{"id":71167,"date":"2019-09-12T16:52:34","date_gmt":"2019-09-12T14:52:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71167"},"modified":"2019-09-12T16:52:34","modified_gmt":"2019-09-12T14:52:34","slug":"x-r-35-17-zur-rueckforderung-von-altersvorsorgezulagen-vom-zulageempfaenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-35-17-zur-rueckforderung-von-altersvorsorgezulagen-vom-zulageempfaenger\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;35\/17 &#8211; Zur R&uuml;ckforderung von Altersvorsorgezulagen vom Zulageempf&auml;nger"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.7.2019, X R 35\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.090719.XR35.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur R&uuml;ckforderung von Altersvorsorgezulagen vom Zulageempf&auml;nger<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Nach Beendigung und Abwicklung des Altersvorsorgevertrages kann die Zentrale Zulagenstelle f&uuml;r Altersverm&ouml;gen (ZfA) rechtsgrundlos geleistete Zulagebetr&auml;ge vom Zulageempf&auml;nger &uuml;ber den nach &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 EStG entsprechend anzuwendenden &sect; 37 Abs. 2 AO zur&uuml;ckfordern; in diesem Fall ist die Anwendung des &sect; 37 Abs. 2 AO nicht durch speziellere Vorschriften ausgeschlossen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. &sect; 37 Abs. 2 AO setzt kein Verschulden voraus.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Der Umstand, dass die ZfA &uuml;ber mehrere Jahre hinweg eine Auszahlung von Zulagen allein auf Grund der ihr vom Anbieter &uuml;bermittelten Daten veranlasst und erst sp&auml;ter eine Pr&uuml;fung der Zulageberechtigung des Empf&auml;ngers vornimmt, f&uuml;hrt nicht zur Verwirkung des R&uuml;ckforderungsanspruchs.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 06.07.2017 &#8211; 10 K 10033\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) hatte bei der B-AG (Anbieter) einen nach dem Altersvorsorgevertr&auml;ge-Zertifizierungsgesetz zertifizierten Altersvorsorgevertrag abgeschlossen. In s&auml;mtlichen Zulageantr&auml;gen hatte der Anbieter maschinell verschl&uuml;sselt angegeben, die Kl&auml;gerin sei unmittelbar zulageberechtigt. Dementsprechend zahlte die Beklagte und Revisionsbeklagte (Deutsche Rentenversicherung Bund, Zentrale Zulagenstelle f&uuml;r Altersverm&ouml;gen &#8211;ZfA&#8211;) u.a. f&uuml;r die Beitragsjahre 2008 bis 2010 (Streitzeitraum) Zulagebetr&auml;ge in H&ouml;he von jeweils 154&nbsp;EUR an den Anbieter aus, der sie dem Vertragskonto der Kl&auml;gerin gutschrieb. Der Altersvorsorgevertrag der Kl&auml;gerin endete zum 1.&nbsp;Mai 2010. Sie erhielt eine Einmalzahlung zur Abfindung einer Kleinbetragsrente.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Zuge der &Uuml;berpr&uuml;fung nach &sect;&nbsp;91 des Einkommensteuergesetzes (EStG) stellte die ZfA im Jahr 2011 fest, dass die Kl&auml;gerin in keinem der in Rede stehenden Beitragsjahre die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zulageberechtigung erf&uuml;llt habe. Mit Bescheid vom 14.&nbsp;November 2013 forderte die ZfA daher die gew&auml;hrten Altersvorsorgezulagen f&uuml;r 2008 bis 2010 in H&ouml;he von insgesamt 462&nbsp;EUR von der Kl&auml;gerin zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihren hiergegen eingelegten Einspruch begr&uuml;ndete die Kl&auml;gerin damit, die Altersvorsorgezulage f&uuml;r die genannten Jahre sei jeweils vom Anbieter unzutreffend beantragt worden. Als Kunde habe sie sich mit den Details nicht ausgekannt und sei der Meinung gewesen, dass alles seine Richtigkeit habe. Der zweite Fehler liege bei der Beh&ouml;rde. Die ZfA habe dem Antrag jeweils entsprochen und die Auszahlung vorgenommen; eine Pr&uuml;fung der Richtigkeit habe sie vers&auml;umt. Ein solches beh&ouml;rdliches Verhalten &uuml;ber Jahre hinweg sei als grob fahrl&auml;ssig anzusehen. Bei ihr, der Kl&auml;gerin, liege der Fehler jedenfalls nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglos durchgef&uuml;hrtem Einspruchsverfahren wies das Finanzgericht (FG) die Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2018, 647 ver&ouml;ffentlichtem Urteil ab. Die Voraussetzungen f&uuml;r die Inanspruchnahme der Kl&auml;gerin auf R&uuml;ckzahlung der f&uuml;r die Beitragsjahre 2008, 2009 und 2010 erhaltenen Altersvorsorgezulage gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 EStG l&auml;gen vor, da die Zulage der Kl&auml;gerin &#8211;mangels Berechtigung&#8211; ohne rechtlichen Grund gezahlt worden sei. Eine R&uuml;ckforderung&nbsp;&nbsp;vom Anbieter mittels Datensatzes gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 EStG scheitere im Streitfall daran, dass der Altersvorsorgevertrag bereits zum 1.&nbsp;Mai 2010 beendet gewesen sei. Gr&uuml;nde, die einer R&uuml;ckforderung entgegenstehen k&ouml;nnten, seien nicht ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision macht die Kl&auml;gerin geltend, dem Anbieter sei bekannt gewesen, dass die Zulagenberechtigung ab dem Jahr 2008 nicht mehr bestanden habe. Er h&auml;tte daher die Zulage nicht mehr beantragen d&uuml;rfen. Den Wertungen des FG k&ouml;nne nicht gefolgt werden. Die Kl&auml;gerin habe der ihr obliegenden Pflicht nach &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;5 EStG gen&uuml;gt, den Anbieter &uuml;ber &Auml;nderungen der Verh&auml;ltnisse, die sich auf die Zulagenberechtigung auswirkten, in Kenntnis zu setzen. Die (fehlerhafte) Beantragung f&uuml;r die Beitragsjahre sei ohne ihre Mitwirkung erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt (sinngem&auml;&szlig;),<br \/>das angefochtene Urteil, die Einspruchsentscheidung vom 15.&nbsp;Januar 2014 und den Bescheid vom 14.&nbsp;November 2013 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die ZfA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Behauptung, die fehlende Zulageberechtigung der Kl&auml;gerin sei dem Anbieter bekannt gewesen, werde erstmals im Revisionsverfahren aufgestellt und sei nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nicht mehr zu ber&uuml;cksichtigen. Im &Uuml;brigen ergebe sich aus dem Schreiben des Anbieters vom 4.&nbsp;Juni 2014, dass die fehlerhafte Angabe im Zulageantrag auf der Nichterf&uuml;llung der Mitwirkungs- bzw. Mitteilungspflichten durch die Kl&auml;gerin beruht habe. Unabh&auml;ngig davon erweise sich das Urteil des FG auf Grundlage der erstinstanzlichen Feststellungen jedenfalls im Ergebnis als zutreffend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Voraussetzungen f&uuml;r die R&uuml;ckforderung der f&uuml;r die Beitragsjahre 2008 bis 2010 gew&auml;hrten Zulagen von der Kl&auml;gerin nach dem &#8211;&uuml;ber &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG&#8211; entsprechend anzuwendenden &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO vorliegen (unten 1.). Auf ein etwaiges schuldhaftes Verhalten der Kl&auml;gerin oder ihres Anbieters kommt es nicht an (unten 2.). Die R&uuml;ckforderung der Zulagen ist nicht nach Treu und Glauben ausgeschlossen (unten 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Zutreffend hat das FG erkannt, dass &uuml;ber &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG die Vorschrift des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO entsprechend anzuwenden ist (unten a). Dessen tatbestandliche Voraussetzungen f&uuml;r die R&uuml;ckforderung der f&uuml;r die Beitragsjahre 2008 bis 2010 gew&auml;hrten Zulagen von der Kl&auml;gerin liegen vor (unten b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG sind auf die Zulagen und die R&uuml;ckzahlungsbetr&auml;ge die f&uuml;r Steuerverg&uuml;tungen geltenden Vorschriften der AO entsprechend anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die AO gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO auch f&uuml;r Steuerverg&uuml;tungen gilt, finden im Grundsatz s&auml;mtliche Vorschriften der AO entsprechende Anwendung, soweit nicht Sonderregelungen vorgehen (vgl. Senatsurteil vom 27.&nbsp;Januar 2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;23\/14, BFH\/NV 2016, 1018, Rz&nbsp;16; Bode in Bordewin\/Brandt, EStG, &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;2). Von der Anwendung ist lediglich die Billigkeitsregelung in &sect;&nbsp;163 AO ausgenommen (vgl. &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu den danach entsprechend anzuwendenden Vorschriften z&auml;hlt &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO. Diese Vorschrift ist im Fall der R&uuml;ckforderung anwendbar, soweit die &sect;&sect;&nbsp;93 bis 95 EStG keine speziellere Regelung enthalten (vgl. Bode, a.a.O., &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;2; Fischer in Kirchhof, EStG, 18.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;1; Bl&uuml;mich\/Lindberg, &sect;&nbsp;96 EStG Rz&nbsp;2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vorliegend ist die Anwendung des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO nicht durch die Altersvorsorgezulage betreffende Sondervorschriften ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die &sect;&sect;&nbsp;93 bis 95 EStG betreffen F&auml;lle sch&auml;dlicher Verwendung und gleichgestellte Sonderf&auml;lle der R&uuml;ckzahlung. Ein solcher Sachverhalt ist hier nicht gegeben, da die Einmalzahlung an die Kl&auml;gerin zur Abfindung einer Kleinbetragsrente gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG nicht als sch&auml;dliche Verwendung gilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das FG hat zutreffend angenommen, dass &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 EStG vorliegend ebenfalls nicht eingreift. Zwar berechtigt auch diese Vorschrift zur R&uuml;ckforderung der Zulage, wenn die ZfA nachtr&auml;glich erkennt, dass der Zulagenanspruch ganz oder teilweise nicht besteht. Die R&uuml;ckforderung &uuml;ber den Anbieter, der nach Mitteilung der ZfA mittels Datensatzes das Konto des Zulageberechtigten zu belasten hat, setzt allerdings ein bestehendes Vertragsverh&auml;ltnis (vgl. &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 EStG) voraus. Im Streitfall war der Altersvorsorgevertrag bereits zum 1.&nbsp;Mai 2010 beendet worden. Infolgedessen kam zum Zeitpunkt des Erlasses des R&uuml;ckforderungsbescheides&nbsp;&nbsp;eine Kontobelastung nicht mehr in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat vermag auch nicht zu erkennen, dass &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 EStG eine abschlie&szlig;ende Sonderregelung zur R&uuml;ckforderung zu Unrecht gezahlter Zulagen darstellte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorschrift enth&auml;lt keine ausdr&uuml;ckliche Regelung f&uuml;r den Fall, dass das Vertragsverh&auml;ltnis zwischen Anbieter und Anleger nicht mehr besteht. Die gesetzlichen Regelungen weisen dem Anbieter allerdings keine uneingeschr&auml;nkte (alleinige) Verantwortlichkeit f&uuml;r die R&uuml;ckforderung von Zulagen zu. Die in diese Richtung weisende Auffassung, dass der Anbieter im Falle eines nicht mehr bestehenden Vertragskontos gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 EStG verpflichtet sein sollte, ihm mitgeteilte R&uuml;ckforderungsbetr&auml;ge bei der ZfA anzumelden und gegebenenfalls auf eigene Kosten &#8211;vorbehaltlich einer den Zulageempf&auml;nger treffenden Erstattungsregelung im Altersvorsorgevertrag&#8211; abzuf&uuml;hren (so wohl Bl&uuml;mich\/Lindberg, a.a.O., &sect;&nbsp;90 Rz&nbsp;4a), ohne dass der Anleger diese Betr&auml;ge dem Anleger noch &uuml;ber ein (Vertrags-)Konto weiterbelasten k&ouml;nnte, &uuml;berzeugt nicht (ebenso Bode, a.a.O., &sect;&nbsp;90 Rz&nbsp;13), zumal sie unter dem Gesichtspunkt der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit bedenklich w&auml;re. Aus &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 EStG ergibt sich keine generelle Haftung des Anbieters f&uuml;r R&uuml;ckforderungsbetr&auml;ge im Fall nicht mehr bestehender Vertragsverh&auml;ltnisse. Vielmehr haftet der Anbieter als Gesamtschuldner neben dem Zulageempf&auml;nger gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 EStG der ZfA gegen&uuml;ber nur f&uuml;r diejenigen Zulagen, die wegen einer vors&auml;tzlichen oder grob fahrl&auml;ssigen Pflichtverletzung zu Unrecht gezahlt oder nicht zur&uuml;ckgezahlt worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vor diesem Hintergrund steht &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 EStG einer Auslegung, dass nach Beendigung bzw. Abwicklung des Altersvorsorgevertrags unberechtigt gezahlte Zulagen vom Zulageempf&auml;nger nach der &#8211;&uuml;ber &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG&#8211; entsprechend anwendbaren Vorschrift des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO zur&uuml;ckzufordern sind, nicht entgegen (vgl. Bode, a.a.O., &sect;&nbsp;90 Rz&nbsp;13; Braun in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;90 EStG Rz 7; Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 21.&nbsp;Dezember 2017&nbsp;&#8211; IV&nbsp;C&nbsp;3-S&nbsp;2015\/17\/10001:005, BStBl I 2018, 93, Rz&nbsp;291).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die weitere Frage, ob der Gesetzgeber (nunmehr) ggf. mit &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3a EStG bewusst und abschlie&szlig;end geregelt hat, wann eine R&uuml;ckforderung beim Zulageempf&auml;nger m&ouml;glich sein soll, so dass ein R&uuml;ckgriff auf die allgemeinere Vorschrift des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO nicht mehr zul&auml;ssig w&auml;re (so Geisenberger in BeckOK EStG, Kirchhof\/Kulosa\/Ratschow, &sect;&nbsp;90 Rz&nbsp;70), bedarf im Streitfall keiner Entscheidung. &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3a EStG ist nach Art.&nbsp;17 Abs.&nbsp;5 und 1 i.V.m. Art.&nbsp;9 Nr.&nbsp;11 Buchst.&nbsp;b des Gesetzes zur St&auml;rkung der betrieblichen Altersversorgung und zur &Auml;nderung anderer Gesetze &#8211;Betriebsrentenst&auml;rkungsgesetz&#8211; vom 17.&nbsp;August 2017 (BGBl I 2017, 3214) erst mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2018 in Kraft getreten und somit im Streitfall nicht zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die tatbestandlichen Voraussetzungen des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz 1 AO f&uuml;r die R&uuml;ckforderung der f&uuml;r die Beitragsjahre 2008 bis 2010 gew&auml;hrten Zulagen von der Kl&auml;gerin sind erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach dieser Vorschrift hat derjenige, auf dessen Rechnung die Zahlung u.a. einer Steuerverg&uuml;tung bewirkt worden ist, gegen den Leistungsempf&auml;nger einen Anspruch auf Erstattung des gezahlten Betrages, wenn ohne Rechtsgrund gezahlt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Leistungsempf&auml;nger i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO ist derjenige, dem gegen&uuml;ber die Finanzbeh&ouml;rde ihre &#8211;vermeintlich oder tats&auml;chlich bestehende&#8211; abgabenrechtliche Verpflichtung erf&uuml;llen will (vgl. Senatsurteil vom 12.&nbsp;Dezember 2017&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;25\/16, BFH\/NV 2018, 723, Rz&nbsp;26; Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;M&auml;rz 2016&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;29\/15, BFH\/NV 2016, 1278, Rz&nbsp;18, m.w.N.). Demnach ist ein Dritter als tats&auml;chlicher Empf&auml;nger einer Zahlung dann nicht Leistungsempf&auml;nger i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO, wenn die Beh&ouml;rde u.a. auf Grund einer Zahlungsanweisung des Erstattungs- bzw. Verg&uuml;tungsberechtigten einem Dritten zahlt. Denn auch in einem derartigen Fall erbringt die Finanzbeh&ouml;rde ihre Leistung mit dem Willen, eine Forderung gegen&uuml;ber dem tats&auml;chlichen Rechtsinhaber zu erf&uuml;llen. Da der durch die Anweisung beg&uuml;nstigte Zahlungsempf&auml;nger den Zahlungsanspruch nicht aus eigenem Recht geltend machen kann und die Leistung mit dem Willen erbracht wird, eine Forderung gegen&uuml;ber dem tats&auml;chlichen Rechtsinhaber mit befreiender Wirkung zu erf&uuml;llen, ist nicht der Empf&auml;nger der Zahlung, sondern der nach materiellem Recht Erstattungs- bzw. Verg&uuml;tungsberechtigte als Leistungsempf&auml;nger i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO anzusehen (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2016, 1278, Rz&nbsp;18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Bei der Frage, ob eine Steuer oder eine Steuerverg&uuml;tung i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz 1 AO ohne rechtlichen Grund gezahlt worden ist, kommt es nach der sog. formellen Rechtsgrundtheorie grunds&auml;tzlich nur auf die Bescheidlage an (vgl. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;M&auml;rz 2012&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;6\/10, BFHE 237, 296, BStBl II 2014, 607, Rz&nbsp;19 ). Nach der sog. materiellen Rechtsgrundtheorie fehlt der rechtliche Grund, wenn nach materiellem Recht kein entsprechender Anspruch auf die Leistung besteht (vgl. BFH-Urteil vom 6.&nbsp;Februar 1996&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;50\/95, BFHE 179, 556, BStBl II 1997, 112, unter 2.; Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;37 AO Rz&nbsp;27).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall ist die Kl&auml;gerin als Leistungsempf&auml;ngerin i.S. des &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO anzusehen. Zwar wurden ihr die Zulagen nicht unmittelbar ausgezahlt, sondern dem Vertragskonto bei ihrem Anbieter gutgeschrieben. Entscheidend ist aber, dass die ZfA die Zulagen f&uuml;r die Beitragsjahre zur Erf&uuml;llung eines (vermeintlichen) Anspruchs der Kl&auml;gerin geleistet hatte. Die Zulagen wurden f&uuml;r die Beitragsjahre 2008 bis 2010 ohne rechtlichen Grund gezahlt, da keine Zulagebescheide f&uuml;r das Behaltend&uuml;rfen vorhanden sind bzw. &#8211;unstreitig&#8211; die Kl&auml;gerin weder unmittelbar noch mittelbar zulageberechtigt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Auf ein schuldhaftes Verhalten der Kl&auml;gerin oder ihres Anbieters kommt es nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO setzt kein Verschulden auf Seiten des Leistungsempf&auml;ngers voraus. Der R&uuml;ckzahlungsanspruch besteht vielmehr auch dann, wenn den Leistungsempf&auml;nger an der Fehlleistung kein Verschulden trifft bzw. wenn er diese nicht einmal erkannt hat (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2016, 1278, Rz&nbsp;24). Der R&uuml;ckforderungsanspruch ist Ausdruck eines &uuml;bergeordneten und allgemein herrschenden Prinzips, dass derjenige, der vom Staat auf Kosten der Allgemeinheit etwas erhalten hat, grunds&auml;tzlich verpflichtet ist, das Erhaltene zur&uuml;ckzuzahlen (vgl. BFH-Urteil vom 6.&nbsp;Dezember 1988&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;206\/83, BFHE 155, 40 , BStBl II 1989, 223, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach dem Vorstehenden kommt es auf die Frage, ob die Kl&auml;gerin im Hinblick auf eine Verletzung ihrer Mitteilungspflicht gegen&uuml;ber ihrem Anbieter ein (eigenes) Verschulden an der rechtsgrundlosen Zulagezahlung trifft oder ob ihr &#8211;wie erstmals im Revisionsverfahren behauptet&#8211; ein Verschulden ihres Anbieters, dem die fehlende Zulageberechtigung bei Beantragung bekannt gewesen sei, zuzurechnen w&auml;re, nicht an. Im &Uuml;brigen w&auml;re der Senat &#8211;was den neuen Vortrag anbelangt&#8211; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO an die tats&auml;chlichen Feststellungen des FG gebunden, da diesbez&uuml;glich keine Verfahrensr&uuml;gen erhoben worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der auch im Steuerrecht zu beachtende Grundsatz von Treu und Glauben steht der R&uuml;ckforderung der Zulagen nicht entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Vorliegend k&auml;me als Auspr&auml;gung dieses Grundsatzes allein eine Verwirkung des R&uuml;ckforderungsanspruchs der ZfA in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Verwirkung setzt voraus, dass sich der &#8211;hier zur R&uuml;ckerstattung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 AO&#8211; Verpflichtete nach dem gesamten Verhalten des Erstattungsberechtigten darauf verlassen durfte und verlassen hat, dass dieser das Recht in Zukunft nicht geltend machen werde. Der Zeitablauf allein (Zeitmoment) reicht f&uuml;r die Annahme der Verwirkung eines R&uuml;ckforderungsanspruchs grunds&auml;tzlich nicht aus. Hinzu kommen muss ein Verhalten des Berechtigten, aus dem der Verpflichtete bei objektiver Beurteilung den Schluss ziehen darf, dass er nicht mehr in Anspruch genommen werden soll (Umstandsmoment oder Vertrauenstatbestand). Schlie&szlig;lich muss der Verpflichtete auch tats&auml;chlich auf die Nichtgeltendmachung des Anspruchs vertraut und sich entsprechend eingerichtet haben (vgl. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Oktober 2003&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;56\/01, BFHE 203, 472, BStBl II 2004, 123, unter II.3.b&nbsp;aa).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist im Streitfall keine Verwirkung eingetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es fehlt an einem Verhalten der ZfA, aus dem die Kl&auml;gerin bei objektiver Beurteilung den Schluss ziehen durfte, die zu Unrecht ausgezahlten Zulagen w&uuml;rden ihr belassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Allein aus dem Umstand, dass die Beh&ouml;rde &#8211;&uuml;ber mehrere Jahre hinweg&#8211; ohne Pr&uuml;fung der Berechtigung eine Auszahlung der Zulagen zugunsten der Kl&auml;gerin vornahm, konnte die Kl&auml;gerin &#8211;bei objektiver Beurteilung&#8211; nicht herleiten, die ZfA werde zuk&uuml;nftig in jedem Fall auf eine solche Pr&uuml;fung und die R&uuml;ckforderung unberechtigt erhaltener Zulagen verzichten. Denn der hier gegebene Verfahrensablauf entspricht &#8211;worauf das FG zutreffend hingewiesen hat&#8211; in typischer Weise der gesetzlichen Ausgestaltung des Zulageverfahrens, so dass daraus kein besonderer Vertrauenstatbestand abgeleitet werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach den gesetzlichen Regelungen &uuml;ber den dreistufigen Verfahrensablauf ermittelt die ZfA auf der ersten Stufe auf Grund der von ihr erhobenen oder der ihr &uuml;bermittelten Daten &#8211;ohne Pr&uuml;fung der Richtigkeit dieser Daten&#8211;, ob und in welcher H&ouml;he ein Zulageanspruch besteht (&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG) und veranlasst beim Bestehen eines solchen Anspruchs die Auszahlung an den Anbieter zugunsten des Zulageberechtigten, ohne dass in diesen F&auml;llen ein gesonderter Zulagenbescheid erginge (vgl. &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 S&auml;tze&nbsp;1 und 2 EStG). Als zweite Stufe sieht &sect;&nbsp;91 EStG ausdr&uuml;cklich ein Verfahren der &quot;&Uuml;berpr&uuml;fung der Zulage&quot; vor. Hierzu &uuml;bermitteln bestimmte &ouml;ffentliche Stellen der ZfA weitere Daten. Die ZfA nimmt einen automatisierten Datenabgleich vor (&sect;&nbsp;91 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG). Das Ergebnis dieses Datenabgleichs kann eine R&uuml;ckforderung der bereits ausgezahlten Zulage vom Anbieter gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;3 EStG zur Folge haben (vgl. Senatsurteil vom 22.&nbsp;Oktober 2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;18\/14, BFHE 247, 312, BStBl II 2015, 371, Rz&nbsp;38&nbsp;ff.) oder &#8211;wie vorliegend&#8212; eine R&uuml;ckforderung nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz 1 EStG i.V.m. &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Hiernach war im Streitfall die &#8211;auf Grund der Angaben des Anbieters im jeweiligen Antrag veranlasste&#8211; Zulagenauszahlung ohne Berechtigungspr&uuml;fung nicht verfahrensfehlerhaft. Insbesondere&nbsp;&nbsp;musste die Kl&auml;gerin nachfolgend noch mit einer &Uuml;berpr&uuml;fung der Richtigkeit der Zulagengew&auml;hrung und einer etwaigen R&uuml;ckforderung rechnen. Daher war sie in ihrem Vertrauen auf ein Behaltend&uuml;rfen der Zulagen nicht schutzw&uuml;rdig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.7.2019, X R 35\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.090719.XR35.17.0 Zur R&uuml;ckforderung von Altersvorsorgezulagen vom Zulageempf&auml;nger Leits&auml;tze 1. Nach Beendigung und Abwicklung des Altersvorsorgevertrages kann die Zentrale Zulagenstelle f&uuml;r Altersverm&ouml;gen (ZfA) rechtsgrundlos geleistete Zulagebetr&auml;ge vom Zulageempf&auml;nger &uuml;ber den nach &sect; 96 Abs. 1 Satz 1 EStG entsprechend anzuwendenden &sect; 37 Abs. 2 AO zur&uuml;ckfordern; in diesem Fall ist &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-35-17-zur-rueckforderung-von-altersvorsorgezulagen-vom-zulageempfaenger\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;35\/17 &#8211; Zur R&uuml;ckforderung von Altersvorsorgezulagen vom Zulageempf&auml;nger<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71167"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71167\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}