{"id":69906,"date":"2018-10-26T15:30:03","date_gmt":"2018-10-26T13:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69906"},"modified":"2018-10-26T15:30:03","modified_gmt":"2018-10-26T13:30:03","slug":"x-r-44-16-beruecksichtigung-einer-umsatzsteuervorauszahlung-im-jahr-der-wirtschaftlichen-verursachung-bei-leistung-bis-zum-10-januar-des-folgejahres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-44-16-beruecksichtigung-einer-umsatzsteuervorauszahlung-im-jahr-der-wirtschaftlichen-verursachung-bei-leistung-bis-zum-10-januar-des-folgejahres\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;44\/16 &#8211; Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Verursachung bei Leistung bis zum 10. Januar des Folgejahres"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.6.2018, X R 44\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.270618.XR44.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Verursachung bei Leistung bis zum 10. Januar des Folgejahres<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Eine Umsatzsteuervorauszahlung, die innerhalb von zehn Tagen nach Ablauf des Kalenderjahres gezahlt wird, ist auch dann im Jahr ihrer wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit abziehbar, wenn der 10. Januar des Folgejahres auf einen Sonnabend, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag f&auml;llt (entgegen EStH 2017, &sect; 11 EStG H 11, Stichwort Allgemeines, &quot;Kurze Zeit&quot;).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 27. Januar 2016&nbsp;&nbsp;3 K 791\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ermittelt ihren Gewinn durch Einnahmen-&Uuml;berschussrechnung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Sie leistete die Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r den Monat Dezember 2014 in H&ouml;he von 6.859&nbsp;EUR durch Bank&uuml;berweisung, ihr Konto wurde am 8.&nbsp;Januar 2015 belastet. Die Kl&auml;gerin machte diese Zahlung als Betriebsausgabe im Rahmen ihrer Gewinnermittlung f&uuml;r das Jahr 2014 geltend. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) versagte den Betriebsausgabenabzug, da die Zahlung dem Jahr 2015 zuzurechnen sei. Die Regelung des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG sei nicht anzuwenden, wenn der F&auml;lligkeitstag aufgrund des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 der Abgabenordnung (AO) au&szlig;erhalb des Zehn-Tages-Zeitraumes liege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruch erhobene Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) entschied mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 1425 ver&ouml;ffentlichten Urteil, die Regelung des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG sei anzuwenden, weil sowohl der Zahlungszeitpunkt als auch der F&auml;lligkeitszeitpunkt innerhalb &quot;kurzer Zeit&quot; nach Beendigung des Kalenderjahres 2014 gelegen h&auml;tten. Der gesetzliche F&auml;lligkeitstermin f&uuml;r die Umsatzsteuervorauszahlung Dezember 2014, der 10.&nbsp;Januar 2015, sei zwar auf einen Sonnabend gefallen, &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO sei aber teleologisch so zu reduzieren, dass diese Norm bei der Pr&uuml;fung der Voraussetzungen des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG nicht anzuwenden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA begr&uuml;ndet seine Revision mit der Verletzung materiellen Rechts. Umsatzsteuervorauszahlungen w&uuml;rden grunds&auml;tzlich in dem Kalenderjahr als Betriebsausgaben oder Werbungskosten erfasst, in dem sie entstanden seien, sofern sie innerhalb von zehn Tagen nach Beendigung dieses Kalenderjahres entrichtet worden seien. Innerhalb dieses Zeitraums m&uuml;ssten die Zahlungen sowohl f&auml;llig als auch geleistet worden sein (Amtliches Einkommensteuer-Handbuch &#8211;EStH&#8211; 2017 H&nbsp;11 Stichwort Allgemeines). Dies entspreche auch der Auffassung des Bundesfinanzhofs (BFH). Anders als das FG meine, k&ouml;nne aus &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 des Umsatzsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (UStG) und einer teleologischen Betrachtung des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO nicht geschlossen werden, die F&auml;lligkeit liege im Streitfall innerhalb des Zehn-Tages-Zeitraums. Vielmehr ergebe sich die Bestimmung des F&auml;lligkeitszeitpunkts aus einem Zusammenspiel beider Normen. Die Auslegung des FG f&uuml;hre unzutreffend zu einer faktischen Nichtanwendung des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO und sei eine verfehlte Gesetzesanwendung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die mit einer Fiktion versehene Generalnorm des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO gelte f&uuml;r s&auml;mtliche Normen aller Einzelsteuergesetze, welche auf Fristen Bezug n&auml;hmen, und somit auch f&uuml;r die streitgegenst&auml;ndliche Sachlage. Wenn das FG meine, es habe &#8211;anders als der BFH in seinem Urteil vom 11.&nbsp;November 2014 VIII&nbsp;R&nbsp;34\/12 (BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285)&#8211; dar&uuml;ber entscheiden m&uuml;ssen, ob die nach &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO hinausgeschobene F&auml;lligkeit von Umsatzsteuervorauszahlungen im Rahmen der Pr&uuml;fung des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG beachtlich sei, bedeute dies im Kern die Frage, ob die Norm des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO auf &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG einwirken k&ouml;nne. Damit sei im Ergebnis nichts anderes zum Ausdruck gebracht worden als im BFH-Urteil, in dem ausgef&uuml;hrt werde, eine Verl&auml;ngerung des Zehn-Tages-Zeitraums komme auch im Hinblick auf die nach &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO hinausgeschobene F&auml;lligkeit von Umsatzsteuervorauszahlungen nicht in Betracht. Das FG sei in doppelter Hinsicht von dem BFH-Urteil in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285 abgewichen: Zum einen bestimme das FG eine besondere, n&auml;mlich eine &quot;fiktive&quot; F&auml;lligkeit, welche ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG Wirkung entfalten solle. Zum anderen habe das FG verkannt, dass es &uuml;ber dieselbe Rechtsfrage wie der BFH zu entscheiden gehabt habe. Der BFH habe in seinem Urteil in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285 bereits sinngem&auml;&szlig; erkannt, dass die F&auml;lligkeitsbestimmung einerseits und die Interpretation der Norm des &sect;&nbsp;11 EStG andererseits zwei voneinander zu unterscheidende Fragen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie ist insbesondere der Auffassung, die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG seien erf&uuml;llt, weil die Zahlung wirtschaftlich zum Jahr 2014 geh&ouml;re und innerhalb kurzer Zeit (hier acht Tage) nach Beendigung des Kalenderjahres abgeflossen sei. Weitere Voraussetzungen enthalte der Wortlaut der Vorschrift nicht. Insbesondere komme es auf die F&auml;lligkeit der Zahlungen nicht an. In diesem Zusammenhang sei vor allem auf das BFH-Urteil vom 23.&nbsp;September 1999 IV&nbsp;R&nbsp;1\/99 (BFHE 190, 335, BStBl II 2000, 121) zu verweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat zutreffend erkannt, dass die Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r Dezember 2014 in H&ouml;he von 6.859&nbsp;EUR als Betriebsausgabe f&uuml;r 2014 zu ber&uuml;cksichtigen ist. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gilt die am 8.&nbsp;Januar 2015 entrichtete Zahlung als im Jahr 2014 abgeflossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ausgaben sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG f&uuml;r das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind. Nach &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz 2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gelten regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrende Ausgaben, die bei dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres angefallen sind, zu dem sie wirtschaftlich geh&ouml;ren, als in diesem Kalenderjahr abgeflossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach st&auml;ndiger h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung, die vom erkennenden Senat geteilt wird, sind Umsatzsteuervorauszahlungen regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrende Ausgaben, deren Wiederholung bei der Art der von dem Steuerpflichtigen erbrachten Leistungen von vornherein feststeht (vgl. statt vieler BFH-Urteile vom 1.&nbsp;August 2007 XI&nbsp;R&nbsp;48\/05, BFHE&nbsp;218, 372, BStBl II 2008, 282, Rz&nbsp;12, und in BFHE&nbsp;247, 432, BStBl II 2015, 285, Rz&nbsp;14, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r den Dezember 2014 wurde von der Kl&auml;gerin &#8211;unstreitig&#8211; am 8.&nbsp;Januar 2015 und damit &quot;kurze Zeit&quot; i.S. des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG nach Beendigung des Kalenderjahres entrichtet. Als &quot;kurze Zeit&quot; gilt &#8211;ebenfalls nach st&auml;ndiger BFH-Rechtsprechung&#8211; ein Zeitraum von bis zu zehn Tagen (so z.B. Urteil in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285, Rz&nbsp;16&nbsp;f., m.w.N.), so dass dieses Tatbestandsmerkmal &#8211;dies steht zwischen den Beteiligten ebenfalls au&szlig;er Streit&#8211; erf&uuml;llt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Streitfall kann dahinstehen, ob es zur Anwendung des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG erforderlich ist, dass die Umsatzsteuervorauszahlung innerhalb dieses Zehn-Tages-Zeitraums nicht nur gezahlt, sondern auch f&auml;llig sein muss (dies bejahend BFH-Urteile vom 9.&nbsp;Mai 1974 VI&nbsp;R&nbsp;161\/72, BFHE&nbsp;112, 373, BStBl II 1974, 547; vom 24.&nbsp;Juli 1986 IV&nbsp;R&nbsp;309\/84, BFHE 147, 419, BStBl II 1987, 16 in Bezug auf die entsprechende Auslegung des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG; in BFHE 218, 372, BStBl II 2008, 282; in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285, und vom 24.&nbsp;August 2017 VI&nbsp;R&nbsp;58\/15, BFHE 259, 321, BStBl II 2018, 72; Urteil des S&auml;chsischen FG vom 30.&nbsp;November 2016&nbsp; 2&nbsp;K&nbsp;1277\/16, EFG 2017, 227; s.a. EStH 2017, &sect;&nbsp;11 EStG H&nbsp;11 Stichwort Allgemeines, &quot;Kurze Zeit&quot;; a.A. Urteil des FG K&ouml;ln vom 24.&nbsp;September 2015&nbsp; 15&nbsp;K&nbsp;3676\/13, EFG 2016, 230, Rz&nbsp;35; D&uuml;rr, Deutsche Steuer-Zeitung &#8211;DStZ&#8211; 2016, 645; Steck, DStZ 2016, 652).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Gegensatz zur Auffassung des FA w&auml;re im Streitfall auch der auf die F&auml;lligkeit bezogene Zehn-Tages-Zeitraum des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG eingehalten worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der die regelm&auml;&szlig;ige Wiederkehr bestimmende Zahlungs- und F&auml;lligkeitstermin beruht auf einer gesetzlichen Regelung: Die Vorauszahlung ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 UStG am 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums f&auml;llig, d.h. im Streitfall war die Umsatzsteuervorauszahlung der Kl&auml;gerin f&uuml;r den Dezember 2014 am 10.&nbsp;Januar 2015 und infolgedessen innerhalb des Zehn-Tages-Zeitraums des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz 2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG f&auml;llig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Bei der Ermittlung der (ggf. erforderlichen) F&auml;lligkeit ist allein auf diese gesetzliche Frist abzustellen, nicht hingegen auf eine m&ouml;gliche Verl&auml;ngerung der Frist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO bzw. &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;193 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuches (BGB). F&auml;llt danach das Ende einer Frist auf einen Sonntag, einen gesetzlichen Feiertag oder einen Sonnabend, so endet die Frist mit dem Ablauf des n&auml;chstfolgenden Werktags. Zutreffend hat der BFH in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285 zum einen die Anwendung des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;193 BGB auf F&auml;lle der vom Zu- und Abflussprinzip abweichenden zeitlichen Zurechnung regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrender Einnahmen oder Ausgaben in &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG verneint und die Umsatzsteuervorauszahlung, die &#8211;obgleich fristgerecht&#8211; am Montag, den 11.&nbsp;Januar des dem dortigen Streitjahr folgenden Jahres geleistet worden war, nicht als kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres i.S. von &sect;&nbsp;11 EStG abgeflossen angesehen. Es fehle bereits an der Voraussetzung, dass eine Leistung &quot;zu bewirken ist&quot;. &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG regelten n&auml;mlich keine Zahlungspflicht, sondern kn&uuml;pften nur an eine tats&auml;chlich in dem dort nicht n&auml;her bestimmten Zeitraum geleistete Zahlung an, um danach im Rahmen der Einkommensermittlung eine vom Grundsatz abweichende periodengerechte zeitliche Zurechnung von Einnahmen und Ausgaben f&uuml;r die Gewinn- bzw. &Uuml;berschusseink&uuml;nfte zu bestimmen (BFH-Urteil in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285, Rz&nbsp;18). Zum anderen sei auch &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO nicht auf &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG anwendbar, da jene Vorschriften keine Frist regelten, sondern lediglich eine gesetzlich normierte Zufluss- bzw. Abflussfiktion schafften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Erw&auml;gungen w&uuml;rden ebenfalls f&uuml;r die Beurteilung eines (ungeschriebenen) Tatbestandsmerkmals der F&auml;lligkeit der Verbindlichkeit im Rahmen des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG gelten, denn entscheidend ist auch hier, dass in dieser Vorschrift nicht an eine Handlungsfrist i.S. des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO, sondern an einen tats&auml;chlichen Vorgang, n&auml;mlich die Zahlung der Umsatzsteuervorauszahlung innerhalb des Zehn-Tages-Zeitraums angekn&uuml;pft wird. Im Gegensatz zur Auffassung des FA ist allein die Frage zu beantworten, wann eine Zahlung als abgeflossen gilt. Auf die Frage, wie die (ggf. erforderliche) F&auml;lligkeit im Einzelfall zu bestimmen ist bzw. ob die Frist zur Zahlung der Steuerschuld gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;193 BGB bzw. &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO hinausgeschoben wird, kommt es hingegen nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem ist zu ber&uuml;cksichtigen &#8211;hierauf weist die Kl&auml;gerin zu Recht hin&#8211;, dass Zweck des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO die Wahrung der Sonn- und Feiertagsruhe und die Ber&uuml;cksichtigung der in Wirtschaft und &ouml;ffentlicher Verwaltung &uuml;blichen F&uuml;nftagewoche ist (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Oktober 2003 IX&nbsp;R&nbsp;68\/98, BFHE 203, 26, BStBl II 2003, 898, unter II.1.b&nbsp;aa). Die Vorschrift will daher zugunsten des Steuerpflichtigen wirken, nicht aber verhindern, dass &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG in bestimmten Jahren aufgrund einer kalendarischen Konstellation zur Anwendung kommen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Auslegung wird durch den Zweck des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gest&uuml;tzt, Zufallsergebnisse zu vermeiden. Es w&auml;re nicht verst&auml;ndlich, wenn &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG trotz rechtzeitiger Zahlung allein deswegen nicht angewendet werden k&ouml;nnte, weil das Fristende des &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 UStG nicht auf einen Werktag, sondern auf einen Sonnabend, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag f&auml;llt, und damit aufgrund der Regelung des &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO bzw. &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;193 BGB die Steuerschuld erst am folgenden Werktag zu begleichen ist. Es kann nicht von einem Umstand abh&auml;ngen, auf den der Steuerpflichtige keinen Einfluss hat, dass bei identischen Vorgaben, n&auml;mlich der Erkl&auml;rung und Zahlung der Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r den Dezember vor dem 10.&nbsp;Januar des Folgejahres, in einigen Jahren eine Zurechnung der Zahlung zum Vorjahr erfolgt und in anderen Jahren &#8211;wie dem Streitjahr und dem Folgejahr 2015&#8211; die Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der Entrichtung als Betriebsausgabe zu ber&uuml;cksichtigen ist. Die Kl&auml;gerin hat die so m&ouml;glichen unterschiedlichen Rechtsfolgen plastisch beschrieben: Die Gewinnermittlung 2013 enthielte zw&ouml;lf monatliche Umsatzsteuervorauszahlungen, die des Jahres 2014 dagegen nur elf. Im Jahr 2015 g&auml;be es zw&ouml;lf Vorauszahlungen, jedoch mit abweichender wirtschaftlicher Zugeh&ouml;rigkeit (Dezember 2014 bis November 2015). Schlie&szlig;lich w&uuml;rde das Ergebnis 2016 mit 13 Umsatzsteuervorauszahlungen belastet. Derartige Zufallsergebnisse sollten durch &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG vermieden werden. Die Vorschrift w&auml;re daher, sofern ein ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal der F&auml;lligkeit der Umsatzsteuervorauszahlung gefordert w&uuml;rde, so auszulegen, dass sich der Zehn-Tages-Zeitraum nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;108 Abs.&nbsp;3 AO verl&auml;ngert (ebenso Urteil des S&auml;chsischen FG in EFG 2017, 227; Kister in Herrmann\/Heuer\/ Raupach, &sect;&nbsp;11 EStG Rz&nbsp;123 i.V.m. Rz&nbsp;80; Schmidt\/Kr&uuml;ger, EStG, 37.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;11, Rz&nbsp;40 i.V.m. Rz&nbsp;27; Pust in Littmann\/Bitz\/ Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;11 Rz&nbsp;117 i.V.m. Rz&nbsp;61; Bl&uuml;mich\/Glenk, &sect;&nbsp;11 EStG Rz&nbsp;93; Leist, Anmerkung zum Urteil des Th&uuml;ringer FG vom 27.&nbsp;Januar 2016&nbsp; 3&nbsp;K&nbsp;791\/15, EFG 2016, 1425; im Ergebnis ebenso Korn, Neue Wirtschaftsbriefe &#8211;NWB&#8211; 2016, 3134; ders., NWB 2018, 1800; wohl auch Pezzer, BFH\/PR 2015, 136; a.A. EStH 2017, &sect;&nbsp;11 EStG H&nbsp;11, Stichwort Allgemeines, &quot;Kurze Zeit&quot;; Oberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalen, Kurzinformation Einkommensteuer Nr.&nbsp;09\/2014 vom 7.&nbsp;M&auml;rz 2014, Deutsches Steuerrecht 2014, 1287; Bergan\/Martin in Lademann, EStG, &sect;&nbsp;11 EStG Rz&nbsp;150 i.V.m. Rz&nbsp;100).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.6.2018, X R 44\/16ECLI:DE:BFH:2018:U.270618.XR44.16.0 Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Verursachung bei Leistung bis zum 10. Januar des Folgejahres Leits&auml;tze Eine Umsatzsteuervorauszahlung, die innerhalb von zehn Tagen nach Ablauf des Kalenderjahres gezahlt wird, ist auch dann im Jahr ihrer wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit abziehbar, wenn der 10. Januar des Folgejahres auf einen Sonnabend, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-44-16-beruecksichtigung-einer-umsatzsteuervorauszahlung-im-jahr-der-wirtschaftlichen-verursachung-bei-leistung-bis-zum-10-januar-des-folgejahres\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;44\/16 &#8211; Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Verursachung bei Leistung bis zum 10. 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