{"id":70259,"date":"2019-01-31T17:35:08","date_gmt":"2019-01-31T15:35:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70259"},"modified":"2019-01-31T17:35:08","modified_gmt":"2019-01-31T15:35:08","slug":"ix-r-1-17-erbauseinandersetzung-bei-zivilrechtlicher-nachlassspaltung-realteilung-anschaffungskosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-1-17-erbauseinandersetzung-bei-zivilrechtlicher-nachlassspaltung-realteilung-anschaffungskosten\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;1\/17 &#8211; Erbauseinandersetzung bei zivilrechtlicher Nachlassspaltung &#8211; Realteilung &#8211; Anschaffungskosten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.10.2018, IX R 1\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.101018.IXR1.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Erbauseinandersetzung bei zivilrechtlicher Nachlassspaltung &#8211; Realteilung &#8211; Anschaffungskosten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Setzen sich die Miterben im Fall der zivilrechtlichen Nachlassspaltung unter Einbeziehung aller personengleichen Erbengemeinschaften in einem einheitlichen Vorgang in der Weise auseinander, dass sie s&auml;mtliche Nachlassgegenst&auml;nde gleichzeitig vollst&auml;ndig unter sich verteilen, ist auch f&uuml;r die ertragsteuerliche Beurteilung, ob insgesamt eine neutrale Realteilung oder ob teilweise Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsvorg&auml;nge anzunehmen sind, auf diesen einheitlichen Vorgang und auf den gesamten Nachlass abzustellen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 13. Oktober 2016&nbsp;&nbsp;14 K 203\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) sind Ehegatten und werden zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Der Kl&auml;ger erzielte im Jahr 2012 (Streitjahr) Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb, selbst&auml;ndiger Arbeit sowie Vermietung und Verpachtung, die Kl&auml;gerin Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger ist zusammen mit seiner Mutter und seinen drei Schwestern (A, B und C) Erbe nach seinem im Mai 1990 verstorbenen Vater, der seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland hatte. Zum Nachlass geh&ouml;rten drei in den &quot;alten&quot; Bundesl&auml;ndern gelegene Grundst&uuml;cke (X, Y und Z) und ein, im Zeitpunkt des Erbfalls auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gelegenes, mit einem Mehrfamilienhaus bebautes, Grundst&uuml;ck (W). Nach dem Inhalt des gemeinschaftlichen Erbscheins des Amtsgerichts vom 8.&nbsp;Januar 1991 wurde der Erblasser von der Mutter des Kl&auml;gers zu 1\/2 und von dem Kl&auml;ger und seinen drei Schwestern zu 1\/8 jeweils beerbt. Hinsichtlich des in der ehemaligen DDR gelegenen Grundst&uuml;cks W wurde der Erblasser von der Mutter des Kl&auml;gers zu 1\/4 und von dem Kl&auml;ger und seinen drei Schwestern zu 3\/16 jeweils beerbt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Mutter des Kl&auml;gers war an den vier Grundst&uuml;cken ein Nie&szlig;brauch einger&auml;umt. Im Zusammenhang mit der Modernisierung des Geb&auml;udes auf dem Grundst&uuml;ck W nahm sie als Darlehensnehmerin in den Jahren 1998 bis 2002 vier Darlehen in H&ouml;he von insgesamt 256.000&nbsp;EUR auf. Die Aufwendungen f&uuml;r die Modernisierung machte sie bei ihren Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung als Werbungskosten geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariellem Vertrag vom 6.&nbsp;Oktober&nbsp;2008 setzte sich die Erbengemeinschaft auseinander. Die f&uuml;r das Grundst&uuml;ck W aufgenommenen Darlehensverbindlichkeiten valutierten zu dieser Zeit noch in H&ouml;he von insgesamt 231.077,14&nbsp;EUR. Der Kl&auml;ger erhielt das Grundst&uuml;ck W zu Alleineigentum. Im Gegenzug &uuml;bernahm er zwei der vier Darlehensvertr&auml;ge seiner Mutter sofort und verpflichtete sich, seine Mutter von den Darlehenszahlungen der beiden anderen Darlehensvertr&auml;ge freizustellen und diese Vertr&auml;ge zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt ebenfalls zu &uuml;bernehmen. Die von der Mutter bei der M-Bank unterhaltenen Kontokorrentkonten wurden im Innenverh&auml;ltnis dem Kl&auml;ger zugeordnet, dieser erhielt zudem den Gesch&auml;ftsanteil an der M-Bank im Wert von 10.500&nbsp;EUR r&uuml;ckwirkend zum 1.&nbsp;Januar 2008.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erhielt au&szlig;erdem das lastenfreie Grundst&uuml;ck X zu Alleineigentum &uuml;bertragen und verpflichtete sich im Gegenzug, seiner Schwester C eine Abfindung in H&ouml;he von 20.000&nbsp;EUR zu zahlen. Das Grundst&uuml;ck Y wurde seiner Mutter und seiner Schwester A &uuml;bertragen; die im Grundbuch f&uuml;r das Grundst&uuml;ck verzeichneten Darlehensverbindlichkeiten in H&ouml;he von 52.305&nbsp;EUR &uuml;bernahmen diese gemeinsam. A verpflichtete sich zu einer Ausgleichszahlung an ihre Schwester B in H&ouml;he von 50.000&nbsp;EUR. Die Mutter erhielt weiterhin das Grundst&uuml;ck Z zu Alleineigentum. Der Gegenstandswert der Auseinandersetzungsvereinbarung entfiel in H&ouml;he von 240.000&nbsp;EUR auf das Grundst&uuml;ck W, im &Uuml;brigen auf die Grundst&uuml;cke X, Y, Z sowie auf die Ausgleichszahlungen der Geschwister untereinander und die &Uuml;bernahme des Gesch&auml;ftsanteils an der M-Bank. Die Kosten der Auseinandersetzungsvereinbarung und ihrer Durchf&uuml;hrung trug der Kl&auml;ger (vgl. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 des Vertrags).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machten die Kl&auml;ger bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung als Werbungskosten f&uuml;r das bebaute Grundst&uuml;ck W Absetzungen f&uuml;r Abnutzung (AfA) in H&ouml;he von 5.432&nbsp;EUR geltend. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte die Einkommensteuer f&uuml;r 2012 mit Bescheid vom 12.&nbsp;November 2013 fest; den insoweit geltend gemachten AfA-Betrag ber&uuml;cksichtigte er nicht. Hiergegen legten die Kl&auml;ger Einspruch ein und begehrten die Ber&uuml;cksichtigung von AfA in H&ouml;he von 4.883&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einkommensteuerbescheid wurde nachfolgend aus zwischen den Beteiligten nicht streitgegenst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden ge&auml;ndert. Mit Einspruchsentscheidung vom 21.&nbsp;Juli 2015 wies das FA den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der von den Kl&auml;gern dagegen erhobenen Klage mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 817 ver&ouml;ffentlichten Urteil &uuml;berwiegend statt. Es &auml;nderte den Einkommensteuerbescheid 2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung insoweit ab, als es die Einkommensteuer 2012 auf den Betrag herabsetzte, der sich ergibt, wenn bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung des Kl&auml;gers f&uuml;r das Grundst&uuml;ck W AfA in H&ouml;he von 3.967,63&nbsp;EUR als Werbungskosten ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung von &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;7 i.V.m. &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;4&nbsp;des Einkommensteuergesetzes (EStG) und &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;1&nbsp;des Handelsgesetzbuches (HGB). Die Vorentscheidung widerspreche dem Beschluss des Gro&szlig;en Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 5.&nbsp;Juli&nbsp;1990 GrS&nbsp;2\/89 (BFHE 161, 332, BStBl II 1990, 837).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 13.&nbsp;Oktober 2016&nbsp;&nbsp;14&nbsp;K&nbsp;203\/15 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Bundesministerium der Finanzen ist dem Verfahren beigetreten. Es unterst&uuml;tzt die Auffassung des FA. Eine ggf. zivilrechtlich eingetretene Nachlassspaltung sei ertragsteuerlich unerheblich, da im Einkommensteuerrecht die zivilrechtliche Betrachtungsweise durch eine wirtschaftliche Betrachtungsweise &uuml;berlagert werde. Die Erbauseinandersetzung sei f&uuml;r alle Miterben als einheitlicher Vorgang zu behandeln, der eine Separierung des dem Kl&auml;ger zugewiesenen Grundst&uuml;cks W verbiete. Die Anwendung einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise auf den vorliegenden Fall sei auch dadurch begr&uuml;ndet, dass der Gro&szlig;e Senat des BFH in seinem Beschluss in BFHE 161, 332, BStBl II 1990, 837 mit der sog. &quot;Saldothese&quot; selbst eine aus ertragsteuerlicher Sicht einheitliche Betrachtung der Erbauseinandersetzung vorgegeben habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zwar hat das FG im Ausgangspunkt eine zivilrechtliche Nachlassspaltung zu Recht angenommen. F&uuml;r die ertragsteuerliche Beurteilung der Auseinandersetzung zwischen den Miterben im Streitfall kommt es darauf jedoch nicht an. Zu Unrecht hat das FG deshalb nicht gepr&uuml;ft, in welcher Weise die Miterben die Erbengemeinschaften insgesamt auseinandergesetzt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1.&nbsp;a)&nbsp;Nach &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;4&nbsp;EStG bemisst sich die AfA nach den Anschaffungskosten. Welche Aufwendungen zu den Anschaffungskosten einer Immobilie z&auml;hlen, bestimmt sich auch f&uuml;r die Eink&uuml;nfte aus Vermietung und Verpachtung nach &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;1&nbsp;HGB. Danach sind Anschaffungskosten die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Verm&ouml;gensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, ferner die Nebenkosten und nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten (vgl. z.B. Senatsurteil vom 8.&nbsp;November 2017 IX&nbsp;R&nbsp;36\/16, BFH\/NV 2018, 215, Rz&nbsp;10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b)&nbsp;Bei der Auseinandersetzung einer Erbengemeinschaft k&ouml;nnen Aufwendungen eines Miterben Anschaffungskosten sein, z.B. wenn er die Erbanteile anderer Miterben erwirbt. Verteilen die Miterben dagegen das Gemeinschaftsverm&ouml;gen unter sich, um die Gemeinschaft zu beenden, liegt in der Erf&uuml;llung des erbrechtlichen Auseinandersetzungsanspruchs kein Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;ft. Bei einer derartigen Realteilung des Nachlasses ist der &uuml;bernehmende Miterbe entsprechend &sect;&nbsp;11d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung auf die Fortf&uuml;hrung der von der Erbengemeinschaft anzusetzenden Anschaffungskosten oder Herstellungskosten verwiesen. Wie sich das dem Miterben entsprechend seiner Erbquote zugeteilte Nachlassverm&ouml;gen zusammensetzt, hat keine Bedeutung. Die wertm&auml;&szlig;ige Angleichung kann auch dadurch bewirkt werden, dass der Miterbe Verbindlichkeiten der Erbengemeinschaft &uuml;bernimmt. Auch soweit dabei sein rechnerischer Anteil an den Verbindlichkeiten &uuml;berschritten wird, f&uuml;hrt dies noch nicht zu Anschaffungskosten. &Uuml;bersteigt aber der Wert des Erlangten den Wert seines Erbanteils und muss der beg&uuml;nstigte Erbe deshalb an einen oder mehrere Miterben Ausgleichszahlungen leisten, bilden sie f&uuml;r ihn Anschaffungskosten (vgl. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 161, 332, BStBl II 1990, 837).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c)&nbsp;Die Feststellung, in welcher Weise sich die Miterben zur Beendigung der Erbengemeinschaft auseinandergesetzt haben, ob es sich dabei insgesamt um eine steuerneutrale Realteilung oder teilweise um Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsvorg&auml;nge handelt und in Bezug auf welche Nachlassgegenst&auml;nde dies der Fall ist, obliegt dem FG als Tatsacheninstanz.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2.&nbsp;Nach Ma&szlig;gabe dieser Grunds&auml;tze kann die Entscheidung des FG keinen Bestand haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a)&nbsp;Zutreffend ist das FG davon ausgegangen, dass im Streitfall zivilrechtlich eine Nachlassspaltung eingetreten ist. Nach den f&uuml;r den Senat bindenden Feststellungen des FG (vgl. &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2&nbsp;FGO) ist der Kl&auml;ger zusammen mit seiner Mutter und seinen drei Schwestern Erbe nach seinem im Mai 1990 verstorbenen Vater, der seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland hatte. Zum Nachlass geh&ouml;rten u.a. drei in den &quot;alten&quot; Bundesl&auml;ndern gelegene Grundst&uuml;cke sowie das mit einem Mehrfamilienhaus bebaute und im Zeitpunkt des Erbfalls auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gelegene Grundst&uuml;ck W. Zivilrechtlich richtet sich die Erbfolge demnach grunds&auml;tzlich nach den Vorschriften des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuches. F&uuml;r die erbrechtlichen Verh&auml;ltnisse des in der ehemaligen DDR gelegenen Grundst&uuml;cks W ist hingegen noch das Zivilgesetzbuch der DDR (ZGB-DDR) ma&szlig;gebend (vgl. z.B. Beschl&uuml;sse des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 30.&nbsp;November 1994 IV&nbsp;ZR&nbsp;49\/94, Zeitschrift f&uuml;r das Gesamte Familienrecht 1995, 481, m.w.N.; vom 4.&nbsp;Oktober 1995 IV&nbsp;ZB&nbsp;5\/95, BGHZ 131, 22, unter III.1., und Bayerisches Oberstes Landesgericht, Beschluss vom 5.&nbsp;Juli 2002&nbsp;&nbsp;1Z&nbsp;BR&nbsp;45\/01, Neue Juristische Wochenschrift 2003, 216). Neben der Erbengemeinschaft, zu welcher der in den alten Bundesl&auml;ndern belegene Nachlass geh&ouml;rte, bestand damit eine personengleiche weitere Erbengemeinschaft, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;400 Abs.&nbsp;1&nbsp;ZGB-DDR das Gesamteigentum an dem Grundst&uuml;ck W in der ehemaligen DDR innehatte (vgl. hierzu BGH-Beschluss vom 24.&nbsp;Januar 2001 IV&nbsp;ZB&nbsp;24\/00, BGHZ 146, 310, unter B.II.2.; Filtzinger in Ri&szlig;mann, Die Erbengemeinschaft, 2.&nbsp;Aufl., Teil&nbsp;3 &sect;&nbsp;22 Rz&nbsp;57).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b)&nbsp;Zu Unrecht hat das FG aber angenommen, die Nachlassspaltung sei ohne Weiteres auch der ertragsteuerlichen Beurteilung der Erbauseinandersetzung zugrunde zu legen. Eine so weitgehende Bindung an das Zivilrecht besteht indes nicht. Den Miterben steht es vielmehr frei, ob sie die Nachlassspaltung bei der Auseinandersetzung ihrer Gemeinschaften beachten. Sie k&ouml;nnen der zivilrechtlichen Nachlassspaltung folgen und jede Erbengemeinschaft getrennt auseinandersetzen. Dann kommt es f&uuml;r die ertragsteuerliche Beurteilung auf die jeweilige Auseinandersetzung an. Die Miterben k&ouml;nnen sich aber auch unter Einbeziehung beider bzw. aller Erbengemeinschaften in einem einheitlichen Vorgang in der Weise auseinandersetzen, dass sie s&auml;mtliche Nachlassgegenst&auml;nde gleichzeitig vollst&auml;ndig unter sich verteilen. Ist dies &#8211;wie vorliegend&#8211; der Fall, so ist aber auch f&uuml;r die ertragsteuerliche Beurteilung, ob insgesamt eine neutrale Realteilung oder ob teilweise Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsvorg&auml;nge anzunehmen sind, auf diesen einheitlichen Vorgang und auf den gesamten Nachlass abzustellen. Bei dieser Gestaltung erhalten die Miterben mehr M&ouml;glichkeiten, sich unter Einbeziehung s&auml;mtlicher Nachlassgegenst&auml;nde steuerneutral auseinanderzusetzen, als wenn sie an die zivilrechtliche Nachlassspaltung gebunden w&auml;ren. Das FG ist von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Sein Urteil kann deshalb keinen Bestand haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3.&nbsp;Die Sache ist nicht spruchreif. Von seinem Standpunkt aus zu Recht hat das FG bisher nicht vollst&auml;ndig festgestellt, wie sich die Miterben im Zuge der Aufl&ouml;sung der beiden Erbengemeinschaften auseinandergesetzt haben. Dies wird es im zweiten Rechtsgang nachholen m&uuml;ssen, um abschlie&szlig;end beurteilen zu k&ouml;nnen, inwieweit und ggf. bez&uuml;glich welcher Objekte dabei Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungsvorg&auml;nge verwirklicht worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4.&nbsp;Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2&nbsp;FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.10.2018, IX R 1\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.101018.IXR1.17.0 Erbauseinandersetzung bei zivilrechtlicher Nachlassspaltung &#8211; Realteilung &#8211; Anschaffungskosten Leits&auml;tze Setzen sich die Miterben im Fall der zivilrechtlichen Nachlassspaltung unter Einbeziehung aller personengleichen Erbengemeinschaften in einem einheitlichen Vorgang in der Weise auseinander, dass sie s&auml;mtliche Nachlassgegenst&auml;nde gleichzeitig vollst&auml;ndig unter sich verteilen, ist auch f&uuml;r die ertragsteuerliche Beurteilung, ob insgesamt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-1-17-erbauseinandersetzung-bei-zivilrechtlicher-nachlassspaltung-realteilung-anschaffungskosten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;1\/17 &#8211; Erbauseinandersetzung bei zivilrechtlicher Nachlassspaltung &#8211; Realteilung &#8211; Anschaffungskosten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70259","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70259"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70259\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}