{"id":71268,"date":"2019-10-11T17:46:42","date_gmt":"2019-10-11T15:46:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71268"},"modified":"2019-10-11T17:46:42","modified_gmt":"2019-10-11T15:46:42","slug":"v-r-50-17-zur-koerperschaftsteuerpflicht-von-stiftungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-50-17-zur-koerperschaftsteuerpflicht-von-stiftungen\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;50\/17 &#8211; Zur K&ouml;rperschaftsteuerpflicht von Stiftungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.6.2019, V R 50\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.060619.VR50.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur K&ouml;rperschaftsteuerpflicht von Stiftungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die K&ouml;rperschaftsteuerpflicht einer Stiftung beginnt mit dem Tode des Stifters.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine Ausdehnung der R&uuml;ckwirkungsfiktion des &sect; 84 BGB auf die in &sect; 5 Abs 1 Nr. 9 KStG angeordnete Steuerbefreiung kommt ohne eigenst&auml;ndige steuerrechtliche Anordnung der R&uuml;ckwirkung nicht in Betracht.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 13.10.2017 &#8211; 13 K 641\/14 K wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) in den Streitjahren (2005 und 2006) nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin ist eine Stiftung. Der Stifter, A., hatte unter dem 1.&nbsp;Juni 1997 ein eigenh&auml;ndiges Testament mit folgendem (auszugsweisen) Inhalt verfasst:<br \/>&quot;&#8230; Sollte mir pl&ouml;tzlich und unerwartet einmal etwas zusto&szlig;en &#8230;, bestimme ich Folgendes: Mein gesamtes Verm&ouml;gen Geld, H&auml;user, Grundst&uuml;cke, Sparvorhaben, Girokonten, Solarien, Ger&auml;te, etc. au&szlig;erhalb bei Kunden kommen einer allgemein n&uuml;tzlichen A.-Stiftung f&uuml;r &auml;ltere durch nicht selbst verschuldete Armut bedr&uuml;ckte deutsche Mitb&uuml;rger zugute. &#8230; Es d&uuml;rfen keine H&auml;user und anderen Objekte verkauft werden. Die Netto-Einnahmen flie&szlig;en der Stiftung zu. Das Geld auch aus meinen Geldanlagen &#8230; darf nur in die Stiftung flie&szlig;en und nicht dem Staat Deutschland und auch nicht dem Finanzamt zukommen. Es muss so gewirtschaftet werden, dass keine staatliche Stelle hiervon was bekommt. Die Verwaltung sollte ehrenamtlich erfolgen mit Aufwandsentsch&auml;digung f&uuml;r die Verwalter, evtl. Kirche oder andere Personen auf keinen Fall staatlich, denn die haben alle ca. 90&nbsp;% keine Ahnung. &#8230;.&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A. ist in der Zeit vom 23. bis 25.&nbsp;November 2004 verstorben. Das Amtsgericht B. bestellte ab 8.&nbsp;Dezember 2004 zun&auml;chst C. und ab dem 13.&nbsp;Januar 2005 D. zum Nachlasspfleger. Die Kl&auml;gerin wurde am 26.&nbsp;Januar 2007 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;80 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) von der Bezirksregierung E. als rechtsf&auml;hig anerkannt. Der Anerkennung der Stiftung lag die eingereichte und unterzeichnete Satzung der Kl&auml;gerin vom 19.&nbsp;Januar 2007 zugrunde, die der Nachlasspfleger mit seinem Schreiben vom 19.&nbsp;Januar 2007 an die Bezirksregierung &uuml;bermittelt hatte. Nach der Satzung bestand der (erste) Stiftungsvorstand aus G. H. und D., dem Nachlasspfleger. Zuvor hatte der Nachlasspfleger bereits am 28.&nbsp;Dezember 2006 unter Beif&uuml;gung eines nicht unterzeichneten Satzungsentwurfs die &quot;Errichtung der gemeinn&uuml;tzigen Stiftung&quot; bei der Bezirksregierung E. beantragt. Der auf die Kl&auml;gerin ausgestellte Erbschein wurde mit Beschluss des Oberlandesgerichts J. vom 17.&nbsp;Dezember 2008 erstellt, nachdem die Wirksamkeit des Testaments des A. angefochten worden war. Die Beendigung der Nachlasspflegschaft erfolgte zum 24.&nbsp;Februar 2010. In den Streitjahren 2005 und 2006 wurden mit dem Stiftungsverm&ouml;gen Vermietungseinnahmen, Zinseinnahmen sowie weitere Einnahmen erzielt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f&uuml;hrte 2011 eine Au&szlig;enpr&uuml;fung bei der Kl&auml;gerin u.a. f&uuml;r die K&ouml;rperschaftsteuer 2005 und 2006 durch, in deren Folge er die Kl&auml;gerin nicht als gemeinn&uuml;tzig anerkannte und in den K&ouml;rperschaftsteuerbescheiden vom 12.&nbsp;September 2013 f&uuml;r 2005 und 2006 K&ouml;rperschaftsteuer festsetzte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg. Das Urteil des Finanzgerichts (FG) ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 92 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision macht die Kl&auml;gerin geltend, &sect;&nbsp;84 BGB bezwecke, dem Stifter die Erbeinsetzung der Stiftung zu erm&ouml;glichen, die andernfalls an &sect;&nbsp;1923 Abs.&nbsp;1 BGB scheitern w&uuml;rde. Auswirkungen auf das Entstehen der K&ouml;rperschaftsteuerpflicht habe die Regelung in &sect;&nbsp;84 BGB nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Selbst wenn man eine r&uuml;ckwirkende Entstehung der K&ouml;rperschaftsteuerpflicht bejahe, l&auml;gen zumindest die Voraussetzungen der Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG vor. Die abgabenrechtlichen Anforderungen seien erf&uuml;llt. &sect;&nbsp;59 der Abgabenordnung (AO) verlange nicht zwingend eine Satzung, vielmehr gen&uuml;ge auch eine &quot;sonstige Verfassung&quot;. Diese Voraussetzung erf&uuml;lle das eindeutig formulierte Testament des Stifters.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem stelle die sp&auml;ter von der Bezirksregierung genehmigte Satzung nur die Konkretisierung des im Testament zum Ausdruck gekommenen Willens des Stifters dar. Die Steuerbefreiung des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG m&uuml;sse folglich auf den Todesstichtag zur&uuml;ckwirken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben und die K&ouml;rperschaftsteuer 2005 und 2006 auf jeweils 0&nbsp;EUR festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die R&uuml;ckwirkungsfiktion des &sect;&nbsp;84 BGB umfasse nicht die in &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG angeordnete Steuerbefreiung. F&uuml;r die Anerkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit m&uuml;ssten die formellen Erfordernisse erf&uuml;llt sein. Das sei in den Streitjahren nicht der Fall gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass die Kl&auml;gerin zwar subjektiv k&ouml;rperschaftsteuerpflichtig ist, die Voraussetzungen einer Steuerbefreiung aber nicht vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin ist in den Streitjahren (2005 und 2006) unbeschr&auml;nkt k&ouml;rperschaftsteuerpflichtig. Nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 KStG sind juristische Personen des privaten Rechts, die ihre Gesch&auml;ftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben, unbeschr&auml;nkt k&ouml;rperschaftsteuerpflichtig. Die Steuerpflicht beginnt mit der zivilrechtlich wirksamen Gr&uuml;ndung (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 13.&nbsp;Dezember 1989&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;98,&nbsp;99\/86, BFHE 159, 452, BStBl II 1990, 468). Zur Entstehung einer rechtsf&auml;higen Stiftung sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;80 Abs.&nbsp;1 BGB das Stiftungsgesch&auml;ft und die Anerkennung durch die zust&auml;ndige Beh&ouml;rde des Landes erforderlich, in dem die Stiftung ihren Sitz haben soll. Das war in den Streitjahren zwar noch nicht der Fall. Die Kl&auml;gerin gilt aber als juristische Person &quot;Stiftung&quot; schon vor dem Tode des Stifters entstanden. Denn nach &sect;&nbsp;84 BGB gilt eine Stiftung, die &#8211;wie hier&#8211; erst nach dem Tode des Stifters als rechtsf&auml;hig anerkannt wird, f&uuml;r die Zuwendungen des Stifters als schon vor dessen Tod entstanden. Damit erm&ouml;glicht es das Gesetz der Stiftung mit Blick auf &sect;&nbsp;1923 Abs.&nbsp;1 BGB, als Erbin Verm&ouml;gen vom Stifter im Erbgang zu erwerben. Sie ist hinsichtlich des Verm&ouml;gensanfalls so zu behandeln, als habe sie im Todeszeitpunkt des Stifters bereits existiert und wird durch die gesetzliche Fiktion mit der staatlichen Genehmigung r&uuml;ckwirkend zur Vollerbin. Anders als bei Kapitalgesellschaften, bei denen das Verm&ouml;gen erst im Zeitpunkt der Anmeldung zur Eintragung vorliegen muss (vgl. etwa &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;2 und 3 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung), ist es bei Stiftungen von Todes wegen bereits mit dem Tod des Stifters vorhanden und bedarf einer entsprechenden Zuordnung, die &sect;&nbsp;84 BGB mit seiner R&uuml;ckwirkungsfiktion vornimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese gilt auch im Steuerrecht (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;September 2003&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;85\/02, BFHE 204, 72, BStBl II 2005, 149; Gosch, KStG, &sect;&nbsp;1 Rz&nbsp;83a). Deshalb beginnt die K&ouml;rperschaftsteuerpflicht der Kl&auml;gerin r&uuml;ckwirkend schon mit dem Tode des Stifters.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;gerin ist in den Streitjahren nicht nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit. Nach dieser Vorschrift sind K&ouml;rperschaften, Personenvereinigungen und Verm&ouml;gensmassen, die nach der Satzung, dem Stiftungsgesch&auml;ft oder der sonstigen Verfassung und nach der tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung ausschlie&szlig;lich und unmittelbar gemeinn&uuml;tzigen, mildt&auml;tigen oder kirchlichen Zwecken dienen (&sect;&sect;&nbsp;51 bis 68 AO), von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG nimmt unmittelbar Bezug auf &sect;&sect;&nbsp;51 bis 68 AO. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;59 AO wird die Steuerverg&uuml;nstigung gew&auml;hrt, wenn sich aus der Satzung, dem Stiftungsgesch&auml;ft oder der sonstigen Verfassung (Satzung im Sinne dieser Vorschriften) ergibt, welchen Zweck die K&ouml;rperschaft verfolgt, dass dieser Zweck den Anforderungen der &sect;&sect;&nbsp;52 bis 55 AO entspricht und dass er ausschlie&szlig;lich und unmittelbar verfolgt wird. Die tats&auml;chliche Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung muss diesen Satzungsbestimmungen entsprechen. &sect;&nbsp;61 Abs.&nbsp;1 AO schreibt vor, dass eine steuerlich ausreichende Verm&ouml;gensbindung (&sect;&nbsp;55 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 AO) nur dann vorliegt, wenn der Zweck, f&uuml;r den das Verm&ouml;gen bei Aufl&ouml;sung oder Aufhebung der K&ouml;rperschaft oder bei Wegfall ihres bisherigen Zweckes verwendet werden soll, in der Satzung so genau bestimmt wird, dass auf Grund der Satzung gepr&uuml;ft werden kann, ob der Verwendungszweck steuerbeg&uuml;nstigt ist. Dabei muss die Satzung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;2 AO den vorgeschriebenen Erfordernissen bei der K&ouml;rperschaftsteuer und bei der Gewerbesteuer nach dem eindeutigen Wortlaut der Vorschrift w&auml;hrend des ganzen Veranlagungs- oder Bemessungszeitraums entsprechen. Eine Auslegung gegen den eindeutigen Wortlaut und Wortsinn des Gesetzestextes ist nicht m&ouml;glich (BFH-Urteile vom 14.&nbsp;November 2018&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/15, Deutsches Steuerrecht 2019, 687; vom 15.&nbsp;Februar 2012&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;24\/09, BFHE 236, 267, BStBl II 2013, 712; BFH-EuGH-Vorlage vom 10.&nbsp;Juli 2012&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;22\/10, BFHE 238, 551, BStBl II 2013, 291). Eine Satzung, die diesen Anforderungen entspricht, lag in den Streitjahren nicht vor. Sie existiert erst nach Anerkennung der Kl&auml;gerin durch die zust&auml;ndige Beh&ouml;rde ab dem Jahr 2012.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Voraussetzung einer Satzung in den Veranlagungszeitr&auml;umen der Streitjahre ist auch nicht mit der Anerkennung der Kl&auml;gerin als rechtsf&auml;hige Stiftung im Jahr 2012 r&uuml;ckwirkend f&uuml;r die Streitjahre erf&uuml;llt. Die R&uuml;ckwirkungsfiktion des &sect;&nbsp;84 BGB wirkt sich nicht auf die in &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG geregelten Voraussetzungen der Steuerbefreiung aus. &sect;&nbsp;84 BGB fingiert das Entstehen der Stiftung als juristische Person nur &quot;<em>f&uuml;r die Zuwendungen des Stifters<\/em>&quot; vor dem Tode des Stifters. Eine Ausdehnung dieser Fiktion auf die in &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;9 KStG angeordnete Steuerbefreiung kommt ohne eigenst&auml;ndige steuerrechtliche Anordnung der R&uuml;ckwirkung nicht in Betracht (BFH-Urteil in BFHE 204, 72, BStBl II 2005, 149). Vielmehr muss der nach &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;2 AO steuererhebliche Sachverhalt w&auml;hrend des ganzen Veranlagungszeitraums gegeben sein. Damit wirkt sich die &Auml;nderung des nach dem Steuertatbestand rechtserheblichen Sachverhalts (Satzung infolge der Anerkennung)&nbsp;&nbsp;nicht in der Vergangenheit in einer Weise aus, dass nunmehr der ver&auml;nderte anstelle des zuvor verwirklichten Sachverhalts der Besteuerung zugrunde zu legen ist (vgl. dazu grundlegend Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 19.&nbsp;Juli 1993&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/92, BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897). Es ist demnach zu unterscheiden: Zur&uuml;ck wirkt das Gesetz nur f&uuml;r die Zuwendungen des Stifters, nicht aber f&uuml;r weitere Erfordernisse der Anerkennung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zwar mag&nbsp;&nbsp;mit der Revisionsbegr&uuml;ndung davon auszugehen sein, dass bei der Kl&auml;gerin w&auml;hrend des Anerkennungsverfahrens eine Gefahr f&uuml;r die Verm&ouml;gensbindung nicht besteht (vgl. &sect;&nbsp;83 BGB). Das berechtigt aber nicht, den gesetzlichen Tatbestand des &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;2 AO au&szlig;er Acht zu lassen. Das Gesetz enth&auml;lt die klare und eindeutige Anordnung, dass die Satzung w&auml;hrend des ganzen Veranlagungszeitraums den vorgeschriebenen Erfordernissen entsprechen muss. Das tut sie aber nicht, wenn sie erst nach dem streitigen Veranlagungszeitraum und ohne zur&uuml;ckzuwirken (siehe II.2.b) wirksam erlassen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Dieses Ergebnis wird durch &sect;&nbsp;38 AO best&auml;tigt. Danach entstehen Anspr&uuml;che aus dem Steuerschuldverh&auml;ltnis durch Verwirklichung des im Gesetz geregelten Tatbestandes. Tatbestand in diesem Sinne ist die Einheit aller materiell-rechtlichen, normativen Merkmale, die nach Ma&szlig;gabe der Steuergesetze erf&uuml;llt sein m&uuml;ssen, damit die Steuer in einem bestimmten zeitlichen Abschnitt entsprechend dem Periodizit&auml;tsprinzip (&sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 KStG, &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;7 des Einkommensteuergesetzes) entsteht; hierzu geh&ouml;ren auch die Regelungen &uuml;ber Steuerbefreiungen (vgl. BFH-Urteil vom 5.&nbsp;M&auml;rz 1997&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;92\/94, BFH\/NV 1997, 551; Klein\/Ratschow, 14.&nbsp;Aufl. 2018, AO &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;5; Koenig\/Koenig, 3.&nbsp;Aufl. 2014, AO &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;7). Steuertatbest&auml;nde m&uuml;ssen so bestimmt sein, dass der Steuerpflichtige die auf ihn entfallende Steuerlast vorausberechnen kann (BFH-Urteil vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2010&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;88\/06, BFHE 228, 519, BStBl II 2010, 991, Rz&nbsp;36; BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;Juni 2005&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;10\/03, BFH\/NV 2005, 1876). Das ist in den Streitjahren nicht gew&auml;hrleistet, weil ohne Kenntnis der Satzung nicht beurteilt werden kann, ob diese die Voraussetzungen der Gemeinn&uuml;tzigkeit erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem entspricht der Sinn und Zweck des Gesetzes, wie er sich auch in der Rechtsentwicklung und der Streichung des &sect;&nbsp;62 AO a.F. durch das Jahressteuergesetz 2009 vom 19.&nbsp;Dezember 2008 (BGBl I 2008, 2794) zeigt. Nach &sect;&nbsp;62 AO a.F. brauchte u.a. bei staatlich beaufsichtigten Stiftungen die Verm&ouml;gensbindung in der Satzung nicht festgelegt zu werden. Hintergrund dieser Regelung war, dass die Verm&ouml;gensbindung durch staatliche Aufsicht sichergestellt werden konnte (vgl. dazu Leisner-Egensperger in H&uuml;bschmann\/ Hepp\/Spitaler, AO\/FGO, &sect;&nbsp;62 AO Rz&nbsp;34). Durch die Streichung des &sect;&nbsp;62 AO wollte der Gesetzgeber erreichen, dass die Anerkennung der Gemeinn&uuml;tzigkeit bei allen unbeschr&auml;nkt k&ouml;rperschaftsteuerpflichtigen K&ouml;rperschaften davon abh&auml;ngt, dass die Verm&ouml;gensbindung in deren Satzung genau bestimmt ist (BTDrucks 16\/11108, S.&nbsp;46 zu Nr.&nbsp;6). Hierf&uuml;r aber muss in dem jeweiligen Veranlagungszeitraum eine derartige Satzung vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.6.2019, V R 50\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.060619.VR50.17.0 Zur K&ouml;rperschaftsteuerpflicht von Stiftungen Leits&auml;tze 1. Die K&ouml;rperschaftsteuerpflicht einer Stiftung beginnt mit dem Tode des Stifters. 2. Eine Ausdehnung der R&uuml;ckwirkungsfiktion des &sect; 84 BGB auf die in &sect; 5 Abs 1 Nr. 9 KStG angeordnete Steuerbefreiung kommt ohne eigenst&auml;ndige steuerrechtliche Anordnung der R&uuml;ckwirkung nicht in Betracht. Tenor &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-50-17-zur-koerperschaftsteuerpflicht-von-stiftungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;50\/17 &#8211; Zur K&ouml;rperschaftsteuerpflicht von Stiftungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71268","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71268"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71268\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}