{"id":70041,"date":"2018-12-06T18:29:22","date_gmt":"2018-12-06T16:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70041"},"modified":"2018-12-06T18:29:22","modified_gmt":"2018-12-06T16:29:22","slug":"vii-r-2-17-haftungsbescheid-und-bevorstehende-restschuldbefreiung-des-haftungsschuldners","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-2-17-haftungsbescheid-und-bevorstehende-restschuldbefreiung-des-haftungsschuldners\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;2\/17 &#8211; Haftungsbescheid und bevorstehende Restschuldbefreiung des Haftungsschuldners"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.6.2018, VII R 2\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.120618.VIIR2.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Haftungsbescheid und bevorstehende Restschuldbefreiung des Haftungsschuldners<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Die Pflicht des Vereinsvorstands zur Abgabe korrekter Steuererkl&auml;rungen besteht auch vor Aberkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Der Vorstand hat die fortlaufende Pflicht, die Voraussetzungen der Gemeinn&uuml;tzigkeit (&sect;&sect; 51 ff. AO) zu &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Eine nur (m&ouml;glicherweise) bevorstehende Restschuldbefreiung des Haftungsschuldners muss das FA im Rahmen der Ermessensaus&uuml;bung bei Erlass des Haftungsbescheids nicht ber&uuml;cksichtigen.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: In welchem Umfang die Haftungsschuld von der Restschuldbefreiung erfasst wird, ist erst nach dem Beschluss &uuml;ber die Restschuldbefreiung (&sect; 300 Abs. 4 InsO) zu kl&auml;ren.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Finanzamts wird das Urteil des Finanzgerichts des Saarlandes vom 7. Dezember 2016 2 K 1072\/14 ge&auml;ndert.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Haftungsbescheid vom 14. Mai 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 29. Januar 2014 wird aufgehoben, soweit die Kl&auml;gerin als Haftende f&uuml;r Umsatzsteuer, K&ouml;rperschaftsteuer und Solidarit&auml;tszuschlag 2006 in Anspruch genommen worden ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>Im &Uuml;brigen wird die Klage abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Von den Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens tragen die Kl&auml;gerin 77 % und das Finanzamt 23 %.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) war von der Gr&uuml;ndung eines urspr&uuml;nglich als gemeinn&uuml;tzig anerkannten Vereins im Jahr 2004 bis zu ihrer Amtsniederlegung Ende August 2011 Erste Vorsitzende des Vorstands. In dieser Eigenschaft hatte sie im Jahr 2005 den Schatzmeister uneingeschr&auml;nkt bevollm&auml;chtigt, f&uuml;r den Verein zu handeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im April 2008 er&ouml;ffnete das zust&auml;ndige Amtsgericht ein Verbraucherinsolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin und erteilte mit Beschluss vom &#8230; Juni 2014 die Restschuldbefreiung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 19.&nbsp;September 2011 erkannte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) dem Verein wegen satzungsfremder Verwendung von Spenden die Gemeinn&uuml;tzigkeit ab und erlie&szlig; Bescheide &uuml;ber K&ouml;rperschaftsteuer, Umsatzsteuer und Solidarit&auml;tszuschlag f&uuml;r die Jahre 2006 bis 2008.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Anh&ouml;rung wurde die Kl&auml;gerin mit Haftungsbescheid vom 14.&nbsp;Mai 2013 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;69 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) f&uuml;r u.a. K&ouml;rperschaft- und Umsatzsteuerschulden des Vereins f&uuml;r die Jahre 2006 bis 2008 in Anspruch genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einspruchsverfahren wies die Kl&auml;gerin auf die bevorstehende Restschuldbefreiung hin. In der Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;Januar 2014 reduzierte das FA die Haftungssumme um die Zinsen zur Umsatzsteuer und zur K&ouml;rperschaftsteuer f&uuml;r die Jahre 2006 bis 2008 und die aufgrund der Nichtzahlung entstandenen S&auml;umniszuschl&auml;ge, und wies den Einspruch im &Uuml;brigen als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage hatte teilweise Erfolg. Das Finanzgericht (FG) urteilte, der Haftungsbescheid sei zum Teil rechtswidrig. Das FA habe sein Entschlie&szlig;ungsermessen nicht fehlerfrei ausge&uuml;bt, weil es die bevorstehende Restschuldbefreiung nicht ber&uuml;cksichtigt habe. Deshalb k&ouml;nne die Haftung nicht auf solche Steuerschulden erstreckt werden, f&uuml;r die die Kl&auml;gerin den Rechtsgrund durch ihre schuldhafte Pflichtverletzung bereits vor Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens gelegt habe. Es handele sich um eine Insolvenzforderung i.S. des &sect;&nbsp;38 der Insolvenzordnung (InsO), soweit der Zeitraum 2006 bis April 2008 &#8211;der Monat der Insolvenzer&ouml;ffnung&#8211; betroffen sei. F&uuml;r die Entstehung der Haftungsschuld komme es nicht auf die unterlassene Abgabe der Steuererkl&auml;rungen, sondern auf die Erteilung der Vollmacht an den damaligen Schatzmeister und die Verletzung von Kontroll- und &Uuml;berwachungspflichten an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt das FA, der Rechtsgrund f&uuml;r die Haftung liege nicht in dem pflichtwidrigen Unterlassen von Kontroll- und &Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen oder in einem Versto&szlig; gegen nach &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 AO bestehende Informationspflichten, sondern in der pflichtwidrigen Nichtabgabe der K&ouml;rperschaft- und Umsatzsteuererkl&auml;rungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung insoweit aufzuheben, als der Haftungsbescheid vom 14.&nbsp;Mai 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 29.&nbsp;Januar 2014 hinsichtlich der Zeitr&auml;ume 2007 und Januar bis April 2008 aufgehoben worden ist, und insoweit die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist in dem im Tenor genannten Umfang erfolgreich, weil die Entscheidung des FG Bundesrecht verletzt (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Senat entscheidet nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO in der Sache selbst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Unrecht einen Ermessensfehler in der Nichtber&uuml;cksichtigung der m&ouml;glicherweise bevorstehenden Restschuldbefreiung gesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wer kraft Gesetzes f&uuml;r eine Steuer haftet, kann nach &sect;&nbsp;191 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO durch Haftungsbescheid in Anspruch genommen werden. Nach &sect;&nbsp;69 i.V.m. &sect;&nbsp;34 AO haftet die Kl&auml;gerin als Vereinsvorstand insoweit pers&ouml;nlich, als Anspr&uuml;che aus dem zugrunde liegenden Steuerschuldverh&auml;ltnis infolge vors&auml;tzlicher oder grob fahrl&auml;ssiger Verletzung der ihr auferlegten Pflichten nicht oder nicht rechtzeitig festgesetzt oder erf&uuml;llt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Als Vorstand vertrat die Kl&auml;gerin den Verein von dessen Gr&uuml;ndung im Jahr 2004 bis zu ihrer Amtsniederlegung Ende August 2011 gerichtlich und au&szlig;ergerichtlich (&sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs) und hatte dessen steuerliche Pflichten zu erf&uuml;llen (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 AO). Zu den steuerlichen Pflichten eines Vereinsvorstands geh&ouml;rt es insbesondere, rechtzeitig Steuererkl&auml;rungen abzugeben (&sect;&nbsp;149 AO) und die f&auml;lligen Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis (&sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;1 AO) aus den verwalteten Mitteln zu begleichen (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO) oder zumindest f&uuml;r eine m&ouml;glichst gleichm&auml;&szlig;ige Befriedigung s&auml;mtlicher Gl&auml;ubiger zu sorgen (Senatsbeschluss vom 11.&nbsp;November 2015 VII&nbsp;B&nbsp;57\/15, BFH\/NV 2016, 372; Senatsurteil vom 14.&nbsp;Juni 2016 VII&nbsp;R&nbsp;20\/14, BFH\/NV 2016, 1672). Die Pflicht zur Abgabe der K&ouml;rperschaftsteuer- und Umsatzsteuererkl&auml;rungen richtet sich nach &sect;&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes bzw. &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;3 des Umsatzsteuergesetzes. Auch die Abgabe einer unvollst&auml;ndigen oder unrichtigen Steuererkl&auml;rung kann dazu f&uuml;hren, dass eine korrekte Steuerfestsetzung unterbleibt und ein Haftungsschaden entsteht (Senatsurteil vom 12.&nbsp;April 1988 VII&nbsp;R&nbsp;131\/85, BFHE 153, 199, BStBl II 1988, 742). Diese Pflicht bestand nicht erst nach der f&ouml;rmlichen Aberkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit im September 2011 und damit nach der Amtsniederlegung der Kl&auml;gerin Ende August 2011.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;gerin hat weder die korrekten Steuererkl&auml;rungen eingereicht noch die entsprechenden Steuern entrichtet, weil sie pflichtwidrig nicht erkannt hat, dass die Voraussetzungen der Gemeinn&uuml;tzigkeit nicht (mehr) erf&uuml;llt waren. Dagegen kommt es nicht auf die Erteilung der Vollmacht an den Schatzmeister an, wovon das FG auszugehen scheint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kl&auml;gerin hat die ihr auferlegten Pflichten auch grob fahrl&auml;ssig verletzt. Die Frage des Verschuldens des Haftungsschuldners hat das FG nach seiner freien, aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens gewonnenen &Uuml;berzeugung zu beantworten (&sect;&nbsp;96 FGO). Daran ist der Senat mangels erhobener und durchgreifender Verfahrensr&uuml;gen gebunden (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO). Dies gilt zwar nur hinsichtlich der tats&auml;chlichen Feststellungen, nicht in Bezug auf die rechtliche Subsumtion der getroffenen Feststellungen unter den Begriff der groben Fahrl&auml;ssigkeit (Senatsbeschluss vom 25.&nbsp;Februar 1997 VII&nbsp;B&nbsp;190\/96, BFH\/NV 1997, 594). Vorliegend sind jedoch keine Rechtsfehler des FG erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Schaden ist durch die dargestellte Pflichtverletzung kausal verursacht. H&auml;tte die Kl&auml;gerin fristgem&auml;&szlig; die zutreffenden Steuererkl&auml;rungen eingereicht, h&auml;tte das FA die Steuern rechtzeitig festgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Ausf&uuml;hrungen des FG zur Haftungssumme sind nicht zu beanstanden. Es sind keine Fehler erkennbar, zumal die Kl&auml;gerin diesbez&uuml;glich auch keine Einwendungen erhoben hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Auf die vom FG &#8211;unzutreffend&#8211; bejahte Frage, ob ein Ermessensfehler vorliegt, weil das FA eine bevorstehende Restschuldbefreiung nicht beachtet hatte, kam es nicht an. Die Haftungsforderung ist erst nach der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens am 22.&nbsp;April 2008 i.S. des &sect;&nbsp;38 InsO begr&uuml;ndet worden und wird deshalb von einer Restschuldbefreiung (&sect;&nbsp;301 InsO) nicht erfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entscheidend ist, wann der Rechtsgrund f&uuml;r den Anspruch gelegt worden ist (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 16.&nbsp;Mai 2013 IV&nbsp;R&nbsp;23\/11, BFHE 241, 233, BStBl II 2013, 759; BFH-Beschluss vom 1.&nbsp;April 2008 X&nbsp;B&nbsp;201\/07, BFH\/NV 2008, 925). Der Rechtsgrund f&uuml;r einen Steueranspruch, zu denen auch der Haftungsanspruch nach &sect;&nbsp;69 AO geh&ouml;rt (&sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;1 AO), ist gelegt, wenn der gesetzliche (Besteuerungs-)Tatbestand verwirklicht wird (BFH-Urteil in BFHE 241, 233, BStBl II 2013, 759). F&uuml;r die insolvenzrechtliche Begr&uuml;ndung der Haftungsforderung kommt es nicht auf die zugrunde liegende Steuerschuld, sondern darauf an, ob die ma&szlig;gebliche Handlung bzw. Unterlassung vor Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens begangen wurde (Frotscher, Besteuerung bei Insolvenz, 8.&nbsp;Aufl., Seite&nbsp;67; Waza\/Uhl&auml;nder\/ Schmittmann, Insolvenzen und Steuern, 11.&nbsp;Aufl., Rz&nbsp;706; Sonnleitner, Insolvenzsteuerrecht, Kap.&nbsp;3 Rz&nbsp;73).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Steuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 2007 und 2008 waren nach &sect;&nbsp;149 Abs.&nbsp;1 AO a.F. jeweils sp&auml;testens f&uuml;nf Monate nach Ablauf des Kalenderjahres abzugeben, mithin nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens am &#8230;&nbsp;April 2008.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Die Sache ist spruchreif. Der Senat konnte allerdings das Urteil des FG nicht aufheben und die Klage abweisen, weil das FA seine Revision gegen die Vorentscheidung beschr&auml;nkt hat. &Uuml;ber den Revisionsantrag darf der Senat nicht hinausgehen (vgl. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;August 2015 I&nbsp;R&nbsp;88\/13, BFHE 251, 190, BStBl II 2016, 961).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>8. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, 136 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.6.2018, VII R 2\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.120618.VIIR2.17.0 Haftungsbescheid und bevorstehende Restschuldbefreiung des Haftungsschuldners Leits&auml;tze 1. NV: Die Pflicht des Vereinsvorstands zur Abgabe korrekter Steuererkl&auml;rungen besteht auch vor Aberkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit. 2. NV: Der Vorstand hat die fortlaufende Pflicht, die Voraussetzungen der Gemeinn&uuml;tzigkeit (&sect;&sect; 51 ff. AO) zu &uuml;berpr&uuml;fen. 3. NV: Eine nur (m&ouml;glicherweise) bevorstehende Restschuldbefreiung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-2-17-haftungsbescheid-und-bevorstehende-restschuldbefreiung-des-haftungsschuldners\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;2\/17 &#8211; Haftungsbescheid und bevorstehende Restschuldbefreiung des Haftungsschuldners<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70041","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70041","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70041"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70041\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}