{"id":70647,"date":"2019-04-28T18:50:36","date_gmt":"2019-04-28T16:50:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70647"},"modified":"2019-04-28T18:50:36","modified_gmt":"2019-04-28T16:50:36","slug":"v-s-25-18-aussetzung-des-verfahrens-vorgreifliches-rechtsverhaeltnis-festsetzungsverfahren-erhebungsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-s-25-18-aussetzung-des-verfahrens-vorgreifliches-rechtsverhaeltnis-festsetzungsverfahren-erhebungsverfahren\/","title":{"rendered":"V&nbsp;S&nbsp;25\/18 &#8211; Aussetzung des Verfahrens &#8211; vorgreifliches Rechtsverh&auml;ltnis Festsetzungsverfahren, Erhebungsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.3.2019, V S 25\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.060319.VS25.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Aussetzung des Verfahrens &#8211; vorgreifliches Rechtsverh&auml;ltnis Festsetzungsverfahren, Erhebungsverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Das Verfahren &uuml;ber die Erhebung der festgesetzten Umsatzsteuer ist f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber die Steuerfestsetzung nicht vorgreiflich. Das gilt auch dann, wenn noch kein Klageverfahren gegen den Abrechnungsbescheid anh&auml;ngig ist, weil &uuml;ber den Einspruch gegen den Abrechnungsbescheid noch nicht entschieden wurde.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers gegen den Beschluss des Finanzgerichts N&uuml;rnberg vom 30. Oktober 2018&nbsp;&nbsp;2 K 451\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Klage vom 31.&nbsp;M&auml;rz 2017&nbsp;&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;451\/17 wendet sich der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) gegen die ge&auml;nderten Umsatzsteuerbescheide 2007 bis 2010 sowie die erstmaligen Umsatzsteuerbescheide 2011 bis 2012. Zeitgleich beantragte er beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Erlass eines Abrechnungsbescheids und beim Finanzgericht (FG) die Aussetzung des Klageverfahrens bis zur rechtskr&auml;ftigen Entscheidung &uuml;ber gegenseitige Zahlungsverpflichtungen aus dem Abrechnungsbescheid.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem das FA unter dem 22.&nbsp;Mai 2017 einen Abrechnungsbescheid gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) erlassen hatte, in dem es dar&uuml;ber entschied, &quot;inwieweit die festgesetzte Umsatzsteuer getilgt wurde&quot;, lehnte der Berichterstatter des FG mit Beschluss vom 30.&nbsp;Oktober 2018 die Aussetzung des Verfahrens ab. Die im Abrechnungsbescheid geregelten Zahlungsanspr&uuml;che betr&auml;fen nicht das Festsetzungs-, sondern das Abrechnungsverfahren, das Abrechnungsverfahren sei aber f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber die Steuerfestsetzung nicht vorgreiflich. Hiergegen richtet sich die &#8211;vom FG nicht abgeholfene und dem Bundesfinanzhof (BFH) vorgelegte&#8211; fristgerecht erhobene Beschwerde des Kl&auml;gers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er macht geltend, im Streit &uuml;ber den Abrechnungsbescheid sei zu kl&auml;ren, ob eine Zahlungsverpflichtung bestehe. Der Abrechnungsbescheid sei angefochten und &uuml;ber den Einspruch noch nicht entschieden worden. Stelle sich heraus, dass keine Zahlungsverpflichtung bestehe, sei damit auch das Festsetzungsverfahren erledigt. Anders als in dem vom BFH im Beschluss vom 1.&nbsp;April 2015 V&nbsp;B&nbsp;121\/14 (BFH\/NV 2015, 1003) entschiedenen Fall sei der Streit um den Abrechnungsbescheid somit vorgreiflich und das Klageverfahren auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>den Beschluss des FG vom 30.&nbsp;Oktober 2018 aufzuheben und das Klageverfahren 2&nbsp;K&nbsp;451\/17 wegen Umsatzsteuer 2007 bis 2012 bis zur rechtskr&auml;ftigen Entscheidung &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Abrechnungsbescheids vom 22.&nbsp;Mai 2017 auszusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat keine Stellungnahme abgegeben und auch keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach &sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zul&auml;ssige Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;132 FGO). Das FG hat die Aussetzung des Verfahrens nach &sect;&nbsp;74 FGO zu Recht abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;74 FGO kann das Gericht, wenn die Entscheidung des Rechtsstreits ganz oder zum Teil von dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverh&auml;ltnisses abh&auml;ngt, das den Gegenstand eines anderen Rechtsstreits bildet oder von einer Verwaltungsbeh&ouml;rde festzustellen ist, anordnen, dass die Verhandlung bis zur Erledigung des anderen Rechtsstreits oder bis zur Entscheidung der Verwaltungsbeh&ouml;rde auszusetzen ist. Die Entscheidung h&auml;ngt dann von einem Rechtsverh&auml;ltnis ab, das Gegenstand eines anderen Verfahrens ist, wenn die Entscheidung des anderen Gerichts oder der Beh&ouml;rde vorgreiflich ist, d.h. wenn das Rechtsverh&auml;ltnis, &uuml;ber das in dem anderen Verfahren entschieden wird, die Entscheidung, die in dem auszusetzenden Verfahren zu treffen ist, rechtlich beeinflusst (Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;7; Herbert in Gr&auml;ber, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;2, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall ist das anh&auml;ngige Rechtsbehelfsverfahren &uuml;ber das Bestehen oder Nichtbestehen von Zahlungsanspr&uuml;chen wegen festgesetzter Umsatzsteuer (Einspruch gegen Abrechnungsbescheid vom 22.&nbsp;Mai 2017) f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber die Steuerfestsetzung nicht in diesem Sinne vorgreiflich. W&auml;hrend in dem Einspruchsverfahren zum Abrechnungsbescheid &uuml;ber Zahlungsanspr&uuml;che im Rahmen des Erhebungsverfahrens entschieden wird, geht es in dem anh&auml;ngigen Klageverfahren darum, ob die Umsatzsteuer in zutreffender H&ouml;he festgesetzt wurde. Die Frage des Bestehens von Zahlungsanspr&uuml;chen ist aber ohne rechtlichen Einfluss auf die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Steuerfestsetzung und daher nicht vorgreiflich (BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2015, 1003, sowie vom 16.&nbsp;Mai 2007 V&nbsp;B&nbsp;75\/05, BFH\/NV 2007, 1688; Herbert in Gr&auml;ber, a.a.O., &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;17; Brandis in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;7; zum umgekehrten Fall der Vorgreiflichkeit des Festsetzungsverfahrens gegen&uuml;ber dem Erhebungsverfahren vgl. BFH-Urteil vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2012 V&nbsp;R&nbsp;24\/11, BFHE 236, 274, BStBl II 2012, 466, Rz&nbsp;42, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nicht entscheidungserheblich ist das Vorbringen des Kl&auml;gers, wonach sich der Streitfall von dem in BFH\/NV 2015, 1003 entschiedenen Fall dadurch unterscheidet, dass dort bereits eine Klage gegen den Abrechnungsbescheid anh&auml;ngig gewesen sei, w&auml;hrend vorliegend &uuml;ber den Einspruch gegen den Abrechnungsbescheid vom 22.&nbsp;Mai 2017 noch nicht entschieden wurde. Da der Streit &uuml;ber die zutreffende Abrechnung nicht f&uuml;r das Steuerfestsetzungsverfahren vorgreiflich ist, kommt es nicht auf das Stadium an, in dem sich dieser Streit befindet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit nach Ansicht des Kl&auml;gers das Rechtsschutzbed&uuml;rfnis f&uuml;r den Rechtsstreit &uuml;ber die Steuerfestsetzung bei einer Abhilfe seines Einspruchs gegen den Abrechnungsbescheid entfalle, begr&uuml;ndet dies keine Vorgreiflichkeit des Verfahrens gegen den Abrechnungsbescheid. Das Nichtbestehen von Zahlungsanspr&uuml;chen hat keinen Einfluss auf die Pr&uuml;fung der Rechtm&auml;&szlig;igkeit oder Rechtswidrigkeit der Steuerfestsetzung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.3.2019, V S 25\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.060319.VS25.18.0 Aussetzung des Verfahrens &#8211; vorgreifliches Rechtsverh&auml;ltnis Festsetzungsverfahren, Erhebungsverfahren Leits&auml;tze NV: Das Verfahren &uuml;ber die Erhebung der festgesetzten Umsatzsteuer ist f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber die Steuerfestsetzung nicht vorgreiflich. 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