{"id":71128,"date":"2019-09-12T16:51:41","date_gmt":"2019-09-12T14:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71128"},"modified":"2019-09-12T16:51:41","modified_gmt":"2019-09-12T14:51:41","slug":"v-r-68-17-steuerhaftung-des-rechtsanwalts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-68-17-steuerhaftung-des-rechtsanwalts\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;68\/17 &#8211; Steuerhaftung des Rechtsanwalts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.2.2019, V R 68\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.140219.VR68.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Steuerhaftung des Rechtsanwalts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Einwendungsausschluss nach &sect; 166 AO kann auch zu Lasten eines vom Steuerpflichtigen beauftragten &#8211;und f&uuml;r die Steuerschuld haftenden&#8211; Rechtsanwalts wirken, wenn er mangels entgegenstehender Weisung in der Lage gewesen w&auml;re, den gegen den Steuerpflichtigen erlassenen Bescheid als dessen Bevollm&auml;chtigter anzufechten.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 10. Mai 2017&nbsp;&nbsp;1 K 21\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) nimmt den Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) als Haftungsschuldner f&uuml;r Steuerschulden der A-GmbH (GmbH), die Rechtsnachfolgerin der B-KG (KG) ist, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;191 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;1 des Handelsgesetzbuchs (HGB) in Anspruch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger war seit Gr&uuml;ndung der KG bis zu seinem Austritt im Jahr 2013 Kommanditist der KG. Pers&ouml;nlich haftende Gesellschafterin der KG war die GmbH, die nach Austritt des Kl&auml;gers auch Rechtsnachfolgerin der KG wurde. Nach der Steuerbilanz der KG zum 31.&nbsp;Dezember 2008 hatte der Kl&auml;ger eine Kommanditeinlage in H&ouml;he von 10.000&nbsp;EUR nicht einbezahlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mangels Umsatzsteuererkl&auml;rung der KG f&uuml;r das Jahr 2009 sch&auml;tzte das FA die Besteuerungsgrundlagen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;162 AO und erlie&szlig; am 18.&nbsp;M&auml;rz 2014 einen Umsatzsteuerbescheid, durch den die Umsatzsteuer auf 17.461,38&nbsp;EUR festgesetzt wurde. Grundlage der Sch&auml;tzung war eine Rechnung vom 29.&nbsp;Dezember 2009, die die KG als Rechnungsaussteller ausweist und in der Umsatzsteuer in H&ouml;he von 17.461,38&nbsp;EUR ausgewiesen ist. Aufgrund der Feststellungen einer bei der KG durchgef&uuml;hrten Umsatzsteuersonderpr&uuml;fung ging das FA davon aus, dass die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer nach &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) geschuldet werde, da &uuml;ber die Lieferung und die Montage einer Photovoltaikanlage Umsatzsteuer ausgewiesen worden sei, obwohl keine Leistung erbracht worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Umsatzsteuerbescheid war Gegenstand eines erfolglosen Klageverfahrens beim Finanzgericht (FG). Die hiergegen gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde wurde von der KG als Beschwerdef&uuml;hrerin zur&uuml;ckgenommen. Bevollm&auml;chtigter der Steuerschuldnerin im Verfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) war der Kl&auml;ger.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den am 10.&nbsp;Juli 2014 gegen den Kl&auml;ger erlassenen Haftungsbescheid beschr&auml;nkte das FA auf die H&ouml;he der nicht eingezahlten Kommanditeinlage von 10.000&nbsp;EUR. Einspruch und Klage zum FG gegen den Haftungsbescheid hatten keinen Erfolg. Nach dem Urteil des FG erstreckt sich die Drittwirkung der unanfechtbar gewordenen Umsatzsteuerfestsetzung gegen die KG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;166 AO auch auf den Kommanditisten, der als Prozessbevollm&auml;chtigter der KG in den gegen den Steuerbescheid gef&uuml;hrten Rechtsmittelverfahren aufgetreten ist. Eine gegenteilige Weisung habe der Kl&auml;ger nicht nachgewiesen. Unabh&auml;ngig hiervon sei auch von einer Steuerschuld der KG nach &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG auszugehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit seiner Revision. Weisungsgebundene Prozessbevollm&auml;chtigte seien keine Bevollm&auml;chtigten i.S. von &sect;&nbsp;166 AO. Der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der KG habe ihn zur R&uuml;cknahme der Beschwerde angewiesen. &sect;&nbsp;14c UStG sei nicht auf unvollst&auml;ndige Rechnungen anzuwenden. Bei B&ouml;sgl&auml;ubigkeit bestehe zudem die Haftung nach &sect;&nbsp;71 AO, so dass im Fall der Gutgl&auml;ubigkeit keine Steuerschuld nach &sect;&nbsp;14c UStG anzunehmen sei. Ein Zeuge h&auml;tte belegen k&ouml;nnen, dass ein Leistungswille der KG bestanden habe und &sect;&nbsp;14c UStG auch deshalb nicht anzuwenden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG und den Haftungsbescheid vom 10.&nbsp;Juli 2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 8.&nbsp;April 2015 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Verfahren vor dem FG sei das Vorliegen einer Weisung zur R&uuml;cknahme der Nichtzulassungsbeschwerde nicht hinreichend glaubhaft gemacht worden. Der BFH lege &sect;&nbsp;14c UStG zutreffend aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des Kl&auml;gers ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat materiell- und verfahrensrechtlich zutreffend entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zutreffend eine Steuerschuld nach &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG bejaht, die dem Haftungsbescheid nach &sect;&nbsp;191 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;1 HGB zugrunde liegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wer in einer Rechnung einen Steuerbetrag gesondert ausweist, obwohl er zum gesonderten Ausweis der Steuer nicht berechtigt ist (unberechtigter Steuerausweis), schuldet gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 UStG den ausgewiesenen Betrag. Das Gleiche gilt nach &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG, wenn jemand wie ein leistender Unternehmer abrechnet und einen Steuerbetrag gesondert ausweist, obwohl er nicht Unternehmer ist oder eine Lieferung oder sonstige Leistung nicht ausf&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unionsrechtlich beruht dies auf Art.&nbsp;203 der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Die Mehrwertsteuer wird danach von jeder Person geschuldet, die diese Steuer in einer Rechnung ausweist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der erkennende Senat hat hierzu bereits entschieden, dass der unberechtigte Steuerausweis i.S. des &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 UStG nicht voraussetzt, dass die Rechnung alle in &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 UStG aufgez&auml;hlten Pflichtangaben aufweist (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;Februar 2011 V&nbsp;R&nbsp;39\/09, BFHE 233, 94, BStBl II 2011, 734, Leitsatz&nbsp;1).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der erkennende Senat h&auml;lt hieran entgegen den Einwendungen des Kl&auml;gers weiter fest. Insbesondere bestehen entgegen Weym&uuml;ller (BeckOK UStG, 19.&nbsp;Ed., &sect;&nbsp;14c Rz&nbsp;206&nbsp;ff.) keine unionsrechtlichen Bedenken. Denn Art.&nbsp;203 MwStSystRL soll einer Gef&auml;hrdung des Steueraufkommens entgegenwirken, die sich aus dem Recht auf Vorsteuerabzug ergeben kann (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; Rusedespred vom 11.&nbsp;April 2013 C-138\/12, EU:C:2013:233, Rz&nbsp;24). Dem tr&auml;gt die Rechtsprechung des erkennenden Senats Rechnung. Ein Fall eines irrt&uuml;mlichen Steuerausweises, der dem vom Kl&auml;ger in Bezug genommenen EuGH-Urteil Karageorgou u.a. vom 6.&nbsp;November 2003 C-78\/02 bis C-80\/02 (EU:C:2003:604) entsprechen k&ouml;nnte, ist nicht ersichtlich. Auf die vom Kl&auml;ger als wesentlich angesehene steuerstrafrechtliche Beurteilung kommt es nicht an. Auch im Fall eines unzutreffenden Steuerausweises in gutgl&auml;ubig erteilten Rechnungen bedarf es bis zur Rechnungsberichtigung der Steuerschuld nach &sect;&nbsp;14c UStG, um die Gef&auml;hrdung des Steueraufkommens auszuschlie&szlig;en. Dabei erg&auml;nzt &sect;&nbsp;14c UStG nicht blo&szlig; die Haftung nach &sect;&nbsp;71 AO, sondern hat eigenst&auml;ndigen Charakter im Besteuerungsverfahren des Unternehmers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Auf die Frage des Leistungswillens bei einer Rechnung &uuml;ber eine erst noch zu erbringende Leistung, der einer Steuerschuld nach &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG entgegenstehen k&ouml;nnte, kommt es nach den f&uuml;r den erkennenden Senat bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) nicht an, da der Kl&auml;ger mit seinem Hinweis auf eine hierzu m&ouml;gliche Zeugeneinvernahme nicht in der gebotenen Form einen Verfahrens- und Aufkl&auml;rungsmangel ger&uuml;gt hat (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 23.&nbsp;Oktober 2014 V&nbsp;R&nbsp;23\/13, BFHE 247, 480, BStBl II 2015, 313, Leitsatz&nbsp;2 zur erforderlichen Substantiierung von Beweisantr&auml;gen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat im Ergebnis zu Recht auch entschieden, dass der Kl&auml;ger mit seinen Einwendungen gegen die Steuerschuld pr&auml;kludiert ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ist die Steuer dem Steuerpflichtigen gegen&uuml;ber unanfechtbar festgesetzt, so hat dies nach &sect;&nbsp;166 AO neben einem Gesamtrechtsnachfolger auch gegen sich gelten zu lassen, wer in der Lage gewesen w&auml;re, den gegen den Steuerpflichtigen erlassenen Bescheid als dessen Vertreter, Bevollm&auml;chtigter oder kraft eigenen Rechts anzufechten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) &sect;&nbsp;166 AO soll das Haftungsverfahren von Fragen der materiellen Richtigkeit der Steuerfestsetzungen befreien und verhindern, dass im Haftungsverfahren das Besteuerungsverfahren nochmals aufgerollt und dadurch das Haftungsverfahren unn&ouml;tig verz&ouml;gert wird, wenn der Haftungsschuldner als Vertreter des Steuerpflichtigen bereits zur Anfechtung der Steuerfestsetzung befugt war oder diese bereits erfolglos angefochten hat. &sect;&nbsp;166 AO verlangt von den dort genannten Personengruppen, dass sie von einer ihnen einger&auml;umten uneingeschr&auml;nkten Rechtsmittelbefugnis Gebrauch machen (BFH-Urteil vom 27.&nbsp;September 2017 XI&nbsp;R&nbsp;9\/16, BFHE 259, 221, BStBl II 2018, 515, unter III.2.a, m.w.N. zur BFH-Rechtsprechung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) &sect;&nbsp;166 AO setzt voraus, dass der Vertreter oder Bevollm&auml;chtigte zu einer Anfechtung &quot;in der Lage gewesen w&auml;re&quot;. Erforderlich ist daher, dass er aufgrund des Vertretungsverh&auml;ltnisses zur Anfechtung rechtlich in der Lage war (Krumm in Tipke\/ Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;166 AO Rz&nbsp;15). &sect;&nbsp;166 AO ist daher bei einer Gesamtvertretung in der Regel gegen&uuml;ber keinem Gesellschafter anzuwenden (BFH-Urteil vom 16.&nbsp;Dezember 1997 VII&nbsp;R&nbsp;30\/97, BFHE 185, 105, BStBl II 1998, 319). Dementsprechend ist &sect;&nbsp;166 AO unanwendbar, wenn Bindungen im Innenverh&auml;ltnis den Vertreter an der Einlegung des Rechtsbehelfs hindern (Heuermann in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;166 AO Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Im Streitfall war der Kl&auml;ger in seiner Eigenschaft als Kommanditist f&uuml;r die KG nach &sect;&nbsp;164 HGB weder gesch&auml;ftsf&uuml;hrungs- noch vertretungsbefugt, so dass eine Anwendung von &sect;&nbsp;166 AO nur in Bezug auf die Stellung des Kl&auml;gers als Rechtsanwalt und damit als Bevollm&auml;chtigter in Betracht kommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies hat das FG im Ergebnis zutreffend bejaht. Der Einwendungsausschluss nach &sect;&nbsp;166 AO kann auch zu Lasten eines vom Steuerpflichtigen beauftragten &#8211;und f&uuml;r die Steuerschuld haftenden&#8211; Rechtsanwalts wirken, wenn er mangels entgegenstehender Weisung in der Lage gewesen w&auml;re, den gegen den Steuerpflichtigen erlassenen Bescheid als dessen Bevollm&auml;chtigter anzufechten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat hat dabei nach den Verh&auml;ltnissen des Streitfalls nicht abschlie&szlig;end zu entscheiden, unter welchen Voraussetzungen ein weisungsgebundener Bevollm&auml;chtigter zur Anfechtung &quot;in der Lage gewesen w&auml;re&quot;. Insoweit erscheint die vom FG allgemein bejahte Anwendung von &sect;&nbsp;166 AO auch auf Rechtsanw&auml;lte zwar zweifelhaft. Doch auch eine Beurteilung entsprechend der vorstehend wiedergegebenen Kommentarliteratur unter Beachtung der im Innenverh&auml;ltnis bestehenden Bindungen f&uuml;hrt aufgrund der Besonderheiten im Streitfall zu keiner abweichenden Beurteilung. Denn dann k&auml;me es auf den Nachweis einer Weisung an, die der Anfechtung entgegenstand, da ein weitergehender, von den Umst&auml;nden des Einzelfalls unabh&auml;ngiger Ausschluss von &sect;&nbsp;166 AO mit den mit dieser Regelung verfolgten Zielen (s. oben II.2.b) nicht vereinbar ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall ist daher ma&szlig;geblich, dass das FG den Kl&auml;ger vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung auf die Bedeutung der Drittwirkung der Steuerfestsetzung nach &sect;&nbsp;166 AO hingewiesen hatte, der fachkundig sich selbst vertretende Kl&auml;ger seinen Vortrag zu einer ihm erteilten Weisung aber weder konkretisiert noch glaubhaft gemacht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 14.2.2019, V R 68\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.140219.VR68.17.0 Steuerhaftung des Rechtsanwalts Leits&auml;tze Der Einwendungsausschluss nach &sect; 166 AO kann auch zu Lasten eines vom Steuerpflichtigen beauftragten &#8211;und f&uuml;r die Steuerschuld haftenden&#8211; Rechtsanwalts wirken, wenn er mangels entgegenstehender Weisung in der Lage gewesen w&auml;re, den gegen den Steuerpflichtigen erlassenen Bescheid als dessen Bevollm&auml;chtigter anzufechten. Tenor Die Revision &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-68-17-steuerhaftung-des-rechtsanwalts\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;68\/17 &#8211; Steuerhaftung des Rechtsanwalts<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71128","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71128"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71128\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}