{"id":70643,"date":"2019-04-28T18:50:32","date_gmt":"2019-04-28T16:50:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70643"},"modified":"2019-04-28T18:50:32","modified_gmt":"2019-04-28T16:50:32","slug":"ii-b-83-18-staffeltarif-in-der-erbschaftsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-b-83-18-staffeltarif-in-der-erbschaftsteuer\/","title":{"rendered":"II&nbsp;B&nbsp;83\/18 &#8211; Staffeltarif in der Erbschaftsteuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.2.2019, II B 83\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.200219.IIB83.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Staffeltarif in der Erbschaftsteuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Die Prozenttarife der Erbschaftsteuer sind auf den gesamten Erwerb anzusetzen. Eine Aufspaltung des steuerpflichtigen Erwerbs in Teilbetr&auml;ge mit unterschiedlichen Steuertarifen findet nicht statt.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Der H&auml;rteausgleich kompensiert Nachteile durch Progressionsspr&uuml;nge abschlie&szlig;end.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 18. Juli 2018&nbsp;&nbsp;7 K 1351\/18 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) erhielt im Wege der Schenkung am 13.&nbsp;Juli 2015 von seinem Vater einen Miteigentumsanteil an zwei Grundst&uuml;cken. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) setzte unter Ber&uuml;cksichtigung eines Vorerwerbs bei einer Bemessungsgrundlage von insgesamt 246.800&nbsp;EUR Schenkungsteuer in H&ouml;he von 27.148&nbsp;EUR fest. Dies entspricht einem Steuersatz von 11&nbsp;% nach der Tabelle in &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Einspruch und Klage begehrte der Kl&auml;ger, in Anlehnung an das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 19.&nbsp;Januar 2017 VI&nbsp;R&nbsp;75\/14 (BFHE 256, 339, BStBl II 2017, 684) die Steuer in der Weise zu berechnen, dass f&uuml;r einen Teilbetrag von 75.000&nbsp;EUR ein Steuersatz von 7&nbsp;% und nur f&uuml;r den &uuml;bersteigenden Teilbetrag von 171.800&nbsp;EUR der Steuersatz von 11&nbsp;% zur Anwendung komme. Insgesamt ergebe sich so eine Schenkungsteuer von 24.148&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die &Uuml;bertragung der in dem BFH-Urteil in BFHE 256, 339, BStBl II 2017, 684 er&ouml;rterten Grunds&auml;tze abgelehnt und die Klage abgewiesen. Progressionsspr&uuml;nge abzumildern &uuml;bernehme f&uuml;r die Erbschaft- und Schenkungsteuer bereits der H&auml;rteausgleich nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 ErbStG. Das Urteil ist ver&ouml;ffentlicht in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 1721.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision macht der Kl&auml;ger geltend, der Vollmengenstaffeltarif, so wie das FG &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG verstehe, sei unter verfassungsrechtlichen Aspekten entsprechend der Rechtsprechung des VI.&nbsp;Senats des BFH zu den au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastungen nach &sect;&nbsp;33 des Einkommensteuergesetzes (EStG) durch einen additiven Teilmengentarif zu ersetzen, in dem der jeweils h&ouml;here Tarif nur f&uuml;r den die jeweils vorhergehende Tarifgrenze &uuml;bersteigenden Teil der Bemessungsgrundlage Anwendung finde. Die Anwendung des jeweils n&auml;chsth&ouml;heren Steuersatzes f&uuml;hre zu Belastungsspr&uuml;ngen, die mit Art.&nbsp;14 des Grundgesetzes nicht vereinbar seien. Er erachtet die Verfassungsfragen sowie die Frage, ob hierauf noch &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 ErbStG anwendbar ist, f&uuml;r Rechtsfragen grunds&auml;tzlicher Bedeutung i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die aufgeworfene Rechtsfrage ist nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, denn sie ist offensichtlich so zu entscheiden, wie es das FG getan hat. Die Rechtslage ist eindeutig (nach st&auml;ndiger Rechtsprechung Ausschlusskriterium betreffend &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO, vgl. etwa BFH-Beschluss vom 27.&nbsp;Februar 2018 I&nbsp;B&nbsp;37\/17, BFH\/NV 2018, 841, Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach Lage des Gesetzes ist die Aufspaltung des steuerpflichtigen Erwerbs in Teilbetr&auml;ge mit unterschiedlichen Steuertarifen ausgeschlossen. Die Erw&auml;gungen des BFH im Urteil in BFHE 256, 339, BStBl II 2017, 684 sind auf den Tarif des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG nicht anwendbar. Ob der Wortlaut des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG &uuml;berhaupt eine Berechnung zul&auml;sst, wie sie mittlerweile bei &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;3 EStG praktiziert wird, kann offen bleiben. Der H&auml;rteausgleich nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 ErbStG schlie&szlig;t eine solche Herangehensweise f&uuml;r die Erbschaft- und Schenkungsteuer aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Mit der Berechnungsweise des Kl&auml;gers betr&uuml;ge der Steuersatz nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG in der Steuerklasse&nbsp;I bei gr&ouml;&szlig;eren Erwerben f&uuml;r die ersten 75.000&nbsp;EUR stets 7&nbsp;%, f&uuml;r den &uuml;bersteigenden Betrag bis 300.000&nbsp;EUR sodann 11&nbsp;%, f&uuml;r den diesen &uuml;bersteigenden Betrag bis 600.000&nbsp;EUR sodann 15&nbsp;% etc. F&uuml;r die anderen Steuerklassen gilt Entsprechendes. Das bedeutet, dass die Steuerbelastung des einzelnen Euro niemals h&ouml;her sein k&ouml;nnte als 30&nbsp;% (bzw. bei den anderen Steuerklassen 43&nbsp;% oder 50&nbsp;%).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 ErbStG wird der Unterschied zwischen der Steuer, die sich bei Anwendung des Absatzes&nbsp;1 ergibt, und der Steuer, die sich berechnen w&uuml;rde, wenn der Erwerb die letztvorhergehende Wertgrenze nicht &uuml;berstiegen h&auml;tte, nur insoweit erhoben, als er bei einem Steuersatz bis zu 30&nbsp;% aus der H&auml;lfte (Buchst.&nbsp;a) bzw. bei einem Steuersatz &uuml;ber 30&nbsp;% aus drei Vierteln (Buchst.&nbsp;b) des die Wertgrenze &uuml;bersteigenden Betrags gedeckt werden kann. Der Gesetzgeber hat damit das Problem des Progressionssprungs, das der BFH mit seinem Urteil in BFHE 256, 339, BStBl II 2017, 684 zu beheben gesucht hat, gesehen und spezialgesetzlich geregelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) W&auml;re die Berechnungsweise des Kl&auml;gers zutreffend, liefe &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 ErbStG leer. Die darin angelegte Deckelung der Steuer auf 50&nbsp;% bzw. 75&nbsp;% des die jeweilige Wertgrenze &uuml;bersteigenden Betrags k&ouml;nnte niemals erreicht werden. Eine Auslegung des Gesetzes (hier &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG), mit der eine weitere Vorschrift des Gesetzes jeglichen Anwendungsbereich verl&ouml;re, kann jedenfalls einfachrechtlich keine zutreffende Auslegung des Gesetzes sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat vermag nicht zu erkennen, dass der gesetzlich vorgesehene Tarif i.V.m. dem H&auml;rteausgleich nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;3 ErbStG verfassungswidrig w&auml;re. Hierbei ist zu bedenken, dass es sich bei der vorgenannten Begrenzung der Steuer auf 50&nbsp;% bzw. 75&nbsp;% des Erwerbs um einen Steuersatz nicht auf den gesamten Erwerb, sondern nur auf Teilbetr&auml;ge des gesamten Erwerbs handelt. Der Durchschnittssteuersatz kann niemals die in &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 ErbStG genannten Prozents&auml;tze &uuml;bersteigen. Hiergegen hegt der Senat keinerlei Bedenken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz 2 Halbsatz 2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 20.2.2019, II B 83\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.200219.IIB83.18.0 Staffeltarif in der Erbschaftsteuer Leits&auml;tze 1. NV: Die Prozenttarife der Erbschaftsteuer sind auf den gesamten Erwerb anzusetzen. Eine Aufspaltung des steuerpflichtigen Erwerbs in Teilbetr&auml;ge mit unterschiedlichen Steuertarifen findet nicht statt. 2. NV: Der H&auml;rteausgleich kompensiert Nachteile durch Progressionsspr&uuml;nge abschlie&szlig;end. 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