{"id":70263,"date":"2019-01-31T17:35:12","date_gmt":"2019-01-31T15:35:12","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70263"},"modified":"2019-01-31T17:35:12","modified_gmt":"2019-01-31T15:35:12","slug":"xi-b-49-18-durch-insolvenzplan-entstehender-gewinn-als-masseverbindlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-49-18-durch-insolvenzplan-entstehender-gewinn-als-masseverbindlichkeit\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;49\/18 &#8211; Durch Insolvenzplan entstehender Gewinn als Masseverbindlichkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.11.2018, XI B 49\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:B.151118.XIB49.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Durch Insolvenzplan entstehender Gewinn als Masseverbindlichkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Bei der K&ouml;rperschaftsteuer, die auf einen Sanierungsgewinn entf&auml;llt, der aufgrund eines Insolvenzplans entstanden ist, handelt es sich nicht um eine Insolvenzforderung, die vom FA zur Insolvenztabelle anzumelden w&auml;re.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 23. April 2018 1 K 1356\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;ber das Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), einer GmbH, wurde durch Beschluss des zust&auml;ndigen Amtsgerichts (AG) vom 2.&nbsp;Mai 2006 das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet und die Eigenverwaltung angeordnet. Im Insolvenzverfahren wurde ein Insolvenzplan erstellt. Durch Beschluss vom 10.&nbsp;M&auml;rz 2009 hob das AG das Insolvenzverfahren auf, nachdem der best&auml;tigte Insolvenzplan vom 8.&nbsp;Januar 2009 zum 31.&nbsp;Dezember 2008 rechtswirksam geworden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 19.&nbsp;M&auml;rz 2009 beschloss die Gesellschafterversammlung die Fortsetzung der Gesellschaft. Der Beschluss wurde am 23.&nbsp;M&auml;rz 2009 ins Handelsregister eingetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 1.&nbsp;Oktober 2010 reichte die Kl&auml;gerin beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine berichtigte K&ouml;rperschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 2008 nebst berichtigtem Jahresabschluss f&uuml;r das Jahr 2008 ein. Die berichtigte Handelsbilanz enthielt einen Sanierungsgewinn in H&ouml;he von 238.522&nbsp;EUR. Die Gewinn und Verlustrechnung wies einen &quot;au&szlig;erordentlichen Ertrag &#8211; Insolvenzplan&quot; in H&ouml;he von 1.280.012&nbsp;EUR aus. Die Kl&auml;gerin erl&auml;uterte, dass sich der Sanierungsgewinn aus dem genehmigten Sanierungsplan ergebe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 19.&nbsp;November 2012 setzte das FA die K&ouml;rperschaftsteuer f&uuml;r das Jahr 2008 auf 155.282&nbsp;EUR fest. Es ber&uuml;cksichtigte dabei den aus dem Insolvenzplan resultierenden Buchgewinn in H&ouml;he von 1.280.012&nbsp;EUR und verrechnete diesen mit dem Verlustvortrag zum 31.&nbsp;Dezember 2007. Mit Bescheid vom selben Tag stellte das FA den verbleibenden Verlustvortrag zur K&ouml;rperschaftsteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2008 auf null Euro fest. Die sich daraus ergebenden Folgerungen zog das FA au&szlig;erdem im Bescheid vom selben Tag &uuml;ber die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 und &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG). Die Einspr&uuml;che blieben erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage, mit der die Kl&auml;gerin geltend machte, bei der auf den Sanierungsgewinn entfallenden Steuer handle es sich um eine Insolvenzforderung, die bereits im Zeitpunkt der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens zu erfassen und deshalb vom FA zur Tabelle anzumelden sei, ab und lie&szlig; die Revision nicht zu. Es entschied, die Klage gegen den Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach &sect;&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 und &sect;&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 KStG zum 31.&nbsp;Dezember 2008 sei unzul&auml;ssig. Im &Uuml;brigen sei die Klage unbegr&uuml;ndet. Das FA habe den Sanierungsgewinn zu Recht im K&ouml;rperschaftsteuerbescheid f&uuml;r das Jahr 2008 der K&ouml;rperschaftsteuer unterworfen. Die Steuerforderung, die durch den Sanierungsgewinn entstehe, sei eine Masseverbindlichkeit. Zu den Masseverbindlichkeiten z&auml;hlten insbesondere Steuerforderungen, die nach Verfahrenser&ouml;ffnung entstehen. Der Sanierungsgewinn und die daraus resultierende Steuer seien erst mit Rechtskraft der Best&auml;tigung des Insolvenzplans entstanden. Die Insolvenzmasse werde durch die Verminderung der sie treffenden Verpflichtungen bereichert. Allein ma&szlig;geblich sei, dass der Gewinn steuerrechtlich nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens entstanden sei. Die Steuerverbindlichkeit sei zwar nicht durch den Insolvenzverwalter, aber in anderer Weise durch die Verwaltung der Insolvenzmasse begr&uuml;ndet worden, ohne zu den Kosten des Insolvenzverfahrens zu geh&ouml;ren. Die Klage gegen den Bescheid &uuml;ber den verbleibenden Verlustvortrag zur K&ouml;rperschaftsteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2008 sei ebenfalls unbegr&uuml;ndet. Aus der sich aus &sect;&nbsp;42 der Finanzgerichtsordnung (FGO), &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ergebenden Anfechtungsbeschr&auml;nkung folge, dass Einwendungen gegen den Gesamtbetrag der Eink&uuml;nfte, der dem K&ouml;rperschaftsteuerbescheid zugrunde liege, nicht zur Begr&uuml;ndetheit der Klage gegen den Feststellungsbescheid f&uuml;hren k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht die Kl&auml;gerin geltend, die Revision sei wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO), zur Fortbildung des Rechts (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO) sowie zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung wegen Divergenz (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO kommt einer Rechtssache zu, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das (abstrakte) Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Au&szlig;erdem muss die Rechtsfrage kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und in einem k&uuml;nftigen Revisionsverfahren kl&auml;rbar sein (vgl. z.B. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;August 2017 XI&nbsp;B&nbsp;57\/17, BFH\/NV 2018, 22, Rz&nbsp;11; vom 2.&nbsp;Januar 2018 XI&nbsp;B&nbsp;81\/17, BFH\/NV 2018, 457, Rz&nbsp;15). Es fehlt an der Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer Rechtsfrage, wenn sie offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG in seiner Entscheidung getan hat (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 5.&nbsp;Februar 2018 X&nbsp;B&nbsp;161\/17, BFH\/NV 2018, 527, Rz&nbsp;13; vom 15.&nbsp;Mai 2018 I&nbsp;B&nbsp;114\/17, BFH\/NV 2018, 1092, Rz&nbsp;16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das Erfordernis einer Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO) ist ein Unterfall des Zulassungsgrunds der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 24.&nbsp;Juli 2017 XI&nbsp;B&nbsp;37\/17, BFH\/NV 2017, 1635, Rz&nbsp;16; vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2018 XI&nbsp;B&nbsp;113\/17, BFH\/NV 2018, 739, Rz&nbsp;8). Die Revision ist zur Fortbildung des Rechts zuzulassen, wenn davon auszugehen ist, dass im Einzelfall Veranlassung besteht, Grunds&auml;tze und Leitlinien f&uuml;r die Auslegung von Gesetzesbestimmungen des materiellen Rechts oder des Verfahrensrechts aufzustellen oder Gesetzesl&uuml;cken rechtssch&ouml;pferisch auszuf&uuml;llen (z.B. BFH-Beschluss vom 24.&nbsp;Juni 2014 XI&nbsp;B&nbsp;45\/13, BFH\/NV 2014, 1584, Rz&nbsp;35, m.w.N.). Auch dieser Zulassungsgrund setzt eine kl&auml;rungsbed&uuml;rftige und kl&auml;rbare Rechtsfrage voraus (BFH-Beschluss vom 24.&nbsp;Juli 2017 XI&nbsp;B&nbsp;25\/17, BFH\/NV 2017, 1591, Rz&nbsp;25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Bei Anlegung dieser Ma&szlig;st&auml;be hat die Rechtssache weder grunds&auml;tzliche Bedeutung noch ist die Revision zur Fortbildung des Rechts zuzulassen. Die von der Kl&auml;gerin aufgeworfenen Rechtsfragen sind auf Basis der bisherigen Rechtsprechung des BFH nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;gerin wirft in ihrer Beschwerdebegr&uuml;ndung mehrere Rechtsfragen dazu auf, ob der aufgrund des Sanierungsplans entstehende Gewinn eine Masseverbindlichkeit oder eine Insolvenzforderung (und deshalb zur Tabelle anzumelden) ist. Sie bringt im Kern vor, durch die Einordnung der Gewinne als Masseverbindlichkeit werde der Fiskus privilegiert, die Steuer dem Rechtsnachfolger auferlegt, gegen die Wertungen des &sect;&nbsp;141a des Gesetzes &uuml;ber die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit sowie mehrerer Vorschriften der Insolvenzordnung (InsO) versto&szlig;en und der Neustart des Unternehmens nach Sanierung behindert. W&uuml;rde der Gewinn als Insolvenzforderung eingeordnet, bed&uuml;rfe es weder des Sanierungserlasses noch eines neuen &sect;&nbsp;3a des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Durch die Rechtsprechung des BFH ist jedoch bereits gekl&auml;rt, dass Insolvenzforderungen nach &sect;&nbsp;38 InsO solche Forderungen sind, die zur Zeit der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens begr&uuml;ndet waren (vgl. BFH-Urteile vom 16.&nbsp;November 2004 VII&nbsp;R&nbsp;75\/03, BFHE 208, 296, BStBl II 2006, 193; vom 16.&nbsp;Mai 2013 IV&nbsp;R&nbsp;23\/11, BFHE 241, 233, BStBl II 2013, 759). Die Abgrenzung zwischen Insolvenzforderungen und Masseverbindlichkeiten richtet sich ausschlie&szlig;lich nach dem Zeitpunkt der insolvenzrechtlichen Begr&uuml;ndung. Auf die steuerrechtliche Entstehung der Forderung und deren F&auml;lligkeit kommt es nicht an (vgl. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Mai 2010 X&nbsp;R&nbsp;60\/08, BFHE 229, 62, BStBl II 2011, 429, Rz&nbsp;33). Entscheidend ist, wann der Rechtsgrund f&uuml;r den Anspruch gelegt wurde (vgl. BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Oktober 2016 IV&nbsp;B&nbsp;119\/15, BFH\/NV 2017, 320).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Rechtsgrund f&uuml;r einen (abstrakten) Steueranspruch ist gelegt, wenn der gesetzliche Besteuerungstatbestand verwirklicht wird; dies richtet sich ausschlie&szlig;lich nach steuerrechtlichen Grunds&auml;tzen (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 29.&nbsp;August 2007 IX&nbsp;R&nbsp;4\/07, BFHE 218, 435, BStBl II 2010, 145; vom 9.&nbsp;Dezember 2014 X&nbsp;R&nbsp;12\/12, BFHE 253, 482, BStBl II 2016, 852, Rz&nbsp;27; BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;Dezember 2014 X&nbsp;B&nbsp;89\/14, BFH\/NV 2015, 470).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bezogen auf die Einkommensteuer, deren Grunds&auml;tze &uuml;ber die Verweisung des &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 KStG auch f&uuml;r die K&ouml;rperschaftsteuer ma&szlig;geblich sind, kommt es f&uuml;r die insolvenzrechtliche Begr&uuml;ndung der Steuerforderung darauf an, ob der einzelne (unselbst&auml;ndige) Besteuerungstatbestand vor oder nach Insolvenzer&ouml;ffnung verwirklicht wurde (BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2015, 470, Rz&nbsp;15; in BFH\/NV 2017, 320, Rz&nbsp;6 und 8, dort auch zur &Uuml;bertragbarkeit der Rechtsprechung auf die Gewerbesteuer). Eine Einkommensteuerschuld als Masseverbindlichkeit kann durch eine Verwaltungsma&szlig;nahme des Insolvenzverwalters oder kraft Gesetzes entstehen (BFH-Urteile in BFHE 218, 435, BStBl II 2010, 145; vom 16.&nbsp;Juli 2015 III&nbsp;R&nbsp;32\/13, BFHE 251, 102, BStBl II 2016, 251; vom 1.&nbsp;Juni 2016 X&nbsp;R&nbsp;26\/14, BFHE 253, 518, BStBl II 2016, 848, Rz&nbsp;40).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Eink&uuml;nfte, die ein selbst&auml;ndig t&auml;tiger Schuldner nach der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens mit dem Betrieb erzielt, geh&ouml;ren grunds&auml;tzlich zur Insolvenzmasse (vgl. BFH-Urteil vom 16.&nbsp;April 2015 III&nbsp;R&nbsp;21\/11, BFHE 250, 7, BStBl II 2016, 29, Rz&nbsp;15). Wird der Gewinn durch Betriebsverm&ouml;gensvergleich nach &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 EStG, ggf. i.V.m. &sect;&nbsp;5 EStG, ermittelt, ist das Realisationsprinzip nach &sect;&nbsp;252 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;2 des Handelsgesetzbuches (HGB) zu beachten, und zwar nicht nur bei der Gewinnermittlung buchf&uuml;hrungspflichtiger Kaufleute nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 EStG, sondern auch bei der Gewinnermittlung durch Betriebsverm&ouml;gensvergleich nach &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 EStG (vgl. BFH-Urteile vom 6.&nbsp;Dezember 1983 VIII&nbsp;R&nbsp;110\/79, BFHE 140, 74, BStBl II 1984, 227; in BFHE 253, 482, BStBl II 2016, 852, Rz&nbsp;30). Masseverbindlichkeiten sind z.B. die Einkommensteuerschulden, die sich daraus ergeben, dass nach Aufl&ouml;sung einer R&uuml;ckstellung auf der Ebene der Gesellschaft ein Gewinn entsteht (vgl. BFH-Urteil in BFHE 229, 62, BStBl II 2011, 429, Rz&nbsp;37, 39&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;246 Abs.&nbsp;1 HGB hat der Jahresabschluss s&auml;mtliche Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde und Schulden zu enthalten. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH ist eine Verbindlichkeit nicht mehr zu passivieren, wenn diese keine wirtschaftliche Belastung mehr darstellt; ein solcher Fall liegt jedoch nicht schon bei Zahlungsunf&auml;higkeit vor (vgl. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Februar 1993 VIII&nbsp;R&nbsp;29\/91, BFHE 171, 419, BStBl II 1993, 747, unter II.). Auch bei Insolvenz wird eine Verbindlichkeit daher erst beim tats&auml;chlichen Erl&ouml;schen der Schuld auszubuchen sein (vgl. BFH-Urteil vom 13.&nbsp;Dezember 2016 X&nbsp;R&nbsp;4\/15, BFHE 256, 392, BStBl II 2017, 786, Rz&nbsp;35). Die Erteilung einer Restschuldbefreiung entfaltet aus diesem Grund grunds&auml;tzlich keine R&uuml;ckwirkung (vgl. BFH-Urteil in BFHE 256, 392, BStBl II 2017, 786, Rz&nbsp;25, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit durch diese Sichtweise ein Gewinn fr&uuml;herer Jahre in gewisser Weise nachversteuert wird, hat der BFH die daran ge&auml;u&szlig;erte Kritik bereits in anderem Zusammenhang zur&uuml;ckgewiesen und aufgezeigt, dass f&uuml;r Zwecke der Besteuerung keine anderen Kriterien gelten als sonst (vgl. BFH-Urteil in BFHE 241, 233, BStBl II 2013, 759, Rz&nbsp;25). Weitergehenden Kl&auml;rungsbedarf zeigt die Beschwerde mit ihrer ausf&uuml;hrlichen Kritik nicht hinreichend auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) In Bezug auf den Insolvenzplan ist aufgrund der vorhandenen Rechtsprechung des BFH gekl&auml;rt, dass mit der Rechtskraft der Best&auml;tigung eines solchen Planes nach &sect;&nbsp;254 Abs.&nbsp;1 InsO die in dessen gestaltendem Teil festgelegten Wirkungen f&uuml;r und gegen alle Beteiligten eintreten und fortan die allein ma&szlig;gebliche Grundlage f&uuml;r die gesamte Verm&ouml;gens- und Haftungsabwicklung der Insolvenzplan bildet (vgl. BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Oktober 2014 I&nbsp;R&nbsp;39\/13, BFHE 247, 300, BStBl II 2015, 577, Rz&nbsp;15). Der Schuldner wird nach &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 InsO mit der im gestaltenden Teil vorgesehenen Befriedigung der Insolvenzgl&auml;ubiger von ihren restlichen Verbindlichkeiten gegen&uuml;ber den Gl&auml;ubigern frei (vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17.&nbsp;Dezember 2015 IX&nbsp;ZR&nbsp;143\/13, BGHZ 208, 227, Rz&nbsp;26). Dies f&uuml;hrt zwar nicht zu einem Erl&ouml;schen der Steuerforderungen i.S. des &sect;&nbsp;47 AO, ber&uuml;hrt also nicht deren Bestand als solchen, sondern nur deren Durchsetzbarkeit (vgl. BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Mai 2013 VII&nbsp;R&nbsp;2\/12, BFH\/NV 2013, 1543, Rz&nbsp;13). Bei dem Anspruch des FA auf Besteuerung des Sanierungsgewinns aus dem Insolvenzplan handelt es sich daher &#8211;anders als die Kl&auml;gerin meint&#8211; nicht um eine Insolvenzforderung, die vom FA zur Insolvenztabelle anzumelden w&auml;re (ebenso Landgericht D&uuml;sseldorf, Beschluss vom 21.&nbsp;September 2015&nbsp;&nbsp;25&nbsp;T&nbsp;404\/15, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Insolvenz- und Sanierungsrecht 2015, 2186, Rz&nbsp;25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin weicht das Urteil der Vorinstanz auch nicht vom Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 28.&nbsp;November 2016 GrS&nbsp;1\/15 (BFHE 255, 482, BStBl II 2017, 393) und der dazu ergangenen Folge-Rechtsprechung des BFH (BFH-Urteile vom 23.&nbsp;August 2017 I&nbsp;R&nbsp;52\/14, BFHE 259, 20, BStBl II 2018, 232; vom 23.&nbsp;August 2017 X&nbsp;R&nbsp;38\/15, BFHE 259, 28, BStBl II 2018, 236; vom 11.&nbsp;Juli 2018 XI&nbsp;R&nbsp;33\/16, Der Betrieb 2018, 2473; BFH-Beschl&uuml;sse vom 16.&nbsp;April 2018 X&nbsp;B&nbsp;13\/18, BFH\/NV 2018, 817; vom 8.&nbsp;Mai 2018 VIII&nbsp;B&nbsp;124\/17, BFH\/NV 2018, 822) ab. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Rechtsprechung hat das Bundesministerium der Finanzen mit dem unter den Voraussetzungen des Sanierungserlasses vorgesehenen Billigkeitserlass der auf einen Sanierungsgewinn entfallenden Steuer gegen den Grundsatz der Gesetzm&auml;&szlig;igkeit der Verwaltung versto&szlig;en. Einen abweichenden Rechtssatz hat die Vorinstanz nicht aufgestellt. Eine Divergenz hat die Kl&auml;gerin im &Uuml;brigen nicht dargetan. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist ein Steuerfestsetzungsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Der Senat sieht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO von einer weiteren Begr&uuml;ndung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 15.11.2018, XI B 49\/18ECLI:DE:BFH:2018:B.151118.XIB49.18.0 Durch Insolvenzplan entstehender Gewinn als Masseverbindlichkeit Leits&auml;tze NV: Bei der K&ouml;rperschaftsteuer, die auf einen Sanierungsgewinn entf&auml;llt, der aufgrund eines Insolvenzplans entstanden ist, handelt es sich nicht um eine Insolvenzforderung, die vom FA zur Insolvenztabelle anzumelden w&auml;re. Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-49-18-durch-insolvenzplan-entstehender-gewinn-als-masseverbindlichkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;B&nbsp;49\/18 &#8211; Durch Insolvenzplan entstehender Gewinn als Masseverbindlichkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70263","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70263","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70263"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70263\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70263"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70263"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70263"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}