{"id":70348,"date":"2019-02-27T18:33:49","date_gmt":"2019-02-27T16:33:49","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70348"},"modified":"2019-02-27T18:33:49","modified_gmt":"2019-02-27T16:33:49","slug":"ix-r-30-17-ortsuebliche-miete-eop-methode-schaetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-30-17-ortsuebliche-miete-eop-methode-schaetzung\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;30\/17 &#8211; Orts&uuml;bliche Miete &#8211; EOP-Methode &#8211; Sch&auml;tzung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.10.2018, IX R 30\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2018:U.101018.IXR30.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Orts&uuml;bliche Miete &#8211; EOP-Methode &#8211; Sch&auml;tzung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die orts&uuml;bliche Vergleichsmiete kann nicht auf der Grundlage statistischer Annahmen mit der sog. EOP-Methode bestimmt werden (Anschluss an BGH-Rechtsprechung)<rdlink><\/rdlink>.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Lassen sich vergleichbare Objekte nicht finden, muss das Gericht einen erfahrenen und mit der konkreten &ouml;rtlichen Marktsituation vertrauten Sachverst&auml;ndigen, z.B. einen erfahrenen Makler, beurteilen lassen, welchen Miet- oder Pachtzins er f&uuml;r angemessen h&auml;lt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 13. Oktober 2016&nbsp;&nbsp;8 K 1569\/14 aufgehoben, soweit es die Einkommensteuer f&uuml;r 2008, 2009 und 2010 betrifft.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das S&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) erwarb mit notariellem Vertrag von Juli 2006 das mit einem historischen Geb&auml;ude bebaute und als Gastst&auml;tte genutzte Grundst&uuml;ck A in B zum Preis von 140.000&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Grundst&uuml;ck hat eine Gr&ouml;&szlig;e von 8.440&nbsp;qm. Die Nutzfl&auml;che des Geb&auml;udes betr&auml;gt 308,55&nbsp;qm, davon 187,90&nbsp;qm Innenraum und 120,65&nbsp;qm Terrasse. Der Ver&auml;u&szlig;erer hatte das Grundst&uuml;ck durch Zuschlagsbeschluss des Amtsgerichts &#8230; erworben und den bestehenden Pachtvertrag (monatliche Pacht 750&nbsp;EUR) gek&uuml;ndigt. In den Jahren 2008 bis 2010 sanierte die Kl&auml;gerin das Geb&auml;ude sowie die Au&szlig;enanlagen und investierte noch einmal &uuml;ber 400.000&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vertrag vom 1.&nbsp;November 2008 verpachtete die Kl&auml;gerin das Grundst&uuml;ck zum Betrieb eines Beachvolleyballplatzes, einer Minigolfanlage und einer Gastst&auml;tte an ihren Ehemann f&uuml;r 1.000&nbsp;EUR monatlich zzgl. Nebenkostenvorauszahlung von 2.025&nbsp;EUR zzgl. Umsatzsteuer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach einer bei der Kl&auml;gerin durchgef&uuml;hrten Au&szlig;enpr&uuml;fung ging der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) von einer verbilligten &Uuml;berlassung aus, k&uuml;rzte den Werbungskostenabzug bei den Eink&uuml;nften der Kl&auml;gerin aus Vermietung und Verpachtung entsprechend und &auml;nderte deshalb die unter Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung ergangenen Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2008 bis 2010. Im Einspruchsverfahren &auml;nderte das FA die K&uuml;rzungsquote zu Gunsten der Kl&auml;ger, wies den Einspruch im &Uuml;brigen jedoch zur&uuml;ck. Dabei ging es von einer fremd&uuml;blichen Pacht von 1.474,05&nbsp;EUR pro Monat aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage, soweit sie die Einkommensteuer und die allein noch streitigen Vermietungseink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin betrifft, abgewiesen. Es hat sich dem von ihm eingeholten Sachverst&auml;ndigengutachten angeschlossen. Der Sachverst&auml;ndige hat die orts&uuml;bliche Marktpacht durch eine von ihm entwickelte &quot;Kombinationsmethode&quot; ermittelt, wobei er zum einen aufgrund statistischer Annahmen die von einem normal qualifizierten Betreiber zu erwirtschaftende Pacht (ertragsorientierter Pachtwert, sog. EOP-Verfahren) und zum anderen die vom Verp&auml;chter auf der Grundlage seiner Investitionen mindestens erwartete Investivpacht ermittelt. F&uuml;hren beide Verfahren nicht zum selben Ergebnis, geht der Gutachter davon aus, dass ein Ausgleich gefunden werden muss. Im Streitfall hat der Gutachter eine p&auml;chterseits m&ouml;gliche Pacht von 1.657&nbsp;EUR und eine Investivpacht von 3.404&nbsp;EUR ermittelt. Unter der Annahme, dass der Pachtvertrag rechtsg&uuml;ltig ist, beziffert er den marktangemessenen Pachtzins auf monatlich 1.530,50&nbsp;EUR. Da das FA von einem geringeren Betrag ausgegangen ist, hat das FG die Klage abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;). Eine verbilligte Verpachtung liege nicht vor. Das FG h&auml;tte dem Gutachten nicht folgen d&uuml;rfen. Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Anwendung der EOP-Methode verworfen. F&uuml;r das finanzgerichtliche Verfahren k&ouml;nne nichts anderes gelten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil, soweit es die Einkommensteuer f&uuml;r 2008, 2009 und 2010 betrifft, die Einspruchsentscheidung vom 7.&nbsp;Oktober 2014, soweit sie die Einkommensteuer 2008, 2009 und 2010 betrifft und die ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheide f&uuml;r 2008, 2009 und 2010, jeweils vom 1.&nbsp;November 2013 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegenstand der Revision ist nur die Einkommensteuerfestsetzung der Jahre 2008 bis 2010. Das Rubrum war entsprechend von Amts wegen zu berichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">III.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die vom FG mit sachverst&auml;ndiger Hilfe getroffenen Feststellungen tragen seine Annahme nicht, wonach die vom FA als angemessen erachtete Pacht von 1.474,05&nbsp;EUR pro Monat die orts&uuml;bliche Marktpacht unterschreitet. Die dem Gutachten zugrunde gelegte &quot;Vergleichsmethode&quot; ist aus Rechtsgr&uuml;nden nicht geeignet, die orts&uuml;bliche Marktpacht zu bestimmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Werbungskosten sind nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sie sind nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG bei der Einkunftsart Vermietung und Verpachtung abzuziehen, soweit sie durch sie veranlasst sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Den Tatbestand der Erzielung von Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG erf&uuml;llt, wer einem anderen unbewegliches Verm&ouml;gen gegen Entgelt zum Gebrauch &uuml;berl&auml;sst. Bei einer unentgeltlichen &Uuml;berlassung k&ouml;nnen Werbungskosten schon begrifflich nicht entstehen, denn die Aufwendungen dienen dann nicht der Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung von Einnahmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entsprechendes gilt bei einer teilentgeltlichen &Uuml;berlassung. Das einheitliche Rechtsgesch&auml;ft ist dann f&uuml;r Zwecke der Besteuerung in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Vorgang aufzuteilen. Die auf den unentgeltlichen Vorgang entfallenden &quot;Werbungskosten&quot; k&ouml;nnen nicht bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung abgezogen werden. Sie sind nicht durch die Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung von Einnahmen veranlasst. Der Bundesfinanzhof (BFH) betrachtet das Aufteilungsgebot bei teilentgeltlicher Nutzungs&uuml;berlassung als Ausdruck eines allgemeing&uuml;ltigen Rechtsprinzips (vgl. Senatsurteil vom 5.&nbsp;November 2002 IX&nbsp;R&nbsp;48\/01, BFHE 201, 46, BStBl II 2003, 646; BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Januar 1998 X&nbsp;R&nbsp;57\/93, BFHE 185, 230).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Von einer teilentgeltlichen Nutzungs&uuml;berlassung geht der BFH (bei der Vermietung von Wohnraum) erst aus, wenn die vereinbarte Gegenleistung mehr als ein Viertel unter der orts&uuml;blichen Marktmiete (oder Marktpacht) liegt. Eine Abweichung von bis zu einem Viertel ist dagegen steuerlich unbeachtlich (BFH-Urteil in BFHE 201, 46, BStBl II 2003, 646).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Orts&uuml;bliche Marktmiete (oder Marktpacht) ist grunds&auml;tzlich die orts&uuml;bliche Nettokaltmiete bzw. Nettokaltpacht. Das ist die Gegenleistung f&uuml;r die reine Nutzungs&uuml;berlassung. Soweit der BFH diesen Ma&szlig;stab im Anwendungsbereich von &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 EStG anders versteht (st&auml;ndige Rechtsprechung, zuletzt BFH-Urteil vom 10.&nbsp;Mai 2016 IX&nbsp;R&nbsp;44\/15, BFHE 254, 31, BStBl II 2016, 835, Rz&nbsp;11), beruht dies auf Besonderheiten des Wohnraummietrechts, die auch im Steuerrecht Beachtung finden. &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 EStG ist auf den Streitfall nicht anzuwenden, da es um die Verpachtung von Gewerbefl&auml;chen geht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die Feststellung der orts&uuml;blichen Marktmiete (oder Marktpacht) obliegt grunds&auml;tzlich dem FG als Tatsacheninstanz. Sie ist im Wesentlichen Tatfrage. Die tats&auml;chlichen Feststellungen des FG sind vom Revisionsgericht nur daraufhin zu pr&uuml;fen, ob das FG im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung von zutreffenden Kriterien ausgegangen ist, alle ma&szlig;geblichen Beweisanzeichen in seine Beurteilung einbezogen und dabei nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss&auml;tze versto&szlig;en hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei Anwendung dieser Grunds&auml;tze auf den Streitfall kann das angefochtene Urteil keinen Bestand haben. Die Annahme des FG, die orts&uuml;bliche Marktpacht f&uuml;r das Verpachtungsobjekt liege nicht unter der vom FA zugrunde gelegten Pacht von 1.474,05&nbsp;EUR pro Monat, findet in seinen tats&auml;chlichen Feststellungen keine St&uuml;tze. Das vom FG eingeholte Sachverst&auml;ndigengutachten gibt daf&uuml;r nichts her, denn die vom Gutachter gew&auml;hlte sog. Kombinationsmethode ist aus Rechtsgr&uuml;nden nicht geeignet, um die orts&uuml;bliche Marktpacht zu bestimmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit das FG und die Beteiligten &uuml;bereinstimmend davon ausgegangen sind, dass die sog. Vergleichswertmethode im Streitfall nicht angewandt werden kann, weil sich aufgrund der Besonderheiten des in Rede stehenden Objekts vergleichbare Objekte nicht finden lassen, begegnet dies keinen rechtlichen Bedenken. Das bedeutet aber nicht, dass deshalb eine Ermittlung der Vergleichsgr&ouml;&szlig;e auf der Grundlage statistischer Erwartungswerte gerechtfertigt w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der BGH h&auml;lt die ertragsorientierte Pachtwertermittlung (sog. EOP-Methode) und unwesentliche Abwandlungen dieser Methode (insbesondere die sog. indirekte Vergleichswertmethode) generell f&uuml;r nicht geeignet, um die orts&uuml;bliche Marktmiete oder &#8211;pacht zu ermitteln (BGH-Urteile vom 28.&nbsp;April 1999 XII&nbsp;ZR&nbsp;150\/97, BGHZ 141, 257; Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1999, 3187; vom 13. Juni 2001 XII&nbsp;ZR&nbsp;49\/99, NJW 2002, 55; vom 10.&nbsp;Juli 2002 XII&nbsp;ZR&nbsp;314\/00, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht &#8211;NJW-RR&#8211; 2002, 1521; BGH-Beschluss vom 9.&nbsp;April 2003 XII&nbsp;ZR&nbsp;216\/01, juris; BGH-Urteil vom 14.&nbsp;Juli 2004 XII&nbsp;ZR&nbsp;352\/00, NJW 2004, 3553). Der erkennende Senat schlie&szlig;t sich dem an. Die Referenzgr&ouml;&szlig;e, um deren tats&auml;chliche Feststellung es geht, ist im Zivilrecht und im Steuerrecht dieselbe. Gesucht ist der Verkehrswert der Hauptleistung. Dieser h&auml;ngt bei Miet- oder Pachtverh&auml;ltnissen ganz wesentlich von den &ouml;rtlichen Besonderheiten ab. Deshalb kommt es in rechtlicher Hinsicht auf die orts&uuml;bliche Marktmiete oder -pacht an (so auch &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der BGH hat &uuml;berzeugend begr&uuml;ndet, dass der orts&uuml;bliche Preis f&uuml;r eine Nutzungs&uuml;berlassung auch bei einem Gastst&auml;ttenobjekt nicht ma&szlig;geblich davon abh&auml;ngt, welchen Ertrag ein durchschnittlich begabter Gastwirt voraussichtlich mit dem Objekt erwirtschaften kann, sondern dass er von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Bei einem Objekt in au&szlig;ergew&ouml;hnlich gefragter Lage, muss der P&auml;chter unter Umst&auml;nden deutlich mehr leisten als ein durchschnittlich begabter Gastronom, um die vom Verp&auml;chter am Markt durchsetzbare Pacht erwirtschaften zu k&ouml;nnen. In einem P&auml;chtermarkt kann er dagegen den Preis unter Umst&auml;nden weit unter den Satz dr&uuml;cken, den ein Gastst&auml;ttenp&auml;chter statistisch von seinem (erwartbaren) Ertrag f&uuml;r die Pacht aufwenden muss. Die im Wesentlichen auf statistischen Annahmen beruhende und die &ouml;rtlichen Verh&auml;ltnisse nicht hinreichend ber&uuml;cksichtigende ertragsorientierte Pachtwertermittlung verl&auml;sst den rechtlichen Ma&szlig;stab der Orts&uuml;blichkeit und ist deshalb aus Rechtsgr&uuml;nden zu verwerfen (vgl. BGH-Urteil in BGHZ 141, 257, NJW 1999, 3187, unter II.2.B:&nbsp;a; vgl. auch Senatsurteil vom 6.&nbsp;Februar 2018 IX&nbsp;R&nbsp;14\/17, BFHE 261, 20, BStBl II 2018, 522, zur Feststellung eines orts&uuml;blichen Zuschlags bei m&ouml;blierter Vermietung einer Wohnung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Zu Recht fordert der BGH stattdessen in st&auml;ndiger Rechtsprechung, einen erfahrenen und mit der konkreten (&ouml;rtlichen) Marktsituation vertrauten Sachverst&auml;ndigen &#8211;z.B. einen erfahrenen Makler&#8211; beurteilen zu lassen, welchen Miet- oder Pachtzins er f&uuml;r angemessen h&auml;lt. Die bei diesem Vorgehen unvermeidliche h&ouml;here Sch&auml;tzungstoleranz muss hingenommen werden (vgl. vor allem BGH-Urteile in NJW 2002, 55, und in NJW-RR 2002, 1521).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Die im Streitfall dem Gutachten zugrunde gelegte Methode (sog. Kombinationsmethode) entspricht in ihrem ersten Schritt im Wesentlichen der EOP-Methode, wie der Gutachter selbst einr&auml;umt (Gutachten Seite&nbsp;&#8230;: Grundz&uuml;ge der ertragsorientierten Pachtmethode). Soweit der Gutachter daneben die von einem wirtschaftlich handelnden Verp&auml;chter mindestens ben&ouml;tigte sog. Investivpacht ermittelt hat, beseitigt dies die Einw&auml;nde gegen den methodischen Ansatz des Gutachtens nicht. Anders als der Gutachter meint, kritisiert der BGH nicht in erster Linie eine zu einseitige Ber&uuml;cksichtigung des P&auml;chterrisikos, sondern eine im Grundsatz nicht hinzunehmende Entfernung vom rechtlichen Ma&szlig;stab der Orts&uuml;blichkeit. Die Ber&uuml;cksichtigung des betriebswirtschaftlich kalkulierten Verp&auml;chterrisikos &auml;ndert daran nichts, da sich die Investition des Verp&auml;chters angesichts der Marktverh&auml;ltnisse als Fehler herausstellen kann. Sie beeinflusst aber nicht die H&ouml;he der am Markt erzielbaren Pacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Die vom FG festgestellten Tatsachen ergeben nicht, ob im Streitfall eine teilentgeltliche Nutzungs&uuml;berlassung anzunehmen ist. Die Sache wird deshalb zur Nachholung der erforderlichen Feststellungen an das FG zur&uuml;ckverwiesen. Kommt eine Einigung zwischen den Beteiligten nicht zustande und sieht sich das FG auch aufgrund der nachfolgenden tats&auml;chlichen Entwicklung (Fremdverpachtung der Gastst&auml;tte) nicht in der Lage, die Angemessenheit der in den Streitjahren vereinbarten Pachth&ouml;he (zumindest indiziell) selbst zu beurteilen, muss es im Rahmen seiner Amtsaufkl&auml;rungspflicht erneut sachverst&auml;ndige Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei kann es sich z.B. auf die Einsch&auml;tzung eines erfahrenen Gewerberaummaklers mit entsprechenden Ortskenntnissen st&uuml;tzen. Einer umfassenden Ausarbeitung bedarf eine solche Einsch&auml;tzung m&ouml;glicherweise nicht, da sie sich im Wesentlichen auf die praktische Berufserfahrung des Sachverst&auml;ndigen st&uuml;tzen wird, die mangels vergleichbarer Objekte auch nicht mit Einzelnachweisen unterlegt werden muss. Gegebenenfalls gen&uuml;gt auch eine m&uuml;ndliche Anh&ouml;rung. Der Sachverst&auml;ndige muss aber zumindest nachvollziehbar darlegen, dass er &uuml;ber ortsbezogene Marktkenntnisse verf&uuml;gt und das betreffende Objekt hinreichend kennt. Kann sich das FG auf der Grundlage einer solchen Einsch&auml;tzung nicht die f&uuml;r eine Sch&auml;tzung erforderliche Gewissheit &uuml;ber die H&ouml;he der orts&uuml;blichen Pacht verschaffen, geht dies zu Lasten des Beklagten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.10.2018, IX R 30\/17ECLI:DE:BFH:2018:U.101018.IXR30.17.0 Orts&uuml;bliche Miete &#8211; EOP-Methode &#8211; Sch&auml;tzung Leits&auml;tze 1. Die orts&uuml;bliche Vergleichsmiete kann nicht auf der Grundlage statistischer Annahmen mit der sog. EOP-Methode bestimmt werden (Anschluss an BGH-Rechtsprechung). 2. Lassen sich vergleichbare Objekte nicht finden, muss das Gericht einen erfahrenen und mit der konkreten &ouml;rtlichen Marktsituation vertrauten Sachverst&auml;ndigen, z.B. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-30-17-ortsuebliche-miete-eop-methode-schaetzung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;30\/17 &#8211; Orts&uuml;bliche Miete &#8211; EOP-Methode &#8211; Sch&auml;tzung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70348","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70348","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70348"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70348\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70348"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70348"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70348"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}