{"id":71131,"date":"2019-09-12T16:51:44","date_gmt":"2019-09-12T14:51:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71131"},"modified":"2019-09-12T16:51:44","modified_gmt":"2019-09-12T14:51:44","slug":"x-r-33-17-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteilen-vom-20022019-x-r-28-17-und-x-r-32-17-vereinbarkeit-der-regelung-ueber-das-verspaetungsgeld-mit-dem-grundgesetz-und-der-europaeischen-menschenrechtsko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-33-17-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteilen-vom-20022019-x-r-28-17-und-x-r-32-17-vereinbarkeit-der-regelung-ueber-das-verspaetungsgeld-mit-dem-grundgesetz-und-der-europaeischen-menschenrechtsko\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;33\/17 &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteilen vom 20.02.2019 X R 28\/17 und X R 32\/17 &#8211; Vereinbarkeit der Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld mit dem Grundgesetz und der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.2.2019, X R 33\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.200219.XR33.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteilen vom 20.02.2019 X R 28\/17 und X R 32\/17 &#8211; Vereinbarkeit der Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld mit dem Grundgesetz und der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die Regelung &uuml;ber das &#8211;in F&auml;llen versp&auml;teter oder unterbliebener &Uuml;bermittlung von Rentenbezugsmitteilungen festzusetzende&#8211; Versp&auml;tungsgeld (&sect; 22a Abs. 5 EStG) verst&ouml;&szlig;t weder gegen das Verbot der Doppelbestrafung noch gegen die Unschuldsvermutung.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 22. Juni 2017&nbsp;&nbsp;5 K 5102\/16 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist ein berufsst&auml;ndisches Versorgungswerk und nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 seiner Satzung eine teilrechtsf&auml;hige Einrichtung einer Kammer, die als K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts organisiert ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r den Veranlagungszeitraum 2014 reichte er 13&nbsp;Rentenbezugsmitteilungen jeweils sieben Monate versp&auml;tet und vier weitere Rentenbezugsmitteilungen jeweils zwei Monate versp&auml;tet bei der Beklagten und Revisionsbeklagten, der Deutschen Rentenversicherung Bund, Zentrale Zulagenstelle f&uuml;r Altersverm&ouml;gen (ZfA) ein. Die ZfA setzte gegen den Kl&auml;ger mit dem angefochtenen Bescheid vom 20.&nbsp;November 2015 ein Versp&auml;tungsgeld von insgesamt 990&nbsp;EUR fest. Der Einspruch blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren r&uuml;gte der Kl&auml;ger die Zul&auml;ssigkeit des Finanzrechtswegs mit der Begr&uuml;ndung, &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sei als Bu&szlig;geldtatbestand anzusehen, so dass gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) der Finanzrechtsweg nicht er&ouml;ffnet sei. Auch im finanzverfassungsrechtlichen Sinne sei das Versp&auml;tungsgeld nicht als steuerliche Nebenleistung anzusehen. Zudem sei es unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig, auch f&uuml;r kleinste Fehler ein Versp&auml;tungsgeld festzusetzen, zumal &sect;&nbsp;22a EStG den Kl&auml;ger zur Erbringung einer unentgeltlichen Leistung zugunsten der Finanzverwaltung in den Dienst nehme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) entschied &uuml;ber die Er&ouml;ffnung des Finanzrechtswegs nicht vorab, sondern wies sogleich die Klage ab (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2018, 962). Der Finanzrechtsweg sei gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 FGO er&ouml;ffnet, weil es sich um eine &ouml;ffentlich-rechtliche Streitigkeit &uuml;ber eine Abgabenangelegenheit handele. Das Verbot der Doppelbestrafung (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;3 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) sei nicht ber&uuml;hrt, weil weder &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 noch &sect;&nbsp;50f EStG dem Kriminalstrafrecht zuzurechnen seien. Auch gen&uuml;ge die Regelung dem Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz; insbesondere erm&ouml;gliche sie im Einzelfall die Darlegung des fehlenden Vertretenm&uuml;ssens. Im Streitfall seien auch die materiell-rechtlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG erf&uuml;llt; Anhaltspunkte f&uuml;r ein fehlendes Vertretenm&uuml;ssen des Kl&auml;gers seien nicht ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger erneut die Zul&auml;ssigkeit des Finanzrechtswegs. In der Sache selbst h&auml;lt er an seiner Auffassung fest, Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;3 GG sei &#8211;zumindest in einer v&ouml;lkerrechtsfreundlichen Interpretation unter Ber&uuml;cksichtigung der Rechtsprechung des Europ&auml;ischen Gerichtshofs f&uuml;r Menschenrechte zu Art.&nbsp;6, 7 der Europ&auml;ischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK)&#8211; verletzt. Auch versto&szlig;e die in &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 EStG enthaltene Regelung, wonach der Mitteilungspflichtige sein fehlendes Vertretenm&uuml;ssen darzulegen habe, gegen die Unschuldsvermutung, die sowohl im Rechtsstaatsprinzip des nationalen Verfassungsrechts als auch in Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;2 EMRK verankert sei. Schlie&szlig;lich sei &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG dem Grunde und der H&ouml;he nach unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil, die Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2016 und den Bescheid &uuml;ber die Festsetzung eines Versp&auml;tungsgelds f&uuml;r 2014 vom 20.&nbsp;November 2015 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die ZfA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie bringt vor, allein bei &sect;&nbsp;50f EStG handele es sich um einen Bu&szlig;geldtatbestand. Demgegen&uuml;ber folge aus den Gesetzesmaterialien, dass die Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld in erster Linie einen pr&auml;ventiven Zweck verfolge (Anreiz zur rechtzeitigen Erf&uuml;llung der gesetzlichen Mitteilungspflicht) und ersatzweise &#8211;in F&auml;llen der nicht rechtzeitigen Pflichterf&uuml;llung&#8211; einen finanziellen Ausgleich f&uuml;r den dann entstehenden Verwaltungsmehraufwand bewirken solle. Eine Doppelbestrafung sei vorliegend schon in tats&auml;chlicher Hinsicht ausgeschlossen, weil gegen den Kl&auml;ger kein Bu&szlig;geld verh&auml;ngt worden sei. Ohnehin habe die ZfA von der Regelung des &sect;&nbsp;50f EStG bisher noch nie Gebrauch gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorschrift des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG sei zudem verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Auch der Grundsatz einer m&ouml;glichst effizienten Verwaltung habe nach der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung Verfassungsrang; dies rechtfertige bei einem Massenverfahren mit &uuml;ber 30&nbsp;Mio. Rentenbezugsmitteilungen j&auml;hrlich die vom Gesetzgeber vorgenommenen Pauschalierungen. Dar&uuml;ber hinaus sei f&uuml;r den Kl&auml;ger als K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts schon der pers&ouml;nliche Schutzbereich derjenigen Grundrechtsnormen, die im Streitfall Grundlage f&uuml;r eine Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fung sein k&ouml;nnten, nicht er&ouml;ffnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Bundesministerium der Finanzen ist dem Revisionsverfahren beigetreten. Es unterst&uuml;tzt in der Sache die Auffassung der ZfA, hat aber keinen Antrag gestellt. Insbesondere weist es darauf hin, dass das Verbot der Doppelbestrafung nicht in der EMRK selbst, sondern in Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 des 7.&nbsp;Zusatzprotokolls zur EMRK geregelt sei, das die Bundesrepublik Deutschland bisher aber nicht ratifiziert habe. Die Eignung und Erforderlichkeit der pr&auml;ventiven Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld zeige sich schon daran, dass die Quote fristgerecht &uuml;bermittelter Rentenbezugsmitteilungen von 72,25&nbsp;% im Jahr des Inkrafttretens des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG (2010) kontinuierlich bis auf 97,8&nbsp;% im Jahr 2016 gestiegen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Finanzrechtsweg ist er&ouml;ffnet. Wegen der Einzelheiten verweist der Senat auf die ausf&uuml;hrlichen Darlegungen unter B.I. seines in einem Parallelverfahren ergangenen Urteils vom 20.&nbsp;Februar 2019 X&nbsp;R&nbsp;32\/17 (www.bundesfinanzhof.de, Entscheidungen, Datum der Ver&ouml;ffentlichung 4.&nbsp;Juli 2019).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">III.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des angefochtenen Bescheids zutreffend bejaht. Der Kl&auml;ger ist keiner unzul&auml;ssigen Doppelbestrafung ausgesetzt (dazu unten&nbsp;1.). Die gesetzliche Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld verst&ouml;&szlig;t auch nicht gegen die Unschuldsvermutung (unten&nbsp;2.). Die von der Revision ger&uuml;gten Verst&ouml;&szlig;e gegen den Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz liegen nicht vor (unten&nbsp;3.). Die einfachgesetzlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG sind im Streitfall erf&uuml;llt (unten&nbsp;4.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger ist keiner Doppelbestrafung im verfassungsrechtlichen, menschenrechtlichen oder unionsrechtlichen Sinne ausgesetzt. Wegen der Einzelheiten verweist der Senat auf die ausf&uuml;hrlichen Darlegungen unter B.II. seines in einem Parallelverfahren ergangenen Urteils vom 20.&nbsp;Februar 2019 X&nbsp;R&nbsp;28\/17 (www.bundesfinanzhof.de, Entscheidungen, Datum der Ver&ouml;ffentlichung 4.&nbsp;Juli 2019).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Regelung des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 EStG, wonach den Mitteilungspflichtigen die Darlegungslast f&uuml;r ein fehlendes Vertretenm&uuml;ssen trifft, verst&ouml;&szlig;t nicht gegen die Unschuldsvermutung, und zwar weder in deren Gew&auml;hrleistung durch das nationale Verfassungsrecht noch durch die EMRK. Auch insoweit verweist der Senat wegen der Einzelheiten auf sein Urteil vom 20.&nbsp;Februar 2019 X&nbsp;R&nbsp;32\/17 (unter B.III.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die vom Kl&auml;ger ger&uuml;gten Verst&ouml;&szlig;e gegen den Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz liegen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz kann nicht &quot;abstrakt&quot; gepr&uuml;ft werden, sondern ist stets Teil der Pr&uuml;fung eines bestimmten Grundrechts. Dies folgt schon daraus, dass die im Einzelfall zu stellenden Anforderungen an die Rechtfertigung einer belastenden gesetzlichen Regelung im Rahmen einer solchen grundrechtsimmanenten Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fung von dem jeweiligen Grundrecht abh&auml;ngig sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat sich nicht ausdr&uuml;cklich auf ein bestimmtes Grundrecht berufen. Von ihrem sachlichen Schutzbereich her kommen vorliegend die Art.&nbsp;12 Abs.&nbsp;1, Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 und &#8211;als Auffanggrundrecht&#8211; Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG in Betracht. Ob der Kl&auml;ger &#8211;als Teil einer K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts&#8211; in den pers&ouml;nlichen Schutzbereich dieser Grundrechte f&auml;llt (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 31.&nbsp;Oktober 1984&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;35\/82, 1&nbsp;BvR&nbsp;356\/82, 1&nbsp;BvR&nbsp;794\/82, BVerfGE 68, 193, unter B.I.1., betreffend Handwerker-Innung; BVerfG-Beschluss vom 23.&nbsp;Januar 1997&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1317\/86, Neue Juristische Wochenschrift 1997, 1634, betreffend berufsst&auml;ndisches Versorgungswerk; BVerfG-Urteil vom 6.&nbsp;Dezember 2016&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;2821\/11&nbsp;u.a., BVerfGE 143, 246, Rz&nbsp;187&nbsp;f.), kann vorliegend offenbleiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Jedenfalls hat der Senat mit Urteil vom 20.&nbsp;Februar 2019 X&nbsp;R&nbsp;28\/17 (unter B.III.) in Bezug auf eine privatrechtliche K&ouml;rperschaft die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG auch im Hinblick auf Art.&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 GG und unter Ber&uuml;cksichtigung des Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatzes bejaht. Dabei hat er in seine Pr&uuml;fung auch die vom Kl&auml;ger des vorliegenden Verfahrens gegen die Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der Regelung dem Grunde und der H&ouml;he nach vorgebrachten Bedenken sowie den besonderen Aspekt der unentgeltlichen Indienstnahme der Mitteilungspflichtigen einbezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die einfachgesetzlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 EStG in der im Streitjahr 2014 geltenden Fassung sind vorliegend erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG ist, wenn eine Rentenbezugsmitteilung nicht innerhalb der in &sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG genannten Frist (1.&nbsp;M&auml;rz des Jahres, das auf das Jahr des Zuflusses der Rentenleistung folgt) &uuml;bermittelt wird, f&uuml;r jeden angefangenen Monat, in dem die Rentenbezugsmitteilung noch aussteht, ein Betrag in H&ouml;he von 10&nbsp;EUR f&uuml;r jede ausstehende Rentenbezugsmitteilung an die zentrale Stelle zu entrichten. Von der Erhebung dieses Versp&auml;tungsgelds ist abzusehen, soweit die Frist&uuml;berschreitung auf Gr&uuml;nden beruht, die der Mitteilungspflichtige nicht zu vertreten hat (&sect;&nbsp;22a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat im Einzelnen festgestellt, dass der Kl&auml;ger die streitgegenst&auml;ndlichen 17&nbsp;Rentenbezugsmitteilungen versp&auml;tet &uuml;bermittelt hat und die vom Kl&auml;ger &#8211;ohnehin nur zu einem Teil der versp&auml;teten &Uuml;bermittlungen&#8211; vorgebrachten Tatsachen nicht darauf schlie&szlig;en lassen, dass er die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Frist&uuml;berschreitung nicht zu vertreten hat. Gegen diese das Revisionsgericht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindende Tatsachenw&uuml;rdigung der Vorinstanz wendet der Kl&auml;ger sich im Revisionsverfahren nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.2.2019, X R 33\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.200219.XR33.17.0 Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteilen vom 20.02.2019 X R 28\/17 und X R 32\/17 &#8211; Vereinbarkeit der Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld mit dem Grundgesetz und der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention Leits&auml;tze NV: Die Regelung &uuml;ber das &#8211;in F&auml;llen versp&auml;teter oder unterbliebener &Uuml;bermittlung von Rentenbezugsmitteilungen festzusetzende&#8211; Versp&auml;tungsgeld (&sect; 22a Abs. 5 EStG) &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-33-17-teilweise-inhaltsgleich-mit-bfh-urteilen-vom-20022019-x-r-28-17-und-x-r-32-17-vereinbarkeit-der-regelung-ueber-das-verspaetungsgeld-mit-dem-grundgesetz-und-der-europaeischen-menschenrechtsko\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;33\/17 &#8211; Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteilen vom 20.02.2019 X R 28\/17 und X R 32\/17 &#8211; Vereinbarkeit der Regelung &uuml;ber das Versp&auml;tungsgeld mit dem Grundgesetz und der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71131","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71131\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}