{"id":71451,"date":"2019-11-16T18:52:32","date_gmt":"2019-11-16T16:52:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71451"},"modified":"2019-11-16T18:52:32","modified_gmt":"2019-11-16T16:52:32","slug":"ix-r-17-18-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-glaubhaftmachung-des-fehlenden-verschuldens-an-der-fristversaeumung-bueroversehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-17-18-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-glaubhaftmachung-des-fehlenden-verschuldens-an-der-fristversaeumung-bueroversehen\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;17\/18 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung &#8211; B&uuml;roversehen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 3.9.2019, IX R 17\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.030919.IXR17.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung &#8211; B&uuml;roversehen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann nicht gew&auml;hrt werden, wenn bei der dargestellten Sachlage ein Organisationsverschulden als Ursache der Fristvers&auml;umnis nicht auszuschlie&szlig;en ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Die Begr&uuml;ndungsfrist f&uuml;r die Revision geh&ouml;rt nicht zu den &uuml;blichen, h&auml;ufig vorkommenden und einfach zu berechnenden Fristen. Der Prozessbevollm&auml;chtigte ist bei der Pr&uuml;fung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist und der in diesem Zusammenhang erforderlichen &Uuml;berwachung des Personals zu besonderer Sorgfalt verpflichtet.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 12.04.2018 &#8211; 9 K 1053\/15 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) erzielte im Streitjahr (2011) u.a. einen Verlust nach &sect;&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes (EStG) aus der Beteiligung an einer Aktiengesellschaft. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte den Verlust nur teilweise an; nicht zu ber&uuml;cksichtigen sei der Verlust eines Gesellschafterdarlehens, da der Kl&auml;ger nur mit 4,87&nbsp;% &#8211;und damit nicht &quot;unternehmerisch&quot;&#8211; am Grundkapital der Gesellschaft beteiligt gewesen sei und das Darlehen keinen eigenkapitalersetzenden Charakter gehabt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage wies das Finanzgericht (FG) als unbegr&uuml;ndet ab. Der geltend gemachte Forderungsausfall des Kl&auml;gers sei weder nach &sect;&nbsp;17 EStG noch nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG zu ber&uuml;cksichtigen. Das erstinstanzliche Urteil, in dem das FG die Revision zugelassen hatte, wurde dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;ger am 20.04.2018 zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;ger erhob hiergegen fristgerecht unter dem 18.05.2018 Revision; eine Begr&uuml;ndung der Revision ging bis zum Ablauf der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist (20.06.2018) nicht ein. Mit Schreiben vom 26.06.2018, dem Prozessbevollm&auml;chtigten zugestellt am 27.06.2018, hat der Senatsvorsitzende auf die Vers&auml;umung der Frist sowie auf die Vorschrift des &sect;&nbsp;56 der Finanzgerichtsordnung (FGO) hingewiesen. Mit Schreiben vom 20.07.2018, per Telefax am selben Tag beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangen, haben die Kl&auml;ger Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt und zur Begr&uuml;ndung im Wesentlichen vorgetragen, die versp&auml;tete Einreichung der Revisionsbegr&uuml;ndung beruhe auf einem entschuldbaren B&uuml;roversehen in der Steuerkanzlei ihres Prozessbevollm&auml;chtigten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Kanzlei w&uuml;rden Fristeintr&auml;ge und -austr&auml;ge sowie Posteing&auml;nge und -ausg&auml;nge von der B&uuml;roangestellten A, welche gelernte Justizangestellte und seit mehreren Jahren in der Kanzlei besch&auml;ftigt sei, selbstst&auml;ndig bearbeitet. Seit 2014 erfolge die Fristenerfassung &uuml;ber ein DATEV-Programm.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A sei &auml;u&szlig;erst zuverl&auml;ssig und gewissenhaft und mit fristbehafteten Vorg&auml;ngen bestens vertraut; zudem sei sie durch den Prozessbevollm&auml;chtigten umfassend &uuml;ber die Fristbearbeitung informiert worden. Unklarheiten hinsichtlich der Erfassung von Fristen w&uuml;rden durch R&uuml;ckfrage beim Prozessbevollm&auml;chtigten gekl&auml;rt. Im Streitfall habe A die Frist f&uuml;r die Einlegung der Revision, nicht aber die Frist f&uuml;r die Begr&uuml;ndung der Revision in das elektronische Programm eingetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Frist&uuml;berwachung werde durch den Prozessbevollm&auml;chtigten t&auml;glich vorgenommen. Das hierf&uuml;r in der Kanzlei vorgehaltene EDV-Programm &ouml;ffne sich automatisch beim Start des Computers des Prozessbevollm&auml;chtigten; offene Fristen w&uuml;rden angezeigt und k&ouml;nnten bei dieser Gelegenheit &uuml;berwacht werden. Da die Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist von A nicht eingetragen worden sei, habe sie aus technischen Gr&uuml;nden nicht in der vom Prozessbevollm&auml;chtigten t&auml;glich eingesehenen Fristen&uuml;berwachungstabelle angezeigt werden k&ouml;nnen. Aus diesem Grund sei die Einhaltung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist &uuml;bersehen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Erg&auml;nzend zum Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand hat der Prozessbevollm&auml;chtigte einen Ausdruck des elektronischen Fristenkontrollbuchs vorgelegt, aus dem sich ergibt, dass die Frist f&uuml;r die Einlegung der Revision zutreffend erfasst wurde. Ferner wurde ein Auszug aus dem (elektronischen) Postausgangsbuch vorgelegt, aus dem sich ergibt, dass die Revisionsschrift am 18.05.2018 die Kanzlei des Prozessbevollm&auml;chtigten verlassen hat. Eine eidesstattliche Versicherung &uuml;ber den behaupteten Verfahrensablauf in der Kanzlei des Prozessbevollm&auml;chtigten wurde nicht vorgelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger vertreten die Auffassung, dass ein ihnen zurechenbarer Organisationsmangel in der Kanzlei des Prozessbevollm&auml;chtigten nicht vorliege.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Sache vertreten die Kl&auml;ger die Auffassung, dass der geltend gemachte Verlust des Gesellschafterdarlehens nach &sect;&nbsp;17 EStG, hilfsweise nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;4 EStG zu ber&uuml;cksichtigen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>ihnen wegen Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew&auml;hren<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>sowie<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil des FG vom 12.04.2018&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;1053\/15 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2011 vom 04.09.2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 07.05.2015 mit der Ma&szlig;gabe zu &auml;ndern, dass ein Ver&auml;u&szlig;erungsverlust i.S. des &sect;&nbsp;17 EStG in H&ouml;he von 246.081,28&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unzul&auml;ssig zu verwerfen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>hilfsweise,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist mangels fristgerechter Begr&uuml;ndung unzul&auml;ssig (&sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und&nbsp;2 FGO) und deshalb durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von den Kl&auml;gern begehrte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach &sect;&nbsp;56 FGO wegen der Vers&auml;umung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist kann nicht gew&auml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wiedereinsetzung ist zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden an der Einhaltung der gesetzlichen Frist gehindert war (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO). Dies setzt in formeller Hinsicht voraus, dass innerhalb einer Frist von einem Monat (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 FGO) nach Wegfall des Hindernisses die vers&auml;umte Rechtshandlung nachgeholt und diejenigen Tatsachen vorgetragen und im Verfahren &uuml;ber den Antrag glaubhaft gemacht werden, aus denen sich die schuldlose Verhinderung ergeben soll. Die Tatsachen, die eine Wiedereinsetzung rechtfertigen k&ouml;nnen, sind innerhalb dieser Frist vollst&auml;ndig, substantiiert und in sich schl&uuml;ssig darzulegen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 25.06.2003&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;186\/02, BFH\/NV 2003, 1589, m.w.N.). Hiernach schlie&szlig;t jedes Verschulden &#8211;also auch einfache Fahrl&auml;ssigkeit&#8211; die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus. Der Beteiligte muss sich ein Verschulden seines Prozessbevollm&auml;chtigten zurechnen lassen (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;ger die Wiedereinsetzungsgr&uuml;nde schon nicht hinreichend dargelegt und glaubhaft gemacht. Wird &#8211;wie im Streitfall&#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen eines entschuldbaren B&uuml;roversehens bei der Einhaltung einer Frist begehrt, muss substantiiert und in sich schl&uuml;ssig vorgetragen werden, wie die Fristen im B&uuml;ro des Prozessbevollm&auml;chtigten &uuml;berwacht werden. Der Prozessbevollm&auml;chtigte, der zur Rechtfertigung seines Wiedereinsetzungsantrags vorbringt, er habe die Notierung und Kontrolle der ma&szlig;geblichen Frist f&uuml;r die Einlegung bzw. Begr&uuml;ndung eines Rechtsmittels einer zuverl&auml;ssigen und erfahrenen B&uuml;rokraft &uuml;berlassen, muss hiernach vortragen, durch welche Ma&szlig;nahmen er gew&auml;hrleistet hat, dass in seinem B&uuml;ro die Fristen entsprechend seinen Anordnungen notiert und kontrolliert werden. Dazu geh&ouml;rt nicht nur der Vortrag, wann und wie er seine B&uuml;rokr&auml;fte entsprechend belehrt, sondern auch, wie er die Einhaltung dieser Belehrungen &uuml;berwacht hat (BFH-Beschluss vom 08.02.2008&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;95\/07, BFH\/NV 2008, 969, m.w.N.). Dabei ist zu beachten, dass die Begr&uuml;ndungsfrist f&uuml;r die Revision nicht zu den &uuml;blichen, h&auml;ufig vorkommenden und einfach zu berechnenden Fristen geh&ouml;ren. Der Prozessbevollm&auml;chtigte ist daher bei der Pr&uuml;fung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist und der in diesem Zusammenhang erforderlichen &Uuml;berwachung des Personals zu besonderer Sorgfalt verpflichtet (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 23.08.2016&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;15\/16, BFH\/NV 2017, 47; vom 20.07.2016&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;6\/16, BFH\/NV 2016, 1733; vom 03.04.2013&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;24\/12, BFH\/NV 2013, 970; vom 06.11.2012&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;40\/10, BFH\/NV 2013, 397; vom 18.01.2007&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;65\/05, BFH\/NV 2007, 945; vom 24.01.2005&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;43\/03, BFH\/NV 2005, 1312, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die in diesem Zusammenhang vorzutragenden Tatsachen m&uuml;ssen durch pr&auml;sente Beweismittel, wie z.B. eidesstattliche Versicherungen oder Ablichtungen der entsprechenden Seiten des Fristenkontrollbuchs, glaubhaft gemacht werden (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 969, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Vortrag des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;ger gen&uuml;gt den dargestellten Anforderungen zur Feststellung der ordnungsgem&auml;&szlig;en &Uuml;berwachung der Einhaltung der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist nicht. So ist schon nicht dargelegt, wie die Fristenkontrolle und die &Uuml;berpr&uuml;fung des hiermit betrauten Personals bei der Einhaltung speziell bei nicht allt&auml;glichen Fristen in der Kanzlei des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;ger gehandhabt wird. Hinzu kommt, dass der Prozessbevollm&auml;chtigte in seinem Wiedereinsetzungsantrag ausdr&uuml;cklich davon ausgeht, dass es sich bei der Revisionsbegr&uuml;ndungsfrist seiner Auffassung nach um eine h&auml;ufig vorkommende und einfach zu berechnende Frist handele. Der Prozessbevollm&auml;chtigte gibt damit zu erkennen, dass er bei der Eintragung und &Uuml;berwachung von Revisionsbegr&uuml;ndungsfristen die von der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung geforderte besondere Sorgfalt schon nicht f&uuml;r erforderlich h&auml;lt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&Uuml;berdies kann von einer wirksamen t&auml;glichen Fristenkontrolle durch den Prozessbevollm&auml;chtigten nicht ausgegangen werden, wenn der fehlende Eintrag einer Begr&uuml;ndungsfrist &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum &#8211;hier zwischen Eintragung der Einlegungsfrist am 20.04.2018 und dem Zugang des Hinweisschreibens des Senatsvorsitzenden vom 26.06.2018&#8211; trotz vorgeblich t&auml;glicher Kontrolle v&ouml;llig unbemerkt bleibt. Der blo&szlig;e Hinweis auf die Zuverl&auml;ssigkeit und Gewissenhaftigkeit der mit der Fristenerfassung betrauten B&uuml;roangestellten A gen&uuml;gt insoweit nicht, um den Senat von einem entschuldbaren B&uuml;roversehen zu &uuml;berzeugen, wenn der Prozessbevollm&auml;chtigte gleichzeitig im Rahmen seines Wiedereinsetzungsantrags vortr&auml;gt, dass mit Blick auf die Zuverl&auml;ssigkeit der beauftragten Person eine besondere &Uuml;berpr&uuml;fung der eingetragenen (bzw. nicht eingetragenen) Fristen im vorliegenden Fall &uuml;berhaupt nicht stattgefunden habe. Vielmehr ist bei der dargestellten Sachlage ein Organisationsverschulden als Ursache der Fristvers&auml;umnis nicht auszuschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 3.9.2019, IX R 17\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.030919.IXR17.18.0 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung &#8211; B&uuml;roversehen Leits&auml;tze 1. NV: Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand kann nicht gew&auml;hrt werden, wenn bei der dargestellten Sachlage ein Organisationsverschulden als Ursache der Fristvers&auml;umnis nicht auszuschlie&szlig;en ist. 2. NV: Die Begr&uuml;ndungsfrist f&uuml;r die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-17-18-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-glaubhaftmachung-des-fehlenden-verschuldens-an-der-fristversaeumung-bueroversehen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;17\/18 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand &#8211; Glaubhaftmachung des fehlenden Verschuldens an der Fristvers&auml;umung &#8211; B&uuml;roversehen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71451","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71451","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71451"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71451\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71451"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71451"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71451"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}