{"id":70601,"date":"2019-04-13T17:27:35","date_gmt":"2019-04-13T15:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70601"},"modified":"2019-04-13T17:27:35","modified_gmt":"2019-04-13T15:27:35","slug":"x-r-25-18-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-bei-versaeumung-der-revisionsbegruendungsfrist-durch-finanzbehoerde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-25-18-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-bei-versaeumung-der-revisionsbegruendungsfrist-durch-finanzbehoerde\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;25\/18 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist durch Finanzbeh&ouml;rde"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.2.2019, X R 25\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.260219.XR25.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist durch Finanzbeh&ouml;rde<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Wurde die Frist zur Revisionsbegr&uuml;ndung ma&szlig;geblich durch eigenes Verschulden des zust&auml;ndigen Sachgebietsleiters vers&auml;umt, kommt es auf ein m&ouml;gliches (zus&auml;tzliches) B&uuml;roversehen des Sachbearbeiters der Rechtsbehelfsstelle bzw. des Mitarbeiters der Poststelle nicht mehr an.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 10. Juli 2018&nbsp;&nbsp;10 K 1964\/17 E wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) war f&uuml;r seine gegen das Urteil des Finanzgerichts eingelegte Revision antragsgem&auml;&szlig; eine verl&auml;ngerte Begr&uuml;ndungsfrist bis zum 19.&nbsp;November 2018 gew&auml;hrt worden. Die Revisionsbegr&uuml;ndung ging am 20.&nbsp;November 2018 beim Bundesfinanzhof (BFH) ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung seines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beruft sich das FA auf ein entschuldbares B&uuml;roversehen. Die f&uuml;r die Rechtsbehelfsstelle zust&auml;ndige Sachgebietsleiterin (X) habe pers&ouml;nlich den Revisionsbegr&uuml;ndungsschriftsatz am 16.&nbsp;November 2018 (Freitag) noch vor 16:00&nbsp;Uhr versandfertig in eine rote Umlaufmappe in der Gesch&auml;ftsstelle gelegt. Eine Dienstanweisung regele, dass die in dieser Mappe gesammelten Schreiben taggleich bei Dienstschluss von Mitarbeitern des B&uuml;roservices in einen Briefkasten zu werfen seien. Tats&auml;chlich sei der Schriftsatz aber &#8211;ohne dass sich die Gr&uuml;nde hierf&uuml;r h&auml;tten aufkl&auml;ren lassen&#8211; erst am 19.&nbsp;November 2018 zur Post aufgegeben worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenfalls in den Nachmittagsstunden des 16.&nbsp;November 2018 habe X den Schriftsatz vorab per Telefax versandt (versenden wollen), hierbei allerdings eine unzutreffende Nummer gew&auml;hlt. Den Sendebericht, der den Vermerk &quot;Keine Verbindung&quot; enth&auml;lt, habe X erst gegen 18:30&nbsp;Uhr &#8211;kurz vor Verlassen des Dienst-geb&auml;udes&#8211; in Empfang nehmen k&ouml;nnen und zur Akte in ihr B&uuml;ro gelegt. In der Eile habe sie es vers&auml;umt, den Bericht zu lesen, sei aber davon ausgegangen, das Telefax erfolgreich versandt zu haben. X, die ab dem 19.&nbsp;November 2018 f&uuml;r eine Woche auf dienstlicher Fortbildung war, habe darauf vertraut, dass am Tag des Fristablaufs durch ihre Vertretung eine &Uuml;berpr&uuml;fung des fristwahrenden Schriftsatzeingangs erfolge. In der Rechtsbehelfsstelle werde f&uuml;r Verfahren vor dem BFH eine &Uuml;bersicht gef&uuml;hrt, f&uuml;r die die dienstliche Anordnung bestehe, dass der zust&auml;ndige Sachbearbeiter am Tag des Fristablaufs einen Sendungs- bzw. Schriftsatzeingang &uuml;berpr&uuml;fe, sodann einen Erledigungsvermerk verfasse und schlie&szlig;lich die Frist austrage. X selbst habe am 16.&nbsp;November 2018 weder die Erledigung vermerkt noch die Frist aus der &Uuml;bersicht ausgetragen. Auch der zust&auml;ndige Sachbearbeiter der Rechtsbehelfsstelle (Z) habe die erforderliche &Uuml;berpr&uuml;fung nicht vorgenommen. Aufgrund einer von X noch am 16.&nbsp;November 2018 in der Mittagszeit verfassten E-Mail, die Revisionsbegr&uuml;ndung werde &quot;heute noch rausgehen&quot;, sei Z von einem taggleichen Post- und Faxversand ausgegangen. Zudem habe er keine Kenntnis vom missgl&uuml;ckten Telefaxversand gehabt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sowohl Z als auch die Sachbearbeiter der Poststelle des FA seien zuverl&auml;ssig und erf&uuml;llten die ihnen zugewiesenen Aufgaben stets gewissenhaft und gr&uuml;ndlich. Sie seien sorgf&auml;ltig ausgew&auml;hlt und bereits seit Jahren in den jeweiligen Stellen eingesetzt. Die Postausgangskontrolle f&uuml;r an den BFH gerichtete Schreiben sei in der Vergangenheit nach Ma&szlig;gabe der Dienstanordnung ohne Beanstandung geblieben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte tritt dem Wiedereinsetzungsantrag entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unzul&auml;ssig und gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) durch Beschluss zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FA hat die Frist zur Begr&uuml;ndung der Revision vers&auml;umt. Die Revision ist grunds&auml;tzlich innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils zu begr&uuml;nden (&sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 FGO). Die Frist kann &#8211;wie vorliegend geschehen&#8211; auf einen vor ihrem Ablauf gestellten Antrag verl&auml;ngert werden (&sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revisionsbegr&uuml;ndung ging erst am 20.&nbsp;November 2018 &#8211;mithin nach Fristablauf am 19.&nbsp;November 2018&#8211; beim BFH ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO auf Antrag gew&auml;hrt werden, wenn jemand ohne Verschulden verhindert war, eine gesetzliche Frist einzuhalten. Hiernach schlie&szlig;t jedes Verschulden &#8211;also auch einfache Fahrl&auml;ssigkeit&#8211; die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der Beurteilung, ob eine Beh&ouml;rde sich die Vers&auml;umung einer gesetzlichen Frist als schuldhaft anrechnen lassen muss, gelten die gleichen Ma&szlig;st&auml;be, wie sie die Rechtsprechung f&uuml;r das Verschulden von Angeh&ouml;rigen der rechts- und steuerberatenden Berufe entwickelt hat (vgl. BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Mai 2018 XI&nbsp;R&nbsp;22\/17, BFH\/NV 2018, 961, Rz&nbsp;15, m.w.N.). Dementsprechend ist das Verschulden eines gesetzlichen Vertreters bzw. Bevollm&auml;chtigten der Beh&ouml;rde nach &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1&nbsp;FGO i.V.m. &sect;&nbsp;51 Abs.&nbsp;2 bzw. &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung (ZPO) zuzurechnen (vgl. BFH-Beschluss vom 6.&nbsp;November 2012 VIII&nbsp;R&nbsp;40\/10, BFH\/NV&nbsp;2013, 397, Rz&nbsp;7). Eine solche Zurechnung findet dagegen nicht statt, wenn die Frist durch das Verschulden eines Mitarbeiters ohne Entscheidungsbefugnis vers&auml;umt wurde und die Beh&ouml;rde sich insoweit weder mangelnde Organisationsprozesse noch ein Auswahl-, Anweisungs- oder &Uuml;berwachungsverschulden jenes Mitarbeiters vorwerfen lassen muss (vgl. hierzu BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;September 2005 VII&nbsp;R&nbsp;10\/05, BFHE 210, 227, BStBl II 2005, 880).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Tatsachen zur Begr&uuml;ndung des Wiedereinsetzungsantrags m&uuml;ssen innerhalb der in &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO bestimmten Frist vollst&auml;ndig, substantiiert und in sich schl&uuml;ssig dargelegt werden. Sie m&uuml;ssen ferner bei der Antragstellung oder im Verfahren &uuml;ber den Antrag gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO glaubhaft gemacht werden (BFH-Beschluss vom 28.&nbsp;Juli 2015 II&nbsp;B&nbsp;150\/14, BFH\/NV 2015, 1434, Rz&nbsp;9, m.w.N.), und zwar durch pr&auml;sente Beweismittel i.S. von &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;294 Abs.&nbsp;2 ZPO (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;September 2014 VI&nbsp;R&nbsp;68\/13, BFH\/NV 2015, 47, Rz&nbsp;15).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen hat das FA die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist &#8211;eine gesetzliche Frist&#8211; schuldhaft vers&auml;umt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Fristvers&auml;umnis wurde ma&szlig;geblich durch die zust&auml;ndige Sachgebietsleiterin X &#8211;einer Bevollm&auml;chtigten des FA&#8211; selbst verursacht. Deren Verschulden hat sich das FA zurechnen zu lassen (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 210, 227, BStBl II 2005, 880).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Kausal f&uuml;r den nicht fristgerechten Eingang der Revisions-begr&uuml;ndung beim BFH war zum einen der Eingabefehler der X am Telefaxger&auml;t. Sowohl in Anbetracht der Bedeutung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist als auch des bereits nahenden Fristendes war insoweit besondere Sorgfalt zu beachten. Der Eingabefehler war zudem bereits deshalb vermeidbar, da die zutreffende Telefaxnummer auf der ersten Seite des Schriftsatzes vom 16.&nbsp;November 2018 aufgebracht war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Zum anderen hat X ihre Sorgfaltspflichten insoweit nicht beachtet, als sie es unterlie&szlig;, den Inhalt des Telefax-Sendeberichts zu &uuml;berpr&uuml;fen. Ohne nennenswerten Aufwand, n&auml;mlich nur durch einen fl&uuml;chtigen Blick, w&auml;re es X m&ouml;glich gewesen, dem lediglich wenige Druckzeilen umfassenden Bericht zu entnehmen, dass der beabsichtigte Telefaxversand missgl&uuml;ckt war (&quot;Keine Verbindung&quot;). Eine solche &Uuml;berpr&uuml;fung war X &#8211;selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der vom FA angef&uuml;hrten fortgeschrittenen Dienstzeit und Eile&#8211; auch deshalb zuzumuten, da der vom Telefaxger&auml;t des Absenders ausgedruckte Sendebericht bei entsprechender Statusmeldung die ordnungsgem&auml;&szlig;e &Uuml;bermittlung des Schriftst&uuml;cks belegt (BFH-Beschluss vom 20.&nbsp;Mai 2015 XI&nbsp;R&nbsp;48\/13, BFH\/NV 2015, 1263, Rz&nbsp;22, m.w.N.). Im Falle ordnungsgem&auml;&szlig;er Erf&uuml;llung ihrer Sorgfaltspflichten w&auml;re die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist aller Voraussicht nach nicht vers&auml;umt worden. Denn X w&auml;re hierdurch veranlasst worden, den Schriftsatz erneut abzusenden bzw. ihre Stellvertretung und\/oder den Rechtsbehelfsstellen-Sachbearbeiter Z &uuml;ber den gescheiterten Versand des Telefaxes unverz&uuml;glich in Kenntnis zu setzen. Die fortbildungsbedingte Abwesenheit ab 19.&nbsp;November 2018 konnte diese Informationspflicht sowohl mit Blick auf die Bedeutung der Frist nach &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;2&nbsp;FGO als auch insbesondere wegen der Bevollm&auml;chtigtenstellung von X nicht suspendieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Wenn das FA weiter anf&uuml;hrt, der Sachbearbeiter Z habe sich auch infolge der Unkenntnis &uuml;ber den misslungenen Versand am 19.&nbsp;November 2018 nicht zu einer erneuten Telefax&uuml;bermittlung veranlasst gesehen, legt dieses Vorbringen zumindest nahe, dass ihm die f&uuml;r den Rechtsstreit gef&uuml;hrte Akte am Tag des Fristablaufs nicht zur Verf&uuml;gung stand. Zu eben jener Akte will X den von ihr ungepr&uuml;ften Sendebericht gelegt haben. Gerade weil X in der Fristen&uuml;bersicht der Rechtsbehelfsstelle weder einen Erledigungsvermerk angebracht noch die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist ausgetragen, sondern dies ihrer Stellvertretung bzw. &#8211;der Dienstordnung entsprechend&#8211; Z &uuml;berlassen hat, w&auml;re es dringend geboten gewesen, dem hierf&uuml;r Verantwortlichen die Akte zur Verf&uuml;gung zu stellen. Dass X dies veranlasst hat, kann dem Wiedereinsetzungsantrag nicht entnommen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unerheblich ist die Behauptung des FA, der Sachbearbeiter der Rechtsbehelfsstelle Z habe am 19.&nbsp;November 2018 die Fristwahrung der Revisionsbegr&uuml;ndung nicht mehr &uuml;berpr&uuml;ft. Zwar ist das Verschulden eines Sachbearbeiters der Finanzbeh&ouml;rde grunds&auml;tzlich nicht zuzurechnen, da dieser weder gesetzlicher Vertreter noch Bevollm&auml;chtigter ist (BFH-Beschluss vom 12.&nbsp;Mai 1992 VII&nbsp;R&nbsp;38\/91, BFH\/NV 1993, 6, unter II.1.; vgl. auch Bruns in Gosch, FGO &sect;&nbsp;56 Rz&nbsp;16). Allerdings kann sich die Beh&ouml;rde hierauf nicht berufen, wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; die Fristvers&auml;umung ma&szlig;geblich auf ein Verschulden des zust&auml;ndigen Sachgebietsleiters zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. Dar&uuml;ber hinaus hat das FA sein &#8211;knappes&#8211; Vorbringen hierzu nicht ansatzweise glaubhaft gemacht. Weder hat es die zur Postausgangskontrolle f&uuml;r Verfahren vor dem BFH geltende Dienstanordnung vorgelegt, noch wurde die behauptete S&auml;umnis des Z durch eidesstattliche Versicherungen von X und insbesondere Z belegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Aus denselben Erw&auml;gungen kann auch das weitere Vorbringen, die Mitarbeiter der Poststelle (&quot;B&uuml;roservice&quot;) h&auml;tten vers&auml;umt, das von X vorbereitete und kuvertierte Schreiben an den BFH noch am 16.&nbsp;November 2018 zur Post aufzugeben, das FA nicht entlasten. Unabh&auml;ngig hiervon fehlt es insoweit auch an einem vollst&auml;ndigen, substantiierten und in sich schl&uuml;ssigen Vortrag zu den n&auml;heren Organisationsabl&auml;ufen. Ebenso hat das FA keine Gr&uuml;nde dargetan, die f&uuml;r eine nicht taggleiche Postaufgabe der Revisionsbegr&uuml;ndung verantwortlich waren bzw. zumindest h&auml;tten sein k&ouml;nnen. Schlie&szlig;lich hat das FA auch insoweit sein Vorbringen nicht durch pr&auml;sente Beweismittel glaubhaft gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FA hat schlie&szlig;lich nicht dargelegt, welche organisatorischen Ma&szlig;nahmen die f&uuml;r X gesch&auml;ftsplanm&auml;&szlig;ig zust&auml;ndige Stellvertretung in der Leitung des Sachgebiets am 19.&nbsp;November 2018 ergriffen haben will, um den fristgerechten Eingang der Revisionsbegr&uuml;ndung beim BFH zu &uuml;berpr&uuml;fen. Sollte es sich hierbei &#8211;wie der E-Mail der X vom 16.&nbsp;November 2018 zu entnehmen sein k&ouml;nnte&#8211; um Y (SG&nbsp;6) gehandelt haben, war diese ausweislich des Inhalts jener E-Mail zumindest &uuml;ber das grunds&auml;tzliche Fristwahrungserfordernis in Kenntnis gesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.2.2019, X R 25\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.260219.XR25.18.0 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bei Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist durch Finanzbeh&ouml;rde Leits&auml;tze NV: Wurde die Frist zur Revisionsbegr&uuml;ndung ma&szlig;geblich durch eigenes Verschulden des zust&auml;ndigen Sachgebietsleiters vers&auml;umt, kommt es auf ein m&ouml;gliches (zus&auml;tzliches) B&uuml;roversehen des Sachbearbeiters der Rechtsbehelfsstelle bzw. des Mitarbeiters der Poststelle nicht mehr an. 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