{"id":70367,"date":"2019-02-27T18:35:09","date_gmt":"2019-02-27T16:35:09","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70367"},"modified":"2019-02-27T18:35:09","modified_gmt":"2019-02-27T16:35:09","slug":"v-r-60-17-politische-betaetigung-und-gemeinnuetzigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-60-17-politische-betaetigung-und-gemeinnuetzigkeit\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;60\/17 &#8211; Politische Bet&auml;tigung und Gemeinn&uuml;tzigkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.1.2019, V R 60\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.100119.VR60.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Politische Bet&auml;tigung und Gemeinn&uuml;tzigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Wer politische Zwecke durch Einflussnahme auf politische Willensbildung und Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung verfolgt, erf&uuml;llt keinen gemeinn&uuml;tzigen Zweck i.S. von &sect; 52 AO. Eine gemeinn&uuml;tzige K&ouml;rperschaft darf sich in dieser Weise nur bet&auml;tigen, wenn dies der Verfolgung eines der in &sect; 52 Abs. 2 AO ausdr&uuml;cklich genannten Zwecke dient.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Bei der F&ouml;rderung der Volksbildung i.S. von &sect; 52 Abs. 2 Nr. 7 AO hat sich die Einflussnahme auf die politische Willensbildung und Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung auf bildungspolitische Fragestellungen zu beschr&auml;nken.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Politische Bildung vollzieht sich in geistiger Offenheit. Sie ist nicht f&ouml;rderbar, wenn sie eingesetzt wird, um die politische Willensbildung und die &ouml;ffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen zu beeinflussen.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. Bei der Pr&uuml;fung der Ausschlie&szlig;lichkeit der steuerbeg&uuml;nstigten satzungsm&auml;&szlig;igen Zweckverfolgung und der tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung nach &sect;&sect; 56, 63 AO kann zwischen der K&ouml;rperschaft als &quot;Tr&auml;ger&quot; eines &quot;Netzwerks&quot; und den T&auml;tigkeiten des unter dem gleichen Namen auftretenden &quot;Netzwerks&quot; zu unterscheiden sein. Dabei sind alle Umst&auml;nde einschlie&szlig;lich des Internetauftritts der K&ouml;rperschaft zu ber&uuml;cksichtigen.<\/p>\n<\/p>\n<p>5. Der Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung ist nicht frei widerrufbar. Auf einen Verzicht des beigetretenen BMF kommt es nicht an.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 10. November 2016&nbsp;&nbsp;4 K 179\/16 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Hessische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der seit 2003 im Vereinsregister eingetragene Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) verfolgte nach seiner im November 2010 ge&auml;nderten Satzung folgende Ziele: &quot;F&ouml;rderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung, die F&ouml;rderung des Schutzes der Umwelt und des Gemeinwesens, der Demokratie und der Solidarit&auml;t unter besonderer Ber&uuml;cksichtigung der &ouml;konomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Globalisierung. Der Verein f&ouml;rdert die V&ouml;lkerverst&auml;ndigung und den Frieden.&quot; Der Kl&auml;ger ist nach seiner Satzung zudem &quot;in Tr&auml;gerschaft des Netzwerks&quot; A t&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er befasste sich in den Streitjahren 2010 bis 2012 &ouml;ffentlichkeitswirksam mit zahlreichen Themen. Hierzu geh&ouml;rten die Finanz- und Wirtschaftskrise, die Besteuerung von Finanzm&auml;rkten, die Umverteilung von Reichtum, eine Finanztransaktionssteuer, Steuern gegen Armut, Spekulation mit Lebensmitteln, Blockupy, Regulierung der Finanzm&auml;rkte, Finanzmarkttagung Geld, Bankentribunal, Gesch&auml;ftspraktiken von Banken, Wechsel der Hausbank (&quot;Kr&ouml;tenwanderung&quot;), Arabischer Fr&uuml;hling, Aktionstag Banken, Krise des Euro und der Finanzm&auml;rkte, europaweiter Sozialabbau, Wege aus der Krisenfalle, Umverteilung (finanzieller Mittel), Regulierung der Finanzm&auml;rkte, feministische &Ouml;konomie, Public Private Partnerships, Anti-Atom-Bewegung, Atomwirtschaft, unbedingtes Grundeinkommen, Klimaschutz, globale Klimagerechtigkeit sowie alternative Formen des Lebens und Wirtschaften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Bereich von Steuerpolitik und &ouml;ffentlichen Finanzen wandte sich der Kl&auml;ger insbesondere mit seiner Kampagne &quot;Sparpaket\/Finanztransaktionensteuer\/Umverteilen&quot; gegen Gesetzesvorschl&auml;ge, die sp&auml;ter zum Haushaltsbegleit- und Haushaltsgesetz 2011 f&uuml;hrten. Die dort zur Haushaltskonsolidierung vorgesehenen Ausgabenk&uuml;rzungen f&uuml;hrten nach seiner Auffassung zu einer sozialen Schieflage. Hierzu entwickelte er in seinem Programm &quot;Verteilen statt k&uuml;rzen&quot; Gegenvorstellungen. Dabei verlangte er die Einf&uuml;hrung einer Verm&ouml;gensteuer, eine Reform der Erbschaftsteuer und das Austrocknen von Steueroasen. Armutsrisiken sollten minimiert und gesellschaftliche Polarisierung sollte verhindert werden. Der Kl&auml;ger veranstaltete hierzu Konferenzen, Tagungen, Seminare, Workshops, Vortr&auml;ge und stellte dabei Bildungsmaterialien zur Verf&uuml;gung. Er wirkte bei der Organisation von Demonstrationen und symbolischen Bankenbesetzungen mit und wandte sich mit einem Online-Appell an die Bundeskanzlerin und einen Bundesminister. Im Rahmen der Themen &quot;Steuerflucht bek&auml;mpfen&quot; und &quot;Kein Freibrief f&uuml;r Steuerb&uuml;rger&quot; befasste sich der Kl&auml;ger mit der Steuerflucht in Steueroasen und den sich hieraus ergebenden Sch&auml;den f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Finanzen. Er setzte sich in der &ouml;ffentlichen Diskussion gegen ein mit der Schweiz abzuschlie&szlig;endes Steuerabkommen ein und wandte sich zudem gegen eine Steueramnestie im Inland. Der Kl&auml;ger bef&uuml;rwortete die Durchsetzung von nicht festgesetzten und dementsprechend auch nicht bezahlten Steueranspr&uuml;chen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Kampagne &quot;H stoppen&quot; verfolgte der Kl&auml;ger das Ziel, &ouml;kologische Nachhaltigkeit durch umweltfreundliche Textilproduktion mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit zu verbinden. Dabei ging es um das finanziell bedrohte Unternehmen U, das nach besonderen Umweltstandards hergestellte Kleidung vertrieb und von einem Finanzinvestor &uuml;bernommen werden sollte. Der Kl&auml;ger entwickelte hier ein alternatives &Uuml;bernahmemodell in Form einer Genossenschaft. Er kl&auml;rte &uuml;ber die generelle Funktionsweise von Investmentfonds und deren konkrete Auswirkungen auf die &Ouml;kologie auf. Er f&uuml;hrte dabei auch eine Unterschriftensammlung durch und forderte von der Politik, Beteiligungsgesellschaften wie Investmentfonds nicht mehr steuerlich zu beg&uuml;nstigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger nahm das Verkehrsprojekt &quot;Stuttgart 21&quot; zum Anlass f&uuml;r einen Demokratie-Kongress, in dem er am Beispiel der Privatisierung der Deutschen Bahn zu den Umwelt- und Verkehrsfolgen eines geplanten Bahnhofs- und Innenstadtumbaus und die fehlende Verfahrenstransparenz bei der Vergabe &ouml;ffentlicher Erschlie&szlig;ungs- und Bauauftr&auml;ge hinwies. Der Kl&auml;ger informierte dabei &uuml;ber die Privatisierung &ouml;ffentlichen Grundverm&ouml;gens, &uuml;ber nicht ver&ouml;ffentlichte Erschlie&szlig;ungs- und Bauvertr&auml;ge sowie Umwelt- und st&auml;dtebauliche Auswirkungen. Er w&auml;hlte dabei drastische Ausdrucksmittel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Beim Thema &quot;30-Stunden-Woche&quot; pl&auml;dierte der Kl&auml;ger f&uuml;r eine entsprechende Arbeitszeitbegrenzung f&uuml;r alle bei vollem Lohnausgleich f&uuml;r untere und mittlere Einkommen. Er stellte dieses Arbeitszeitmodell als Alternative zur bisherigen Normalarbeitszeit dar. Mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen als Teil der Daseinsvorsorge bezweckte der Kl&auml;ger eine soziale Probleml&ouml;sung gegen gesellschaftliche Verarmung, Langzeitarbeitslosigkeit, Kinderarmut und soziale Ausgrenzung wie auch eine Neubewertung unbezahlter h&auml;uslicher Arbeit. Im Bereich der feministischen &Ouml;konomie befasste sich der Kl&auml;ger mit Lohnungleichheiten und unbezahlter Arbeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) versagte dem Kl&auml;ger in den Bescheiden vom 14.&nbsp;April 2014 &uuml;ber K&ouml;rperschaftsteuer 2010, 2011 und 2012, &uuml;ber Solidarit&auml;tszuschlag zur K&ouml;rperschaftsteuer 2010, 2011 und 2012, &uuml;ber gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zur K&ouml;rperschaftsteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2010 bis zum 31.&nbsp;Dezember 2012, &uuml;ber Gewerbesteuermessbetr&auml;ge 2010, 2011 und 2012 sowie &uuml;ber gesonderte Feststellung des vortragsf&auml;higen Gewerbeverlustes zum 31.&nbsp;Dezember 2010 bis zum 31.&nbsp;Dezember 2012 die Gemeinn&uuml;tzigkeit. Der hiergegen eingelegte Einspruch blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber gab das Finanzgericht (FG) der Klage statt und bejahte die Gemeinn&uuml;tzigkeit im Hinblick auf die mit der Volksbildung verbundene politische Bildung und die F&ouml;rderung des demokratischen Staatswesens. Bildungszwecke brauchten sich nicht auf theoretische Unterweisungen zu beschr&auml;nken, sondern k&ouml;nnten durch Aufrufe zu konkreten Handlungen erg&auml;nzt und mit Forderungen verkn&uuml;pft werden. Dabei seien alle Aktionsformate wie etwa Demonstrationen, Petitionen, Seminare oder &ouml;ffentliche Veranstaltungen zul&auml;ssig, sofern derartige Aktionen in einem Gesamtzusammenhang zu dem gemeinn&uuml;tzigen Zweck st&uuml;nden. Die Einflussnahme auf die Tagespolitik k&ouml;nne der Vermittlung der Ziele der K&ouml;rperschaft dienen. Die Ma&szlig;nahmen und Aktionen m&uuml;ssten von einem inhaltlichen Anliegen getragen, in ein umfassendes Informationsangebot eingebettet sein und dazu dienen, sich Geh&ouml;r zu verschaffen. Lediglich eine parteipolitisch motivierte Einflussnahme sei unzul&auml;ssig. Im Streitfall habe der Kl&auml;ger mit der Kampagne &quot;Sparpaket\/Finanztransaktionensteuer\/Umverteilen&quot; neben dem Bildungszweck auch an das Sozialstaatsprinzip als Teil des demokratischen Staatswesens angekn&uuml;pft. Der Kl&auml;ger habe mit konkreten steuerpolitischen Forderungen zur Einnahmeverbesserung des Gesamtstaats f&uuml;r die Allgemeinheit alternative L&ouml;sungsans&auml;tze zur Entlastung des Staatshaushalts vermittelt. Die Kritik an dem Gesetzesvorschlag der Bundesregierung sei in eine Analyse der Verteilungswirkung eingebettet und wissenschaftlich aufgearbeitet gewesen. Die Verbesserung der sozialen Balance durch Aufkl&auml;rung zu wirtschafts- und finanzpolitischen Themen f&ouml;rdere die Allgemeinheit. Hierf&uuml;r m&uuml;sse kein Konsens &uuml;ber die Ausgestaltung des sozialen Gemeinwesens bestehen. Durch &Auml;u&szlig;erungen zur aktuellen Tagespolitik und Herausgreifen aktueller tagespolitischer Ereignisse habe der Kl&auml;ger diese Themenbereiche nachvollziehbar und f&uuml;r die Allgemeinheit greifbar gemacht. Es sei ein sachlicher Bezug zu den Satzungszwecken der politischen Bildung und der allgemeinen F&ouml;rderung des demokratischen Staatswesens gegeben. Aktionsformate wie Veranstaltungen mit Politikern, Demonstrationen und aktives Lobbying seien nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) nicht zu beanstanden. Dies gelte ebenso f&uuml;r Online-Unterschriftenaktionen. Indem der Kl&auml;ger bei der Kampagne &quot;H stoppen&quot; mit einer modellhaften Konzeptentwicklung zur Weiterf&uuml;hrung des Unternehmens in einer anderen Gesellschaftsform (Beteiligung der Besch&auml;ftigten in einer Genossenschaft) sowohl eine rechtliche als auch eine wirtschaftlich tragbare Alternative zu der gesellschaftlich umstrittenen Beteiligung ausl&auml;ndischer Investmentgesellschaften entwickelt und diese im Zusammenwirken mit anderen Akteuren in der &Ouml;ffentlichkeit dargestellt habe, trage er zur Verwirklichung des Satzungszwecks der &ouml;konomischen Bildung bei. Dem Kl&auml;ger sei es weiter um das Aufzeigen unfairer Verteilungswirkungen sowie um die Information &uuml;ber negative Folgen von Schattenfinanzpl&auml;tzen und schlechter Steuermoral f&uuml;r die Staatshaushalte und f&uuml;r die Stabilit&auml;t der Finanzm&auml;rkte und damit um staatsb&uuml;rgerlich-politische &Ouml;konomiebildung gegangen. Zudem habe der Kl&auml;ger den f&ouml;rderungsw&uuml;rdigen Zweck verfolgt, Geheimvertr&auml;ge im Zusammenhang mit &quot;Stuttgart&nbsp;21&quot; offenzulegen und damit die Bauma&szlig;nahme der demokratischen Kontrolle der &Ouml;ffentlichkeit zu unterwerfen. Beim Thema &quot;30-Stunden-Woche&quot; sei es dem Kl&auml;ger darum gegangen, im Rahmen des Bildungsauftrags dieses Arbeitszeitmodell als Alternative zur bisherigen Normalarbeitszeit vorzustellen. Die Themen &quot;bedingungsloses Grundeinkommen&quot; und &quot;feministische &Ouml;konomie&quot; seien vom Bildungszweck des Kl&auml;gers umfasst. Neben Brosch&uuml;ren, Filmen und Vortr&auml;gen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen habe er auch kirchliche Organisationen und Kritiker einbezogen und zur &ouml;konomischen Bildung beigetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision. Es fehle bereits an der formellen Satzungsm&auml;&szlig;igkeit. Erforderlich sei eine w&ouml;rtliche &Uuml;bernahme der Mustersatzung. Die in der Satzung des Kl&auml;gers genannte F&ouml;rderung der Demokratie gen&uuml;ge nicht. Die in der Satzung weiter genannte F&ouml;rderung des Gemeinwesens sei im Katalog des &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ebenso wenig enthalten wie die F&ouml;rderung der Solidarit&auml;t. Dies gelte auch f&uuml;r die F&ouml;rderung des Friedens. Das FG habe weiter zu Unrecht entschieden, dass der Kl&auml;gerin in Bezug auf die F&ouml;rderung der Volksbildung und des demokratischen Staatswesens die sich aus &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 AO ergebenden Anforderungen erf&uuml;llt habe. Die Abgrenzung zu den politischen Parteien und die Parteienfinanzierung m&uuml;sse beachtet werden. Da sich die politische Bildung thematisch nicht beschr&auml;nken lasse, k&ouml;nne der Kl&auml;ger nach dem Urteil des FG an jeder politischen Debatte teilnehmen. Damit hebe es die Unterscheidung zwischen gemeinn&uuml;tziger und politischer Bet&auml;tigung auf. Die Kampagnenform spreche f&uuml;r eine politische Ausrichtung der tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung des Kl&auml;gers. Die Vermittlung und Verbreitung eigener politischer Sichtweisen sei nicht geeignet, den Bildungsbegriff des Gemeinn&uuml;tzigkeitsrechts zu erf&uuml;llen. Eine nur einseitige, auf die Ansichten der K&ouml;rperschaft beschr&auml;nkte Darstellung und Vermittlung politischer Bildungsinhalte laufe Gefahr, die politische Wahrnehmungsf&auml;higkeit des Einzelnen zu beeintr&auml;chtigen. Zu ber&uuml;cksichtigen sei auch der Internet-Auftritt des Kl&auml;gers. Das Engagement f&uuml;r die Einf&uuml;hrung einer Transaktionssteuer sei nicht gemeinn&uuml;tzig. Das FG habe auch den Sachverhalt nicht hinreichend aufgekl&auml;rt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine w&ouml;rtliche &Uuml;bernahme der Mustersatzung sei nicht erforderlich. Er habe mit seinen politischen Aktionen nur satzungsm&auml;&szlig;ige gemeinn&uuml;tzige Ziele verfolgt. Die Abgabenordnung verbiete es nicht, gemeinn&uuml;tzige Ziele mit politischen Mitteln und Aktionen zu verfolgen. Zahlreiche gemeinn&uuml;tzige Zwecke, wie z.B. die F&ouml;rderung von Natur- und Umweltschutz, seien ausdr&uuml;cklich politische Ziele. Das Gesetz kenne auch keine Abgrenzung zwischen der Verfolgung gemeinn&uuml;tziger und politischer Zwecke, sondern lediglich eine Unterscheidung zwischen der F&ouml;rderung gemeinn&uuml;tziger K&ouml;rperschaften und politischer Parteien. Die F&ouml;rderung der politischen Bildung sei f&uuml;r den Kl&auml;ger T&auml;tigkeitsschwerpunkt. Ein Verfahrensmangel sei nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das dem Verfahren nach &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) beigetretene Bundesministerium der Finanzen (BMF) tr&auml;gt vor, dass die in &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 AO vorgesehene Festschreibung der Satzungszwecke die Funktion eines Buchnachweises habe. Die in der Satzung vorgesehene F&ouml;rderung des Gemeinwesens, der Demokratie und der Solidarit&auml;t erf&uuml;llten nicht die Voraussetzungen der formellen Satzungsm&auml;&szlig;igkeit. Die F&ouml;rderung des demokratischen Staatswesens umfasse nicht die F&ouml;rderung des Gemeinwesens. Allgemeinpolitische T&auml;tigkeiten entspr&auml;chen nicht den Anforderungen des Gemeinn&uuml;tzigkeitsrechts. Das Verbot politischer Bet&auml;tigung solle verhindern, dass die Begrenzungen, die f&uuml;r die Finanzierung von Parteien i.S. von &sect;&nbsp;2 des Gesetzes &uuml;ber die politischen Parteien (PartG) nach &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sowie nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) bestehen, unterwandert werden. Der Kl&auml;ger habe bestimmte politische Ziele vor Augen gehabt. Auch die Offenlegung von Geheimvertr&auml;gen sei ein politisches Ziel, kein Bildungsziel. Die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche sei ebenso wie bei Gewerkschaften keine T&auml;tigkeit im Rahmen eines Bildungsauftrags. Aus der Offenlegung der Argumentation sei entgegen dem FG-Urteil nicht auf das Fehlen einseitiger oder unkritischer Agitation zu schlie&szlig;en. Das FG-Urteil versto&szlig;e auch gegen &sect;&nbsp;56 AO. Eine parteipolitische Neutralit&auml;t habe das FG nicht gepr&uuml;ft. Ungepr&uuml;ft geblieben sei auch &sect;&nbsp;55 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 AO. Tats&auml;chlich habe der Kl&auml;ger die Partei X gef&ouml;rdert. Zu pr&uuml;fen gewesen w&auml;re auch &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das BMF hat keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur&uuml;ckzuverweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO). Das FG hat die Begriffe der Volksbildung in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 AO und des demokratischen Staatswesens in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;24 AO verkannt. Dem erkennenden Senat ist eine eigene abschlie&szlig;ende Entscheidung verwehrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Wer politische Zwecke durch Einflussnahme auf politische Willensbildung und Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung verfolgt, erf&uuml;llt keinen gemeinn&uuml;tzigen Zweck i.S. von &sect;&nbsp;52 AO. Eine gemeinn&uuml;tzige K&ouml;rperschaft darf sich in dieser Weise nur bet&auml;tigen, wenn dies der Verfolgung eines der in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 AO ausdr&uuml;cklich genannten Zwecke dient.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine K&ouml;rperschaft verfolgt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO gemeinn&uuml;tzige Zwecke, wenn ihre T&auml;tigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu f&ouml;rdern. &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 AO legt fest, welche Zwecke unter den Voraussetzungen des Abs.&nbsp;1 als F&ouml;rderung der Allgemeinheit anzuerkennen sind. Hierzu geh&ouml;rt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;24 AO auch die &quot;allgemeine F&ouml;rderung des demokratischen Staatswesens&quot;, nicht aber auch die dort ausdr&uuml;cklich ausgeschlossene Verfolgung von &quot;Einzelinteressen staatsb&uuml;rgerlicher Art&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach st&auml;ndiger BFH-Rechtsprechung erfasst &#8211;unter Beachtung der sich aus &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;24 AO ergebenden Wertungen&#8211; die F&ouml;rderung der Allgemeinheit nicht die Verfolgung politischer Zwecke. Daher darf weder ein &quot;politischer Zweck als alleiniger und ausschlie&szlig;licher oder als &uuml;berwiegender Zweck in der Satzung einer K&ouml;rperschaft festgelegt&quot; sein noch &quot;die Vereinigung mit ihrer tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung ausschlie&szlig;lich oder &uuml;berwiegend einen politischen Zweck verfolgen&quot; (BFH-Urteil vom 29.&nbsp;August 1984 I&nbsp;R&nbsp;203\/81, BFHE 142, 51, BStBl II 1984, 844, unter 3.b&nbsp;(2)). Die T&auml;tigkeit der K&ouml;rperschaft darf &quot;weder unmittelbar noch allein auf das politische Geschehen und die staatliche Willensbildung gerichtet&quot; sein (BFH-Urteil vom 23.&nbsp;November 1988 I&nbsp;R&nbsp;11\/88, BFHE 155, 461, BStBl II 1989, 391, unter II.4.c). Unter Ber&uuml;cksichtigung der Definitionen des PartG geh&ouml;ren somit weder die Einflussnahme auf die &quot;politische Willensbildung&quot; (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 PartG) noch die Einflussnahme auf die &quot;Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung&quot; (&sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 PartG) zur F&ouml;rderung der Allgemeinheit i.S. von &sect;&nbsp;52 AO. Ob eine derartige Einflussnahme unter den weiteren Voraussetzungen der Parteiendefinition in &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 PartG wie etwa der Beteiligung an Wahlen erfolgt, ist dabei unerheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>So ist selbst eine nur geringf&uuml;gige allgemein-politische Bet&auml;tigung eines Studentenverbandes nicht gemeinn&uuml;tzig (FG K&ouml;ln, Urteil vom 19.&nbsp;Mai 1998&nbsp;&nbsp;13&nbsp;K&nbsp;521\/93, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 1998, 1665). Ebenso sind der &quot;Anspruch, umfassend zu allgemeinpolitischen Themen und Fragen Stellung zu nehmen&quot; und Forderungen wie &quot;Weg mit Agenda 2010 und Hartz&nbsp;IV, Kein Abbau von Sozialleistungen, Gegen Arbeitszwang, F&uuml;r die Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns, Keine EU-Verfassung und Abschaffung der WTO&quot; mit der Steuerbeg&uuml;nstigung nach &sect;&nbsp;52 AO nicht zu vereinbaren (FG D&uuml;sseldorf, Urteil vom 9.&nbsp;Februar 2010&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1908\/07&nbsp;K, EFG 2010, 1287; best&auml;tigt durch BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Februar 2011 I&nbsp;R&nbsp;19\/10, BFH\/NV 2011, 1113).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Hiervon zu unterscheiden ist die Einflussnahme auf die politische Willensbildung und die &ouml;ffentliche Meinung zur Verfolgung der in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 AO ausdr&uuml;cklich genannten Zwecke. Der BFH hat in seiner st&auml;ndigen Rechtsprechung anerkannt, dass es der Steuerbeg&uuml;nstigung nicht entgegensteht, wenn eine nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 AO beg&uuml;nstigte T&auml;tigkeit &quot;im Einzelfall zwangsl&auml;ufig mit einer gewissen politischen Zielsetzung verbunden ist&quot; (BFH-Urteil in BFHE 142, 51, BStBl II 1984, 844, unter 3.b(2)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daher f&ouml;rdert eine B&uuml;rgerinitiative mit ihrer satzungsm&auml;&szlig;igen T&auml;tigkeit den Umweltschutz, wenn sie &quot;der objektiven Meinungsbildung als Grundlage zur L&ouml;sung der mit einem Entsorgungsvorhaben zusammenh&auml;ngenden Umweltprobleme und der daraus entstehenden Ziel- und Interessenkonflikte&quot; dient, wobei m&ouml;gliche &quot;politische Auswirkungen&quot; nicht entgegenstehen (BFH-Urteil in BFHE 142, 51, BStBl II 1984, 844, Leits&auml;tze 3 und 4). Zur F&ouml;rderung der Allgemeinheit geh&ouml;rt auch die kritische &ouml;ffentliche Information und Diskussion, um ein nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 AO beg&uuml;nstigtes Anliegen der &Ouml;ffentlichkeit und auch Politikern nahezubringen, wenn die unmittelbare Einwirkung auf die politischen Parteien und die staatliche Willensbildung gegen&uuml;ber der F&ouml;rderung des steuerbeg&uuml;nstigten Zwecks in den Hintergrund tritt (BFH-Urteil in BFHE 142, 51, BStBl II 1984, 844, unter 6.). Eine K&ouml;rperschaft f&ouml;rdert auch dann ausschlie&szlig;lich den Frieden, wenn sie gelegentlich zu tagespolitischen Themen im Rahmen ihres (steuerbeg&uuml;nstigten) Satzungszweckes Stellung nimmt; allerdings darf die Tagespolitik nicht im Mittelpunkt ihrer T&auml;tigkeit stehen, sondern muss der Vermittlung ihrer Ziele dienen (BFH-Urteil in BFHE 155, 461, BStBl II 1989, 391, Leitsatz&nbsp;2). Der BFH hat auch in der Folgezeit daran festgehalten, dass die Grenzen der allgemeinpolitischen Bet&auml;tigung einer steuerbeg&uuml;nstigten K&ouml;rperschaft noch gewahrt sind, wenn die Besch&auml;ftigung mit politischen Vorg&auml;ngen im Rahmen dessen liegt, was das Eintreten f&uuml;r die (steuerbeg&uuml;nstigten) satzungsm&auml;&szlig;igen Ziele und deren Verwirklichung erfordert (BFH-Urteil vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2017 X&nbsp;R&nbsp;13\/15, BFHE 257, 486, BStBl II 2017, 1110, Leitsatz&nbsp;3 zur Unterst&uuml;tzung einer Volksinitiative zur &quot;Rekommunalisierung&quot; von Energienetzen im Rahmen der F&ouml;rderung des Umweltschutzes).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Soweit eine K&ouml;rperschaft danach politische Zwecke gemeinn&uuml;tzig verfolgen kann, muss sie sich zudem &quot;parteipolitisch neutral&quot; verhalten (BFH-Urteil in BFHE 257, 486, BStBl II 2017, 1110, Leitsatz&nbsp;3). Dies ergibt sich bereits aus der Unterscheidung zwischen der F&ouml;rderung gemeinn&uuml;tziger Zwecke einerseits (z.B. &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;1a EStG, &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 KStG) und der F&ouml;rderung politischer Parteien andererseits (&sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;2 EStG). Parteien ist es verboten, Spenden von gemeinn&uuml;tzigen K&ouml;rperschaften anzunehmen (&sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 PartG). Dementsprechend d&uuml;rfen gemeinn&uuml;tzige K&ouml;rperschaften ihre Mittel weder f&uuml;r die unmittelbare noch f&uuml;r die mittelbare Unterst&uuml;tzung oder F&ouml;rderung politischer Parteien verwenden (&sect;&nbsp;55 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei der F&ouml;rderung der Volksbildung i.S. von &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 AO hat sich die Einflussnahme auf die politische Willensbildung und Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung auf bildungspolitische Fragestellungen zu beschr&auml;nken. Politische Bildung vollzieht sich in geistiger Offenheit. Sie ist nicht f&ouml;rderbar, wenn sie eingesetzt wird, um die politische Willensbildung und die &ouml;ffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen zu beeinflussen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zu den steuerbeg&uuml;nstigten Zwecken geh&ouml;rt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 AO auch die F&ouml;rderung von Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschlie&szlig;lich der Studentenhilfe. Die Volksbildung umfasst im Zusammenhang mit der F&ouml;rderung des demokratischen Staatswesens in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;24 AO auch die sog. politische Bildung. Voraussetzung ist hierf&uuml;r, dass es der K&ouml;rperschaft auf der Grundlage der Normen und Vorstellungen einer rechtsstaatlichen Demokratie um die Schaffung und F&ouml;rderung politischer Wahrnehmungsf&auml;higkeit und politischen Verantwortungsbewusstseins dem Grunde nach geht. Befasst sich eine K&ouml;rperschaft umfassend mit den demokratischen Grundprinzipien und w&uuml;rdigt sie diese objektiv und neutral, kann sie daher auch insoweit an tagespolitische Ereignisse ankn&uuml;pfen (BFH-Urteil vom 23.&nbsp;September 1999 XI&nbsp;R&nbsp;63\/98, BFHE 190, 338, BStBl II 2000, 200, Rz&nbsp;23&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) F&ouml;rderung politischer Bildung geschieht in Abgrenzung zur politischen Zweckverfolgung durch Einflussnahme auf politische Willensbildung und &ouml;ffentliche Meinung. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) gehen politische Bildungsarbeit und allgemeine Werbet&auml;tigkeit der Parteien in der politischen Praxis ineinander &uuml;ber, so dass es verfassungsrechtlich nicht zul&auml;ssig ist, Parteien Haushaltsmittel f&uuml;r politische Bildungsarbeit zur Verf&uuml;gung zu stellen (BVerfG-Urteil vom 19.&nbsp;Juli 1966&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvF&nbsp;1\/65, BVerfGE 20, 56, Rz&nbsp;146). Weitergehend setzt die Vergabe &ouml;ffentlicher Mittel zur F&ouml;rderung politischer Bildungsarbeit unabh&auml;ngige Institutionen voraus, die sich selbst&auml;ndig, eigenverantwortlich und in geistiger Offenheit dieser Aufgabe annehmen (BVerfG-Urteil vom 14.&nbsp;Juli 1986&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvE&nbsp;5\/83, BVerfGE 73, 1, Rz&nbsp;107). Es ist hier zwischen der offenen Diskussion politischer Fragen einerseits und der Beeinflussung des Staatswillens durch die Einflussnahme auf die Beschl&uuml;sse von Parlament und Regierung andererseits zu unterscheiden (BVerfG-Urteil in BVerfGE 73, 1, Rz&nbsp;112&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies ist nicht nur bei der unmittelbaren Zuweisung von Haushaltsmitteln zu beachten, sondern auch bei der steuerrechtlichen F&ouml;rderung gemeinn&uuml;tziger K&ouml;rperschaften durch Steuerbeg&uuml;nstigung und im Rahmen der steuerrechtlichen Ber&uuml;cksichtigung von Spenden (s. oben II.1.d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Danach zielt die politische Bildung i.S. von &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 AO auf die Schaffung und F&ouml;rderung politischer Wahrnehmungsf&auml;higkeit und politischen Verantwortungsbewusstseins sowie auf die Diskussion politischer Fragen &quot;in geistiger Offenheit&quot;. Es beeintr&auml;chtigt die Gemeinn&uuml;tzigkeit nicht, wenn auch L&ouml;sungsvorschl&auml;ge f&uuml;r Problemfelder der Tagespolitik erarbeitet werden, wie es z.B. auf die politischen (parteinahen) Stiftungen zutreffen kann, deren Finanzierung Gegenstand des BVerfG-Urteils in BVerfGE 73, 1 war. Der Bereich der nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 AO steuerbeg&uuml;nstigten politischen Bildung wird aber &uuml;berschritten, wenn so entwickelte Ergebnisse durch Einflussnahme auf politische Willensbildung und &ouml;ffentliche Meinung mittels weiterer Ma&szlig;nahmen durchgesetzt werden sollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Begriff der politischen Bildung umfasst auf der Grundlage von &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 und Nr.&nbsp;24 AO keinen eigenst&auml;ndigen steuerbeg&uuml;nstigten Zweck der Einflussnahme auf die politische Willensbildung und auf die Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung in beliebigen Politikbereichen im Sinne eines &quot;allgemeinpolitischen Mandats&quot;. Bet&auml;tigungen politischer Art w&auml;ren dann nicht mehr beschr&auml;nkt auf die F&ouml;rderung spezifischer steuerbeg&uuml;nstigter Zwecke (s. oben II.1.c). Damit w&uuml;rde gegen die gesetzgeberische Grundentscheidung versto&szlig;en, nach der eine eigenst&auml;ndige Verfolgung politischer Zwecke nicht zur F&ouml;rderung der Allgemeinheit i.S. von &sect;&nbsp;52 AO geh&ouml;rt (s. oben II.1.b). Hierf&uuml;r fehlt es unter Ber&uuml;cksichtigung des Grundsatzes der Tatbestandsm&auml;&szlig;igkeit der Besteuerung (vgl. &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 AO) an einer Grundlage im geltenden Recht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Somit kann auch eine K&ouml;rperschaft, die eine Anzeigenkampagne durchf&uuml;hrt, mit der an das allgemeine Erfordernis der Einhaltung von Wahlversprechen erinnert wird, die politische Bildung dem Grunde nach noch f&ouml;rdern (BFH-Urteil in BFHE 190, 338, BStBl II 2000, 200). Nicht vereinbar mit &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 und Nr.&nbsp;24 AO ist es demgegen&uuml;ber, im Rahmen von Volksbildung und politischer Bildung konkrete politische Forderungen zur Durchsetzung von Wahlversprechen (z.B. &quot;keine Steuererh&ouml;hung&quot;) zu erheben. Geht es vorrangig um die Einflussnahme auf politische Willensbildung und Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung zur Durchsetzung der eigenen Auffassung, nicht aber um die Vermittlung von Kenntnissen oder F&auml;higkeiten bei &#8211;im weitesten Sinne&#8211; auszubildenden Personen, fehlt der erforderliche Bildungscharakter.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Danach ist die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass die F&ouml;rderung der von der Volksbildung mitumfassten politischen Bildung dazu berechtigt, zu konkreten Handlungen aufzurufen und Forderungen zu tagespolitischen Fragen zu erheben. Damit verst&ouml;&szlig;t das Urteil des FG gegen &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 und Nr.&nbsp;24 AO. Es hat die Entscheidung des Gesetzgebers, die Einflussnahme &quot;auf die politische Willensbildung&quot; durch &quot;Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung&quot; nicht als eigenst&auml;ndige F&ouml;rderung die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet i.S. von &sect;&nbsp;52 AO anzusehen (s. oben II.1.b), v&ouml;llig au&szlig;er Betracht gelassen und stattdessen die Begriffe &quot;Volksbildung&quot; und &quot;demokratisches Staatswesen&quot; zu weit ausgelegt. Es hat damit die Ma&szlig;st&auml;be verkannt, die im Hinblick auf die erforderliche Abgrenzung zu politischen Bet&auml;tigungen einzuhalten sind. Gestattet es die F&ouml;rderung der politischen Bildung nicht, Einfluss auf die politische Willensbildung und auf die Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung zu nehmen, ist es nicht m&ouml;glich, der eigenen &#8211;im Rahmen der steuerbeg&uuml;nstigten politischen Bildung entwickelten&#8211; Auffassung in beliebig anmutenden Politikbereichen zus&auml;tzlich auch noch &quot;Geh&ouml;r zu verschaffen&quot;, um diese im Rahmen der Gemeinn&uuml;tzigkeit nach &sect;&nbsp;52 AO durchzusetzen. Zudem ist es rechtsfehlerhaft, aus dem Verbot einer parteipolitischen Best&auml;tigung (s. oben II.1.d) auf die Zul&auml;ssigkeit anderer politischer Bet&auml;tigungen zu schlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auf der Grundlage der vom FG getroffenen Feststellungen (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) ging es dem Kl&auml;ger insbesondere bei der Kampagne &quot;Sparpaket\/Finanztransaktionensteuer\/Umverteilen&quot;, dem Programm &quot;Verteilen statt k&uuml;rzen&quot;, bei der Entwicklung und Werbung f&uuml;r ein alternatives &Uuml;bernahmemodell zugunsten eines finanziell bedrohten Unternehmens der Textilbranche in Form einer Genossenschaft, bei den Themenschwerpunkten &quot;Steuerflucht bek&auml;mpfen&quot;, &quot;kein Freibrief f&uuml;r Steuerb&uuml;rger&quot; und bei dem Thema Steuerflucht w&auml;hrend der &quot;kritischen Phase&quot; eines geplanten Steuerabkommens mit der Schweiz ebenso wie bei der Kampagne &quot;Demokratie statt Stuttgart&nbsp;21&quot;, bei dem Pl&auml;doyer nach einer 30-Stunden-Woche f&uuml;r alle bei vollem Lohnausgleich f&uuml;r untere und mittlere Einkommen und bei den Themen &quot;bedingungsloses Grundeinkommen&quot; oder &quot;feministische &Ouml;konomie&quot; im Schwerpunkt nicht um die Vermittlung von Bildungsinhalten zu diesen Themen, sondern um eine &ouml;ffentlichkeitswirksame Darstellung und Durchsetzung eigener Vorstellungen zu tagespolitischen Themen und damit um die Einflussnahme auf die politische Willensbildung und auf die &ouml;ffentliche Meinung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn der Kl&auml;ger entwickelte hier Gegenvorstellungen, erhob konkrete steuerpolitische Forderungen zur Einnahmeverbesserung des Gesamtstaats, &uuml;bte Kritik an dem Gesetzesvorschlag der Bundesregierung, wandte sich mit einem Online-Appell an die Bundeskanzlerin und einen Bundesminister, erhob politische Forderungen zum Thema Steuerflucht w&auml;hrend der &quot;kritischen Phase&quot; eines geplanten Steuerabkommens mit der Schweiz, veranstaltete Unterschriftensammlungen und forderte &quot;die Politik&quot; auf, Beteiligungsgesellschaften wie Investmentfonds nicht mehr steuerlich zu beg&uuml;nstigen und wollte &quot;Ma&szlig;nahmen&quot; der demokratischen Kontrolle der &Ouml;ffentlichkeit unterwerfen. Mit dieser Einflussnahme auf die politische Willensbildung und auf die &ouml;ffentliche Meinung liegt ein Handeln au&szlig;erhalb steuerbeg&uuml;nstigter Satzungszwecke vor, da diese T&auml;tigkeiten keinerlei Bezug zur Bildungspolitik i.S. von &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 AO aufwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine Verfolgung steuerbeg&uuml;nstigter Zwecke ergibt sich auch nicht aus einem Zusammenhang mit der F&ouml;rderung des demokratischen Staatswesens in &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;24 AO und einer sich hieraus abgeleiteten erweiterten Zweckverfolgung im Bereich der politischen Bildung. Denn zur F&ouml;rderung der politischen Bildung kommt eine Einflussnahme auf die politische Willensbildung in frei gew&auml;hlten Politikbereichen bereits dem Grunde nach nicht in Betracht (s. oben II.2.c). Zudem schlie&szlig;t &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;24 AO die Verfolgung von &quot;Einzelinteressen staatsb&uuml;rgerlicher Art&quot; ausdr&uuml;cklich von der Steuerbeg&uuml;nstigung aus. Schlie&szlig;lich kommt bei Ma&szlig;nahmen zur demokratischen Kontrolle von Bahnprojekten auch nicht die F&ouml;rderung des Umweltschutzes nach &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 AO in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Sache ist nicht spruchreif und daher an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausgehend von seiner rechtsfehlerhaften Auslegung des &sect;&nbsp;52 AO hat das FG keine Feststellungen dazu getroffen, ob der Kl&auml;ger i.S. von &sect;&nbsp;56 AO nur seine steuerbeg&uuml;nstigten satzungsm&auml;&szlig;igen Zwecke verfolgt hat und ob seine tats&auml;chliche Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 AO auf die ausschlie&szlig;liche und unmittelbare Erf&uuml;llung seiner steuerbeg&uuml;nstigten Zwecke gerichtet war. Obwohl beides zweifelhaft sein d&uuml;rfte, ist dem erkennenden Senat hierzu eine eigene Entscheidung verwehrt. Dabei wird das FG insbesondere zu ber&uuml;cksichtigen haben, dass zwischen dem Kl&auml;ger als &quot;Tr&auml;ger&quot; eines &quot;Netzwerks&quot; und den T&auml;tigkeiten des unter dem gleichen Namen auftretenden &quot;Netzwerks&quot;, die ihm u.U. nicht zuzurechnen sind, zu unterscheiden sein k&ouml;nnte (vgl. hierzu allgemein Leisner-Egensperger, H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler, &sect;&nbsp;63 AO Rz&nbsp;9&nbsp;f. und Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;63 AO Rz&nbsp;5). Insoweit ist vorrangig auf das Handeln und die Kenntnisse der Vereinsorgane und der von ihnen beauftragten Personen abzustellen. Dabei wird das FG bei seiner Entscheidung aber auch die Selbstdarstellung des Kl&auml;gers auf seiner Internetseite (vgl. hierzu allgemein BFH-Urteil in BFH\/NV 2011, 1113) und damit z.B. die vom Kl&auml;ger in den Streitjahren (dort) ver&ouml;ffentlichten Pressemitteilungen, mit denen der Kl&auml;ger politische Forderungen erhoben oder sich zu eigen gemacht haben k&ouml;nnte, zu ber&uuml;cksichtigen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die Verfahrensr&uuml;ge kommt es somit nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Der erkennende Senat entscheidet durch Urteil ohne m&uuml;ndliche Verhandlung (&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;121 FGO). Der Kl&auml;ger hat auf eine m&uuml;ndliche Verhandlung verzichtet. Diesen Verzicht hat auch das FA erkl&auml;rt. Dass das FA im Nachgang zu seinem Verzicht diesen widerrufen hat, da der Verzicht &quot;versehentlich&quot; erkl&auml;rt worden sei, ist ohne Bedeutung, da der Verzicht als Prozesshandlung weder wegen Irrtums anfechtbar noch frei widerrufbar ist (vgl. BFH-Urteile vom 20.&nbsp;Juni 1967 II&nbsp;73\/63, BFHE 90, 82, BStBl III 1967, 794; vom 26.&nbsp;November 1970 IV&nbsp;R&nbsp;131\/69, BFHE 101, 61, BStBl II 1971, 241; vom 4.&nbsp;April 1974 V&nbsp;R&nbsp;161\/72, BFHE 112, 316, BStBl II 1974, 532; BFH-Beschl&uuml;sse vom 7.&nbsp;Februar 1990 III&nbsp;R&nbsp;101\/87, BFH\/NV 1991, 402, und vom 20.&nbsp;Juni 2016 VI&nbsp;B&nbsp;115\/15, BFH\/NV 2016, 1482). Zudem k&ouml;nnen aufgrund der prozessgestaltenden Wirkung wie auch im Interesse einer eindeutigen und klaren prozessrechtlichen Lage offenbare, insbesondere auf einem Verschreiben oder sonstigem Versehen beruhende Irrt&uuml;mer nur richtiggestellt werden, wenn sie &#8211;woran es vorliegend fehlt&#8211; dem Empf&auml;nger der Erkl&auml;rung bekannt oder zumindest erkennbar waren (BFH-Urteil vom 8.&nbsp;April 2014 I&nbsp;R&nbsp;51\/12, BFHE 246, 7, BStBl II 2014, 982). Unbeachtlich ist, dass das beigeladene BMF keinen Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung erkl&auml;rt hat, da ihm keine weitergehenden Rechte als den Verfahrensbeteiligten zustehen (BFH-Urteil vom 11.&nbsp;November 2010 VI&nbsp;R&nbsp;17\/09, BFHE 232, 40, BStBl II 2011, 969).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.1.2019, V R 60\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.100119.VR60.17.0 Politische Bet&auml;tigung und Gemeinn&uuml;tzigkeit Leits&auml;tze 1. Wer politische Zwecke durch Einflussnahme auf politische Willensbildung und Gestaltung der &ouml;ffentlichen Meinung verfolgt, erf&uuml;llt keinen gemeinn&uuml;tzigen Zweck i.S. von &sect; 52 AO. Eine gemeinn&uuml;tzige K&ouml;rperschaft darf sich in dieser Weise nur bet&auml;tigen, wenn dies der Verfolgung eines der in &sect; 52 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-60-17-politische-betaetigung-und-gemeinnuetzigkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;60\/17 &#8211; Politische Bet&auml;tigung und Gemeinn&uuml;tzigkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70367","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70367"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70367\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}