{"id":71065,"date":"2019-08-22T18:06:28","date_gmt":"2019-08-22T16:06:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71065"},"modified":"2019-08-22T18:07:26","modified_gmt":"2019-08-22T16:07:26","slug":"x-r-7-18-anwendung-des-ermaessigten-steuersatzes-auf-die-kapitalabfindung-von-kleinbetragsrenten-aus-altersvorsorgevertraegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-7-18-anwendung-des-ermaessigten-steuersatzes-auf-die-kapitalabfindung-von-kleinbetragsrenten-aus-altersvorsorgevertraegen\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;7\/18 &#8211; Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes auf die Kapitalabfindung von Kleinbetragsrenten aus Altersvorsorgevertr&auml;gen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.6.2019, X R 7\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.110619.XR7.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes auf die Kapitalabfindung von Kleinbetragsrenten aus Altersvorsorgevertr&auml;gen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes auf Verg&uuml;tungen f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten erfordert zus&auml;tzlich die Au&szlig;erordentlichkeit dieser Eink&uuml;nfte. Hierf&uuml;r ist im Falle der Kapitalisierung von Altersbez&uuml;gen entscheidend, dass eine solche Zusammenballung der Eink&uuml;nfte in dem betreffenden Lebens-, Wirtschafts- und Regelungsbereich nicht dem typischen Ablauf entspricht. Ob dar&uuml;ber hinaus in dem konkreten Vertrag die M&ouml;glichkeit einer Kapitalabfindung bereits von Anfang an vorgesehen war oder nicht, hat demgegen&uuml;ber nur indizielle Bedeutung.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes auf Kapitalabfindungen von Kleinbetragsrenten aus Altersvorsorgevertr&auml;gen kann in der Zeit vor dem Inkrafttreten des &sect; 22 Nr. 5 Satz 13 EStG nicht allein mit der Begr&uuml;ndung verneint werden, eine solche Kapitalisierungsm&ouml;glichkeit sei in dem betreffenden Altersvorsorgevertrag von Anfang an vorgesehen gewesen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;ger wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin Brandenburg vom 24.01.2018 &#8211; 7 K 7032\/16 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die im Streitjahr 2013 zur Einkommensteuer zusammenveranlagt werden. Der im Jahr 1950 geborene Kl&auml;ger schloss am 14.&nbsp;Dezember 2007 mit einem Anbieter einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag, hier einen Banksparplan. In Nr.&nbsp;II.5. der Vertragsbedingungen hei&szlig;t es: &quot;W&uuml;rde bei gleichm&auml;&szlig;iger Verrentung des bis zu Beginn der Auszahlungsphase angesammelten Kapitals eine monatliche Rente resultieren, die 1&nbsp;% der monatlichen Bezugsgr&ouml;&szlig;e nach &sect;&nbsp;18 SGB IV nicht &uuml;bersteigt, kann die Bank das Kapital zu Beginn der Auszahlungsphase f&ouml;rderunsch&auml;dlich an den Sparer auszahlen.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 3.&nbsp;Juli 2013 teilte der Anbieter dem Kl&auml;ger mit, der Vertrag falle unter die Kleinbetragsrenten-Regelung, so dass das Guthaben bei einer K&uuml;ndigung zum n&auml;chstm&ouml;glichen Termin f&ouml;rderunsch&auml;dlich ausgezahlt werde. Am 30.&nbsp;September 2013 erhielt der &#8211;zu diesem Zeitpunkt 63-j&auml;hrige&#8211; Kl&auml;ger eine Kapitalabfindung von 7.518,83&nbsp;EUR. Ein Teilbetrag von 6.915,67&nbsp;EUR beruhte auf gef&ouml;rderten Eigenleistungen des Kl&auml;gers sowie Zinsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) besteuerte diesen Teilbetrag der Kapitalabfindung im angefochtenen Einkommensteuerbescheid 2013 vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2015 als &quot;Leistung aus einem Altersvorsorgevertrag&quot; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in vollem Umfang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren ist w&auml;hrend des Klageverfahrens am 10.&nbsp;November 2017 ein ge&auml;nderter Einkommensteuerbescheid 2013 ergangen. Seitdem ist zwischen den Beteiligten nur noch die Frage streitig, ob der Betrag von 6.915&nbsp;EUR gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1, 2 EStG erm&auml;&szlig;igt zu besteuern ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Insoweit blieb auch die Klage ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte in seinem &#8211;in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 558 ver&ouml;ffentlichten&#8211; Urteil aus, &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG sei nicht anwendbar, weil es sich nicht um eine Entsch&auml;digung handele. Dies w&uuml;rde voraussetzen, dass der Ersatzanspruch, der an die Stelle der bisher zu erwartenden Einnahmen trete, auf einer neuen Rechts- oder Billigkeitsgrundlage beruhe. Hier sei die Option des Anbieters, eine Kleinbetragsrente durch Zahlung eines Kapitalbetrags abzufinden, aber von Anfang an vereinbart gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG seien nicht erf&uuml;llt. Zwar handele es sich um eine Verg&uuml;tung f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten; es fehle aber an der Au&szlig;erordentlichkeit. Dies folge schon daraus, dass die Abfindung vertragsgem&auml;&szlig; gewesen sei. Dar&uuml;ber hinaus sei die Zahlung einer Abfindung in Kleinbetragsf&auml;llen aber auch nicht atypisch, sondern stelle wegen der unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hohen Verwaltungskosten gerade den Regelfall dar. Auch der Umstand, dass der Gesetzgeber in &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;13 EStG erst mit Wirkung ab dem 1.&nbsp;Januar 2018 angeordnet habe, dass &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 EStG entsprechend gelte, spreche daf&uuml;r, dass der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz in den Vorjahren noch nicht zu gew&auml;hren sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision bringen die Kl&auml;ger vor, der Kl&auml;ger habe keine M&ouml;glichkeit gehabt, eine Kapitalabfindung zu w&auml;hlen. Die staatliche F&ouml;rderung setze grunds&auml;tzlich voraus, dass der Vertrag nur eine Rentenzahlung vorsehe. Die Zahlung der Kapitalabfindung sei weder vertragsgem&auml;&szlig; noch typisch gewesen. Vertragszweck sei ausschlie&szlig;lich die Zahlung einer lebenslangen Rente gewesen. Die M&ouml;glichkeit der Kapitalabfindung habe rein wirtschaftliche Gr&uuml;nde. Der Ausnahmecharakter der Kapitalabfindung werde auch daraus deutlich, dass sich die Erwartung hinsichtlich der H&ouml;he der Rente nicht realisiert habe und der Kl&auml;ger vorzeitig in den Ruhestand getreten sei. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die ab 2018 ausdr&uuml;cklich im Gesetz vorgesehene Beg&uuml;nstigung nicht auch in den Vorjahren zu gew&auml;hren sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2013 vom 10.&nbsp;November 2017 dahingehend zu &auml;ndern, dass f&uuml;r einen Betrag von 6.915&nbsp;EUR der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG gew&auml;hrt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es h&auml;lt die Kapitalisierung einer Kleinbetragsrente f&uuml;r einen typischen Ablauf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kapitalabfindung ist als Leistung aus einem Altersvorsorgevertrag gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG in vollem Umfang einkommensteuerpflichtig. Da dies zwischen den Beteiligten zu Recht nicht streitig ist, sieht der Senat insoweit von weiteren Ausf&uuml;hrungen ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Hinsichtlich der Frage, ob die Voraussetzungen f&uuml;r die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG) auf die Kapitalabfindung vorliegen, ist der Rechtsstreit nicht entscheidungsreif. &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;13 EStG ist im Streitjahr noch nicht anwendbar und hat f&uuml;r die fr&uuml;heren Zeitr&auml;ume keine entscheidende Bedeutung (dazu unten a). Auch hat das FG zu Recht das Vorliegen der Voraussetzungen des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG verneint (unten b). Hingegen erm&ouml;glichen die Ausf&uuml;hrungen des FG dem Senat keine abschlie&szlig;ende Entscheidung, ob die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG vorliegen (unten c), so dass der Rechtsstreit an die Vorinstanz zur&uuml;ckverwiesen werden muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Erst mit Wirkung ab dem 1.&nbsp;Januar 2018 (vgl. Art.&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. Art.&nbsp;9 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;b des Betriebsrentenst&auml;rkungsgesetzes vom 17.&nbsp;August 2017, BGBl I 2017, 3214) ist dem &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 EStG ein Satz&nbsp;13 angef&uuml;gt worden, wonach f&uuml;r Leistungen aus Altersvorsorgevertr&auml;gen nach &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 EStG die in &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG geregelte Steuersatzerm&auml;&szlig;igung entsprechend anzuwenden ist. Im Streitjahr 2013 konnte diese Rechtsfolge der Besteuerung der Kapitalabfindung nicht zugrunde gelegt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die sp&auml;tere ausdr&uuml;ckliche gesetzliche Regelung kann f&uuml;r die rechtliche Beurteilung fr&uuml;herer Zeitr&auml;ume nicht von entscheidender Bedeutung sein. Zwar hei&szlig;t es in der Begr&uuml;ndung zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Betriebsrentenst&auml;rkungsgesetz vom 22.&nbsp;Februar 2017 (BTDrucks 18\/11286, 63), vor dem Inkrafttreten des &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;13 EStG sei die Gew&auml;hrung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes nicht in Betracht gekommen, da eine Kapitalabfindung stets auf einer vertraglichen Vereinbarung zwischen dem Anbieter und dem Steuerpflichtigen beruhe. Auch wenn einer solchen &Auml;u&szlig;erung eines &#8211;sp&auml;teren&#8211; Gesetzgebers mitunter eine gewisse Indizwirkung f&uuml;r die in fr&uuml;heren Jahren geltende Rechtslage beigemessen werden mag, ist durch die Auslegung der im Streitjahr 2013 geltenden gesetzlichen Regelungen zu ermitteln, ob &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG seinerzeit auf Kapitalauszahlungen nach &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 EStG anwendbar war oder nicht (vgl. dazu die nachfolgenden Ausf&uuml;hrungen unter b und c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG kommen als au&szlig;erordentliche Eink&uuml;nfte u.a. Entsch&auml;digungen i.S. des &sect;&nbsp;24 Nr.&nbsp;1 EStG in Betracht. Die Voraussetzungen dieser Vorschrift hat das FG mit zutreffenden Erw&auml;gungen verneint. Die Kapitalisierung eines Anspruchs auf laufende Zahlungen stellt grunds&auml;tzlich keine Entsch&auml;digung dar (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;September 1993&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;53\/89, BFHE 172, 349, unter II.1., und vom 14.&nbsp;Januar 2004&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;37\/02, BFHE 205, 96, BStBl II 2004, 493, unter II.1.c). Dies gilt erst Recht dann, wenn die Kapitalisierungsm&ouml;glichkeit &#8211;wie hier&#8211; von vornherein vertraglich vereinbart war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Kl&auml;ger im Revisionsverfahren behaupten, die M&ouml;glichkeit einer Kapitalabfindung sei nicht Teil der Vereinbarungen mit dem Anbieter gewesen, weil die entsprechenden Passagen des Altersvorsorgevertrags &quot;rein informatorisch&quot; gewesen seien, k&ouml;nnen sie damit nicht durchdringen. Die Vertragsauslegung geh&ouml;rt zu den tats&auml;chlichen Feststellungen i.S. des &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO, an die das Revisionsgericht grunds&auml;tzlich gebunden ist (BFH-Urteil vom 3.&nbsp;August 2005&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;94\/03, BFHE 210, 398, BStBl II 2006, 20, unter II.4.). Durchgreifende Rechtsfehler der vom FG vorgenommenen Vertragsauslegung vermochte die Revision nicht aufzuzeigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ob die Kapitalabfindung als Verg&uuml;tung f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG) anzusehen ist, kann anhand der Feststellungen des FG hingegen nicht abschlie&szlig;end beurteilt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Senat hat bereits entschieden, dass die einmalige Kapitalabfindung eines Anspruchs auf laufende Altersbez&uuml;ge grunds&auml;tzlich als Verg&uuml;tung f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten anzusehen ist (Urteil vom 20.&nbsp;September 2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;23\/15, BFHE 255, 209, BStBl II 2017, 347, Rz&nbsp;20&nbsp;f.). &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG ist auf alle Einkunftsarten anwendbar. Die &quot;T&auml;tigkeit&quot; besteht bei Altersbez&uuml;gen in der fr&uuml;heren Leistung von Beitr&auml;gen. Die Voraussetzung der Mehrj&auml;hrigkeit (&sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 Halbsatz&nbsp;2 EStG) ist vorliegend ebenfalls erf&uuml;llt, da der Kl&auml;ger die Beitr&auml;ge &uuml;ber mindestens zwei Veranlagungszeitr&auml;ume und mehr als zw&ouml;lf Monate geleistet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies alles ist sowohl in tats&auml;chlicher als auch in rechtlicher Hinsicht zwischen den Beteiligten im Revisionsverfahren unstreitig, weshalb der Senat insoweit von weiteren Ausf&uuml;hrungen absieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes erfordert jedoch sowohl nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG als auch nach dem Einleitungssatz des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 EStG zus&auml;tzlich die &quot;Au&szlig;erordentlichkeit&quot; dieser Eink&uuml;nfte. Dies dient der Einschr&auml;nkung des eher weit geratenen Wortlauts des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG (vgl. Senatsurteil in BFHE 255, 209, BStBl II 2017, 347, Rz&nbsp;23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Nach Auffassung der Finanzverwaltung setzt die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG bei Eink&uuml;nften, die nicht solche aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit sind, zus&auml;tzlich voraus, dass eine Zusammenballung von Eink&uuml;nften eintritt, die nicht dem vertragsgem&auml;&szlig;en oder dem typischen Ablauf entspricht (R&nbsp;34.4 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 der Einkommensteuer-Richtlinien 2012). Soweit sich die Kommentarliteratur mit dieser Frage befasst, wird die Verwaltungsauffassung teils zustimmend (Graf in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;112; Bleschick in Kanzler\/Kraft\/B&auml;uml\/Marx\/Hechtner, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;95; Horn in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;67), teils lediglich referierend (Mellinghoff in Kirchhof, EStG, 18.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;28) zitiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Unter Heranziehung dieses Obersatzes hat der Senat f&uuml;r den Bereich der Altersbez&uuml;ge bereits entschieden, dass Kapitalauszahlungen der Basisversorgung, die ein inl&auml;ndisches Versorgungswerk &uuml;bergangsweise gew&auml;hrt und die auf Beitr&auml;gen beruhen, die in der Zeit vor dem Inkrafttreten des Alterseink&uuml;nftegesetzes (AltEinkG) am 1.&nbsp;Januar 2005 geleistet worden waren, schon dann nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG beg&uuml;nstigt sind, wenn die Geltendmachung einer solchen Abfindung zwar vertrags- bzw. satzungsgem&auml;&szlig;, im Hinblick auf die Charakteristik der Basisversorgung (erste Schicht des sog. Drei-Schichten-Modells) aber gleichwohl atypisch ist (Senatsurteile vom 23.&nbsp;Oktober 2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;3\/12, BFHE 243, 287, BStBl II 2014, 58, Rz&nbsp;74&nbsp;ff., und vom 23.&nbsp;Oktober 2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;21\/12, BFH\/NV 2014, 330, Rz&nbsp;40). Zum selben Ergebnis ist der Senat f&uuml;r eine satzungsgem&auml;&szlig;e Kapitalauszahlung aus einer ausl&auml;ndischen Pensionskasse der Basisversorgung gekommen (Urteil vom 23.&nbsp;Oktober 2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;33\/10, BFHE 243, 332, BStBl II 2014, 103, Rz&nbsp;65&nbsp;ff.). Dem hat sich auch der I.&nbsp;Senat des BFH angeschlossen (Urteil vom 16.&nbsp;September 2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;83\/11, BFHE 253, 527, BStBl II 2016, 681, Rz&nbsp;19). Demgegen&uuml;ber sind die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG nicht erf&uuml;llt, wenn ein inl&auml;ndischer Pensionsfonds der betrieblichen Altersversorgung (Teil der zweiten Schicht des Drei-Schichten-Modells) ein unbeschr&auml;nktes Kapitalwahlrecht bereits im urspr&uuml;nglichen Vertrag vorsieht und zus&auml;tzlich vorgetragen wird, dieses Kapitalwahlrecht sei f&uuml;r die Attraktivit&auml;t der betrieblichen Altersversorgung unbedingt erforderlich (Senatsurteil in BFHE 255, 209, BStBl II 2017, 347, Rz&nbsp;22&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Damit hat der Senat in den genannten Entscheidungen letztlich das Kriterium der Atypik in den Vordergrund seiner &Uuml;berlegungen gestellt. Ob dar&uuml;ber hinaus in dem konkreten Vertrag die M&ouml;glichkeit einer Kapitalabfindung bereits von Anfang an vorgesehen war oder nicht, stellt sich danach als ein Indiz dar, das allenfalls gewisse R&uuml;ckschl&uuml;sse darauf zulassen mag, ob eine Kapitalabfindung im betreffenden Lebens-, Wirtschafts- und Regelungsbereich typisch oder atypisch ist, aber nicht von allein entscheidender Bedeutung ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Auslegung des Gesetzes f&uuml;hrt zu einem Gleichklang mit der &#8211;bereits langj&auml;hrigen&#8211; Rechtsprechung zur Anwendung des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG bei Eink&uuml;nften aus selbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit und vermeidet damit sachlich nicht gebotene Differenzierungen zwischen den Einkunftsarten. F&uuml;r Eink&uuml;nfte aus &sect;&nbsp;18 EStG wird die Beg&uuml;nstigung nur dann gew&auml;hrt, wenn der Steuerpflichtige sich w&auml;hrend mehrerer Jahre ausschlie&szlig;lich der einen Sache gewidmet und die Verg&uuml;tung daf&uuml;r in einem einzigen Veranlagungszeitraum erhalten hat <em>oder<\/em> wenn eine sich &uuml;ber mehrere Jahre erstreckende Sondert&auml;tigkeit, die von der &uuml;brigen T&auml;tigkeit des Steuerpflichtigen ausreichend abgrenzbar ist und nicht zum regelm&auml;&szlig;igen Betrieb geh&ouml;rt, in einem einzigen Veranlagungszeitraum entlohnt wird (BFH-Urteile vom 22.&nbsp;Mai 1975&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;33\/72, BFHE 116, 136, BStBl II 1975, 765, unter 1. vor a, und vom 30.&nbsp;Januar 2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;84\/11, BFHE 240, 156, BStBl II 2018, 696, m.w.N.). Es kommt daher nur auf die Atypik des Vorgangs f&uuml;r den betreffenden Lebens- und Wirtschaftsbereich an (so auch Bl&uuml;mich\/Lindberg, &sect;&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;49); ob der zusammengeballte Zufluss der Verg&uuml;tung hingegen vertragsgem&auml;&szlig; war, ist nicht von entscheidender Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenso hat der VIII.&nbsp;Senat des BFH bei der Anwendung des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG auf die Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen nur darauf abgestellt, ob die Eink&uuml;nfte &quot;f&uuml;r die jeweilige Einkunftsart ungew&ouml;hnlich&quot; &#8211;also atypisch&#8211; sind (Urteil vom 12.&nbsp;November 2013&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;36\/10, BFHE 243, 506, BStBl II 2014, 168, Rz&nbsp;40).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben steht allein der vom FG festgestellte Umstand, dass die M&ouml;glichkeit der Kapitalisierung einer Kleinbetragsrente von Anfang an im Altersvorsorgevertrag vorgesehen war, der Anwendung des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG nicht zwingend entgegen. Vielmehr ist entscheidend, ob die Kapitalisierung laufender Rentenanspr&uuml;che im Bereich der Altersvorsorgevertr&auml;ge (&sect;&sect;&nbsp;82&nbsp;ff. EStG) als atypisch anzusehen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat diese Frage zwar bejaht (zustimmend Zimmermann in Lademann, EStG, &sect;&nbsp;34 Rz&nbsp;130c). Es hat allerdings keine tats&auml;chlichen Feststellungen getroffen, die seine W&uuml;rdigung tragen k&ouml;nnten. Dies wird im zweiten Rechtsgang nachzuholen sein. Hierf&uuml;r weist der Senat auf die folgenden Punkte hin:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) F&uuml;r die vorzunehmende wertende Beurteilung ist nicht allein auf die Teilmenge der Kleinbetragsrenten abzustellen, sondern auf s&auml;mtliche Altersvorsorgevertr&auml;ge, deren Auszahlungsphase w&auml;hrend der Geltung der im Streitjahr ma&szlig;gebenden Rechtslage (d.h. vom Inkrafttreten des AltEinkG am 1.&nbsp;Januar 2005 bis zum Inkrafttreten des &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;13 EStG am 1.&nbsp;Januar 2018) begonnen hat. Dies folgt bereits aus der bisherigen Senatsrechtsprechung, wo f&uuml;r die Beurteilung der Typik oder Atypik einer Kapitalisierung nicht etwa lediglich die Teilmenge der Mitglieder von Versorgungswerken mit Altbeitr&auml;gen (Senatsurteil in BFHE 243, 287, BStBl II 2014, 58) oder die Teilmenge der Mitglieder schweizerischer Pensionskassen (Senatsurteil in BFHE 243, 332, BStBl II 2014, 103), sondern die Gesamtmenge aller Rechtsbeziehungen der Basisversorgung herangezogen worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Der Gesetzgeber hat zwischenzeitlich mehrere M&ouml;glichkeiten zur Kapitalisierung der laufenden Auszahlungsanspr&uuml;che aus Altersvorsorgevertr&auml;gen eingef&uuml;hrt und dadurch den Zweck dieser Art der Altersvorsorge &#8211;die Gew&auml;hrleistung einer lebenslangen laufenden Versorgung&#8211; jedenfalls in Teilbereichen in Frage gestellt. So ist nach &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 EStG die Abfindung einer Kleinbetragsrente zul&auml;ssig. Dar&uuml;ber hinaus l&auml;sst &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 Buchst.&nbsp;a des Gesetzes &uuml;ber die Zertifizierung von Altersvorsorge- und Basisrentenvertr&auml;gen &#8211;Altersvorsorgevertr&auml;ge-Zertifizierungsgesetz&#8211; (AltZertG) zu, dass bis zu 30&nbsp;% des zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verf&uuml;gung stehenden Kapitals au&szlig;erhalb der monatlichen Leistungen ausgezahlt werden kann; auch eine solche Teilkapitalisierung gilt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG nicht als sch&auml;dliche Verwendung. Den gesetzlichen Regelungen zur Basisversorgung, insbesondere zur gesetzlichen Rentenversicherung, sind derartige weitreichende Kapitalisierungsm&ouml;glichkeiten hingegen weiterhin fremd. Dies spricht daf&uuml;r, dass der Gesetzgeber selbst die Kapitalisierungsm&ouml;glichkeit im Bereich der zweiten Schicht nicht als atypisch ansieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Der Senat kann mangels statistischen Materials aber weder beurteilen, ob es sich bei den Kleinbetragsrenten um atypische Einzelf&auml;lle handelt, noch liegen ihm Informationen dazu vor, ob es bei Erf&uuml;llung der Voraussetzungen des &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 EStG nur in atypischen Einzelf&auml;llen tats&auml;chlich zur Wahl der Kapitalabfindung kommt. Dies wird das FG &#8211;erforderlichenfalls durch Anfragen bei Organisationen, die &uuml;ber entsprechendes statistisches Material verf&uuml;gen d&uuml;rften, wie z.B. die zentrale Stelle (&sect;&nbsp;81 EStG), Verbraucherschutzorganisationen sowie Verb&auml;nde der Anbieter&#8211; festzustellen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(4) Zu Unrecht hat sich das FG f&uuml;r seine W&uuml;rdigung, die Abfindung einer Kleinbetragsrente stelle in der Praxis den Normalfall dar, sei also als typisch anzusehen, auf die Kommentierung von Baroch Castellvi, AltZertG, 1.&nbsp;Aufl. 2012, &sect;&nbsp;1 Rz&nbsp;19 berufen. In dieser Fundstelle hei&szlig;t es lediglich beil&auml;ufig, die Verwaltungskosten von Kleinbetragsrenten seien unwirtschaftlich (ebenso die Begr&uuml;ndung zum Fraktionsentwurf des AltEinkG vom 9.&nbsp;Dezember 2003, BTDrucks 15\/2150, 49), nicht aber, die Existenz entsprechender vertraglicher Regelungen oder das Gebrauchmachen von derartigen Regelungen stelle den Normalfall dar. Schon gar nicht findet sich dort entsprechendes statistisches Material.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.6.2019, X R 7\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.110619.XR7.18.0 Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes auf die Kapitalabfindung von Kleinbetragsrenten aus Altersvorsorgevertr&auml;gen Leits&auml;tze 1. Die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes auf Verg&uuml;tungen f&uuml;r mehrj&auml;hrige T&auml;tigkeiten erfordert zus&auml;tzlich die Au&szlig;erordentlichkeit dieser Eink&uuml;nfte. 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