{"id":71058,"date":"2019-08-22T18:05:49","date_gmt":"2019-08-22T16:05:49","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71058"},"modified":"2019-08-22T18:06:58","modified_gmt":"2019-08-22T16:06:58","slug":"ix-r-43-17-wiedereinsetzung-ausgangskontrolle-einzelweisung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-43-17-wiedereinsetzung-ausgangskontrolle-einzelweisung\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;43\/17 &#8211; Wiedereinsetzung &#8211; Ausgangskontrolle &#8211; Einzelweisung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.5.2019, IX R 43\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.210519.IXR43.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung &#8211; Ausgangskontrolle &#8211; Einzelweisung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Eine Frist darf im Fristenkalender nicht als erledigt gestrichen werden, bevor die fristwahrende Handlung ausgef&uuml;hrt worden ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Die Erledigung fristwahrender Handlungen muss am Abend eines jeden Arbeitstags von einer dazu beauftragten B&uuml;rokraft anhand des Fristenkalenders noch einmal selbst&auml;ndig &uuml;berpr&uuml;ft werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Die Einzelweisung, ein fristwahrendes Schriftst&uuml;ck schon &quot;mittags&quot; zum Kanzleipostamt zu bringen, beseitigt nicht die Urs&auml;chlichkeit allgemeiner Organisationsm&auml;ngel, denn es fehlt die Anweisung, die Handlung sofort und vor allen anderen Aufgaben auszuf&uuml;hren (Anschluss an BGH-Rechtsprechung).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 07.09.2016 &#8211; 5 K 925\/08 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob den Kl&auml;gern und Revisionskl&auml;gern (Kl&auml;ger) wegen Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist lief am 2.&nbsp;Februar 2018 ab; die Begr&uuml;ndungsschrift ist erst am 5.&nbsp;Februar 2018 beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangen. Mit Schreiben vom 9.&nbsp;Februar 2018, dem Prozessbevollm&auml;chtigten zugestellt am 13.&nbsp;Februar 2018, hat der Senatsvorsitzende auf die Vers&auml;umung der Frist hingewiesen. Mit Schreiben vom 23.&nbsp;Februar 2018, per Fax am selben Tag beim BFH eingegangen, haben die Kl&auml;ger Wiedereinsetzung beantragt und zur Begr&uuml;ndung im Wesentlichen vorgetragen, es liege kein zurechenbares Verschulden ihres Bevollm&auml;chtigten, sondern eine ihnen nicht zurechenbare Fehlleistung der Kanzleikraft Frau Z. vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Kanzlei werde ein elektronischer Termin- und Fristenkalender gef&uuml;hrt. Jeder Akte (Leitzordner) sei ein Fristenkontrollblatt vorgeheftet. Dort trage der Prozessbevollm&auml;chtigte selbst die Fristen von Hand ein. Die Mitarbeiter des Sekretariats &uuml;bertr&uuml;gen die Fristen in den elektronischen Termin- und Fristenkalender und zeichneten die Eintragung mit ihrem Namensk&uuml;rzel auf dem Fristenkontrollblatt ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das von den Kl&auml;gern in Kopie vorgelegte Fristenkontrollblatt in ihrer Sache weist im interessierenden Zusammenhang vier Eintragungen wie folgt auf:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table style=\"margin-left:18\"pt border=\"1\" class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt>\n<tr>\n<td>25.1.2018<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;&nbsp;Vorfrist Rev.-Begr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">6.2.2018<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;&nbsp;Ablauf&nbsp;Revisionsbegr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">31.1.2018<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;&nbsp;Einreichung Revision<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">1.2.2018<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table style=\"margin-left:18\"pt width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&quot;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Eintragung zum Datum 6.2.2018 ist gestrichen. Zur Erl&auml;uterung dieser Eintragungen ist vorgetragen worden, der Prozessbevollm&auml;chtigte habe den Termin f&uuml;r die Einreichung der Revisionsbegr&uuml;ndung &quot;nach Korrektur&quot; zun&auml;chst auf den 31.1.2018 bestimmt. Weil die Revisionsbegr&uuml;ndung vom Mandanten noch einmal &uuml;berpr&uuml;ft werden sollte, habe er sodann entschieden, den Schriftsatz erst am 1.&nbsp;Februar 2018 zur Post zu geben und den Einreichungstermin noch einmal ge&auml;ndert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Postausgang werde im Normalfall handschriftlich auf einer Kopie des versandten Schriftst&uuml;cks vermerkt und in der Handakte abgelegt. Handelt es sich um ein Einschreiben, werde der Einlieferungsbeleg an das in der Akte abgelegte Schriftst&uuml;ck geheftet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im konkreten Fall habe der Prozessbevollm&auml;chtigte seine langj&auml;hrige Mitarbeiterin Frau Z. wegen der besonderen Umst&auml;nde ausdr&uuml;cklich angewiesen, die Revisionsbegr&uuml;ndung nach Unterzeichnung am 1.&nbsp;Februar 2018 bereits mittags zu dem n&auml;chstgelegenen &quot;Kanzleipostamt&quot; zu bringen. Er habe Frau Z. bei dieser Gelegenheit auch ausdr&uuml;cklich noch einmal darauf hingewiesen, dass die Aufgabe zur Post wegen des Fristablaufs am Folgetag unbedingt an diesem Tag erfolgen m&uuml;sse. Erst durch das Hinweisschreiben des Senatsvorsitzenden habe er erfahren, dass dies nicht geschehen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Stattdessen habe Frau Z. den Brief weisungswidrig nicht zu dem &quot;Kanzleipostamt&quot; gebracht, sondern ihn eingesteckt, um ihn abends auf dem Nachhauseweg bzw. auf dem Weg zu einer Orchesterprobe bei dem Postamt ihrer Heimatgemeinde einzuliefern. Wegen eines Verkehrsstaus auf der Autobahn &#8230; sei sie dort jedoch erst nach 18 Uhr eingetroffen. Sie habe deshalb die Revisionsbegr&uuml;ndung erst am Folgetag zur Post gebracht. Der Einlieferungsschein dokumentiert, dass das Schriftst&uuml;ck am 2.&nbsp;Februar 2018 um 11:59&nbsp;Uhr in A&#8230; aufgegeben worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Erg&auml;nzend ist ausgef&uuml;hrt worden, der Prozessbevollm&auml;chtigte sei am 2.&nbsp;Februar 2018 ins au&szlig;ereurop&auml;ische Ausland geflogen (Glaubhaftmachung: Flugticket) und h&auml;tte deshalb keine weitere Weisung erteilen k&ouml;nnen. Frau Z. habe am 2.&nbsp;Februar 2018 dienstfrei gehabt und Frau K., die im B&uuml;ro Dienst hatte, habe davon ausgehen m&uuml;ssen, dass die Frist erledigt war, da Frau Z. die Frist im elektronischen Termin- und Fristenkalender bereits ausgetragen hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Verschulden von Frau Z. (Nichtbefolgung einer Einzelweisung) m&uuml;ssten sich die Kl&auml;ger nicht zurechnen lassen. Frau Z. sei im &Uuml;brigen auch nicht unzuverl&auml;ssig. Es liege kein Auswahlverschulden vor. Ein Organisationsverschulden liege ebenfalls nicht vor. Ein elektronisch gef&uuml;hrter Termin- und Fristenkalender k&ouml;nne nicht &quot;vorgelegt&quot; werden. Eine (zus&auml;tzliche) &Uuml;bermittlung per Fax k&ouml;nne nicht verlangt werden. Es sei dem Prozessbevollm&auml;chtigten auch nicht vorzuwerfen, dass er nach Erteilung einer Einzelweisung, von deren Beachtung er habe ausgehen d&uuml;rfen, verreist sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen (sinngem&auml;&szlig;),<br \/>ihnen wegen Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben, die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r 2003 und 2004 vom 23.&nbsp;Juni 2006 in Gestalt der Einspruchsentscheidungen vom 18.&nbsp;Februar 2008 zu &auml;ndern und die Einkommensteuer auf den Betrag niedriger festzusetzen, der sich ergibt, wenn bei den Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus Vermietung der streitbefangenen Immobilie im Streitjahr 2003 weitere Werbungskosten (Absetzung f&uuml;r Abnutzung) in H&ouml;he von 1.750,97&nbsp;EUR und im Streitjahr 2004 von 21.011,72&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt) beantragt,<br \/>den Wiedereinsetzungsantrag abzulehnen und die Revision zu verwerfen, hilfsweise,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist mangels fristgerechter Begr&uuml;ndung unzul&auml;ssig (&sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) und deshalb durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect;&nbsp;56 FGO) kann nicht gew&auml;hrt werden. Der Antrag ist zwar zul&auml;ssig, jedoch nicht begr&uuml;ndet. Der beschlie&szlig;ende Senat ist nicht davon &uuml;berzeugt, dass die Kl&auml;ger ohne Verschulden verhindert waren, die gesetzliche Begr&uuml;ndungsfrist einzuhalten. Ein etwaiges Verschulden ihres Bevollm&auml;chtigten m&uuml;ssen sich die Kl&auml;ger zurechnen lassen (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;). Aufgrund des Gesamtergebnisses des Verfahrens hat sich der Senat nicht davon &uuml;berzeugen k&ouml;nnen, dass den Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;ger kein Verschulden an der Fristvers&auml;umung trifft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Es fehlt ausweislich des Fristenkontrollblatts bereits an einer eindeutigen und zutreffenden Bestimmung und Dokumentation des Datums, an dem die Begr&uuml;ndungsfrist ablief. Das urspr&uuml;nglich daf&uuml;r notierte Datum (6.&nbsp;Februar 2018) hat der Prozessbevollm&auml;chtigte zu Recht wieder gestrichen. Er hat es aber vers&auml;umt, den Fristablauf neu zu datieren und dies auch zu dokumentieren. Der stattdessen notierte Termin f&uuml;r das Einreichen der Revisionsbegr&uuml;ndung ersetzt dies nicht. Dabei handelte es sich um ein anderes Datum. Davon sind auch alle Beteiligten ausgegangen. Die &Uuml;bermittlung per Post setzt die Einlieferung bei der Post mindestens einen Tag vor Fristablauf voraus. Auch die nochmalige &Auml;nderung dieses Eintrags verdeutlicht, dass damit nicht der Fristablauf gemeint sein konnte. Die Fristen&uuml;berwachung kann aber nicht gelingen, wenn schon die einzuhaltende Frist nicht bestimmt und auch nicht notiert ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es kann dahinstehen, ob sich dieser Fehler im Streitfall ausgewirkt hat. Zwar w&auml;re er bei weisungsgem&auml;&szlig;em Verhalten von Frau Z. folgenlos geblieben. Es erscheint jedoch zweifelhaft, ob das Erteilen einer Einzelweisung ausreicht, um einen so schwerwiegenden Fehler zu kompensieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Miturs&auml;chlich war jedenfalls, dass die fehlende Absendung der Revisionsbegr&uuml;ndung vor Fristablauf im B&uuml;robetrieb nicht bemerkt bzw. dass die Frist vor Ausf&uuml;hrung der fristwahrenden Handlung im elektronischen Fristenkalender gestrichen worden ist (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 17.&nbsp;November 2015&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;56\/15, BFH\/NV 2016, 222; vom 28.&nbsp;Juli 2015&nbsp;&#8211;&nbsp;II&nbsp;B&nbsp;150\/14, BFH\/NV 2015, 1434). Dies l&auml;sst auf einen Organisationsmangel des Prozessbevollm&auml;chtigten schlie&szlig;en, den sich die Kl&auml;ger zurechnen lassen m&uuml;ssen. Es fehlte eine wirksame Ausgangskontrolle. Jedenfalls hat der Prozessbevollm&auml;chtigte nicht vorgetragen, welche organisatorischen Vorkehrungen er getroffen hat, um zu verhindern, dass bei einer als erledigt ausgetragenen Frist die fristwahrende Handlung unterblieben ist. Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH), der sich der beschlie&szlig;ende Senat anschlie&szlig;t, geh&ouml;rt zu einer effektiven Ausgangskontrolle die Anordnung, dass die Erledigung von fristgebundenen Sachen am Abend eines jeden Arbeitstags durch eine dazu beauftragte B&uuml;rokraft anhand des Fristenkalenders nochmals selbst&auml;ndig &uuml;berpr&uuml;ft wird (st&auml;ndige Rechtsprechung; BGH-Beschluss vom 8.&nbsp;November 2018&nbsp;&#8211;&nbsp;I&nbsp;ZB&nbsp;108\/17, Neue Juristische Wochenschrift &#8211; Rechtsprechungsreport Zivilrecht &#8211;NJW-RR&#8211; 2019, 175, m.w.N.). Diese Fristenkontrolle dient nicht alleine dazu zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob sich aus den Eintragungen im Fristenkalender noch unerledigt gebliebene Fristsachen ergeben, sondern auch dazu, festzustellen, ob m&ouml;glicherweise in einer bereits als erledigt vermerkten Fristsache die fristwahrende Handlung noch aussteht (vgl. BGH-Beschluss vom 4.&nbsp;November 2014&nbsp;&#8211;&nbsp;VIII&nbsp;ZB&nbsp;38\/14, Neue Juristische Wochenschrift 2015, 49). W&auml;re dies geschehen, w&auml;re das Vers&auml;umnis aufgefallen und h&auml;tte die fristwahrende Handlung sofort oder am 2.&nbsp;Februar 2018 noch nachgeholt werden k&ouml;nnen (durch &Uuml;bermittlung per Fax). Dass der Prozessbevollm&auml;chtigte am 2.&nbsp;Februar 2018 keine diesbez&uuml;glichen Weisungen mehr h&auml;tte erteilen k&ouml;nnen, ergibt sich jedenfalls nicht aus dem vorgelegten Flugticket. Danach startete der Flug am 2.&nbsp;Februar 2018 zur Mittagszeit ab &#8230; Es entspricht der Lebenserfahrung, dass ein Rechtsanwalt zumindest bis zu seinem Abflug in dringenden F&auml;llen f&uuml;r sein B&uuml;ro noch erreichbar ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die erteilte Einzelweisung beseitigt die Miturs&auml;chlichkeit des Organisationsmangels nicht. Zwar w&auml;re die Frist nicht vers&auml;umt worden, wenn sich Frau Z. weisungsgem&auml;&szlig; verhalten und den Brief noch am Mittag des 1.&nbsp;Februar 2018 zum &quot;Kanzleipostamt&quot; gebracht h&auml;tte. Eine solche Einzelweisung kann die allgemeinen organisatorischen Anforderungen aber &#8211;wenn &uuml;berhaupt&#8211; nur in ganz besonderen Einzelf&auml;llen entbehrlich machen. So hat der BGH angedeutet, dies k&ouml;nne der Fall sein, wenn der Prozessbevollm&auml;chtigte seinen Mitarbeiter anweist, einen Schriftsatz &quot;sofort und vor allen anderen Aufgaben &#8230; zu faxen und sodann postalisch zu versenden&quot; (BGH-Beschluss vom 6.&nbsp;April 2016&nbsp;&#8211; VII&nbsp;ZB&nbsp;7\/15, NJW-RR 2016, 1262). So liegen die Dinge im Streitfall jedenfalls nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Prozessbevollm&auml;chtigte hat zwar vorgetragen und anwaltlich versichert, er habe Frau Z. wegen der besonderen Umst&auml;nde ausdr&uuml;cklich angewiesen, die Revisionsbegr&uuml;ndung am 1.&nbsp;Februar 2018 mittags zur Post zu bringen. Frau Z. hat an Eides Statt versichert, der Prozessbevollm&auml;chtigte habe sie nach Unterzeichnung beauftragt, den Schriftsatz bereits mittags zur Post zu bringen. Es ist jedoch nicht dargetan, dass sie dies &quot;vor allen anderen Aufgaben&quot; und &quot;sofort&quot; erledigen sollte, so dass die Weisung auch in Vergessenheit geraten konnte. Dann muss aber die Ausf&uuml;hrung der fristwahrenden Handlung nach allgemeinen Ma&szlig;st&auml;ben kontrolliert werden, um Fristverlust vorzubeugen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hinzu kommt, dass Frau Z. ihr Vers&auml;umnis allein mit ihrer &quot;Eile&quot; erkl&auml;rt hat. Sie habe sich den Fu&szlig;weg zum Postamt sparen wollen. Dies spricht, auch wenn es nicht ausgef&uuml;hrt worden ist, daf&uuml;r, dass Frau Z. am 1.&nbsp;Februar 2018 mit einer Vielzahl anderer Aufgaben betraut war, die alle noch vor ihrer abendlichen Orchesterprobe erledigt werden mussten, zu der sie unbedingt rechtzeitig erscheinen wollte. Dies erscheint auch plausibel, weil der Prozessbevollm&auml;chtigte am kommenden Tag f&uuml;r zwei Wochen ins Ausland reisen wollte. In einer solchen Situation kann sich der Prozessbevollm&auml;chtigte von fehlenden organisatorischen Vorkehrungen nicht mit der Erteilung einer Einzelweisung exkulpieren, deren Beachtung offenbar (im B&uuml;robetrieb nicht vorhandene) Zeit gekostet h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Unverst&auml;ndlich ist f&uuml;r den Senat, weshalb Frau Z., der aufgrund erteilter Einzelanweisung angeblich bewusst war, dass die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist am 2.&nbsp;Februar 2018 ablief, den Brief gleichwohl am 2.&nbsp;Februar 2018 bei der Post eingeliefert und sich daf&uuml;r auch noch bis mittags (11:59&nbsp;Uhr) Zeit gelassen hat. W&auml;re Frau Z. der Fristablauf und dessen Bedeutung bewusst gewesen, h&auml;tte ihr auch klar sein m&uuml;ssen, dass die Frist so nicht gewahrt werden konnte und dass eine andere &Uuml;bermittlung (z.B. per Fax) sofort h&auml;tte veranlasst oder dass zumindest das B&uuml;ro h&auml;tte informiert werden m&uuml;ssen. Der tats&auml;chliche Ablauf l&auml;sst Zweifel daran aufkommen, ob die Einzelweisung wirklich so wie vorgetragen erteilt worden ist. Darauf kommt es wie ausgef&uuml;hrt jedoch nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.5.2019, IX R 43\/17ECLI:DE:BFH:2019:B.210519.IXR43.17.0 Wiedereinsetzung &#8211; Ausgangskontrolle &#8211; Einzelweisung Leits&auml;tze 1. NV: Eine Frist darf im Fristenkalender nicht als erledigt gestrichen werden, bevor die fristwahrende Handlung ausgef&uuml;hrt worden ist. 2. NV: Die Erledigung fristwahrender Handlungen muss am Abend eines jeden Arbeitstags von einer dazu beauftragten B&uuml;rokraft anhand des Fristenkalenders noch einmal selbst&auml;ndig &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-43-17-wiedereinsetzung-ausgangskontrolle-einzelweisung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;43\/17 &#8211; Wiedereinsetzung &#8211; Ausgangskontrolle &#8211; Einzelweisung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71058","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71058","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71058"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71058\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}