{"id":70091,"date":"2018-12-06T18:40:50","date_gmt":"2018-12-06T16:40:50","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70091"},"modified":"2018-12-06T18:40:50","modified_gmt":"2018-12-06T16:40:50","slug":"vii-r-17-17-zum-erlass-eines-aufteilungsbescheids-vor-beginn-der-zwangsvollstreckung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-17-17-zum-erlass-eines-aufteilungsbescheids-vor-beginn-der-zwangsvollstreckung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;17\/17 &#8211; Zum Erlass eines Aufteilungsbescheids vor Beginn der Zwangsvollstreckung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.10.2018, VII R 17\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.021018.VIIR17.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zum Erlass eines Aufteilungsbescheids vor Beginn der Zwangsvollstreckung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Sobald das Leistungsgebot bekanntgegeben worden ist und solange die Steuerschuld noch nicht vollst&auml;ndig getilgt ist, kann der Gesamtschuldner, der eine Erstattung von Steuerabzugsbetr&auml;gen und Vorauszahlungen gem&auml;&szlig; &sect; 276 Abs. 6 Satz 2 AO begehrt, regelm&auml;&szlig;ig den Erlass eines Aufteilungsbescheids verlangen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Ein zul&auml;ssiger Antrag wird durch sp&auml;tere Aufrechnung oder Verrechnung gegen&uuml;ber dem anderen Gesamtschuldner nicht unzul&auml;ssig.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Finanzamts gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 16. Februar 2017 15 K 1478\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat das Finanzamt zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Beigeladene tr&auml;gt seine au&szlig;ergerichtlichen Kosten selbst.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Frage, ob der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) verpflichtet ist, die Einkommensteuer 2006 bis 2008 aufzuteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) und der Beigeladene waren in diesen Jahren noch miteinander verheiratet und erzielten jeweils Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Der Beigeladene war in die Lohnsteuerklasse&nbsp;III eingereiht, die Kl&auml;gerin in die Lohnsteuerklasse&nbsp;V (&sect;&nbsp;38b Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a und Nr.&nbsp;5 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211; in der damals geltenden Fassung). Auf Antrag der Kl&auml;gerin wurden sie zun&auml;chst getrennt veranlagt. F&uuml;r den Beigeladenen ergaben sich Nachzahlungsbetr&auml;ge, die nicht durch Vollstreckung beigetrieben werden konnten. Sp&auml;ter verpflichtete das Familiengericht die Kl&auml;gerin, einer gemeinsamen Veranlagung f&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 2005 bis 2009 zuzustimmen. Hierauf f&uuml;hrte das FA Zusammenveranlagungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;26b EStG durch. Am 16.&nbsp;Dezember 2013 gab das FA der Kl&auml;gerin und dem Beigeladenen Leistungsgebote f&uuml;r die Einkommensteuer 2006, 2007 und 2008 bekannt. Am 18.&nbsp;Dezember 2013 beantragte die Kl&auml;gerin, die eine Erstattung von Steuerabzugsbetr&auml;gen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) begehrte, u.a. die Einkommensteuer 2006 bis 2008 aufzuteilen. Am 9.&nbsp;Januar 2014 erfolgte eine &quot;Aufrechnung&quot; (so die Vorentscheidung) des FA gegen&uuml;ber dem Beigeladenen, wodurch die R&uuml;ckst&auml;nde vollst&auml;ndig getilgt wurden. Sodann lehnte das FA den Aufteilungsantrag der Kl&auml;gerin ab. Das Finanzgericht (FG) hob den Ablehnungsbescheid und die Einspruchsentscheidung auf und verpflichtete das FA, die Einkommensteuer f&uuml;r die Jahre 2006 bis 2008 zum 18.&nbsp;Dezember 2013 aufzuteilen. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017,&nbsp;1049 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des FA. Es tr&auml;gt vor, das Urteil versto&szlig;e gegen &sect;&nbsp;279 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO, wonach eine Entscheidung &uuml;ber den Aufteilungsantrag nicht erforderlich sei, wenn keine Vollstreckungsma&szlig;nahmen ergriffen oder bereits ergriffene Vollstreckungsma&szlig;nahmen wieder aufgehoben werden. Im Streitfall sei weder am 18.&nbsp;Dezember 2013 noch danach die Vollstreckung eingeleitet worden. Insbesondere sei auch keine R&uuml;ckstandsanzeige ausgefertigt worden (vgl. &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;5 AO). Infolge der Tilgung der Steuerschuld durch Verrechnung gegen&uuml;ber dem Beigeladenen vor F&auml;lligkeit der Steuerbetr&auml;ge h&auml;tten gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin zu keinem Zeitpunkt Vollstreckungsma&szlig;nahmen oder eine Aufrechnung gedroht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beigeladene schlie&szlig;t sich den Ausf&uuml;hrungen des FA an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Die Vorentscheidung entspricht dem Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;268 AO k&ouml;nnen Personen, die zusammen zu einer Steuer vom Einkommen veranlagt worden und deshalb Gesamtschuldner (&sect;&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 AO) sind, beantragen, dass die Vollstreckung wegen dieser Steuern jeweils auf den Betrag beschr&auml;nkt wird, der sich nach Ma&szlig;gabe der &sect;&sect;&nbsp;269 bis 278 AO bei einer Aufteilung der Steuern ergibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;1 AO folgt, dass der Aufteilungsantrag schon vor Einleitung der Vollstreckung zul&auml;ssig ist. Der Antragsteller muss lediglich die Bekanntgabe des Leistungsgebots abwarten (&sect;&nbsp;269 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO). Die Antragstellung vor oder nach Einleitung der Vollstreckung &#8211;dieser Zeitpunkt wird mit der Ausfertigung der R&uuml;ckstandsanzeige bestimmt (&sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;5 AO)&#8211; hat nur Bedeutung f&uuml;r den Umfang der aufzuteilenden Steuer (&sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 AO; vgl. Senatsurteil vom 1.&nbsp;M&auml;rz 1990 VII&nbsp;R&nbsp;135\/87, BFH\/NV 1991, 6). Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;3 AO sind Steuerabzugsbetr&auml;ge und getrennt festgesetzte Vorauszahlungen in die Aufteilung einzubeziehen, unabh&auml;ngig davon, ob sie vor oder nach Antragstellung entrichtet worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Wortlaut der Aufteilungsvorschriften (vgl. insbesondere &sect;&sect;&nbsp;277 bis 279 AO) f&uuml;hrt die Aufteilung der Gesamtschuld zu einer Vollstreckungsbeschr&auml;nkung. Ehegatten sollen nicht in einer Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes widersprechenden Weise dadurch benachteiligt werden, dass jeder f&uuml;r die Schulden des anderen aufkommen muss; dabei ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. Urteil vom 21.&nbsp;Februar 1961&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;29\/57, BVerfGE 12, 151) eine Aufteilung nicht stets vorzunehmen. Es gen&uuml;gt, wenn der Gesetzgeber dem Ehegatten das Recht gibt, durch Antrag die Aufteilung der r&uuml;ckst&auml;ndigen Schuld herbeizuf&uuml;hren, wenn gegen ihn Zwangsvollstreckungsma&szlig;nahmen eingeleitet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat hat dar&uuml;ber hinaus entschieden (Senatsurteile in BFH\/NV 1991, 6, und vom 12.&nbsp;Januar 1988 VII&nbsp;R&nbsp;66\/87, BFHE 152, 206, BStBl II 1988, 406), dass die Aufteilung nicht nur eine Vollstreckungsbeschr&auml;nkung zur Folge hat, sondern jegliche Verwirklichung der Gesamtschuld &uuml;ber den auf den jeweiligen Ehegatten entfallenden Aufteilungsbetrag hinaus (etwa durch eine Aufrechnung) ausschlie&szlig;t. Daraus folgt, dass jeder Ehegatte &#8211;unabh&auml;ngig davon, ob die Zwangsvollstreckung wegen der Gesamtschuld eingeleitet ist oder droht&#8211; befugt sein muss, deren Aufteilung zu beantragen, um u.a. auch eine Aufrechnung des FA mit der Gesamtschuld ihm gegen&uuml;ber auf den auf ihn entfallenden Aufteilungsbetrag zu beschr&auml;nken (Senatsurteil in BFH\/NV 1991, 6).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entsprechend ist &sect;&nbsp;279 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO dahin zu verstehen, dass er einer Entscheidung &uuml;ber den Antrag auf Beschr&auml;nkung der Vollstreckung vor deren Einleitung im Fall eines berechtigten Interesses nicht entgegensteht, sondern nur angibt, wann ein Aufteilungsbescheid stets zu erlassen ist, also nach Einleitung der Vollstreckung durch Ausfertigung der R&uuml;ckstandsanzeige gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;5 AO (a.A. Urteil des Hessischen FG vom 20.&nbsp;Mai 2008&nbsp;&nbsp;8&nbsp;K&nbsp;166\/07, EFG 2008, 1850). &sect;&nbsp;279 Abs.&nbsp;1 Satz 2 AO regelt zwar, dass eine Entscheidung &quot;nicht erforderlich&quot; ist, wenn keine Vollstreckungsma&szlig;nahmen ergriffen oder bereits ergriffene wieder aufgehoben werden. Aber auch diese Vorschrift ist im Licht der Senatsrechtsprechung (Senatsurteile in BFH\/NV 1991, 6, und in BFHE 152, 206, BStBl II 1988, 406) dahin auszulegen, dass ein Aufteilungsbescheid zwischen Erlass des Leistungsgebots und vollst&auml;ndiger Tilgung der Steuerschuld regelm&auml;&szlig;ig zu erlassen ist, wenn der Antragsteller ein berechtigtes Interesse an einer Aufteilung hat (vgl. auch M&uuml;ller-Eiselt in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;279 AO Rz&nbsp;4; Horn in Schwarz\/Pahlke, AO\/FGO, &sect;&nbsp;279 AO Rz&nbsp;5; Koenig\/Z&ouml;llner, Abgabenordnung, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;279 Rz&nbsp;4; Zeller-M&uuml;ller in Gosch, AO &sect;&nbsp;279 Rz&nbsp;5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das ist nicht nur der Fall, wenn ihm die Vollstreckung droht oder er eine Aufrechnung verhindern will, sondern auch, wenn er die Anrechnung von Zahlungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;3 oder Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 AO und damit eine Erstattung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 AO erreichen will (vgl. auch Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17.&nbsp;November 2009 VI&nbsp;B&nbsp;118\/09, BFH\/NV 2010, 604, in dem dort entschiedenen Fall waren die Betr&auml;ge lediglich &quot;angemahnt&quot;; zu &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;6 AO vgl. Senatsurteile in BFHE 152, 206, BStBl II 1988, 406; in BFH\/NV 1991, 6; vom 12.&nbsp;Juni 1990 VII&nbsp;R&nbsp;69\/89, BFHE 163, 498, BStBl II 1991, 493, und vom 18.&nbsp;Dezember 2001 VII&nbsp;R&nbsp;56\/99, BFHE 197, 19, BStBl II 2002, 214).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Auffassung des FA, ein zul&auml;ssiger Aufteilungsantrag k&ouml;nne durch eine Aufrechnung oder eine Verrechnung zwischen Eingang des Antrags und seiner Bescheidung unzul&auml;ssig werden, spricht auch der Rechtsgedanke des &sect;&nbsp;277 AO, wonach vor einer Entscheidung &uuml;ber den Antrag beiden Gesamtschuldnern gegen&uuml;ber (nicht nur gegen&uuml;ber dem Antragsteller) nur Sicherungsma&szlig;nahmen durchgef&uuml;hrt werden d&uuml;rfen (vgl. auch Senatsurteil in BFHE 152, 206, BStBl II 1988, 406).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen hat das FG zutreffend geurteilt, dass das FA verpflichtet war, die von der Kl&auml;gerin und dem Beigeladenen f&uuml;r die Jahre 2006 bis 2008 gesamtschuldnerisch (&sect;&nbsp;44 AO i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;26, 26b EStG) geschuldete Einkommensteuer aufzuteilen. Die Kl&auml;gerin, die eine Erstattung von Steuerabzugsbetr&auml;gen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 AO i.V.m. &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;3 AO erreichen wollte, stellte am 18.&nbsp;Dezember 2013, also nach Bekanntgabe des Leistungsgebots (&sect;&nbsp;269 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO) und vor vollst&auml;ndiger Tilgung der Steuerschulden 2006 bis 2008, einen &#8211;gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;1 AO auch vor Einleitung der Vollstreckung&#8211; zul&auml;ssigen Antrag auf Erlass eines Aufteilungsbescheids. Durch eine anschlie&szlig;ende Auf- oder Verrechnung wurde der Antrag nicht unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c)&nbsp;Dem FG ist darin zu folgen, dass das FA bei Erlass des Bescheids die sich aus den Leistungsgeboten vom 16.&nbsp;Dezember 2013 ergebenden und am 18.&nbsp;Dezember 2013 (&sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;1 AO) r&uuml;ckst&auml;ndigen Steuern dergestalt aufzuteilen hat, dass in einem ersten Schritt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;270 Satz&nbsp;1 AO die r&uuml;ckst&auml;ndige Steuer nach dem Verh&auml;ltnis der Betr&auml;ge aufgeteilt wird, die sich bei Einzelveranlagung nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;26a EStG und der &sect;&sect;&nbsp;271 bis 276 AO erg&auml;ben. Zur r&uuml;ckst&auml;ndigen Steuer geh&ouml;ren auch S&auml;umniszuschl&auml;ge, Zinsen und Versp&auml;tungszuschl&auml;ge (&sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;4 AO). In einem zweiten Schritt sind die Steuerabzugsbetr&auml;ge und getrennt festgesetzte Vorauszahlungen in die Aufteilung einzubeziehen, auch wenn sie vor der Stellung des Antrags entrichtet worden sind (&sect;&nbsp;276 Abs.&nbsp;3 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3.&nbsp;Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die au&szlig;ergerichtlichen Kosten des Beigeladenen sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO nicht erstattungsf&auml;hig. Es entspricht in der Regel nur dann der Billigkeit, dem Beigeladenen eine Kostenerstattung zuzubilligen, wenn er selbst einen Sachantrag gestellt und sich damit einem Kostenrisiko ausgesetzt hat (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Oktober 1997 I&nbsp;R&nbsp;10\/92, BFHE 184, 212, BStBl II 1998, 63). Der Beigeladene hat lediglich mitgeteilt, er teile die Auffassung des FA. Damit hat er weder einen Antrag gestellt noch einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung des Prozessstoffs geleistet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.10.2018, VII R 17\/17ECLI:DE:BFH:2018:B.021018.VIIR17.17.0 Zum Erlass eines Aufteilungsbescheids vor Beginn der Zwangsvollstreckung Leits&auml;tze 1. NV: Sobald das Leistungsgebot bekanntgegeben worden ist und solange die Steuerschuld noch nicht vollst&auml;ndig getilgt ist, kann der Gesamtschuldner, der eine Erstattung von Steuerabzugsbetr&auml;gen und Vorauszahlungen gem&auml;&szlig; &sect; 276 Abs. 6 Satz 2 AO begehrt, regelm&auml;&szlig;ig den Erlass &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-17-17-zum-erlass-eines-aufteilungsbescheids-vor-beginn-der-zwangsvollstreckung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;17\/17 &#8211; Zum Erlass eines Aufteilungsbescheids vor Beginn der Zwangsvollstreckung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70091","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70091","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70091"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70091\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70091"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70091"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}