{"id":70486,"date":"2019-03-22T20:08:37","date_gmt":"2019-03-22T18:08:37","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70486"},"modified":"2019-03-22T20:08:37","modified_gmt":"2019-03-22T18:08:37","slug":"vii-r-23-17-insolvenzrechtliches-aufrechnungsverbot-bei-erstattung-der-grunderwerbsteuer-nach-par-16-abs-1-nr-2-grestg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-23-17-insolvenzrechtliches-aufrechnungsverbot-bei-erstattung-der-grunderwerbsteuer-nach-par-16-abs-1-nr-2-grestg\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;23\/17 &#8211; Insolvenzrechtliches Aufrechnungsverbot bei Erstattung der Grunderwerbsteuer nach &sect; 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.1.2019, VII R 23\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.150119.VIIR23.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Insolvenzrechtliches Aufrechnungsverbot bei Erstattung der Grunderwerbsteuer nach &sect; 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Anspruch auf Erstattung der Grunderwerbsteuer nach &sect; 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG f&uuml;r einen vor Insolvenzer&ouml;ffnung geschlossenen Kaufvertrag entsteht im Fall der Ablehnung der Erf&uuml;llung gem&auml;&szlig; &sect; 103 Abs. 2 InsO erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens i.S. des &sect; 96 Abs. 1 Nr. 1 InsO.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 26. April 2017&nbsp;&nbsp;1 K 1596\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) erwarb mit Bautr&auml;gervertrag vom 28.&nbsp;Dezember 2005 f&uuml;r 1.140.000&nbsp;EUR Miteigentumsanteile an vier noch fertigzustellenden Doppelhaush&auml;lften in A. Da sie nach dem Kaufvertrag die Grunderwerbsteuer zu tragen hatte, setzte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) mit Bescheid vom 28.&nbsp;Februar 2006 Grunderwerbsteuer in H&ouml;he von 39.900&nbsp;EUR gegen die Kl&auml;gerin fest. Der Bescheid wurde bestandskr&auml;ftig und die Kl&auml;gerin zahlte die festgesetzte Grunderwerbsteuer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im M&auml;rz 2012 er&ouml;ffnete das Amtsgericht &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin das Insolvenzverfahren und ordnete Eigenverwaltung an. Mit Schreiben vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2013 erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin gegen&uuml;ber der Verk&auml;uferin die Nichterf&uuml;llung des Bautr&auml;gervertrags vom 28.&nbsp;Dezember 2005 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;103 Abs.&nbsp;2 der Insolvenzordnung (InsO). Mit Schreiben vom 2.&nbsp;April 2013 bat die Kl&auml;gerin das FA um Erstattung der Grunderwerbsteuer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 3.&nbsp;Februar 2015 hob das FA den Grunderwerbsteuerbescheid vom 28.&nbsp;Februar 2006 &quot;wegen R&uuml;ckg&auml;ngigmachung des Erwerbsvorgangs nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2&quot; des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) auf und erkl&auml;rte die Aufrechnung mit Steuerschulden der Kl&auml;gerin wegen Lohnsteuer f&uuml;r die Monate Dezember 2009 bis April 2010. Den Einspruch der Kl&auml;gerin vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2015 wertete das FA als Antrag auf Erlass eines Abrechnungsbescheids und stellte mit Bescheid vom 13.&nbsp;April 2015 fest, dass das Guthaben aus der Grunderwerbsteuer durch Aufrechnung erloschen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen erhobene Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) urteilte, die Aufrechnung sei nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO unzul&auml;ssig, da das FA das von ihm verrechnete Grunderwerbsteuerguthaben erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens zur Insolvenzmasse schuldig geworden sei. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 187 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision tr&auml;gt das FA vor, der Bundesfinanzhof (BFH) habe mit Urteil vom 17.&nbsp;April 2007 VII&nbsp;R&nbsp;27\/06 (BFHE 217, 8, BStBl II 2009, 589) entschieden, dass das FA die Erstattung von Grunderwerbsteuer gegen Insolvenzforderungen verrechnen k&ouml;nne, wenn der Verk&auml;ufer nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens das ihm vorbehaltene Recht zum R&uuml;cktritt von einem vor Verfahrenser&ouml;ffnung geschlossenen Kaufvertrag aus&uuml;be. An dieser Rechtsprechung sei festzuhalten. Die ge&auml;nderte Rechtsprechung des BFH zu &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 bzw. &sect;&nbsp;14c des Umsatzsteuergesetzes (UStG) lasse sich wegen der besonderen Ausgestaltung des GrEStG nicht auf den vorliegenden Streitfall &uuml;bertragen. Die Grunderwerbsteuer sei im Unterschied zur Umsatzsteuer eine aperiodisch entstehende und festzusetzende Verkehrsteuer. Zwar wirke die Aufhebung einer Grunderwerbsteuerfestsetzung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 GrEStG &#8211;ebenso wie die &Auml;nderung der Steuerschuld gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 UStG&#8211; nicht auf den Zeitpunkt der urspr&uuml;nglichen Steuerentstehung zur&uuml;ck; jedoch sehe &sect;&nbsp;16 GrEStG die Beseitigung der Grunderwerbsteuerfestsetzung vor, w&auml;hrend &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 UStG die &Auml;nderung der Steuerschuld f&uuml;r den Besteuerungszeitraum vorschreibe, in dem die &Auml;nderung eintrete, und somit keinen Bezug zum Besteuerungszeitraum der urspr&uuml;nglichen Steuerfestsetzung herstelle. Auch werde durch das BFH-Urteil vom 18.&nbsp;August 2015 VII&nbsp;R&nbsp;29\/14 (BFH\/NV 2016, 87) und ebenso durch den BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2014 VII&nbsp;B&nbsp;214\/12 (BFH\/NV 2014, 1088) best&auml;tigt, dass der Zeitpunkt der Antragstellung &#8211;im Streitfall der auf Aufhebung der Grunderwerbsteuerfestsetzung gerichtete Antrag&#8211; f&uuml;r die insolvenzrechtliche Entstehung des Erstattungsanspruchs unerheblich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, das vorinstanzliche Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin erwidert, es treffe zwar zu, dass das BFH-Urteil vom 25.&nbsp;Juli 2012 VII&nbsp;R&nbsp;29\/11 (BFHE 238, 307, BStBl II 2013, 36) zur Umsatzsteuer ergangen sei; es m&uuml;sse aber gleicherma&szlig;en auch f&uuml;r die Grunderwerbsteuer gelten, denn letztlich seien die gesetzlichen Regelungen des &sect;&nbsp;17 UStG und des &sect;&nbsp;16 GrEStG in ihren Aussagen deckungsgleich: W&uuml;rden die urspr&uuml;nglichen Vertragsbedingungen nicht erf&uuml;llt, seien die zun&auml;chst erstellten Voranmeldungen bzw. der zun&auml;chst erlassene Bescheid zu korrigieren. Ebenso habe auch der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass eine Forderung im Insolvenzverfahren nur dann aufrechenbar sei, wenn sie vor der Verfahrenser&ouml;ffnung in ihrem rechtlichen Kern so gesichert sei, dass es einer weiteren Rechtshandlung des Anspruchsinhabers nicht bed&uuml;rfe (BGH-Urteil vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2016 IX&nbsp;ZR&nbsp;132\/15, BGHZ 209, 179, Neue Juristische Wochenschrift 2016, 2118). Es liege auf der Hand, dass im Fall der Aus&uuml;bung des Wahlrechts nach &sect;&nbsp;103 InsO aus Sicht dieser Entscheidung eine Aufrechnung nicht m&ouml;glich sei; denn die Grunderwerbsteuerforderung entstehe erst, nachdem der Insolvenzverwalter sein Wahlrecht &#8211;also eine Rechtshandlung&#8211; ausge&uuml;bt habe. Zudem sei das BFH-Urteil aus dem Jahr 2007 (in BFHE 217, 8, BStBl II 2009, 589) f&uuml;r den vorliegenden Sachverhalt ohne Aussagekraft; denn es behandele einen Fall, in dem die Vertragsparteien bereits im urspr&uuml;nglichen notariellen Kaufvertrag ein R&uuml;cktrittsrecht vereinbart h&auml;tten. Demgegen&uuml;ber sei die Erkl&auml;rung des Insolvenzverwalters nach &sect;&nbsp;103 InsO eine einseitige, empfangsbed&uuml;rftige Willenserkl&auml;rung; sie sei also nicht schon im urspr&uuml;nglichen Vertrag angelegt gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das angefochtene Urteil entspricht Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat rechtsfehlerfrei entschieden, dass die Aufrechnung nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO unzul&auml;ssig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO ist die Aufrechnung unzul&auml;ssig, wenn ein Insolvenzgl&auml;ubiger erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens etwas zur Insolvenzmasse schuldig geworden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob ein Insolvenzgl&auml;ubiger vor oder nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens etwas zur Insolvenzmasse schuldig geworden ist, bestimmt sich nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats danach, ob der Tatbestand, der den betreffenden Anspruch begr&uuml;ndet, nach den steuerrechtlichen Vorschriften bereits vor oder erst nach Insolvenzer&ouml;ffnung vollst&auml;ndig verwirklicht und damit abgeschlossen ist. Entscheidend ist, ob s&auml;mtliche materiell-rechtlichen Tatbestandsvoraussetzungen f&uuml;r die Entstehung eines Erstattungsanspruchs im Zeitpunkt der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens bereits erf&uuml;llt waren (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. Senatsurteile vom 12.&nbsp;Juni 2018 VII&nbsp;R&nbsp;19\/16, BFHE 261, 463, und vom 8.&nbsp;November 2016 VII&nbsp;R&nbsp;34\/15, BFHE 256, 6, BStBl II 2017, 496, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FA ist das hier streitige Guthaben aus der Grunderwerbsteuer erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens schuldig geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 GrEStG wird auf Antrag die Steuer nicht festgesetzt oder die Steuerfestsetzung aufgehoben, wenn die Vertragsbedingungen nicht erf&uuml;llt werden und der Erwerbsvorgang deshalb aufgrund eines Rechtsanspruchs r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht wird, bevor das Eigentum am Grundst&uuml;ck auf den Erwerber &uuml;bergegangen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der nach dieser Regelung entstehende Anspruch des Steuerpflichtigen auf Aufhebung eines bereits ergangenen Grunderwerbsteuerbescheids f&uuml;hrt nach der Rechtsprechung des BFH nicht zum Erl&ouml;schen des einmal wirksam entstandenen urspr&uuml;nglichen Steueranspruchs. Der Anspruch nach &sect;&nbsp;16 GrEStG ist vielmehr ein weiterer (gegenl&auml;ufiger), eigenst&auml;ndiger Anspruch aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO), der selbst&auml;ndig neben den Steueranspruch tritt (vgl. BFH-Urteil vom 16.&nbsp;Januar 2002 II&nbsp;R&nbsp;52\/00, BFH\/NV 2002, 1053, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;September 2015 II&nbsp;B&nbsp;28\/15, BFH\/NV 2015, 1668; s.a. Loose in Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, 19.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;16 Rz&nbsp;12&nbsp;ff.; Pahlke, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 6.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;16 Rz&nbsp;3). Es handelt sich nicht um einen Erstattungsanspruch i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2015, 1668, Rz&nbsp;7). Dementsprechend l&auml;sst der Anspruch aus &sect;&nbsp;16 GrEStG die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der f&uuml;r den urspr&uuml;nglichen Erwerbsvorgang vorgenommenen Besteuerung unber&uuml;hrt (BFH-Urteil in BFH\/NV 2002, 1053).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit gew&auml;hrt &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 GrEStG &#8211;ebenso wie &sect;&sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 und 17 Abs.&nbsp;2 UStG (vgl. Senatsurteil in BFHE 256, 6, BStBl II 2017, 496, m.w.N.)&#8211; einen eigenst&auml;ndigen Berichtigungsanspruch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) &quot;R&uuml;ckg&auml;ngig gemacht&quot; i.S. des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 GrEStG ist ein Erwerbsvorgang, wenn &uuml;ber die zivilrechtliche Aufhebung des den Steuertatbestand erf&uuml;llenden Rechtsgesch&auml;fts hinaus die Vertragspartner sich derart aus ihren vertraglichen Bindungen entlassen haben, dass die M&ouml;glichkeit zur Verf&uuml;gung &uuml;ber das Grundst&uuml;ck nicht beim Erwerber verbleibt, sondern der Ver&auml;u&szlig;erer seine urspr&uuml;ngliche Rechtsstellung wiedererlangt (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 5.&nbsp;September 2013 II&nbsp;R&nbsp;16\/12, BFHE 242, 181, BStBl II 2014, 42, und vom 16.&nbsp;Februar 2005 II&nbsp;R&nbsp;53\/03, BFHE 209, 158, BStBl II 2005, 495). Erst zu diesem Zeitpunkt entsteht materiell-rechtlich der Anspruch aus &sect;&nbsp;16 GrEStG (vgl. auch Loose in Boruttau, a.a.O., &sect;&nbsp;16 Rz&nbsp;53; Pahlke, a.a.O., &sect;&nbsp;16 Rz&nbsp;134).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dementsprechend ist der Anspruch aus &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 GrEStG auch erst zu diesem Zeitpunkt im Sinne der Rechtsprechung des erkennenden Senats zu &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO vollst&auml;ndig verwirklicht und damit abgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall ist der Erwerb der mit Bautr&auml;gervertrag vom 28.&nbsp;Dezember 2005 verkauften Miteigentumsanteile nach den Feststellungen des FG erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht worden. Die tatbestandlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 GrEStG sind damit &#8211;insoweit unstreitig&#8211; erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens erf&uuml;llt gewesen. Dementsprechend ist auch der Anspruch aus &sect;&nbsp;16 GrEStG materiell-rechtlich erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens entstanden mit der Folge, dass das FA das hier streitige Guthaben aus der Grunderwerbsteuer erst nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens schuldig geworden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Soweit der erkennende Senat in seinem Urteil in BFHE 217, 8, BStBl II 2009, 589 von anderen Grunds&auml;tzen ausgegangen ist, h&auml;lt er daran im Hinblick auf die oben (unter II.1.) dargestellte Rechtsprechung &#8211;insbesondere im Hinblick auf die ge&auml;nderte Senatsrechtsprechung zu &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 UStG (Senatsurteil in BFHE 238, 307, BStBl II 2013, 36) und zu &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 UStG (Senatsurteil in BFHE 256, 6, BStBl II 2017, 496; Senatsbeschluss vom 25.&nbsp;April 2018 VII&nbsp;R&nbsp;18\/16, BFH\/NV 2018, 1289)&#8211; nicht mehr fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Aus dem Senatsurteil in BFH\/NV 2016, 87 und dem Senatsbeschluss in BFH\/NV 2014, 1088 l&auml;sst sich kein anderes Ergebnis herleiten; denn auch nach diesen beiden Entscheidungen kommt es f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 InsO darauf an, ob die materiell-rechtlichen Tatbestandsvoraussetzungen des jeweiligen Anspruchs vor oder nach der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 15.1.2019, VII R 23\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.150119.VIIR23.17.0 Insolvenzrechtliches Aufrechnungsverbot bei Erstattung der Grunderwerbsteuer nach &sect; 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG Leits&auml;tze Der Anspruch auf Erstattung der Grunderwerbsteuer nach &sect; 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG f&uuml;r einen vor Insolvenzer&ouml;ffnung geschlossenen Kaufvertrag entsteht im Fall der Ablehnung der Erf&uuml;llung gem&auml;&szlig; &sect; 103 Abs. 2 InsO &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-23-17-insolvenzrechtliches-aufrechnungsverbot-bei-erstattung-der-grunderwerbsteuer-nach-par-16-abs-1-nr-2-grestg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;23\/17 &#8211; Insolvenzrechtliches Aufrechnungsverbot bei Erstattung der Grunderwerbsteuer nach &sect; 16 Abs. 1 Nr. 2 GrEStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70486","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70486","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70486"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70486\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70486"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70486"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70486"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}