{"id":71226,"date":"2019-09-28T17:49:40","date_gmt":"2019-09-28T15:49:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71226"},"modified":"2019-09-28T17:49:40","modified_gmt":"2019-09-28T15:49:40","slug":"vii-r-16-18-keine-beschraenkung-der-erbenhaftung-nach-par-2059-abs-1-bgb-fuer-erbschaftsteuerschulden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-16-18-keine-beschraenkung-der-erbenhaftung-nach-par-2059-abs-1-bgb-fuer-erbschaftsteuerschulden\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;16\/18 &#8211; Keine Beschr&auml;nkung der Erbenhaftung nach &sect; 2059 Abs. 1 BGB f&uuml;r Erbschaftsteuerschulden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.6.2019, VII R 16\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.040619.VIIR16.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Beschr&auml;nkung der Erbenhaftung nach &sect; 2059 Abs. 1 BGB f&uuml;r Erbschaftsteuerschulden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die vom Erben als Gesamtrechtsnachfolger aufgrund Erbanfalls nach &sect; 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG i.V.m. &sect; 1922 BGB geschuldete Erbschaftsteuer ist eine Nachlassverbindlichkeit (Fortf&uuml;hrung des BFH-Urteils vom 20.01.2016 &#8211; II R 34\/14, BFHE 252, 389, BStBl II 2016, 482).<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine Beschr&auml;nkung der Erbenhaftung f&uuml;r Erbschaftsteuerverbindlichkeiten ist nach &sect; 2059 Abs. 1 Satz 2 BGB ausgeschlossen.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Bei der Inanspruchnahme des Nachlasses nach &sect; 20 Abs. 3 ErbStG besteht ein (Entschlie&szlig;ungs-)Ermessen, so dass grunds&auml;tzlich keine Verpflichtung zur vorrangigen Inanspruchnahme besteht.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 21.02.2018 &#8211; 4 K 1144\/17 AO wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist die Tochter der im Jahr 2015 verstorbenen Erblasserin. Die Erblasserin wurde von der Kl&auml;gerin und deren Bruder zu einem Anteil von jeweils 1\/2 beerbt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zum Nachlass der Erblasserin geh&ouml;rten neben Grundbesitz Gesch&auml;ftsanteile an der C-GmbH. Dar&uuml;ber hinaus verf&uuml;gte sie &uuml;ber Konten bei der D-Bank AG mit einem Guthaben von etwa 7&nbsp;Mio.&nbsp;EUR, bei der F-Bank AG mit einem Guthaben von etwa 79.000&nbsp;EUR und bei der E-Bank AG mit einem Guthaben von insgesamt etwa 4&nbsp;Mio.&nbsp;EUR sowie &uuml;ber Wertpapiere mit einem Kurswert von etwa 6&nbsp;Mio.&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte gegen die Kl&auml;gerin mit Bescheid vom 29.07.2016 Erbschaftsteuer in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR fest. Nachdem die Kl&auml;gerin gegen diesen Bescheid Einspruch eingelegt und die Aussetzung der Vollziehung beantragt hatte, setzte das FA die Vollziehung des angefochtenen Steuerbescheids in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR aus, so dass noch 5.559.381&nbsp;EUR zu entrichten waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragte, wegen dieser Erbschaftsteuer die Forderungen aus dem auf den Namen der Erblasserin bei der D-Bank&nbsp;AG gef&uuml;hrten Konto zu pf&auml;nden. Ihr Bruder lehne eine Auseinandersetzung des Nachlasses oder von Teilen des Nachlasses ab. Sie selbst sei nicht in der Lage, die zu entrichtende Erbschaftsteuer aus eigenen Mitteln zu zahlen. Sie sei zwar auch Gesellschafterin der C-GmbH in H&ouml;he von 1\/3 des Stammkapitals. Nach dem Gesellschaftsvertrag habe ein Gesellschafter jedoch aus der Gesellschaft auszuscheiden, wenn sein Gesch&auml;ftsanteil gepf&auml;ndet werde und die Pf&auml;ndung l&auml;nger als zwei Monate andauere. Dar&uuml;ber hinaus sei sie in H&ouml;he von 4,167&nbsp;% des Grundkapitals Aktion&auml;rin der G-AG. Auch insoweit best&uuml;nden umfangreiche Verf&uuml;gungsbeschr&auml;nkungen. Sie sei Eigent&uuml;merin von drei Eigentumswohnungen sowie eines mit einem Einfamilienhaus bebauten Grundst&uuml;cks mit angrenzendem Baugrundst&uuml;ck, welches in H&ouml;he von etwa 800.000&nbsp;EUR belastet sei. Ferner sei sie Eigent&uuml;merin eines u.a. an eine gemeinn&uuml;tzige Gesellschaft vermieteten Grundst&uuml;cks, wobei diese derzeit den Mietzins nicht zahlen k&ouml;nne. Das Grundst&uuml;ck mit einem Wert von etwa 10&nbsp;Mio.&nbsp;EUR sei in H&ouml;he von etwa 8&nbsp;Mio.&nbsp;EUR belastet. Sie unterhalte bei der D-Bank&nbsp;AG ein Konto mit einem Guthaben von derzeit 150.000&nbsp;EUR, bei der H-Bank&nbsp;AG ein Konto mit einem Guthaben von 3.000&nbsp;EUR, bei der L-Bank&nbsp;AG ein Konto mit einem Wert von weniger als 10.000&nbsp;EUR sowie ein Depot mit Aktien im Wert von etwa 1,7&nbsp;Mio.&nbsp;EUR. Dar&uuml;ber hinaus unterhalte sie bei der M-Bank&nbsp;AG, der Sparkasse N-Stadt und der O-Bank&nbsp;AG Konten ohne nennenswerte Best&auml;nde. Gegen&uuml;ber ihrem Bruder habe sie aufgrund einer Teilungsanordnung in dem gemeinschaftlichen Testament ihrer Eltern noch einen Ausgleichsanspruch in H&ouml;he von ca. 15&nbsp;Mio.&nbsp;EUR, wor&uuml;ber seit Jahrzehnten ein Rechtsstreit anh&auml;ngig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA pf&auml;ndete mit vier Verf&uuml;gungen vom 15.12.2016 die Forderungen der Kl&auml;gerin aus ihren Gesch&auml;ftsbeziehungen mit der D-Bank&nbsp;AG, der H-Bank&nbsp;AG, der M-Bank&nbsp;AG sowie der Sparkasse N-Stadt und ordnete die Einziehung der gepf&auml;ndeten Forderungen an. Die Drittschuldner zahlten aufgrund der Verf&uuml;gungen an das FA im Januar 2017 insgesamt 133.510,31&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 23.03.2017 erlie&szlig; das FA gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin und ihrem Bruder zwei auf &sect;&nbsp;191 der Abgabenordnung (AO), &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 des Erbschaftsteuergesetzes (ErbStG) gest&uuml;tzte Haftungsbescheide, mit denen es beide zur Entrichtung der von der Kl&auml;gerin noch geschuldeten Erbschaftsteuer in H&ouml;he von 5.193.516,45&nbsp;EUR zuz&uuml;glich S&auml;umniszuschl&auml;ge aus dem Nachlass aufforderte. Daraufhin wurden insgesamt 5.661.305,73&nbsp;EUR an das FA gezahlt, woraufhin dieses mit Bescheiden vom 27.04.2017 die streitgegenst&auml;ndlichen Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen aufhob.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch der Kl&auml;gerin gegen die Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen war erfolglos. Die Verf&uuml;gungen seien nach pflichtgem&auml;&szlig;em Ermessen ergangen. Die Vollstreckungsma&szlig;nahmen h&auml;tten erwarten lassen, dass sie unter angemessener Ber&uuml;cksichtigung der Belange der Kl&auml;gerin am schnellsten und sichersten zum Erfolg gef&uuml;hrt h&auml;tten. Nach &sect;&nbsp;219 Satz 1 AO habe nicht vorrangig der Nachlass gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG in Anspruch genommen werden m&uuml;ssen. Die Kl&auml;gerin habe einger&auml;umt, verm&ouml;gend zu sein, auch wenn ihr Verm&ouml;gen nicht kurzfristig verf&uuml;gbar sei. Eine Vollstreckung in ihr Privatverm&ouml;gen sei deshalb nicht offensichtlich aussichtslos gewesen. Angesichts der H&ouml;he des Steueranspruchs sei es zudem geboten gewesen, zeitnah mehrere Vollstreckungsma&szlig;nahmen zu ergreifen, um eine Gef&auml;hrdung des Steueranspruchs auszuschlie&szlig;en. Die Pf&auml;ndungen seien auch nicht unbillig, weil sie f&uuml;r die Kl&auml;gerin nur solche Nachteile mit sich gebracht h&auml;tten, die &uuml;blicherweise mit einer Vollstreckung verbunden seien. Grobe Nachteile k&ouml;nnten durch Schuldnerschutzvorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO) abgemildert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer &#8211;erfolglosen&#8211; Klage begehrte die Kl&auml;gerin die Feststellung, dass die Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen rechtswidrig gewesen seien, weil das FA vorrangig den Nachlass im Wege der Haftung nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG h&auml;tte in Anspruch nehmen m&uuml;ssen. Zwar bejahte das Finanzgericht (FG) die Zul&auml;ssigkeit der Fortsetzungsfeststellungsklage wegen Wiederholungsgefahr im Hinblick auf die ausgesetzten Steuerbetr&auml;ge. Jedoch verneinte es eine Verpflichtung des FA, zun&auml;chst von der M&ouml;glichkeit einer haftungsrechtlichen Inanspruchnahme nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG Gebrauch zu machen. Eine Vollstreckung k&ouml;nne im Einzelfall unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sein, wenn sie den Betroffenen &uuml;berm&auml;&szlig;ig belastet, mithin f&uuml;r ihn unzumutbar sei. Einen solchen Nachweis habe die Kl&auml;gerin nicht erbracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Revision. Das FA habe die von &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG gezogenen Ermessensgrenzen &uuml;berschritten. Die Vollstreckung in ihr Verm&ouml;gen sei unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Die Erbschaftsteuerschuld sei eine Nachlassverbindlichkeit (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20.01.2016&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/14, BFHE 252, 389, BStBl II 2016, 482). Nach &sect;&nbsp;2059 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) k&ouml;nne die Kl&auml;gerin die Tilgung ihrer Erbschaftsteuerschuld aus ihrem sonstigen Verm&ouml;gen bis zur Teilung des Nachlasses verweigern. &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG enthalte keine zus&auml;tzliche Sicherungsma&szlig;nahme zugunsten der Finanzverwaltung, sondern wiederhole die in &sect;&nbsp;2058 und &sect;&nbsp;2059 BGB enthaltene Regelung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, das erstinstanzliche Urteil aufzuheben und festzustellen, dass die vier Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen vom 15.12.2016 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 27.03.2017 rechtswidrig waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;2058 und &sect;&nbsp;2059 BGB erfassten nur gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeiten. Ungeachtet der umstrittenen Einordnung der Erbschaftsteuerschuld als Nachlassverbindlichkeit handele es sich jedenfalls nicht um eine gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeit. Ein pers&ouml;nliches Leistungsverweigerungsrecht nach &sect;&nbsp;2059 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BGB n&auml;hme der Regelung in &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG die Funktion als zus&auml;tzliche Sicherungsma&szlig;nahme zugunsten der Finanzverwaltung. Denn anderenfalls k&ouml;nne das FA nur auf den ungeteilten Nachlass zugreifen, was augenscheinlich nicht gewollt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Vorentscheidung entspricht Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zutreffend einen Ermessensfehler des FA bei Erlass der vier Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;249 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO k&ouml;nnen die Finanzbeh&ouml;rden Verwaltungsakte, mit denen eine Geldleistung gefordert wird, im Verwaltungsweg vollstrecken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;ber die Art der Vollstreckungsma&szlig;nahme entscheidet die Vollstreckungsbeh&ouml;rde nach pflichtgem&auml;&szlig;em Ermessen (&sect;&nbsp;5 AO). Diese Ermessensentscheidung ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO gerichtlich nur eingeschr&auml;nkt dahingehend zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten worden sind oder von dem Ermessen in einer dem Zweck der Erm&auml;chtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht worden ist. Mit anderen Worten hat das Gericht nur zu pr&uuml;fen, ob die gesetzlichen Grenzen des Ermessens nicht beachtet wurden oder das Ermessen fehlerhaft ausge&uuml;bt wurde (vgl. Senatsurteil vom 26.03.1991&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;15\/89, BFHE 164, 215, BStBl II 1991, 552; BFH-Urteil vom 28.06.2000&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;24\/95, BFHE 192, 32, BStBl II 2000, 514). Eine fehlerfreie Ermessensaus&uuml;bung setzt voraus, dass das FA seine Ermessensentscheidung aufgrund einer einwandfreien und ersch&ouml;pfenden Ermittlung des entscheidungserheblichen Sachverhalts getroffen (vgl. Senatsurteil vom 30.10.1990&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;106\/87, BFH\/NV 1991, 509) und alle f&uuml;r die Ermessensaus&uuml;bung nach dem Zweck der Erm&auml;chtigungsnorm wesentlichen Gesichtspunkte tats&auml;chlicher und rechtlicher Art sp&auml;testens zum Zeitpunkt der letzten Verwaltungsentscheidung ber&uuml;cksichtigt hat (vgl. BFH-Urteil vom 23.05.1985&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;124\/79, BFHE 143, 512, BStBl II 1985, 489). Die f&uuml;r die Entscheidungsfindung ma&szlig;gebenden Erw&auml;gungen m&uuml;ssen dem Betroffenen grunds&auml;tzlich bis zur letzten Verwaltungsentscheidung in &uuml;berpr&uuml;fbarer Form mitgeteilt worden sein (vgl. BFH-Urteil in BFHE 192, 32, BStBl II 2000, 514). Das FA kann jedoch seine Ermessenserw&auml;gungen bis zum Abschluss der Tatsacheninstanz eines finanzgerichtlichen Verfahrens erg&auml;nzen (&sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO). Unzul&auml;ssig ist allerdings eine erstmalige Ermessensaus&uuml;bung oder eine komplette Ersetzung der Ermessenserw&auml;gungen (vgl. BFH-Beschluss vom 02.06.2004&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;56\/02, BFH\/NV 2004, 1536).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vollstreckungsbeh&ouml;rde hat bei Erlass von Vollstreckungsma&szlig;nahmen den Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz zu beachten (vgl. u.a. Senatsurteil vom 24.09.1991&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;34\/90, BFHE 165, 477, BStBl II 1992, 57, und Senatsbeschluss vom 11.12.1990&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;94\/90, BFH\/NV 1991, 787). Zu dessen Wahrung muss eine Vollstreckungsma&szlig;nahme zur Erreichung des angestrebten Ziels geeignet &#8211;insbesondere nicht von vornherein aussichtslos (Senatsurteil vom 18.07.2000&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;94\/98, BFH\/NV 2001, 141, unter 3.)&#8211; und erforderlich sowie dem Betroffenen zumutbar sein; au&szlig;erdem darf die Ma&szlig;nahme den Betroffenen nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig belasten (Senatsurteil vom 14.06.1988&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;143\/84, BFHE 153, 277, BStBl II 1988, 684). Eine solche Belastung liegt grunds&auml;tzlich schon dann nicht vor, wenn eine Ma&szlig;nahme dem Betroffenen zumutbar ist (vgl. Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 19.10.1982&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;34\/80, 1&nbsp;BvL&nbsp;55\/80, BVerfGE 61, 126, 134, unter B.I.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Grunds&auml;tze hat das FG zutreffend einen Ermessensfehler des FA verneint.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FA hat nicht die Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten, die sich nach Ansicht der Kl&auml;gerin aus &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG ergeben sollen. Insbesondere ergibt sich aus &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG keine Beschr&auml;nkung der Vollstreckung auf den Nachlass.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG haftet der Nachlass bis zur Auseinandersetzung (&sect;&nbsp;2042 BGB) f&uuml;r die Steuer der am Erbfall Beteiligten. Die Vorschrift enth&auml;lt damit eine Sicherungsma&szlig;nahme zugunsten der Finanzbeh&ouml;rde (BFH-Urteil in BFHE 252, 389, BStBl II 2016, 482, Rz&nbsp;18). Letztlich geht es darum, dass die Erben bis zur vollst&auml;ndigen Erbauseinandersetzung eine Vollstreckung in den Nachlass wegen Anspr&uuml;chen aus dem Erbschaftsteuerschuldverh&auml;ltnis eines Erben dulden m&uuml;ssen (Meincke, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Kommentar, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;20 Rz&nbsp;19).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Allerdings enth&auml;lt &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG keine Vorgabe an die Finanzbeh&ouml;rde, prim&auml;r in den ungeteilten Nachlass vollstrecken zu m&uuml;ssen. Der Vorschrift l&auml;sst sich keine Reihenfolge der Vollstreckung und auch keine Verpflichtung des FA entnehmen, umfangreiche Ermittlungen zum Bestand des Nachlasses und zum eigenen Verm&ouml;gen des Erben anzustellen. Das ergibt sich insbesondere aus dem allgemeinen Verst&auml;ndnis von Steuerschuldner und Haftungsschuldner und dem Grundsatz der Subsidiarit&auml;t, den &sect;&nbsp;219 Satz&nbsp;1 AO zum Ausdruck bringt (vgl. Senatsbeschluss vom 16.03.1995&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;39\/92, BFH\/NV 1995, 950, und Senatsurteil vom 23.09.2009&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;43\/08, BFHE 226, 391, BStBl II 2010, 215, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem auch f&uuml;r die Haftungsschuld gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 ErbStG geltenden &sect;&nbsp;219 Satz&nbsp;1 AO darf ein Haftungsschuldner auf Zahlung nur in Anspruch genommen werden, soweit die Vollstreckung in das bewegliche Verm&ouml;gen des Steuerschuldners ohne Erfolg geblieben oder anzunehmen ist, dass die Vollstreckung aussichtslos sein w&uuml;rde. F&uuml;r die subsidi&auml;re Inanspruchnahme des Haftungsschuldners ist ausreichend, dass die Finanzbeh&ouml;rde zu der Annahme gelangt, dass eine Vollstreckung ohne Erfolg sein wird. Eine an Gewissheit grenzende Wahrscheinlichkeit der Erfolglosigkeit von Vollstreckungsversuchen braucht nicht vorzuliegen (Jatzke in Gosch, AO &sect;&nbsp;219 Rz&nbsp;10). Ebenso wenig bedarf es des Nachweises der Aussichtslosigkeit der Vollstreckung, evtl. durch erfolglose Vollstreckungsversuche (Senatsbeschluss vom 24.04.2008&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;262\/07, BFH\/NV 2008, 1448).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Inanspruchnahme des Steuerschuldners ist grunds&auml;tzlich auch dann ermessensfehlerfrei, wenn neben diesem ein Haftungsschuldner f&uuml;r die Steuerschuld einzustehen hat (Senatsbeschluss vom 08.07.2004&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;257\/03, BFH\/NV 2004, 1513). Bei der Inanspruchnahme des Haftungsschuldners besteht ein (Entschlie&szlig;ungs-)Ermessen, eine Verpflichtung zur Inanspruchnahme besteht grunds&auml;tzlich nicht (Jatzke in Gosch, AO &sect;&nbsp;191 Rz&nbsp;17, mit Verweis auf die ausdr&uuml;ckliche Ausnahme in &sect;&nbsp;13c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes). Die Kl&auml;gerin hat kein subjektives Recht auf ermessensfehlerfreie Auswahlentscheidung dar&uuml;ber, ob nicht statt ihrer der Nachlass als Haftungsschuldner in Anspruch zu nehmen ist (vgl. Senatsbeschluss in BFH\/NV 2004, 1513).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Aus der Haftungsbeschr&auml;nkung nach &sect;&nbsp;2059 Abs.&nbsp;1 BGB kann die Kl&auml;gerin keine Beschr&auml;nkung der Vollstreckung zu ihren Gunsten herleiten, weil diese Einrede auf die Erbschaftsteuerschuld nicht anwendbar ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;2059 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BGB kann jeder Miterbe bis zur Teilung des Nachlasses die Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten aus dem Verm&ouml;gen, das er au&szlig;er seinem Anteil am Nachlass hat, verweigern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu den Nachlassverbindlichkeiten geh&ouml;ren nach &sect;&nbsp;1967 Abs.&nbsp;2 BGB die vom Erblasser herr&uuml;hrenden Schulden und die den Erben als solchen treffenden Verbindlichkeiten. Zu den ersteren z&auml;hlen u.a. die im Wege der Gesamtrechtsnachfolge (&sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 AO, &sect;&nbsp;1922 BGB) auf den Erben &uuml;bergegangenen Steuer- und Haftungsschulden des Erblassers (Erblasserschulden), w&auml;hrend die zweite Gruppe die aus Anlass des Erbfalls entstandenen Schulden (Erbfallschulden) betrifft, zu denen &#8211;neben den im Gesetz genannten Verbindlichkeiten aus Pflichtteilsrechten, Verm&auml;chtnissen und Auflagen&#8211; auch die Erbschaftsteuer (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;20 ErbStG) zu rechnen ist (Senatsurteile vom 28.04.1992&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;33\/91, BFHE 168, 206, BStBl II 1992, 781, unter 3.b; vom 11.08.1998&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;118\/95, BFHE 186, 328, BStBl II 1998, 705, unter II.A.3.b; BFH-Urteil in BFHE 252, 389, BStBl II 2016, 482, Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) &sect;&nbsp;2059 BGB gilt nicht nur f&uuml;r gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeiten, sondern auch f&uuml;r sogenannte Erbteilverbindlichkeiten, die keine gemeinschaftlichen Verbindlichkeiten sind, weil nur einzelne Miterben beschwert sind (M&uuml;nchKommBGB\/Ann, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;2058 Rz&nbsp;11; Staudinger\/Marotzke, BGB &sect;&nbsp;2058 Rz&nbsp;32 und Rz&nbsp;35). Schuldner der Erbschaftsteuer ist nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 ErbStG nur der jeweilige Erwerber (Gebel in Troll\/Gebel\/J&uuml;licher\/Gottschalk, ErbStG, &sect;&nbsp;20 Rz 50; Jochum in Wilms\/Jochum, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, &sect;&nbsp;20 Rz&nbsp;79), weshalb es sich um eine solche Erbteilverbindlichkeit handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Allerdings ergibt sich aus dem Rechtsgedanken des &sect;&nbsp;2059 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 BGB, dass diese Einrede dem Erben im Hinblick auf seine pers&ouml;nliche Erbschaftsteuerschuld nicht zusteht. Nach &sect;&nbsp;2059 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 BGB steht dem Erben die Einrede in Ansehung des seinem Erbteil entsprechenden Teils der Verbindlichkeit nicht zu, wenn er f&uuml;r eine Nachlassverbindlichkeit unbeschr&auml;nkt haftet. Das ist vorliegend gegeben, weil die Kl&auml;gerin als Erbin allein und unbeschr&auml;nkt die Erbschaftsteuer schuldet (&sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 ErbStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FA hat schlie&szlig;lich nicht gegen den Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitsgrundsatz versto&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Anwendung der oben dargestellten Grunds&auml;tze waren die Pf&auml;ndungs- und Einziehungsverf&uuml;gungen als Vollstreckungsma&szlig;nahmen geeignet, weil die Kl&auml;gerin nach den Erkenntnissen des FA &uuml;ber Forderungen gegen Drittschuldner (Banken) verf&uuml;gte und die Ma&szlig;nahme deshalb nicht aussichtslos war. Die Ma&szlig;nahmen waren auch erforderlich, um die ausstehenden Erbschaftsteuerschulden &#8211;wenn auch nicht in vollem Umfang&#8211; zu tilgen. Ein milderes Mittel ist nicht erkennbar. Insbesondere kann das FA nicht darauf verwiesen werden, zuerst gegen den Nachlass als Haftungsschuldner vollstrecken zu m&uuml;ssen (siehe oben). Schlie&szlig;lich war die Vollstreckung der Kl&auml;gerin zumutbar. Zwar f&uuml;hrt die Pf&auml;ndung eines Kontoguthabens bei einem Kreditinstitut (&sect;&nbsp;309 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 AO, &sect;&nbsp;833a ZPO) faktisch zu einer Kontosperrung. Dieser besonderen Situation hat der Gesetzgeber jedoch durch die Schaffung eines Pf&auml;ndungsschutzkontos Rechnung getragen, das auf Antrag des Schuldners nach &sect;&nbsp;850k ZPO eingerichtet werden kann (Senatsurteil vom 16.05.2017&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;5\/16, BFHE 258, 105, BStBl II 2018, 735, Rz&nbsp;11). Im &Uuml;brigen erweisen sich die Vollstreckungsma&szlig;nahmen im Streitfall nicht deshalb als unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig, weil sie nur zu einer verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig geringen Begleichung der hohen Steuerschulden gef&uuml;hrt haben. Bei einer beigetriebenen Summe von insgesamt 133.510,31&nbsp;EUR kann nicht von einem Bagatellbetrag ausgegangen werden, der Vollstreckungsma&szlig;nahmen unbillig erscheinen lie&szlig;e.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob der Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit in Ausnahmef&auml;llen eine vorrangige Vollstreckung in den Nachlass gebietet, z.B. wenn der Steuerschuldner darlegen kann, dass eine Vollstreckung in sein eigenes Verm&ouml;gen aussichtlos w&auml;re, musste der Senat nicht entscheiden. Denn nach ihrem eigenen Vortrag verf&uuml;gte die Kl&auml;gerin u.a. &uuml;ber Bankguthaben mit erheblichem Bestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.6.2019, VII R 16\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.040619.VIIR16.18.0 Keine Beschr&auml;nkung der Erbenhaftung nach &sect; 2059 Abs. 1 BGB f&uuml;r Erbschaftsteuerschulden Leits&auml;tze 1. Die vom Erben als Gesamtrechtsnachfolger aufgrund Erbanfalls nach &sect; 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG i.V.m. &sect; 1922 BGB geschuldete Erbschaftsteuer ist eine Nachlassverbindlichkeit (Fortf&uuml;hrung des BFH-Urteils vom 20.01.2016 &#8211; II R 34\/14, BFHE &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-16-18-keine-beschraenkung-der-erbenhaftung-nach-par-2059-abs-1-bgb-fuer-erbschaftsteuerschulden\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;16\/18 &#8211; Keine Beschr&auml;nkung der Erbenhaftung nach &sect; 2059 Abs. 1 BGB f&uuml;r Erbschaftsteuerschulden<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71226"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71226\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}