{"id":70529,"date":"2019-03-29T12:16:57","date_gmt":"2019-03-29T10:16:57","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70529"},"modified":"2019-03-29T12:16:57","modified_gmt":"2019-03-29T10:16:57","slug":"ii-b-79-17-ausnutzen-oder-verwerten-eines-benennungsrechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-79-17-ausnutzen-oder-verwerten-eines-benennungsrechts\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;79\/17 &#8211; Ausnutzen oder Verwerten eines Benennungsrechts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.1.2019, II B 79\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.300119.IIB79.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ausnutzen oder Verwerten eines Benennungsrechts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: &sect; 1 Abs. 1 Nr. 6 und 7 GrEStG setzen als weiteres &#8211;ungeschriebenes&#8211; Tatbestandsmerkmal voraus, dass der Berechtigte das Kaufangebot zum Nutzen der eigenen wirtschaftlichen Interessen verwertet.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 7. Juni 2017&nbsp;&nbsp;8 K 3725\/14 GrE wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die geltend gemachten Gr&uuml;nde f&uuml;r die Zulassung der Revision liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine Rechtssache hat grunds&auml;tzliche Bedeutung, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt. Die Rechtsfrage muss im konkreten Fall kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und in einem k&uuml;nftigen Revisionsverfahren kl&auml;rungsf&auml;hig sein. Kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist eine Rechtsfrage, wenn hinsichtlich ihrer Beantwortung Unsicherheit besteht. Eine kl&auml;rungsbed&uuml;rftige Rechtsfrage wird dagegen nicht aufgeworfen, wenn die streitige Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das Finanzgericht (FG) getan hat, die Rechtslage also eindeutig ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;August 2018 II&nbsp;B&nbsp;9\/18, BFH\/NV 2019, 44, Rz&nbsp;10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieselben Grunds&auml;tze gelten f&uuml;r die Erforderlichkeit einer Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts als Unterfall der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (vgl. BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;Juni 2016 III&nbsp;B&nbsp;95\/15, BFH\/NV 2016, 1575, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen ist die Revision nicht wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung oder zur Rechtsfortbildung zuzulassen. Die von dem Beklagten und Beschwerdef&uuml;hrer (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) aufgeworfene Rechtsfrage, ob das Nutzen der Rechtsposition des Benennungsberechtigten im Rahmen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 und 7 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) f&uuml;r die Erf&uuml;llung des ungeschriebenen Tatbestandsmerkmals &quot;Verfolgung eigener wirtschaftlicher Interessen&quot; ausreicht, wenn ein eigener wirtschaftlicher Vorteil vorliegt, ist bereits h&ouml;chstrichterlich gekl&auml;rt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 GrEStG unterliegt der Grunderwerbsteuer ein Rechtsgesch&auml;ft, das den Anspruch auf Abtretung der Rechte aus einem Kaufangebot begr&uuml;ndet, und nach Nr.&nbsp;7 der genannten Vorschrift die Abtretung selbst, wenn ihr kein solches Rechtsgesch&auml;ft vorausgegangen ist. &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 und Nr.&nbsp;7 GrEStG setzen als weiteres &#8211;ungeschriebenes&#8211; Tatbestandsmerkmal voraus, dass der Berechtigte das Kaufangebot zum Nutzen der eigenen wirtschaftlichen Interessen verwertet (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2000 II&nbsp;R&nbsp;30\/98, BFHE 191, 419, BStBl II 2000, 359; vom 18.&nbsp;Dezember 2002 II&nbsp;R&nbsp;12\/00, BFHE 201, 319, BStBl II 2003, 356, und vom 19.&nbsp;November 2008 II&nbsp;R&nbsp;24\/07, BFH\/NV 2009, 788). Ein Handeln im Interesse des Grundst&uuml;cksver&auml;u&szlig;erers oder des (pr&auml;sumtiven) -erwerbers reicht nicht aus (BFH-Urteile in BFHE 191, 419, BStBl II 2000, 359, und in BFHE 201, 319, BStBl II 2003, 356).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Rechtsprechung umfasst auch die vom FA aufgeworfene Rechtsfrage. Danach ist zu pr&uuml;fen, ob der Benennungsberechtigte seine Rechtsposition, die ihm das Kaufangebot verleiht, zum Nutzen eigener wirtschaftlicher Interessen verwertet. Dabei ist denklogisch zu pr&uuml;fen, ob auch tats&auml;chlich ein (eigener) wirtschaftlicher Vorteil vorliegt. Die Begriffe &quot;Verwerten&quot; und &quot;Ausnutzen&quot; der Rechtsposition aus dem Kaufangebot sind insoweit nicht trennscharf voneinander abzugrenzen. Ob ein solches Ausnutzen oder Verwerten des Benennungsrechts aus dem Kaufangebot zum eigenen wirtschaftlichen Nutzen vorliegt, ist danach unter Ber&uuml;cksichtigung aller Umst&auml;nde des konkreten Falls zu bestimmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausgehend davon ist das FG im Streitfall zu der Einsch&auml;tzung gelangt, dass die Kl&auml;gerin und Beschwerdegegnerin (Kl&auml;gerin) ihre Rechtsstellung als Benennungsberechtigte nicht ausgenutzt habe. Dies gelte auch im Hinblick auf den Abschluss des Projektentwicklungsvertrages, der &#8211;wie das FG im Einzelnen begr&uuml;ndet&#8211; nicht von der Benennung durch die Kl&auml;gerin abh&auml;ngig gewesen sei. Diese Beurteilung durch das FG ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden. Sie beruht auf einer Gesamtw&uuml;rdigung des Sachverhalts. Im Kern seines Vorbringens wendet sich das FA gegen die Richtigkeit der rechtlichen Beurteilung des Sachverhalts durch das FG. Ein solches Vorbringen f&uuml;hrt aber nicht zur Zulassung der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus denselben Gr&uuml;nden ist die Revision auch nicht zur Rechtsfortbildung zuzulassen. Die vom FA zitierten Entscheidungen des BFH lassen dem FG bewusst einen weiten Spielraum bei der Beurteilung des den Wortlaut des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 und 7 GrEStG eingrenzenden ungeschriebenen Tatbestandsmerkmals. Der Streitfall gibt keine Veranlassung, die Rechtsprechung des BFH n&auml;her einzugrenzen oder zu konkretisieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Im &Uuml;brigen ergeht die Entscheidung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO ohne Angabe weiterer Gr&uuml;nde, insbesondere ohne Darstellung des Tatbestands.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.1.2019, II B 79\/17ECLI:DE:BFH:2019:B.300119.IIB79.17.0 Ausnutzen oder Verwerten eines Benennungsrechts Leits&auml;tze NV: &sect; 1 Abs. 1 Nr. 6 und 7 GrEStG setzen als weiteres &#8211;ungeschriebenes&#8211; Tatbestandsmerkmal voraus, dass der Berechtigte das Kaufangebot zum Nutzen der eigenen wirtschaftlichen Interessen verwertet. Tenor Die Beschwerde des Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-79-17-ausnutzen-oder-verwerten-eines-benennungsrechts\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;B&nbsp;79\/17 &#8211; Ausnutzen oder Verwerten eines Benennungsrechts<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}