{"id":70865,"date":"2019-06-30T12:51:08","date_gmt":"2019-06-30T10:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70865"},"modified":"2019-06-30T12:51:08","modified_gmt":"2019-06-30T10:51:08","slug":"ix-r-44-17-aufstockungsbetraege-zum-transferkurzarbeitergeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-44-17-aufstockungsbetraege-zum-transferkurzarbeitergeld\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;44\/17 &#8211; Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.3.2019, IX R 44\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.120319.IXR44.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld, die auf der Grundlage eines Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnisses und mit R&uuml;cksicht auf dieses von der Transfergesellschaft geleistet werden, sind regelm&auml;&szlig;ig keine Entsch&auml;digung i.S. von &sect; 24 Nr. 1 Buchst. a, &sect; 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG, sondern laufender Arbeitslohn i.S. des &sect; 19 EStG.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 15. November 2017&nbsp;&nbsp;7 K 2635\/16 E aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) war seit mehr als 24&nbsp;Jahren als Arbeitnehmer bei der B-AG besch&auml;ftigt. Am 17.&nbsp;Oktober 2014 schloss die B-AG mit dem Kl&auml;ger und der A-Transfer GmbH &#8211;einem rechtlich eigenst&auml;ndigen Unternehmen ohne gesellschaftsrechtliche Verbindung zur B-AG&#8211; aufgrund der Stilllegung des B-AG-Werkes zum 31.&nbsp;Dezember&nbsp;2014 einen dreiseitigen Vertrag. Nach Art.&nbsp;1 dieses dreiseitigen Vertrages wurde das Arbeitsverh&auml;ltnis zwischen dem Kl&auml;ger und der B-AG zum 31.&nbsp;M&auml;rz&nbsp;2015 gegen Zahlung einer Abfindung in H&ouml;he von 157.747,23&nbsp;EUR aus betriebsbedingten Gr&uuml;nden aufgehoben. Ferner begr&uuml;ndeten der Kl&auml;ger und die A-Transfer GmbH ein befristetes Arbeitsverh&auml;ltnis vom 1.&nbsp;April 2015 bis zum 31.&nbsp;M&auml;rz 2017 (Art.&nbsp;2 des dreiseitigen Vertrages). Gesch&auml;ftsgrundlage f&uuml;r dieses Arbeitsverh&auml;ltnis war die Gew&auml;hrung von Transferkurzarbeitergeld i.S. von &sect;&nbsp;111 des Dritten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;III) f&uuml;r diesen Zeitraum. Die A-Transfer GmbH verpflichtete sich zur Zahlung eines Zuschusses zum Transferkurzarbeitergeld. Einen Anspruch auf Besch&auml;ftigung gegen&uuml;ber der A-Transfer GmbH hatte der Kl&auml;ger nicht. Das befristete Arbeitsverh&auml;ltnis bei der A-Transfer GmbH hatte zum Ziel, dem Kl&auml;ger Qualifizierungsm&ouml;glichkeiten zu er&ouml;ffnen und dessen Arbeitsmarktchancen zu verbessern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erhielt im Jahr 2015 (Streitjahr) von der B-AG bis zum 31.&nbsp;M&auml;rz 2015 laufenden Arbeitslohn sowie die vereinbarte Abfindung. Ferner erhielt er vom 1.&nbsp;April&nbsp;2015 bis zum 31.&nbsp;M&auml;rz 2016 Transferkurzarbeitergeld gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;111 SGB&nbsp;III von der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit. Die A-Transfer GmbH zahlte hierzu Aufstockungsbetr&auml;ge in H&ouml;he von 6.825,35&nbsp;EUR im Jahr 2015 und in H&ouml;he von 7.686,40&nbsp;EUR im Jahr 2016.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erfasste im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2015 vom 2.&nbsp;Mai&nbsp;2016 f&uuml;r die Kl&auml;ger s&auml;mtliche von der B-AG und von der A-Transfer GmbH an den Kl&auml;ger geleisteten Zahlungen als Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Die Abfindung in H&ouml;he von 157.747,23&nbsp;EUR unterwarf das FA als au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte i.S. von &sect;&nbsp;34 des Einkommensteuergesetzes (EStG) dem erm&auml;&szlig;igten Tarif, die Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld erfasste es dagegen als laufenden Arbeitslohn.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der dagegen eingelegte Einspruch hatte keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) gab der hiergegen erhobenen Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 120 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt und unterwarf die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers in H&ouml;he von 6.825,35&nbsp;EUR unter Ab&auml;nderung des Einkommensteuerbescheids des Streitjahres dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz nach &sect;&nbsp;34 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung von &sect;&nbsp;24 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;34 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>unter Aufhebung des Urteils des FG M&uuml;nster vom 15.&nbsp;November 2017&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;2635\/16&nbsp;E die Klage als unbegr&uuml;ndet abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt unter Aufhebung der Vorentscheidung zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht entschieden, dass die Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld in H&ouml;he von 6.825,35&nbsp;EUR nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2, &sect;&nbsp;24 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG erm&auml;&szlig;igt zu besteuern sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Sind in dem zu versteuernden Einkommen au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte enthalten, so ist nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG die darauf entfallende Einkommensteuer nach einem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz zu bemessen. Nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG kommen als au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte u.a. Entsch&auml;digungen i.S. des &sect;&nbsp;24 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Entsch&auml;digung i.S. von &sect;&nbsp;24 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG ist eine Leistung, die &quot;als Ersatz f&uuml;r entgangene oder entgehende Einnahmen&quot; gew&auml;hrt wird, d.h. an die Stelle weggefallener oder wegfallender Einnahmen tritt. Sie muss u.a. unmittelbar durch den Verlust von steuerbaren Einnahmen bedingt, d.h. durch den Fortfall der erwarteten oder zu erwartenden Einnahmen sachlich begr&uuml;ndet sein, und dazu bestimmt sein, diesen Schaden auszugleichen sowie auf einer neuen Rechts- oder Billigkeitsgrundlage beruhen (vgl. z.B. Senatsurteile vom 10.&nbsp;Juli 2008 IX&nbsp;R&nbsp;84\/07, BFH\/NV 2009, 130, unter II.2., m.w.N., und vom 13.&nbsp;M&auml;rz 2018 IX&nbsp;R&nbsp;16\/17, BFHE 261, 258, BStBl II 2018, 709, Rz&nbsp;9, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach Ma&szlig;gabe dieser Grunds&auml;tze kann die Vorentscheidung keinen Bestand haben, da das FG nicht alle ma&szlig;geblichen objektiven Umst&auml;nde im Rahmen seiner W&uuml;rdigung ber&uuml;cksichtigt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ohne Rechtsversto&szlig; ist das FG davon ausgegangen, dass dem Kl&auml;ger durch die Beendigung seines Arbeitsverh&auml;ltnisses mit der B-AG ein Schaden entstanden ist, der in dem Verlust seiner Einnahmem&ouml;glichkeiten bestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nicht hinreichend gepr&uuml;ft hat das FG aber, ob ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Aufstockungsbetr&auml;gen und der Aufhebung des Arbeitsverh&auml;ltnisses mit der B-AG bestand bzw. die Zuzahlungen gerade durch den Verlust der steuerbaren Einnahmen bedingt waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG hat einen solchen unmittelbaren Zusammenhang im Wesentlichen mit der Begr&uuml;ndung bejaht, die Zahlungen k&ouml;nnten nicht Gegenstand einer laufenden Eink&uuml;nfteerzielung sein, da sie nicht f&uuml;r laufende Arbeitsleistung gew&auml;hrt worden seien. Der Kl&auml;ger sei f&uuml;r die A-Transfer GmbH tats&auml;chlich nicht t&auml;tig gewesen. Er habe auch keinen Anspruch auf Besch&auml;ftigung gehabt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FG l&auml;sst insoweit unber&uuml;cksichtigt, dass ein Arbeitgeber auch g&auml;nzlich auf die Arbeitsleistung eines Mitarbeiters verzichten kann, ohne dass dies der Annahme eines Arbeitsverh&auml;ltnisses entgegenst&uuml;nde (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 27.&nbsp;April 1994 XI&nbsp;R&nbsp;41\/93, BFHE 174, 352, BStBl II 1994, 653, unter II.2.b, m.w.N., zur Freistellung). Nicht hinreichend gew&uuml;rdigt hat das FG zudem, dass den Kl&auml;ger aus dem mit der A-Transfer GmbH geschlossenen Vertrag zahlreiche aktive Mitwirkungs- und Teilnahmepflichten trafen (vgl. z.B. Art.&nbsp;2&nbsp;&sect;&nbsp;8 des dreiseitigen Vertrages), er den Weisungen der A-Transfer&nbsp;GmbH zu folgen verpflichtet war (vgl. z.B. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;4 des dreiseitigen Vertrages) und ein beharrlicher Pflichtenversto&szlig; die A-Transfer&nbsp;GmbH zur ordentlichen K&uuml;ndigung des Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnisses berechtigt h&auml;tte (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;15 des dreiseitigen Vertrages). Dass sich die Verpflichtungen des Kl&auml;gers dagegen in erster Linie auf die Teilnahme an Qualifizierungsma&szlig;nahmen, die Durchf&uuml;hrung eines Profilings (&sect;&nbsp;111 SGB&nbsp;III) oder sonstige Ma&szlig;nahmen zur Verbesserung seiner Arbeitsmarktchancen bezogen haben, spricht nicht gegen die Annahme laufender Einnahmen i.S. des &sect;&nbsp;19 EStG. So sind z.B. auch Verg&uuml;tungen im Rahmen eines Dienstverh&auml;ltnisses, das der Ausbildung des betreffenden Leistungsempf&auml;ngers dient, steuerrechtlich Arbeitslohn (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Juli 1985 VI&nbsp;R&nbsp;93\/80, BFHE 144, 237, BStBl II 1985, 644, unter 1., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Vorentscheidung kann demnach keinen Bestand haben und ist aufzuheben. Der Senat kann die erforderliche W&uuml;rdigung auf der Grundlage der vom FG getroffenen Feststellungen selbst vornehmen. Hiernach sind dem Kl&auml;ger die Aufstockungsbetr&auml;ge im Streitjahr aus dem mit der A-Transfer&nbsp;GmbH (befristet) vereinbarten Arbeitsverh&auml;ltnis zugeflossen und waren durch dieses unmittelbar veranlasst. Zwischen der Aufhebung des Arbeitsverh&auml;ltnisses mit der B-AG und der Zahlung der Aufstockungsbetr&auml;ge bestand indes allenfalls ein (mit-)urs&auml;chlicher Zusammenhang; dies gen&uuml;gt jedoch nicht im Rahmen des &sect;&nbsp;24 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a EStG (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 1.&nbsp;August 2007 XI&nbsp;R&nbsp;18\/05, BFH\/NV 2007, 2104, unter II.1., 2. zu &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;9 EStG a.F.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach dem vom FG in Bezug genommenen Sozialplan sollte den Arbeitnehmern der B-AG zum Ausgleich der wirtschaftlichen Nachteile, die sie infolge der geplanten Stilllegung des B-AG- Werkes zum 31.&nbsp;Dezember 2014 trafen, die Zahlung einer Abfindung zugesagt und ein Angebot zum Wechsel in eine Transfergesellschaft f&uuml;r maximal 24&nbsp;Monate unter Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes im ersten Jahr und einer Nettoentgeltzusage f&uuml;r das zweite Jahr unterbreitet werden. Der Sozialplan stand unter der aufl&ouml;senden Bedingung der F&ouml;rderung der Transfergesellschaft durch die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;ger hat mit Abschluss des dreiseitigen Vertrages das Angebot der B-AG zum Wechsel in die A-Transfer GmbH angenommen, d.h. das zwischen der B-AG und dem Kl&auml;ger bestehende Arbeitsverh&auml;ltnis wurde zum 31.&nbsp;M&auml;rz 2015 aufgehoben. Im Rahmen dieses Aufhebungsvertrages verpflichtete sich die B-AG gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger zur Zahlung einer einmaligen Abfindung in H&ouml;he von 157.747,23&nbsp;EUR brutto (vgl. Art.&nbsp;1&nbsp;&sect;&nbsp;1 des dreiseitigen Vertrages).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Gleichzeitig vereinbarte der Kl&auml;ger mit der A-Transfer GmbH ein befristetes, sozialversicherungspflichtiges Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnis, das am 1.&nbsp;April 2015 begann und (sp&auml;testens) am 31.&nbsp;M&auml;rz 2017 enden sollte (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;1 des dreiseitigen Vertrages). Der Vertrag stand u.a. unter der aufschiebenden Bedingung der Zusage der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit zur Durchf&uuml;hrung von Transferkurzarbeit (vgl. Art.&nbsp;2&nbsp;&sect;&nbsp;15 des dreiseitigen Vertrages). Gesch&auml;ftsgrundlage f&uuml;r das Arbeitsverh&auml;ltnis war zudem die Gew&auml;hrung von Transferkurzarbeitergeld i.S. des &sect;&nbsp;111 SGB&nbsp;III f&uuml;r den Zeitraum vom 1.&nbsp;April 2015 bis 31.&nbsp;M&auml;rz 2016 (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;1 des dreiseitigen Vertrages).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Dauer des befristeten Arbeitsverh&auml;ltnisses verpflichtete sich die A-Transfer GmbH gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger zur Zahlung der im Sozialplan vereinbarten Betr&auml;ge (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;1, &sect;&nbsp;7 des dreiseitigen Vertrages). Den Kl&auml;ger trafen demgegen&uuml;ber w&auml;hrend der Gesamtlaufzeit des Vertrages aktive Mitwirkungs- und Teilnahmepflichten (vgl. z.B. Art.&nbsp;2 &sect;&sect;&nbsp;6, 8 und &sect;&nbsp;16 des dreiseitigen Vertrages), wobei das Weisungsrecht der A-Transfer GmbH zustand und der Kl&auml;ger am Dienstort der betriebsorganisatorisch eigenst&auml;ndigen Einheit gef&uuml;hrt und dort in die Arbeitsorganisation der A-Transfer GmbH eingegliedert werden sollte (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;4 des dreiseitigen Vertrages). Die Vereinbarung enth&auml;lt weiterhin Bestimmungen zur (Wochen-) Arbeitszeit (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;10 des dreiseitigen Vertrages), Regelungen f&uuml;r den Krankheitsfall (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;8 des dreiseitigen Vertrages), zur Urlaubsgew&auml;hrung (vgl. Art.&nbsp;2&nbsp;&sect;&nbsp;10 des dreiseitigen Vertrages), zu Freistellungsm&ouml;glichkeiten und Nebent&auml;tigkeiten (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;5 und &sect;&nbsp;14 des dreiseitigen Vertrages) und zur Einsatzm&ouml;glichkeit bei anderen Arbeitgebern (vgl. Art.&nbsp;2 &sect;&nbsp;6 des dreiseitigen Vertrages). Sollte die Auszahlung von Transferkurzarbeitergeld aus Gr&uuml;nden in der Person oder dem Verhalten des Kl&auml;gers unterbleiben oder deshalb eine R&uuml;ckforderung bereits gezahlten Transferkurzarbeitergeldes durch die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit erfolgen, h&auml;tte kein Anspruch auf die Zahlungen der A-Transfer GmbH bestanden und w&auml;ren bereits gew&auml;hrte Leistungen vom Kl&auml;ger unverz&uuml;glich an diese zur&uuml;ckzuzahlen gewesen (vgl. Art.&nbsp;2&nbsp;&sect;&nbsp;8&nbsp;des dreiseitigen Vertrages).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Nach Ma&szlig;gabe dieser Regelungen sind die Zuzahlungen der A-Transfer GmbH zum Transferkurzarbeitergeld laufender Arbeitslohn i.S. des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1&nbsp;EStG, da sie mit R&uuml;cksicht auf das Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnis geleistet bzw. durch dieses veranlasst sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Sozialplan wurde zum Ausgleich der wirtschaftlichen Nachteile in Folge der Stilllegung des B-AG-Werkes nicht die Zahlung der Aufstockungsbetr&auml;ge an die Arbeitnehmer als Entsch&auml;digung vereinbart, sondern &#8211;neben einer Abfindung&#8211; die Erm&ouml;glichung der Teilnahme an einer Transfergesellschaft. Erst in der Transfergesellschaft und auf der Grundlage des Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnisses erhielt der Kl&auml;ger im Streitjahr die Aufstockungsbetr&auml;ge, die zudem mit der Erf&uuml;llung der pers&ouml;nlichen Voraussetzungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Transferkurzarbeitergeld verkn&uuml;pft waren. Wie bereits unter II.2.b&nbsp;bb ausgef&uuml;hrt, steht der Annahme laufender Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit (&sect;&nbsp;19 EStG) nicht entgegen, dass der Kl&auml;ger weder einen Anspruch auf Besch&auml;ftigung gegen&uuml;ber der A-Transfer GmbH hatte noch diese zur tats&auml;chlichen Besch&auml;ftigung des Kl&auml;gers verpflichtet war, zumal den Kl&auml;ger aus dem Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnis aktive Mitwirkungs- und Teilnahmepflichten trafen; die A-Transfer GmbH war zudem berechtigt, den Kl&auml;ger im Rahmen ihres Weisungsrechts auch zur Erprobung an andere Arbeitgeber abzuordnen. Die Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld stellen sich demnach &#8211;jedenfalls im weitesten Sinne&#8211; als Gegenleistung dar. Unerheblich ist insoweit, dass die Finanzierung der A-Transfer GmbH aus Sozialplanmitteln der B-AG erfolgt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.3.2019, IX R 44\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.120319.IXR44.17.0 Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld Leits&auml;tze Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld, die auf der Grundlage eines Transfer-Arbeitsverh&auml;ltnisses und mit R&uuml;cksicht auf dieses von der Transfergesellschaft geleistet werden, sind regelm&auml;&szlig;ig keine Entsch&auml;digung i.S. von &sect; 24 Nr. 1 Buchst. a, &sect; 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG, sondern laufender Arbeitslohn i.S. des &sect; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-44-17-aufstockungsbetraege-zum-transferkurzarbeitergeld\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;44\/17 &#8211; Aufstockungsbetr&auml;ge zum Transferkurzarbeitergeld<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-70865","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70865"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70865\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}