{"id":71236,"date":"2019-09-28T17:49:28","date_gmt":"2019-09-28T15:49:28","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71236"},"modified":"2019-09-28T17:49:28","modified_gmt":"2019-09-28T15:49:28","slug":"x-b-21-19-keine-anfechtung-eines-ausschliesslich-beguenstigenden-geaenderten-zinsbescheids-verhaeltnis-zwischen-steuer-und-zinsbescheid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-21-19-keine-anfechtung-eines-ausschliesslich-beguenstigenden-geaenderten-zinsbescheids-verhaeltnis-zwischen-steuer-und-zinsbescheid\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;21\/19 &#8211; Keine Anfechtung eines ausschlie&szlig;lich beg&uuml;nstigenden ge&auml;nderten Zinsbescheids; Verh&auml;ltnis zwischen Steuer- und Zinsbescheid"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.7.2019, X B 21\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:BA.170719.XB21.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Anfechtung eines ausschlie&szlig;lich beg&uuml;nstigenden ge&auml;nderten Zinsbescheids; Verh&auml;ltnis zwischen Steuer- und Zinsbescheid<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Ein Zinsbescheid, der einen unanfechtbar gewordenen und nicht unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehenden Zinsbescheid in der Weise &auml;ndert, dass die bisher festgesetzten Nachzahlungszinsen herabgesetzt werden, kann nicht mit Aussicht auf Erfolg angefochten werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Ein Einspruchsschreiben, dessen Rubrum die &quot;Einkommensteuer und Folgesteuern&quot; bezeichnet, das sich inhaltlich aber nur mit der Einkommensteuer befasst, kann nicht zugleich als Einspruch gegen die &#8211;mit dem Einkommensteuerbescheid &auml;u&szlig;erlich verbundene&#8211; Zinsfestsetzung angesehen werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: &sect; 361 Abs. 3 Satz 1 AO, wonach die Vollziehung eines Folgebescheids auszusetzen ist, soweit die Vollziehung eines Grundlagenbescheids ausgesetzt wird, gilt auch f&uuml;r das Verh&auml;ltnis zwischen einem Steuerbescheid und dem darauf beruhenden Zinsbescheid.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Antragsgegners wird der Beschluss des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 19.12.2018 &#8211; 14 V 3399\/18 AO aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Antrag auf Aussetzung der Vollziehung wird abgelehnt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Antragsteller zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragsteller und Beschwerdegegner (Antragsteller) sind Eheleute, die in den Streitjahren 2009 bis 2011 zur Einkommensteuer zusammenveranlagt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung, die zu erheblichen Hinzusch&auml;tzungen bei den gewerblichen Eink&uuml;nften des Antragstellers f&uuml;hrte, erlie&szlig; der Antragsgegner und Beschwerdef&uuml;hrer (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) am 21.&nbsp;November 2016 f&uuml;r die Streitjahre ge&auml;nderte Bescheide &quot;&uuml;ber Einkommensteuer, Solidarit&auml;tszuschlag und Kirchensteuer&quot;, mit denen h&ouml;here Steuern und zus&auml;tzlich erstmals Nachzahlungszinsen festgesetzt wurden. In diesen Bescheiden hie&szlig; es jeweils: &quot;Der Bescheid ist nach &sect;&nbsp;165 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO teilweise vorl&auml;ufig. Er ist nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO ge&auml;ndert. Der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung wird aufgehoben.&quot; Die Antragsteller legten gegen &quot;die ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheide f&uuml;r die Jahre 2009 bis 2011, alle vom 21.&nbsp;November 2016&quot; am 23.&nbsp;November 2016 Einspruch ein; im Rubrum des Einspruchsschreibens hei&szlig;t es &quot;Einkommensteuer und Folgesteuern f&uuml;r die Jahre 2009 bis 2011&quot;. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrten die Antragsteller aus, der Pr&uuml;fungsbericht sei fehlerhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r 2009 und 2010 wies das FA den Einspruch zur&uuml;ck; f&uuml;r 2011 gab es ihm teilweise statt und setzte die Einkommensteuer in der Einspruchsentscheidung vom 14.&nbsp;August 2017 entsprechend herab. Am selben Tage erlie&szlig; es einen gesonderten Zinsbescheid, mit dem auch die Nachzahlungszinsen zur Einkommensteuer 2011 herabgesetzt wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die anschlie&szlig;ende Klage wurde &quot;wegen Einkommensteuer, ev. Kirchensteuer und Solidarit&auml;tszuschlag f&uuml;r die Jahre 2009 bis 2011&quot; erhoben; sp&auml;ter hie&szlig; es in den Schrifts&auml;tzen der Antragsteller nur noch &quot;wegen Einkommensteuer 2009 bis 2011&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Klageverfahrens bestellte das Insolvenzgericht am 10.&nbsp;April 2018 einen vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Antragstellers, legte dem Antragsteller aber kein allgemeines Verf&uuml;gungsverbot auf. Dieser Beschluss wurde am 26.&nbsp;April 2018 aufgrund der R&uuml;cknahme des Insolvenzantrags wieder aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 20.&nbsp;April 2018 kam es im Klageverfahren zu einer tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung zwischen den Beteiligten, die eine deutliche Reduzierung der Hinzusch&auml;tzungen vorsah. Zur Umsetzung der Verst&auml;ndigung erlie&szlig; das FA am 10.&nbsp;August 2018 f&uuml;r die Jahre 2009 bis 2011 erneut ge&auml;nderte Bescheide &quot;&uuml;ber Einkommensteuer, Solidarit&auml;tszuschlag und Kirchensteuer&quot;, aber zun&auml;chst noch keine ge&auml;nderten Zinsbescheide. Diese wurden am 28.&nbsp;September 2018 personell erlassen; das FA gab als verfahrensrechtliche Grundlage &quot;&sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO&quot; an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die ge&auml;nderten Zinsbescheide legten die Antragsteller am 5.&nbsp;Oktober 2018 Einspruch ein und beantragten zugleich die Aussetzung der Vollziehung (AdV). Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrten sie an, es best&uuml;nden ernstliche Zweifel an der Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des in &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) vorgesehenen Zinssatzes. Das FA hat &uuml;ber den Einspruch bisher nicht entschieden; AdV gew&auml;hrte es nur f&uuml;r Zinszahlungszeitr&auml;ume ab dem 1.&nbsp;April 2015.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gew&auml;hrte auf den bei ihm gestellten Antrag in vollem Umfang AdV. Es hielt die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des gesetzlichen Zinssatzes aufgrund mehrerer AdV-Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH) sowie einiger beim Bundesverfassungsgericht anh&auml;ngiger Verfassungsbeschwerden f&uuml;r ernstlich zweifelhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner vom FG zugelassenen Beschwerde bringt das FA vor, &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 AO sei verfassungsgem&auml;&szlig;. Selbst wenn man hieran Zweifel haben wollte, seien die Voraussetzungen f&uuml;r eine AdV-Gew&auml;hrung nicht erf&uuml;llt, da das &ouml;ffentliche Interesse an einer geordneten Haushaltsf&uuml;hrung die Interessen der Antragsteller &uuml;berwiege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>den angefochtenen Beschluss aufzuheben und den AdV-Antrag abzulehnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Antragsteller haben keinen Antrag gestellt, treten der Beschwerde aber entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Beschlusses und zur Ablehnung des AdV-Antrags.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. AdV kann schon deshalb nicht gew&auml;hrt werden, weil &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO einer Anfechtung der streitgegenst&auml;ndlichen ge&auml;nderten Zinsbescheide, mit denen die Zinsen jeweils herabgesetzt worden sind, entgegensteht. Die Einspr&uuml;che gegen die Zinsbescheide k&ouml;nnen daher bereits aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden keinen Erfolg haben, ohne dass es noch auf materiell-rechtliche Fragen &#8211;wie die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 AO&#8211; ank&auml;me.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO k&ouml;nnen Verwaltungsakte, die unanfechtbare Verwaltungsakte &auml;ndern, nur insoweit angegriffen werden, als die &Auml;nderung reicht, es sei denn, dass sich aus den Vorschriften &uuml;ber die Aufhebung oder &Auml;nderung von Verwaltungsakten etwas anderes ergibt. Diese Regelung ist auch auf Zinsbescheide anwendbar (dazu unten a). Die mit den Einspr&uuml;chen angegriffenen Zinsbescheide haben unanfechtbare Zinsbescheide ge&auml;ndert (unten b). Aus den Vorschriften &uuml;ber die Aufhebung oder &Auml;nderung von Verwaltungsakten ergibt sich vorliegend keine erweiterte &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit (unten c). Da die angefochtenen &Auml;nderungsbescheide ausschlie&szlig;lich beg&uuml;nstigende Wirkung haben, verbleibt verfahrensrechtlich kein Raum f&uuml;r eine zugunsten der Antragsteller wirkenden Korrektur.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Schon nach seinem klaren Wortlaut gilt &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO nicht allein f&uuml;r Steuerbescheide, sondern f&uuml;r s&auml;mtliche (&auml;nderbare) Verwaltungsakte und damit auch f&uuml;r Zinsbescheide (so auch Steinhauff in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;42 FGO Rz&nbsp;50d; von&nbsp;Beckerath in Gosch, FGO &sect;&nbsp;42 Rz&nbsp;27). Eines R&uuml;ckgriffs auf &sect;&nbsp;239 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 AO bedarf es daher insoweit nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Zinsbescheide zur Einkommensteuer 2009 und 2010 vom 21.&nbsp;November 2016 und zur Einkommensteuer 2011 vom 14.&nbsp;August 2017, die durch die angefochtenen Zinsbescheide vom 28.&nbsp;September 2018 ge&auml;ndert worden sind, waren unanfechtbar geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Einspruchsschreiben der Antragsteller vom 23.&nbsp;November 2016 bezog sich sowohl inhaltlich als auch nach dem Einleitungssatz der Begr&uuml;ndung nur auf die Einkommensteuerbescheide f&uuml;r 2009 bis 2011. Zwar war im Rubrum des Einspruchsschreibens weitergehend von &quot;Einkommensteuer und Folgesteuern&quot; die Rede. F&uuml;r die Auslegung eines Einspruchsschreibens ist im Zweifel aber das materiell-rechtliche Begehren ma&szlig;geblich (Senatsurteil vom 19.&nbsp;August 2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;44\/11, BFHE 243, 304, BStBl II 2014, 234, Rz&nbsp;24&nbsp;ff.), das hier ausschlie&szlig;lich auf die R&uuml;ckg&auml;ngigmachung der durch die Au&szlig;enpr&uuml;fung vorgenommenen &Auml;nderungen gerichtet war, aber keine selbst&auml;ndigen Einwendungen gegen die Zinsfestsetzungen erkennen lie&szlig;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch zur Erlangung der &#8211;von den Antragstellern schon damals beantragten&#8211; AdV der Zinsfestsetzungen bedurfte es keine Erstreckung des gegen die Einkommensteuerbescheide gerichteten Einspruchs auf die Zinsbescheide. Die Regelung des &sect;&nbsp;361 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 AO, wonach die Vollziehung eines Folgebescheids auszusetzen ist, soweit die Vollziehung eines Grundlagenbescheids ausgesetzt wird, gilt auch f&uuml;r das Verh&auml;ltnis zwischen einem Steuerbescheid und dem darauf beruhenden Zinsbescheid (vgl. BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;M&auml;rz 1995&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;158\/94, BFH\/NV 1995, 680, unter 2.). Vor diesem Hintergrund ist eine Anfechtung des Zinsbescheids nur dann erforderlich, wenn der Steuerpflichtige Fehler vorbringen will, die dem FA nicht bereits bei der Steuerfestsetzung &#8211;deren Korrektur sich &uuml;ber &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO stets auch auf die Zinsfestsetzung auswirken w&uuml;rde&#8211;, sondern nur bei der Zinsfestsetzung unterlaufen sind. Darum ging es den Antragstellern ausweislich ihres Einspruchsschreibens vom 23.&nbsp;November 2016 aber nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Zinsbescheide vom 21.&nbsp;November 2016 und 14.&nbsp;August 2017, die im &Uuml;brigen mit einer gesonderten Rechtsbehelfsbelehrung versehen waren (&quot;Die Festsetzung der Zinsen kann mit dem Rechtsbehelf des Einspruchs angefochten werden&quot;), sind daher mit Ablauf der einmonatigen Einspruchsfrist unanfechtbar geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Anfechtungsbeschr&auml;nkung des &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO wird im Streitfall auch nicht durch die Vorschriften &uuml;ber die Aufhebung oder &Auml;nderung von Verwaltungsakten verdr&auml;ngt. Weder aus &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO (dazu unten aa) noch aus &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO (unten bb) ergeben sich f&uuml;r die Zinsbescheide verfahrensrechtliche &Auml;nderungsm&ouml;glichkeiten, die zu Zinsfestsetzungen noch unterhalb der bereits herabgesetzten Betr&auml;ge f&uuml;hren k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO ist eine bisherige Zinsfestsetzung zu &auml;ndern, wenn die Steuerfestsetzung aufgehoben, ge&auml;ndert oder nach &sect;&nbsp;129 AO berichtigt wird. Diese Vorschrift tr&auml;gt verfahrensrechtlich der Abh&auml;ngigkeit der Zinsen (als steuerlicher Nebenleistung) von der Steuer (als der den Zinsen zugrunde liegenden Hauptforderung) Rechnung und regelt &#8211;als lex specialis zu den &sect;&sect;&nbsp;172&nbsp;ff. AO&#8211; abschlie&szlig;end die Folgen, die eine &Auml;nderung der Steuerfestsetzung f&uuml;r die Zinsfestsetzung hat (BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Mai 2005&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;100\/02, BFHE 210, 1, BStBl II 2005, 735, unter II.2., und vom 16.&nbsp;Januar 2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/17, BFHE 263, 310, BStBl II 2019, 362, Rz&nbsp;18). Sie ist insoweit dem &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO nachgebildet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vorliegend hat das FA die Herabsetzung der Zinsfestsetzungen in den angegriffenen &Auml;nderungsbescheiden angesichts der gleichzeitigen Herabsetzung der Einkommensteuerfestsetzungen der Sache nach auf &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO gest&uuml;tzt, auch wenn es in den Bescheiden nicht diese Vorschrift, sondern diejenige des &sect;&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO erw&auml;hnt hat. &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO erm&ouml;glicht im Streitfall aber keine weitere Herabsetzung der Zinsfestsetzungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Eine weitergehende Herabsetzung der Zinsfestsetzungen kann hier verfahrensrechtlich auch nicht auf &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO gest&uuml;tzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der BFH hat sich bisher nicht dazu ge&auml;u&szlig;ert, ob die Korrekturvorschrift des &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO auf Zinsbescheide neben &sect;&nbsp;233a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO &uuml;berhaupt anwendbar sein k&ouml;nnte. Auch im Streitfall kann der Senat diese Frage offenlassen, weil bereits die erstmaligen Zinsbescheide vom 21.&nbsp;November 2016 nicht dahingehend ausgelegt werden k&ouml;nnen, dass die Zinsfestsetzungen unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung ergehen sollte. Vielmehr wurden dort die fr&uuml;heren Vorbehalte der Nachpr&uuml;fung &#8211;die sich allein auf die Steuerfestsetzung bezogen hatten&#8211; ausdr&uuml;cklich aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das zwischenzeitlich anh&auml;ngig gewesene Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahren hat keine Auswirkungen auf das vorliegende Verfahren. Grunds&auml;tzlich kommt es erst durch die <em>Er&ouml;ffnung<\/em> eines Insolvenzverfahrens zur Unterbrechung anh&auml;ngiger Einspruchs- und Klageverfahren (&sect;&nbsp;240 Satz&nbsp;1 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;) sowie zum Verlust der Befugnis des FA, neue Steuerbescheide zu erlassen. &sect;&nbsp;240 Satz&nbsp;2 ZPO dehnt diese Rechtsfolge nur dann auf das Insolvenzer&ouml;ffnungsverfahren aus, wenn die Verwaltungs- und Verf&uuml;gungsbefugnis &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Schuldners auf einen vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter &uuml;bergeht (&quot;vorl&auml;ufiger starker Insolvenzverwalter&quot;). Dies setzt voraus, dass dem Schuldner ein allgemeines Verf&uuml;gungsverbot auferlegt wird (&sect;&nbsp;22 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Insolvenzordnung), was vorliegend nicht der Fall war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 17.7.2019, X B 21\/19ECLI:DE:BFH:2019:BA.170719.XB21.19.0 Keine Anfechtung eines ausschlie&szlig;lich beg&uuml;nstigenden ge&auml;nderten Zinsbescheids; Verh&auml;ltnis zwischen Steuer- und Zinsbescheid Leits&auml;tze 1. NV: Ein Zinsbescheid, der einen unanfechtbar gewordenen und nicht unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehenden Zinsbescheid in der Weise &auml;ndert, dass die bisher festgesetzten Nachzahlungszinsen herabgesetzt werden, kann nicht mit Aussicht auf Erfolg angefochten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-21-19-keine-anfechtung-eines-ausschliesslich-beguenstigenden-geaenderten-zinsbescheids-verhaeltnis-zwischen-steuer-und-zinsbescheid\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;21\/19 &#8211; Keine Anfechtung eines ausschlie&szlig;lich beg&uuml;nstigenden ge&auml;nderten Zinsbescheids; Verh&auml;ltnis zwischen Steuer- und Zinsbescheid<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71236","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71236"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71236\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}