{"id":70261,"date":"2019-01-31T17:35:18","date_gmt":"2019-01-31T15:35:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70261"},"modified":"2019-01-31T17:35:18","modified_gmt":"2019-01-31T15:35:18","slug":"v-r-29-17-umsatzsteuer-im-eismuseum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-29-17-umsatzsteuer-im-eismuseum\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;29\/17 &#8211; Umsatzsteuer im Eismuseum"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.11.2018, V R 29\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.221118.VR29.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Umsatzsteuer im Eismuseum<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die steuersatzbeg&uuml;nstigte Eintrittsberechtigung f&uuml;r Museen erfasst auch Kunstsammlungen, die eigens f&uuml;r die Ausstellung zusammengestellt wurden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 18. Mai 2017&nbsp;&nbsp;2 K 220\/13 aufgehoben und der Umsatzsteuer&auml;nderungsbescheid 2010 vom 6. Januar 2015 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 14. Mai 2013 dahingehend ge&auml;ndert, dass die Umsatzsteuer 2010 um &#8230; EUR niedriger auf &#8230; EUR festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Organtr&auml;ger einer GmbH. Die GmbH veranstaltete w&auml;hrend der Wintermonate im Streitjahr (2010) zwei Ausstellungen mit Eisskulpturen, die von internationalen K&uuml;nstlern geschaffen wurden, zu den Themen &quot;Willkommen im &#8230;&quot; und &quot;im Wald &#8230;&quot;. Die Ausstellungen konnten gegen Eintrittsgeld von der &Ouml;ffentlichkeit betrachtet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger begehrte die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Dem folgte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) nicht und setzte die Umsatzsteuervorauszahlungen Januar und Februar 2010 nach Ma&szlig;gabe des Regelsteuersatzes fest. W&auml;hrend des hiergegen gef&uuml;hrten Einspruchsverfahrens erging der Umsatzsteuerjahresbescheid 2010, der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;365 Abs.&nbsp;3 der Abgabenordnung Gegenstand des Einspruchsverfahrens wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage zum Finanzgericht (FG) hatten keinen Erfolg. Nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1127 ver&ouml;ffentlichten Urteil handelte es sich um eine Eintrittsberechtigung f&uuml;r die Ausstellungen, nicht aber f&uuml;r eine benachbarte Eisbahn. Dabei sah es die Ausstellungen nicht als Museum an. Zwar handele es sich bei den Eisskulpturen um Kunstgegenst&auml;nde, es liege aber keine Sammlung vor. Der Kl&auml;ger unterhalte keine eigene Sammlung, sondern stelle nur vor&uuml;bergehend aus. Abweichendes ergebe sich auch nicht aus Art.&nbsp;98 und Anhang&nbsp;III Kategorie&nbsp;7 der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) sowie der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Revision. Das FG sei zutreffend von einer entgeltlichen Eintrittsberechtigung f&uuml;r die Eisskulpturenausstellung ausgegangen. Ma&szlig;geblich sei die grundlegende Definition in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG. L&auml;gen die weiteren Voraussetzungen von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 oder 2 UStG nicht vor, sei die Steuersatzerm&auml;&szlig;igung anzuwenden. Es seien Kunstwerke im Original und nicht nur Repliken ausgestellt worden. Es habe sich auch um eine Kunstsammlung gehandelt. Entgegen dem Urteil des FG stehe dem Vorliegen einer Sammlung nicht entgegen, dass die Eisskulpturen verg&auml;nglich seien und nur vor&uuml;bergehend ausgestellt werden k&ouml;nnten. Aus der ma&szlig;geblichen Verbrauchersicht entsprechend der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) komme es nicht darauf an, ob der Ausstellungsveranstalter die Kunstwerke selbst gesammelt hat oder ob K&uuml;nstler Werke f&uuml;r eine Ausstellung zur Verf&uuml;gung stellen. F&uuml;r den Besucher als den Beg&uuml;nstigten der Steuersatzerm&auml;&szlig;igung sei dies ohne Bedeutung. Entgegen dem Urteil des FG liege somit eine Sammlung vor. Es komme nicht auf eine eigene und st&auml;ndige Sammlung an. Eine enge Auslegung sei zudem unionsrechtswidrig. Der Begriff der Kunstsammlung sei nicht gesichert, so dass nicht zwischen Kunstsammlungen und Kunstansammlungen zu unterscheiden sei. Aus Verbrauchersicht komme es nicht darauf an, ob in einer Kunstausstellung Kunstgegenst&auml;nde ausgestellt w&uuml;rden, die zuvor von Sammlern gesammelt worden seien. Die nationale Regelung entspreche den Vorgaben des Unionsrechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und unter &Auml;nderung des den Umsatzsteuer&auml;nderungsbescheid 2010 vom 6.&nbsp;Januar 2015 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;Mai 2013 die Umsatzsteuer 2010 um &#8230;&nbsp;EUR niedriger auf &#8230;&nbsp;EUR festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es m&uuml;sse sich um die Ausstellung einer Kunstsammlung und nicht nur um die Ausstellung von Kunstwerken handeln. Der Begriff der Kunstsammlung gehe &uuml;ber den der Kunstausstellung hinaus. Im Streitfall liege nur eine Ansammlung von Kunstwerken vor. Der Begriff des Museums sei f&uuml;r Zwecke der Steuerfreiheit und der Steuersatzerm&auml;&szlig;igung einheitlich zu verstehen. Zu unterscheiden sei aber zwischen Sammlung und Ansammlung. Aus dem Begriff der Sammlung folge ein Erfordernis der Dauerhaftigkeit. Im Streitfall w&uuml;rden keine Kunstwerke gesammelt. Hierf&uuml;r spreche auch die internationale Museumsdefinition, die der deutsche Museumsbund &uuml;bernommen habe. Die blo&szlig;e Pr&auml;sentierung von Kunstgegenst&auml;nden reiche nicht aus. Der Durchschnittsverbraucher sehe eine nur vor&uuml;bergehende Ausstellung nicht als Museum an. Eine tempor&auml;re Ausstellung und eine dauerhaft angelegte Kunstsammlung sei nicht gleichartig. Eine Gleichbehandlung entspreche nicht der selektiven Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes. Die Kunstwerke seien auch nicht f&uuml;r eine Sammlung vorgesehen gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und der Klage stattzugeben (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat den Begriff des Museums in &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG verkannt. Die hierf&uuml;r erforderliche Sammlung liegt im Streitfall vor, so dass der Klage stattzugeben ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG erm&auml;&szlig;igt sich die Steuer f&uuml;r die Eintrittsberechtigung f&uuml;r Museen. Unionsrechtlich beruht diese Vorschrift auf Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;1 und 2 MwStSystRL. Danach k&ouml;nnen die Mitgliedstaaten einen oder zwei erm&auml;&szlig;igte Steuers&auml;tze auf die Lieferungen von Gegenst&auml;nden und die Dienstleistungen der in Anhang&nbsp;III genannten Kategorien anwenden. Dabei kann nach Anhang&nbsp;III Kategorie&nbsp;7 MwStSystRL ein erm&auml;&szlig;igter Steuersatz zugunsten der Eintrittsberechtigung f&uuml;r Veranstaltungen, Theater, Zirkus, Jahrm&auml;rkte, Vergn&uuml;gungsparks, Konzerte, Museen, Tierparks, Kinos und Ausstellungen sowie &auml;hnliche kulturelle Ereignisse und Einrichtungen eingef&uuml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG definiert den Begriff des Museums nicht. Bei der Auslegung dieses Begriffs kann auf die Begriffsdefinition in anderen Gesetzesvorschriften zur&uuml;ckgegriffen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG in seiner im Streitjahr geltenden Fassung sind die Ums&auml;tze bestimmter Einrichtungen des Bundes, der L&auml;nder, der Gemeinden oder der Gemeindeverb&auml;nde steuerfrei. Dabei handelt es sich um Theater, Orchester, Kammermusikensembles, Ch&ouml;re, Museen, botanische G&auml;rten, zoologische G&auml;rten, Tierparks, Archive, B&uuml;chereien sowie Denkm&auml;ler der Bau- und Gartenbaukunst (Satz&nbsp;1). Das Gleiche gilt f&uuml;r die Ums&auml;tze gleichartiger Einrichtungen anderer Unternehmer, wenn die zust&auml;ndige Landesbeh&ouml;rde bescheinigt, dass sie die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in Satz&nbsp;1 bezeichneten Einrichtungen erf&uuml;llen (Satz&nbsp;2). Museen i.S. dieser Vorschrift sind wissenschaftliche Sammlungen und Kunstsammlungen (Satz&nbsp;3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Hinblick auf die zwischen der Steuersatzerm&auml;&szlig;igung und der Steuerfreiheit bestehenden Unterschiede ist der Museumsbegriff in &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG nicht mit dem in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 bis 3 UStG identisch. Es ist lediglich die grundlegende Begriffsdefinition in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG zu beachten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Steuersatzerm&auml;&szlig;igung in &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG erfasst nur die Eintrittsberechtigung f&uuml;r Museen und damit f&uuml;r die in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG genannten Sammlungen, w&auml;hrend die Steuerbefreiung in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a S&auml;tze&nbsp;1 und 2 UStG auf alle Ums&auml;tze mit Kulturbezug eines Museums anzuwenden ist. Steuerfrei sind daher nicht nur Eintrittsberechtigungen, sondern z.B. auch andere &quot;typische Museumsleistungen&quot; (vgl. hierzu Abschn.&nbsp;4.20.3. Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3&nbsp;ff. des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses &#8211;UStAE&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieser leistungsbezogene Unterschied wirkt sich auch auf die Begriffsdefinition des Museums aus. Im Hinblick auf die umfassende Steuerfreiheit bedarf der Museumsbegriff in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a S&auml;tze&nbsp;1 und 2 UStG einer weitergehenden Verfestigung, als er sich aus &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG als Grundtatbestand ergibt. Dies zeigt sich auch daran, dass es f&uuml;r die Steuerfreiheit nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG auf die Erf&uuml;llung gleicher kultureller Aufgaben ankommt wie bei den in Satz&nbsp;1 benannten Museen und anderen kulturellen Einrichtungen in &ouml;ffentlich-rechtlicher Tr&auml;gerschaft. Eine derartige Verfestigung i.S. einer auf Dauer angelegten T&auml;tigkeit ist &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG fremd, und zwar entgegen dem Urteil des FG, das hierf&uuml;r zu Unrecht einen Vergleich mit den weiteren in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 UStG bezeichneten Einrichtungen wie Theater, Orchester, Kammermusikensembles, Ch&ouml;re, Museen, botanische G&auml;rten, zoologische G&auml;rten, Tierparks und Archive, B&uuml;chereien sowie Denkm&auml;ler der Bau- und Gartenbaukunst angef&uuml;hrt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Hieraus folgt, dass es sich bei den in &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG genannten Kunstsammlungen auch um die einer anderen Person handeln kann. Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnen diese Sammlungen auch eigens f&uuml;r die Ausstellung, f&uuml;r die die Eintrittsberechtigung gew&auml;hrt wird, zusammengestellt sein. Nicht vereinbar mit dem Museumsbegriff ist aber auch bei &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG und damit bei &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG eine Beg&uuml;nstigung von Ausstellungen, die statt von kulturellen und bildenden Zwecken blo&szlig;en Verkaufszwecken dienen (zutreffend Abschn.&nbsp;4.20.3. Abs.&nbsp;3 UStAE). Entgegen dem Urteil des FG kommt es somit nicht darauf an, dass Sonderausstellungen entweder komplett aus den Sammlungsbest&auml;nden anderer Einrichtungen oder privater Leihgeber zusammengestellt sind oder aber nur zu einem geringen Anteil aus der eigenen Sammlung best&uuml;ckt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Normverh&auml;ltnis der &sect;&sect;&nbsp;4 und 12 UStG f&uuml;hrt dies dazu, dass ein Museum i.S. von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG, das die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a S&auml;tze&nbsp;1 und 2 UStG nicht erf&uuml;llt, nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG bei der Gew&auml;hrung von Eintrittsberechtigungen steuersatzerm&auml;&szlig;igt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Hierf&uuml;r spricht auch die Rechtsprechung des EuGH zur Steuersatzerm&auml;&szlig;igung. Denn nach der ma&szlig;geblichen Sicht des Durchschnittsverbrauchers (EuGH-Urteil Pro Med Logistik und Pongratz vom 27.&nbsp;Februar 2014 in den verbundenen Rechtssachen C-454\/12 und C-455\/12, EU:C:2014:111, BStBl II 2015, 437, Rz&nbsp;57) handelt es sich bei der Ausstellung einer bereits anderweitig bestehenden Sammlung &#8211;in Abgrenzung zu einer f&uuml;r eine Ausstellung eigens zusammengestellten Sammlung&#8211; nicht um einen konkreten und spezifischen Aspekt des Begriffs der Sammlung (zu diesem Erfordernis vgl. EuGH-Urteil Pro Med Logistik und Pongratz, EU:C:2014:111, BStBl II 2015, 437, Rz&nbsp;45).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die hiergegen gerichteten Einwendungen des FA greifen nicht durch. Insbesondere steht der Steuersatzerm&auml;&szlig;igung nicht entgegen, dass Anhang&nbsp;III Kategorie&nbsp;7 MwStSystRL neben den Museen auch Ausstellungen als eigenst&auml;ndigen Begriff nennt. Zwar ist es zutreffend, dass &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG die danach bestehende Erm&auml;chtigung zur Schaffung einer Steuersatzerm&auml;&szlig;igung f&uuml;r Ausstellungen als solche nicht ausge&uuml;bt hat. Dies betrifft aber vorrangig die Eintrittsberechtigung f&uuml;r Verkaufsausstellungen, die auch von der Steuerfreiheit ausgeschlossen sind (s.&nbsp;oben II.2.b&nbsp;bb), nicht aber die Auslegung des Museumsbegriffs als Ausstellungen von Kunstsammlungen, die auch eigens f&uuml;r die Ausstellung zusammengestellt worden sein k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus dem Begriff der Sammlung folgt zudem kein Erfordernis der Dauerhaftigkeit, da sonst Kunstausstellungen, die eigens f&uuml;r eine Ausstellung oder Ausstellungsreise zusammengestellt werden, nicht den Anforderungen des Museumsbegriffs entspr&auml;chen. Im &Uuml;brigen kommt es auf internationale Museumsdefinitionen nicht an. Schlie&szlig;lich kommt es aus Sicht eines Durchschnittsverbrauchers entgegen der Auffassung des FA nicht darauf an, ob Gegenstand der Ausstellung eine bereits anderweitig bestehende Sammlung ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Danach ist das Urteil des FG aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die f&uuml;r den Museumsbegriff erforderliche Sammlung liegt im Hinblick auf die vom Kl&auml;ger selbst vorgenommene Zusammenstellung vor. Da das FG zu Recht die Kunstwerkeigenschaft der ausgestellten Objekte bejaht hat, ist der Klage stattzugeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.11.2018, V R 29\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.221118.VR29.17.0 Umsatzsteuer im Eismuseum Leits&auml;tze Die steuersatzbeg&uuml;nstigte Eintrittsberechtigung f&uuml;r Museen erfasst auch Kunstsammlungen, die eigens f&uuml;r die Ausstellung zusammengestellt wurden. Tenor Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 18. Mai 2017&nbsp;&nbsp;2 K 220\/13 aufgehoben und der Umsatzsteuer&auml;nderungsbescheid 2010 vom 6. 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