{"id":69927,"date":"2018-10-26T15:30:12","date_gmt":"2018-10-26T13:30:12","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69927"},"modified":"2018-10-26T15:30:12","modified_gmt":"2018-10-26T13:30:12","slug":"vii-b-189-17-zur-sachaufklaerungspflicht-des-fg-bei-anfechtung-der-steuerberaterpruefung-wegen-eines-angeblich-eingeschlafenen-pruefers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-b-189-17-zur-sachaufklaerungspflicht-des-fg-bei-anfechtung-der-steuerberaterpruefung-wegen-eines-angeblich-eingeschlafenen-pruefers\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;B&nbsp;189\/17 &#8211; Zur Sachaufkl&auml;rungspflicht des FG bei Anfechtung der Steuerberaterpr&uuml;fung wegen eines angeblich eingeschlafenen Pr&uuml;fers"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.6.2018, VII B 189\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.290618.VIIB189.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Sachaufkl&auml;rungspflicht des FG bei Anfechtung der Steuerberaterpr&uuml;fung wegen eines angeblich eingeschlafenen Pr&uuml;fers<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Macht der Bewerber geltend, ein Pr&uuml;fer habe w&auml;hrend der m&uuml;ndlichen Pr&uuml;fung geschlafen, k&ouml;nnen keine Angaben verlangt werden, wie lange der Pr&uuml;fer geschlafen habe und welche Vorg&auml;nge ihm deshalb entgangen seien.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Die Rechtsprechung zur mangelhaften Besetzung des Gerichts bei einem schlafenden Richter ist nicht ohne Weiteres auf den Fall eines angeblich eingeschlafenen Pr&uuml;fers &uuml;bertragbar. In der Pr&uuml;fungssituation kommt es unter Beachtung des Grundsatzes der Chancengleichheit nicht auf die Dauer der Schlafanzeichen an. Zweifel und Unsicherheiten m&uuml;ssen ausgeschlossen sein.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Die Verwertung einer schriftlichen Stellungnahme reicht nicht aus, wenn der Bewerber die Vernehmung der Pr&uuml;fer als Zeugen beantragt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 12. Oktober 2017&nbsp;&nbsp;1 K 54\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Hamburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das Finanzgericht (FG) zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO liegen vor. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) hat mit ihrem Vorbringen, das FG sei seiner Sachaufkl&auml;rungspflicht nicht nachgekommen, einen Verfahrensmangel geltend gemacht, der auch vorliegt und auf dem die Vorentscheidung beruhen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat gegen seine Sachaufkl&auml;rungspflicht nach &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO versto&szlig;en, konkret gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO. Es h&auml;tte die Mitpr&uuml;flinge und die Pr&uuml;fungskommission zu der Behauptung, die Pr&uuml;fer X und Y seien in der m&uuml;ndlichen Pr&uuml;fung w&auml;hrend der Pr&uuml;fungsteile Z und W eingeschlafen, als Zeugen vernehmen m&uuml;ssen, wie von der Kl&auml;gerin schrifts&auml;tzlich mehrfach beantragt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Von den Verfahrensbeteiligten angebotene Beweise muss das FG grunds&auml;tzlich erheben, wenn es einen Verfahrensmangel vermeiden will (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;Dezember 2005 I&nbsp;B&nbsp;249\/04, BFH\/NV 2006, 780). Allerdings ist das FG nicht verpflichtet, unsubstantiierten Beweisantr&auml;gen nachzugehen (z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 2.&nbsp;August 2006 IX&nbsp;B&nbsp;58\/06, BFH\/NV 2006, 2117; vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2006 XI&nbsp;B&nbsp;79\/05, BFH\/NV 2006, 1132; vom 22.&nbsp;Juni 2016 III&nbsp;B&nbsp;134\/15, BFH\/NV 2016, 1571). In welchem Ma&szlig; eine solche Substantiierung zu fordern ist, h&auml;ngt vom Umfang der Mitwirkungspflicht des Beteiligten im Einzelfall (BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2014 XI&nbsp;B&nbsp;97\/13, BFH\/NV 2014, 1062) bzw. davon ab, wessen Wissens- und Einflussbereich die Tatsachen zuzurechnen sind (BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;10\/14, BFHE 250, 145, BStBl II 2015, 940).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Anwendung dieser Grunds&auml;tze hat das FG die Anforderungen an den Vortrag der Kl&auml;gerin &uuml;berspannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hatte im Rahmen des Er&ouml;rterungstermins am 20.&nbsp;Januar 2016 vorgetragen, die Pr&uuml;fer X und Y seien in den Pr&uuml;fungsabschnitten zur Z und zur W eingeschlafen. Sie h&auml;tten die Augen geschlossen und ihre K&ouml;pfe seien nach vorn gefallen. Dieser Vortrag ist ausreichend. Die Kl&auml;gerin musste nicht &#8211;wie vom FG verlangt&#8211; dar&uuml;ber hinaus vortragen, wie lange die Pr&uuml;fer dem Pr&uuml;fungsgeschehen nicht folgen konnten und welche Vorg&auml;nge ihnen entgangen seien (Rz&nbsp;183 im FG-Urteil). Es ist in der besonderen Pr&uuml;fungssituation nicht zu verlangen, dass ein Pr&uuml;fling derartige Aufzeichnungen anfertigt. Das w&uuml;rde bedeuten, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt f&uuml;r eventuelle Rechtsmittel Vorsorge schafft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Pr&uuml;fungssituation ist nicht mit der allgemeinen Situation in einer m&uuml;ndlichen Verhandlung vor einem Gericht vergleichbar. Deshalb kann die vom FG zitierte Rechtsprechung (Rz&nbsp;180 im FG-Urteil) zur mangelhaften Besetzung bei einem schlafenden Richter nicht ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall &uuml;bertragen werden. Die BFH-Rechtsprechung fordert sichere Anzeichen f&uuml;r das Schlafen wie beispielsweise tiefes, h&ouml;rbares und gleichm&auml;&szlig;iges Atmen oder gar Schnarchen oder eindeutige Anzeichen von fehlender Orientierung (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 16.&nbsp;Juni 2009 X&nbsp;B&nbsp;202\/08, BFH\/NV 2009, 1659; vom 17.&nbsp;Februar 2011 IV&nbsp;B&nbsp;108\/09, BFH\/NV 2011, 996; vom 27.&nbsp;April 2011 III&nbsp;B&nbsp;62\/10, BFH\/NV 2011, 1379).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Pr&uuml;fungssituation ist der Grundsatz der Chancengleichheit als pr&uuml;fungsrechtliche Auspr&auml;gung des allgemeinen Gleichheitssatzes zu beachten (Senatsurteil vom 20.&nbsp;Juli 1999 VII&nbsp;R&nbsp;111\/98, BFHE 189, 280, BStBl II 1999, 803). Die Chancengleichheit ist verletzt, wenn die konkrete Ausgestaltung des Pr&uuml;fungsverfahrens zur Folge haben kann, dass das Leistungsverm&ouml;gen des Pr&uuml;flings beeintr&auml;chtigt und dieser damit gegen&uuml;ber anderen Pr&uuml;flingen in einer vergleichbaren Pr&uuml;fungssituation benachteiligt ist (vgl. Senatsurteil vom 10.&nbsp;M&auml;rz 1992 VII&nbsp;R&nbsp;87\/90, BFHE 167, 480, 482, BStBl II 1992, 634, m.w.N.), wenn sich also nicht ausschlie&szlig;en l&auml;sst, dass die Pr&uuml;fungsbedingungen wesentlich dazu beigetragen haben, dass der Pr&uuml;fling kein besseres Pr&uuml;fungsergebnis erzielt hat (vgl. Senatsurteil vom 27.&nbsp;Juli 1993 VII&nbsp;R&nbsp;11\/93, BFHE 172, 254, BStBl II 1994, 259, und in BFHE 189, 280, BStBl II 1999, 803). Unter Anwendung dieser Grunds&auml;tze kommt es auf die Dauer der Schlafanzeichen nicht an, weil der Pr&uuml;fling bereits verunsichert sein kann, wenn wegen &auml;u&szlig;erer Anzeichen anzunehmen ist, dass ein Pr&uuml;fer schl&auml;ft, und weil einem Pr&uuml;fer auch im Fall eines nur kurz w&auml;hrenden Schlafs f&uuml;r die Bewertung wichtige Vorg&auml;nge entgehen k&ouml;nnen. Unter dem Gesichtspunkt der Chancengleichheit muss gew&auml;hrleistet sein, dass solche Zweifel und Unsicherheiten ausgeschlossen sind. Die Kl&auml;gerin hat schlie&szlig;lich zutreffend auf die Bedeutung von Art.&nbsp;12 des Grundgesetzes (GG) verwiesen. Die Kl&auml;gerin hat aufgrund ihres durch Art.&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 GG gesch&uuml;tzten Rechtes, den Beruf eines Steuerberaters zu ergreifen, ein subjektives &ouml;ffentliches Recht (&quot;Anspruch&quot;), dass eine Pr&uuml;fungsentscheidung, die ihr jenen Qualifikationsnachweis versagt, nicht auf der Grundlage eines Pr&uuml;fungsverfahrens getroffen wird, in dem der Grundsatz der Chancengleichheit in einer Weise verletzt worden ist, die sich auf das Ergebnis der Pr&uuml;fung ausgewirkt haben kann (Senatsurteil in BFHE 189, 280, BStBl II 1999, 803).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ist danach die Vernehmung der Zeugen erforderlich, reicht es nicht aus &#8211;wie vorliegend geschehen&#8211; eine schriftliche Stellungnahme des Pr&uuml;fungsausschusses einzuholen. Darin liegt ein Versto&szlig; gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme (&sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 Satz 1 FGO). Der Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme gilt zwar nicht ausnahmslos. Das mittelbare Beweismittel kann verwendet werden, wenn die Erhebung des unmittelbaren Beweises unm&ouml;glich, unzul&auml;ssig oder unzumutbar erscheint oder wenn die Beteiligten der Ber&uuml;cksichtigung des mittelbaren Beweismittels nicht widersprechen (Senatsurteil vom 26.&nbsp;April 1988 VII&nbsp;R&nbsp;124\/85, BFHE 153, 463, Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern 1988, 297, m.w.N.). Im Urteil muss zum Ausdruck kommen, dass der unterschiedliche Beweiswert von Urkunden- und Zeugenbeweis gesehen und ber&uuml;cksichtigt wurde (BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;Juli 2010 VIII&nbsp;B&nbsp;198\/09, BFH\/NV 2010, 2096; Senatsbeschluss vom 12.&nbsp;Januar 2016 VII&nbsp;B&nbsp;111\/15, BFH\/NV 2016, 579). Bereits daran fehlt es. Im &Uuml;brigen hatte die Kl&auml;gerin noch mit Schriftsatz vom 11.&nbsp;Oktober 2017 den Antrag wiederholt, die Pr&uuml;fungskommission zu laden. Sie war mithin nicht mit der Verwendung des mittelbaren Beweises einverstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat ihr R&uuml;gerecht nicht nach &sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 der Zivilprozessordnung (ZPO) verloren, weil ihr Prozessvertreter die Sitzung nach Ablehnung des Befangenheitsantrags verlassen hat. Zwar ist die Verletzung der aus &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO folgenden Sachaufkl&auml;rungspflicht ein verzichtbarer Verfahrensmangel (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 ZPO), bei dem das R&uuml;gerecht nicht nur durch eine ausdr&uuml;ckliche oder konkludente Verzichtserkl&auml;rung gegen&uuml;ber dem FG verloren geht, sondern auch durch das blo&szlig;e Unterlassen einer rechtzeitigen R&uuml;ge. Ein Versto&szlig; gegen die Sachaufkl&auml;rungspflicht liegt aber trotz unterlassener R&uuml;ge vor, wenn das FG &#8211;wie hier&#8211; eine konkrete M&ouml;glichkeit, den entscheidungserheblichen Sachverhalt aufzukl&auml;ren, nicht genutzt hat, obwohl sich ihm die Notwendigkeit der weiteren Aufkl&auml;rung auch ohne Antrag nach Lage der Akten und dem Ergebnis der Verhandlung h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen (vgl. u.a. BFH-Beschl&uuml;sse vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2010 X&nbsp;B&nbsp;95\/09, BFH\/NV 2010, 1827; vom 3.&nbsp;April 2007 I&nbsp;B&nbsp;151, 152\/06, BFH\/NV 2007, 1671). Die Kl&auml;gerin hatte in ihrer Beschwerde darauf hingewiesen, dass das FG im Rahmen seiner Amtsermittlung die Zeugen h&auml;tte laden m&uuml;ssen. Hinzu kommt, dass das FG begr&uuml;ndet hat, weshalb es von der Beweiserhebung abgesehen hat. Denn es hat ausgef&uuml;hrt, der Vortrag der Kl&auml;gerin sei nicht hinreichend substantiiert (Rz&nbsp;183 im FG-Urteil). In einem derartigen Fall bedarf es keiner R&uuml;ge in der m&uuml;ndlichen Verhandlung, weil aus dem Urteil selbst hervorgeht, dass dem FG die Existenz des &uuml;bergangenen Beweismittels bewusst war (BFH-Beschl&uuml;sse vom 29.&nbsp;Juni 2011 X&nbsp;B&nbsp;242\/10, BFH\/NV 2011, 1715; vom 26.&nbsp;November 2008 IX&nbsp;B&nbsp;122\/08, BFH\/NV 2009, 600; vom 28.&nbsp;Februar 2018 V&nbsp;B&nbsp;145\/16, BFH\/NV 2018, 636).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich kann der Senat dahinstehen lassen, ob eine unzul&auml;ssige vorweggenommene Beweisw&uuml;rdigung vorliegt, weil das FG darauf abgestellt hat (Rz&nbsp;184 im FG-Urteil), dass die Kl&auml;gerin erst im &Uuml;berdenkungsverfahren (&sect;&nbsp;29 der Verordnung zur Durchf&uuml;hrung der Vorschriften &uuml;ber Steuerberater, Steuerbevollm&auml;chtigte und Steuerberatungsgesellschaften &#8211;DVStB&#8211;) ger&uuml;gt hatte, die beiden Pr&uuml;fer seien eingeschlafen. Dem Senat erschlie&szlig;t sich allerdings nicht, weshalb es nahegelegen haben soll, sp&auml;testens bei der Mitteilung des Pr&uuml;fungsergebnisses auf diesen Umstand hinzuweisen. Wie das FG zutreffend festgestellt hat, erfasst &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;8 DVStB nur St&ouml;rungen der m&uuml;ndlichen Pr&uuml;fung, die durch &auml;u&szlig;ere Einwirkungen verursacht werden. Um eine solche &auml;u&szlig;ere Einwirkung handelte es sich hier nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das FG h&auml;tte die Mitpr&uuml;flinge zum Ablauf der m&uuml;ndlichen Pr&uuml;fung vernehmen m&uuml;ssen, liegt &#8211;ungeachtet der Frage, ob der Vortrag der Kl&auml;gerin den Anforderungen nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gen&uuml;gt&#8211; insoweit kein Verfahrensmangel vor. Auf die beantragte Beweiserhebung konnte das FG verzichten, weil es bez&uuml;glich einiger Pr&uuml;fungsabschnitte das Beweismittel f&uuml;r die zu treffende Entscheidung f&uuml;r unerheblich erachtet hat und in den &uuml;brigen F&auml;llen den Vortrag der Kl&auml;gerin als wahr unterstellt hat (zu den Anforderungen nach st&auml;ndiger Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 1.&nbsp;Februar 2007 VI&nbsp;B&nbsp;118\/04, BFHE 216, 409, BStBl II 2007, 538, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.6.2018, VII B 189\/17ECLI:DE:BFH:2018:B.290618.VIIB189.17.0 Zur Sachaufkl&auml;rungspflicht des FG bei Anfechtung der Steuerberaterpr&uuml;fung wegen eines angeblich eingeschlafenen Pr&uuml;fers Leits&auml;tze 1. NV: Macht der Bewerber geltend, ein Pr&uuml;fer habe w&auml;hrend der m&uuml;ndlichen Pr&uuml;fung geschlafen, k&ouml;nnen keine Angaben verlangt werden, wie lange der Pr&uuml;fer geschlafen habe und welche Vorg&auml;nge ihm deshalb entgangen seien. 2. 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