{"id":70783,"date":"2019-06-08T14:00:56","date_gmt":"2019-06-08T12:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70783"},"modified":"2019-06-08T14:00:56","modified_gmt":"2019-06-08T12:00:56","slug":"viii-r-36-15-vermoegensverwaltender-versicherungsvertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-36-15-vermoegensverwaltender-versicherungsvertrag\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;36\/15 &#8211; Verm&ouml;gensverwaltender Versicherungsvertrag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2019, VIII R 36\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.260319.VIIIR36.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Verm&ouml;gensverwaltender Versicherungsvertrag<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die M&ouml;glichkeit des Berechtigten einer Lebensversicherung, deren Versicherungsleistung von der Wertentwicklung eines Anlagestocks abh&auml;ngt, aus mehreren standardisierten Anlagestrategien zu w&auml;hlen, begr&uuml;ndet allein keine mittelbare Dispositionsbefugnis i.S. von &sect; 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 5 EStG.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 29. September 2015&nbsp;&nbsp;10 K 3587\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist die steuerliche Behandlung einer Lebensversicherung, deren Versicherungsleistung von der Wertentwicklung eines Anlagestocks abh&auml;ngig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) schloss auf Vermittlung der X (Deutschland) AG (im Folgenden: X), bei der sie ein Wertpapierdepot unterhielt, im Jahr 2007 eine lebensl&auml;ngliche Todesfallversicherung mit Einmalpr&auml;mie (A) bei der Y (Liechtenstein) AG (im Folgenden: Y) ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Sparanteil der Versicherungspr&auml;mie in H&ouml;he von 1.200.000&nbsp;EUR wurde von der Kl&auml;gerin mittels Bank&uuml;berweisung gezahlt. Er wurde in verschiedene Verm&ouml;genswerte investiert, die in einem bestimmten, dem Versicherungsvertrag zugeordneten Depotkonto gehalten wurden. Die Versicherungsleistung war, abgesehen von einer Mindesttodesfallleistung, an die Wertentwicklung des Depots gebunden. Die ab dem 1.&nbsp;Dezember 2008 geltenden, &uuml;berarbeiteten Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) enthielten unter anderem folgende Regelungen: Der Versicherungsnehmer konnte die Anlagestrategie w&auml;hrend der Vertragsdauer beliebig oft, kostenfrei bis zu viermal j&auml;hrlich, &auml;ndern. Der Versicherungsnehmer hatte w&auml;hrend der Vertragsdauer keinen direkten Einfluss auf die Auswahl und Verwaltung der dem Versicherungsvertrag zuzuordnenden Verm&ouml;genswerte. Er konnte insbesondere weder unmittelbar noch mittelbar &uuml;ber die Ver&auml;u&szlig;erung der Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde und die Wiederanlage der Erl&ouml;se bestimmen. Die X wurde von der Y als Verm&ouml;gensverwalter bestimmt. Ein Wahlrecht, ein Rechtsanspruch oder ein Weisungsrecht des Versicherungsnehmers auf Beauftragung eines bestimmten Verm&ouml;gensverwalters oder einer bestimmten Depotbank bestand nicht. Anlageentscheidungen wurden ausschlie&szlig;lich vom beauftragten Verm&ouml;gensverwalter getroffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen einer Pr&uuml;fung durch das Finanzamt f&uuml;r Steuerstrafsachen und Steuerfahndung kam der zust&auml;ndige Pr&uuml;fer zu dem Ergebnis, dass es sich bei der Versicherung um eine verm&ouml;gensverwaltende Versicherung i.S. von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 des Einkommensteuergesetzes in der ab dem Veranlagungszeitraum 2009 geltenden Fassung (EStG) handele. Die daraus erzielten Ertr&auml;ge seien deshalb im Streitjahr (2011) unmittelbar der Kl&auml;gerin zuzurechnen. Der Pr&uuml;fer sch&auml;tzte die Kapitalertr&auml;ge auf 4&nbsp;% der gezahlten Einmalpr&auml;mie, mithin auf 48.000&nbsp;EUR j&auml;hrlich. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) folgte der Auffassung der Steuerfahndung und erlie&szlig; am 24.&nbsp;Mai 2013 einen nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid 2011, in dem Zinsen aus der Versicherung in H&ouml;he von 48.000&nbsp;EUR als zus&auml;tzliche Einnahmen aus Kapitalverm&ouml;gen ber&uuml;cksichtigt wurden. Den Einspruch der Kl&auml;gerin wies das FA als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Der dagegen erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 26 ver&ouml;ffentlichten Urteil vom 29.&nbsp;September 2015&nbsp;&nbsp;10&nbsp;K&nbsp;3587\/13 statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vom FG zugelassenen Revision macht das FA geltend, es liege ein verm&ouml;gensverwaltender Versicherungsvertrag i.S. von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG vor. Entgegen der Auffassung des FG begr&uuml;nde die Auswahl einer Anlagestrategie eine individuelle Gestaltung der Kapitalanlage nach den W&uuml;nschen der Kl&auml;gerin. Des Weiteren habe bereits bei Vertragsschluss festgestanden, dass die X, mit der die Kl&auml;gerin bereits zuvor in Gesch&auml;ftsbeziehungen gestanden habe, das Depot verwalten w&uuml;rde. Somit w&uuml;rden auch nach der &Auml;nderung der AVB die Anlageentscheidungen weiterhin von einem Verm&ouml;gensverwalter getroffen, dessen Beauftragung die Kl&auml;gerin gebilligt und durch Abschluss des Vertrags herbeigef&uuml;hrt habe. Die ge&auml;nderten AVB k&ouml;nnten eine tats&auml;chliche Einflussnahme nicht ausschlie&szlig;en. Als Druckmittel diene der Kl&auml;gerin das eingesetzte Verm&ouml;gen. Dieses k&ouml;nne sie nach einer K&uuml;ndigung jederzeit zur&uuml;ckfordern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und trotz des Antrags des FA eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme. Die Revision des FA ist daher als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG ist rechtsfehlerfrei davon ausgegangen, dass kein verm&ouml;gensverwaltender Versicherungsvertrag i.S. von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG vorliegt. Die Ertr&auml;ge aus dem Anlagestock sind daher im Streitjahr nicht der Kl&auml;gerin zuzurechnen und von dieser nicht zu versteuern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG liegt ein verm&ouml;gensverwaltender Versicherungsvertrag vor, wenn in dem Versicherungsvertrag eine gesonderte Verwaltung von speziell f&uuml;r diesen Vertrag zusammengestellten Kapitalanlagen vereinbart worden ist, die nicht auf &ouml;ffentlich vertriebene Investmentfondsanteile oder Anlagen, die die Entwicklung eines ver&ouml;ffentlichten Indexes abbilden, beschr&auml;nkt ist, und der wirtschaftlich Berechtigte unmittelbar oder mittelbar &uuml;ber die Ver&auml;u&szlig;erung der Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde und die Wiederanlage der Erl&ouml;se bestimmen kann. Auf solche verm&ouml;gensverwaltenden Versicherungsvertr&auml;ge sind die S&auml;tze&nbsp;1 bis 4 des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 EStG nicht anzuwenden (&sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG). Kapitalertr&auml;ge z.B. in Form von Zinsen, Dividenden oder Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnen aus den der Versicherung zugeordneten Kapitalanlagen werden stattdessen dem wirtschaftlich Berechtigten zugerechnet und nach den allgemeinen Regelungen &#8211;transparent&#8211; bei ihm besteuert (BTDrucks 16\/11108, S.&nbsp;15). &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG ist auf alle Kapitalertr&auml;ge anwendbar, die dem Versicherungsunternehmen nach dem 31.&nbsp;Dezember 2008 zuflie&szlig;en (&sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;36 Satz&nbsp;10 EStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2009).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zwar handelt es sich bei der Versicherung der Kl&auml;gerin, wie das FG zutreffend angenommen hat und auch vom FA nicht in Abrede gestellt wird, um eine Kapitalversicherung mit Sparanteil i.S. von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 EStG. Der Tatbestand des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG ist vorliegend jedoch nicht erf&uuml;llt. Es fehlt jedenfalls an der Voraussetzung, dass die Kl&auml;gerin als wirtschaftlich Berechtigte des Versicherungsvertrages unmittelbar oder mittelbar &uuml;ber die Ver&auml;u&szlig;erung der Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde und die Wiederanlage der Erl&ouml;se bestimmen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Eine unmittelbare Dispositionsm&ouml;glichkeit i.S. von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG besteht, wenn der Berechtigte selbst unmittelbar &uuml;ber die Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde verf&uuml;gen kann (BTDrucks&nbsp;16\/11108, S.&nbsp;14). Dar&uuml;ber hinaus begr&uuml;ndet ein Weisungsrecht des Berechtigten gegen&uuml;ber dem Versicherungsunternehmen oder dem Verm&ouml;gensverwalter eine unmittelbare (so BTDrucks&nbsp;16\/11108, S.&nbsp;15, und Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen &#8211;BMF&#8211; vom 1.&nbsp;Oktober 2009 IV&nbsp;C&nbsp;1-S&nbsp;2252\/07\/0001, BStBl&nbsp;I 2009, 1172, Rz&nbsp;34g), jedenfalls aber eine mittelbare Dispositionsm&ouml;glichkeit. Ein solches Weisungsrecht besteht nicht lediglich in den F&auml;llen, in denen dies vertraglich zwischen den Beteiligten vereinbart ist, sondern kann &#8211;nach den allgemeinen steuerlichen Grunds&auml;tzen (vgl. &sect;&nbsp;41 AO)&#8211; auch auf tats&auml;chlicher Grundlage beruhen. In allen diesen F&auml;llen bestimmt der Berechtigte als Herr des Geschehens die Auswahl der konkreten Kapitalanlagen (BTDrucks 16\/11108, S.&nbsp;14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob tats&auml;chlich die M&ouml;glichkeit der Einflussnahme des wirtschaftlich Berechtigten auf die Anlageentscheidungen besteht, h&auml;ngt von den Gesamtumst&auml;nden des Einzelfalls ab. Die Feststellung und W&uuml;rdigung der Gesamtumst&auml;nde obliegt dem Tatsachengericht und ist f&uuml;r das Revisionsgericht bindend (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO), wenn sie verfahrensrechtlich ordnungsgem&auml;&szlig; durchgef&uuml;hrt wurde und nicht gegen Denkgesetze verst&ouml;&szlig;t oder Erfahrungss&auml;tze verletzt (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. nur Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8.&nbsp;Juli 2015 VI&nbsp;R&nbsp;77\/14, BFHE 250, 518, BStBl II 2016, 60, Rz&nbsp;24, m.w.N.). Im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung kann es nach zutreffender Auffassung der Finanzverwaltung von entscheidender Bedeutung sein, ob der wirtschaftlich Berechtigte einen Wechsel in der Person des Verm&ouml;gensverwalters verlangen kann und ob eine nach individuellen Gesichtspunkten und auf konkrete Kapitalanlagen ausgerichtete Anlagestrategie mit dem wirtschaftlich Berechtigten vereinbart wurde (BMF-Schreiben in BStBl&nbsp;I 2009, 1172, Rz&nbsp;34g, zweiter und dritter Spiegelstrich).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Keine &#8211;auch nur mittelbare&#8211; M&ouml;glichkeit der Einflussnahme auf die Anlageentscheidungen wird dagegen begr&uuml;ndet, wenn der wirtschaftlich Berechtigte lediglich aus standardisierten Anlagestrategien, die einer unbestimmten Vielzahl von Versicherungsnehmern angeboten wird, w&auml;hlen kann (zutreffend: BMF-Schreiben in BStBl&nbsp;I 2009, 1172, Rz&nbsp;34h). Die konkrete Anlageentscheidung liegt bei einer standardisierten Anlagestrategie im Ermessen des Verm&ouml;gensverwalters, das lediglich durch die abstrakten Anlageziele eingeschr&auml;nkt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach diesen Grunds&auml;tzen ist die Tatsachenw&uuml;rdigung des FG revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den nicht angegriffenen Feststellungen des FG sind der steuerlichen Beurteilung des Versicherungsvertrags im Streitjahr die AVB vom 1.&nbsp;Dezember 2008 zugrundezulegen. Danach hatte die Kl&auml;gerin kein verbindliches (rechtliches) Weisungsrecht gegen&uuml;ber der X oder der Y. Sie konnte ausweislich der AVB auch keinen Wechsel des Verm&ouml;gensverwalters verlangen. Dass eine von diesen AVB abweichende tats&auml;chliche Handhabung vorlag, hat das FG nicht festgestellt. Die Tatsache, dass die Beauftragung der X als Verm&ouml;gensverwalterin bereits bei Vertragsschluss feststand, f&uuml;hrt nicht zu einer Dispositionsbefugnis i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG. Auch die M&ouml;glichkeit, den Versicherungsvertrag zu k&uuml;ndigen, begr&uuml;ndet keine steuersch&auml;dliche Einflussm&ouml;glichkeit der Kl&auml;gerin, sondern kann als &quot;vermeintliches&quot; Druckmittel bei jeder Lebensversicherung ausge&uuml;bt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Kl&auml;gerin bestand nach den bindenden Feststellungen des FG lediglich die M&ouml;glichkeit, aus mehreren standardisierten Anlagestrategien, die einer unbestimmten Vielzahl von Versicherungsnehmern angeboten wurden, zu w&auml;hlen. Dies ist, wie bereits ausgef&uuml;hrt wurde, steuerunsch&auml;dlich (BMF-Schreiben in BStBl&nbsp;I 2009, 1172, Rz&nbsp;34h). Das Recht der Kl&auml;gerin, die gew&auml;hlte Anlagestrategie beliebig oft zu wechseln, begr&uuml;ndet kein anderes Ergebnis. Auch insoweit bestand lediglich die Wahl zwischen abstrakt vorgegebenen, standardisierten Anlagezielen, ohne dass dadurch eine individuelle Anlagestrategie vereinbart oder eine sonstige mittelbare Dispositionsm&ouml;glichkeit &uuml;ber die Verm&ouml;genswerte er&ouml;ffnet wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Ob mit dem BMF angenommen werden kann, dass (allein) die Einbringung eines bereits vorhandenen Depots in den Versicherungsvertrag die widerlegbare (tats&auml;chliche) Vermutung einer fortbestehenden Einflussm&ouml;glichkeit erbringt (BMF-Schreiben in BStBl I 2009, 1172, Rz&nbsp;34i), kann dahingestellt bleiben (kritisch Winkels, Betriebs-Berater &#8211;BB&#8211; 2016, 1310, 1312). Das FG hat bindend festgestellt, dass f&uuml;r eine derartige Vermutung wegen der Barleistung der Einmalpr&auml;mie keine tats&auml;chliche Grundlage besteht. &Uuml;berdies w&auml;re die Vermutung nach den Feststellungen des FG jedenfalls aufgrund der konkreten Vertragsgestaltung widerlegt. Dabei geht das FG zutreffend davon aus, dass ma&szlig;gebend nur der fortdauernde tats&auml;chliche Einfluss w&auml;hrend der Vertragslaufzeit sein kann (vgl. auch Winkels, BB&nbsp;2016, 1310, 1312). Einen solchen tats&auml;chlichen Einfluss hat das FG nicht festgestellt. Dass aus der Sicht des FA auch eine andere Tatsachenw&uuml;rdigung m&ouml;glich gewesen w&auml;re, verhilft der Revision nicht zum Erfolg, da die W&uuml;rdigung des FG nicht widerspr&uuml;chlich ist und auch nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss&auml;tze verst&ouml;&szlig;t.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 26.3.2019, VIII R 36\/15ECLI:DE:BFH:2019:B.260319.VIIIR36.15.0 Verm&ouml;gensverwaltender Versicherungsvertrag Leits&auml;tze Die M&ouml;glichkeit des Berechtigten einer Lebensversicherung, deren Versicherungsleistung von der Wertentwicklung eines Anlagestocks abh&auml;ngt, aus mehreren standardisierten Anlagestrategien zu w&auml;hlen, begr&uuml;ndet allein keine mittelbare Dispositionsbefugnis i.S. von &sect; 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 5 EStG. 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