{"id":71233,"date":"2019-09-28T17:49:26","date_gmt":"2019-09-28T15:49:26","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71233"},"modified":"2019-09-28T17:49:26","modified_gmt":"2019-09-28T15:49:26","slug":"vi-r-36-17-anforderungen-an-einen-lohnsteuerpflichtigen-sachbezug-in-form-eines-fruehstuecks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-36-17-anforderungen-an-einen-lohnsteuerpflichtigen-sachbezug-in-form-eines-fruehstuecks\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;36\/17 &#8211; Anforderungen an einen lohnsteuerpflichtigen Sachbezug in Form eines Fr&uuml;hst&uuml;cks"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.7.2019, VI R 36\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.030719.VIR36.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Anforderungen an einen lohnsteuerpflichtigen Sachbezug in Form eines Fr&uuml;hst&uuml;cks<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Stellt der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern unbelegte Backwaren wie Br&ouml;tchen und Rosinenbrot nebst Hei&szlig;getr&auml;nken zum sofortigen Verzehr im Betrieb bereit, handelt es sich bei den zugewandten Vorteilen grunds&auml;tzlich nicht um Arbeitslohn, sondern um nicht steuerbare Aufmerksamkeiten.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Unbelegte Backwaren wie Br&ouml;tchen und Rosinenbrot mit einem Hei&szlig;getr&auml;nk stellen kein Fr&uuml;hst&uuml;ck i.S. von &sect; 2 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SvEV dar. F&uuml;r die Annahme eines (einfachen) Fr&uuml;hst&uuml;cks muss jedenfalls ein Aufstrich oder Belag hinzutreten.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 31.05.2017 &#8211; 11 K 4108\/14 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine Aktiengesellschaft, die EDV-Dienstleistungen erbringt und Software entwickelt. Daneben bietet sie Schulungen an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin bestellte im Streitzeitraum (Dezember 2008 bis Dezember 2011) arbeitst&auml;glich ca. &#8230;&nbsp;Br&ouml;tchen (Laugenbr&ouml;tchen, K&auml;sebr&ouml;tchen, K&auml;se-K&uuml;rbis-Br&ouml;tchen, Rosinenbr&ouml;tchen, Schokobr&ouml;tchen, Roggenbr&ouml;tchen etc.) sowie Kroamstuten (im Folgenden zusammenfassend &quot;Backwaren&quot;). Die Backwaren standen in der Kantine den gesamten Tag f&uuml;r Mitarbeiter sowie f&uuml;r Kunden und G&auml;ste der Kl&auml;gerin zum unentgeltlichen Verzehr zur Verf&uuml;gung. Einen Belag (wie z.B. Butter, Konfit&uuml;re, K&auml;se oder Aufschnitt) f&uuml;r die Backwaren stellte die Kl&auml;gerin nicht bereit. Die Mitarbeiter, Kunden und G&auml;ste der Kl&auml;gerin konnten sich zudem ganzt&auml;gig unentgeltlich aus einem Hei&szlig;getr&auml;nkeautomaten bedienen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Arbeitszeit begann morgens um 8:00&nbsp;Uhr. Zwischen ca. 9:30&nbsp;Uhr und 11:00&nbsp;Uhr hatten die Arbeitnehmer eine etwa halbst&uuml;ndige Pause, die die Kl&auml;gerin als bezahlte Arbeitszeit behandelte. Die Pause diente der Kommunikation und dem Austausch der einzelnen Abteilungen (Entwicklung, Vertrieb, Support). Die Mitarbeiter sollten miteinander ins Gespr&auml;ch kommen, Kontakte pflegen und stellen&uuml;bergreifende Probleml&ouml;sungen finden. In dieser Zeit waren auch die F&uuml;hrungskr&auml;fte und der Vorstand der Kl&auml;gerin zeitweilig zugegen, um sich im Gespr&auml;ch mit den Mitarbeitern &uuml;ber Probleme im Unternehmen auszutauschen. W&auml;hrend der Pausen wurde der Gro&szlig;teil der von der Kl&auml;gerin unentgeltlich zur Verf&uuml;gung gestellten Backwaren verzehrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen einer bei der Kl&auml;gerin f&uuml;r den Streitzeitraum durchgef&uuml;hrten Lohnsteuer-Au&szlig;enpr&uuml;fung vertrat der Pr&uuml;fer die Auffassung, dass es sich bei der unentgeltlichen &Uuml;berlassung der Backwaren und der M&ouml;glichkeit, Hei&szlig;getr&auml;nke zu sich zu nehmen, um ein Fr&uuml;hst&uuml;ck handele, das mit den amtlichen Sachbezugswerten zu versteuern sei. Die Kl&auml;gerin beantragte daraufhin die Pauschalierung der Lohnsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;40 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG). In der Sache war sie allerdings der Meinung, die Backwaren ohne Belag und ein Hei&szlig;getr&auml;nk seien kein Fr&uuml;hst&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) folgte der Auffassung des Pr&uuml;fers und forderte von der Kl&auml;gerin f&uuml;r den Streitzeitraum Lohnsteuer und Nebenabgaben (Solidarit&auml;tszuschlag und Kirchensteuern) nach.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der nach erfolglosem Vorverfahren erhobenen Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2017, 1673 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat die Lohnsteuernachforderung im Ergebnis zu Recht um die Betr&auml;ge herabgesetzt, die auf die von der Kl&auml;gerin ihren Arbeitnehmern zur Verf&uuml;gung gestellten Backwaren nebst Hei&szlig;getr&auml;nk entfielen. Es handelt sich hierbei um Aufmerksamkeiten, die schon dem Grunde nach nicht zu Arbeitslohn f&uuml;hren. Entgegen der Auffassung des FA stellen die unbelegten Backwaren nebst Hei&szlig;getr&auml;nk kein als Arbeitslohn einzustufendes und nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 EStG i.V.m. &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 der Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) zu bewertendes Fr&uuml;hst&uuml;ck dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;40 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 25&nbsp;% erheben, soweit er arbeitst&auml;glich Mahlzeiten im Betrieb an die Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt abgibt. Voraussetzung ist, dass die Mahlzeiten nicht als Lohnbestandteile vereinbart sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die pauschale Lohnsteuer ist eine von der Steuer des Arbeitnehmers abgeleitete Steuer, die dem Grunde nach durch eine Tatbestandsverwirklichung des Arbeitnehmers entsteht (Urteile des Bundesfinanzhofs vom 06.05.1994&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;47\/93, BFHE 174, 363, BStBl II 1994, 715, und vom 30.11.1989&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;14\/87, BFHE 159, 82, BStBl II 1990, 993). Die &Uuml;bernahme der pauschalen Lohnsteuer durch den Arbeitgeber setzt mithin voraus, dass f&uuml;r den Arbeitnehmer eine in Geldeswert bestehende Einnahme i.S. des &sect;&nbsp;19 EStG vorliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Zu den Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit geh&ouml;ren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG &#8211;neben Geh&auml;ltern und L&ouml;hnen&#8211; auch andere Bez&uuml;ge und Vorteile, die &quot;f&uuml;r&quot; eine Besch&auml;ftigung im &ouml;ffentlichen oder privaten Dienst gew&auml;hrt werden, unabh&auml;ngig davon, ob ein Rechtsanspruch auf sie besteht und ob es sich um laufende oder um einmalige Bez&uuml;ge handelt (&sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG). Zum steuerbaren Arbeitslohn z&auml;hlen auch Sachbez&uuml;ge i.S. des &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 EStG. Ein solcher Sachbezug kann nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG insbesondere in &quot;Kost&quot; bestehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Bez&uuml;ge oder Vorteile gelten dann als f&uuml;r eine Besch&auml;ftigung gew&auml;hrt, wenn sie durch das individuelle Dienstverh&auml;ltnis veranlasst sind, ohne dass ihnen eine Gegenleistung f&uuml;r eine konkrete (einzelne) Dienstleistung des Arbeitnehmers zugrunde liegen muss. Eine Veranlassung durch das individuelle Dienstverh&auml;ltnis ist vielmehr zu bejahen, wenn die Einnahmen dem Empf&auml;nger mit R&uuml;cksicht auf das Dienstverh&auml;ltnis zuflie&szlig;en und sich als Ertrag der nichtselbst&auml;ndigen Arbeit darstellen, wenn sich die Leistung des Arbeitgebers also im weitesten Sinne als Gegenleistung f&uuml;r das Zurverf&uuml;gungstellen der individuellen Arbeitskraft des Arbeitnehmers erweist (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteile vom 07.05.2014&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;73\/12, BFHE 245, 230, BStBl II 2014, 904, Rz&nbsp;15, und vom 19.11.2015&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;74\/14, BFHE 252, 129, BStBl II 2016, 303, Rz&nbsp;10).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Grunds&auml;tze kommen auch zur Anwendung, wenn der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern Speisen und Getr&auml;nke unentgeltlich oder verbilligt zur Verf&uuml;gung stellt (Senatsentscheidungen vom 07.12.1984&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;164\/79, BFHE 142, 483, BStBl II 1985, 164; vom 05.05.1994&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;55-56\/92, BFHE 174, 425, BStBl II 1994, 771; vom 04.08.1994&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;61\/92, BFHE 175, 271, BStBl II 1995, 59; vom 19.11.2008&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;80\/06, BFHE 223, 410, BStBl II 2009, 547, und vom 21.01.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;51\/08, BFHE 228, 85, BStBl II 2010, 700), und zwar ungeachtet der Tatsache, dass Verpflegungsaufwendungen grunds&auml;tzlich den f&uuml;r die Eink&uuml;nfteermittlung unbeachtlichen Bereich der Lebensf&uuml;hrung betreffen (Senatsurteil vom 18.08.2005&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;32\/03, BFHE 210, 420, BStBl II 2006, 30).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben kommt im Streitfall eine Lohnsteuerpauschalierung nicht in Betracht. Denn es handelt sich bei den zum Verzehr im Betrieb bereitgestellten Backwaren nebst Hei&szlig;getr&auml;nk schon dem Grunde nach nicht um Arbeitslohn.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die kostenlose &Uuml;berlassung der Backwaren und Hei&szlig;getr&auml;nke im Streitzeitraum stellte zwar f&uuml;r die Arbeitnehmer der Kl&auml;gerin einen Vorteil dar. Dieser war jedoch keine Gegenleistung der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Zurverf&uuml;gungstellung der Arbeitskraft. Hierf&uuml;r spricht im Streitfall insbesondere, dass die Kl&auml;gerin die Backwaren und Hei&szlig;getr&auml;nke nur zum sofortigen Verzehr im Betrieb bereitstellte. Sie wurden allen Arbeitnehmern ohne Unterschied gew&auml;hrt. Der Verzehr fand in der Regel au&szlig;erdem nicht w&auml;hrend echter Pausen, sondern in der (bezahlten) Arbeitszeit statt. Die Arbeitnehmer sollten beim Verzehr der Backwaren und Hei&szlig;getr&auml;nke in der Kantine zusammen kommen und sich &uuml;ber berufliche Angelegenheiten untereinander sowie mit der &quot;F&uuml;hrungsetage&quot; austauschen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei dieser Sachlage war die &Uuml;berlassung der Backwaren nebst Hei&szlig;getr&auml;nk mit Aufwendungen des Arbeitgebers zur Ausgestaltung des Arbeitsplatzes und zur Schaffung g&uuml;nstiger betrieblicher Arbeitsbedingungen vergleichbar, denen keine Entlohnungsfunktion zukommt. Aufgrund dieser &Uuml;berlegungen hat der erkennende Senat schon bisher z.B. die unentgeltliche Abgabe von Getr&auml;nken an Arbeitnehmer zum Verbrauch im Betrieb als nicht steuerbare Aufmerksamkeiten angesehen (Senatsurteile vom 17.07.1959&nbsp;&#8211; VI&nbsp;107\/57&nbsp;U, BFHE 69, 406, BStBl III 1959, 412; vom 24.01.1975&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;242\/71, BFHE 114, 496, BStBl II 1975, 340, und vom 21.03.1975&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;94\/72, BFHE 115, 268, BStBl II 1975, 486).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat sieht sich bei dieser Beurteilung in Einklang mit der Auffassung der Finanzverwaltung. Nach R&nbsp;19.6 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Lohnsteuer-Richtlinien in der im Streitzeitraum und auch weiterhin geltenden Fassung geh&ouml;ren Getr&auml;nke und Genussmittel, die der Arbeitgeber den Arbeitnehmern zum Verzehr im Betrieb unentgeltlich oder teilentgeltlich &uuml;berl&auml;sst, nicht zum Arbeitslohn. Der Senat h&auml;lt dies f&uuml;r eine im Grundsatz zutreffende Auslegung des Arbeitslohnbegriffs. Dies gilt jedenfalls dann, wenn die so zugewandten Vorteile &#8211;wie im Streitfall&#8211; nur ein geringes Ausma&szlig; erreichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat sich bei seiner insoweit abweichenden W&uuml;rdigung zu Unrecht auf das Senatsurteil in BFHE 175, 271, BStBl II 1995, 59 berufen. Der Senat hat dort unter B.II. der Gr&uuml;nde entschieden, dass der Arbeitgeber, der seine Arbeitnehmer au&szlig;erhalb von herk&ouml;mmlichen Betriebsveranstaltungen bewirtet, in der Regel Arbeitslohn zuwendet und nur ausnahmsweise dann etwas anderes gilt, wenn Speisen und Getr&auml;nke anl&auml;sslich und w&auml;hrend eines au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Arbeitseinsatzes aus durch den Arbeitsablauf bedingten Gr&uuml;nden unentgeltlich &uuml;berlassen werden. Daran h&auml;lt der Senat weiterhin fest. Jenes Urteil betraf allerdings einen mit dem Streitfall nicht vergleichbaren Sachverhalt. Der Arbeitgeber bewirtete dort zehnmal im Jahr ausgew&auml;hlte leitende Angestellte in einer Gastst&auml;tte zum Mittagessen. Ein &auml;hnlicher Sachverhalt ist vorliegend nicht zu beurteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bei den von der Kl&auml;gerin zur Verf&uuml;gung gestellten Backwaren und Hei&szlig;getr&auml;nken handelte es sich insbesondere auch nicht um eine Mahlzeit, wie sie ein Fr&uuml;hst&uuml;ck, Mittagessen oder Abendessen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz 2 Nr.&nbsp;1 bis Nr.&nbsp;3 SvEV darstellt, die grunds&auml;tzlich zu Arbeitslohn f&uuml;hrt und dann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;6 EStG i.V.m. &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 SvEV zu bewerten ist. Das FG hat insoweit zutreffend darauf erkannt, dass ein Hei&szlig;getr&auml;nk mit unbelegten Backwaren kein Fr&uuml;hst&uuml;ck darstellt. Nach der Verkehrsanschauung muss f&uuml;r die Annahme eines (einfachen) Fr&uuml;hst&uuml;cks jedenfalls ein Aufstrich oder Belag hinzutreten. Dabei ist die Art der Br&ouml;tchen &#8211;entgegen der Auffassung des FA&#8211; ohne Bedeutung. Es w&uuml;rde auch der Praktikabilit&auml;t der Rechtsanwendung im Massenfallrecht der Lohnsteuer widersprechen, wollte man f&uuml;r die Anforderungen, die an ein Fr&uuml;hst&uuml;ck zu stellen sind, nach der Art der dargereichten Br&ouml;tchen differenzieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat teilt auch nicht die Auffassung des FA, aufgrund ver&auml;nderter Essgewohnheiten k&ouml;nne schon ein Kaffee (to go) und ein unterwegs verzehrtes unbelegtes Br&ouml;tchen als Fr&uuml;hst&uuml;ck angesehen werden. Es handelt sich hierbei vielmehr um einzelne Lebensmittel, die erst durch Kombination mit weiteren Lebensmitteln (z.B. Butter, Aufschnitt, K&auml;se oder Marmelade) zu einem Fr&uuml;hst&uuml;ck werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.7.2019, VI R 36\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.030719.VIR36.17.0 Anforderungen an einen lohnsteuerpflichtigen Sachbezug in Form eines Fr&uuml;hst&uuml;cks Leits&auml;tze 1. Stellt der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern unbelegte Backwaren wie Br&ouml;tchen und Rosinenbrot nebst Hei&szlig;getr&auml;nken zum sofortigen Verzehr im Betrieb bereit, handelt es sich bei den zugewandten Vorteilen grunds&auml;tzlich nicht um Arbeitslohn, sondern um nicht steuerbare Aufmerksamkeiten. 2. Unbelegte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-36-17-anforderungen-an-einen-lohnsteuerpflichtigen-sachbezug-in-form-eines-fruehstuecks\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;36\/17 &#8211; Anforderungen an einen lohnsteuerpflichtigen Sachbezug in Form eines Fr&uuml;hst&uuml;cks<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71233","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71233","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71233"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71233\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71233"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71233"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71233"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}