{"id":69948,"date":"2018-10-26T15:32:32","date_gmt":"2018-10-26T13:32:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=69948"},"modified":"2018-10-26T15:32:32","modified_gmt":"2018-10-26T13:32:32","slug":"x-b-22-18-nichtigkeit-von-schaetzungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-22-18-nichtigkeit-von-schaetzungen\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;22\/18 &#8211; Nichtigkeit von Sch&auml;tzungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.8.2018, X B 22\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.060818.XB22.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Nichtigkeit von Sch&auml;tzungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die blo&szlig;e Absicht der Finanzbeh&ouml;rde, den Steuerpflichtigen durch das Sch&auml;tzungsergebnis zu sanktionieren (&quot;Strafsch&auml;tzung&quot;), l&ouml;st f&uuml;r sich genommen noch keine Nichtigkeit der hierauf beruhenden Steuerfestsetzung nach &sect; 125 Abs. 1 AO aus. Hinzu kommen muss, dass die Sch&auml;tzung bei objektiver Betrachtung den durch die Umst&auml;nde des Einzelfalls gezogenen Sch&auml;tzungsrahmen verl&auml;sst, d.h. objektiv fehlerhaft ist.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 17. Januar 2018 3 K 3137\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die f&uuml;r die Streitjahre 2013 und 2014 zur Einkommensteuer zusammenveranlagt werden. Die Kl&auml;gerin f&uuml;hrt seit dem Jahr 2003 einen Gewerbebetrieb, f&uuml;r den in den Jahren 2006 bis 2011 durchgehend Verluste anfielen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r das Jahr 2012 gaben die Kl&auml;ger keine Einkommensteuererkl&auml;rung ab. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte bei den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb im Sch&auml;tzungswege einen Betrag von 0&nbsp;EUR. Der Sch&auml;tzungsbescheid blieb unangefochten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch f&uuml;r die Streitjahre 2013 und 2014 kamen die Kl&auml;ger ihrer Pflicht zur Abgabe von Einkommensteuererkl&auml;rungen zun&auml;chst nicht nach. Das FA sch&auml;tzte Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb von 15.000&nbsp;EUR (2013) bzw. 30.000&nbsp;EUR (2014). Bei den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit des Kl&auml;gers ber&uuml;cksichtigte das FA den Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Auch jene Sch&auml;tzungsbescheide fochten die Kl&auml;ger nicht an. Erst nach Eintritt der Bestandskraft reichten sie Steuererkl&auml;rungen ein, in denen sie Verluste aus Gewerbebetrieb von 5.232&nbsp;EUR (2013) bzw. 16.320&nbsp;EUR (2014) auswiesen. Eine &Auml;nderung der Steuerfestsetzungen lehnte das FA unter Hinweis auf deren Bestandskraft (und fehlender verfahrensrechtlicher &Auml;nderungsm&ouml;glichkeiten) ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Januar 2017 beantragten die Kl&auml;ger die Feststellung der Nichtigkeit der den Steuerfestsetzungen f&uuml;r die Jahre 2013 und 2014 zugrunde liegenden Bescheide (&sect;&nbsp;125 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;). Es handele sich &#8211;so die Begr&uuml;ndung&#8211; um willk&uuml;rliche, krass von den tats&auml;chlichen Gegebenheiten abweichende &quot;Strafsch&auml;tzungen&quot;; Sch&auml;tzungserw&auml;gungen seien nicht erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte den Antrag ab; Einspruchs- und Klageverfahren blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) sah die Voraussetzungen f&uuml;r eine Nichtigkeit als nicht gegeben an. Die Sch&auml;tzungen des FA l&auml;gen innerhalb des durch die Umst&auml;nde des Einzelfalls gezogenen Sch&auml;tzungsrahmens. Die in Ansatz gebrachten Gewinne seien bei einer betriebsspezifischen Betrachtung denkbar. Fehle es bereits an der Rechtswidrigkeit der Sch&auml;tzungen, k&ouml;nnten diese erst recht nicht nichtig sein. Bewege sich das Sch&auml;tzungsergebnis &#8211;wie im Streitfall&#8211; innerhalb des Sch&auml;tzungsrahmens, f&uuml;hre auch eine etwaige subjektive Willk&uuml;r des Veranlagungssachbearbeiters nicht zur Nichtigkeit der auf den Sch&auml;tzungen beruhenden Steuerbescheide. Es sei daher unerheblich, ob die zust&auml;ndige Sachbearbeiterin die Steuerveranlagungen &#8211;wie von den Kl&auml;gern unter Beweisantritt behauptet&#8211; als &quot;Strafsch&auml;tzung&quot; habe verstehen wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger begehren die Zulassung der Revision wegen Divergenz. Zudem r&uuml;gen sie die unterlassene Beweisaufnahme als Verfahrensfehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA tritt der Beschwerde entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die von den Kl&auml;gern angef&uuml;hrten Revisionszulassungsgr&uuml;nde i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) sind nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung wegen Divergenz (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) ist nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Revisionszulassung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO setzt voraus, dass das FG bei gleichem oder vergleichbarem Sachverhalt in einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage eine andere Auffassung vertritt als der BFH, das Bundesverfassungsgericht, der Gemeinsame Senat der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes, ein anderes oberstes Bundesgericht oder ein anderes FG. Das FG muss seiner Entscheidung einen tragenden abstrakten Rechtssatz zugrunde gelegt haben, der mit den ebenfalls tragenden Rechtsausf&uuml;hrungen in der Divergenzentscheidung des anderen Gerichts nicht &uuml;bereinstimmt. Zur schl&uuml;ssigen Darlegung einer Divergenzr&uuml;ge nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO geh&ouml;rt u.a. eine hinreichend genaue Bezeichnung der vermeintlichen Divergenzentscheidung sowie die Gegen&uuml;berstellung tragender, abstrakter Rechtss&auml;tze aus dem angefochtenen Urteil des FG einerseits und aus den behaupteten Divergenzentscheidungen andererseits, um eine Abweichung deutlich erkennbar zu machen (vgl. Senatsbeschl&uuml;sse vom 10.&nbsp;Mai 2012 X&nbsp;B&nbsp;57\/11, BFH\/NV 2012, 1307, m.w.N., Rz&nbsp;2, 3, sowie vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2018 X&nbsp;B&nbsp;44\/17, BFH\/NV 2018, 637, Rz&nbsp;17&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Divergenzentscheidung liegt dagegen nicht schon dann vor, wenn ein Gericht von den Rechtsgrunds&auml;tzen der BFH-Rechtsprechung ausgeht und lediglich eine unzutreffende Anwendung der Grunds&auml;tze auf den Einzelfall ger&uuml;gt wird. Es wird dann lediglich ein materiell-rechtlicher, nicht zur Revisionszulassung f&uuml;hrender Fehler ger&uuml;gt (vgl. statt vieler BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;Februar 2017 V&nbsp;B&nbsp;48\/16, BFH\/NV 2017, 629, Rz&nbsp;11, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen vermochten die Kl&auml;ger eine Divergenz zu den von ihnen zitierten BFH-Entscheidungen nicht zu begr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Tragend f&uuml;r die FG-Entscheidung war zum einen der Rechtssatz, dass eine Sch&auml;tzung, deren Ergebnis sich (noch) innerhalb des durch die Umst&auml;nde des Einzelfalls gezogenen Sch&auml;tzungsrahmens bewegt, rechtm&auml;&szlig;ig ist. Dieser Rechtssatz l&auml;sst keine Abweichung zu der von den Kl&auml;gern insoweit benannten Senatsentscheidung vom 15.&nbsp;Juli 2014 X&nbsp;R&nbsp;42\/12 (BFH\/NV 2015, 145, Rz&nbsp;21) erkennen; vielmehr ging der Senat dort vom n&auml;mlichen Grundsatz aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Soweit das FG zum anderen seine Entscheidung auf den Rechtssatz gest&uuml;tzt hat, bei noch im Rahmen liegenden &#8211;d.h. noch nicht einmal rechtswidrigen&#8211; Sch&auml;tzungsergebnissen k&ouml;nne die hierauf beruhende Steuerfestsetzung weder aufgrund objektiver Willk&uuml;r (S.&nbsp;11 des Urteils) noch bei einer &quot;falschen subjektiven Zielrichtung&quot; des Veranlagungssachbearbeiters (S.&nbsp;12) nichtig sein, weicht es ebenfalls nicht von Rechtss&auml;tzen der BFH-Rechtsprechung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Der Senat hat in seiner Entscheidung in BFH\/NV&nbsp;2015, 145 &#8211;anders als die Kl&auml;ger meinen&#8211; nicht den abstrakten Rechtssatz aufgestellt, dass jede (vorliegend im &Uuml;brigen streitige) subjektive Willk&uuml;rma&szlig;nahme die Nichtigkeit der Steuerfestsetzung zur Folge hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Vielmehr ergibt sich aus Rz&nbsp;21 und 23 der Entscheidung eine letztlich dreigestufte Abfolge: W&auml;hrend eine Sch&auml;tzung, die sich sogar am oberen Rand des einzelfallabh&auml;ngigen Sch&auml;tzungsrahmens orientiert, noch als rechtm&auml;&szlig;ig gilt, f&uuml;hrt eine solche, die jenen Rahmen nach oben (oder unten) verl&auml;sst, zur Rechtswidrigkeit und Anfechtbarkeit. Selbst grobe Abweichungen vom Sch&auml;tzungsrahmen haben regelm&auml;&szlig;ig nur die Rechtswidrigkeit, nicht aber die Nichtigkeit zur Folge. Gr&uuml;ndet sich die insoweit <em>fehlerhafte<\/em> Sch&auml;tzung &#8211;dritte Stufe&#8211; allerdings darauf, dass sich die Finanzbeh&ouml;rde entgegen dem Regelungsauftrag in &sect;&nbsp;162 Abs.&nbsp;1 AO nicht an den wahrscheinlichen Besteuerungsgrundlagen orientiert, sondern bewusst zum Nachteil des Steuerpflichtigen sch&auml;tzt, kann ein zur Nichtigkeit f&uuml;hrender besonders schwerer Fehler i.S. von &sect;&nbsp;125 Abs.&nbsp;1 AO vorliegen (sog. subjektive Willk&uuml;rma&szlig;nahme). Selbiges gilt, wenn ein ebenfalls als fehlerhaft zu disqualifizierendes Sch&auml;tzungsergebnis trotz vorhandener Sachverhaltsaufkl&auml;rungsm&ouml;glichkeiten <em>krass<\/em> von den tats&auml;chlichen Gegebenheiten abweicht und in keiner Weise erkennbar ist, dass &uuml;berhaupt und ggf. welche Sch&auml;tzungserw&auml;gungen angestellt wurden, sog. objektive Willk&uuml;rma&szlig;nahme (vgl. Senatsurteile in BFH\/NV 2015, 145, sowie vom 15.&nbsp;Mai 2002 X&nbsp;R&nbsp;34\/99, juris, unter II.3. und 4.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Den Rechtssatz, allein die Absicht der Finanzbeh&ouml;rde, den Steuerpflichtigen durch das Sch&auml;tzungsergebnis zu sanktionieren, l&ouml;se bereits die Nichtigkeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;125 AO aus, kann der vorgenannten BFH-Rechtsprechung somit nicht entnommen werden. Hierauf weist auch das FA in seiner Beschwerdeerwiderung zu Recht hin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Soweit die Kl&auml;ger eine Divergenz zu den BFH-Entscheidungen vom 20.&nbsp;Dezember 2000 I&nbsp;R&nbsp;50\/00 (BFHE 194, 1, BStBl&nbsp;II&nbsp;2001, 381) sowie vom 18.&nbsp;Dezember 1984 VIII&nbsp;R&nbsp;195\/82 (BFHE 142, 558, BStBl&nbsp;II&nbsp;1986, 226) anf&uuml;hren (vgl. S.&nbsp;7 bis 9 der Beschwerdebegr&uuml;ndung), legen sie keine hinsichtlich der abstrakten Rechtss&auml;tze bestehenden Abweichungen dar. Sie tragen insoweit lediglich vor, es sei dem FA im Streitfall zumutbar und m&ouml;glich gewesen, diverse Erkenntnismittel f&uuml;r eine sachgerechte Sch&auml;tzung zu beschaffen und zu verwerten. Folge des Versto&szlig;es hiergegen sei &#8211;anders als das FG annehme&#8211; die objektive Willk&uuml;r der Sch&auml;tzungen und damit die Nichtigkeit der Steuerfestsetzungen. Insoweit r&uuml;gen die Kl&auml;ger lediglich die Nichtanwendung von BFH-Rechtsprechungsgrunds&auml;tzen, legen aber nicht in der nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gebotenen Weise eine f&uuml;r die Revisionszulassung erforderliche Divergenz dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Gleiches gilt f&uuml;r den Einwand, das FG&nbsp;sei von den Grunds&auml;tzen der Senatsentscheidung vom 15.&nbsp;Mai 2002 X&nbsp;R&nbsp;34\/99 (juris) abgewichen. Soweit der Senat dort den Rechtssatz aufgestellt hat, eine Sch&auml;tzung erweise sich erst dann als rechtswidrig, wenn sie den durch die Umst&auml;nde des jeweiligen Einzelfalls gezogenen Sch&auml;tzungsrahmen verlasse und sich die Beh&ouml;rde bei einer Verletzung der Erkl&auml;rungspflicht an der oberen Grenze des Sch&auml;tzungsrahmens orientieren k&ouml;nne (dort unter II.3. der Gr&uuml;nde), folgt das FG jenen Grunds&auml;tzen exakt (vgl. S.&nbsp;8&nbsp;ff. des FG-Urteils). Lediglich die Anwendung jener Grunds&auml;tze auf den vorliegenden Einzelfall erweist sich nach Ansicht der Kl&auml;ger als unzutreffend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Auch die Verfahrensr&uuml;ge nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO greift nicht durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO hat das Gericht den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen und dabei die erforderlichen Beweise (&sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO) zu erheben. Ein diesbez&uuml;glicher Verfahrensmangel ist gegeben, wenn das FG einen entscheidungserheblichen Beweisantrag &uuml;bergeht (vgl. Senatsbeschluss vom 1.&nbsp;Juni 2015 X&nbsp;B&nbsp;6\/15, BFH\/NV 2015, 1265, Rz&nbsp;12). Ein ordnungsgem&auml;&szlig; gestellter Beweisantrag darf nur unber&uuml;cksichtigt bleiben, wenn das Beweismittel f&uuml;r die zu treffende Entscheidung unerheblich, das Beweismittel unerreichbar bzw. unzul&auml;ssig oder absolut untauglich ist oder wenn die in Frage stehende Tatsache zugunsten des Beweisf&uuml;hrenden als wahr unterstellt werden kann (st&auml;ndige h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;November 2009 VI&nbsp;B&nbsp;11\/09, BFH\/NV 2010, 650, unter II.1.a, sowie Senatsbeschl&uuml;sse vom 28.&nbsp;September 2011 X&nbsp;B&nbsp;69\/11, BFH\/NV 2012, 32, Rz&nbsp;13; vom 8.&nbsp;Januar 2014 X&nbsp;B&nbsp;68\/13, BFH\/NV 2014, 566, Rz&nbsp;13, sowie vom 12.&nbsp;Februar 2018 X&nbsp;B&nbsp;64\/17, BFH\/NV 2018, 538, Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall braucht der Senat nicht dar&uuml;ber zu befinden, ob das FG&nbsp;nach den genannten Grunds&auml;tzen dem Beweisantrag der Kl&auml;ger h&auml;tte nachkommen m&uuml;ssen. Jedenfalls wird insoweit nicht die Zulassung der Revision nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zwar haben die Kl&auml;ger ihr Recht zur F&uuml;hrung der Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge &#8211;ausnahmsweise&#8211; nicht dadurch gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;155&nbsp;FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 der Zivilprozessordnung verloren, dass sie die Nichterhebung der am 15.&nbsp;September 2017 und 12.&nbsp;Januar 2018 schriftlich beantragten Einvernahme des Zeugen X in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 17.&nbsp;Januar 2018 nicht vorsorglich ger&uuml;gt haben (vgl. hierzu Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;114, m.w.N. auf BFH-Rechtsprechung). Denn das FG hat auf S.&nbsp;12 seines Urteils &#8211;kurz&#8211; begr&uuml;ndet, weshalb es von der Beweiserhebung abgesehen hat. In diesem Fall bedarf es keiner R&uuml;ge in der m&uuml;ndlichen Verhandlung; eine solche w&auml;re vielmehr als &uuml;berfl&uuml;ssige F&ouml;rmelei anzusehen, da bereits aus dem Urteil selbst hervorgeht, dass dem FG die Existenz des angebotenen Beweismittels bewusst war (vgl. Senatsbeschluss vom 29.&nbsp;Juni 2011 X&nbsp;B&nbsp;242\/10, BFH\/NV&nbsp;2011, 1715, Rz&nbsp;10&nbsp;ff.; BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;November 2008 IX&nbsp;B&nbsp;122\/08, BFH\/NV 2009, 600, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die von den Kl&auml;gern beantragte Einvernahme des Zeugen X war f&uuml;r die Entscheidungsfindung des FG allerdings unerheblich, so dass die Entscheidung jedenfalls nicht auf dem ger&uuml;gten Verfahrensmangel i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO &#8211;l&auml;ge er denn &uuml;berhaupt vor&#8211; beruhte (vgl. hierzu Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;115). Selbst wenn der Zeugenbeweis die Erkenntnis hervorgebracht h&auml;tte, dass die zust&auml;ndige Veranlagungssachbearbeiterin anl&auml;sslich eines Gespr&auml;chs mit der Kl&auml;gerin und dem Zeugen am 20.&nbsp;Dezember 2016 an Amtsstelle die Sch&auml;tzungen f&uuml;r die Streitjahre als &quot;Strafsch&auml;tzungen&quot; benannt habe, h&auml;tte dies die Entscheidung des FG nicht ber&uuml;hrt. Denn das FG hat sich &#8211;wie dargelegt&#8211; ma&szlig;geblich auf den Rechtsstandpunkt gestellt, dass auch der von den Kl&auml;gern behauptete Willk&uuml;rakt der Beh&ouml;rde nicht zur Nichtigkeit der Sch&auml;tzungsbescheide zur Einkommensteuer 2013 und 2014 gef&uuml;hrt h&auml;tte, da sich das Sch&auml;tzungsergebnis noch innerhalb des einzelfallbezogen zu bestimmenden Sch&auml;tzungsrahmens bewegt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.8.2018, X B 22\/18ECLI:DE:BFH:2018:B.060818.XB22.18.0 Nichtigkeit von Sch&auml;tzungen Leits&auml;tze NV: Die blo&szlig;e Absicht der Finanzbeh&ouml;rde, den Steuerpflichtigen durch das Sch&auml;tzungsergebnis zu sanktionieren (&quot;Strafsch&auml;tzung&quot;), l&ouml;st f&uuml;r sich genommen noch keine Nichtigkeit der hierauf beruhenden Steuerfestsetzung nach &sect; 125 Abs. 1 AO aus. Hinzu kommen muss, dass die Sch&auml;tzung bei objektiver Betrachtung den durch die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-22-18-nichtigkeit-von-schaetzungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;22\/18 &#8211; Nichtigkeit von Sch&auml;tzungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-69948","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69948","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69948"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69948\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69948"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69948"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69948"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}