{"id":70076,"date":"2018-12-06T18:40:44","date_gmt":"2018-12-06T16:40:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70076"},"modified":"2018-12-06T18:40:44","modified_gmt":"2018-12-06T16:40:44","slug":"v-r-49-17-korrektur-unzutreffender-rechtsanwendung-beim-bautraeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-49-17-korrektur-unzutreffender-rechtsanwendung-beim-bautraeger\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;49\/17 &#8211; Korrektur unzutreffender Rechtsanwendung beim Bautr&auml;ger"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.9.2018, V R 49\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.270918.VR49.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Korrektur unzutreffender Rechtsanwendung beim Bautr&auml;ger<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Hat ein Bautr&auml;ger aufgrund der rechtsirrigen Annahme seiner Steuerschuld als Leistungsempf&auml;nger von ihm bezogene Bauleistungen nach &sect; 13b UStG versteuert, kann er das Entfallen dieser rechtswidrigen Besteuerung geltend machen, ohne dass es darauf ankommt, dass er einen gegen ihn gerichteten Nachforderungsanspruch des leistenden Unternehmers erf&uuml;llt oder die M&ouml;glichkeit f&uuml;r eine Aufrechnung durch das FA besteht (entgegen BMF-Schreiben vom 26. Juli 2017, BStBl I 2017, 1001, Rz 15a).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 10. Oktober 2017&nbsp;&nbsp;14 K 344\/16 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) errichtete in den Streitjahren 2011 bis 2013 Geb&auml;ude. Ganz &uuml;berwiegend ver&auml;u&szlig;erte sie diese anschlie&szlig;end an Dritte. Diese Ums&auml;tze unterfielen der Steuerbefreiung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;9 Buchst.&nbsp;a des Umsatzsteuergesetzes in der Fassung der Streitjahre (UStG). Im geringen Umfang behielt sie Geb&auml;udeteile f&uuml;r sich und vermietete sie steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Errichtung der Geb&auml;ude bezog sie Bauleistungen von im Inland ans&auml;ssigen Dritten, welche mit der Kl&auml;gerin &uuml;bereinstimmend davon ausgingen, dass die Kl&auml;gerin als Leistungsempf&auml;ngerin Steuerschuldnerin sei, und ihr Nettorechnungen stellten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihren Steuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre erkl&auml;rte sie dementsprechend Steuer nach &sect;&nbsp;13b UStG in H&ouml;he von 31.688,06&nbsp;EUR in 2011, in H&ouml;he von 201.677,65&nbsp;EUR in 2012 sowie in H&ouml;he von 318.956,24&nbsp;EUR in 2013. Die Jahressteuer errechnete sie in H&ouml;he von 31.688,06&nbsp;EUR f&uuml;r 2011, in H&ouml;he von 203.096&nbsp;EUR f&uuml;r 2012 und in H&ouml;he von 318.956,24&nbsp;EUR f&uuml;r 2013. Diese Erkl&auml;rungen f&uuml;hrten zu Festsetzungen unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheiden vom 25.&nbsp;Juni 2016 hob der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) jeweils den Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen legte die Kl&auml;gerin mit der Begr&uuml;ndung Einspruch ein, nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 22.&nbsp;August 2013 V&nbsp;R&nbsp;37\/10 (BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128) sei sie nicht Steuerschuldnerin. Das FA wies den Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 13.&nbsp;Januar 2016 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber hatte die Klage zum Finanzgericht (FG) Erfolg. Das FG gab der Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1842 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit seiner Revision. Nach Auffassung des FA habe das FG zwar zutreffend entschieden, dass die Kl&auml;gerin nicht Steuerschuldnerin nach &sect;&nbsp;13b UStG sei. Der Durchsetzbarkeit des mit der Klage verfolgten Erstattungsanspruchs stehe aber &sect;&nbsp;17 UStG in entsprechender Anwendung, der Grundsatz von Treu und Glauben und das Unionsrecht entgegen. Festzuhalten sei an einer vom BFH in einem summarischen Verfahren vertretenen Auffassung. Treu und Glauben komme eine rechtsbegrenzende Wirkung zu. Es sei rechtsmissbr&auml;uchlich und eine unzul&auml;ssige Rechtsaus&uuml;bung, wenn ein Anspruchsinhaber an einer formalen Rechtsposition festhalte, ohne ein schutzw&uuml;rdiges Eigeninteresse zu haben. Das Erstattungsverlangen begr&uuml;nde die Verpflichtung, an den Leistenden zu zahlen. Ein steuerrechtlicher Zufallsgewinn f&uuml;hre nicht zu einem berechtigten Eigeninteresse. Gleiches gelte im Hinblick auf die Verzinsung. Die Kl&auml;gerin verhalte sich zudem treuwidrig, wenn sie Erstattung begehre, ohne an den Leistenden zu zahlen. Dies ergebe sich auch aus dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 26.&nbsp;Juli 2017, BStBl I 2017, 1001, Rz&nbsp;15a. Nach dem Neutralit&auml;tsprinzip sei eine ungerechtfertigte Bereicherung zu vermeiden. Zu beachten sei auch die BFH-Rechtsprechung, nach der es bei &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG f&uuml;r das Entfallen der Steuerschuld zur Vermeidung einer ungerechtfertigten Bereicherung auf eine R&uuml;ckzahlung &uuml;berh&ouml;ht ausgewiesener Steuerbetr&auml;ge ankomme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Revisionsverfahrens ergingen Teilabhilfebescheide vom 29.&nbsp;Juni 2018, die gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;68, 121 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des Revisionsverfahrens wurden. Das FA setzte die Umsatzsteuer 2011 auf &#8230;&nbsp;EUR, die Umsatzsteuer 2012 auf &#8230;&nbsp;EUR und die Umsatzsteuer 2013 auf &#8230;&nbsp;EUR fest. Hieraus ergaben sich Erstattungsanspr&uuml;che in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR (2011), &#8230;&nbsp;EUR (2012) und &#8230;&nbsp;EUR (2013), gegen die das FA mit Ausnahme eines Restbetrages von &#8230;&nbsp;EUR die Aufrechnung erkl&auml;rte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Hinblick hierauf beantragt das FA nunmehr,<br \/>das Urteil des FG dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Umsatzsteuer 2011 auf &#8230;&nbsp;EUR, die Umsatzsteuer 2012 auf &#8230;&nbsp;EUR und die Umsatzsteuer 2013 auf &#8230;&nbsp;EUR festgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Festsetzungs- und Erhebungsverfahren seien zu trennen. Sie sei nicht Steuerschuldner gewesen. Den Steuerbescheiden stehe kein aufschiebend bedingtes Durchsetzungshindernis entgegen. Dies k&ouml;nne nur f&uuml;r das hier unerhebliche Erhebungsverfahren von Bedeutung sein. Das FA beziehe sich f&uuml;r das streitige Verfahren zu Unrecht auf das Erhebungsverfahren. Der Gesetzgeber gehe von einem Erstattungsanspruch des Leistungsempf&auml;ngers aus. Auf einen Zufallsgewinn komme es nicht an. &sect;&nbsp;17 UStG sei nicht analog anzuwenden. Sie versto&szlig;e nicht gegen Treu und Glauben und verhalte sich auch nicht widerspr&uuml;chlich. Die Finanzverwaltung habe die Bautr&auml;gerproblematik selbst verursacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Wie zwischen den Beteiligten unstreitig ist, war die Kl&auml;gerin nicht Steuerschuldnerin nach &sect;&nbsp;13b UStG. Hat ein Bautr&auml;ger aufgrund der rechtsirrigen Annahme seiner Steuerschuld als Leistungsempf&auml;nger f&uuml;r von ihm bezogene Bauleistungen nach &sect;&nbsp;13b UStG versteuert, kann er das Entfallen dieser rechtswidrigen Besteuerung geltend machen, ohne dass es darauf ankommt, dass er einen gegen ihn gerichteten Nachforderungsanspruch des leistenden Unternehmers erf&uuml;llt oder die M&ouml;glichkeit f&uuml;r eine Aufrechnung durch das FA besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine rechtswidrig nach &sect;&nbsp;13b UStG als Leistungsempf&auml;nger vorgenommene Versteuerung ist unter den Voraussetzungen einer verfahrensrechtlichen Korrekturm&ouml;glichkeit &#8211;hier: Einspruch gegen die Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO)&#8211; r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen (vgl. hierzu z.B. Senatsurteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das materielle Recht macht das Entfallen einer rechtswidrigen Besteuerung nach &sect;&nbsp;13b UStG nicht von weiteren Bedingungen abh&auml;ngig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Anspruch auf &Auml;nderung der rechtswidrigen Steuerfestsetzung h&auml;ngt nicht von einer f&uuml;r das FA bestehenden Aufrechnungsm&ouml;glichkeit ab. Denn im Verh&auml;ltnis zwischen Festsetzungs- und Erhebungsverfahren ist die Steuerfestsetzung f&uuml;r das Erhebungsverfahren vorgreiflich. Grundlage f&uuml;r die Verwirklichung von Anspr&uuml;chen aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO Steuerbescheide und Steuerverg&uuml;tungsbescheide (BFH-Urteil vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2012 V&nbsp;R&nbsp;24\/11, BFHE 236, 274, BStBl II 2012, 466, Rz&nbsp;42). Sind Festsetzungs- und Erhebungsverfahren danach voneinander zu trennen, ist die das Erhebungsverfahren betreffende Aufrechnung (vgl. &sect;&nbsp;226 AO) f&uuml;r die Beurteilung der Rechtswidrigkeit einer Steuerfestsetzung ohne Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auf der Grundlage des f&uuml;r das Umsatzsteuerrecht ma&szlig;geblichen Sollprinzips (vgl. zur Steuerentstehung &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a UStG und beim Vorsteuerabzug &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG) kann dem materiellen Recht kein allgemeiner Grundsatz entnommen werden, dass der Leistungsempf&auml;nger eine bei ihm rechtswidrig nach &sect;&nbsp;13b UStG vorgenommene Besteuerung erst aufgrund einer einen Steueranteil umfassenden Zahlung an den Leistenden r&uuml;ckg&auml;ngig machen kann. Soweit dies dem Senatsbeschluss vom 27.&nbsp;Januar 2016 V&nbsp;B&nbsp;87\/15 (BFHE 252, 187) und der dort f&uuml;r m&ouml;glich gehaltenen Auslegung von &sect;&nbsp;17 UStG zu entnehmen sein sollte, hat der erkennende Senat hieran in seinem Urteil vom 23.&nbsp;Februar 2017 V&nbsp;R&nbsp;16,&nbsp;24\/16 (BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, Rz&nbsp;62) nicht festgehalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Best&auml;tigt wird dies durch &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;19 UStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Sind Unternehmer und Leistungsempf&auml;nger davon ausgegangen, dass der Leistungsempf&auml;nger die Steuer nach &sect;&nbsp;13b UStG auf eine vor dem 15.&nbsp;Februar 2014 erbrachte steuerpflichtige Leistung schuldet, und stellt sich diese Annahme als unrichtig heraus, ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;19 Satz&nbsp;1 UStG die gegen den leistenden Unternehmer wirkende Steuerfestsetzung zu &auml;ndern, soweit der Leistungsempf&auml;nger die Erstattung der Steuer fordert, die er in der Annahme entrichtet hatte, Steuerschuldner zu sein. Nach &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;19 Satz&nbsp;2 UStG steht &sect;&nbsp;176 AO der &Auml;nderung nicht entgegen. &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;19 Satz&nbsp;3 UStG enth&auml;lt eine Abtretungsregelung, wobei &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;19 Satz&nbsp;4 UStG die Erf&uuml;llungswirkung dieser Abtretung regelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;19 UStG bezweckt, den Vertrauensschutz nach &sect;&nbsp;176 AO auszuschalten und durchbricht dabei die grunds&auml;tzliche Trennung zwischen Festsetzungs- und Erhebungsverfahren (BFH-Urteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128, Rz&nbsp;29 und 47). F&uuml;r die Aus&uuml;bung der &Auml;nderungsbefugnis gegen&uuml;ber dem Leistenden muss diesem hier ein abtretbarer Nachforderungsanspruch gegen den Leistungsempf&auml;nger zustehen (BFH-Urteil in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, Leitsatz&nbsp;1 und unter II.2.d), der sich entsprechend der Senatsrechtsprechung aus &sect;&nbsp;313 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs oder aus erg&auml;nzender Vertragsauslegung (so Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17.&nbsp;Mai 2018 VII&nbsp;ZR&nbsp;157\/17, Neue Juristische Wochenschrift 2018, 2469) ergeben kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Eine vergleichbare Regelung zu Lasten des Leistungsempf&auml;ngers, der sich unzutreffend als Steuerschuldner nach &sect;&nbsp;13b UStG angesehen hat, gibt es nicht. Damit besteht hier die Trennung von Festsetzungs- und Erhebungsverfahren unver&auml;ndert fort. F&uuml;r das &Auml;nderungsbegehren des Leistungsempf&auml;ngers kommt es daher nicht auf eine f&uuml;r das FA bestehende Aufrechnungsm&ouml;glichkeit an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Das Verlangen nach einer gesetzeskonformen Besteuerung ohne rechtsfehlerhafte Anwendung von &sect;&nbsp;13b UStG ist entgegen der Auffassung des FA weder treuwidrig noch eine unzul&auml;ssige Rechtsaus&uuml;bung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Grunds&auml;tze von Treu und Glauben haben lediglich rechtsbegrenzende Wirkung innerhalb bestehender Schuldverh&auml;ltnisse und bewirken nicht, dass Steueranspr&uuml;che oder -schulden &uuml;berhaupt erst zum Entstehen oder Erl&ouml;schen gebracht werden (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Februar 2015 V&nbsp;R&nbsp;28\/14, BFHE 248, 512, BStBl II 2017, 10, Rz&nbsp;31&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall war es die Finanzverwaltung, die aufgrund einer unzutreffenden Beurteilung den Anwendungsbereich auf Leistungsempf&auml;nger ohne Recht auf Vorsteuerabzug erweitert und aus den im Senatsurteil in BFHE 243, 20, BStBl II 2014, 128 dargelegten Gr&uuml;nden die Kl&auml;gerin als Bautr&auml;gerin rechtswidrig besteuert hat. Das Verlangen nach Korrektur dieser rechtswidrigen Besteuerung, ohne zuvor einen Nachforderungsanspruch des leistenden Unternehmers erf&uuml;llt zu haben, ist im Verh&auml;ltnis zum FA (entgegen der Auffassung im BMF-Schreiben vom 26.&nbsp;Juli 2017, BStBl I 2017, 1001, Rz&nbsp;15a) nicht treuwidrig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Es besteht auch kein Widerspruch zum Neutralit&auml;tsgrundsatz. Hierzu hat der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) bereits entschieden, dass dem Antrag auf Erstattung zu viel entrichteter Mehrwertsteuer der Anspruch auf R&uuml;ckzahlung rechtsgrundlos gezahlter Betr&auml;ge zugrunde liegt, mit dem die mit der Abgabe zu Unrecht auferlegte wirtschaftliche Belastung des Wirtschaftsteilnehmers zu neutralisieren ist (EuGH-Urteil Compass Contract Services vom 14.&nbsp;Juni 2017 C-38\/16, EU:C:2017:454, Rz&nbsp;29&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Abweichendes ergibt sich entgegen der Auffassung des FA auch nicht aus dem BFH-Urteil vom 16.&nbsp;Mai 2018 XI&nbsp;R&nbsp;28\/16 (BFH\/NV 2018, 1048). Der XI.&nbsp;Senat des BFH hat hier entschieden, dass die wirksame Berichtigung eines Steuerbetrags nach &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2, &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 UStG grunds&auml;tzlich erfordert, dass der Unternehmer die vereinnahmte Umsatzsteuer an den Leistungsempf&auml;nger zur&uuml;ckgezahlt hat. Dies wurde insbesondere damit begr&uuml;ndet, dass &quot;eine Erstattung durch das FA allein aufgrund der Rechnungsberichtigung ohne R&uuml;ckzahlung der Steuer den Leistenden ungerechtfertigt bereichern&quot; w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn das BFH-Urteil in BFH\/NV 2018, 1048 betrifft die Auslegung von &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG, der anders als &sect;&nbsp;13b UStG auf &sect;&nbsp;17 UStG verweist. Wie der erkennende Senat bereits in seinem Urteil in BFHE 257, 177, BStBl II 2017, 760, Rz&nbsp;62 entschieden hat, kommt eine Ber&uuml;cksichtigung von &sect;&nbsp;17 UStG bei einer rechtsfehlerhaften Anwendung von &sect;&nbsp;13b UStG nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.9.2018, V R 49\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.270918.VR49.17.0 Korrektur unzutreffender Rechtsanwendung beim Bautr&auml;ger Leits&auml;tze Hat ein Bautr&auml;ger aufgrund der rechtsirrigen Annahme seiner Steuerschuld als Leistungsempf&auml;nger von ihm bezogene Bauleistungen nach &sect; 13b UStG versteuert, kann er das Entfallen dieser rechtswidrigen Besteuerung geltend machen, ohne dass es darauf ankommt, dass er einen gegen ihn gerichteten Nachforderungsanspruch des &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-49-17-korrektur-unzutreffender-rechtsanwendung-beim-bautraeger\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;49\/17 &#8211; Korrektur unzutreffender Rechtsanwendung beim Bautr&auml;ger<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70076","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70076\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}