{"id":71525,"date":"2019-12-06T20:29:47","date_gmt":"2019-12-06T18:29:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71525"},"modified":"2019-12-06T20:29:47","modified_gmt":"2019-12-06T18:29:47","slug":"ii-r-36-16-einkommensteuerschuld-als-nachlassverbindlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-36-16-einkommensteuerschuld-als-nachlassverbindlichkeit\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;36\/16 &#8211; Einkommensteuerschuld als Nachlassverbindlichkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2019, II R 36\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.110719.IIR36.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Einkommensteuerschuld als Nachlassverbindlichkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die vom Erblasser herr&uuml;hrenden Steuerschulden, die zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits rechtlich entstanden waren oder die der Erblasser als Steuerpflichtiger durch die Verwirklichung von Steuertatbest&auml;nden noch begr&uuml;ndet hat, sind Nachlassverbindlichkeiten.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Steuerschulden k&ouml;nnen nicht abgezogen werden, wenn sie keine wirtschaftliche Belastung darstellen.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. An der wirtschaftlichen Belastung fehlt es, wenn bei objektiver W&uuml;rdigung der Verh&auml;ltnisse nicht damit gerechnet werden kann, dass der Steuergl&auml;ubiger seine Forderung geltend machen werde.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. &Auml;ndern sich die Verh&auml;ltnisse nachtr&auml;glich in der Weise, dass entgegen der Erwartung zum Todeszeitpunkt mit einer Geltendmachung der Steuerforderung zu rechnen ist, ist dies ein Ereignis mit materiell-rechtlicher R&uuml;ckwirkung, das die &Auml;nderung des Erbschaftsteuerbescheids nach &sect; 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AO erm&ouml;glicht.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 14.10.2016 &#8211; 3 K 112\/13 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Schleswig-Holsteinische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) und ihre beiden Br&uuml;der sind (zu jeweils 25&nbsp;%) drei von f&uuml;nf Miterben des am &#8230;2007 verstorbenen A. Der Testamentsvollstrecker reichte die Erbschaftsteuererkl&auml;rung bei dem Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA setzte die Erbschaftsteuer gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin mit Bescheid vom 06.03.2008 auf einen Betrag in H&ouml;he von 77.066&nbsp;EUR fest. Der Bescheid wurde bestandskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit &Auml;nderungsbescheid vom 16.07.2012 setzte das f&uuml;r die Einkommensteuer des A zust&auml;ndige Finanzamt C gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin als Beteiligte der Erbengemeinschaft nach A (bestehend aus allen f&uuml;nf Miterben) Einkommensteuer, Zinsen und Solidarit&auml;tszuschlag f&uuml;r das Jahr 2007 fest, die zu einem Nachzahlungsbetrag in H&ouml;he von insgesamt 180.347,23&nbsp;EUR f&uuml;hrten. Bei der Berechnung der Erbschaftsteuer war dieser Betrag nicht als Nachlassverbindlichkeit abgezogen worden. Die &Auml;nderung des Einkommensteuerbescheids erfolgte ausweislich der Erl&auml;uterungen zur Festsetzung aufgrund einer Mitteilung des Finanzamts E &uuml;ber die Eink&uuml;nfte des A an der X&nbsp;KG, an der A beteiligt gewesen war. Die laufenden Eink&uuml;nfte betrugen danach 1&#8230;.&nbsp;EUR. Unter den Nachrichtlichen Angaben enthielt die Mitteilung au&szlig;erdem die Angabe &quot;In den Eink&uuml;nften enthaltener Sanierungsgewinn i.S. der Rn.&nbsp;3 bis 5 des BMF-Schreibens IV&nbsp;A&nbsp;6&nbsp;&#8211;&nbsp;S&nbsp;2140&nbsp;&#8211;&nbsp;8\/03 vom 27.03.2003&nbsp;&#8211;&nbsp;0&nbsp;EUR&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 15.08.2012 beantragte die Kl&auml;gerin, die mit Einkommensteuerbescheid vom 16.07.2012 festgesetzte Steuer unter &Auml;nderung des Erbschaftsteuerbescheids vom 06.03.2008 zu 1\/3 als Nachlassverbindlichkeit abzuziehen. Die Kl&auml;gerin und ihre beiden Br&uuml;der tr&uuml;gen die Schuld allein. Das FA lehnte die &Auml;nderung ab, da mit Ablauf des Jahres 2011 Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat mit Urteil ohne m&uuml;ndliche Verhandlung vom 14.10.2016 der Klage stattgegeben. Das Urteil wurde am 18.10.2016 der Kl&auml;gerin, am 21.10.2016 dem FA zugestellt. Die Einkommensteuerschuld 2007 geh&ouml;re zu den abzugsf&auml;higen Nachlassverbindlichkeiten i.S. des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 des Erbschaftsteuergesetzes (ErbStG). Der Erbschaftsteuerbescheid k&ouml;nne nach &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;2 des Bewertungsgesetzes (BewG) i.V.m. &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;2 BewG ge&auml;ndert werden. Die wirtschaftliche Belastung durch die Einkommensteuer sei eine gesetzliche Bedingung, die erst mit Festsetzung der Einkommensteuer im Juli 2012 eingetreten sei. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 1965 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 21.10.2016 ist noch ein ge&auml;nderter Einkommensteuerbescheid vom 20.10.2016 zur FG-Akte gelangt, der die Einkommensteuerschuld erheblich reduziert hat. Er wurde gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin und ihren beiden Br&uuml;dern erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung der &Auml;nderungsvorschriften sowie des Stichtagsprinzips. Zwar sei die Einkommensteuer Nachlassverbindlichkeit. Es fehle jedoch an einer verfahrensrechtlichen Korrekturm&ouml;glichkeit. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sei der Erlass eines noch den Erblasser betreffenden Einkommensteuerbescheids kein r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211; (Urteil vom 14.12.2004&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFH\/NV 2005, 1093). Das Kriterium der wirtschaftlichen Belastung im Besteuerungszeitpunkt (dazu BFH-Urteil vom 28.10.2015&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;46\/13, BFHE 252, 448, BStBl II 2016, 477) bes&auml;&szlig;e sonst keine Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;2 BewG i.V.m. &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;2 BewG erfasse nur rechtsgesch&auml;ftliche Bedingungen (BFH-Urteil vom 17.02.2010&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;23\/09, BFHE 229, 363, BStBl II 2010, 641). Es fehle &uuml;berhaupt eine Bedingung, da die Einkommensteuerschuld des A bereits am Besteuerungsstichtag eine wirtschaftliche Belastung dargestellt habe (dazu BFH-Urteil vom 04.07.2012&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;15\/11, BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790). Stehe die H&ouml;he von Verbindlichkeiten nicht fest, sei zu sch&auml;tzen oder vorl&auml;ufig nach &sect;&nbsp;165 Abs.&nbsp;1 AO festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Rechtsprechung erkenne grunds&auml;tzlich an, dass die Erwartung, die Finanzbeh&ouml;rden w&uuml;rden die Steuer in materiell-rechtlich zutreffender H&ouml;he festsetzen, gest&ouml;rt sein k&ouml;nne, etwa in Hinterziehungsf&auml;llen. Auch im Streitfall habe eine zu erlassende Steuer noch keine wirtschaftliche Belastung dargestellt. Es sei im &Uuml;brigen nicht sachgerecht, ein anh&auml;ngiges Besteuerungsverfahren mit vertauschten Rollen in die Erbschaftsteuer zu spiegeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat im Revisionsverfahren vorgetragen, dass die Drittelung der Schuld &#8211;gegen die Erbquoten&#8211; auf einer vorab vorgenommenen Teilauseinandersetzung der Erbengemeinschaft beruhe. Zwei Erben seien abgefunden worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet mit der Ma&szlig;gabe, dass das Urteil aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen ist (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Senat vermag nicht abschlie&szlig;end zu beurteilen, ob die von A herr&uuml;hrende Einkommensteuerschuld des Todesjahres 2007, soweit sie durch Einkommensteuerbescheid vom 16.07.2012 heraufgesetzt wurde, grunds&auml;tzlich noch als Nachlassverbindlichkeit angesetzt werden kann und in welchem Umfang ggf. die Verbindlichkeit der Kl&auml;gerin zuzurechnen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Steuer f&uuml;r den nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG i.V.m. &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG steuerpflichtigen Erwerb der Kl&auml;gerin von Todes wegen ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG mit dem Tode des Erblassers entstanden. F&uuml;r die Ermittlung der nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG als steuerpflichtiger Erwerb geltenden Bereicherung des Erwerbers gilt als Bereicherung der Betrag, der sich ergibt, wenn von dem nach &sect;&nbsp;12 ErbStG zu ermittelnden Wert des gesamten Verm&ouml;gensanfalls, soweit er der Besteuerung nach diesem Gesetz unterliegt, die nach den Abs&auml;tzen&nbsp;3 bis 9 abzugsf&auml;higen Nachlassverbindlichkeiten mit ihrem nach &sect;&nbsp;12 ErbStG zu ermittelnden Wert abgezogen werden (&sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 ErbStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Abgesehen von den hier nicht einschl&auml;gigen Abs&auml;tzen&nbsp;6 bis 9 des &sect;&nbsp;10 ErbStG sind als Nachlassverbindlichkeiten abzugsf&auml;hig die vom Erblasser herr&uuml;hrenden Schulden, soweit sie nicht mit einem zum Erwerb geh&ouml;renden Gewerbebetrieb, Anteil an einem Gewerbebetrieb, Betrieb der Land- und Forstwirtschaft oder Anteil an einem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen und bereits bei der Bewertung der wirtschaftlichen Einheit ber&uuml;cksichtigt worden sind (&sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG). Dazu geh&ouml;ren auch die vom Erblasser herr&uuml;hrenden pers&ouml;nlichen Steuerschulden, die nach &sect;&nbsp;1922 Abs.&nbsp;1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs i.V.m. &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 AO auf den Erben &uuml;bergegangen sind. Einkommensteuerschulden sind keine Betriebs-, sondern pers&ouml;nliche Schulden und k&ouml;nnen daher nicht in die Bewertung des Anteils an der X&nbsp;KG eingegangen sein, der ebenfalls im Erbgang auf die Erben &uuml;bergegangen ist. Der Abzugsausschluss des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 ErbStG greift daher nicht ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Zu den Nachlassverbindlichkeiten geh&ouml;ren diejenigen Steuerschulden, die im Zeitpunkt des Todes des Erblassers bereits rechtlich entstanden waren (BFH-Urteil vom 14.11.2018&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/15, BFHE 263, 273, Rz&nbsp;16, 17). Namentlich die Einkommensteuer entsteht grunds&auml;tzlich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;38 AO i.V.m. &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes mit Ablauf des Veranlagungszeitraums.&nbsp;&nbsp;Zu den abzugsf&auml;higen Nachlassverbindlichkeiten i.S. des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG geh&ouml;ren aber nicht nur die Steuerschulden, die zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits rechtlich entstanden waren, sondern auch die Steuerverbindlichkeiten, die der Erblasser als Steuerpflichtiger durch die Verwirklichung von Steuertatbest&auml;nden begr&uuml;ndet hat und die mit dem Ablauf des Todesjahres entstehen (grundlegend unter &Auml;nderung der bisherigen Rechtsprechung BFH-Urteile in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;13, 14, 15, 21; in BFHE 252, 448, BStBl II 2016, 477, Rz&nbsp;12, und in BFHE 263, 273, Rz&nbsp;17). Die Festsetzung der Steuer ist nicht Voraussetzung ihrer Entstehung, sondern setzt nach &sect;&nbsp;85 Satz&nbsp;1 AO die Entstehung voraus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Steuerschulden k&ouml;nnen aber wie andere Nachlassverbindlichkeiten nur dann abgezogen werden, wenn sie im Todeszeitpunkt eine wirtschaftliche Belastung dargestellt haben (vgl. BFH-Urteile vom 24.03.1999&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/97, BFH\/NV 1999, 1339, unter II.1.; in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;17; in BFHE 252, 448, BStBl II 2016, 477, Rz&nbsp;12, m.w.N., und&nbsp;&nbsp;in BFHE 263, 273, Rz&nbsp;17). Daran fehlt es, wenn bei objektiver W&uuml;rdigung der Verh&auml;ltnisse in diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet werden konnte, dass der Steuergl&auml;ubiger seine Forderung geltend machen werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Fehlt die wirtschaftliche Belastung, findet der Abzug nicht statt. Das Merkmal ist ein teleologisch begr&uuml;ndetes Korrektiv. &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG verlangt seinem Wortlaut nach nicht ausdr&uuml;cklich danach. Die Vorschrift tr&auml;gt aber dem Bereicherungsprinzip Rechnung, das der Besteuerung des Erwerbs zugrunde liegt (z.B. BFH-Urteil vom 01.07.2008&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;38\/07, BFHE 220, 531, BStBl II 2008, 876, unter II.2.c; auch Meincke, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Kommentar, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;6, Rz&nbsp;40).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der BFH hat im Grundsatz erkannt, dass die Abziehbarkeit von Steuerschulden wie auch die wirtschaftliche Belastung durch die Steuerschuld regelm&auml;&szlig;ig nicht davon abh&auml;nge, ob die Steuern beim Erbfall bereits festgesetzt waren oder nicht (vgl. BFH-Urteile in BFH\/NV 2005, 1093, unter II.1.b; in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;13&nbsp;ff.; in BFHE 252, 448, BStBl II 2016, 477, Rz&nbsp;14, 15; in BFHE 263, 273, Rz&nbsp;16). Es sei grunds&auml;tzlich davon auszugehen, dass die Finanzbeh&ouml;rden entstandene Steuern in der materiell-rechtlich zutreffenden H&ouml;he festsetzen werden (&sect;&nbsp;85 AO), so dass die als Nachlassverbindlichkeit abziehbare Steuerschuld f&uuml;r die Festsetzung der Erbschaftsteuer eigenst&auml;ndig zu ermitteln sei. Das folge aus dem erbschaftsteuerrechtlichen Stichtagsprinzip (&sect;&nbsp;11 i.V.m. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG), das die Wertermittlung einschlie&szlig;lich der Feststellung, welche Nachlassverbindlichkeiten gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;3 bis 9 ErbStG abziehbar sind, dem Stichtag zuweise (BFH-Urteile in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;26; in BFHE 252, 448, BStBl II 2016, 477, Rz&nbsp;14, 15, m.w.N.; ebenso j&uuml;ngst BFH-Urteil in BFHE 263, 273).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Annahme, dass Steuerschulden in der materiell-rechtlich zutreffenden H&ouml;he festgesetzt werden, gilt aber nicht ausnahmslos. Der BFH hat &#8211;in Steuerhinterziehungsf&auml;llen&#8211; die wirtschaftliche Belastung im Todeszeitpunkt verneint, wenn bei objektiver W&uuml;rdigung der Verh&auml;ltnisse in diesem Zeitpunkt angenommen werden konnte, dass der Steuergl&auml;ubiger seine Forderung nicht geltend machen werde. Dies gelte etwa dann, wenn der Steuerpflichtige steuererhebliche Sachverhalte bewusst verheimlicht und mit Inanspruchnahme selbst nicht gerechnet hatte (BFH-Urteil in BFH\/NV 2005, 1093, unter II.1.b) bzw. die Steuerbeh&ouml;rden in einem Auslandssachverhalt noch nicht einmal die theoretische M&ouml;glichkeit hatten, von den Steueranspr&uuml;chen zu erfahren (BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 1339, unter II.2.). Er hat lediglich als selbstverst&auml;ndlich vorausgesetzt, dass zumindest die M&ouml;glichkeit bestehen m&uuml;sse, noch einen Bescheid zu erlassen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2005, 1093, unter II.1.b&nbsp;bb; f&uuml;r den Fall der tats&auml;chlichen sp&auml;teren Festsetzung vgl. BFH-Urteil in BFHE 252, 448, BStBl II 2016, 477, Rz&nbsp;16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Diese Einschr&auml;nkung gilt nicht nur f&uuml;r die Steuerhinterziehung. Es sind auch weitere Konstellationen denkbar, in denen objektiv nicht mit einer Geltendmachung der Steuerforderung (und damit einer Festsetzung) zu rechnen ist. Das betrifft namentlich F&auml;lle, in denen nach dem Todeszeitpunkt eine &Auml;nderung von Verwaltungsauffassung oder Rechtsprechung zu Lasten des Steuerpflichtigen zu verzeichnen ist. In solchen F&auml;llen werden sp&auml;ter Steuerforderungen geltend gemacht, mit denen zum Todeszeitpunkt objektiv niemand rechnen konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) &Auml;ndern sich die Verh&auml;ltnisse nachtr&auml;glich in der Weise, dass entgegen der Erwartung zum Todeszeitpunkt mit einer Geltendmachung der Steuerforderung zu rechnen ist, ist dies ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach dieser Vorschrift ist ein Steuerbescheid zu erlassen, aufzuheben oder zu &auml;ndern, soweit ein Ereignis eintritt, das steuerliche Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit hat (r&uuml;ckwirkendes Ereignis). Die Festsetzungsfrist beginnt (insoweit) gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO mit Ablauf des Kalenderjahrs, in dem das Ereignis eintritt. Auf den vorherigen Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung der Erbschaftsteuer kommt es nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ob einer nachtr&auml;glichen &Auml;nderung eines Sachverhalts r&uuml;ckwirkende steuerliche Bedeutung zukommt, ob mithin eine solche &Auml;nderung dazu f&uuml;hrt, dass bereits eingetretene steuerliche Rechtsfolgen mit Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit sich &auml;ndern oder vollst&auml;ndig entfallen, bestimmt sich allein nach dem jeweils einschl&auml;gigen materiellen Recht. Nach diesem ist zu beurteilen, ob zum einen eine &Auml;nderung des urspr&uuml;nglich gegebenen Sachverhalts den Steuertatbestand &uuml;berhaupt betrifft und ob dar&uuml;ber hinaus der nach &sect;&nbsp;38 AO bereits entstandene materielle Steueranspruch mit steuerlicher R&uuml;ckwirkung noch ge&auml;ndert werden oder entfallen kann (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 19.07.1993&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/92, BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897, unter C.II.1.c). Eine &Auml;nderung des nach dem Steuertatbestand rechtserheblichen Sachverhalts kann insbesondere dann zu einer r&uuml;ckwirkenden &Auml;nderung (Wegfall) steuerlicher Rechtsfolgen f&uuml;hren, wenn Steuertatbest&auml;nde an einen einmaligen Vorgang ankn&uuml;pfen (Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 172, 66, BStBl II 1993, 897, unter C.II.1.d).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Der Erbanfall nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG i.V.m. &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG ist nicht nur seinem Rechtsgrund nach ein einmaliger Vorgang in diesem Sinne, wie er f&uuml;r die Erbschafts- und Schenkungsbesteuerung typisch ist. Auch die Wertermittlung einschlie&szlig;lich der Feststellung der abziehbaren Nachlassverbindlichkeiten folgt dem erbschaftsteuerrechtlichen Stichtagsprinzip aus &sect;&nbsp;11 ErbStG i.V.m. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Fest steht, dass in anderen F&auml;llen die sp&auml;tere Geltendmachung und sogar die sp&auml;tere Entstehung von Nachlassverbindlichkeiten erstmalig die Ber&uuml;cksichtigungsm&ouml;glichkeit begr&uuml;nden k&ouml;nnen. Wegen des Stichtagsprinzips setzt dies notwendig die Annahme r&uuml;ckwirkender Ereignisse voraus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies betrifft etwa Pflichtteilsanspr&uuml;che nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;2 ErbStG, die erst als Nachlassverbindlichkeiten abzugsf&auml;hig sind, wenn sie geltend gemacht wurden. Das ist erst nach dem Stichtag, dem Todesfall, m&ouml;glich. Es betrifft auch die Verbindlichkeiten nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;3 ErbStG, die ihrer Natur nach erst nach dem Todesfall entstehen k&ouml;nnen und vorher auch der H&ouml;he nach regelm&auml;&szlig;ig nicht absehbar sind. Nicht wesentlich anders verh&auml;lt es sich f&uuml;r die Einkommensteuer des Todesjahres, soweit noch der Erblasser die steuerrelevanten Tatbest&auml;nde verwirklicht hat. Diese Steuerschulden sind zum Todeszeitpunkt zwar begr&uuml;ndet, aber noch nicht entstanden. Ihre Behandlung als Nachlassverbindlichkeit nach Ma&szlig;gabe des BFH-Urteils in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790 ist ebenfalls nur m&ouml;glich, wenn ihre Entstehung ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis ist, denn die H&ouml;he der anteiligen Einkommensteuerverbindlichkeit kann unterj&auml;hrig noch nicht feststehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf die Frage, ob bei Geltendmachung\/Entstehung dieser Anspr&uuml;che und Verbindlichkeiten bereits ein Erbschaftsteuerbescheid ergangen und dieser bestandskr&auml;ftig ist, kommt es in diesem Zusammenhang nicht an. Handelte es sich nicht um r&uuml;ckwirkende Ereignisse i.S. der Legaldefinition des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO, w&auml;re ihre Ber&uuml;cksichtigung schon mangels steuerlicher Wirkung f&uuml;r den Stichtag materiell-rechtlich unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ee) So wie diese nach dem Todeszeitpunkt erstmals eintretenden Voraussetzungen f&uuml;r die Ber&uuml;cksichtigung von Nachlassverbindlichkeiten r&uuml;ckwirkende Ereignisse sind, gilt dies ebenso f&uuml;r die wirtschaftliche Belastung, wenn sie erstmals nach dem Todeszeitpunkt entsteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Eintritt einer zun&auml;chst fehlenden wirtschaftlichen Belastung l&auml;sst das Hindernis f&uuml;r den Abzug der zugrunde liegenden Nachlassverbindlichkeit r&uuml;ckwirkend entfallen. Seine Wirkung f&uuml;r die Vergangenheit folgt aus dem Bereicherungsprinzip, das seinerseits &uuml;berhaupt erst das ungeschriebene negative Tatbestandsmerkmal der fehlenden wirtschaftlichen Belastung rechtfertigt. Belastungen, die vom Erblasser herr&uuml;hren, beruhen auf dem Todesfall und mindern den Erwerb von Todes wegen so wie der Verm&ouml;gensanfall ihn erh&ouml;ht. Das gilt unabh&auml;ngig davon, wann diese Belastungen aufscheinen. Dieser Aspekt gilt f&uuml;r die Entstehung von Nachlassverbindlichkeiten ebenso wie f&uuml;r die Entstehung einer zun&auml;chst fehlenden wirtschaftlichen Belastung nach dem Todeszeitpunkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben vermag der Senat nicht abschlie&szlig;end zu beurteilen, ob die Voraussetzungen f&uuml;r die beantragte Ber&uuml;cksichtigung der mit Bescheid vom 16.07.2012 festgesetzten Einkommensteuerschuld vorliegen und ggf. zu welchem Anteil. Den Sachvortrag der Kl&auml;gerin im Revisionsverfahren kann der Senat nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO nicht ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Es fehlen &#8211;aus Sicht des FG zu Recht&#8211; Feststellungen zu der Frage, mit welcher Einkommensteuerfestsetzung zum Todeszeitpunkt zu rechnen war und ob und ggf. wann sich insoweit sp&auml;ter die Verh&auml;ltnisse ge&auml;ndert haben k&ouml;nnten. Den vorliegenden Bescheiden ist lediglich zu entnehmen, dass sp&auml;ter ein h&ouml;herer laufender Gewinn bei der X&nbsp;KG zu ber&uuml;cksichtigen war und die Beg&uuml;nstigung eines Sanierungsgewinns nicht (mehr) stattfand. Zu den Hintergr&uuml;nden, namentlich zu der Frage, ob zum Todeszeitpunkt mit der Nichtbeg&uuml;nstigung eines Sanierungsgewinns zu rechnen war, ist nichts festgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Gegebenenfalls sind Vorauszahlungen von den Einkommensteuerschulden abzusetzen. Auch insoweit w&auml;ren ggf. Feststellungen erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ferner sind keine Tatsachen festgestellt, die es rechtfertigen k&ouml;nnten, die Einkommensteuerverbindlichkeit bei der Kl&auml;gerin der Erbquote entgegen zu einem Drittel anzusetzen. Dies ist nachzuholen. Der Bescheid vom 16.07.2012 ist noch gegen&uuml;ber allen f&uuml;nf Erben ergangen. Allein die Mitteilung, die Kl&auml;gerin und ihre beiden Br&uuml;der h&auml;tten die Einkommensteuerschuld tats&auml;chlich zu jeweils einem Drittel getragen, rechtfertigt eine entsprechende Zurechnung unter Au&szlig;erachtlassung der beiden weiteren Erben nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Im zweiten Rechtsgang ist ggf. auch der &#8211;gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin und ihren beiden Br&uuml;dern&#8211; erlassene Einkommensteuerbescheid vom 20.10.2016 zu beachten, den das FG nicht mehr ber&uuml;cksichtigen konnte und der Senat nicht ber&uuml;cksichtigen kann. &sect;&nbsp;68 FGO ist nicht anwendbar, da dieser Bescheid nicht Gegenstand des Verfahrens ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.7.2019, II R 36\/16ECLI:DE:BFH:2019:U.110719.IIR36.16.0 Einkommensteuerschuld als Nachlassverbindlichkeit Leits&auml;tze 1. Die vom Erblasser herr&uuml;hrenden Steuerschulden, die zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits rechtlich entstanden waren oder die der Erblasser als Steuerpflichtiger durch die Verwirklichung von Steuertatbest&auml;nden noch begr&uuml;ndet hat, sind Nachlassverbindlichkeiten. 2. Steuerschulden k&ouml;nnen nicht abgezogen werden, wenn sie keine wirtschaftliche Belastung darstellen. 3. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-36-16-einkommensteuerschuld-als-nachlassverbindlichkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;36\/16 &#8211; Einkommensteuerschuld als Nachlassverbindlichkeit<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71525"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71525\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}