{"id":70976,"date":"2019-07-29T12:04:58","date_gmt":"2019-07-29T10:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=70976"},"modified":"2019-07-29T12:04:58","modified_gmt":"2019-07-29T10:04:58","slug":"vii-r-13-18-kein-herstellerprivileg-fuer-die-herstellung-von-sog-kuppelprodukten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-13-18-kein-herstellerprivileg-fuer-die-herstellung-von-sog-kuppelprodukten\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;13\/18 &#8211; Kein Herstellerprivileg f&uuml;r die Herstellung von sog. Kuppelprodukten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.3.2019, VII R 13\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.190319.VIIR13.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Herstellerprivileg f&uuml;r die Herstellung von sog. Kuppelprodukten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Eine Tierk&ouml;rperbeseitigungsanstalt, in der tierische Rohstoffe u.a. zu Tierfett verarbeitet werden, kann die Steuerbefreiung nach &sect; 26 Abs. 1 EnergieStG nur insoweit in Anspruch nehmen, als die Verwendung des Tierfetts als Heizstoff der Herstellung von Energieerzeugnissen dient, nicht aber insoweit, als durch eine solche Verwendung andere Erzeugnisse hergestellt werden, die keine Energieerzeugnisse sind.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Sog. Kuppelprodukte, die zwangsl&auml;ufig mit der Herstellung von Energieerzeugnissen anfallen, ohne solche zu sein, bleiben bei der Ermittlung des Umfangs der Steuerbefreiung unber&uuml;cksichtigt.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 07.02.2018&nbsp;&nbsp;&#8211;&nbsp;&nbsp;4 K 1172\/17 VE wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) war Inhaberin einer Erlaubnis zur Herstellung von Energieerzeugnissen unter Steueraussetzung und betrieb eine Tierk&ouml;rperbeseitigungsanstalt, in der tierische Nebenprodukte zu Tiermehl und Tierfett verarbeitet wurden. Tiermehl verkaufte sie als Brennstoff. Tierfett verkaufte sie zum Teil als Energieerzeugnis bzw. an Unternehmen der Oleochemie, zum Teil verwendete sie es selbst als Heizstoff f&uuml;r die Erzeugung von Prozessdampf im eigenen Unternehmen. Der erzeugte Dampf wurde bei der Sterilisation und der Trocknung der Masse tierischen Ursprungs eingesetzt. Erst nach der Trocknung der gesamten Masse erfolgte eine mechanische Trennung in Tierfett einerseits und in ein Vorprodukt des Tiermehls, das dann zu Tiermehl verarbeitet wurde, andererseits.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2009 stellte die Kl&auml;gerin &#8230;&nbsp;kg Tiermehl und &#8230;&nbsp;kg Tierfett her. Von dem Tierfett waren &#8230;&nbsp;kg zum Verheizen bestimmt, davon &#8230;&nbsp;kg in den Anlagen der Kl&auml;gerin zur Dampferzeugung. &#8230;&nbsp;kg verkaufte die Kl&auml;gerin an Unternehmen der Oleochemie. Im Jahr 2010 stellte die Kl&auml;gerin &#8230;&nbsp;kg Tiermehl und &#8230;&nbsp;kg Tierfett her. Von dem Tierfett waren &#8230;&nbsp;kg zum Verheizen bestimmt, davon &#8230;&nbsp;kg in den Anlagen der Kl&auml;gerin zur Dampferzeugung. &#8230;&nbsp;kg verkaufte die Kl&auml;gerin wiederum an Unternehmen der Oleochemie.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r das verkaufte Tierfett erzielte die Kl&auml;gerin im Jahr 2009 einen Erl&ouml;s von &#8230;&nbsp;EUR oder &#8230;&nbsp;EUR je Tonne und im Jahr 2010&nbsp;&nbsp;&#8230;&nbsp;EUR oder &#8230;&nbsp;EUR je Tonne. Tiermehl konnte sie im Jahr 2010 f&uuml;r &#8230;&nbsp;EUR je Tonne verkaufen; im Jahr 2009 ergaben sich allerdings Kosten in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR je Tonne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r das von ihr zur Verwendung als Heizstoff bestimmte und f&uuml;r die eigene Dampferzeugung verwendete Tierfett gab die Kl&auml;gerin keine Steueranmeldung ab, da dieses Tierfett der Herstellung von Energieerzeugnissen gedient habe (&sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 des Energiesteuergesetzes in der in den Streitjahren ma&szlig;geblichen Fassung &#8211;EnergieStG&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen einer Au&szlig;enpr&uuml;fung f&uuml;r die Jahre 2009 und 2010 gelangte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) zu der Ansicht, das Tierfett habe mit dem Einsatz oder dem Verkauf zum Verheizen die Zweckbestimmung Heizstoff erhalten und sei dadurch zu einem Energieerzeugnis i.S. von &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 und &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 EnergieStG geworden. Es k&ouml;nne daher nur insoweit steuerfrei gestellt werden, als es zur Herstellung von Energieerzeugnissen eingesetzt worden sei, d.h. f&uuml;r 2009 in H&ouml;he von 30,59&nbsp;% und f&uuml;r 2010 in H&ouml;he von 18,09&nbsp;%. F&uuml;r den insoweit nicht beg&uuml;nstigten Teil des Tierfetts sei f&uuml;r 2009 und 2010 Energiesteuer entstanden und noch zu erheben. Das HZA setzte mit Steuer&auml;nderungsbescheid vom 15.&nbsp;August 2011 Energiesteuer entsprechend fest, wobei eine Nachforderung wegen der Entfernung von Energieerzeugnissen aus dem Steuerlager unter Steuerentstehung nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 EnergieStG in H&ouml;he von 519,50&nbsp;EUR zwischen den Beteiligten nicht im Streit steht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobenen Klage hat das Finanzgericht (FG) teilweise stattgegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Tierfett, das die Kl&auml;gerin in ihrem Betrieb als Heizstoff eingesetzt habe, sei nicht g&auml;nzlich nach &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EnergieStG von der Energiesteuer befreit. Die Beg&uuml;nstigung sei verwendungsbezogen dahingehend zu verstehen, dass der Einsatz als Heizstoff die Herstellung eines Energieerzeugnisses f&ouml;rdern m&uuml;sse. Das FG folgte der Ansicht der Kl&auml;gerin nicht, wonach es sich bei dem Tiermehl um ein &quot;Kuppelprodukt&quot; handele, welches bei der Berechnung des Umfangs der Steuerbefreiung au&szlig;er Acht zu lassen sei. Allein weil Produkte zwangsl&auml;ufig anfielen, m&uuml;ssten sie nicht bei Ermittlung der Gesamtmenge unber&uuml;cksichtigt bleiben. Das sei nur dann gerechtfertigt, wenn das Kuppelprodukt nicht und auch nicht zu einem geringen Preis verkauft werden k&ouml;nne, mithin Abfall sei. Das sei nur f&uuml;r das Streitjahr 2009 der Fall, weil die Kl&auml;gerin in diesem Jahr das Tiermehl nicht habe verkaufen k&ouml;nnen, sondern Entsorgungskosten habe tragen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Revision. Das FG d&uuml;rfe nicht auf die Handelbarkeit eines &quot;Kuppelproduktes&quot; abstellen. Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;3 der Richtlinie 2003\/96\/EG des Rates vom 27.&nbsp;Oktober 2003 zur Restrukturierung der gemeinschaftlichen Rahmenvorschriften zur Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom &#8211;EnergieStRL&#8211; (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union 2003, Nr.&nbsp;L 283\/51) verlange nicht, dass die Energieerzeugnisse ausschlie&szlig;lich und unmittelbar zur Herstellung von Energieerzeugnissen eingesetzt werden. Ein &quot;Kuppelprodukt&quot; k&ouml;nne nicht von einem Konkurrenten isoliert hergestellt werden. Wenn es auf das Vorliegen von Abfallprodukten ankommen sollte, dann seien jedenfalls bei der Feststellung, ob Abfall vorliege, auch die anteiligen Produktionskosten einzubeziehen. In den vom FG festgestellten Gesamterl&ouml;sen f&uuml;r Tierfett und Tiermehl seien dagegen keine Produktionskosten enthalten. Sie habe das Tiermehl insgesamt nicht mit Gewinn verkaufen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, den Steuer&auml;nderungsbescheid vom 15.&nbsp;August 2011 aufzuheben, soweit damit ein 519,50&nbsp;EUR &uuml;bersteigender Betrag an Energiesteuer festgesetzt wurde, sowie die Einspruchsentscheidung vom 19.&nbsp;April 2017und das Urteil der Vorinstanz aufzuheben, soweit die Klage abgewiesen wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und wird nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckgewiesen. Zwar hat das FG zu Unrecht darauf abgestellt, dass es sich bei den erzeugten Tiermehlen um &quot;Kuppelprodukte&quot; handelt, die im Rahmen der Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;26 EnergieStG nicht zu ber&uuml;cksichtigen seien, wenn sie Abfall darstellten. Soweit das HZA in der ersten Instanz unterlag, hat die Vorentscheidung aber deshalb Bestand, weil das HZA selbst keine Revision eingelegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EnergieStG entsteht die Energiesteuer dadurch, dass Energieerzeugnisse i.S. des &sect;&nbsp;4 EnergieStG zum Ge- oder Verbrauch innerhalb des Steuerlagers entnommen werden. Diese Voraussetzungen sind im Streitfall erf&uuml;llt. Das von der Kl&auml;gerin zur Dampferzeugung eingesetzte Tierfett ist eine Ware der Position&nbsp;1518 der Kombinierten Nomenklatur und damit ein Energieerzeugnis nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 EnergieStG, das dazu bestimmt war, als Heizstoff verwendet zu werden, und tats&auml;chlich als solcher verwendet worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Tierfette k&ouml;nnen jedoch gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EnergieStG steuerfrei verwendet werden zur Aufrechterhaltung eines Herstellungsbetriebs i.S. des &sect;&nbsp;6 EnergieStG. Herstellungsbetriebe sind nach &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EnergieStG Betriebe, in denen Energieerzeugnisse i.S. des &sect;&nbsp;4 EnergieStG hergestellt werden. Ein Herstellungsbetrieb liegt nur dann vor, wenn in den Anlagen Herstellungshandlungen vorgenommen werden (Jatzke in Bongartz\/Jatzke\/Schr&ouml;er-Schallenberg, Kommentar zum Energiesteuerrecht, &sect;&nbsp;6 EnergieStG Rz&nbsp;11). Herstellungshandlungen sind das Gewinnen oder Bearbeiten und u.a. im Fall des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 EnergieStG das Bestimmen der Waren zur Verwendung als Kraft- oder Heizstoff (&sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EnergieStG). Das Bestimmen setzt eine innere Willensbildung und eine nach au&szlig;en erkennbare Manifestation dieses inneren Willens voraus (Jatzke in Bongartz\/Jatzke\/Schr&ouml;er-Schallenberg, a.a.O., &sect;&nbsp;6 EnergieStG Rz&nbsp;33). Die verschiedenen Herstellungshandlungen stehen gleichberechtigt nebeneinander und m&uuml;ssen auf dem Betriebsgel&auml;nde erfolgen (&sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EnergieStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) hat die Kl&auml;gerin das Tierfett zur Erzeugung von Prozessdampf verheizt und dieses damit zur Verwendung als Heizstoff bestimmt. Wann diese Entscheidung getroffen wurde &#8211;technisch vor der Erzeugung des Tierfetts aus den tierischen Nebenprodukten oder erst nachtr&auml;glich&#8211; hat das FG nicht festgestellt. Hierauf kommt es auch nicht an. Ma&szlig;geblich ist allein, dass die Energieerzeugnisse zur Herstellung gedient haben. Es ist dabei von einer verwendungsbezogenen und nicht von einer anlagenbezogenen Beg&uuml;nstigung auszugehen (Senatsurteil vom 29.&nbsp;Oktober 2013&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;26\/12, BFHE 242, 454, Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern &#8211;ZfZ&#8211; 2014, 50; zustimmend M&ouml;hlenkamp\/Milewski, EnergieStG\/ StromStG, &sect;&nbsp;26 EnergieStG Rz&nbsp;9; Bender in Friedrich\/Soyk, Energiesteuern Kommentar, &sect;&nbsp;26 EnergieStG Rz&nbsp;55; Pohl, eKomm Ab&nbsp;01.01.2016, &sect;&nbsp;26 EnergieStG, Rz&nbsp;9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Kl&auml;gerin steht jedoch keine Steuerfreiheit zu, soweit mit dem als Heizstoff verwendeten Tierfett Tiermehl hergestellt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 EnergieStRL ist es den Mitgliedstaaten verwehrt, eine Steuerbeg&uuml;nstigung auch f&uuml;r solche Energieerzeugnisse zu gew&auml;hren, deren Verwendung nicht mit dem eigentlichen Herstellungsprozess zusammenh&auml;ngt. Einer restriktiven Auslegung der Beg&uuml;nstigungsnorm folgt auch der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH). Er hat in seinem Urteil Koppers Denmark vom 6.&nbsp;Juni 2018&nbsp;&#8211; C-49\/17 (EU:C:2018:395, ZfZ 2018, 182) klargestellt, dass der Verbrauch von Energieerzeugnissen innerhalb des Betriebsgel&auml;ndes des Betriebs, der sie hergestellt hat, zum Zweck der Herstellung anderer Energieerzeugnisse nicht unter die in Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;3 EnergieStRL vorgesehene Ausnahme in Bezug auf den Steuerentstehungstatbestand f&auml;llt, wenn die im Rahmen der Hauptt&auml;tigkeit dieses Betriebs hergestellten Energieerzeugnisse dazu bestimmt sind, f&uuml;r andere Zwecke als als Heiz- oder Kraftstoff verwendet zu werden. Nicht ausreichend ist danach, dass &uuml;berhaupt Energieerzeugnisse i.S. von Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 EnergieStRL hergestellt werden. Anderenfalls w&uuml;rde die fehlende Besteuerung dieser Erzeugnisse nicht durch die anschlie&szlig;ende Besteuerung der hergestellten Energieerzeugnisse ausgeglichen, weil diese nicht zur Verwendung als Kraft- oder Heizstoff bestimmt sind (EuGH-Urteil Koppers Denmark, EU:C:2018:395, Rz&nbsp;30, ZfZ 2018, 182).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Durch den Einsatz des Energieerzeugnisses muss vielmehr der Hauptzweck des Herstellungsbetriebs erf&uuml;llt werden, d.h. der Verbrauch muss die Herstellung von Energieerzeugnissen zumindest f&ouml;rdern (Senatsurteil in BFHE 242, 454, ZfZ 2014, 50, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Steuerbefreiung kann demnach nur f&uuml;r die Herstellung von Energieerzeugnissen in Anspruch genommen werden (Senatsurteil in BFHE 242, 454, ZfZ 2014, 50, Rz&nbsp;11). Anderenfalls k&ouml;nnte durch eine verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig geringe Produktion von Energieerzeugnissen eine Steuerbeg&uuml;nstigung auch f&uuml;r die Herstellung anderer Produkte erlangt werden (Senatsurteil in BFHE 242, 454, ZfZ 2014, 50). Zudem widerspr&auml;che eine weiter gehende Steuerbefreiung dem Gleichheitssatz (Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes), weil andere Herstellungsbetriebe ohne Herstellung verbrauchsteuerpflichtiger Energieerzeugnisse ohne rechtfertigenden Grund nicht beg&uuml;nstigt w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>An diesen Grunds&auml;tzen h&auml;lt der Senat fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Davon ausgehend kann die Kl&auml;gerin das Herstellerprivileg nach &sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EnergieStG nicht in Anspruch nehmen, soweit sie Tierfett zur Erzeugung von Tiermehl eingesetzt hat. Denn bei diesem handelt es sich nicht um ein Energieerzeugnis i.S. von &sect;&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2 EnergieStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Etwas anderes ergibt sich nicht deshalb, weil es sich bei dem von der Kl&auml;gerin hergestellten Tiermehl um ein &quot;Kuppelprodukt&quot; handeln soll. Unter Kuppelprodukte versteht die Kl&auml;gerin Produkte, die technisch nicht unabh&auml;ngig voneinander produziert werden k&ouml;nnen, mithin zwangsl&auml;ufig bei der Herstellung von Energieerzeugnissen (im Streitfall Tierfett) anfallen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Entscheidung der Vorinstanz sollen solche &quot;Kuppelprodukte&quot; nur dann vom Herstellerprivileg erfasst werden &#8211;und nicht anteilig zu einer K&uuml;rzung der Steuerfreiheit f&uuml;hren&#8211;, wenn sie Abfall darstellen, wovon das FG ausgeht, wenn sie nicht, auch nicht zu einem geringen Preis, verkauft werden k&ouml;nnen. Erzielt das Unternehmen dagegen ein (auch geringes) Entgelt, soll eine Quotelung erfolgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Weder der Begriff des &quot;Kuppelproduktes&quot; noch die vom FG zur Abgrenzung gestellte Frage, ob das &quot;Kuppelprodukt&quot; verkauft werden kann, finden in der EnergieStRL oder im EnergieStG eine St&uuml;tze. Das Gesetz stellt wie oben dargestellt allein auf die Aufrechterhaltung des (Herstellungs-)Betriebs ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 EnergieStG ist unter Ber&uuml;cksichtigung der EnergieStRL auszulegen. Nach Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 EnergieStRL gilt es als einen Steueranspruch begr&uuml;ndender Steuerentstehungstatbestand, wenn der Verbrauch zu Zwecken erfolgt, die nicht mit der Herstellung von Energieerzeugnissen im Zusammenhang stehen, und zwar insbesondere zum Antrieb von Fahrzeugen. Dabei versteht der EuGH &#8211;wie bereits dargelegt&#8211; unter Energieerzeugnissen nur solche, die von der EnergieStRL erfasst, mithin als Heiz- oder Kraftstoff bestimmt oder verwendet werden (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;3 EnergieStRL) und die nicht aus dem Anwendungsbereich ausgenommen sind (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 EnergieStRL). Der EuGH weist in der zitierten Entscheidung dar&uuml;ber hinaus darauf hin, dass eine andere Auslegung zu einer L&uuml;cke in den Besteuerungsregeln f&uuml;hren w&uuml;rde (EuGH-Urteil Koppers Denmark, EU:C:2018:395, Rz&nbsp;29, ZfZ 2018, 182). Wenn das f&uuml;r Energieerzeugnisse gilt, die nicht als Heiz- oder Kraftstoff verwendet werden, muss es erst recht f&uuml;r andere Produkte gelten, auch wenn diese zwangsl&auml;ufig bei der Produktion entstehen. Ma&szlig;gebend ist allein, in welchem (anteiligen) Umfang Energieerzeugnisse hergestellt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Unter Anwendung dieser Grunds&auml;tze ist das FG zwar von rechtlich unzutreffenden Erw&auml;gungen ausgegangen, die Entscheidung erweist sich jedoch bez&uuml;glich 2010 aus anderen Gr&uuml;nden als richtig (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 FGO). Das FG war davon ausgegangen, dass es sich bei dem Tiermehl nicht um Abf&auml;lle gehandelt habe, weil die Kl&auml;gerin dieses habe verkaufen k&ouml;nnen. Im Ergebnis hat das FG diese Mengen &#8211;ebenso wie das HZA&#8211; zutreffend nicht als Energieerzeugnisse angesehen, die bei der Bestimmung des Umfangs der zu gew&auml;hrenden Steuerbefreiung zum Vorteil der Kl&auml;gerin zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG den streitgegenst&auml;ndlichen Bescheid bez&uuml;glich 2009 teilweise aufgehoben hat, kann der Senat die Entscheidung nicht aufheben, weil das HZA selbst keine Revision eingelegt hat (s.o.). Der Revisionsbeklagte muss selbst Revision einlegen, wenn er mehr erreichen will als die Zur&uuml;ckweisung der Revision des Kl&auml;gers (Gr&auml;ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;120 Rz&nbsp;77).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.3.2019, VII R 13\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.190319.VIIR13.18.0 Kein Herstellerprivileg f&uuml;r die Herstellung von sog. Kuppelprodukten Leits&auml;tze 1. Eine Tierk&ouml;rperbeseitigungsanstalt, in der tierische Rohstoffe u.a. zu Tierfett verarbeitet werden, kann die Steuerbefreiung nach &sect; 26 Abs. 1 EnergieStG nur insoweit in Anspruch nehmen, als die Verwendung des Tierfetts als Heizstoff der Herstellung von Energieerzeugnissen dient, nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-13-18-kein-herstellerprivileg-fuer-die-herstellung-von-sog-kuppelprodukten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;13\/18 &#8211; Kein Herstellerprivileg f&uuml;r die Herstellung von sog. 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