gleich hoher Verl&auml;sslichkeit zu erwarten ist wie bei einer Versendung im Rahmen des Postuniversaldienstes (vgl. BFH-Beschluss vom 4.&nbsp;September 2008 I&nbsp;R&nbsp;41\/08, BFH\/NV 2008, 2042; Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen vom 21.&nbsp;August 2017 L&nbsp;2&nbsp;R&nbsp;49\/17, Rz&nbsp;39, juris). Das Subunternehmen ist auch kein Universalanbieter f&uuml;r Postdienstleistungen, f&uuml;r die die Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) vom 15.&nbsp;Dezember 1999 (BGBl I 1999, 2418) und die darin eingeforderten Qualit&auml;tsmerkmale f&uuml;r die Briefbef&ouml;rderung (&sect;&nbsp;2 PUDLV) Anwendung finden. Die Zugangsvermutung w&uuml;rde beispielsweise nicht eingreifen, wenn die Beh&ouml;rde einen privaten Postdienstleister beauftragt und dieser erst einen Tag nach Erhalt der Sendung diese an ein weiteres Unternehmen zur Weiterbef&ouml;rderung weiterleitet (vgl. FG Baden-W&uuml;rttemberg, Urteil vom 27.&nbsp;Februar 2013&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;3274\/11, Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 1090; vgl. BFH-Beschluss vom 25.&nbsp;M&auml;rz 2015 V&nbsp;B&nbsp;163\/14, BFH\/NV 2015, 948; M&uuml;ller-Franken in HHSp, &sect;&nbsp;122 AO Rz&nbsp;392).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.6.2018, III R 27\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.140618.IIIR27.17.0 Zugangsvermutung bei Beauftragung eines privaten Postdienstleisters unter Einschaltung eines Subunternehmers Leits&auml;tze 1. Unter &quot;Aufgabe zur Post&quot; i.S. des &sect; 122 Abs. 2 Nr. 1 AO wird auch die &Uuml;bermittlung eines Verwaltungsakts durch einen privaten Postdienstleister erfasst. 2. 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