{"id":70170,"date":"2019-01-04T12:35:02","date_gmt":"2019-01-04T10:35:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70170"},"modified":"2019-01-04T12:35:02","modified_gmt":"2019-01-04T10:35:02","slug":"i-r-52-16-besteuerungsrueckfall-bei-unterschiedlicher-abkommensanwendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-52-16-besteuerungsrueckfall-bei-unterschiedlicher-abkommensanwendung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;52\/16 &#8211; Besteuerungsr&uuml;ckfall bei unterschiedlicher Abkommensanwendung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2018, I R 52\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.110718.IR52.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Besteuerungsr&uuml;ckfall bei unterschiedlicher Abkommensanwendung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Begriff der Eink&uuml;nfte i.S. des &sect; 50d Abs. 9 Satz 1 EStG 2002 i.d.F. des JStG 2007 erfasst positive und negative Eink&uuml;nfte, so dass abkommensrechtlich steuerfrei gestellte Verluste bei Vorliegen der &uuml;brigen Voraussetzungen vom Besteuerungsr&uuml;ckfall erfasst werden und im Inland ungeachtet des Abkommens abziehbar sind.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 3. Juni 2016&nbsp;&nbsp;1 K 848\/13 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nchen zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">A. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) wurden in den Streitjahren (1991 bis 2004) als Ehegatten zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Kl&auml;ger war in dieser Zeit im Inland als selbst&auml;ndiger Rechtsanwalt unter der Kanzleibezeichnung X und Partner Rechtsanw&auml;lte berufst&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger er&ouml;ffnete im Jahr 1991 in Br&uuml;ssel ein Anwaltsb&uuml;ro (B&uuml;ro Br&uuml;ssel) in angemieteten, zweckentsprechenden R&auml;umlichkeiten (Besprechungsr&auml;ume, Bibliothek u.&Auml;.). Der B&uuml;romietvertrag bestand durchg&auml;ngig bis zur K&uuml;ndigung im Jahr 2010. Danach mietete der Kl&auml;ger mit Vertrag vom 12.&nbsp;Mai 2010 ein &quot;Anschlussb&uuml;ro&quot;. Seit Ende 2012 ist der Kl&auml;ger in Br&uuml;ssel in keinerlei Organisationsform mehr pr&auml;sent.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bis zum 30.&nbsp;September 1992 war zun&auml;chst kein Anwalt im B&uuml;ro Br&uuml;ssel t&auml;tig. Halbtags wurde als Ansprechpartnerin eine Teilzeitsekret&auml;rin besch&auml;ftigt, die in geringem Umfang auch Verwaltungst&auml;tigkeiten erledigte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Seit Oktober 1992 war in unterschiedlicher Auspr&auml;gung, gleichwohl aber durchg&auml;ngig, ein Anwalt pr&auml;sent, der in der Br&uuml;sseler Kanzlei Dienste erbrachte, die nach der damals g&uuml;ltigen Bundesrechtsanwaltsgeb&uuml;hrenordnung (BRAGebO) zumindest als Rat, Auskunft (&sect;&nbsp;20 BRAGebO) oder Gutachten (&sect;&nbsp;21 BRAGebO) abrechenbar waren. Im &Uuml;brigen diente das B&uuml;ro als Repr&auml;sentanz der Kanzlei X und Partner in Br&uuml;ssel. Letzteres ergab sich auch aus dem Briefkopf der Kanzlei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Von Oktober 1992 bis M&auml;rz 1994 war Rechtsanwalt S im Rahmen eines Arbeitsverh&auml;ltnisses im B&uuml;ro Br&uuml;ssel t&auml;tig. W&auml;hrend seiner T&auml;tigkeit f&uuml;r den Kl&auml;ger verf&uuml;gte S &uuml;ber zwei Wohnsitze, einen im Inland und einen in Br&uuml;ssel. Er war nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) als Rechtsanwalt zugelassen, sondern ab Ende 1993 bei der Anwaltskammer in Br&uuml;ssel als &quot;Membre Associ&eacute;&quot; registriert. Seine T&auml;tigkeit in Br&uuml;ssel bestand darin, f&uuml;r die Kanzlei bei den europ&auml;ischen Institutionen Informationen zu erlangen und Kontakte herzustellen, die nur vor Ort in Br&uuml;ssel beschafft werden konnten. Von den T&auml;tigkeiten des S in Br&uuml;ssel entfielen ca. 60&nbsp;% auf die Repr&auml;sentation des B&uuml;ros, 10&nbsp;% auf die rechtliche Beratung von Mandanten, je 5&nbsp;% auf die Erstellung von Gutachten, rechtlichen Stellungnahmen, rechtlichen Recherchen und die B&uuml;roverwaltung. Im &Uuml;brigen (ca. 10&nbsp;%) war er im Inland zur Erlangung weiterer Mandate sowie zur Gestaltung von Vertr&auml;gen und der Vertretung vor Gericht t&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ab Mitte 1994 besch&auml;ftigte der Kl&auml;ger KS, einen ehemaligen Abteilungsdirektor der EU-Kommission. KS war seit 1994 in B (Inland) als Rechtsanwalt zugelassen und verf&uuml;gte dort &uuml;ber ein B&uuml;ro.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit KS schloss der Kl&auml;ger einen Vertrag &uuml;ber freie Mitarbeit, in dem u.a. festgelegt wurde, dass die Anwaltst&auml;tigkeit i.S. der Bundesrechtsanwaltsordnung ausschlie&szlig;lich im Rahmen der Kanzlei X und Partner auszu&uuml;ben sei. Die Honorarnoten zur anwaltlichen T&auml;tigkeit seien nur im Rahmen der Kanzlei X und Partner zu stellen. Alle Mandate, gleich welcher Art, sollten dabei als Mandate der Kanzlei X und Partner gelten. Die Honorareinnahmen wurden nach einem festgelegten Verteilungsschl&uuml;ssel verteilt. Die Kooperation mit KS dauerte bis 2004.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>KS nutzte das B&uuml;ro Br&uuml;ssel, um die Kanzlei des Kl&auml;gers in Br&uuml;ssel zu repr&auml;sentieren. Er erhielt hierf&uuml;r zwar keine besondere Verg&uuml;tung, KS bearbeitete aber im B&uuml;ro Br&uuml;ssel, wie auch mehrfach monatlich im B&uuml;ro in B, Mandate. Das Unterhalten des B&uuml;ro Br&uuml;ssel verursachte in allen Streitjahren erhebliche Verluste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">F&uuml;r das B&uuml;ro Br&uuml;ssel wurden f&uuml;r die Jahre 1991 bis 2004 bei den belgischen Finanzbeh&ouml;rden Steuererkl&auml;rungen eingereicht, denen eine &quot;Gewinnermittlung&quot; beigef&uuml;gt war. Es fand dar&uuml;ber hinaus eine &quot;Betriebspr&uuml;fung&quot; vor Ort durch belgische Steuerbeamte statt. Die belgische Finanzverwaltung erteilte unter den Daten des 27.&nbsp;August 2008 und des 31.&nbsp;M&auml;rz 2010 jeweils eine Bescheinigung. Dort wird dreisprachig (franz&ouml;sisch, fl&auml;misch, englisch) durch Spiegelstriche getrennt ausgef&uuml;hrt, dass X Rechtsanw&auml;lte<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">bez&uuml;glich der Anwendung des zwischen Belgien und Deutschland geschlossenen Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nicht als in Belgien ans&auml;ssig betrachtet wird (&quot;is not regarded as a resident of Belgium for the purpose of applying the double taxation convention concluded between Belgium and Germany&quot;);<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">f&uuml;r die Gesch&auml;ftsjahre 1991 bis 2007 Eink&uuml;nfte der Jahre 1990 bis 2006, hinsichtlich aller seiner in Belgien erzielten oder bezogenen Eink&uuml;nfte nicht der Einkommensteuer von Nichtans&auml;ssigen (Gesellschaften) unterliegt (&quot;is not liable to income tax on non-residents (companies) on his total income earned or collected in Belgium for the tax years 1991 &#8211; 2007, income of the years 1990 &#8211; 2006&quot;);<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">nicht mehr die M&ouml;glichkeit hat, hinsichtlich des vorgenannten Zeitraums in Belgien fr&uuml;here Verluste auszugleichen (&quot;carry-forward of losses in Belgium is not allowed for the above mentioned period&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend der Kl&auml;ger vorinstanzlich die Ansicht vertrat, dass das B&uuml;ro angesichts seiner Ausrichtung als Repr&auml;sentanz in Br&uuml;ssel nicht als feste Einrichtung qualifiziert werden k&ouml;nne, ging der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Anschluss an mehrere Betriebspr&uuml;fungen davon aus, dass der Kl&auml;ger in Br&uuml;ssel &uuml;ber eine feste Einrichtung i.S. des Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K&ouml;nigreich Belgien zur Vermeidung der Doppelbesteuerungen und zur Regelung verschiedener anderer Fragen auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen einschlie&szlig;lich der Gewerbesteuer und der Grundsteuern vom 11.&nbsp;April 1967 &#8211;DBA-Belgien&#8211; (BGBl II 1969, 18, BStBl I 1969, 39) verf&uuml;gt habe und dem K&ouml;nigreich Belgien nach Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des genannten Abkommens daher das Recht zur Besteuerung der der festen Einrichtung zuzurechnenden Eink&uuml;nfte zustehe. Die Verluste des B&uuml;ros Br&uuml;ssel seien im Inland lediglich bei der Ermittlung des besonderen Steuersatzes (Progressionsvorbehalt) zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem folgte das Finanzgericht (FG) M&uuml;nchen in seinem Urteil vom 3.&nbsp;Juni 2016&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;848\/13 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2017, 304) nicht. Es ging zwar vom Vorliegen einer festen Einrichtung in den Jahren 1991 bis 2004 aus. Wie die in den Jahren 2008 und 2010 erteilten Bescheinigungen zeigten, sei aber das Abkommen von den belgischen Beh&ouml;rden auf eine Weise angewandt worden, die zu einer Nichtbesteuerung der Eink&uuml;nfte in Belgien gef&uuml;hrt habe. Dadurch sei es gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes 2002 i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2007 (JStG 2007) vom 13.&nbsp;Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28) &#8211;EStG 2002\/2007&#8211; (i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;59a Satz&nbsp;6 EStG 2002 i.d.F. des JStG 2007) zu einem R&uuml;ckfall des Besteuerungsrechts an Deutschland mit der Folge gekommen, dass die Br&uuml;sseler Verluste als Betriebsausgaben im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung abzuziehen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen wendet sich das FA mit seiner Revision. Es beantragt, das Urteil der Vorinstanz hinsichtlich Einkommensteuer 1991 bis 2004 aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen, die Revision des FA als unzul&auml;ssig zu verwerfen, hilfsweise als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">B. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist zul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat nicht lediglich Verfahrensr&uuml;gen erhoben, sondern auch die Verletzung sachlichen Rechts geltend gemacht (Sachr&uuml;ge). Es hat unter &#8211;den Anforderungen des &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a der Finanzgerichtsordnung (FGO) gen&uuml;gender&#8211; Auseinandersetzung mit den Gr&uuml;nden der angefochtenen Entscheidung dargelegt, dass die tats&auml;chlichen Feststellungen des FG l&uuml;ckenhaft sind und die rechtliche W&uuml;rdigung des FG nicht von ausreichenden tats&auml;chlichen Feststellungen getragen ist. Derartige M&auml;ngel betreffen nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) das materielle Recht und nicht das Verfahrensrecht (vgl. Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;118 FGO Rz&nbsp;100, m.w.N.). Ob die materiellen Rechtsfehler tats&auml;chlich vorliegen, ist allein Gegenstand der Begr&uuml;ndetheit der Sachr&uuml;ge. Da diese in zul&auml;ssiger Weise erhoben wurde, kommt es im Rahmen der Pr&uuml;fung der Zul&auml;ssigkeit der Revision nicht mehr darauf an, ob auch die zus&auml;tzlich vom FA erhobene Verfahrensr&uuml;ge einer Verletzung des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 FGO ordnungsgem&auml;&szlig; (vgl. &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b FGO) angebracht wurde (vgl. &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;3 FGO; hierzu Gr&auml;ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;118 Rz&nbsp;66, 73).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Annahme des FG, das Besteuerungsrecht sei gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002\/2007 an Deutschland zur&uuml;ckgefallen, ist nicht von ausreichenden tats&auml;chlichen Feststellungen getragen. Das Fehlen ausreichender Feststellungen stellt einen materiell-rechtlichen Mangel des Urteils dar, der &#8211;auch ohne R&uuml;ge&#8211; zur Aufhebung der Vorentscheidung f&uuml;hrt (BFH-Urteile vom 27.&nbsp;April 1999 III&nbsp;R&nbsp;21\/96, BFHE 189, 255, BStBl II 1999, 670; vom 10.&nbsp;Juni 2008 VIII&nbsp;R&nbsp;76\/05, BFHE 222, 313, BStBl II 2008, 937; Senatsurteil vom 12.&nbsp;August 2015 I&nbsp;R&nbsp;2\/13, BFH\/NV 2016, 47).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die der Anwendung des &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002\/2007 rechtssystematisch vorgehende Beurteilung des Streitfalles nach Ma&szlig;gabe des EStG und des DBA-Belgien durch das FG ist frei von Rechtsfehlern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dies gilt zun&auml;chst daf&uuml;r, dass der Kl&auml;ger in den Streitjahren seinen (einzigen) Wohnsitz i.S. des &sect;&nbsp;8 der Abgabenordnung in Deutschland hatte und er deshalb mit seinem Welteinkommen der unbeschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 EStG unterlag. Nach Ma&szlig;gabe des EStG waren somit die Aufwendungen f&uuml;r das B&uuml;ro Br&uuml;ssel bei der Ermittlung seiner Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit (&sect;&nbsp;18 EStG) zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat weiterhin zu Recht angenommen, dass nach abkommensrechtlichen Ma&szlig;st&auml;ben das Besteuerungsrecht f&uuml;r die dem B&uuml;ro Br&uuml;ssel zuzurechnenden (negativen oder positiven) Eink&uuml;nfte dem K&ouml;nigreich Belgien zustand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Kl&auml;ger war aufgrund seines einzigen Wohnsitzes in Y in Deutschland ans&auml;ssig (Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 DBA-Belgien) und in Belgien bezog er Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit aus einer dort belegenen festen Einrichtung (Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 DBA-Belgien). Das FG hat zu Recht die Qualifikation des B&uuml;ro Br&uuml;ssel als feste Einrichtung i.S. der genannten Bestimmung als zweifelsfrei bezeichnet. Soweit die Kl&auml;ger in erster Instanz dies noch mit dem Hinweis bestritten haben, das B&uuml;ro Br&uuml;ssel sei eine reine Repr&auml;sentanz gewesen, in der keine pers&ouml;nlichen Anwaltsarbeiten erbracht worden seien (vgl. Senatsurteil vom 25.&nbsp;November 2015 I&nbsp;R&nbsp;50\/14, BFHE 253, 52, BStBl II 2017, 247, zum Erfordernis der pers&ouml;nlichen Arbeitsaus&uuml;bung eines Freiberuflers in der st&auml;ndigen Einrichtung), haben sie in der Revisionsinstanz keine diesbez&uuml;glichen Einwendungen mehr erhoben. Im &Uuml;brigen hat das FG in tats&auml;chlicher Hinsicht festgestellt, dass im B&uuml;ro Br&uuml;ssel durchgehend ein Berufstr&auml;ger pr&auml;sent gewesen sei, der anwaltstypische Leistungen wie Rat oder Gutachten erbracht habe. Verfahrensr&uuml;gen haben die Kl&auml;ger im Hinblick auf diese tats&auml;chlichen Feststellungen nicht erhoben; der Senat ist daher an diese gebunden (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ob, wie vom FG gepr&uuml;ft und im Ergebnis verneint, Art.&nbsp;5 Abs.&nbsp;3 DBA-Belgien auf st&auml;ndige Einrichtungen i.S. des Art.&nbsp;14 DBA-Belgien analog mit der Folge anzuwenden ist, dass st&auml;ndige Einrichtungen, in denen lediglich vorbereitende oder Hilfst&auml;tigkeiten ausge&uuml;bt werden, nicht als solche zu gelten h&auml;tten (zum Streitstand vgl. z.B. Hagemann, Internationales Steuerrecht &#8211;IStR&#8211; 2017, 589; Tcherveniachki in Sch&ouml;nfeld\/Ditz, DBA, Art.&nbsp;14 a.F. Rz&nbsp;45&nbsp;f.; Wassermeyer in Wassermeyer, MA Art.&nbsp;14 Rz&nbsp;68), bedarf im Streitfall keiner Entscheidung. Auch insoweit ist auf die bindenden Tatsachenfeststellungen des FG zu verweisen, wonach im B&uuml;ro Br&uuml;ssel typische Anwaltst&auml;tigkeiten von einem Berufstr&auml;ger ausge&uuml;bt wurden und es nicht lediglich eine &quot;Anlaufstelle&quot; oder Repr&auml;sentanz gewesen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Im Hinblick auf das dem belgischen Staat von Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 DBA-Belgien gew&auml;hrte Besteuerungsrecht war die drohende Doppelbesteuerung von Deutschland als Ans&auml;ssigkeitsstaat des Kl&auml;gers gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und&nbsp;2 DBA-Belgien durch Freistellung (unter Progressionsvorbehalt) zu beseitigen. Die Freistellung bezieht sich nach der vom Senat in st&auml;ndiger Rechtsprechung vertretenen Symmetriethese auf positive wie negative Eink&uuml;nfte (z.B. Senatsurteile vom 9.&nbsp;Juni 2010 I&nbsp;R&nbsp;107\/09, BFHE 230, 35, BFH\/NV 2010, 1744; vom 5.&nbsp;Februar 2014 I&nbsp;R&nbsp;48\/11, BFHE 244, 371, BFH\/NV 2014, 963).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat kann nicht abschlie&szlig;end beurteilen, ob s&auml;mtliche tatbestandlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002\/2007 im Streitfall erf&uuml;llt und deshalb die in Belgien angefallenen Verluste von der Bemessungsgrundlage der deutschen Einkommensteuer abzuziehen sind. Es fehlen ausreichende Tatsachenfeststellungen des FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Sind Eink&uuml;nfte eines unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtigen nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen, so wird die Freistellung der Eink&uuml;nfte ungeachtet des Abkommens nicht gew&auml;hrt, wenn der andere Staat &#8211;hier Belgien&#8211; die Bestimmungen des Abkommens so anwendet, dass die Eink&uuml;nfte in diesem Staat von der Besteuerung auszunehmen sind oder nur zu einem durch das Abkommen begrenzten Steuersatz besteuert werden k&ouml;nnen; die Regelung ist r&uuml;ckwirkend f&uuml;r alle noch nicht bestandskr&auml;ftigen Steuerfestsetzungen anzuwenden (&sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;59a Satz&nbsp;6 EStG 2002\/2007).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Norm setzt einen sog. (negativen) Qualifikationskonflikt voraus. Dazu kann es kommen, wenn die Vertragsstaaten von unterschiedlichen Sachverhalten ausgehen (Subsumtionskonflikt), wenn sie Abkommensbestimmungen unterschiedlich &#8211;ggf. auch rechtsfehlerhaft&#8211; auslegen (Auslegungskonflikt) oder wenn sie aufgrund einer Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 des Musterabkommens der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD-Musterabkommen) entsprechenden Abkommensvorschrift (wie hier Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 DBA-Belgien) Abkommensbegriffe nach ihrem nationalen Steuerrecht unterschiedlich auslegen. Ursache f&uuml;r die Nichtbesteuerung muss danach immer die Anwendung des Doppelbesteuerungsabkommens sein. Nicht ausreichend und den tatbestandlichen Anforderungen nicht gen&uuml;gend ist hingegen eine internrechtliche Steuerma&szlig;nahme, wie beispielsweise der Verzicht auf das abkommensrechtlich zugewiesene Besteuerungsrecht (Senatsurteil vom 24.&nbsp;August 2011 I&nbsp;R&nbsp;46\/10, BFHE 234, 339, BStBl II 2014, 764; vgl. auch Senatsurteil vom 21.&nbsp;Januar 2016 I&nbsp;R&nbsp;49\/14, BFHE 253, 115, BStBl II 2017, 107).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dem FG ist darin zu folgen, dass die Norm in zeitlicher Hinsicht anwendbar ist. Zwar l&ouml;ste die entsprechende Regelung in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;59a Satz&nbsp;6 EStG 2002\/2007 eine R&uuml;ckwirkung aus, die dem Senat zu Zweifeln an der Verfassungskonformit&auml;t Anlass gegeben hat (Senatsbeschluss vom 19.&nbsp;Mai 2010 I&nbsp;B&nbsp;191\/09, BFHE 229, 322, BStBl II 2011, 156). Allerdings hat der Gesetzgeber mit der zeitlichen Anwendungsbestimmung die Rechtsfolgen eines der Vergangenheit zugeh&ouml;rigen Verhaltens des Steuerpflichtigen im Streitfall nicht nachtr&auml;glich belastend ge&auml;ndert (vgl. Senatsurteil vom 15.&nbsp;April 2015 I&nbsp;R&nbsp;54\/13, BFHE 254, 519, BStBl II 2017, 136). Vielmehr hat er dessen Rechtsposition verbessert, weil die Regelung zu einer sonst nicht m&ouml;glichen Verlustber&uuml;cksichtigung bei der Ermittlung des Einkommens f&uuml;hrt. Eine Verletzung des Vertrauensschutzprinzips scheidet damit aus. Zutreffend ist ferner, dass die Normanwendung aufgrund des eindeutigen Wortlauts &#8211;und wegen fehlender Anhaltspunkte f&uuml;r ein vom Wortlaut abweichendes Gesetzesverst&auml;ndnis&#8211; nicht daran scheitert, dass es vorliegend um Verluste geht, da die Regelung eine Differenzierung zwischen positiven und negativen Eink&uuml;nften nicht vorsieht (gl.A. z.B. Gosch in Kirchhof, EStG, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;50d Rz&nbsp;41b; Schmidt\/Loschelder, EStG, 37.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;50d Rz&nbsp;56; Hagemann, IStR 2017, 588; vgl. auch Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2007, BTDrucks 16\/2712, S.&nbsp;61&nbsp;f.: &quot;Daraus folgt, dass im Fall von Verlusten die allgemeinen Vorschriften des deutschen Steuerrechts gelten.&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die von der Vorinstanz getroffenen Tatsachenfeststellungen erlauben jedoch nicht die Annahme, dass es im Streitfall zu einem Qualifikationskonflikt im vorgenannten Sinne gekommen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG hat bei seiner Subsumtion unter den Gesetzestatbestand allein auf die Bescheinigungen der belgischen Steuerbeh&ouml;rden vom 27.&nbsp;August 2008 und vom 31.&nbsp;M&auml;rz 2010 abgestellt. Daraus geht aber nicht hervor, dass Belgien das Doppelbesteuerungsabkommen mit der Folge der Nichtbesteuerung der auf das B&uuml;ro Br&uuml;ssel entfallenden (negativen) Eink&uuml;nfte angewendet hat. In den Bescheinigungen wird lediglich ausgef&uuml;hrt, dass &quot;X Rechtsanw&auml;lte&quot; abkommensrechtlich nicht in Belgien ans&auml;ssig sei. Diese Beurteilung steht aber zum einen mit der sowohl vom FA als auch dem erkennenden Senat vertretenen Auffassung zur Ans&auml;ssigkeit des Kl&auml;gers in Einklang. Zum anderen f&uuml;hrt die Aussage der belgischen Beh&ouml;rden nicht dazu, dass die Eink&uuml;nfte bei der belgischen Ertragsbesteuerung auszunehmen sind. Hiervon ist in den Bescheinigungen nur insoweit die Rede, als die Eink&uuml;nfte nicht der Einkommensteuer von Nichtans&auml;ssigen unterliegen (s. zweiter Spiegelstrich). Einen abkommensrechtlichen Bezug hat diese Aussage nicht, vielmehr scheint es insoweit um den Anwendungsbereich der nationalen (belgischen) beschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht zu gehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dass die belgischen Beh&ouml;rden die Nicht-Ans&auml;ssigkeit i.S. des Doppelbesteuerungsabkommens (rechtsfehlerhaft) mit dem Fehlen einer st&auml;ndigen Einrichtung i.S. des Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 DBA-Belgien gleichgesetzt haben k&ouml;nnten, ist als Schlussfolgerung tats&auml;chlicher Art zwar nicht ausgeschlossen, allerdings vom FG nur behauptet und nicht mit entsprechenden Tatsachen unterlegt. Der Wortlaut der Bescheinigungen, auf den das FG insoweit allein abgestellt hat, ist insoweit ohne Aussagekraft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Sollte die Herausnahme der Eink&uuml;nfte des B&uuml;ro Br&uuml;ssel aus der belgischen Besteuerung auf einer internrechtlichen Ma&szlig;nahme beruhen, kann es nach der Senatsrechtsprechung nicht zu einem Besteuerungsr&uuml;ckfall gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002\/2007 kommen. Zwar kann die beschr&auml;nkte Reichweite der pers&ouml;nlichen Steuerpflicht im ausl&auml;ndischen Staat seinerseits einen Besteuerungsr&uuml;ckfall ausl&ouml;sen. Doch ist die insoweit einschl&auml;gige Regelung des &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG erst im Jahr 2007 ohne r&uuml;ckwirkende Anwendungsbestimmung eingef&uuml;hrt worden (vgl. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;59a Satz&nbsp;6 EStG 2002\/2007) und muss deshalb im Streitzeitraum (1991 bis 2004) unber&uuml;cksichtigt bleiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der auf Ber&uuml;cksichtigung der auf das B&uuml;ro Br&uuml;ssel entfallenden Verluste gerichteten Klage kann auch nicht mit R&uuml;cksicht auf die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit und der hieraus (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union Bevola vom 12.&nbsp;Juni 2018 C-650\/16, EU:C:2018:424, GmbH-Rundschau 2018, 741) bestehenden Verpflichtung, sog. finale Verluste des T&auml;tigkeitsstaats auch im Falle abkommensrechtlicher Freistellung im Ans&auml;ssigkeitsstaat zum Betriebsausgabenabzug zuzulassen, stattgegeben werden. Hierauf ist im Streitfall deshalb nicht einzugehen, weil ein solcher Verlust nicht bereits im Jahr seiner Entstehung, sondern erst im Jahr der &quot;Finalit&auml;t&quot; ber&uuml;cksichtigt wird (Senatsurteile in BFHE 230, 35, BFH\/NV 2010, 1744; in BFHE 244, 371, BFH\/NV 2014, 963). Eine &quot;Finalit&auml;t&quot; i.S. der Senatsrechtsprechung ist im Streitzeitraum (1991 bis 2004) nicht eingetreten. Das B&uuml;ro Br&uuml;ssel wurde erst Jahre sp&auml;ter aufgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Dem Senat erscheint es als nicht ausgeschlossen, dass im zweiten Rechtsgang der Nachweis eines negativen Qualifikationskonflikts, ggf. mittels der von den Kl&auml;gern erstinstanzlich beantragten &quot;Amtsauskunft&quot; oder durch die Vorlage inhaltlich pr&auml;zisierter Bescheinigungen, gef&uuml;hrt werden kann. Sollte in tats&auml;chlicher Hinsicht nicht mehr aufgekl&auml;rt werden k&ouml;nnen, ob es zu einem Qualifikationskonflikt i.S. des &sect;&nbsp;50d Abs.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002\/2007 gekommen ist, so tragen die Kl&auml;ger die Feststellungslast, weil sie sich auf einen f&uuml;r sie g&uuml;nstigen steuerrechtlichen Ausnahmetatbestand berufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Auf die Zul&auml;ssigkeit und Begr&uuml;ndetheit der vom FA erhobenen Verfahrensr&uuml;ge kam es nicht mehr an, weil bereits die Sachr&uuml;ge erfolgreich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2018, I R 52\/16ECLI:DE:BFH:2018:U.110718.IR52.16.0 Besteuerungsr&uuml;ckfall bei unterschiedlicher Abkommensanwendung Leits&auml;tze Der Begriff der Eink&uuml;nfte i.S. des &sect; 50d Abs. 9 Satz 1 EStG 2002 i.d.F. des JStG 2007 erfasst positive und negative Eink&uuml;nfte, so dass abkommensrechtlich steuerfrei gestellte Verluste bei Vorliegen der &uuml;brigen Voraussetzungen vom Besteuerungsr&uuml;ckfall erfasst werden und im Inland ungeachtet des &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-52-16-besteuerungsrueckfall-bei-unterschiedlicher-abkommensanwendung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;52\/16 &#8211; Besteuerungsr&uuml;ckfall bei unterschiedlicher Abkommensanwendung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70170"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70170\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}