{"id":70594,"date":"2019-04-13T17:27:05","date_gmt":"2019-04-13T15:27:05","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70594"},"modified":"2019-04-13T17:27:05","modified_gmt":"2019-04-13T15:27:05","slug":"v-r-66-17-tango-und-umsatzsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-66-17-tango-und-umsatzsteuer\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;66\/17 &#8211; Tango und Umsatzsteuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.1.2019, V R 66\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.240119.VR66.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Tango und Umsatzsteuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die bei einem Tangotanzkurs erbrachten Leistungen sind nur umsatzsteuerfrei, wenn es der Kurs zumindest einzelnen Teilnehmern erm&ouml;glicht, die vermittelten Kenntnisse und F&auml;higkeiten durch Vertiefung und Fortentwicklung auch beruflich zu nutzen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 8. November 2017&nbsp;&nbsp;5 K 5108\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist insbesondere als Tanzlehrerin t&auml;tig. Dabei erteilte sie im Streitjahr 2012 Tangounterricht an einer Volkshochschule und als Privatlehrerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ging im Umsatzsteuerjahresbescheid 2012 vom 22.&nbsp;Oktober 2014 davon aus, dass die Kl&auml;gerin mit dem von ihr erteilten Tangounterricht keine steuerfreien Leistungen erbracht habe. Eine Steuerfreiheit nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) komme nicht in Betracht. Der hiergegen eingelegte Einspruch, mit dem die Kl&auml;gerin geltend machte, dass ihre Leistungen nach dem Unionsrecht steuerfrei seien, hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber gab das Finanzgericht (FG) der Klage statt. Nach seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 691 ver&ouml;ffentlichten Urteil kann sich eine Privatlehrerin, die fachlich hinreichend bef&auml;higt ist, Tanzunterricht zu erteilen, der nicht lediglich den Charakter einer Freizeitbesch&auml;ftigung aufweist, hinsichtlich ihrer erbrachten Unterrichtsleistungen unmittelbar auf die Steuerbefreiung des Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;j der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) berufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision. Die Kurse dienten der Freizeitgestaltung und seien daher auch nach dem Unionsrecht ebenso wie nach dem nationalem Recht nicht steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihre Leistungen seien bereits nach nationalem Recht steuerfrei, wie sich aus einer ihr w&auml;hrend des Revisionsverfahrens von der Volkshochschule erteilten Bescheinigung ergebe. Diese Bescheinigung verweise auch auf eine der Volkshochschule erteilte Bescheinigung. Die Volkshochschulen sicherten die Grundversorgung der Weiterbildung. Angebote zur Freizeitgestaltung geh&ouml;rten nicht zum gesetzlichen Auftrag der Volkshochschulen. Tango Argentino sei als Weltkulturerbe anerkannt. Es gehe nicht um freies Tanzen. Der Begriff der Freizeitgestaltung sei eng auszulegen. Sie selbst habe ihre Ausbildung als Tanzlehrerin in derartigen Kursen angefangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Klage abzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat die rechtlichen Ma&szlig;st&auml;be verkannt, die an den steuerfreien Schulunterricht zu stellen sind, den ein Privatlehrer nach der Richtlinie steuerfrei erteilen kann. Da auch keine anderen Befreiungstatbest&auml;nde eingreifen, sind die Leistungen der Kl&auml;gerin bei der Erteilung von Tangounterricht steuerpflichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Leistungen der Kl&auml;gerin sind nicht als Unterricht einer Privatlehrerin steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Steuerfrei ist nach Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;j MwStSystRL (zuvor Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;j der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG (Richtlinie 77\/388\/EWG) der von Privatlehrern erteilte Schul- und Hochschulunterricht. Aufgrund von Unterschieden in den Sprachfassungen dieser Bestimmung ist diese Regelung dahingehend auszulegen, dass steuerfrei die Unterrichtseinheiten sind, die sich auf Schul- und Hochschulunterricht beziehen (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; Eulitz vom 28.&nbsp;Januar 2010 C-473\/08, EU:C:2010:47, Rz&nbsp;21&nbsp;ff.). Die Steuerfreiheit umfasst T&auml;tigkeiten, bei denen die Unterweisung in Schulen und Hochschulen erteilt wird, um die Kenntnisse und F&auml;higkeiten der Sch&uuml;ler oder Studierenden zu entwickeln, sofern diese T&auml;tigkeiten nicht den Charakter blo&szlig;er Freizeitgestaltung haben (EuGH-Urteil Eulitz, EU:C:2010:47, Rz&nbsp;29, unter Bezugnahme auf das EuGH-Urteil Haderer vom 14.&nbsp;Juni 2007 C-445\/05, EU:C:2007:344, Rz&nbsp;26). Die Steuerfreiheit bezieht sich damit auf jegliche Aus- und Fortbildung, die nicht den Charakter blo&szlig;er Freizeitgestaltung hat (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2014 V&nbsp;R&nbsp;3\/13, BFHE 245, 391, unter II.2.c&nbsp;bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) F&uuml;r die somit bei Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;j MwStSystRL ma&szlig;gebliche Abgrenzung zur blo&szlig;en Freizeitgestaltung ist auch die zu Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i MwStSystRL (zuvor Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i der Richtlinie 77\/388\/EWG) ergangene Rechtsprechung zu ber&uuml;cksichtigen. Anhaltspunkte f&uuml;r die Annahme reiner Freizeitgestaltungen k&ouml;nnen sich daher z.B. aus dem Teilnehmerkreis oder aus der thematischen Zielsetzung eines Kurses ergeben. Zu Kursen, die von ihrer Zielsetzung auf reine Freizeitgestaltung gerichtet sind, geh&ouml;ren insbesondere Kurse, die sich allgemein an am Tanz interessierte Menschen richten. Erm&ouml;glicht ein Kurs demgegen&uuml;ber einem Teilnehmer, die vermittelten Kenntnisse und F&auml;higkeiten durch Vertiefung und Fortentwicklung sp&auml;ter beruflich zu nutzen, gen&uuml;gt dies f&uuml;r die Steuerfreiheit selbst dann, wenn hiervon nur wenige Teilnehmer Gebrauch machen (BFH-Urteil vom 24.&nbsp;Januar 2008 V&nbsp;R&nbsp;3\/05, BFHE 221, 302, BStBl II 2012, 267, unter II.2.c&nbsp;aa, zur Abgrenzung zwischen dem steuerfreien Unterricht zur nicht steuerfreien Freizeitgestaltung im Rahmen von Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;A Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i der Richtlinie 77\/388\/EWG bei einem Ballettstudio, bei dem durchschnittlich zwei von hundert Ballettsch&uuml;lern die Aufnahmepr&uuml;fung an der staatlichen Musikhochschule ablegten und eine weitere Berufsausbildung anstrebten; ebenso nachfolgend BFH-Urteil vom 28.&nbsp;Mai 2013 XI&nbsp;R&nbsp;35\/11, BFHE 242, 250, BStBl II 2013, 879, zu einer Kampfsportschule).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Frage, ob es sich danach um steuerfreien Unterricht oder um eine steuerpflichtige Unterweisung zur blo&szlig;en Freizeitgestaltung durch einen Privatlehrer handelt, ist schlie&szlig;lich auch das Gemeinwohlinteresse an der durch den Privatlehrer ausge&uuml;bten T&auml;tigkeit zu ber&uuml;cksichtigen. So kann ein besonders hohes Gemeinwohlinteresse wie es z.B. an der Erlernung der F&auml;higkeit, schwimmen zu k&ouml;nnen, bestehen, das die Annahme einer steuerfreien Unterrichtsleistung durch einen Privatlehrer rechtfertigt (BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Juni 2014 V&nbsp;R&nbsp;19\/13, BFHE 245, 433, unter II.2.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Streitfall hat das FG den Begriff des von Privatlehrern steuerfrei zu erteilenden Unterrichts in seiner Abgrenzung zum steuerpflichtigen Unterricht zur Freizeitgestaltung verkannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG hat die Annahme, dass den Leistungen der Kl&auml;gerin im Streitfall kein Freizeitcharakter zukommt, mit der blo&szlig;en Erw&auml;gung begr&uuml;ndet, Tanzen sei allgemein in den Lehrpl&auml;nen allgemeinbildender Schulen in den Unterrichtsf&auml;chern Musik, Darstellendes Spiel und Sport fest verankert und der Tangotanz fester Bestandteil des Hochschulsports. Damit setzt sich das FG in Widerspruch zum Senatsurteil in BFHE 221, 302, BStBl II 2012, 267. Danach ist &uuml;ber die Steuerfreiheit unter Ber&uuml;cksichtigung der Umst&auml;nde des Einzelfalles nach Ma&szlig;gabe des Teilnehmerkreises und der thematischen Zielsetzung des jeweiligen Kurses zu entscheiden. Hiermit nicht vereinbar ist eine abstrakt-generelle Betrachtung nach dem Kriterium, ob Ballett- oder wie im Streitfall Tangounterricht zum Bestandteil der Lehrpl&auml;ne allgemeinbildender Schulen in bestimmten Unterrichtsf&auml;chern des Hochschulsports geh&ouml;rt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie der Senat zudem entschieden hat, geh&ouml;ren zu den nach ihrer Zielsetzung auf reine Freizeitgestaltung gerichteten Kursen insbesondere die Kurse, die sich allgemein an am Tanz interessierte Menschen richten. Dies gilt ebenso f&uuml;r Tangotanzkurse. Steuerfrei sind die bei einem Tangotanzkurs erbrachten Leistungen daher nach der Rechtsprechung des Senats nur, wenn es der Kurs zumindest einzelnen Teilnehmern erm&ouml;glicht, die vermittelten Kenntnisse und F&auml;higkeiten durch Vertiefung und Fortentwicklung auch beruflich zu nutzen. Dies trifft nach den Verh&auml;ltnissen des Streitfalls auf die von der Kl&auml;gerin erbrachten Leistungen nicht zu. Es reicht entgegen dem FG-Urteil insoweit nicht aus, dass das Kursangebot der Kl&auml;gerin aufeinander aufgebaut war und es erm&ouml;glicht habe, Fertigkeiten kontinuierlich zu vervollkommnen. Dabei ist es auch ohne Bedeutung, ob es sich um eher einfache Standardt&auml;nze oder mit dem von der Kl&auml;gerin unterrichteten Tango Argentino um eine anspruchsvolle &#8211;und dem Balletttanz eher vergleichbare&#8211; Form des Tanzes handelt. Schlie&szlig;lich kommt nach dem Senatsurteil in BFHE 221, 302, BStBl II 2012, 267 eine Steuerfreiheit im Hinblick auf eine k&uuml;nftige Berufsausbildung nur in Betracht, wenn wie in dem damals vom erkennenden Senat entschiedenen Fall f&uuml;r Kursteilnehmer tats&auml;chlich eine realistische M&ouml;glichkeit besteht, die so erlangten Kenntnisse sp&auml;ter f&uuml;r eine berufliche T&auml;tigkeit zu nutzen. Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin reicht eine rein theoretische M&ouml;glichkeit hierf&uuml;r nicht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Im &Uuml;brigen rechtfertigt auch das vom FG f&uuml;r den Tangounterricht angef&uuml;hrte Gemeinwohlinteresse keine andere Beurteilung. Die Steuerfreiheit von Unterrichtsleistungen kommt hier nur aufgrund eines besonderen und elementaren Gemeinwohlinteresses in Betracht, wie es an der Erteilung von Schwimmunterricht besteht (Senatsurteil in BFHE 245, 433; zum Gemeinwohlinteresse an der Ausbildung von Fahrsch&uuml;lern zu sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Verkehrsteilnehmern vgl. BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2017 V&nbsp;R&nbsp;38\/16, BFHE 258, 167, BStBl II 2017, 1017). Der Tangotanz steht dem nicht gleich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Es greifen auch keine anderen Befreiungstatbest&auml;nde ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wie das FG insoweit zutreffend entschieden hat, kommt eine Steuerfreiheit nach nationalem Recht nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;a UStG sind steuerfrei die unmittelbar dem Schul- und Bildungszweck dienenden Leistungen privater Schulen und anderer allgemeinbildender oder berufsbildender Einrichtungen, wenn sie als Ersatzschulen gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes staatlich genehmigt oder nach Landesrecht erlaubt sind (Doppelbuchst.&nbsp;aa) oder wenn die zust&auml;ndige Landesbeh&ouml;rde bescheinigt, dass sie auf einen Beruf oder eine vor einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts abzulegende Pr&uuml;fung ordnungsgem&auml;&szlig; vorbereiten (Doppelbuchst.&nbsp;bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall liegen diese Voraussetzungen nicht vor. Die Kl&auml;gerin ist weder als Ersatzschule staatlich genehmigt noch nach Landesrecht erlaubt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Steuerfreiheit ergibt sich auch nicht im Hinblick auf die von der Kl&auml;gerin im Revisionsverfahren nachgereichte Bescheinigung aus &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b Doppelbuchst.&nbsp;bb UStG. Unabh&auml;ngig davon, dass neuer Tatsachenvortrag im Revisionsverfahren ohnehin nicht ber&uuml;cksichtigungsf&auml;hig ist, ergibt sich aus dieser Bescheinigung nur das Vorliegen von Kursen, die dem Schul- und Bildungszweck i.S. des lebenslangen Lernens dienen, nicht aber das Vorliegen von Kursen, die, wie nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;b Doppelbuchst.&nbsp;bb UStG i.V.m. &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;21 Buchst.&nbsp;a Doppelbuchst.&nbsp;bb UStG, auf einen Beruf oder eine vor einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts abzulegende Pr&uuml;fung ordnungsgem&auml;&szlig; vorbereiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;22 Buchst.&nbsp;a UStG sind steuerfrei die Vortr&auml;ge, Kurse und anderen Veranstaltungen wissenschaftlicher oder belehrender Art, die von juristischen Personen des &ouml;ffentlichen Rechts, von Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien, von Volkshochschulen oder von Einrichtungen, die gemeinn&uuml;tzigen Zwecken oder dem Zweck eines Berufsverbandes dienen, durchgef&uuml;hrt werden, wenn die Einnahmen &uuml;berwiegend zur Deckung der Kosten verwendet werden. Steuerfrei sind auch andere kulturelle und sportliche Veranstaltungen, die von den in Buchst.&nbsp;a genannten Unternehmern durchgef&uuml;hrt werden, soweit das Entgelt in Teilnehmergeb&uuml;hren besteht (&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;22 Buchst.&nbsp;b UStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall liegen diese Voraussetzungen nicht vor, da die Kl&auml;gerin als Einzelunternehmer die nach dem eindeutigen Wortlaut von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;22 Buchst.&nbsp;a und b UStG erforderlichen unternehmerbezogenen Voraussetzungen nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Steuerfreiheit ergibt sich auch nicht aus Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i MwStSystRL. Steuerfrei sind danach die &quot;Erziehung von Kindern und Jugendlichen, Schul- und Hochschulunterricht, Aus- und Fortbildung sowie berufliche Umschulung und damit eng verbundene Dienstleistungen und Lieferungen von Gegenst&auml;nden durch Einrichtungen des &ouml;ffentlichen Rechts, die mit solchen Aufgaben betraut sind, oder andere Einrichtungen mit von dem betreffenden Mitgliedstaat anerkannter vergleichbarer Zielsetzung&quot;. Insoweit fehlt es im Streitfall an der personenbezogenen Voraussetzung der &quot;anerkannten Einrichtung&quot;. Eine Anerkennung ergibt sich im Streitfall auch nicht aus einem besonderen Gemeinwohlinteresse an der T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.1.2019, V R 66\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.240119.VR66.17.0 Tango und Umsatzsteuer Leits&auml;tze NV: Die bei einem Tangotanzkurs erbrachten Leistungen sind nur umsatzsteuerfrei, wenn es der Kurs zumindest einzelnen Teilnehmern erm&ouml;glicht, die vermittelten Kenntnisse und F&auml;higkeiten durch Vertiefung und Fortentwicklung auch beruflich zu nutzen. 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