{"id":71284,"date":"2019-10-11T17:44:20","date_gmt":"2019-10-11T15:44:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71284"},"modified":"2019-10-11T17:45:20","modified_gmt":"2019-10-11T15:45:20","slug":"viii-b-99-18-revisionszulassung-wegen-eines-vermeintlich-schwerwiegenden-rechtsanwendungsfehlers-bei-kumulativer-begruendung-des-fg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-99-18-revisionszulassung-wegen-eines-vermeintlich-schwerwiegenden-rechtsanwendungsfehlers-bei-kumulativer-begruendung-des-fg\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;99\/18 &#8211; Revisionszulassung wegen eines vermeintlich schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehlers bei kumulativer Begr&uuml;ndung des FG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.7.2019, VIII B 99\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.020719.VIIIB99.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Revisionszulassung wegen eines vermeintlich schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehlers bei kumulativer Begr&uuml;ndung des FG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Hat das FG sein Urteil zu einer bestimmten Frage kumulativ auf mehrere die Entscheidung jeweils allein tragende Begr&uuml;ndungen gest&uuml;tzt, kommt eine Zulassung der Revision wegen eines vermeintlich schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehlers des FG von vornherein nicht in Betracht, wenn sich dieser Fehler nur auf einen der Begr&uuml;ndungsstr&auml;nge auswirkt und das FG-Urteil aus diesem Grund in einem Revisionsverfahren nicht korrigierbar w&auml;re.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 16.05.2018 &#8211; 1 K 1849\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist teilweise unzul&auml;ssig, teilweise unbegr&uuml;ndet und daher insgesamt als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Eine Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kommt nicht in Betracht, da der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) die Voraussetzungen dieses Zulassungsgrundes nicht den Anforderungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gen&uuml;gend darlegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Grunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO kommt einer Rechtssache zu, wenn die f&uuml;r die Beurteilung des Streitfalls ma&szlig;gebliche Rechtsfrage das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt, d.h. wenn die Beantwortung der Rechtsfrage aus Gr&uuml;nden der Rechtssicherheit, der Rechtseinheitlichkeit oder der Rechtsentwicklung dem allgemeinen Interesse dient. Wird eine Nichtzulassungsbeschwerde auf die grunds&auml;tzliche Bedeutung einer Rechtsfrage gest&uuml;tzt, so setzt die nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO erforderliche Darlegung des Revisionsgrundes schl&uuml;ssige Ausf&uuml;hrungen dazu voraus, dass die angefochtene Entscheidung auf einer abstrakten Rechtsfrage beruht, deren Kl&auml;rung das Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber&uuml;hrt und die kl&auml;rungsbed&uuml;rftig sowie im Streitfall kl&auml;rungsf&auml;hig ist (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. Senatsbeschl&uuml;sse vom 31.01.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;41\/18, BFH\/NV 2019, 702, Rz&nbsp;3; vom 14.02.2017&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;43\/16, BFH\/NV 2017, 729, Rz&nbsp;8). Daf&uuml;r ist erforderlich, dass der Beschwerdef&uuml;hrer diese Rechtsfrage hinreichend konkretisiert (st&auml;ndige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211;, vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 24.06.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;216\/13, BFH\/NV 2014, 1888, Rz&nbsp;12; vom 08.06.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;112\/17, BFH\/NV 2018, 1086, Rz&nbsp;7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesem Ma&szlig;stab legt der Kl&auml;ger in der Beschwerdebegr&uuml;ndung keine abstrakte Rechtsfrage von grunds&auml;tzlicher Bedeutung dar. Er erl&auml;utert, warum aus seiner Sicht der Bescheid &uuml;ber die gesonderte Feststellung der Steuerpflicht von Zinsen aus seiner Kapitallebensversicherung vom 03.05.2016 nach Ablauf der Feststellungsfrist vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) nicht mehr gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 der Abgabenordnung (AO) erlassen werden durfte. Es sei mit dem Gesetzeszweck unvereinbar, wenn die Steuerpflicht der Zinsen aus einer Lebensversicherung noch zu jedem sp&auml;teren Zeitpunkt festgestellt werden k&ouml;nne, zu dem noch Zinsen ausgezahlt w&uuml;rden. Mit diesem Vorbringen formuliert der Kl&auml;ger aber keine konkrete abstrakte Rechtsfrage, sondern r&uuml;gt im Stile einer Revisionsbegr&uuml;ndung die aus seiner Sicht fehlerhafte Rechtsanwendung des Finanzgerichts (FG) im Streitfall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Voraussetzungen des weiterhin geltend gemachten Zulassungsgrundes gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO sind nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kl&auml;ger st&uuml;tzt sich darauf, dass dem FG schwerwiegende Rechtsanwendungsfehler unterlaufen seien. Zwar kann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO die Revision u.a. auch dann zuzulassen sein, wenn dem FG ein so schwerwiegender Rechtsfehler unterl&auml;uft, dass eine greifbar gesetzeswidrige oder willk&uuml;rliche Entscheidung vorliegt, deren Fortbestehen das Vertrauen in die Rechtsprechung besch&auml;digen w&uuml;rde und einer Korrektur durch das Revisionsgericht bedarf. Ein solcher Rechtsfehler des FG ist im Streitfall aber nicht erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Greifbare Gesetzwidrigkeit ist anzunehmen, wenn das FG eine offensichtlich einschl&auml;gige entscheidungserhebliche Vorschrift &uuml;bersehen hat oder sein Urteil jeglicher gesetzlichen Grundlage entbehrt bzw. auf einer offensichtlich Wortlaut und Gesetzeszweck widersprechenden Gesetzesauslegung beruht. Eine Entscheidung ist (objektiv) willk&uuml;rlich, wenn die fehlerhafte Rechtsanwendung bei verst&auml;ndiger W&uuml;rdigung nicht mehr verst&auml;ndlich ist und sich daher der Schluss aufdr&auml;ngt, dass sie auf sachfremden Erw&auml;gungen beruht. Von Willk&uuml;r kann dagegen nicht gesprochen werden, wenn das Gericht sich mit der Rechtslage eingehend auseinandergesetzt hat und seine Auffassung nicht jedes sachlichen Grundes entbehrt. Unterhalb dieser Schwelle liegende, auch erhebliche Rechtsfehler reichen nicht aus, um eine greifbare Gesetzwidrigkeit oder gar eine Willk&uuml;rlichkeit der angefochtenen Entscheidung anzunehmen (s. zum Ganzen BFH-Beschl&uuml;sse vom 09.02.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;58\/16, BFH\/NV 2017, 763, Rz&nbsp;4 bis&nbsp;6; vom 12.06.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;154\/17, BFH\/NV 2018, 945, Rz&nbsp;18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger sieht einen solchen schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehler des FG darin, dass es den Erlass des Bescheids vom 03.05.2016 &uuml;ber die gesonderte Feststellung der Steuerpflicht von Zinsen aus seiner Kapitallebensversicherung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO als rechtm&auml;&szlig;ig angesehen hat. Der Erlass des Bescheids w&auml;re aus Sicht des Kl&auml;gers nur rechtm&auml;&szlig;ig, wenn zus&auml;tzlich die Voraussetzungen einer &Auml;nderungsvorschrift (Hinweis des Kl&auml;gers auf die BFH-Entscheidungen vom 31.10.2000&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;14\/00, BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156; vom 02.03.2011&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;88\/10, BFH\/NV 2011, 1295) erf&uuml;llt w&auml;ren. Dies habe das FG &uuml;bersehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dem Vorbringen des Kl&auml;gers ist jedoch nicht zu folgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom Kl&auml;ger angef&uuml;hrte Rechtsprechung bezieht sich auf die Fallkonstellation, dass ein gesonderter (und ggf. einheitlicher) Feststellungsbescheid nach Ablauf der Feststellungsfrist zu Lasten des Feststellungsbeteiligten aufgehoben oder ge&auml;ndert wird (BFH-Urteil in BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156, Rz&nbsp;15 bis 17). Im Streitfall hat das FA hingegen den zun&auml;chst ergangenen gesonderten Feststellungsbescheid vom 08.05.2015 aufgehoben und &#8211;nach Ablauf der Feststellungsfrist&#8211; am 03.05.2016 einen neuen gesonderten Feststellungsbescheid zur Steuerpflicht der Zinsen erlassen. F&uuml;r den Erlass dieses zweiten gesonderten Feststellungsbescheids nach Ablauf der Feststellungsfrist ist nach der Rechtsprechung (vgl. BFH-Urteil in BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156, Rz&nbsp;17) neben &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO eine abgabenrechtliche &Auml;nderungsvorschrift nicht erforderlich. Ein schwerwiegender Rechtsanwendungsfehler des FG ist auf dieser Grundlage nicht erkennbar. Das FG hat die Befugnis des FA zum Erlass des angefochtenen gesonderten Feststellungsbescheids vom 03.05.2016 anhand der Voraussetzungen des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO gepr&uuml;ft und diese als gegeben angesehen. So hat es bejaht, dass die regul&auml;re Festsetzungsfrist zur Einkommensteuer f&uuml;r das Streitjahr 2011 bei Erlass des angefochtenen zweiten Feststellungsbescheids noch nicht abgelaufen war. Zudem war aus Sicht des FG im angefochtenen Feststellungsbescheid der Hinweispflicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 AO gen&uuml;gt worden. Selbst wenn dem FG bei dieser W&uuml;rdigung ein Rechtsfehler unterlaufen sein sollte &#8211;was der Senat nicht im Einzelnen zu pr&uuml;fen braucht&#8211;,&nbsp;&nbsp;ist sein Urteil hinsichtlich dieser Frage weder greifbar gesetzeswidrig noch ist es willk&uuml;rlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Der Kl&auml;ger macht als weiteren schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehler geltend, das FG habe die Regelung in &sect;&nbsp;29 der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung in der im Jahr 2011 anzuwendenden Fassung (EStDV) gegen deren Wortlaut ausgelegt und hieraus auf eine von ihm im Jahr 2011 verletzte Anzeigepflicht (bei Tilgung des Policendarlehens) geschlossen. Ankn&uuml;pfend daran habe es rechtsfehlerhaft angenommen, dass f&uuml;r die Feststellungsverj&auml;hrung eine Anlaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO bestanden, die regul&auml;re Feststellungsfrist erst mit Ablauf des Jahres 2014 begonnen habe und der angefochtene zweite gesonderte Feststellungsbescheid vom 03.05.2016 vor Ablauf der Feststellungsfrist erlassen worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Kl&auml;ger ist zwar darin zuzustimmen, dass dem FG insoweit ein Rechtsanwendungsfehler unterlaufen sein kann. Es hat &sect;&nbsp;29 Satz&nbsp;4 EStDV eine Anzeigepflicht des Kl&auml;gers auch f&uuml;r den Fall entnommen, dass dieser &#8211;nach der unzweifelhaft anzeigepflichtigen Sicherungsabtretung&#8211; die Versicherungsanspr&uuml;che auch zur Tilgung des Policendarlehens einsetzt. Das Gesetz sieht eine solche Anzeigepflicht des Steuerpflichtigen bei Verwendung der Versicherungsanspr&uuml;che zur Darlehenstilgung indes nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gleichwohl ist die Revision nicht zuzulassen. Das FG hat sein Ergebnis, dass der angefochtene zweite Feststellungsbescheid vom 03.05.2016 erlassen werden konnte, kumulativ begr&uuml;ndet. Es st&uuml;tzt sich einerseits auf &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO, der den Erlass des Bescheids nach Ablauf der Feststellungsfrist erm&ouml;glicht und andererseits &#8211;aufgrund einer Anlaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO&#8211; auf eine bei Erlass des Bescheids noch nicht abgelaufene Feststellungsfrist. Jeder dieser Begr&uuml;ndungsstr&auml;nge vermag die W&uuml;rdigung des FG selbst&auml;ndig zu tragen. Selbst wenn dem FG innerhalb des zweiten Begr&uuml;ndungsstranges ein (schwerwiegender) Rechtsanwendungsfehler unterlaufen sein sollte, w&auml;re dieser Fehler wegen der kumulativen Begr&uuml;ndung in der Revision nicht durch eine Aufhebung der Vorentscheidung korrigierbar. Letzteres ist f&uuml;r die Zulassung der Revision jedoch erforderlich (s. z.B. BFH-Beschluss vom 26.09.2017&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;65\/17, BFH\/NV 2018, 240, Rz&nbsp;28; Gr&auml;ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;246).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;ger sieht ferner eine Divergenz des FG-Urteils gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO von den BFH-Entscheidungen in BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156 und in BFH\/NV 2011, 1295, weil das FG den Erlass des zweiten Feststellungsbescheids vom 03.05.2016 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO als rechtm&auml;&szlig;ig erachtet habe, ohne dass hierf&uuml;r zugleich die Voraussetzungen einer Korrekturvorschrift erf&uuml;llt sein mussten (s. unter 2.a&nbsp;bb). Die ger&uuml;gte Divergenz liegt indes nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem BFH-Urteil in BFHE 193, 392, BStBl II 2001, 156 und dem BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 1295 muss auch eine &Auml;nderungsvorschrift tatbestandlich erf&uuml;llt sein, wenn ein gesonderter (und ggf. einheitlicher) Feststellungsbescheid nach Ablauf der regul&auml;ren Feststellungsfrist zu Lasten des Feststellungsbeteiligten aufgehoben oder ge&auml;ndert wird, und dies auf &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO gest&uuml;tzt wird. Von diesem abstrakten Rechtssatz weicht das FG im Streitfall nicht ab. Es stellt f&uuml;r die hier entscheidungserhebliche Konstellation des Erlasses eines (zweiten) gesonderten Feststellungsbescheids nach Aufhebung des zuvor ergangenen Feststellungsbescheids und einer bei Erlass des zweiten Feststellungsbescheids abgelaufenen Feststellungsfrist tragend darauf ab, ob die Voraussetzungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO erf&uuml;llt sind. F&uuml;r diese verfahrensrechtliche Situation verlangen auch die vom Kl&auml;ger angef&uuml;hrten vermeintlichen Divergenzentscheidungen nicht, dass neben den Voraussetzungen des &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;5 AO zus&auml;tzlich die Voraussetzungen einer &Auml;nderungsvorschrift erf&uuml;llt sein m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision ist auch nicht unter dem Gesichtspunkt des geltend gemachten Versto&szlig;es des FG gegen das Gebot des fairen Verfahrens (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 i.V.m. Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) zuzulassen. Der Kl&auml;ger sieht ein unfaires Verhalten des FG darin, dass dieses ihm als &#8230; in den Gr&uuml;nden der Vorentscheidung in ehrverletzender Weise eine Steuerstraftat unterstellt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) leitet in st&auml;ndiger Rechtsprechung aus Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG i.V.m. dem Rechtsstaatsprinzip und dem Gebot effektiven Rechtsschutzes zwar den Anspruch auf ein faires Verfahren als &quot;allgemeines Prozessgrundrecht&quot; ab (vgl. BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 06.04.1998&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2194\/97, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1998, 2044, und vom 18.07.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1623\/11, NJW 2014, 205). Danach muss der Richter das Verfahren so gestalten, wie die Parteien bzw. Beteiligten es von ihm erwarten d&uuml;rfen. Er darf sich nicht widerspr&uuml;chlich verhalten, insbesondere darf er aus eigenen oder ihm zuzurechnenden Fehlern oder Vers&auml;umnissen keine Verfahrensnachteile f&uuml;r die Beteiligten ableiten und ist allgemein zur R&uuml;cksichtnahme gegen&uuml;ber den Verfahrensbeteiligten in ihrer konkreten Situation verpflichtet. Das Gericht hat danach z.B. im Fall einer glaubhaften Einlassung eines Beteiligten bei seiner &Uuml;berzeugungsbildung in Rechnung zu stellen, dass es ihm aus Gr&uuml;nden, die in der Sph&auml;re einer Beh&ouml;rde liegen, auf deren T&auml;tigkeit er keinen Einfluss hat, unm&ouml;glich ist, eine Tatsache glaubhaft zu machen, die ohne das beh&ouml;rdliche Versagen unschwer aufzukl&auml;ren w&auml;re (BFH-Beschl&uuml;sse vom 16.03.2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;202\/15, BFH\/NV 2016, 1050, Rz&nbsp;16; vom 05.02.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;138\/13, BFH\/NV 2014, 720, Rz&nbsp;25).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Zulassung der Revision aufgrund des geltend gemachten Verfahrensfehlers kommt nicht in Betracht. Der Kl&auml;ger macht zum einen keinen Fehler des FG geltend, der die Verfahrensf&uuml;hrung und -gestaltung des FG betrifft. Ob der Anspruch auf ein faires Verfahren &uuml;ber solche Fehler des FG hinaus auch eine Abwehr &quot;ehrverletzender &Auml;u&szlig;erungen&quot; in der Begr&uuml;ndung einer gerichtlichen Entscheidung umfasst &#8211;wie der Kl&auml;ger meint&#8211;, ist nicht zu entscheiden. Denn der vom Kl&auml;ger erhobene Vorwurf, das FG habe ihm als &#8230; eine Steuerstraftat unterstellt und hieraus nachteilige Schlussfolgerungen gezogen, trifft sachlich nicht zu. Das FG hat in der Vorentscheidung weder eine vors&auml;tzliche noch leichtfertige Verletzung der &#8211;von ihm unzutreffend bejahten&#8211; Anzeigepflicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;29 EStDV durch den Kl&auml;ger angenommen noch ist es von einer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2, 370, 378 AO verl&auml;ngerten Feststellungsfrist ausgegangen. Der angefochtene Feststellungsbescheid vom 03.05.2016 konnte bei Annahme einer mit Ablauf des Jahres 2011 beginnenden dreij&auml;hrigen Anlaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO aus Sicht des FG noch innerhalb der regul&auml;ren, mit Ablauf des Jahres 2018 endenden, vierj&auml;hrigen Feststellungsfrist (vgl. &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO) ergehen. Danach besteht bereits kein Anhaltspunkt, dass das FG dem Kl&auml;ger in der Vorentscheidung eine vors&auml;tzliche Steuerhinterziehung oder leichtfertige Steuerverk&uuml;rzung unterstellt haben k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Senat sieht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO von einer Darstellung des Tatbestands und einer weiteren Begr&uuml;ndung ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 2.7.2019, VIII B 99\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.020719.VIIIB99.18.0 Revisionszulassung wegen eines vermeintlich schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehlers bei kumulativer Begr&uuml;ndung des FG Leits&auml;tze NV: Hat das FG sein Urteil zu einer bestimmten Frage kumulativ auf mehrere die Entscheidung jeweils allein tragende Begr&uuml;ndungen gest&uuml;tzt, kommt eine Zulassung der Revision wegen eines vermeintlich schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehlers des FG von vornherein nicht in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-99-18-revisionszulassung-wegen-eines-vermeintlich-schwerwiegenden-rechtsanwendungsfehlers-bei-kumulativer-begruendung-des-fg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;B&nbsp;99\/18 &#8211; Revisionszulassung wegen eines vermeintlich schwerwiegenden Rechtsanwendungsfehlers bei kumulativer Begr&uuml;ndung des FG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71284","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71284"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71284\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}