{"id":71166,"date":"2019-09-12T16:50:00","date_gmt":"2019-09-12T14:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71166"},"modified":"2019-09-12T16:50:00","modified_gmt":"2019-09-12T14:50:00","slug":"vii-r-9-19-vii-r-4-09-kostenentscheidung-bei-uebereinstimmenden-erledigungserklaerungen-nach-entscheidung-des-bverfg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-9-19-vii-r-4-09-kostenentscheidung-bei-uebereinstimmenden-erledigungserklaerungen-nach-entscheidung-des-bverfg\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;9\/19&nbsp;(VII&nbsp;R&nbsp;4\/09) &#8211; Kostenentscheidung bei &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rungen nach Entscheidung des BVerfG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2019, VII R 9\/19 (VII R 4\/09)<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.180719.VIIR9.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kostenentscheidung bei &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rungen nach Entscheidung des BVerfG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Hat das BVerfG entschieden, dass eine Steuerrechtsnorm mit Bestimmungen des GG unvereinbar ist und die Fortgeltung der Vorschrift bis zur Neuregelung durch den Gesetzgeber angeordnet, und wird deshalb ein Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt, entspricht es billigem Ermessen, der Finanzbeh&ouml;rde die Verfahrenskosten aufzuerlegen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Nach Erledigung der Hauptsache werden die Kosten des gesamten Verfahrens nach &sect; 143 Abs. 1 i.V.m. &sect; 138 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung dem Beklagten auferlegt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Das Urteil des Finanzgerichts des Saarlandes vom 25.11.2008 &#8211; 2 K 2284\/04 ist gegenstandslos.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) betreibt eine Privatbrauerei, deren Gesamtjahreserzeugung im Jahr 2004 bei &#8230;&nbsp;hl lag. Auf die in der Steuererkl&auml;rung nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 des Biersteuergesetzes (BierStG) 1993 f&uuml;r den Monat Januar 2004 von ihr angegebenen Biermengen wandte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) die erm&auml;&szlig;igten Steuers&auml;tze gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 BierStG 1993 i.d.F. von Art.&nbsp;15 des Haushaltsbegleitgesetzes (HBeglG) 2004 vom 29.&nbsp;Dezember 2003 (BGBl I 2003, 3076) an. Den hiergegen eingelegten Einspruch wies das HZA zur&uuml;ck. Auch die Klage blieb erfolglos. Mit der vom Finanzgericht zugelassenen Revision, mit der geltend gemacht wurde, &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 BierStG 1993 i.d.F. des Art.&nbsp;15 HBeglG 2004 versto&szlig;e gegen formelles und materielles Verfassungsrecht, verfolgte die Kl&auml;gerin ihr Begehren zun&auml;chst weiter. Unter Annahme der Verfassungswidrigkeit des &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 BierStG 1993 in der von der Kl&auml;gerin beanstandeten Fassung und unter Bezugnahme auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 8.&nbsp;Dezember 2009&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;758\/07 (BGBl I 2010, 68, Deutsches Verwaltungsblatt 2010, 308) hat der Bundesfinanzhof (BFH) das Revisionsverfahren gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) i.V.m. &sect;&nbsp;80 Abs.&nbsp;2 Satz 1 des Gesetzes &uuml;ber das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 15.&nbsp;Februar 2011&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;4\/09 (BFH\/NV 2011, 1114) ausgesetzt und eine Entscheidung des BVerfG eingeholt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 11.&nbsp;Dezember 2018&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;4\/11, 2&nbsp;BvL&nbsp;5\/11, 2&nbsp;BvL&nbsp;4\/13 (BGBl I 2019, 194, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2019, 313) hat das BVerfG entschieden, dass &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;1 und 4 BierStG 1993 i.d.F. des Art.&nbsp;15 HBeglG 2004 mit Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;2, Art.&nbsp;38 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2, Art.&nbsp;42 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Art.&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 GG unvereinbar sind. Zugleich hat es angeordnet, dass die Vorschrift bis zum Inkrafttreten von &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;1 und 4 BierStG i.d.F. des Art.&nbsp;4 des Vierten Gesetzes zur &Auml;nderung von Verbrauchsteuergesetzen vom 15.&nbsp;Juli 2009 (BGBl&nbsp;I 2009, 1870) zum 1.&nbsp;April 2010 anwendbar ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraufhin hat der BFH das ausgesetzte Verfahren wieder aufgenommen und den Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Mit Fax vom 10.&nbsp;April 2019 hat die Kl&auml;gerin den Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt. Mit Fax vom 30.&nbsp;April 2019 hat das HZA der Erledigung zun&auml;chst widersprochen und sodann mit Schriftsatz vom 13.&nbsp;Mai 2019 mitgeteilt, dass es nun der Erledigung des Rechtsstreits in der Hauptsache zustimme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem beide Beteiligte &uuml;bereinstimmend den Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt haben, ist das erstinstanzliche Urteil gegenstandslos. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) war nur noch &uuml;ber die Kosten des Verfahrens zu entscheiden. Da die Kl&auml;gerin nach der Entscheidung des BVerfG einen verfassungswidrigen Rechtszustand f&uuml;r die Vergangenheit hinnehmen muss und ihr insoweit ein Sonderopfer auferlegt wird, entspricht es billigem Ermessen, dem HZA die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Rechtsprechung des BFH muss sich die nach billigem Ermessen zu treffende Kostenentscheidung nicht ausschlie&szlig;lich am Gedanken des materiellen Kostenrechts orientieren, also daran, wer bei einer Entscheidung &uuml;ber die Hauptsache die Kosten zu tragen h&auml;tte. Dem Gericht ist vielmehr ein weiter Spielraum einger&auml;umt, innerhalb dessen eine Ausrichtung am allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden ma&szlig;gebend ist (BFH-Beschluss vom 10.&nbsp;November 1971&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;14\/70, BFHE&nbsp;104, 39, BStBl&nbsp;II 1972, 222), wobei auch der Frage Bedeutung zukommt, welcher der Beteiligten Veranlassung zum gerichtlichen Verfahren gegeben hat. Im Streitfall steht fest, dass der Kl&auml;gerin dadurch ein Sonderopfer auferlegt worden ist, dass der Gesetzgeber vom BVerfG verpflichtet wurde, nur f&uuml;r die Zukunft einen verfassungskonformen Rechtszustand herzustellen. Es w&uuml;rde jedoch dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden widersprechen, von der Kl&auml;gerin zu verlangen, einen verfassungswidrigen Biersteuerbetrag zu entrichten, und sie auch noch mit den Kosten des Gerichtsverfahrens zu belasten, obwohl dieses best&auml;tigt hat, dass die verfassungsrechtlichen Zweifel der Kl&auml;gerin berechtigt waren, sie somit mit ihrer Klage Erfolg gehabt h&auml;tte, wenn das BVerfG die Unvereinbarkeit der angegriffenen Vorschrift des BierStG 1993 mit der Verfassung nicht nur f&uuml;r die Zukunft ausgesprochen h&auml;tte. Unter diesen Umst&auml;nden entspricht es billigem Ermessen, dem HZA die Kosten des gesamten Verfahrens aufzuerlegen (BFH-Beschl&uuml;sse vom 18.&nbsp;August 2005&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;123\/94, BFHE 210, 214, BStBl II 2006, 39, und vom 8.&nbsp;September 2005&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;14\/99, BFH\/NV 2006, 100).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 18.7.2019, VII R 9\/19 (VII R 4\/09)ECLI:DE:BFH:2019:B.180719.VIIR9.19.0 Kostenentscheidung bei &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rungen nach Entscheidung des BVerfG Leits&auml;tze Hat das BVerfG entschieden, dass eine Steuerrechtsnorm mit Bestimmungen des GG unvereinbar ist und die Fortgeltung der Vorschrift bis zur Neuregelung durch den Gesetzgeber angeordnet, und wird deshalb ein Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-9-19-vii-r-4-09-kostenentscheidung-bei-uebereinstimmenden-erledigungserklaerungen-nach-entscheidung-des-bverfg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;9\/19&nbsp;(VII&nbsp;R&nbsp;4\/09) &#8211; Kostenentscheidung bei &uuml;bereinstimmenden Erledigungserkl&auml;rungen nach Entscheidung des BVerfG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71166","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71166"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71166\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}