{"id":71010,"date":"2019-08-05T11:02:23","date_gmt":"2019-08-05T09:02:23","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71010"},"modified":"2019-08-05T11:02:23","modified_gmt":"2019-08-05T09:02:23","slug":"v-r-39-17-abgabe-von-zytostatika-an-ambulant-behandelte-patienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-39-17-abgabe-von-zytostatika-an-ambulant-behandelte-patienten\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;39\/17 &#8211; Abgabe von Zytostatika an ambulant behandelte Patienten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.6.2019, V R 39\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.060619.VR39.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Abgabe von Zytostatika an ambulant behandelte Patienten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>F&uuml;r die Zurechnung von Behandlungsleistungen mit Abgabe von Zytostatika zum Zweckbetrieb Krankenhaus ist es nicht erforderlich, dass die Behandlung von Patienten des Krankenhauses durch einen erm&auml;chtigten Arzt als Dienstaufgabe innerhalb einer nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit erbracht wird.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 17.08.2017 &#8211; 10 K 2165\/15 K wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist Tr&auml;gerin eines gemeinn&uuml;tzigen Plankrankenhauses, bei dem es sich um einen Zweckbetrieb i.S. von &sect;&nbsp;67 der Abgabenordnung (AO) handelt, der nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem Krankenhaus wurden an Krebs erkrankte Patienten station&auml;r und ambulant durch Chemotherapien mit Zytostatika behandelt. Die ambulanten Behandlungen wurden in den Streitjahren durch mehrere bei der Kl&auml;gerin in der Klinik f&uuml;r Innere Medizin und Onkologie angestellte &Auml;rzte, die insoweit jeweils gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 des F&uuml;nften Buches Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;V) oder nach &sect;&nbsp;31a der Zulassungsverordnung f&uuml;r Vertrags&auml;rzte (&Auml;rzte-ZV) zur Teilnahme an der vertrags&auml;rztlichen Versorgung erm&auml;chtigt waren, sowie in geringem Umfang im Rahmen von Privatambulanzen in der Frauenklinik und der Klinik f&uuml;r Urologie durch zwei weitere &Auml;rzte durchgef&uuml;hrt, denen eine die Behandlung mit Zytostatika umfassende Erm&auml;chtigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V bzw. &sect;&nbsp;31a &Auml;rzte-ZV nicht erteilt worden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Alle &Auml;rzte f&uuml;hrten ihre ambulanten Behandlungen jeweils nicht als Dienstaufgabe im Auftrag der Kl&auml;gerin, sondern im Rahmen einer ihnen aufgrund vertraglicher Absprachen mit der Kl&auml;gerin erlaubten Nebent&auml;tigkeit durch. Ihre im Rahmen der vertrags&auml;rztlichen oder privaten Ambulanzen erbrachten Behandlungsleistungen rechneten sie jeweils selbst mit der zust&auml;ndigen kassen&auml;rztlichen Vereinigung und den gesetzlichen Krankenkassen oder mit ihren Privatpatienten ab. Sie waren auch f&uuml;r die Versteuerung ihrer Anteile aus ihren ambulanten Erl&ouml;sen selbst verantwortlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Versorgung des Krankenhauses mit Arzneimitteln unterhielt die Kl&auml;gerin eine Krankenhausapotheke, die neben den Leistungen zur Versorgung der station&auml;r untergebrachten Patienten auch die Zytostatika f&uuml;r die ambulante Chemotherapie im Krankenhaus lieferte. Die hierf&uuml;r erforderlichen Zytostatika wurden auf den Namen des jeweiligen Patienten lautenden Einzelrezeptes durch die Krankenhausapotheke her- und zur Verf&uuml;gung gestellt. Die Abrechnung gegen&uuml;ber Privatpatienten und gegen&uuml;ber den Krankenkassen, mit denen die Kl&auml;gerin eine Vereinbarung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;129a Satz&nbsp;1 SGB&nbsp;V zur Abrechnung abgegebener Medikamente geschlossen hatte, erfolgte durch das von der Kl&auml;gerin betriebene Krankenhaus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitjahr 2005 und in den Jahren 2006 bis 2009 behandelte die Kl&auml;gerin die Abgabe der Zytostatika f&uuml;r die ambulant durchgef&uuml;hrten Chemotherapien als dem Zweckbetrieb Krankenhaus zugeh&ouml;rig. Bei einer Au&szlig;enpr&uuml;fung f&uuml;r diese Jahre vertrat der Pr&uuml;fer die Auffassung, dass die Abgabe von Medikamenten (Zytostatika) an Patienten w&auml;hrend der ambulanten Behandlung im Krankenhaus im Rahmen eines wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetriebs &quot;Krankenhausapotheke&quot; erfolgt und daher k&ouml;rperschaftsteuerpflichtig sei. Dementsprechend erlie&szlig; der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) am 11. und 22.&nbsp;Februar 2011 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO ge&auml;nderte K&ouml;rperschaftsteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2005 und 2009 und stellte mit jeweils erstmaligen Bescheiden vom 22.&nbsp;Februar 2011 und vom 28.&nbsp;August 2011 die verbleibenden Verlustabz&uuml;ge zur K&ouml;rperschaftsteuer fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Streitjahre 2010 bis 2012 erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin in ihrem wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetrieb Gewinne aus der Abgabe der Zytostatika f&uuml;r die ambulant durchgef&uuml;hrten Therapien und legte gegen die K&ouml;rperschaftsteuerfestsetzungen vom 5.&nbsp;August 2011, 30.&nbsp;August 2012 und 27.&nbsp;Juni 2013 Einspr&uuml;che wegen der Beurteilung der Eink&uuml;nfte aus der Abgabe der Zytostatika ein. Bei einer f&uuml;r diese Jahre durchgef&uuml;hrten Au&szlig;enpr&uuml;fung nahm der Pr&uuml;fer keine &Auml;nderungen der Gewinne aus der Zytostatika-Ambulanz vor. Den Ergebnissen dieser Au&szlig;enpr&uuml;fungen folgend erlie&szlig; das FA am 28.&nbsp;August 2014 ge&auml;nderte K&ouml;rperschaftsteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2010 bis 2012.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend der Einspruchsverfahren erlie&szlig; das FA am 18.&nbsp;Januar 2012 und am 18.&nbsp;Februar 2013 Teileinspruchsentscheidungen wegen der K&ouml;rperschaftsteuer 2005 bis 2011, mit denen es die Einspr&uuml;che wegen weiterer nicht mehr streitiger Punkte als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckwies. Im Streitpunkt der Zytostatika hatte der Einspruch keinen Erfolg (Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Juni 2015). Demgegen&uuml;ber gab das Finanzgericht (FG) der Klage weitgehend statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1689 ver&ouml;ffentlichten Urteil sah das FG die Klage insoweit als unzul&auml;ssig an, als sie sich gegen die Festsetzung der K&ouml;rperschaftsteuer 2006 bis 2009 richtete. Die Klage wegen Festsetzung der K&ouml;rperschaftsteuer 2005 und 2010 bis 2012 und wegen Feststellung der verbleibenden Verluste zur K&ouml;rperschaftsteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2005 bis 31.&nbsp;Dezember 2012 sah das FG insoweit als unbegr&uuml;ndet an, als Zytostatika an Patienten der nicht erm&auml;chtigten &Auml;rzte der Frauenklinik und der Urologie abgegeben worden waren. Demgegen&uuml;ber gab das FG der Klage insoweit statt, als Zytostatika durch die Krankenhausapotheke an Patienten zur ambulanten onkologischen Behandlung durch Krankenhaus&auml;rzte, die hierzu gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V oder &sect;&nbsp;31 &Auml;rzte-ZV zur Teilnahme an der vertrags&auml;rztlichen Versorgung der Versicherten erm&auml;chtigt waren, abgegeben worden waren, da dies im Rahmen des Zweckbetriebs nach &sect;&nbsp;67 AO erfolgt sei. Das FG begr&uuml;ndete dies damit, dass es f&uuml;r die Zurechnung zum Zweckbetrieb nicht darauf ankomme, dass die &Auml;rzte ihre aufgrund der Erm&auml;chtigungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V oder &sect;&nbsp;31a &Auml;rzte-ZV durchgef&uuml;hrten ambulanten Behandlungen aufgrund ihres Dienstvertrages als Dienstaufgabe durchgef&uuml;hrt h&auml;tten. Auch hindere die Behandlung von Privatpatienten nicht die Zurechnung zum Krankenhausbetrieb.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit seiner Revision. Leistungen, die aufgrund einer pers&ouml;nlichen Erm&auml;chtigung eines Krankenhausarztes zur vertrags&auml;rztlichen Versorgung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V erbracht werden, unterfielen nicht dem Versorgungsauftrag des Krankenhauses und k&ouml;nnten somit grunds&auml;tzlich auch nicht Teil des Zweckbetriebs Krankenhaus sein. Hier obliege die Erf&uuml;llung des Versorgungsauftrages allein dem betreffenden Arzt. Nur der Arzt selbst werde kraft Verwaltungsakts durch die Kassen&auml;rztliche Vereinigung nach &sect;&sect;&nbsp;72&nbsp;ff. SGB&nbsp;V zur Schlie&szlig;ung einer Versorgungsl&uuml;cke im Rahmen der vertrags&auml;rztlichen Versorgung erm&auml;chtigt. Durch die Erm&auml;chtigung werde der erm&auml;chtigte Krankenhausarzt f&uuml;r die betreffenden Leistungsbereiche zu einem vertrags&auml;rztlichen Leistungserbringer und unterliege s&auml;mtlichen vertrags&auml;rztlichen Rechten und Pflichten. Anders als bei einer Institutsambulanz sei die mit ambulanten Behandlungsleistungen eines erm&auml;chtigten Krankenhausarztes im Zusammenhang stehende Abgabe von Medikamenten durch eine Krankenhausapotheke nicht dem Zweckbetrieb zuzuordnen. Hieran &auml;ndere sich nichts dadurch, dass die Kosten f&uuml;r diese Medikamente vom Krankenhaus und nicht von den Krankenhausapotheken den Kostentr&auml;gern in Rechnung gestellt werden. Die Abgabe der Medikamente folge der Beurteilung der Behandlungsleistung. Es m&uuml;sse sich beim erm&auml;chtigten Arzt um eine Dienstaufgabe im Rahmen einer nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit handeln. Nur dann werde der Arzt als verl&auml;ngerter Arm des Krankenhauses t&auml;tig. Dies sei auch bei der Behandlung von Privatpatienten zu beachten. Zu differenzieren sei zwischen Leistungen der nach &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V erm&auml;chtigten Krankenhaus&auml;rzte, den Leistungen des Krankenhauses in Institutsambulanzen und den ambulanten privat&auml;rztlichen Leistungen der Chef&auml;rzte. Im Streitfall seien die Leistungen der nach &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V erm&auml;chtigten &Auml;rzte im Rahmen erlaubter Nebent&auml;tigkeiten erbracht worden. Hier&uuml;ber habe der Bundesfinanzhof (BFH) noch nicht entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG insoweit aufzuheben, als es der Klage stattgegeben hat und die Klage auch insoweit abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Zurechnungszusammenhang zum Zweckbetrieb werde nicht dadurch unterbrochen, dass die ambulanten Behandlungen durch Chef&auml;rzte des Krankenhauses erfolgten, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V erm&auml;chtigt waren. Diese h&auml;tten ihre Leistungen innerhalb der zum Krankenhausbetrieb geh&ouml;renden ambulanten Onkologie erbracht. Sie seien im Rahmen von &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V Krankenhaus&auml;rzte, nicht aber au&szlig;erhalb des Krankenhauses praktizierende &Auml;rzte. Das FA wende sich gegen die BFH-Rechtsprechung und die des Bundessozialgerichts (BSG). Das FA ignoriere die Einbindung der erm&auml;chtigten &Auml;rzte in den Krankenhausbetrieb.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zu Recht ist das FG davon ausgegangen, dass die Kl&auml;gerin von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit ist, soweit die Krankenhausapotheke an die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V im Rahmen von danach zul&auml;ssigen Nebent&auml;tigkeiten behandelten Patienten Zytostatika abgegeben hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 Satz&nbsp;1 und 2 KStG sind die K&ouml;rperschaften, Personenvereinigungen und Verm&ouml;gensmassen, die nach der Satzung, dem Stiftungsgesch&auml;ft oder der sonstigen Verfassung und nach der tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung ausschlie&szlig;lich und unmittelbar gemeinn&uuml;tzigen, mildt&auml;tigen oder kirchlichen Zwecken dienen (&sect;&sect;&nbsp;51 bis 68 AO), von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit. Wird ein wirtschaftlicher Gesch&auml;ftsbetrieb unterhalten, ist die Steuerbefreiung insoweit ausgeschlossen. Trotz Vorliegens eines wirtschaftlichen Gesch&auml;ftsbetriebs bleibt die Steuerfreiheit bestehen, wenn es sich um einen Zweckbetrieb (&sect;&sect;&nbsp;65&nbsp;ff. AO) handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Krankenhaus ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;67 Abs.&nbsp;1 AO ein Zweckbetrieb, wenn es in den Anwendungsbereich des Gesetzes &uuml;ber die Entgelte f&uuml;r voll- und teilstation&auml;re Krankenhausleistungen (Krankenhausentgeltgesetz &#8211;KHEntgG&#8211;) oder der Verordnung zur Regelung der Krankenhauspfleges&auml;tze (Bundespflegesatzverordnung &#8211;BPflV&#8211;) f&auml;llt und mindestens 40&nbsp;% der j&auml;hrlichen Belegungstage oder Berechnungstage auf Patienten entfallen, bei denen nur Entgelte f&uuml;r Krankenhausleistungen (&sect;&nbsp;7 KHEntgG, &sect;&nbsp;10 BPflV) berechnet werden. Zwischen den Beteiligten besteht Einvernehmen, dass die Kl&auml;gerin diese Erfordernisse dem Grunde nach erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Abgabe der Zytostatika durch die Krankenhausapotheke zur anschlie&szlig;enden Verabreichung an die nach &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V ambulant behandelten Patienten ist dem Zweckbetrieb Krankenhaus zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach der Rechtsprechung des BFH sind alle Einnahmen und Ausgaben, die mit den &auml;rztlichen und pflegerischen Leistungen an die Patienten als Benutzer des jeweiligen Krankenhauses zusammenh&auml;ngen, dem Zweckbetrieb Krankenhaus zuzurechnen. Es handelt sich jedenfalls solange um eine typischerweise gegen&uuml;ber den Patienten erbrachte Leistung, als das Krankenhaus zur Sicherstellung seines Versorgungsauftrages von Gesetzes wegen zu dieser Leistung befugt ist und der Sozialversicherungstr&auml;ger als Kostentr&auml;ger f&uuml;r seine Versicherten deshalb grunds&auml;tzlich zahlen muss. Auch die Abgabe von Zytostatika an ambulant behandelte Patienten ist eine von einem Krankenhaus typischerweise gegen&uuml;ber den Patienten erbrachte Leistung. Sie dient allein dazu, eine effektive ambulante onkologische Behandlung im Krankenhaus zu gew&auml;hrleisten, die &#8211;wie auch die Zytostatikaabgabe&#8211; grunds&auml;tzlich zu Lasten der Krankenkassen erfolgt. Dabei weist der BFH ausdr&uuml;cklich darauf hin, dass der Zurechnungszusammenhang der ambulanten Behandlungen zum Zweckbetrieb Krankenhaus nicht dadurch unterbrochen wird, dass der Chefarzt des Hospitals gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V pers&ouml;nlich bevollm&auml;chtigt und verpflichtet ist, die ambulanten Behandlungen pers&ouml;nlich durchzuf&uuml;hren, da er seine Behandlungsleistungen innerhalb der zum Krankenhausbetrieb geh&ouml;renden ambulanten Onkologie erbringt und er selbst gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V als Krankenhausarzt und nicht als au&szlig;erhalb des Krankenhausbetriebs praktizierender niedergelassener Arzt t&auml;tig ist (BFH-Urteil vom 31.&nbsp;Juli 2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;82\/12, BFHE 243, 180, BStBl II 2015, 123, unter B.II.2.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unter ausdr&uuml;cklicher Bezugnahme auf diese Rechtsprechung hat das FG im Streitfall zutreffend entschieden, dass die Behandlungen durchgef&uuml;hrt wurden, um eine effektive ambulante onkologische Behandlung im Krankenhaus zu gew&auml;hrleisten, die ebenso wie die Zytostatikaabgabe grunds&auml;tzlich zu Lasten der Krankenkassen erfolgte. Die ambulante onkologische Behandlung sei insoweit als &auml;rztliche Leistung vom Versorgungsauftrag des Krankenhauses umfasst gewesen und deshalb grunds&auml;tzlich dem Zweckbetrieb zuzurechnen, da sie der Behandlung und Heilung, jedenfalls der Linderung der Krebserkrankungen der zu behandelnden Patienten diente. Der Versorgungsauftrag des Krankenhauses umfasste nach &sect;&nbsp;39 SGB&nbsp;V die station&auml;re, teilstation&auml;re, vor- und nachstation&auml;re sowie die ambulante Behandlung im Krankenhaus durch Krankenhaus&auml;rzte. Soweit danach die ambulante Behandlung durch gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V bzw. &sect;&nbsp;31a &Auml;rzte-ZV erm&auml;chtigte Krankenhaus&auml;rzte durchgef&uuml;hrt wurde, sei auch die Abgabe der Zytostatika durch die Krankenhausapotheke an die behandelten Patienten des Krankenhauses zur unmittelbaren Verabreichung im Krankenhaus dem Zweckbetrieb Krankenhaus zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die hiergegen gerichteten Einwendungen des FA greifen nicht durch. Auf der Grundlage des &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V k&ouml;nnen &Auml;rzte erm&auml;chtigt werden, die hauptberuflich in einem Krankenhaus oder einer der anderen dort genannten Einrichtung besch&auml;ftigt sind (BSG-Urteil vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2013&nbsp;&#8211; B&nbsp;6&nbsp;KA&nbsp;26\/12&nbsp;R, Sozialrecht&nbsp;4-2500 &sect;&nbsp;116 Nr.&nbsp;8, unter 3.a). Der Erm&auml;chtigungsanspruch nach &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V beschr&auml;nkt sich nicht auf Chef&auml;rzte, sondern erfasst z.B. auch Ober&auml;rzte (Szabados in Spickhoff, Medizinrecht, 3.&nbsp;Aufl. 2018, &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V, Rz&nbsp;3). F&uuml;r den Krankenhausarzt handelt es sich um eine Nebenbesch&auml;ftigung (Flint in: Hauck\/Noftz, SGB, &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V, Rz&nbsp;10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit sich aus dem Anwendungserlass zur Abgabenordnung zu &sect;&nbsp;67 AO entsprechend dem Vortrag des FA etwas anderes ergeben sollte, schlie&szlig;t sich der erkennende Senat dem nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn entscheidend ist, dass die Zytostatika im Rahmen einer nach &sect;&nbsp;116 SGB&nbsp;V sozialversicherungsrechtlich zul&auml;ssigen Behandlung abgegeben wurden, nicht aber, ob es sich bei Anwendung dieser Vorschrift um eine Dienstaufgabe oder eine Nebent&auml;tigkeit handelt. Insbesondere im Hinblick auf die sozialversicherungsrechtliche Versorgungssicherheit und die durch &sect;&nbsp;67 AO angeordnete Ma&szlig;geblichkeit des Sozialversicherungsrechts ist es f&uuml;r die Zurechnung von Behandlungsleistungen mit Abgabe von Zytostatika zum Zweckbetrieb Krankenhaus nicht erforderlich, dass die Behandlung von Patienten des Krankenhauses durch einen erm&auml;chtigten Arzt als Dienstaufgabe innerhalb einer nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit mit Eink&uuml;nften nach &sect;&nbsp;19 des Einkommensteuergesetzes (EStG) erbracht wird. Auch bei Leistungen, die ein Arzt im Rahmen seiner Nebent&auml;tigkeitserlaubnis und damit au&szlig;erhalb seiner dienstvertraglichen Pflichten im Rahmen einer selbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit mit Eink&uuml;nften nach &sect;&nbsp;18 EStG erbringt und der vom Patienten erteilte Behandlungsauftrag durch den Arzt auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko erf&uuml;llt wird, sind die Leistungen vielmehr sozialversicherungsrechtlich vom Versorgungsauftrag des Krankenhauses umfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Danach hat das FG auch zutreffend entschieden, dass der Umstand im BFH-Urteil in BFHE 243, 180, BStBl II 2015, 123, dass der Chefarzt die ambulanten Behandlungen nicht aufgrund eines eigenen Willensentschlusses, sondern aufgrund seines Dienstvertrages als Dienstaufgabe f&uuml;r das Hospital durchgef&uuml;hrt hat, lediglich ein im damaligen Streitfall zus&auml;tzlich vorliegendes Merkmal, nicht aber eine weitere notwendige Voraussetzung f&uuml;r eine Zurechnung der Behandlungsleistungen zum Zweckbetrieb darstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.6.2019, V R 39\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.060619.VR39.17.0 Abgabe von Zytostatika an ambulant behandelte Patienten Leits&auml;tze F&uuml;r die Zurechnung von Behandlungsleistungen mit Abgabe von Zytostatika zum Zweckbetrieb Krankenhaus ist es nicht erforderlich, dass die Behandlung von Patienten des Krankenhauses durch einen erm&auml;chtigten Arzt als Dienstaufgabe innerhalb einer nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit erbracht wird. 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