{"id":71071,"date":"2019-08-22T18:06:14","date_gmt":"2019-08-22T16:06:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71071"},"modified":"2019-08-22T18:07:17","modified_gmt":"2019-08-22T16:07:17","slug":"v-b-53-18-grundsaetzliche-bedeutung-ablaufhemmung-durch-ermittlungen-der-steuerfahndung-mitwirkungsrecht-des-rechtsbeistands-beweisverwertungsverbot-zeugenvernehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-53-18-grundsaetzliche-bedeutung-ablaufhemmung-durch-ermittlungen-der-steuerfahndung-mitwirkungsrecht-des-rechtsbeistands-beweisverwertungsverbot-zeugenvernehmung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;53\/18 &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung; Ablaufhemmung durch Ermittlungen der Steuerfahndung, Mitwirkungsrecht des Rechtsbeistands, Beweisverwertungsverbot, Zeugenvernehmung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.6.2019, V B 53\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.050619.VB53.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Grunds&auml;tzliche Bedeutung; Ablaufhemmung durch Ermittlungen der Steuerfahndung, Mitwirkungsrecht des Rechtsbeistands, Beweisverwertungsverbot, Zeugenvernehmung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Die Ablaufhemmung nach &sect; 171 Abs. 5 AO wird nur durch f&uuml;r den Steuerpflichtigen als solche erkennbaren Ermittlungshandlungen der Fahndungsbeh&ouml;rden ausgel&ouml;st; amtsinterne Ma&szlig;nahmen wie ein beh&ouml;rdlicher Aktenvermerk reichen nicht aus.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Die fehlende Anwesenheit eines Rechtsbeistands bei einer Zeugenvernehmung durch Sachbearbeiter des Finanzamts im steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren verst&ouml;&szlig;t weder gegen Unionsrecht (Richtlinie 2013\/48\/EU) noch gegen die zur Umsetzung dieser Richtlinie ge&auml;nderten Vorschriften der Strafprozessordnung und ist daher nicht geeignet, ein Beweisverwertungsverbot f&uuml;r die Zeugenaussagen zu begr&uuml;nden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 08.03.2018 &#8211; 1 K 1423\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen. Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde liegen, soweit sie &uuml;berhaupt in einer &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) gen&uuml;genden Form dargelegt wurden, jedenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Rechtssache hat keine grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wird die Beschwerde mit einer grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache begr&uuml;ndet, so muss in der Beschwerdebegr&uuml;ndung eine bestimmte &#8211;abstrakte&#8211; kl&auml;rungsbed&uuml;rftige und in dem angestrebten Revisionsverfahren auch kl&auml;rbare Rechtsfrage herausgestellt und &#8211;unter Ber&uuml;cksichtigung von Rechtsprechung und Literatur&#8211; deren Bedeutung f&uuml;r die Allgemeinheit substantiiert dargetan werden (vgl. Senatsbeschluss vom 8.&nbsp;April 2010&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;20\/08, BFH\/NV 2010, 1616, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die erste von der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) aufgeworfene Frage, ob Betriebsinhaber mit Migrationshintergrund, denen kaufm&auml;nnische und umsatzsteuerrechtliche Kenntnisse fehlen, die deshalb Ehepartner und nahestehende Verschw&auml;gerte sowie einen Steuerberater mit den anstehenden Aufgaben der Buchhaltung und der Abgabe von Umsatzsteuererkl&auml;rungen beauftragt und (im Rahmen ihrer M&ouml;glichkeiten) auch &uuml;berwacht haben, den subjektiven Tatbestand des &sect;&nbsp;370 der Abgabenordnung (AO) erf&uuml;llen, stellt keine im Interesse der Allgemeinheit kl&auml;rungsbed&uuml;rftige Rechtsfrage dar. Mit dieser Rechtsfrage wird der konkret zur Entscheidung anstehende Steuerfall in seinen individuellen Besonderheiten umschrieben und lediglich das individuelle Interesse der Kl&auml;gerin an der &Uuml;berpr&uuml;fung der gegen sie ergangenen Einzelfallentscheidung herausgestellt. Denn die Beantwortung der Rechtsfrage h&auml;ngt von den Umst&auml;nden des Einzelfalles ab und betrifft somit allein die tatrichterliche Einzelfallw&uuml;rdigung des Finanzgerichts (FG), das auf S.&nbsp;26 bis 28 des Urteils im Einzelnen dargelegt hat, aus welchen Gr&uuml;nden es nach W&uuml;rdigung s&auml;mtlicher Umst&auml;nde des Streitfalls davon &uuml;berzeugt ist, dass die Kl&auml;gerin die streitige Umsatzsteuer vors&auml;tzlich verk&uuml;rzt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und daher nicht von grunds&auml;tzlicher Bedeutung ist auch die weitere Rechtsfrage, zu welchem Zeitpunkt die Einleitung eines Steuerstrafverfahrens erfolgt, um den Beginn der Sechsmonatsfrist des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;4 AO auszul&ouml;sen. Die Antwort hierauf ergibt sich bereits aus &sect;&nbsp;171 AO und der hierzu ergangenen Rechtsprechung. Danach kommt es f&uuml;r die Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;5 AO und damit auch f&uuml;r den Beginn der Sechsmonatsfrist des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;4 AO entweder auf die Ermittlung der Besteuerungsgrundlagen beim Steuerpflichtigen oder auf die Bekanntgabe der Einleitung des Steuerstrafverfahrens an:<br \/>Beginnen die mit der Steuerfahndung betrauten Dienststellen der Landesfinanzbeh&ouml;rden vor Ablauf der Festsetzungsfrist beim Steuerpflichtigen mit Ermittlungen der Besteuerungsgrundlagen, so l&auml;uft die Festsetzungsfrist insoweit nicht ab, bevor die auf Grund der Ermittlungen zu erlassenden Steuerbescheide unanfechtbar geworden sind; Absatz&nbsp;4 Satz&nbsp;2 gilt sinngem&auml;&szlig;. Das Gleiche gilt nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 AO, wenn dem Steuerpflichtigen vor Ablauf der Festsetzungsfrist die Einleitung des Steuerstrafverfahrens bekannt gegeben worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beginn der Ablaufhemmung nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;5 AO setzt somit entweder Ermittlungen der Besteuerungsgrundlagen beim Steuerpflichtigen (Satz&nbsp;1) oder die Bekanntgabe der Einleitung des Steuerstrafverfahrens (Satz&nbsp;2) voraus. Dabei ist bereits durch die vorliegende Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) gekl&auml;rt, dass die Ermittlungen der Besteuerungsgrundlagen nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO beim Steuerpflichtigen durchgef&uuml;hrt werden und als solche <em>f&uuml;r den Steuerpflichtigen erkennbar<\/em> sein m&uuml;ssen (Senatsurteil vom 17.&nbsp;Dezember 2015&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;58\/14, BFHE&nbsp;252, 5, BStBl II 2016, 574, unter II.1.b, Rz&nbsp;17; BFH-Urteil vom 8.&nbsp;Juli 2009&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;5\/07, BFHE 226, 198, BStBl II 2010, 583, unter II.1., Rz&nbsp;16; BFH-Urteil vom 16.&nbsp;April 1994&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;61\/94, BFHE 183, 13, BStBl II 1997, 595, unter II.3., Rz&nbsp;26 mit Hinweis auf die Entstehungsgeschichte der Vorschrift). Mangels Erkennbarkeit f&uuml;r den Steuerpflichtigen sind amtsinterne Ma&szlig;nahmen von vornherein ungeeignet, den Ablauf der Festsetzungsfrist zu hemmen (Kruse in Tipke\/ Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;171 AO Rz&nbsp;68a), sodass &#8211;entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin&#8211; mit einem beh&ouml;rdeninternen Aktenvermerk (im Streitfall: Aktenvermerk der Steuerfahndung des Beklagten und Beschwerdegegners &#8211;Finanzamt&#8211; vom 28.&nbsp;Februar 2011) die Ablaufhemmung nicht ausgel&ouml;st werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ob die fehlende Anwesenheit eines Rechtsbeistands bei einer Zeugenvernehmung durch Sachbearbeiter des Finanzamts im steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren gegen die Richtlinie 2013\/48\/EU des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 22.&nbsp;Oktober 2013 &uuml;ber das Recht auf Zugang zu einem Rechtsbeistand in Strafverfahren und in Verfahren zur Vollstreckung des Europ&auml;ischen Haftbefehls sowie &uuml;ber das Recht auf Benachrichtigung eines Dritten bei Freiheitsentzug und das Recht auf Kommunikation mit Dritten und mit Konsularbeh&ouml;rden w&auml;hrend des Freiheitsentzugs (Richtlinie 2013\/48\/EU) verst&ouml;&szlig;t und ein Beweisverwertungsverbot hinsichtlich der Zeugenaussagen begr&uuml;ndet, ist ebenfalls nicht von grunds&auml;tzlicher Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die aufgeworfene Rechtsfrage stellt sich im Streitfall nicht, da die fehlende Anwesenheit des Rechtsbeistands bei der Zeugenvernehmung weder einen Versto&szlig; gegen die Bestimmungen der Richtlinie 2013\/48\/EU noch gegen das zur Umsetzung dieser Richtlinie erlassene Zweite Gesetz zur St&auml;rkung der Verfahrensrechte von Beschuldigten im Strafverfahren und zur &Auml;nderung des Sch&ouml;ffenrechts vom 27.&nbsp;August 2017 (StVRSt&auml;rkG&nbsp;2, BGBl I 2017, 3295) darstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;3 der Richtlinie 2013\/48\/EU (Recht auf Zugang zu einem Rechtsbeistand im Strafverfahren) stellen die Mitgliedstaaten sicher, dass Verd&auml;chtige oder beschuldigte Personen mindestens das Recht haben, dass ihr Rechtsbeistand den folgenden Ermittlungs- oder Beweiserhebungshandlungen beiwohnt, falls diese in den einschl&auml;gigen nationalen Rechtsvorschriften vorgesehen sind und falls die Anwesenheit des Verd&auml;chtigen oder der beschuldigten Personen bei den betreffenden Handlungen vorgeschrieben oder zul&auml;ssig ist:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">&quot;i)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;Identifizierungsgegen&uuml;berstellungen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">ii)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;Vernehmungsgegen&uuml;berstellungen;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:right\">iii)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">&nbsp;Tatortrekonstruktionen.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin ergibt sich hieraus kein Anspruch auf Anwesenheit des Rechtsbeistands bei jeglichen Zeugenvernehmungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ein solcher Anspruch folgt auch nicht durch das die Richtlinie umsetzende StVRSt&auml;rkG&nbsp;2. Dieses f&uuml;hrte zu einer Erweiterung der Anwesenheitsrechte des Rechtsbeistands insbesondere bei Gegen&uuml;berstellungen (&sect;&nbsp;58 Abs.&nbsp;2 der Strafprozessordnung &#8211;StPO&#8211;) und bei richterlichen Vernehmungen von Zeugen und Sachverst&auml;ndigen (&sect;&nbsp;168c Abs.&nbsp;2 StPO), nicht aber bei der staatsanwaltschaftlichen und polizeilichen Vernehmung von Zeugen (Z&ouml;ller in Gercke\/Julius\/Temming\/Z&ouml;ller, Strafprozessordnung, 6.&nbsp;Auflage 2019, &sect;&nbsp;168c Rz&nbsp;5), wozu auch die Zeugenvernehmung durch die Steuerfahndung geh&ouml;rt (&sect;&nbsp;404 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist nicht nach &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 FGO zur Fortbildung des Rechts zuzulassen. Dieser Zulassungsgrund ist ein Unterfall des Zulassungsgrunds der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (vgl. BFH-Beschluss vom 20.&nbsp;M&auml;rz 2018&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;135\/17, BFH\/NV 2018, 705, Rz&nbsp;5). Beide Zulassungsgr&uuml;nde setzen danach eine kl&auml;rungsbed&uuml;rftige und kl&auml;rbare Rechtsfrage voraus, woran es vorliegend nach den Ausf&uuml;hrungen unter 1. fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision ist auch nicht wegen eines Verfahrensmangels zuzulassen, auf dem die Entscheidung beruht (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das FG habe ihren Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO) verletzt, hat sie eine Verletzung dieses Anspruchs nicht hinreichend dargelegt. F&uuml;r eine solche R&uuml;ge reicht weder der Vortrag aus, dass das FG auf &quot;wesentliche Argumente von zentraler Bedeutung, die der Entlastung vom Vorwurf der Steuerhinterziehung dienten, nicht eingegangen&quot; ist (S.&nbsp;3 der Beschwerdebegr&uuml;ndung) noch die Behauptung, dass das FG bei &quot;W&uuml;rdigung des &uuml;bergangenen Vortrags&quot; und Beweisaufnahme (S.&nbsp;4 der Beschwerdebegr&uuml;ndung) zur Entlastung der Kl&auml;gerin vom Vorwurf der Steuerhinterziehung gelangt w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Recht der Beteiligten auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs verpflichtet das Gericht, die Ausf&uuml;hrungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erw&auml;gung zu ziehen. Die Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs bedeutet jedoch nicht, dass das Gericht die Beteiligten &quot;erh&ouml;ren&quot;, sich also ihren rechtlichen Ansichten oder ihrer Sachverhaltsw&uuml;rdigung anschlie&szlig;en m&uuml;sste (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 16.&nbsp;April 2015&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;44\/12, BFH\/NV 2015, 1085, Rz&nbsp;25, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass sich das FG mit dem Vorbringen der Kl&auml;gerin befasst hat, verdeutlichen die Entscheidungsgr&uuml;nde der angefochtenen Vorentenscheidung (S. 26 bis 28). Darin hat sich das FG eingehend mit der Frage des subjektiven Tatbestands der Steuerhinterziehung auseinandergesetzt und ist nach W&uuml;rdigung der Gesamtumst&auml;nde zur Bejahung des subjektiven Tatbestands gelangt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Mit der R&uuml;ge, das FG habe ihre Beweisantritte (Vernehmung der Zeugen AK und EK zum subjektiven Tatbestand der Steuerhinterziehung und der Zeugen MU sowie AK zur Frage der &quot;durchlaufenden Posten&quot;) &uuml;bergangen, r&uuml;gt die Kl&auml;gerin ohne Erfolg eine Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) durch das FG. Denn die Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht geh&ouml;rt zu den verzichtbaren Verfahrensm&auml;ngeln i.S. des &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 der Zivilprozessordnung (ZPO). Die R&uuml;ge, das FG sei einem Beweisantrag nicht nachgegangen, kann dann nicht mehr geltend gemacht werden, wenn ein Beteiligter hierauf i.S. von &sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 ZPO verzichtet hat. Ein solcher Verzicht ist nicht nur im Falle einer ausdr&uuml;cklichen Verzichtserkl&auml;rung, sondern auch dann anzunehmen, wenn der Beteiligte in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zur Sache verhandelt hat, ohne den Verfahrensmangel zu r&uuml;gen (vgl. Senatsbeschluss vom 7.&nbsp;Februar 2018&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;105\/17, BFH\/NV 2018, 536, Rz&nbsp;12; BFH-Beschluss vom 21.&nbsp;Mai 2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;97\/13, BFH\/NV 2014, 1555, Leitsatz und Rz&nbsp;3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ausweislich der Sitzungsniederschrift der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2018 (Bl.&nbsp;179 bis 181 FG-Akte) hat der Prozessbevollm&auml;chtigte die Nichterhebung von Beweisen nicht ger&uuml;gt. Schweigt das Protokoll zu behaupteten Verfahrensverst&ouml;&szlig;en, so liefert es den Beweis daf&uuml;r (&sect;&nbsp;94 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;165 ZPO), dass ein bestimmter Antrag von einem Beteiligten nicht gestellt wurde oder ein bestimmter Vortrag (z.B. R&uuml;ge) nicht stattgefunden hat. Ein diesbez&uuml;glicher Verfahrensmangel kann dann im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde &#8211;wie im Streitfall&#8211; nicht mehr geltend gemacht werden (vgl. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2018, 536, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Schlie&szlig;lich r&uuml;gt die Kl&auml;gerin zu Unrecht eine Verletzung des Art.&nbsp;6 der Europ&auml;ischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK). Danach hat jede Person ein Recht darauf, dass &uuml;ber Streitigkeiten in Bezug auf ihre zivilrechtlichen Anspr&uuml;che und Verpflichtungen oder &uuml;ber eine gegen sie erhobene strafrechtliche Anklage von einem unabh&auml;ngigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren, &ouml;ffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt wird. Der Anwendungsbereich dieser Vorschrift beschr&auml;nkt sich aber auf Streitigkeiten in Bezug auf ihre zivilrechtlichen Anspr&uuml;che und Verpflichtungen oder &uuml;ber eine gegen sie erhobene strafrechtliche Anklage. Es entspricht daher st&auml;ndiger Rechtsprechung sowohl des Europ&auml;ischen Gerichtshofs f&uuml;r Menschenrechte (Urteil vom 12.&nbsp;Juli 2001&nbsp;&#8211; 44759\/98, Neue Juristische Wochenschrift 2002, 3453, Rz&nbsp;20&nbsp;ff.) als auch des BFH (Urteil vom 27.&nbsp;April 2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;1\/15, BFHE 253, 306, BStBl II 2016, 840, unter III.2. Buchst.&nbsp;b, m.w.N.), dass steuerrechtliche Streitigkeiten nicht unter diese Gew&auml;hrleistung fallen (vgl. hierzu auch Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O., EuRS Rz&nbsp;64, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von der Darstellung des Sachverhalts und einer weiteren Begr&uuml;ndung wird nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO abgesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 5.6.2019, V B 53\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.050619.VB53.18.0 Grunds&auml;tzliche Bedeutung; Ablaufhemmung durch Ermittlungen der Steuerfahndung, Mitwirkungsrecht des Rechtsbeistands, Beweisverwertungsverbot, Zeugenvernehmung Leits&auml;tze 1. NV: Die Ablaufhemmung nach &sect; 171 Abs. 5 AO wird nur durch f&uuml;r den Steuerpflichtigen als solche erkennbaren Ermittlungshandlungen der Fahndungsbeh&ouml;rden ausgel&ouml;st; amtsinterne Ma&szlig;nahmen wie ein beh&ouml;rdlicher Aktenvermerk reichen nicht aus. 2. NV: Die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-53-18-grundsaetzliche-bedeutung-ablaufhemmung-durch-ermittlungen-der-steuerfahndung-mitwirkungsrecht-des-rechtsbeistands-beweisverwertungsverbot-zeugenvernehmung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;53\/18 &#8211; Grunds&auml;tzliche Bedeutung; Ablaufhemmung durch Ermittlungen der Steuerfahndung, Mitwirkungsrecht des Rechtsbeistands, Beweisverwertungsverbot, Zeugenvernehmung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71071","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71071"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71071\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}