{"id":71168,"date":"2019-09-12T16:49:51","date_gmt":"2019-09-12T14:49:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71168"},"modified":"2019-09-12T16:49:51","modified_gmt":"2019-09-12T14:49:51","slug":"iii-b-125-18-verzicht-auf-muendliche-zeugeneinvernahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-125-18-verzicht-auf-muendliche-zeugeneinvernahme\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;125\/18 &#8211; Verzicht auf m&uuml;ndliche Zeugeneinvernahme"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.7.2019, III B 125\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.020719.IIIB125.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Verzicht auf m&uuml;ndliche Zeugeneinvernahme<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Der Verzicht auf die Einvernahme von Zeugen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ist als Prozesshandlung nicht frei widerruflich.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 12.09.2018 &#8211; 4 K 28\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der im Jahr 1943 geborene Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) war &uuml;ber Jahre hinweg als selbst&auml;ndiger Versicherungsvertreter f&uuml;r die X Versicherungs AG t&auml;tig, sp&auml;ter f&uuml;r die X Beratungs- und Vertriebs AG. Durch Aufhebungsvertrag vom 31.&nbsp;Juli\/1.&nbsp;August 2012 wurde das Vertragsverh&auml;ltnis mit Ablauf des 30.&nbsp;April 2013 beendet. Der Kl&auml;ger hatte aufgrund der Vereinbarung Anspruch auf eine Entsch&auml;digung von 175.000&nbsp;EUR, die bei einem Versto&szlig; gegen ein Wettbewerbsverbot zur&uuml;ckzuzahlen sein sollte. Der Anspruch sollte entfallen, wenn der Kl&auml;ger einen Ausgleichsanspruch nach &sect;&nbsp;89b des Handelsgesetzbuches geltend machen w&uuml;rde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Jahr 2013 (Streitjahr) behandelte der Kl&auml;ger die Entsch&auml;digung als Teil des Aufgabegewinns und beantragte daf&uuml;r die Tarifbeg&uuml;nstigung nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sowie die Gew&auml;hrung des Freibetrags gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 EStG. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) folgte dem zun&auml;chst und erlie&szlig; f&uuml;r das Streitjahr einen entsprechenden Einkommensteuerbescheid. Im Gewerbesteuermessbescheid 2013 war die Entsch&auml;digung nicht als Ertrag enthalten. Sp&auml;ter kam das FA zu der Rechtsansicht, die Entsch&auml;digungszahlung sei dem laufenden Gewinn aus Gewerbebetrieb zuzurechnen und auch gewerbesteuerlich zu erfassen. Gegen die nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung ge&auml;nderten Bescheide vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2016 wandte sich der Kl&auml;ger mit Einspr&uuml;chen. Der Einspruch gegen den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid hatte insoweit Erfolg, als das FA die Tariferm&auml;&szlig;igung nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG gew&auml;hrte. Den Einspruch gegen den ge&auml;nderten Gewerbesteuermessbescheid wies es zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im anschlie&szlig;enden Klageverfahren wollte das Finanzgericht (FG) den in die Verhandlungen &uuml;ber die Entsch&auml;digung eingeschalteten Assessor Z als Zeugen laden. Dieser war jedoch am vorgesehenen Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung verhindert, so dass das Gericht Z um eine schriftliche Stellungnahme bat, die dieser auch abgab und in der er das Zustandekommen der Entsch&auml;digungsvereinbarung erl&auml;uterte. &Uuml;ber die Einvernahme von Frau P, einer Mitarbeiterin der X Beratungs- und Vertriebs AG, erlie&szlig; das FG einen Beweisbeschluss, aufgrund dessen sich die Zeugin schriftlich &auml;u&szlig;erte. Das FG gab der Klage hinsichtlich des Gewerbesteuermessbescheids statt. Es war der Ansicht, dass die Entsch&auml;digung nicht zum Gewerbeertrag geh&ouml;re. Die Klage gegen den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung wies es ab, da die Entsch&auml;digungszahlung dem laufenden Gewinn zuzuordnen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen das Urteil des FG wendet sich der Kl&auml;ger mit der Nichtzulassungsbeschwerde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde, die sich nach ihrem Inhalt dagegen richtet, dass das FG die Entsch&auml;digung nicht dem nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4, &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;3 EStG beg&uuml;nstigten Aufgabegewinn zugeordnet hat, ist unbegr&uuml;ndet und wird deshalb durch Beschluss zur&uuml;ckgewiesen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die vom Kl&auml;ger geltend gemachten Gr&uuml;nde rechtfertigen nicht die Revisionszulassung oder wurden nicht in der nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO erforderlichen Weise dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger kann einen etwaigen Verfahrensfehler des FG, der darin zu sehen sein k&ouml;nnte, dass das FG Z und P nicht in der m&uuml;ndlichen Verhandlung als Zeugen vernommen hat, sondern die von Z angefertigte Stellungnahme im Wege des Urkundenbeweises verwertet und sich bei P mit einer schriftlichen Zeugenaussage begn&uuml;gt hat, nicht mit Erfolg im Verfahren &uuml;ber die Nichtzulassungsbeschwerde geltend machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kl&auml;ger r&uuml;gt einen Versto&szlig; gegen den Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme nach &sect;&nbsp;81 Abs.&nbsp;1 FGO, der u.a. besagt, dass bei mehreren in Betracht kommenden Beweismitteln die Beweisaufnahmen mit demjenigen Beweismittel durchzuf&uuml;hren ist, das den &#8222;unmittelbarsten&#8220; Eindruck vom streitigen Sachverhalt vermittelt (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8.&nbsp;November 2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;28\/16, BFH\/NV 2017, 307).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Mit dieser R&uuml;ge kann der Kl&auml;ger jedoch im Verfahren &uuml;ber die Nichtzulassungsbeschwerde nicht mehr geh&ouml;rt werden, weil er auf deren Geltendmachung verzichtet hat. Denn ein Versto&szlig; gegen die Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme kann nach &sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) ebenso durch R&uuml;geverzicht geheilt werden wie andere Verst&ouml;&szlig;e gegen die Sachaufkl&auml;rungspflicht (vgl. Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;81 FGO Rz&nbsp;34, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 22.&nbsp;November 2006&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;22\/06, VI&nbsp;S&nbsp;4\/06&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2007, 478).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Streitfall liegt ein derartiger Verzicht vor. Der durch einen Prozessbevollm&auml;chtigten vertretene Kl&auml;ger, dem der Inhalt der Auskunft des Z und der schriftlichen Zeugenaussage der P bekannt war, erkl&auml;rte noch kurz vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 12.&nbsp;September 2018, und zwar im Schriftsatz vom 28.&nbsp;August 2018, dass &quot;auf der Basis der von mir vertretenen Rechtsauffassung&quot; eine Zeugeneinvernahme von Z und P durch den Senat nicht erforderlich sei, dass die Zeugen aber geladen werden m&uuml;ssten, wenn es auf der Basis der Rechtsmeinung des Senats auf den pers&ouml;nlichen Eindruck und auf eine erg&auml;nzende Befragung ankomme. Der Kl&auml;ger brachte damit zum Ausdruck, dass aus seiner Sicht keine Einw&auml;nde dagegen bestanden, wenn Z und P in der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht als Zeugen aussagen w&uuml;rden. Der Zusatz, der nach seinem Inhalt besagt, dass eine Zeugenbefragung erforderlich sei, wenn das Gericht sie als erforderlich erachten sollte, ist der Hinweis auf eine Selbstverst&auml;ndlichkeit und macht den Verzicht nicht unwirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Diesen Verzicht konnte der Prozessvertreter des Kl&auml;gers nicht dadurch, dass er in der m&uuml;ndlichen Verhandlung erkl&auml;rte, nicht auf die Einvernahme von Z und P verzichtet zu haben und einen Verzicht auch nicht erkl&auml;ren wolle, r&uuml;ckg&auml;ngig machen. Denn der R&uuml;geverzicht nach &sect;&nbsp;295 Abs.&nbsp;1 ZPO ist eine Prozesshandlung, die der Kl&auml;ger nicht frei widerrufen konnte (vgl. Gr&auml;ber\/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., Vor &sect;&nbsp;33 Rz&nbsp;37, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;Dezember 1998&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;239\/97, BFH\/NV 1999, 1093; Schallmoser in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;81 FGO Rz&nbsp;39), zumal im vorliegenden Fall nach dem Verzicht keine wesentliche Ver&auml;nderung der Prozesslage eingetreten war (zum Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 FGO s. Gr&auml;ber\/Herbert, a.a.O., &sect;&nbsp;90 Rz&nbsp;16, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Der Senat kann offen lassen, ob die Verfahrensr&uuml;ge auch deshalb keinen Erfolg haben kann, weil der Kl&auml;ger nicht dargelegt hat, weshalb sich bei einer pers&ouml;nlichen Einvernahme von Z und P eine abweichende Beurteilung der schriftlichen Stellungnahme bzw. der schriftlichen Zeugenaussage und damit ein anderer Verfahrensausgang h&auml;tte ergeben k&ouml;nnen (vgl. BFH-Beschluss vom 25.&nbsp;Februar 2005&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;225\/03, BFH\/NV 2005, 1330).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist auch nicht wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung zuzulassen (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zur Darlegung der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache ist eine bestimmte f&uuml;r die Entscheidung des Streitfalls erhebliche abstrakte Rechtsfrage herauszustellen, der grunds&auml;tzliche Bedeutung zukommen soll. Hierzu bedarf es substantiierter Angaben, inwieweit die aufgeworfene Frage im Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Fortentwicklung und Handhabung des Rechts kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und im konkreten Fall auch kl&auml;rungsf&auml;hig ist. Dazu muss ausgef&uuml;hrt werden, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchem Grunde die Beantwortung der Frage zweifelhaft und streitig ist. Insbesondere muss sich ein Beschwerdef&uuml;hrer mit der bereits vorhandenen Rechtsprechung auseinandersetzen und substantiiert darlegen, weshalb nach ihrer Ansicht diese Rechtsprechung keine Kl&auml;rung herbeigef&uuml;hrt habe. Bei Streitfragen, die ma&szlig;geblich von der Beurteilung des Einzelfalls abh&auml;ngen, bedarf es substantiierter Darlegungen, weshalb der Rechtsfrage ausnahmsweise eine &uuml;ber den Einzelfall hinausgehende Bedeutung zukommen soll (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsbeschluss vom 21.&nbsp;Februar 2019&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;7\/18, BFH\/NV 2019, 515, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;ger hat die Rechtsfrage formuliert, ob die Zuordnung einer im Zusammenhang mit einer Betriebsver&auml;u&szlig;erung\/Betriebsaufgabe erzielten Betriebseinnahme zum beg&uuml;nstigten Gewinn die damit verbundene Realisierung stiller Reserven voraussetzt oder ob es gen&uuml;gt, dass diese Betriebseinnahme in einem Veranlassungszusammenhang zur Ver&auml;u&szlig;erung\/Betriebsaufgabe als dem ausl&ouml;senden Moment steht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus der Beschwerdebegr&uuml;ndung des Kl&auml;gers geht nicht hervor, weshalb es sich hierbei um unterschiedliche Merkmale f&uuml;r die Abgrenzung &quot;Ver&auml;u&szlig;erungs-\/Aufgabegewinn&quot; einerseits und &#8222;laufender Gewinn&#8220; andererseits handeln sollte und die Frage dar&uuml;ber hinaus im Streitfall von Bedeutung sein k&ouml;nnte. Entgegen der Rechtsansicht des Kl&auml;gers f&uuml;hrt die Anwendung der Abgrenzungskriterien &quot;zusammengeballte Realisierung der stillen Reserven&quot; und &quot;Veranlassungszusammenhang&quot; nicht zu unterschiedlichen Ergebnissen. Zweck der Tarifbeg&uuml;nstigung des Ver&auml;u&szlig;erungs-\/Aufgabegewinns nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;16 EStG ist es, die Steuerbelastung abzumildern, die durch die zusammengeballte Aufdeckung stiller Reserven eintritt (vgl. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 19.&nbsp;Juli 1993&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/92, BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897). Bei Beurteilung der Frage, ob Einnahmen, die anl&auml;sslich einer Betriebsver&auml;u&szlig;erung\/-aufgabe erzielt werden, zum Ver&auml;u&szlig;erungs-\/Aufgabegewinn oder zum laufenden Gewinn geh&ouml;ren, ist darauf abzustellen, ob sie in einem Veranlassungszusammenhang (&quot;ausl&ouml;sendes Moment&quot;) mit der Betriebsver&auml;u&szlig;erung\/-aufgabe stehen oder nicht (BFH-Urteil vom 25.&nbsp;April 2018&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;51\/16, BFHE 261, 418, BStBl II 2018, 778, m.w.N.). Bei der Entsch&auml;digungszahlung hat das FG, ohne dies ausdr&uuml;cklich auszusprechen, keinen Veranlassungszusammenhang mit der Betriebsaufgabe gesehen, weil sie &#8211;zumindest in erster Linie&#8211; Abschlussfolgeprovisionen abgelten sollte, die als nachtr&auml;gliche Betriebseinnahmen anzusehen gewesen w&auml;ren. Eine Rechtsfrage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung, die in einem Revisionsverfahren zu kl&auml;ren w&auml;re, kann daraus nicht abgeleitet werden. Da das FG Rechtsprechung des BFH angewandt hat, liegt auch nicht die vom Kl&auml;ger behauptete Divergenz vor (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &uuml;brigen Einwendungen des Kl&auml;gers betreffen in erster Linie die materiell-rechtliche Richtigkeit des angefochtenen Urteils, auch wenn er sie z.T. als R&uuml;gen von Verfahrensm&auml;ngeln formuliert hat, so z.B., wenn er als Versto&szlig; gegen Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes beanstandet, dass nicht erkennbar sei, warum falsch sein solle, was nach seinem &#8211;des Kl&auml;gers&#8211; Verst&auml;ndnis offensichtlich richtig sei. Mit derartigen Einwendungen kann ein Beschwerdef&uuml;hrer im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren grunds&auml;tzlich nicht geh&ouml;rt werden (z.B. Senatsbeschluss vom 18.&nbsp;April 2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;76\/16, BFH\/NV 2017, 1050). Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat ab (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.7.2019, III B 125\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.020719.IIIB125.18.0 Verzicht auf m&uuml;ndliche Zeugeneinvernahme Leits&auml;tze NV: Der Verzicht auf die Einvernahme von Zeugen in der m&uuml;ndlichen Verhandlung ist als Prozesshandlung nicht frei widerruflich. Tenor Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 12.09.2018 &#8211; 4 K 28\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-125-18-verzicht-auf-muendliche-zeugeneinvernahme\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;125\/18 &#8211; Verzicht auf m&uuml;ndliche Zeugeneinvernahme<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71168\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}