{"id":70088,"date":"2018-12-06T18:40:53","date_gmt":"2018-12-06T16:40:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70088"},"modified":"2018-12-06T18:40:53","modified_gmt":"2018-12-06T16:40:53","slug":"ix-b-48-18-verfahrensfehlerhafte-ermessensausuebung-des-fg-bei-nichteinholung-eines-sachverstaendigengutachtens-unternehmensbewertung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-b-48-18-verfahrensfehlerhafte-ermessensausuebung-des-fg-bei-nichteinholung-eines-sachverstaendigengutachtens-unternehmensbewertung\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;B&nbsp;48\/18 &#8211; Verfahrensfehlerhafte Ermessensaus&uuml;bung des FG bei Nichteinholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens &#8211; Unternehmensbewertung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.10.2018, IX B 48\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.051018.IXB48.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfahrensfehlerhafte Ermessensaus&uuml;bung des FG bei Nichteinholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens &#8211; Unternehmensbewertung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Das dem Tatsachengericht bei der Bestimmung von Art und Zahl einzuholender Sachverst&auml;ndigengutachten nach &sect; 82 FGO i.V.m. &sect;&sect; 404, 412 ZPO zustehende Ermessen wird verfahrensfehlerhaft ausge&uuml;bt, wenn das Gericht von der Einholung gutachterlicher Stellungnahmen absieht, obwohl sich ihm die Notwendigkeit der Beweiserhebung h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Ist die Bewertung eines Unternehmens streitig, so ist das FG in der Regel gehalten, gem&auml;&szlig; &sect; 81 Abs. 1 FGO das Gutachten eines unabh&auml;ngigen vereidigten Sachverst&auml;ndigen einzuholen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;ger wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 13. M&auml;rz 2018&nbsp;&nbsp;6 K 6206\/16 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Es liegt ein von den Kl&auml;gern und Beschwerdef&uuml;hrern (Kl&auml;ger) geltend gemachter Verfahrensmangel vor, auf dem die Entscheidung des Finanzgerichts (FG) beruhen kann (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Beschwerde f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat seine Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 FGO) dadurch verletzt, dass es ermessensfehlerhaft von der Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens &uuml;ber den Wert der Beteiligung des Kl&auml;gers an der A-AG zum Stichtag am 26.&nbsp;Oktober 2000 abgesehen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der &#8211;bei der Pr&uuml;fung eines Verfahrensmangels ma&szlig;geblichen&#8211; Rechtsauffassung des FG war im Streitfall f&uuml;r die Bestimmung des im Rahmen des &sect;&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes steuerfreien Wertzuwachses ma&szlig;geblich, mit welchem Wert die Beteiligung des Kl&auml;gers an der A-AG zum Stichtag 26.&nbsp;Oktober 2000 anzusetzen war. Das FG hat den zwischen den Beteiligten streitigen Wert der A-AG zum Stichtag 26.&nbsp;Oktober 2000 in H&ouml;he von h&ouml;chstens 2.045.167,52&nbsp;EUR aus den Beteiligungsverk&auml;ufen von den Mitgesellschaftern X an Y am 1.&nbsp;Oktober 2001 und von Y an die &#8230; KG sowie an die L-KG am 3.&nbsp;Dezember 2001 hergeleitet. Nach der Auffassung des FG sei zwar auch &quot;denkbar&quot;, dass der Wert der A-AG zum Stichtag 26.&nbsp;Oktober 2000 h&ouml;her als 2.045.167,52&nbsp;EUR gewesen sei; das FG habe hierf&uuml;r aber keine ausreichenden Anhaltspunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) W&auml;hrend das FG die von den Verfahrensbeteiligten angebotenen Beweise grunds&auml;tzlich erheben muss, steht die Zuziehung eines Sachverst&auml;ndigen im pflichtgem&auml;&szlig;en Ermessen des Gerichts. Hat es die n&ouml;tige Sachkunde selbst, braucht es einen Sachverst&auml;ndigen nicht hinzuziehen (Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;Dezember 2011 VIII&nbsp;B&nbsp;88\/11, BFH\/NV 2012, 600; vom 3.&nbsp;Mai 2001 III&nbsp;B&nbsp;52\/00, BFH\/NV 2001, 1419). Das dem Tatsachengericht bei der Bestimmung von Art und Zahl einzuholende Sachverst&auml;ndigengutachten nach &sect;&nbsp;82 FGO i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;404, 412 der Zivilprozessordnung (ZPO) zustehende Ermessen wird nur dann verfahrensfehlerhaft ausge&uuml;bt, wenn das Gericht von der Einholung gutachterlicher Stellungnahmen absieht, obwohl sich ihm die Notwendigkeit dieser zus&auml;tzlichen Beweiserhebung h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen (BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2012, 600; in BFH\/NV 2001, 1419). Das ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 FGO regelm&auml;&szlig;ig der Fall, wenn die Bewertung eines Unternehmens streitig ist. Hiervon absehen kann das FG nur dann, wenn es ausnahmsweise selbst &uuml;ber die n&ouml;tige Sachkunde verf&uuml;gt und diese in den Entscheidungsgr&uuml;nden darlegt (BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2012, 600; in BFH\/NV 2001, 1419, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Vor diesem Hintergrund beruht die Nichteinholung eines Sachverst&auml;ndigenbeweises im Streitfall auf einem Ermessensfehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat in den Entscheidungsgr&uuml;nden nicht dargelegt, dass es &uuml;ber die n&ouml;tige Sachkunde verf&uuml;gt, um die Unternehmensbewertung selbst vornehmen zu k&ouml;nnen. Zwar hat der Kl&auml;ger insoweit die Einholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens nicht beantragt, sondern mit seinem Schriftsatz vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2016 lediglich auf dessen m&ouml;gliche Einholung hingewiesen. Er hat aber der Sache nach stark gestiegene Unternehmenswerte behauptet und hierzu vorgetragen, dass sich auf der Grundlage einer Berechnung nach IDW&nbsp;S1 zum 1.&nbsp;Januar 2000 ein Ertragswert des Unternehmens in H&ouml;he von 32.667.000&nbsp;EUR ergebe (s. auch Einspruchsentscheidung vom 19.&nbsp;Februar 2016, S.&nbsp;11 am Ende: Kl&auml;ger bemisst Unternehmenswert zwischen 22&nbsp;Mio.&nbsp;EUR und 35&nbsp;Mio.&nbsp;EUR). Auch das FG schlie&szlig;t die M&ouml;glichkeit (&quot;denkbar&quot;) nicht aus, dass der Unternehmenswert der A-AG zum Stichtag h&ouml;her als die vom Gericht zugrunde gelegten 2.045.167,52&nbsp;EUR war. Anders als das FG und der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) meinen, handelt es sich um eine Bewertungsfrage, deren Beantwortung aufgrund der Komplexit&auml;t von Wertermittlungen bei Beteiligungen an nicht b&ouml;rsennotierten AG besondere, branchenbezogene Sachkunde voraussetzt, weshalb sich dem FG die Notwendigkeit der Einholung eines vom Gericht bestellten Sachverst&auml;ndigengutachtens zu dem konkreten Unternehmenswert h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen. Dies gilt insbesondere, weil im fraglichen Zeitraum die drastischen Schwankungen am Beteiligungsmarkt eine Wertermittlung zum Stichtag als schwierig erscheinen lassen. Die beiden vom FG ber&uuml;cksichtigten Beteiligungsver&auml;u&szlig;erungen fanden zudem erst mit einem zeitlichen Abstand von rund elf bzw. dreizehn Monaten zu dem ma&szlig;gebenden Stichtag statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r sachgerecht, nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von einer Darstellung des Sachverhalts sowie einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.10.2018, IX B 48\/18ECLI:DE:BFH:2018:B.051018.IXB48.18.0 Verfahrensfehlerhafte Ermessensaus&uuml;bung des FG bei Nichteinholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens &#8211; Unternehmensbewertung Leits&auml;tze 1. NV: Das dem Tatsachengericht bei der Bestimmung von Art und Zahl einzuholender Sachverst&auml;ndigengutachten nach &sect; 82 FGO i.V.m. &sect;&sect; 404, 412 ZPO zustehende Ermessen wird verfahrensfehlerhaft ausge&uuml;bt, wenn das Gericht von der Einholung gutachterlicher Stellungnahmen absieht, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-b-48-18-verfahrensfehlerhafte-ermessensausuebung-des-fg-bei-nichteinholung-eines-sachverstaendigengutachtens-unternehmensbewertung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;B&nbsp;48\/18 &#8211; Verfahrensfehlerhafte Ermessensaus&uuml;bung des FG bei Nichteinholung eines Sachverst&auml;ndigengutachtens &#8211; Unternehmensbewertung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70088","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70088"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70088\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}