{"id":70232,"date":"2019-01-24T19:42:06","date_gmt":"2019-01-24T17:42:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70232"},"modified":"2019-01-24T19:42:48","modified_gmt":"2019-01-24T17:42:48","slug":"v-b-72-18-verfahrensfehler-aufhebung-und-zurueckverweisung-unmittelbarkeit-der-beweisaufnahme-verwertung-mittelbarer-beweismittel-gesamtergebnis-des-verfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-72-18-verfahrensfehler-aufhebung-und-zurueckverweisung-unmittelbarkeit-der-beweisaufnahme-verwertung-mittelbarer-beweismittel-gesamtergebnis-des-verfahrens\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;72\/18 &#8211; Verfahrensfehler; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung; Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme, Verwertung mittelbarer Beweismittel; Gesamtergebnis des Verfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.11.2018, V B 72\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.271118.VB72.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfahrensfehler; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung; Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme, Verwertung mittelbarer Beweismittel; Gesamtergebnis des Verfahrens<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Mittelbare (schriftliche) Beweismittel k&ouml;nnen bei der Urteilsfindung ber&uuml;cksichtigt werden, wenn die Erhebung des unmittelbaren Beweises unm&ouml;glich, unzul&auml;ssig oder unzumutbar ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Das FG verst&ouml;&szlig;t gegen den Grundsatz der unmittelbaren Beweisaufnahme, wenn es im Rahmen der Beweisw&uuml;rdigung den unterschiedlichen Beweiswert von Urkunden- und Zeugenbeweis nicht beachtet.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Ein Versto&szlig; gegen die Ber&uuml;cksichtigung des Gesamtergebnisses des Verfahrens liegt u.a. vor, wenn das FG eine nach Aktenlage feststehende Tatsache (protokollierte Aussage einer Zeugin) bei seiner Beweisw&uuml;rdigung unber&uuml;cksichtigt l&auml;sst.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;ger wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 28. Juni 2018&nbsp;&nbsp;10 K 1230\/15 U,K aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nster zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil vom 28.&nbsp;Juni 2018&nbsp;&nbsp;10&nbsp;K&nbsp;1230\/15&nbsp;U,K wies das Finanzgericht (FG) die Klage der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) gegen den Haftungsbescheid vom 12.&nbsp;Februar 2015 in Gestalt der Einspruchsentscheidungen vom 10.&nbsp;April 2015 ab. Die Kl&auml;ger seien faktische Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der K-GmbH gewesen und hafteten daher nach &sect;&sect;&nbsp;34, 35, 69 der Abgabenordnung (AO) f&uuml;r die offenen Umsatzsteuerschulden und S&auml;umniszuschl&auml;ge der K-GmbH. Die &Uuml;berzeugung des Senats von der Stellung der Kl&auml;ger als faktische Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer beruhte auf den (schriftlichen) Aussagen der formellen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin VP, die von der Aussage der glaubw&uuml;rdigen Zeugin B und &#8211;teilweise auch&#8211; von der Zeugin T best&auml;tigt w&uuml;rden. VP hatte f&uuml;r die m&uuml;ndliche Verhandlung von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht nach &sect;&nbsp;84 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect;&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 AO Gebrauch gemacht, das FG verwertete daher ihre schriftliche Aussage als Beschuldigte eines Ermittlungsverfahrens der Steuerfahndung. Im Rahmen der Vernehmung wurde sie darauf hingewiesen, dass ihr ein Aussageverweigerungsrecht auch hinsichtlich ihrer Schwester, der Kl&auml;gerin, zustehe, gegen die ebenfalls wegen Steuerhinterziehung ermittelt werde; hiervon machte sie jedoch keinen Gebrauch. Die als Zeugin geladene MS hatte am 23.&nbsp;Mai 2013 gegen&uuml;ber der Steuerfahndung als Zeugin ausgesagt, sie ist aber vor den m&uuml;ndlichen Verhandlungen verstorben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision machen die Kl&auml;ger Verfahrensm&auml;ngel i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO geltend. Das FG habe gegen das Gebot unmittelbarer Beweiserhebung (&sect;&nbsp;81 FGO) versto&szlig;en, indem es die Aussage der VP gegen&uuml;ber der Steuerfahndung verwertet habe. Sie r&uuml;gen, das FG habe den Vernehmungsbeamten befragen oder zumindest die Aussage der VP in vollem Umfange in der m&uuml;ndlichen Verhandlung verlesen m&uuml;ssen. Dabei w&auml;re aufgefallen, dass die Belehrung der VP insoweit unvollst&auml;ndig sei, da sie auf ihr Aussageverweigerungsrecht hinsichtlich ihrer Schwester (Kl&auml;gerin) hingewiesen worden sei, nicht aber auch hinsichtlich ihres Schwagers, gegen den ebenfalls wegen Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Dar&uuml;ber hinaus habe es das FG unterlassen, die aktenkundige Aussage der MS vor der Steuerfahndung zu ber&uuml;cksichtigen. Auf die Frage, wer Chef der Firma gewesen sei, habe diese geantwortet, dies sei ihres Wissens nach VP gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil wird aufgehoben und der Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckverwiesen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Vorentscheidung ist aufzuheben, weil das FG gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme versto&szlig;en und bei seiner Entscheidung nicht das Gesamtergebnis des Verfahrens ber&uuml;cksichtigt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO hat das Gericht den Beweis in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zu erheben. Der Sinn des Grundsatzes der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme und des aus ihm folgenden Gebots, Zeugen grunds&auml;tzlich selbst zu h&ouml;ren und sich nicht mit nur schriftlich &uuml;bermittelten Bekundungen derselben zu begn&uuml;gen, besteht darin, es dem Gericht zu erm&ouml;glichen, aufgrund des pers&ouml;nlichen Eindrucks von den Zeugen und durch kritische Nachfrage die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu &uuml;berpr&uuml;fen (vgl. BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;Juli 2010 VIII&nbsp;B&nbsp;198\/09, BFH\/NV 2010, 2096, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Entgegen der Ansicht der Kl&auml;ger hat das FG allerdings nicht dadurch gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme versto&szlig;en, dass es die Niederschriften &uuml;ber die Vernehmung von Zeugen bei seiner Entscheidung verwertete. Denn mittelbare (schriftliche) Beweismittel k&ouml;nnen, wie das FG zu Recht entschieden hat, dann verwertet werden, wenn die Erhebung des unmittelbaren Beweises unm&ouml;glich, unzul&auml;ssig oder unzumutbar ist. So lagen die Verh&auml;ltnisse im Streitfall, nachdem VP dem FG mitgeteilt hatte, dass sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache. In diesem Falle besteht f&uuml;r die schriftliche Aussage kein Beweisverwertungsverbot (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 26.&nbsp;April 1988 VII&nbsp;R&nbsp;124\/85, BFHE 153, 463, Leitsatz&nbsp;3 sowie unter II.2.a; FG K&ouml;ln vom 10.&nbsp;November 1998&nbsp;&nbsp;15&nbsp;K&nbsp;4994\/93, Entscheidungen der Finanzgerichte 1999, 451, sowie BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;M&auml;rz 1990 VIII&nbsp;B&nbsp;131\/88, BFH\/NV 1991, 461), denn der Widerruf des Verzichts wirkt nicht zur&uuml;ck (Schuster in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;101 AO Rz&nbsp;24, m.w.N.). Entgegen der Auffassung der Kl&auml;ger hat das FG auch keinen Verfahrensfehler begangen, indem es die Aussage der VP nicht in vollem Umfang in der m&uuml;ndlichen Verhandlung verlesen hat. Da die FGO und die nach &sect;&nbsp;155 FGO sinngem&auml;&szlig; anzuwendenden Vorschriften der ZPO keine dem &sect;&nbsp;249 der Strafprozessordnung (StPO) entsprechende Vorschrift kennen, ist es nicht erforderlich, Niederschriften &uuml;ber fr&uuml;here Aussagen von Zeugen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zu verlesen (BFH-Beschluss vom 1.&nbsp;Oktober 2002 VII&nbsp;B&nbsp;91\/02, BFH\/NV 2003, 192, unter II.d; BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Juli 1987 X&nbsp;R&nbsp;19\/80, BFHE 150, 459, 469, BStBl II 1987, 746, 751).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FG begeht allerdings dann einen Versto&szlig; gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme, wenn im Urteil nicht zum Ausdruck kommt, dass der unterschiedliche Beweiswert von Urkunden- und Zeugenbeweis gesehen und bei der Urteilsfindung ber&uuml;cksichtigt wird (BFH-Beschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;Januar 2016 VII&nbsp;B&nbsp;111\/15, BFH\/NV 2016, 579, unter II.1., Rz&nbsp;7, sowie in BFH\/NV 2010, 2096; Schallmoser in HHSp, &sect;&nbsp;81 FGO Rz&nbsp;30).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall hat das FG auf S.&nbsp;19 des Urteils die schriftliche Aussage der VP als glaubhaft gew&uuml;rdigt und ihr besonderes Gewicht bei seiner &Uuml;berzeugungsbildung einger&auml;umt. Dies ergibt sich daraus, dass die Aussagen der in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vernommenen Zeuginnen zur Unterst&uuml;tzung der schriftlichen Aussage der VP herangezogen wurden. Damit hat das FG nicht den unterschiedlichen Beweiswert einer lediglich protokollierten Aussage und des Zeugenbeweises beachtet, sondern die Aussage der VP wie eine Zeugenaussage verwertet. Das FG hat bei seiner Beweisw&uuml;rdigung somit nicht ber&uuml;cksichtigt, dass im Hinblick auf den fehlenden Eindruck des Gerichts von der Glaubw&uuml;rdigkeit der Zeugin VP deren aktenkundige Vernehmung nur ein eingeschr&auml;nkter Beweiswert beigemessen werden kann. Hierin liegt ein Versto&szlig; gegen den Grundsatz der formellen Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 2096).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ein Verfahrensmangel i.S. von &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 FGO ist gegeben, wenn das FG bei seiner Entscheidung nicht das Gesamtergebnis des Verfahrens zugrunde legt, insbesondere wenn das Gericht bei seiner Entscheidung von einem Sachverhalt ausgeht, welcher dem schriftlichen oder protokollierten Vorbringen der Beteiligten widerspricht, oder wenn das Gericht eine nach den Akten klar feststehende Tatsache unber&uuml;cksichtigt gelassen hat (vgl. BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;Mai 2007 X&nbsp;B&nbsp;176\/06, BFH\/NV 2007, 1698, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall lagen dem FG die Akten des FA vor und damit auch die darin enthaltene schriftlich protokollierte Aussage der MS bei der Steuerfahndung. Diese hat das FG jedoch weder im Tatbestand seiner Entscheidung erw&auml;hnt noch bei seiner W&uuml;rdigung in den Entscheidungsgr&uuml;nden ber&uuml;cksichtigt. Dies war nicht nur deshalb geboten, weil die Aussage der MS hinsichtlich der Frage nach der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung der K-GmbH ergiebig war, sondern auch deshalb, weil das FG die ebenfalls &quot;nur&quot; protokollierte Aussage der VP bei seiner Entscheidungsfindung herangezogen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;ger haben diese Verfahrensfehler ordnungsgem&auml;&szlig; i.S. von &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO ger&uuml;gt. Es ist nicht v&ouml;llig ausgeschlossen, dass die Vorentscheidung anders ausgefallen w&auml;re, wenn das FG bei seiner W&uuml;rdigung den geringeren Beweiswert der protokollierten Aussage von VP und die dem m&ouml;glicherweise entgegenstehende Aussage der MS ber&uuml;cksichtigt h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da das Urteil bereits aufgrund der o.g. Verfahrensfehler keinen Bestand haben kann, bedarf es keines Eingehens auf das weitere Vorbringen der Kl&auml;ger. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung wird daher nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO, der auch f&uuml;r den Beschluss nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO gilt, abgesehen (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 25.&nbsp;Oktober 2012 X&nbsp;B&nbsp;22\/12, BFH\/NV 2013, 226; vom 23.&nbsp;September 2002 IV&nbsp;B&nbsp;156\/00, BFH\/NV 2003, 191).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Da von einem nachfolgenden Revisionsverfahren auf der Grundlage der bisherigen Feststellungen keine weitere rechtliche Kl&auml;rung zu erwarten ist, h&auml;lt es der Senat f&uuml;r zweckm&auml;&szlig;ig, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei hat das FG auch zu pr&uuml;fen, ob einer Verwertung der schriftlichen Aussage der VP entgegensteht, dass sie zwar &uuml;ber ihr Zeugnisverweigerungsrecht hinsichtlich ihrer Schwester, nicht aber hinsichtlich ihres Schwagers belehrt wurde. Ein Zeugnisverweigerungsrecht besteht nach &sect;&nbsp;101 i.V.m. &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 AO zwar auch gegen&uuml;ber Schwager und Schw&auml;gerin, dies setzt aber eine Eheschlie&szlig;ung der Schwester voraus. Die Ehe muss entweder nach deutschem Recht wirksam geschlossen oder bei im Ausland geschlossener Ehe in der Bundesrepublik Deutschland anzuerkennen sein (Hummel in Gosch, AO &sect;&nbsp;15 Rz&nbsp;16); eine Interpretation des Angeh&ouml;rigenbegriffs nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten scheidet dagegen aus (Musil in HHSp, &sect;&nbsp;15 AO Rz&nbsp;9). Soweit aus den vorliegenden Akten (Ermittlungsberichte) ersichtlich, leben die Kl&auml;ger aufgrund einer Ehe nach &quot;tamilischer Tradition&quot; zusammen. Ob dieses Zusammenleben die Anforderungen einer Ehe erf&uuml;llt, ist daher vom FG zu pr&uuml;fen. Sofern danach eine wirksame Ehe vorliegen sollte, ist weiter zu pr&uuml;fen, ob die Belehrung &uuml;ber das Zeugnisverweigerungsrecht gegen&uuml;ber der Schwester auch eine Belehrung &uuml;ber das Zeugnisverweigerungsrecht gegen&uuml;ber dem Schwager umfassen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.11.2018, V B 72\/18ECLI:DE:BFH:2018:B.271118.VB72.18.0 Verfahrensfehler; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung; Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme, Verwertung mittelbarer Beweismittel; Gesamtergebnis des Verfahrens Leits&auml;tze 1. NV: Mittelbare (schriftliche) Beweismittel k&ouml;nnen bei der Urteilsfindung ber&uuml;cksichtigt werden, wenn die Erhebung des unmittelbaren Beweises unm&ouml;glich, unzul&auml;ssig oder unzumutbar ist. 2. NV: Das FG verst&ouml;&szlig;t gegen den Grundsatz der unmittelbaren Beweisaufnahme, wenn &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-72-18-verfahrensfehler-aufhebung-und-zurueckverweisung-unmittelbarkeit-der-beweisaufnahme-verwertung-mittelbarer-beweismittel-gesamtergebnis-des-verfahrens\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;72\/18 &#8211; Verfahrensfehler; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung; Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme, Verwertung mittelbarer Beweismittel; Gesamtergebnis des Verfahrens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70232"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70232\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}