{"id":71135,"date":"2019-09-12T16:52:30","date_gmt":"2019-09-12T14:52:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71135"},"modified":"2019-09-12T16:52:30","modified_gmt":"2019-09-12T14:52:30","slug":"v-r-6-19-v-r-33-16-zum-vorsteuerabzug-aus-anzahlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-6-19-v-r-33-16-zum-vorsteuerabzug-aus-anzahlungen\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;6\/19&nbsp;(V&nbsp;R&nbsp;33\/16) &#8211; Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.3.2019, V R 6\/19 (V R 33\/16)<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.270319.VR6.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Der Vorsteuerabzug aus einer Anzahlung setzt voraus, dass der Eintritt des Steuertatbestands zum Zeitpunkt der Anzahlung &quot;sicher&quot; sein muss.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r, ob im Zeitpunkt der Anzahlung alle ma&szlig;geblichen Elemente des Steuertatbestands bereits bekannt sind, so dass der Gegenstand der Lieferung genau bestimmt ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Der Vorsteuerabzug aus einer Anzahlungsrechnung h&auml;ngt nicht davon ab, ob der Zahlungsempf&auml;nger im Zahlungszeitpunkt die Leistung objektiv erbringen kann und ob er das will.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: Es reicht aus, wenn anhand objektiver Umst&auml;nde nicht erwiesen ist, dass der Anzahlende zum Zeitpunkt der Zahlung wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass die Bewirkung der Lieferung oder Erbringung der Dienstleistung ungewiss ist.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 17. November 2015 14 K 2223\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist der Vorsteuerabzug aus einem gekauften und angezahlten, aber nicht gelieferten Blockheizkraftwerk.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) bestellte am 15.&nbsp;M&auml;rz 2010 bei der A-GmbH ein Blockheizkraftwerk. Die Bestellung wurde von der A-GmbH am 29.&nbsp;M&auml;rz 2010 best&auml;tigt. Mit Rechnung vom selben Tag rechnete die A-GmbH den Kauf des Blockheizkraftwerks mit 37.500&nbsp;EUR zzgl. 7.125&nbsp;EUR Umsatzsteuer ab. Der Kaufpreis, den der Kl&auml;ger mit Fremdmitteln &uuml;ber eine Sparkasse finanziert hatte, wurde der A-GmbH am 8.&nbsp;April 2010 auf ihrem Konto gutgeschrieben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 27.&nbsp;April 2010 zeigte der Kl&auml;ger gegen&uuml;ber dem Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Beginn einer Gewerbet&auml;tigkeit als Energieeinspeiser nach Fertigstellung des Blockheizkraftwerks an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter dem 22.&nbsp;September 2010 schloss der Kl&auml;ger mit der A-GmbH einen Pachtvertrag &uuml;ber das Blockheizkraftwerk f&uuml;r einen Zeitraum von zehn Jahren gegen eine monatliche Zahlung von 1.500&nbsp;EUR zuz&uuml;glich 285&nbsp;EUR Umsatzsteuer. Die Pacht war monatlich anteilig ab Beginn des zweiten Monats nach Abschluss des Pachtvertrags zu zahlen. Der Kl&auml;ger erhielt am 2.&nbsp;September 2010 die erste Zahlung von der A-GmbH. Die &Uuml;bergabe des Blockheizkraftwerks sollte durch die Abtretung des Anspruchs des Kl&auml;gers auf Lieferung und Herausgabe des Pachtgegenstandes gegen&uuml;ber der B-AG erf&uuml;llt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Lieferung des Blockheizkraftwerks kam es nicht. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen der A-GmbH und B-AG wurde am 1.&nbsp;M&auml;rz 2011 das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet und mangels Masse eingestellt. Der Kl&auml;ger erhielt von der A-GmbH am 29.&nbsp;November 2010 die letzte Zahlung f&uuml;r Dezember 2010. Die f&uuml;r die A-GmbH handelnden Personen wurden wegen gewerbs- und bandenm&auml;&szlig;igen Betrugs in 88&nbsp;F&auml;llen und wegen vors&auml;tzlichen Bankrotts zu Lasten der K&auml;ufer der Blockheizkraftwerke, nicht aber wegen Steuerhinterziehung strafrechtlich verurteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA erkannte in dem Umsatzsteuer-Vorauszahlungsbescheid vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2011 den Vorsteuerabzug aus dem Erwerb des Blockheizkraftwerks nicht an und setzte die Umsatzsteuer mit 0&nbsp;EUR fest. Mit Bescheid vom 4.&nbsp;April 2011 setzte das FA f&uuml;r die Voranmeldungszeitr&auml;ume August, Oktober, November und Dezember 2010 unberechtigt ausgewiesene Umsatzsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes in der im Streitjahr g&uuml;ltigen Fassung (UStG) gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger in H&ouml;he von 1.372,75&nbsp;EUR fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren erlie&szlig; das FA am 20.&nbsp;Oktober 2015 den Umsatzsteuerjahresbescheid 2010, in dem es unberechtigt ausgewiesene Umsatzsteuer in H&ouml;he von 1.372,75&nbsp;EUR ansetzte und Vorsteuern aus dem Erwerb des Blockheizkraftwerks versagte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. In dem in Deutsches Steuerrecht Entscheidungsdienst 2018, 29 ver&ouml;ffentlichten Urteil ging das FG davon aus, dass der Kl&auml;ger aus der Anzahlung zum Vorsteuerabzug nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG berechtigt sei. Der Kl&auml;ger habe beabsichtigt, unternehmerisch t&auml;tig zu werden. Eine ordnungsgem&auml;&szlig;e Anzahlungsrechnung liege vor. Die Absicht der A-GmbH, die Kunden &#8211;wie den Kl&auml;ger&#8211; zu betr&uuml;gen, stehe dem Vorsteuerabzug nicht entgegen. Nach dem zur Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) ergangenen Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) Firin vom 13.&nbsp;M&auml;rz 2014 C-107\/13 (EU:C:2014:151) liege kein unberechtigter Steuerausweis i.S. von &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 UStG vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG sah den Kl&auml;ger zudem nicht als zur Berichtigung des Vorsteuerabzugs im Streitjahr nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG verpflichtet an. Nach den f&uuml;r den Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bindenden Feststellungen des FG ist im Streitfall davon auszugehen, dass f&uuml;r den Kl&auml;ger im Streitjahr 2010 nicht feststand, dass eine Lieferung des von der A-GmbH gekauften Blockheizkraftwerks nicht erfolgen werde. Der Kl&auml;ger habe keine R&uuml;ckzahlung von der insolventen GmbH erhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision, mit der es geltend macht, dass der Kl&auml;ger nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sei, zumindest diesen aber zu berichtigen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Er sei aus der Anzahlung zum Vorsteuerabzug berechtigt gewesen und m&uuml;sse diesen im Streitjahr auch nicht berichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Revisionsverfahren hat der Senat das Verfahren mit Beschluss vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2017 bis zur Entscheidung des EuGH &uuml;ber die Sache Kollro&szlig; C-660\/16 und Wirtl C-661\/16 (EU:C:2018:372) ausgesetzt. Der EuGH hat mit Urteil Kollro&szlig; und Wirtl vom 31.&nbsp;Mai 2018 (EU:C:2018:372) &uuml;ber die Sache entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Der Bundesfinanzhof (BFH) hat bereits f&uuml;r einen Vergleichsfall den Vorsteuerabzug ohne Berichtigungsverpflichtung bejaht (BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Dezember 2018 XI&nbsp;R&nbsp;44\/14, BFH\/NV 2019, 499, Leits&auml;tze&nbsp;1 und 2). Dem schlie&szlig;t sich der erkennende Senat an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Anzahlung berechtigte den Kl&auml;ger zum Vorsteuerabzug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG kann ein Unternehmer die gesetzlich geschuldete Umsatzsteuer f&uuml;r Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer f&uuml;r sein Unternehmen ausgef&uuml;hrt worden sind, als Vorsteuer abziehen. Die Aus&uuml;bung des Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach den &sect;&sect;&nbsp;14, 14a UStG ausgestellte Rechnung besitzt (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG). Soweit der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausf&uuml;hrung dieser Ums&auml;tze entf&auml;llt, ist er bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet worden ist (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG beruht auf Art.&nbsp;167 und Art.&nbsp;168 Buchst.&nbsp;a i.V.m. Art.&nbsp;65 MwStSystRL. Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;167 MwStSystRL entsteht das Recht auf Vorsteuerabzug, wenn der Anspruch auf die abziehbare Steuer entsteht. Werden Anzahlungen geleistet, bevor die Lieferung von Gegenst&auml;nden bewirkt oder die Dienstleistung erbracht ist, ist das gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;65 MwStSystRL zum Zeitpunkt der Vereinnahmung des Entgelts der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die gesetzlichen Voraussetzungen f&uuml;r einen Vorsteuerabzug auf eine Zahlung vor Ausf&uuml;hrung der Ums&auml;tze gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG sind erf&uuml;llt. Der Kl&auml;ger hat die geforderte Anzahlung f&uuml;r das bestellte Blockheizkraftwerk geleistet. Dar&uuml;ber hinaus lag dem Kl&auml;ger eine Rechnung &uuml;ber die (k&uuml;nftige) Lieferung eines Blockheizkraftwerks i.S. von &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 UStG vor, die den Anforderungen an die Rechnungsangaben nach &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 UStG gen&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Auch die sich aus der Rechtsprechung des EuGH ergebende Bedingung, dass der Eintritt des Steuertatbestands zum Zeitpunkt der Anzahlung &quot;sicher&quot; sein muss, liegt vor. Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r, ob im Zeitpunkt der Anzahlung alle ma&szlig;geblichen Elemente des Steuertatbestands bereits bekannt sind, so dass der Gegenstand der Lieferung genau bestimmt ist (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;40&nbsp;ff., 51).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Im Streitfall waren alle ma&szlig;geblichen Elemente der k&uuml;nftigen Lieferung des Blockheizkraftwerks wie etwa Kaufgegenstand, Kaufpreis, Lieferzeitpunkt festgelegt (BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;47).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unerheblich ist, dass von Anfang an feststand, dass es nicht zur Lieferung des Blockheizkraftwerks kommen w&uuml;rde. Denn der Vorsteuerabzug aus einer (Voraus- oder) Anzahlungsrechnung h&auml;ngt nicht davon ab, ob der Zahlungsempf&auml;nger im Zahlungszeitpunkt die Leistung objektiv erbringen kann und ob er das will. Es reicht vielmehr aus, wenn anhand objektiver Umst&auml;nde nicht erwiesen ist, dass der (Voraus- oder) Anzahlende zum Zeitpunkt der Zahlung wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass die Bewirkung der Lieferung oder Erbringung der Dienstleistung ungewiss ist (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;50), wie der BFH bereits ausdr&uuml;cklich entschieden hat (BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;48 und 54). Im &Uuml;brigen ist nicht davon auszugehen, dass der Kl&auml;ger als Vertragspartner die Absicht hatte, die mit der Bewirkung der Lieferung oder der Erbringung der Dienstleistung verbundenen finanziellen Folgen auf sich zu nehmen, da er wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass diese Bewirkung der Lieferung oder Erbringung der Dienstleistung ungewiss ist (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;50).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Entgegen der Auffassung des FA handelt es sich nicht um einen unberechtigten Steuerausweis i.S. von &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG, f&uuml;r den der Vorsteuerabzug mangels gesetzlicher Steuerschuld f&uuml;r eine Leistung nicht in Anspruch genommen werden kann. Denn ist eine Unsicherheit &uuml;ber die ausstehende Leistungserbringung zu verneinen, entsteht die Steuer aufgrund der Zahlung nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;4 UStG (Art.&nbsp;65 MwStSystRL) und berechtigt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG (Art.&nbsp;167 MwStSystRL) zum Vorsteuerabzug (BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;59).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;ger hat den Vorsteuerabzug nicht nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG zu berichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG ist der Vorsteuerabzug zu berichtigen, wenn f&uuml;r eine vereinbarte Lieferung oder sonstige Leistung ein Entgelt entrichtet, die Lieferung oder sonstige Leistung jedoch nicht ausgef&uuml;hrt worden ist. Unionsrechtlich beruht dies auf Art.&nbsp;185 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL. Danach erfolgt die Berichtigung des Vorsteuerabzugs insbesondere, wenn sich die Faktoren, die bei der Bestimmung des Vorsteuerabzugsbetrags ber&uuml;cksichtigt werden, nach Abgabe der Mehrwertsteuererkl&auml;rung ge&auml;ndert haben, zum Beispiel bei r&uuml;ckg&auml;ngig gemachten K&auml;ufen oder erlangten Rabatten. Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;186 MwStSystRL legen die Mitgliedstaaten die Einzelheiten f&uuml;r die Anwendung dieser Bestimmung fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der erkennende Senat h&auml;lt an seiner Rechtsprechung fest, nach der die Berichtigung des Vorsteuerabzugs gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG eine R&uuml;ckzahlung voraussetzt (BFH-Urteile vom 2.&nbsp;September 2010 V&nbsp;R&nbsp;34\/09, BFHE 231, 321, BStBl II 2011, 991, Leitsatz&nbsp;1 und Rz&nbsp;21; vom 8.&nbsp;September 2011 V&nbsp;R&nbsp;43\/10, BFHE 235, 501, BStBl II 2014, 203, Rz&nbsp;27; vom 15.&nbsp;September 2011 V&nbsp;R&nbsp;36\/09, BFHE 235, 507, BStBl II 2012, 365, Leitsatz und Rz&nbsp;23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies ist mit dem Unionsrecht vereinbar, da es nationalen Rechtsvorschriften oder Gepflogenheiten nicht entgegensteht, nach denen die Berichtigung des Vorsteuerabzugs f&uuml;r eine (Voraus- oder) Anzahlung beim Ausbleiben der Lieferung voraussetzt, dass diese vom Lieferer zur&uuml;ckgezahlt wird (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;69; vgl. hierzu BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;71).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.3.2019, V R 6\/19 (V R 33\/16)ECLI:DE:BFH:2019:U.270319.VR6.19.0 Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen Leits&auml;tze 1. NV: Der Vorsteuerabzug aus einer Anzahlung setzt voraus, dass der Eintritt des Steuertatbestands zum Zeitpunkt der Anzahlung &quot;sicher&quot; sein muss. 2. NV: Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r, ob im Zeitpunkt der Anzahlung alle ma&szlig;geblichen Elemente des Steuertatbestands bereits bekannt sind, so &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-6-19-v-r-33-16-zum-vorsteuerabzug-aus-anzahlungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;6\/19&nbsp;(V&nbsp;R&nbsp;33\/16) &#8211; Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71135"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71135\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}