{"id":70716,"date":"2019-05-11T16:18:36","date_gmt":"2019-05-11T14:18:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70716"},"modified":"2019-05-11T16:18:36","modified_gmt":"2019-05-11T14:18:36","slug":"v-r-61-17-eugh-vorlage-zum-erfolglosen-unternehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-61-17-eugh-vorlage-zum-erfolglosen-unternehmer\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;61\/17 &#8211; EuGH-Vorlage zum erfolglosen Unternehmer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss (EuGH-Vorlage) vom 27.3.2019, V R 61\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:VE.270319.VR61.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">EuGH-Vorlage zum erfolglosen Unternehmer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union wird folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:<\/p>\n<\/p>\n<p>Muss ein Steuerpflichtiger, der einen Investitionsgegenstand im Hinblick auf eine steuerpflichtige Verwendung mit Recht auf Vorsteuerabzug herstellt (hier: Errichtung eines Geb&auml;udes zum Betrieb einer Cafeteria), den Vorsteuerabzug nach Art. 185 Abs. 1 und Art. 187 MwStSystRL berichtigen, wenn er die zum Vorsteuerabzug berechtigende Umsatzt&auml;tigkeit (hier: Betrieb der Cafeteria) einstellt und der Investitionsgegenstand im Umfang der zuvor steuerpflichtigen Verwendung nunmehr ungenutzt bleibt?<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>I. Dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union wird folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:<\/p>\n<\/p>\n<p>Muss ein Steuerpflichtiger, der einen Investitionsgegenstand im Hinblick auf eine steuerpflichtige Verwendung mit Recht auf Vorsteuerabzug herstellt (hier: Errichtung eines Geb&auml;udes zum Betrieb einer Cafeteria), den Vorsteuerabzug nach Art. 185 Abs. 1 und Art. 187 MwStSystRL berichtigen, wenn er die zum Vorsteuerabzug berechtigende Umsatzt&auml;tigkeit (hier: Betrieb der Cafeteria) einstellt und der Investitionsgegenstand im Umfang der zuvor steuerpflichtigen Verwendung nunmehr ungenutzt bleibt?<\/p>\n<\/p>\n<p>II. Das Verfahren wird bis zur Entscheidung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union ausgesetzt.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist Organtr&auml;gerin einer GmbH, die ein Alten&#8211; und Pflegeheim steuerfrei betreibt. Im Jahr 2003 errichtete die GmbH in einem Anbau eine Cafeteria, die f&uuml;r Besucher durch einen Au&szlig;eneingang und f&uuml;r Heimbewohner durch den Speisesaal des Pflegeheims zug&auml;nglich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin ging zun&auml;chst davon aus, dass sie die Cafeteria ausschlie&szlig;lich f&uuml;r steuerpflichtige Ums&auml;tze nutze. Nach einem vom Finanzgericht (FG) in Bezug genommenen Pr&uuml;fungsvermerk des Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) wurden in der Cafeteria keine getrennten Aufzeichnungen gef&uuml;hrt, da die Heimbewohner nach den Angaben der Kl&auml;gerin die Cafeteria &uuml;berhaupt nicht frequentierten. Der weitaus gr&ouml;&szlig;te Teil sei k&ouml;rperlich so eingeschr&auml;nkt, dass an einen Besuch der Cafeteria nicht zu denken sei. Besuch von Verwandten, Freunden und Bekannten w&uuml;rden nur die wenigsten erhalten. Und die w&uuml;rden dann auch noch in dem neu angebauten Speisesaal bleiben, da dieser auch als Aufenthaltsraum diene und es dort zudem Kaffee und teilweise Kuchen kostenlos g&auml;be. Die Cafeteria an sich sei nur f&uuml;r ausw&auml;rtige G&auml;ste gedacht gewesen, die dann m&ouml;glichst nicht neben einem Heimbewohner in Pantoffeln und Bademantel sitzen sollten. Nach dem Vermerk handelte es sich um Argumente, denen sich das FA im Rahmen der Umsatzsteuer-Sonderpr&uuml;fung nicht verschlie&szlig;en konnte. Nichtsdestotrotz erschien es dem FA unwahrscheinlich, dass &uuml;berhaupt keine Heimbewohner mit ihren Besuchern die Cafeteria aufsuchten und nutzten. Daraufhin kam es zu einer Verst&auml;ndigung, eine steuerfreie Nutzung der Cafeteria zu 10&nbsp;% anzunehmen. Dies f&uuml;hrte zur Annahme einer Berichtigung nach &sect;&nbsp;15a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) f&uuml;r die Jahre ab 2003.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung ging des FA davon aus, dass die GmbH in den Streitjahren 2009 bis 2012 in der Cafeteria keine Warenums&auml;tze mehr ausgef&uuml;hrt habe. Im Februar 2013 sei das diesbez&uuml;gliche Gewerbe abgemeldet worden. Dies habe zu einer weiter gehenden Berichtigung nach &sect;&nbsp;15a UStG gef&uuml;hrt, da jetzt &uuml;berhaupt keine Nutzung f&uuml;r Ums&auml;tze mit Recht auf Vorsteuerabzug vorliege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage zum FG hatten keinen Erfolg. Das FG ging in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 338 ver&ouml;ffentlichten Urteil von einer Betriebseinstellung in den Streitjahren aus. Zwar sei ein Leerstehen von R&auml;umlichkeiten kein Umsatz und trete durch einen Leerstand keine &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse ein. Abzustellen sei aber auf die Verwendungsabsichten. Diese h&auml;tten sich ge&auml;ndert, da die Absicht zur Nutzung f&uuml;r steuerpflichtige Bewirtungsums&auml;tze entfallen sei. Die Cafeteria habe nicht g&auml;nzlich leer gestanden, sondern sei nunmehr ausschlie&szlig;lich steuerfrei durch die Heimbewohner genutzt worden. Da eine umsatzsteuerpflichtige Nutzung durch ausw&auml;rtige Besucher weggefallen sei, h&auml;tten sich zwangsl&auml;ufig die Nutzungsanteile dahingehend ge&auml;ndert, dass nunmehr die Heimbewohner diese zu 100&nbsp;% nutzen. Eine Nutzung zu anderen Zwecken als zu umsatzsteuerfreien Zwecken liege nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der Revision. Werde ein Gegenstand des Unternehmensverm&ouml;gens ohne private Nutzungsm&ouml;glichkeit nicht mehr verwendet, liege keine Nutzungs&auml;nderung vor, die zu einer Vorsteuerberichtigung nach &sect;&nbsp;15a UStG f&uuml;hre. Die Cafeteria sei eine Fehlinvestition. Der m&ouml;glichen Nutzung durch das Altenheim sei Rechnung getragen worden. Eine Fehlinvestition d&uuml;rfe aus Gr&uuml;nden der steuerlichen Neutralit&auml;t nicht zu einer Vorsteuerberichtigung f&uuml;hren. Es handele sich um eine voll funktionsf&auml;hige Cafeteria. Die Nutzung durch die Heimbewohner beschr&auml;nke sich immer noch auf 10&nbsp;%. Die Annahme einer weiter gehenden Nutzung widerspreche den tats&auml;chlichen Gegebenheiten. Schon aus Gr&uuml;nden der Verkehrssicherheit und der Unfallverh&uuml;tung sei der Zugang zur Cafeteria verschlossen gewesen. Die Ablehnung einer Teilwertabschreibung belege, dass noch eine Absicht zur Nutzung bestehe. Hiergegen wendet das FA ein, dass sich die Nutzung ge&auml;ndert habe, da die Absicht, steuerpflichtige Ums&auml;tze auszuf&uuml;hren, entfallen sei. Daher liege nur noch eine Verwendung f&uuml;r steuerfreie Ums&auml;tze vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat legt dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) die im Leitsatz bezeichnete Frage zur Auslegung der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) vor und setzt das Verfahren bis zur Entscheidung des EuGH aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>1. Rechtlicher Rahmen<\/strong><br \/><strong>a) Unionsrecht<\/strong><br \/>Art.&nbsp;185 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL bestimmt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;Die Berichtigung erfolgt insbesondere dann, wenn sich die Faktoren, die bei der Bestimmung des Vorsteuerabzugsbetrags ber&uuml;cksichtigt werden, nach Abgabe der Mehrwertsteuererkl&auml;rung ge&auml;ndert haben, zum Beispiel bei r&uuml;ckg&auml;ngig gemachten K&auml;ufen oder erlangten Rabatten.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Art.&nbsp;187 MwStSystRL lautet wie folgt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;(1) Bei Investitionsg&uuml;tern erfolgt die Berichtigung w&auml;hrend eines Zeitraums von f&uuml;nf Jahren einschlie&szlig;lich des Jahres, in dem diese G&uuml;ter erworben oder hergestellt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Mitgliedstaaten k&ouml;nnen jedoch f&uuml;r die Berichtigung einen Zeitraum von f&uuml;nf vollen Jahren festlegen, der mit der erstmaligen Verwendung dieser G&uuml;ter beginnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei Grundst&uuml;cken, die als Investitionsgut erworben wurden, kann der Zeitraum f&uuml;r die Berichtigung bis auf 20 Jahre verl&auml;ngert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Die j&auml;hrliche Berichtigung betrifft nur ein F&uuml;nftel beziehungsweise im Falle der Verl&auml;ngerung des Berichtigungszeitraums den entsprechenden Bruchteil der Mehrwertsteuer, mit der diese Investitionsg&uuml;ter belastet waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Die in Unterabsatz 1 genannte Berichtigung erfolgt entsprechend den &Auml;nderungen des Rechts auf Vorsteuerabzug, die in den folgenden Jahren gegen&uuml;ber dem Recht f&uuml;r das Jahr eingetreten sind, in dem die G&uuml;ter erworben, hergestellt oder gegebenenfalls erstmalig verwendet wurden.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>b) Nationales Recht<\/strong><br \/>&sect;&nbsp;15a Abs.&nbsp;1 UStG ordnet an:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;&Auml;ndern sich bei einem Wirtschaftsgut, das nicht nur einmalig zur Ausf&uuml;hrung von Ums&auml;tzen verwendet wird, innerhalb von f&uuml;nf Jahren ab dem Zeitpunkt der erstmaligen Verwendung die f&uuml;r den urspr&uuml;nglichen Vorsteuerabzug ma&szlig;gebenden Verh&auml;ltnisse, ist f&uuml;r jedes Kalenderjahr der &Auml;nderung ein Ausgleich durch eine Berichtigung des Abzugs der auf die Anschaffungs- oder Herstellungskosten entfallenden Vorsteuerbetr&auml;ge vorzunehmen. Bei Grundst&uuml;cken einschlie&szlig;lich ihrer wesentlichen Bestandteile, bei Berechtigungen, f&uuml;r die die Vorschriften des b&uuml;rgerlichen Rechts &uuml;ber Grundst&uuml;cke gelten, und bei Geb&auml;uden auf fremdem Grund und Boden tritt an die Stelle des Zeitraums von f&uuml;nf Jahren ein Zeitraum von zehn Jahren.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>2. Zur Vorlagefrage<\/strong><br \/><strong>a) Willensunabh&auml;ngige Erfolglosigkeit<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und nach Auffassung des Senats durch den EuGH zu entscheiden ist, ob eine vom Willen des Steuerpflichtigen unabh&auml;ngige Erfolglosigkeit, die zu einer blo&szlig;en Nichtnutzung eines Investitionsguts f&uuml;hrt, eine &Auml;nderung der Faktoren bewirkt, die bei der Bestimmung des Vorsteuerabzugsbetrags ber&uuml;cksichtigt wurden (Art.&nbsp;185 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Unternehmer wird durch den Vorsteuerabzug vollst&auml;ndig von der im Rahmen seiner wirtschaftlichen T&auml;tigkeit geschuldeten oder entrichteten Mehrwertsteuer entlastet. Damit wird v&ouml;llige Neutralit&auml;t hinsichtlich der steuerlichen Belastung aller wirtschaftlichen T&auml;tigkeiten unabh&auml;ngig von ihrem Zweck und ihrem Ergebnis gew&auml;hrleistet, sofern diese T&auml;tigkeiten selbst der Mehrwertsteuer unterliegen (EuGH-Urteile Centralan Property vom 15.&nbsp;Dezember 2005 C-63\/04, EU:C:2005:773, Rz&nbsp;51, und Imofloresmira &#8211; Investimentos Imobili&aacute;rios vom 28.&nbsp;Februar 2018 C-672\/16, EU:C:2018:134, Rz&nbsp;38).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dabei bleibt das Recht auf Vorsteuerabzug auch dann erhalten, wenn der Steuerpflichtige die Gegenst&auml;nde und Dienstleistungen, die zu dem Abzug gef&uuml;hrt haben, sp&auml;ter aufgrund von Umst&auml;nden, die von seinem Willen unabh&auml;ngig sind, nicht im Rahmen besteuerter Ums&auml;tze verwenden konnte (EuGH-Urteile INZO vom 29.&nbsp;Februar 1996 C-110\/94, EU:C:1996:67, Rz&nbsp;20; Ghent&nbsp;Coal&nbsp;Terminal vom 15.&nbsp;Januar 1998 C-37\/95, EU:C:1998:1, Rz&nbsp;19&nbsp;f., und Imofloresmira &#8211; Investimentos Imobili&aacute;rios, EU:C:2018:134, Rz&nbsp;40 und 42). Andernfalls k&auml;me es entgegen dem Grundsatz der Neutralit&auml;t zu willk&uuml;rlichen Unterscheidungen, da die endg&uuml;ltige Zulassung der Abz&uuml;ge davon abhinge, ob Investitionen zu steuerbaren Ums&auml;tzen f&uuml;hren (EuGH-Urteile INZO, EU:C:1996:67, Rz&nbsp;22, und Imofloresmira &#8211; Investimentos Imobili&aacute;rios, EU:C:2018:134, Rz&nbsp;43). Es ist daher mit dem Grundsatz der steuerlichen Neutralit&auml;t nicht vereinbar, die endg&uuml;ltige Zulassung der Vorsteuerabz&uuml;ge von den Ergebnissen der vom Steuerpflichtigen ausge&uuml;bten wirtschaftlichen T&auml;tigkeit abh&auml;ngig zu machen. Dies f&uuml;hre zu ungerechtfertigten Unterscheidungen zwischen Unternehmen mit demselben Profil und derselben T&auml;tigkeit in Bezug auf die steuerliche Behandlung von identischen Immobilieninvestitionst&auml;tigkeiten (EuGH-Urteil Imofloresmira &#8211; Investimentos Imobili&aacute;rios, EU:C:2018:134, Rz&nbsp;44).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>b) Gleichstellung absichtsloser Nichtverwendung und Nichtverwendung in Absicht steuerpflichtiger Verwendung<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom Willen des Unternehmers unabh&auml;ngige Nichtverwendung ohne weitere Nutzungsabsicht kann einer Nichtverwendung trotz Absicht zu einer steuerpflichtigen Nutzung, wie sie dem EuGH-Urteil Imofloresmira &#8211; Investimentos Imobili&aacute;rios (EU:C:2018:134) zugrunde lag, gleichzustellen sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hat der Unternehmer in der Absicht einer zum Vorsteuerabzug berechtigenden Nutzung ein Wirtschaftsgut hergestellt und kann er die beabsichtigte Nutzung wegen einer von seinem Willen unabh&auml;ngigen Erfolglosigkeit nicht dauerhaft verwirklichen, w&uuml;rde das sich hieraus ergebende Fehlen jeglicher Nutzung und jeglicher Verwendungsabsicht keine &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse bewirken, die zu einer Vorsteuerberichtigung f&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>3. Zur Entscheidungserheblichkeit der Vorlagefrage<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Die bereits in den Streitjahren bestehende Schlie&szlig;ung des Betriebs der Cafeteria beruhte nach den f&uuml;r den erkennenden Senat bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) auf der fehlenden wirtschaftlichen Rentabilit&auml;t und damit auf der Erfolglosigkeit der Kl&auml;gerin, die f&uuml;r sich genommen keine &Auml;nderung der Verh&auml;ltnisse begr&uuml;ndete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Schlie&szlig;ung des Betriebs der Cafeteria f&uuml;hrte nicht dazu, dass eine ausschlie&szlig;lich steuerfreie Nutzung durch die Heimbewohner vorlag. Denn durch die Betriebsschlie&szlig;ung hat sich der Umfang der steuerfreien Verwendung durch die Heimbewohner nicht ge&auml;ndert. Diese blieb vielmehr unter Ber&uuml;cksichtigung der Umst&auml;nde, die nach dem vom FG in Bezug genommenen Pr&uuml;fungsvermerk zur Annahme einer steuerfreien Mitverwendung f&uuml;hrten, unver&auml;ndert. Die Nutzung f&uuml;r den steuerpflichtigen Betrieb der Cafeteria entfiel ersatzlos, ohne dass an die Stelle dieser bisherigen Verwendung eine erh&ouml;hte Nutzung durch die Heimbewohner trat. Somit lag neben der unver&auml;nderten Nutzung durch die Heimbewohner statt des fr&uuml;heren Betriebs der Cafeteria ein nunmehr brachliegender Betrieb mit insoweit ungenutzten R&auml;umlichkeiten vor. Es k&ouml;nnte rechtsfehlerhaft sein, die so unterbleibende Nutzung dahingehend zu deuten, dass nunmehr eine ausschlie&szlig;liche Nutzung f&uuml;r steuerfreie Zwecke vorliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sonstige Umst&auml;nde, die zu einer Vorsteuerberichtigung f&uuml;hren k&ouml;nnten, sind nicht gegeben. Insbesondere ist die bisherige Nutzung nicht durch eine andersartige steuerfreie Verwendung wie etwa bei einer nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 UStG steuerfreien Vermietung der R&auml;umlichkeiten ersetzt worden, die dann trotz Erfolglosigkeit der urspr&uuml;nglichen Verwendungsabsicht zu einer Vorsteuerberichtigung f&uuml;hren w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch eine Privatverwendung oder sonstige Nutzung des Anbaus, die nach Erfolglosigkeit eine Entnahme gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1b UStG begr&uuml;nden k&ouml;nnte, die bei ihrer Steuerfreiheit eine Vorsteuerberichtigung nach &sect;&nbsp;15a Abs.&nbsp;8 UStG bewirkt, ist nicht ersichtlich. Insbesondere blieb der Anbau im Hinblick auf die fortgesetzte Mitnutzung durch die Heimbewohner Unternehmensgegenstand und war nicht Gegenstand einer Entnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>4. Zum Rechtsgrund der Vorlage<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorlage beruht auf Art.&nbsp;267 des Vertrages &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td><strong>5. Zur Verfahrensaussetzung<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Aussetzung des Verfahrens beruht auf &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;74 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss (EuGH-Vorlage) vom 27.3.2019, V R 61\/17ECLI:DE:BFH:2019:VE.270319.VR61.17.0 EuGH-Vorlage zum erfolglosen Unternehmer Leits&auml;tze Dem Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union wird folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt: Muss ein Steuerpflichtiger, der einen Investitionsgegenstand im Hinblick auf eine steuerpflichtige Verwendung mit Recht auf Vorsteuerabzug herstellt (hier: Errichtung eines Geb&auml;udes zum Betrieb einer Cafeteria), den Vorsteuerabzug nach Art. 185 Abs. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-61-17-eugh-vorlage-zum-erfolglosen-unternehmer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;61\/17 &#8211; EuGH-Vorlage zum erfolglosen Unternehmer<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}