{"id":70646,"date":"2019-04-28T18:50:59","date_gmt":"2019-04-28T16:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70646"},"modified":"2019-04-28T18:50:59","modified_gmt":"2019-04-28T16:50:59","slug":"v-b-3-19-aussetzung-der-vollziehung-leistungsbeschreibung-bei-waren-im-niedrigpreissegment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-3-19-aussetzung-der-vollziehung-leistungsbeschreibung-bei-waren-im-niedrigpreissegment\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;3\/19 &#8211; Aussetzung der Vollziehung; Leistungsbeschreibung bei Waren im Niedrigpreissegment"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.3.2019, V B 3\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:BA.140319.VB3.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Aussetzung der Vollziehung; Leistungsbeschreibung bei Waren im Niedrigpreissegment<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ernstlich zweifelhaft ist, ob der Vorsteuerabzug aus Rechnungen im Niedrigpreissegment hinsichtlich der Leistungsbeschreibung voraussetzt, dass die Art der gelieferten Gegenst&auml;nde mit ihrer handels&uuml;blichen Bezeichnung angegeben wird oder ob insoweit die Angabe der Warengattung (&quot;Hosen&quot;, &quot;Blusen&quot;, &quot;Pulli&quot;) ausreicht.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Antragstellerin wird der Beschluss des Hessischen Finanzgerichts vom 14. Dezember 2018&nbsp;&nbsp;1 V 590\/18 aufgehoben und die Vollziehung der Umsatzsteuerbescheide 2012 und 2013 vom 5. August 2015 bis zum Ablauf eines Monats nach Zustellung einer Entscheidung im Klageverfahren ohne Sicherheitsleistung ausgesetzt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Antragsgegner zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist der Vorsteuerabzug aus Rechnungen &uuml;ber Textilien (Bekleidungsst&uuml;cke) im Niedrigpreissegment.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragstellerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Antragstellerin) war in den Streitjahren (2012 bis 2013) im Gro&szlig;handel mit Textilien und Modeaccessoires im Niedrigpreissegment t&auml;tig. Die Waren wurden jeweils in gro&szlig;en Mengen eingekauft, wobei die Preise des jeweiligen Artikels &uuml;berwiegend im unteren und mittleren einstelligen Eurobereich lagen, nur vereinzelt zwischen 10&nbsp;EUR und 12&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In ihren Umsatzsteuererkl&auml;rungen der Streitjahre machte die Antragstellerin Vorsteuerabzugsbetr&auml;ge aus Rechnungen mehrerer Firmen geltend, in denen die Artikel lediglich mit Angaben wie &quot;Tunika, Hosen, Blusen, Top, Kleider, T-Shirt, Pulli, Bolero, teilweise auch Da-Pullover (lang&auml;rmlig in 3 Farben) oder Da-Tops (lang&auml;rmlig in 4 Farben)&quot; bezeichnet waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an ein steuerstrafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die damalige Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der Antragstellerin sowie eine die Streitjahre betreffende Umsatzsteuer-Sonderpr&uuml;fung erlie&szlig; der Antragsgegner und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ge&auml;nderte Umsatzsteuerbescheide, in denen es die Vorsteuerabzugsbetr&auml;ge aus den Rechnungen nicht anerkannte. Nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhob die Antragstellerin Klage vor dem Finanzgericht (FG) und beantragte Aussetzung der Vollziehung (AdV) der streitgegenst&auml;ndlichen Umsatzsteuerbescheide.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG lehnte den Aussetzungsantrag ab. An der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der angefochtenen Umsatzsteuerbescheide best&uuml;nden keine ernstlichen Zweifel, weil die Rechnungen keine hinreichenden Leistungsbeschreibungen i.S. von &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) i.V.m. &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 UStG in der im Streitjahr geltenden Fassung enthielten. Die blo&szlig;e Angabe einer Gattung (T-Shirt, Kleider, Pulli, Tops, Hose, Jacken etc.) stelle keine &quot;handels&uuml;bliche Bezeichnung&quot; dar und gen&uuml;ge daher nicht den Anforderungen an eine ordnungsgem&auml;&szlig;e Rechnung. Das Fehlen jeglicher weiterer Umschreibungen der Artikel lasse eine eindeutige und mit begrenztem Aufwand nachpr&uuml;fbare Feststellung der Lieferungen nicht zu und k&ouml;nne (auch im Hinblick auf die im drei- und vierstelligen Bereich liegende Anzahl der aufgef&uuml;hrten Artikel) die Gefahr einer willentlichen oder unwillentlichen Mehrfachabrechnung der Leistung in einer anderen Rechnung nicht ausschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit in den Lieferscheinen zu den Rechnungen der Firma&nbsp;BJ zus&auml;tzlich Angaben zur Anzahl der Farben und zu Gr&ouml;&szlig;en der Artikel gemacht werden, stelle auch dies keine hinreichende Spezifizierung dar, die eine eindeutige und mit begrenztem Aufwand nachpr&uuml;fbare Feststellung der Lieferung zulasse. Es sei weder angegeben, welche und wie viele Artikel in welchen Farben bzw. Farbkombinationen geliefert worden seien noch, wie viele Artikel in welcher konkreten Gr&ouml;&szlig;e geliefert wurden. Dies gelte auch f&uuml;r Angaben in den Rechnungen der Firma&nbsp;S.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Mit ihrer Beschwerde, der das FG nicht abgeholfen hat, macht die Antragstellerin ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der angefochtenen Bescheide geltend und beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">den Beschluss des FG vom 14.&nbsp;Dezember 2018&nbsp;&nbsp;1&nbsp;V&nbsp;590\/18 aufzuheben und die Vollziehung der Umsatzsteuerbescheide 2012 und 2013 vom 5.&nbsp;August 2015 bis zu einer Entscheidung im Klageverfahren 1&nbsp;K&nbsp;2230\/17 ohne Sicherheitsleistung auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat sich zur Sache nicht ge&auml;u&szlig;ert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde der Antragstellerin ist begr&uuml;ndet. Die beantragte AdV ist unter Aufhebung des angefochtenen Beschlusses zu gew&auml;hren. An der Versagung des Vorsteuerabzugs aus den streitgegenst&auml;ndlichen Rechnungen bestehen ernstliche Zweifel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;3 i.V.m. &sect;&nbsp;69 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist die Vollziehung eines angefochtenen Verwaltungsaktes ganz oder teilweise auszusetzen, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Verwaltungsaktes bestehen. Ernstliche Zweifel i.S. von &sect;&nbsp;69 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO liegen bereits dann vor, wenn bei summarischer Pr&uuml;fung des angefochtenen Bescheides neben f&uuml;r seine Rechtm&auml;&szlig;igkeit sprechenden Umst&auml;nden gewichtige Gr&uuml;nde zutage treten, die Unentschiedenheit oder Unsicherheit in der Beurteilung von Rechtsfragen oder Unklarheit in der Beurteilung entscheidungserheblicher Tatfragen bewirken (st&auml;ndige Rechtsprechung seit dem Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;Februar 1967 III&nbsp;B&nbsp;9\/66, BFHE 87, 447, BStBl III 1967, 182; BFH-Beschluss vom 8.&nbsp;April 2009 I&nbsp;B&nbsp;223\/08, BFH\/NV 2009, 1437). Die Entscheidung hier&uuml;ber ergeht bei der im AdV-Verfahren gebotenen summarischen Pr&uuml;fung aufgrund des Sachverhalts, der sich aus dem Vortrag der Beteiligten und der Aktenlage ergibt (vgl. BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;September 2011 I&nbsp;B&nbsp;157\/10, BFHE 235, 215, BStBl II 2012, 590, unter II.2., m.w.N.). Zur Gew&auml;hrung der AdV ist es nicht erforderlich, dass die f&uuml;r die Rechtswidrigkeit sprechenden Gr&uuml;nde im Sinne einer Erfolgswahrscheinlichkeit &uuml;berwiegen (BFH-Beschluss in BFHE 235, 215, BStBl II 2012, 590, unter II.2.). Ernstliche Zweifel k&ouml;nnen auch bestehen, wenn die streitige Rechtsfrage h&ouml;chstrichterlich noch nicht entschieden wurde und im Schrifttum oder auch in der Rechtsprechung der FG unterschiedliche Auffassungen vertreten werden (vgl. BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;Juli 2009 II&nbsp;B&nbsp;8\/09, BFH\/NV 2009, 1845, m.w.N.; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;69 FGO Rz&nbsp;91).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG kann ein Unternehmer die gesetzlich geschuldete Umsatzsteuer f&uuml;r Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer f&uuml;r sein Unternehmen ausgef&uuml;hrt worden sind, als Vorsteuer abziehen. Die Aus&uuml;bung des Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach den &sect;&sect;&nbsp;14, 14a UStG ausgestellte Rechnung besitzt (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG). Eine Rechnung muss nach &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 Nr.&nbsp;5 UStG u.a. die &quot;Art (handels&uuml;bliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenst&auml;nde&quot; enthalten. Unionsrechtliche Grundlage dieses Rechnungserfordernisses ist Art.&nbsp;226 Nr.&nbsp;6 der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Danach m&uuml;ssen Rechnungen f&uuml;r Mehrwertsteuerzwecke die &quot;Art der gelieferten Gegenst&auml;nde&quot; enthalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall bestehen ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit der angefochtenen Bescheide.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Derartige Zweifel folgen bereits daraus, dass zu den Anforderungen an die Leistungsbeschreibung im Niedrigpreissegment noch keine h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung vorliegt und diese Frage in der Rechtsprechung der FG unterschiedlich beantwortet wird: W&auml;hrend der 5.&nbsp;Senat des FG D&uuml;sseldorf in einem nicht ver&ouml;ffentlichten Urteil vom 3.&nbsp;Juli 2017 (5&nbsp;K&nbsp;1992\/14&nbsp;U, zit. nach Haberland, Umsatzsteuer-Rundschau 2018, 342) davon ausgeht, dass bei Gro&szlig;eink&auml;ufen von Billigartikeln die Angabe der Gattung mit St&uuml;ckzahl ausreicht, vertreten der 1.&nbsp;Senat des FG D&uuml;sseldorf (Urteil vom 15.&nbsp;September 2017&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;2978\/15&nbsp;U, juris), das Hessische FG (Urteile vom 12.&nbsp;Oktober 2017&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;2402\/14, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2018, 335; vom 31.&nbsp;Juli 2017&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;323\/14, EFG 2017, 1772; vom 23.&nbsp;Juni 2015&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;1826\/12, juris) sowie das FG Hamburg (Beschluss vom 29.&nbsp;Juli 2016&nbsp;&nbsp;2&nbsp;V&nbsp;34\/16, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2017, 990; Urteil vom 30.&nbsp;September 2015&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;85\/12, juris) die Auffassung, dass im Niedrigpreissegment die blo&szlig;e Angabe einer Gattung f&uuml;r eine hinreichende Leistungsbeschreibung nicht gen&uuml;ge. Notwendig sei vielmehr eine weitergehende Umschreibung der Ware &uuml;ber die Herstellerangabe, die Eigenmarke, den Modelltyp oder unter Bezugnahme auf eine Artikel- oder Chargennummer. Zu dieser Frage ist unter dem Aktenzeichen XI&nbsp;R&nbsp;2\/18 ein Revisionsverfahren beim BFH anh&auml;ngig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ernstliche Zweifel ergeben sich dar&uuml;ber hinaus im Hinblick auf die Bedeutung und Reichweite des Senatsbeschlusses vom 29.&nbsp;November 2002 V&nbsp;B&nbsp;119\/02 (BFH\/NV 2003, 518). Danach reicht es als Leistungsbeschreibung nicht aus, wenn &uuml;ber &quot;hochpreisige&quot; Uhren und Armb&auml;nder mit Kaufpreisen von jeweils 5.000&nbsp;DM und mehr mit blo&szlig;en Gattungsbezeichnungen Angabe &quot;diverse Armbanduhren&quot; oder &quot;diverse Armb&auml;nder&quot; abgerechnet wird. Die Identifizierung der Lieferung des jeweiligen Gegenstands sei unter diesen Umst&auml;nden erst durch eine Abrechnung unter Aufzeichnung der handels&uuml;blichen Bezeichnung des Gegenstands leicht und einwandfrei m&ouml;glich, insbesondere dann, wenn in der Rechnung nicht auf bestimmte Lieferscheine Bezug genommen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob &#8211;wie die Antragstellerin im Gegensatz zum FG meint&#8211; diesem Beschluss entnommen werden kann, dass im Handel mit Waren im Niedrigpreissegment geringe Anforderungen an die Leistungsbeschreibung zu stellen sind, erscheint im Hinblick darauf kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, dass die f&uuml;r den Vorsteuerabzug erforderlichen Angaben nicht durch ihre Zahl oder ihre technische Kompliziertheit die Aus&uuml;bung des Rechts zum Vorsteuerabzug praktisch unm&ouml;glich machen oder &uuml;berm&auml;&szlig;ig erschweren d&uuml;rfen (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; Petroma Transports u.a. vom 8.&nbsp;Mai 2013 C-271\/12, EU:C:2013:297, Rz&nbsp;28, unter Hinweis auf das EuGH-Urteil Jeunehomme und EGI vom 14.&nbsp;Juli 1988 Rs.&nbsp;123, 330\/87, EU:C:1988, 408, Slg.&nbsp;1988, 4517, Rz&nbsp;17). Denn der Aufwand f&uuml;r die Konkretisierung des Leistungsgegenstands in Rechnungen k&ouml;nnte bei Gro&szlig;eink&auml;ufen verschiedener Waren und geringen St&uuml;ckpreisen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig erscheinen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ernstliche Zweifel an der Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Verwaltungsaktes k&ouml;nnen sich schlie&szlig;lich auch aus einem m&ouml;glichen Versto&szlig; des Steuergesetzes gegen eine unionsrechtliche Bestimmung ergeben (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 12.&nbsp;Dezember 2013 XI&nbsp;B&nbsp;88\/13, BFH\/NV 2014, 550; vom 30.&nbsp;November 2000 V&nbsp;B&nbsp;187\/00, BFH\/NV 2001, 657, unter II.3.; ferner Gr&auml;ber\/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;69 FGO Rz&nbsp;162, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Im Streitfall k&ouml;nnte sich ein Versto&szlig; gegen das Unionsrecht daraus ergeben, dass das nationale Recht hinsichtlich der Art des Gegenstands dessen &quot;handels&uuml;bliche Bezeichnung&quot; erfordert, w&auml;hrend das Unionsrecht sich mit der &quot;Art der gelieferten Gegenst&auml;nde&quot; begn&uuml;gt (Art.&nbsp;226 Nr.&nbsp;6 MwStSystRL; vgl. auch die englische Fassung: &quot;&#8230; nature of the goods supplied&quot; oder die franz&ouml;sische Fassung: &quot;la nature des biens livr&eacute;s&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Es ist daher kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, ob der nationale Gesetzgeber mit dem Klammerzusatz auf die handels&uuml;bliche Bezeichnung &uuml;ber die Vorgaben des Unionsrechts hinausgeht. Denn &quot;handels&uuml;blich&quot; verweist auf die (besonderen) Abrechnungsgepflogenheiten unter Kaufleuten. Diese haben die gelieferten Waren zu untersuchen und etwaige M&auml;ngel dem Verk&auml;ufer unverz&uuml;glich anzuzeigen, da die gelieferte Ware ansonsten als genehmigt gilt (&sect;&nbsp;377 Abs.&nbsp;2 des Handelsgesetzbuchs &#8211;HGB&#8211;). Die Untersuchung erfordert den jeweiligen Vergleich zwischen der konkret bestellten und der gelieferten und in Rechnung gestellten Ware. Der Verweis auf die handels&uuml;bliche Bezeichnung k&ouml;nnte somit weitere Angaben erfordern als die blo&szlig;e Angabe der Art des gelieferten Gegenstands und damit m&ouml;glicherweise dem Unionsrecht widersprechen. Nach dem EuGH-Urteil Barlis&nbsp;06 vom 15.&nbsp;September 2016 C-516\/14 (EU:C:2016:690, Rz&nbsp;25) m&uuml;ssen Rechnungen nur die in Art.&nbsp;226 genannten Angaben enthalten. Daraus folgt, dass die Mitgliedstaaten die Aus&uuml;bung des Rechts auf Vorsteuerabzug nicht nach eigenem Gutd&uuml;nken von der Erf&uuml;llung von Voraussetzungen abh&auml;ngig machen d&uuml;rfen, die in Art.&nbsp;226 MwStSystRL nicht ausdr&uuml;cklich vorgesehen sind. &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 Nr.&nbsp;5 UStG k&ouml;nnte daher unionsrechtskonform dahingehend auszulegen sein, dass dem Erfordernis einer &quot;handels&uuml;blichen Bezeichnung&quot; keine Bedeutung zukommt, soweit damit eine &uuml;ber die Art des gelieferten Gegenstands hinausgehende Leistungsbeschreibung gefordert wird. Daf&uuml;r k&ouml;nnte auch sprechen, dass die nach Art.&nbsp;226 Nr.&nbsp;6 MwStSystRL erforderliche Leistungsbeschreibung nicht bedeutet, dass beispielsweise die konkret erbrachten Dienstleistungen ersch&ouml;pfend beschrieben werden m&uuml;ssen (EuGH-Urteil Barlis&nbsp;06, EU:C:2016:690, Rz&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Das Beschwerdeverfahren gegen die AdV der angefochtenen Umsatzsteuerbescheide ist aber nicht geeignet, die aufgeworfenen Rechtsfragen endg&uuml;ltig zu kl&auml;ren. Die Entscheidung muss dem Hauptsacheverfahren vorbehalten bleiben (vgl. dazu BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV&nbsp;2014, 550, Rz&nbsp;26; vom 24.&nbsp;Februar 2000 IV&nbsp;B&nbsp;83\/99, BFHE 191, 304, BStBl II 2000, 298; vom 30.&nbsp;Oktober 2007 V&nbsp;B&nbsp;170\/07, BFH\/NV 2008, 627; vom 8.&nbsp;August 2011 XI&nbsp;B&nbsp;39\/11, BFH\/NV 2011, 2106, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die somit zu gew&auml;hrende AdV ist nicht von einer Sicherheitsleistung abh&auml;ngig zu machen. Eine Gef&auml;hrdung der umstrittenen Umsatzsteueranspr&uuml;che f&uuml;r die Streitjahre ist weder ersichtlich noch vom FA vorgebracht worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.3.2019, V B 3\/19ECLI:DE:BFH:2019:BA.140319.VB3.19.0 Aussetzung der Vollziehung; Leistungsbeschreibung bei Waren im Niedrigpreissegment Leits&auml;tze Ernstlich zweifelhaft ist, ob der Vorsteuerabzug aus Rechnungen im Niedrigpreissegment hinsichtlich der Leistungsbeschreibung voraussetzt, dass die Art der gelieferten Gegenst&auml;nde mit ihrer handels&uuml;blichen Bezeichnung angegeben wird oder ob insoweit die Angabe der Warengattung (&quot;Hosen&quot;, &quot;Blusen&quot;, &quot;Pulli&quot;) ausreicht. Tenor Auf &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-3-19-aussetzung-der-vollziehung-leistungsbeschreibung-bei-waren-im-niedrigpreissegment\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;3\/19 &#8211; Aussetzung der Vollziehung; Leistungsbeschreibung bei Waren im Niedrigpreissegment<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70646","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}