{"id":70713,"date":"2019-05-11T16:18:42","date_gmt":"2019-05-11T14:18:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70713"},"modified":"2019-05-11T16:18:42","modified_gmt":"2019-05-11T14:18:42","slug":"v-r-63-16-oekopunkte-in-der-gemeinnuetzigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-63-16-oekopunkte-in-der-gemeinnuetzigkeit\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;63\/16 &#8211; &Ouml;kopunkte in der Gemeinn&uuml;tzigkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.1.2019, V R 63\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.240119.VR63.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">&Ouml;kopunkte in der Gemeinn&uuml;tzigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Werden im Zusammenhang mit der satzungsgem&auml;&szlig;en T&auml;tigkeit einer gemeinn&uuml;tzigen Stiftung zugunsten des Natur- und Landschaftsschutzes &Ouml;kopunkte zugeteilt, die nur durch den Verkauf verwertet werden k&ouml;nnen, ist der Erl&ouml;s aus diesem Verkauf ebenso wie die zugrunde liegende T&auml;tigkeit nach &sect; 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG, &sect; 3 Nr. 6 GewStG steuerfrei.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 13. Oktober 2016&nbsp;&nbsp;4 K 1522\/16 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob Erl&ouml;se aus dem Verkauf von &Ouml;kopunkten steuerpflichtig sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine als rechtsf&auml;hig anerkannte, gemeinn&uuml;tzige Stiftung. Zweck ist (u.a.) die F&ouml;rderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Im Rahmen dieses Satzungszwecks betreibt die Kl&auml;gerin die gro&szlig;fl&auml;chige Renaturierung des Flusses X, indem sie gro&szlig;e Teile des am Fluss gelegenen Landes in eine Auenlandschaft verwandelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Renaturierung schrieb die zust&auml;ndige Naturschutzbeh&ouml;rde der Kl&auml;gerin &Ouml;kopunkte gut, und zwar aufgrund von &sect;&nbsp;16 des Gesetzes &uuml;ber Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz &#8211;BNatSchG&#8211;) i.d.F. des Streitjahres (2013) i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;7, 10 des Gesetzes zur Neuregelung des Rechts des Naturschutzes und der Landschaftspflege (HAGBNatSchG) vom 20.&nbsp;Dezember 2010 (Gesetz- und Verordnungsblatt f&uuml;r das Land Hessen, Teil&nbsp;I, S.&nbsp;629).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin gab in ihrer K&ouml;rperschaftsteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr im Rahmen eines Zweckbetriebes &quot;Renaturierung&quot; Einnahmen (aus der Ver&auml;u&szlig;erung von &Ouml;kopunkten) von 3.606&nbsp;EUR an, die der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Rahmen eines wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetriebes der K&ouml;rperschaftsteuer und der Gewerbesteuer unterwarf. Das FA erlie&szlig; f&uuml;r das Streitjahr am 26.&nbsp;November 2015 einen entsprechenden K&ouml;rperschaftsteuerbescheid und am 14.&nbsp;Dezember 2015 einen Gewerbesteuermessbescheid.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Einspruch erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 861 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt, indem es die Steuer-Bemessungsgrundlage (u.a.) um die Erl&ouml;se aus dem Verkauf der &Ouml;kopunkte minderte. Hinsichtlich des Verkaufs der &Ouml;kopunkte fehle es an den Voraussetzungen eines wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetriebes, weil dieser Verkauf keine vom steuerbeg&uuml;nstigten T&auml;tigkeitsbereich trennbare, sachlich selbst&auml;ndige Bet&auml;tigung darstelle und mithin die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;14 der Abgabenordnung (AO) nicht erf&uuml;lle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des FA. Das Merkmal der sachlichen Selbst&auml;ndigkeit sei revisionsrechtlich zu hinterfragen. Es bestehe auch keine untrennbare Verkn&uuml;pfung des Verkaufs von &Ouml;kopunkten mit der Renaturierung. Zwar sei das Entstehen der &Ouml;kopunkte als Ausfluss der gemeinn&uuml;tzigen T&auml;tigkeit zu bewerten; erst die unternehmerische Entscheidung zum Verkauf unter Vermittlung der Naturschutzbeh&ouml;rden und der Landesgesellschaft f&uuml;hre aber zur Einnahmeerzielung. &Uuml;berdies sei eine Ver&auml;u&szlig;erung der &Ouml;kopunkte nicht erforderlich; die Kl&auml;gerin k&ouml;nne ihren satzungsgem&auml;&szlig;en Zweck auch ohne die Ver&auml;u&szlig;erung erf&uuml;llen. Die Auffassung des FG f&uuml;hre auch zu Widerspr&uuml;chen zur umsatzsteuerlichen Behandlung der &Ouml;kopunkte. Schlie&szlig;lich habe die Kl&auml;gerin den Vorsteuerabzug f&uuml;r die Renaturierung mit dem Hinweis auf die beabsichtigte Einl&ouml;sung der &Ouml;kopunkte begehrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil zu &auml;ndern, indem die im Streitjahr erzielten Gewinne aus dem Verkauf der &Ouml;kopunkte in H&ouml;he von 3.606&nbsp;EUR als steuerpflichtiger Gewinn aus wirtschaftlichem Gesch&auml;ftsbetrieb anzusehen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin habe keine eigenst&auml;ndige Entscheidung zum Verkauf der &Ouml;kopunkte. Sie k&ouml;nne die &Ouml;kopunkte nicht anderweitig verwenden, sondern k&ouml;nne sie nur auf einem vom Gesetzgeber geschaffenen Markt verkaufen. Lasse sie die Punkte einfach liegen, f&uuml;ge sie der Stiftung nach &sect;&nbsp;266 Abs.&nbsp;1 des Strafgesetzbuches strafbewehrte Nachteile im Verm&ouml;gensbereich und bei der Erf&uuml;llung des Satzungszwecks zu. Das FA wolle im Ergebnis nur bei gemeinn&uuml;tzigen K&ouml;rperschaften die Erl&ouml;se aus dem Verkauf von &Ouml;kopunkten mit Ertragssteuern belasten. W&auml;re die Kl&auml;gerin nicht gemeinn&uuml;tzig, k&ouml;nnte sie die Kosten der Renaturierung als Betriebsausgaben abziehen. Die Kosten der Flusssanierung seien aber durchweg h&ouml;her als die m&ouml;glichen Erl&ouml;se aus dem Verkauf der &Ouml;kopunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist als unbegr&uuml;ndet gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Zutreffend hat das FG die Erl&ouml;se aus dem Verkauf der &Ouml;kopunkte als steuerfrei behandelt. Werden im Zusammenhang mit der satzungsgem&auml;&szlig;en T&auml;tigkeit einer gemeinn&uuml;tzigen Stiftung zugunsten des Natur- und Landschaftsschutzes &Ouml;kopunkte zugeteilt, die nur durch den Verkauf verwertet werden k&ouml;nnen, ist der Erl&ouml;s aus diesem Verkauf ebenso wie die zugrunde liegende T&auml;tigkeit nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) und &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG sind K&ouml;rperschaften, Personenvereinigungen und Verm&ouml;gensmassen steuerfrei, die nach der Satzung, dem Stiftungsgesch&auml;ft oder der sonstigen Verfassung und nach der tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung ausschlie&szlig;lich und unmittelbar gemeinn&uuml;tzigen, mildt&auml;tigen oder kirchlichen Zwecken dienen (&sect;&sect;&nbsp;51 bis 68 AO). Wird ein wirtschaftlicher Gesch&auml;ftsbetrieb unterhalten, ist die Steuerbefreiung insoweit ausgeschlossen. Die gleichen Voraussetzungen enth&auml;lt f&uuml;r die Gewerbesteuer &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GewStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Verkauf der &Ouml;kopunkte erf&uuml;llt nicht die Voraussetzungen eines wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetriebes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;t das Gesetz die Steuerverg&uuml;nstigung &#8211;wie dies &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 Satz&nbsp;2 KStG und &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GewStG anordnen&#8211; insoweit aus, als ein wirtschaftlicher Gesch&auml;ftsbetrieb (&sect;&nbsp;14 AO) unterhalten wird, so verliert die K&ouml;rperschaft nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;1 AO die Steuerverg&uuml;nstigung f&uuml;r die dem Gesch&auml;ftsbetrieb zuzuordnenden Besteuerungsgrundlagen (Eink&uuml;nfte, Ums&auml;tze, Verm&ouml;gen), soweit der wirtschaftliche Gesch&auml;ftsbetrieb kein Zweckbetrieb (&sect;&sect;&nbsp;65 bis 68 AO) ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Verkauf der &Ouml;kopunkte ist keinem wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetrieb (&sect;&nbsp;14 AO) zuzuordnen. Nach &sect;&nbsp;14 Satz&nbsp;1 AO ist ein wirtschaftlicher Gesch&auml;ftsbetrieb eine selbst&auml;ndige nachhaltige T&auml;tigkeit, durch die Einnahmen oder andere wirtschaftliche Vorteile erzielt werden und die &uuml;ber den Rahmen einer Verm&ouml;gensverwaltung hinausgeht. Die Absicht, Gewinn zu erzielen, ist nach &sect;&nbsp;14 Satz&nbsp;2 AO nicht erforderlich. Der Verkauf der &Ouml;kopunkte ist keine selbst&auml;ndige T&auml;tigkeit; sie ist allein durch die steuerbefreite T&auml;tigkeit nach dem Satzungszweck veranlasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist selbst&auml;ndig i.S. des &sect;&nbsp;14 AO eine T&auml;tigkeit, wenn sie nicht mit anderweitigen Bet&auml;tigungen der K&ouml;rperschaft dergestalt zusammenh&auml;ngt, dass ihre Aus&uuml;bung ohne die anderweitige Bet&auml;tigung nicht m&ouml;glich w&auml;re (BFH-Urteile vom 7.&nbsp;Mai 2014 I&nbsp;R&nbsp;65\/12, BFHE 245, 517; vom 15.&nbsp;Oktober 1997 I&nbsp;R&nbsp;2\/97, BFHE 184, 222, BStBl II 1998, 175, und vom 18.&nbsp;Januar 1984 I&nbsp;R&nbsp;138\/79, BFHE 140, 463, BStBl II 1984, 451). Danach bezieht sich das Tatbestandsmerkmal der Selbst&auml;ndigkeit in &sect;&nbsp;14 AO nicht auf die pers&ouml;nliche Selbst&auml;ndigkeit einer juristischen Person, sondern auf die sachliche Selbst&auml;ndigkeit der Bet&auml;tigung i.S. einer Abgrenzbarkeit von einem steuerbeg&uuml;nstigten Wirkungsbereich. Im Schrifttum hat diese Rechtsprechung sowohl Gefolgschaft (vgl. z.B. Gosch\/M&auml;rtens KStG, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;5 Rz&nbsp;21; Buciek in Gosch, AO &sect;&nbsp;14 Rz&nbsp;25; Lorenz in Winheller\/ Geibel\/Jachmann-Michel, Gesamtes Gemeinn&uuml;tzigkeitsrecht, &sect;&nbsp;14 AO Rz&nbsp;26) wie auch &#8211;worauf das FA zutreffend hinweist&#8211; Kritik erfahren (Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;14 AO Rz&nbsp;8; Fischer in H&uuml;bschmann\/Hepp\/ Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;14 AO Rz&nbsp;59; H&uuml;ttemann, Gemeinn&uuml;tzigkeits- und Spendenrecht, 4.&nbsp;Aufl. 2018, Rz&nbsp;6.98, m.w.N.; kritisch auch Koenig\/Koenig, Abgabenordnung, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;14 Rz&nbsp;11). Allerdings fragt auch die von der Rechtsprechung abweichende Auffassung im Schrifttum nach der materiell-rechtlichen Zurechnung, die sie i.S. des ertragssteuerrechtlichen Veranlassungsprinzips (so ausdr&uuml;cklich H&uuml;ttemann, Gemeinn&uuml;tzigkeits- und Spendenrecht, 4.&nbsp;Aufl. 2018, Rz&nbsp;6.98, a.E.; in diese Richtung auch Fischer in HHSp, &sect;&nbsp;14 AO Rz&nbsp;60; &auml;hnlich mit Bezug auf den Begriff des &quot;Betriebs&quot; Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;14 AO Rz&nbsp;8) im Kern anhand der gleichen Kriterien beantwortet, mit denen die Rechtsprechung das Tatbestandsmerkmal der Selbst&auml;ndigkeit auslegt. Schlie&szlig;lich kommt das Veranlassungsprinzip auch in &sect;&nbsp;64 AO zum Ausdruck, indem die K&ouml;rperschaft die Steuerverg&uuml;nstigung nur f&uuml;r solche Besteuerungsgrundlagen (z.B. wie hier: Eink&uuml;nfte) verliert, die dem Gesch&auml;ftsbetrieb zuzuordnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist der Verkauf der &Ouml;kopunkte allein und unmittelbar durch die steuerbeg&uuml;nstigte T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin veranlasst, dem ideellen Bereich zuzuordnen und damit auch sachlich nicht von dieser T&auml;tigkeit abzugrenzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &Ouml;kopunkte werden als Folge der gemeinn&uuml;tzigen T&auml;tigkeit der Renaturierung vergeben. Die Naturschutzgesetze fordern Ausgleichsma&szlig;nahmen f&uuml;r Eingriffe in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild. Wer in diesem Sinne eingreifen will, muss diesen &quot;&Ouml;ko-Kredit&quot; wieder zur&uuml;ckzahlen, also kompensieren. Dies geschieht &uuml;ber Ausgleichs- oder Ersatzma&szlig;nahmen (Kompensationsma&szlig;nahmen), deren Umfang in sog. &Ouml;kopunkten nach der &quot;Kompensationsverordnung&quot; gemessen wird (vgl. dazu Hessisches Ministerium f&uuml;r Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Leitfaden Planen und Bauen im Einklang mit der Natur, 2.&nbsp;Aufl. 2014; zum Begriff der &Ouml;kopunkte auch BFH-Urteil vom 28.&nbsp;Mai 2013 XI&nbsp;R&nbsp;32\/11, BFHE 243, 419, BStBl II 2014, 411). Nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 BNatSchG richtet sich die Bevorratung von vorgezogenen Ausgleichsma&szlig;nahmen nach Landesrecht. Im Streitfall ergeben sich die Rechtsgrundlagen aus &sect;&nbsp;10 HAGBNatSchG. &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 HAGBNatSchG regelt die vorlaufende Ausgleichsma&szlig;nahme, mit der der Naturschutzwert einer Fl&auml;che &#8211;wie im Streitfall&#8211; verbessert und zum Ausgleich f&uuml;r die Aufwertung der Natur ein &Ouml;kokonto angelegt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dementsprechend hat das FG festgestellt, dass die Vergabe der &Ouml;kopunkte die zwangsl&auml;ufige und unmittelbare Folge der gemeinn&uuml;tzigen T&auml;tigkeit der Flussrenaturierung ist. Denn diese gemeinn&uuml;tzige T&auml;tigkeit und die damit verbundene &ouml;kologische Aufwertung der renaturierten Flusslandschaft sind der alleinige Grund und auch der Ma&szlig;stab f&uuml;r die Ausgabe und Bewertung der &Ouml;kopunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Der Veranlassungszusammenhang zwischen der satzungsm&auml;&szlig;igen T&auml;tigkeit und der Ausgabe der &Ouml;kopunkte setzt sich am Verkauf der &Ouml;kopunkte fort. Denn nach den Feststellungen des FG stellt sich der Verkauf als einzige sachgerechte Verwendungsalternative dar. Das ergibt sich aus dem nahe liegenden Gedanken, dass die Kl&auml;gerin schon nach ihrem Satzungszweck keine Eingriffe in den Naturhaushalt t&auml;tigen wird, die einer Kompensation mit ihren Renaturierungsprojekten bed&uuml;rften. Ferner ist ein freier Handel mit &Ouml;kopunkten nach den &#8211;den BFH bindenden&#8211; Feststellungen des FG wegen der gesetzlich beschr&auml;nkten Vermittlung der K&auml;ufer durch die Naturschutzbeh&ouml;rde und der beh&ouml;rdlich festgelegten H&ouml;he der Erl&ouml;se nicht m&ouml;glich. Die Rechtsgrundlagen hierf&uuml;r finden sich in &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;6, &sect;&nbsp;34 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b und f HAGBNatSchG i.V.m. der Hessischen Kompensationsverordnung. Bereits deshalb ist ein fortbestehender innerer Zusammenhang der Verk&auml;ufe mit der ideellen T&auml;tigkeit der Kl&auml;gerin evident. Beide Bereiche sind nicht voneinander zu trennen: Ohne die gemeinn&uuml;tzige Bet&auml;tigung im Naturschutz gibt es keine &Ouml;kopunkte und ohne diese keine entsprechenden Verk&auml;ufe. Die Aus&uuml;bung der Verkaufst&auml;tigkeit ist also ohne die ideelle T&auml;tigkeit nicht m&ouml;glich. Durch diese enge Verkn&uuml;pfung mit der ideellen Ebene unterscheidet sich der Verkauf von &Ouml;kopunkten von der vom BFH als wirtschaftlicher Gesch&auml;ftsbetrieb beurteilten entgeltlichen Ausgabe von Presseausweisen durch einen steuerbefreiten Berufsverband von Zeitungsverlegern an nicht bei einem seiner Verbandsmitglieder besch&auml;ftigten Journalisten (BFH-Urteil in BFHE 245, 517).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zutreffend stellt das FG &uuml;berdies darauf ab, dass der Verkauf der &Ouml;kopunkte im Rahmen der Deckung der entstehenden Kosten dem ideellen Bereich zuzuordnen ist. Hierin liegt entgegen der Auffassung des FA kein Widerspruch und das Argument ist auch nicht unverst&auml;ndlich. Das Gegenteil ist der Fall: Die Vergabe von &Ouml;kopunkten beruht allein auf der Renaturierung des Flusstales. W&auml;re die Kl&auml;gerin nicht gemeinn&uuml;tzig t&auml;tig, k&ouml;nnte sie die Aufwendungen f&uuml;r die Renaturierung als Betriebsausgaben absetzen und m&uuml;sste umgekehrt den Erl&ouml;s der &Ouml;kopunkte als Betriebseinnahmen versteuern. Allein das Ergebnis (der Gewinn oder der Verlust) aus der Differenz zwischen den Einnahmen (Verkauf der &Ouml;kopunkte) und den Aufwendungen (Renaturierung) m&uuml;sste der Steuer unterworfen werden. Diesen zutreffenden Gedanken bringt auch die Kl&auml;gerin in ihrer Revisionserwiderung vor. Aus ihm folgt der enge und unl&ouml;sliche Veranlassungszusammenhang zwischen der &ouml;kologischen T&auml;tigkeit und dem Erl&ouml;s aus dem Verkauf der &Ouml;kopunkte. Ist aber die Renaturierungsma&szlig;nahme als gemeinn&uuml;tzige T&auml;tigkeit &#8211;wie hier&#8211; dem ideellen Bereich der Stiftung und nicht dem Gewerbebetrieb zuzuordnen, gilt diese Zurechnung auch f&uuml;r die damit unmittelbar zusammenh&auml;ngenden Erl&ouml;se aus dem Verkauf der &Ouml;kopunkte. Eine getrennte steuerrechtliche W&uuml;rdigung je nachdem, ob und inwieweit der eine Teil (die Renaturierung) steuerbeg&uuml;nstigt ist oder nicht, w&auml;re nicht folgerichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Auffassung des FA, den Verkauf der Punkte getrennt zu beurteilen, w&uuml;rde vielmehr gegen das Nettoprinzip (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes i.V.m. &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 KStG, &sect;&nbsp;7 Satz&nbsp;1 GewStG) versto&szlig;en. Sie w&uuml;rde n&auml;mlich gleichheitswidrig Erwerbsaufwand nicht ber&uuml;cksichtigen, der mit versteuerten Erl&ouml;sen zusammenh&auml;ngt. Der eine Bereich (die T&auml;tigkeit) kann nicht ohne den anderen (die durch die satzungsgem&auml;&szlig;e T&auml;tigkeit ausgel&ouml;sten &Ouml;kopunkte) erfasst werden. Die umsatzsteuerrechtliche Beurteilung ist hierf&uuml;r ohne jede Bedeutung.&acute;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.1.2019, V R 63\/16ECLI:DE:BFH:2019:U.240119.VR63.16.0 &Ouml;kopunkte in der Gemeinn&uuml;tzigkeit Leits&auml;tze Werden im Zusammenhang mit der satzungsgem&auml;&szlig;en T&auml;tigkeit einer gemeinn&uuml;tzigen Stiftung zugunsten des Natur- und Landschaftsschutzes &Ouml;kopunkte zugeteilt, die nur durch den Verkauf verwertet werden k&ouml;nnen, ist der Erl&ouml;s aus diesem Verkauf ebenso wie die zugrunde liegende T&auml;tigkeit nach &sect; 5 Abs. 1 Nr. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-63-16-oekopunkte-in-der-gemeinnuetzigkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;63\/16 &#8211; &Ouml;kopunkte in der Gemeinn&uuml;tzigkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70713","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70713","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70713"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70713\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70713"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70713"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70713"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}