{"id":71531,"date":"2019-12-06T20:29:36","date_gmt":"2019-12-06T18:29:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71531"},"modified":"2019-12-06T20:29:36","modified_gmt":"2019-12-06T18:29:36","slug":"v-r-57-17-veraeusserung-von-kapitallebensversicherungen-auf-dem-zweitmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-57-17-veraeusserung-von-kapitallebensversicherungen-auf-dem-zweitmarkt\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;57\/17 &#8211; Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.9.2019, V R 57\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.050919.VR57.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Die Ver&auml;u&szlig;erung von &quot;gebrauchten&quot; Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt ist als Umsatz im Gesch&auml;ft mit Forderungen nach &sect; 4 Nr. 8 Buchst. c UStG von der Umsatzsteuer befreit.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin werden das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 27.09.2017 &#8211; 3 K 3438\/14 sowie die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 19.12.2014 aufgehoben und die Umsatzsteuer unter Ab&auml;nderung des Umsatzsteuerbescheids 2007 vom 28.03.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 19.12.2014 auf 792.310,59 EUR festgesetzt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob Ums&auml;tze aus der entgeltlichen &Uuml;bertragung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt steuerbar sind und in diesem Falle unter die Steuerbefreiung des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c des Umsatzsteuergesetzes in der im Streitjahr (2007) geltenden Fassung (UStG) fallen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Gegenstand des Unternehmens ist u.a. der Erwerb und die Verwertung bestehender Kapitallebens- und Rentenversicherungen sowie die Erbringung von Verwaltungs- und Serviceleistungen im Zusammenhang mit der Verwaltung von Kapitallebensversicherungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitjahr erwarb die Kl&auml;gerin Kapitallebensversicherungen von Privatpersonen (Versicherungsnehmern) zu einem Betrag, der unter der eingezahlten Summe, aber &uuml;ber dem R&uuml;ckkaufswert der jeweiligen Versicherung lag. Zivilrechtlich wurde der Erwerb in einer dinglichen oder einer schuldrechtlichen Variante abgewickelt:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei Zustimmung des jeweiligen Versicherers erfolgte eine Vertrags&uuml;bertragung oder eine Vertrags&uuml;bernahme, sodass die Kl&auml;gerin mit Ausnahme des nach wie vor versicherten Risikos (Leben des Versicherungsnehmers) an die Stelle des Versicherungsnehmers trat (dingliche Variante). Soweit eine Zustimmung des Versicherers nicht zu erlangen war, erfolgte der Erwerb durch Abtretung s&auml;mtlicher Anspr&uuml;che aus den Versicherungsvertr&auml;gen im Wege einer Treuh&auml;nderschaft; hierbei trat die Kl&auml;gerin nur im Innenverh&auml;ltnis zum Versicherungsnehmer in die vertraglichen Rechte und Pflichten des Versicherungsnehmers ein, w&auml;hrend sich dieser verpflichtete, seine versicherungsvertraglichen Rechte treuh&auml;nderisch f&uuml;r die Kl&auml;gerin auszu&uuml;ben (schuldrechtliche Variante).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an die &Uuml;bernahme gestaltete die Kl&auml;gerin die Versicherungsvertr&auml;ge derart um, dass diese f&uuml;r die Restlaufzeit m&ouml;glichst gleichf&ouml;rmig weiterliefen. Dabei k&uuml;ndigte sie Versicherungsbestandteile, die f&uuml;r die Ablaufleistung unerheblich waren, insbesondere Zusatzversicherungen (z.B. Berufsunf&auml;higkeits- oder Unfallzusatzversicherungen). Au&szlig;erdem wurden die Vertr&auml;ge entweder auf j&auml;hrliche Zahlungsweise um- oder beitragsfrei gestellt, je nachdem, ob sich weitere Beitragszahlungen im Hinblick auf die Erh&ouml;hung der Ablaufleistung rentierten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Anschlie&szlig;end ver&auml;u&szlig;erte die Kl&auml;gerin ihre Rechte an den modifizierten Kapitallebensversicherungen auf der Basis von zuvor getroffenen Rahmenvereinbarungen an Fondsgesellschaften. Auch dies erfolgte entweder durch Vertrags&uuml;bernahme oder durch Abtretung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei einer Vertrags&uuml;bernahme wurde der Erwerber Vertragspartei des Versicherers. Hierf&uuml;r &uuml;bertrug die Kl&auml;gerin zu einem bestimmten Stichtag alle gegenw&auml;rtigen und k&uuml;nftigen Rechte, Anspr&uuml;che und Pflichten aus der Lebensversicherung (vor allem das Recht, Leistungen in Form von Versicherungsleistungen, Zinsen, Boni, Gewinnanteile, R&uuml;ckkaufswerte, Pr&auml;mienr&uuml;ckzahlungen und Beitragserstattungen zu empfangen) sowie die Pflicht zur Beitragszahlung auf den jeweiligen Erwerber.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Falle einer Abtretung, bei der die Kl&auml;gerin Versicherungsnehmerin geworden war, der Erwerber aber noch nicht die Stellung eines Versicherungsnehmers hatte, wurde die Kl&auml;gerin Treuh&auml;nder des Erwerbers. Soweit die Kl&auml;gerin nicht Versicherungsnehmer war und mit dem urspr&uuml;nglichen Versicherungsnehmer eine Treuhandvereinbarung getroffen hatte, wurde eine Untertreuhandvereinbarung zwischen dem Erwerber und der Kl&auml;gerin vereinbart. Nach der Treuhandvereinbarung hatte die Kl&auml;gerin ab dem ma&szlig;gebenden Stichtag die noch bestehenden Rechte und Pflichten aus der Kapitallebensversicherung als Treuh&auml;nder f&uuml;r den Erwerber als Treugeber wahrzunehmen und auszu&uuml;ben sowie die sich darauf beziehenden Weisungen des Erwerbers zu befolgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Umsatzsteuererkl&auml;rung des Streitjahres behandelte die Kl&auml;gerin die Ums&auml;tze aus der entgeltlichen &Uuml;bertragung von Kapitallebensversicherungen an Fondsgesellschaften als nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG steuerfrei. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hingegen ging &#8211;im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung (Bericht vom 04.10.2013)&#8211; und unter Berufung auf ein unver&ouml;ffentlichtes Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 11.10.2010&nbsp;&#8211; IV&nbsp;D&nbsp;3&nbsp;-S&nbsp;7160-&nbsp;c\/07\/10001, DOK 2010\/0787525) davon aus, dass es sich bei der Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt um einheitliche steuerpflichtige Leistungen handele, da die &Uuml;bertragung der Forderungen lediglich das Mittel darstelle, um die durch das Vertragswerk bestimmte Hauptleistung optimal in Anspruch nehmen zu k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Den Einspruch gegen den ge&auml;nderten Umsatzsteuerbescheid vom 09.12.2014 wies das FA durch Einspruchsentscheidung vom 19.12.2014 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck, die dagegen erhobene Klage vor dem Finanzgericht (FG) hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1981 ver&ouml;ffentlichten Urteil handelt es sich bei der &Uuml;bertragung von Kapitallebensversicherungen um steuerbare sonstige Leistungen, die nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG steuerfrei sind, da keine Ums&auml;tze im Gesch&auml;ft mit Forderungen vorl&auml;gen. Zwar diene der Handel mit Lebensversicherungsvertr&auml;gen im Wesentlichen der &Uuml;bertragung des Anspruchs auf die Ablaufleistung und damit der &Uuml;bertragung einer zuk&uuml;nftigen Geldforderung, die &Uuml;bertragung der Forderung bzw. des Anspruchs gegen die Versicherer sei aber nicht die Hauptleistung. Das Wesen der fraglichen Ums&auml;tze werde insbesondere von der Pflicht zur Beitragszahlung bestimmt. Es seien nicht nur Forderungen &uuml;bertragen worden, sondern bestehende Kapitallebensversicherungen mit einem versicherungstypischen Risiko. Der wirtschaftliche Zweck und das Interesse der Erwerber seien daher nicht auf die blo&szlig;e &Uuml;bertragung der Anspr&uuml;che bzw. Guthaben aus den bestehenden Versicherungsvertr&auml;gen gerichtet, sondern auf die &Uuml;bertragung der bestehenden Vertr&auml;ge in ihrer Gesamtheit. Dabei stelle die &Uuml;bertragung der Forderung nur einen wesentlichen, aber nicht allein charakterbestimmenden Teil einer aus mehreren Teilen bestehenden Hauptleistung dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die streitgegenst&auml;ndlichen Ver&auml;u&szlig;erungen erf&uuml;llten auch nicht den Zweck der Befreiung von Finanzgesch&auml;ften nach Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;d der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.11.2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Dieser liege u.a. darin, die Schwierigkeiten zu vermeiden, die mit der Bestimmung der Bemessungsgrundlage verbunden seien, zudem solle eine Erh&ouml;hung der Kosten von Verbraucherkrediten vermieden werden. Die Ver&auml;u&szlig;erung von bereits abgeschlossenen Lebensversicherungsvertr&auml;gen habe jedoch keine Auswirkung auf die Abschlusskosten einer Lebensversicherung f&uuml;r den Verbraucher, auch gebe es keine Schwierigkeiten mit der Bestimmung der Bemessungsgrundlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen sowie formellen Rechts und tr&auml;gt zur Begr&uuml;ndung im Wesentlichen vor: Die Ver&auml;u&szlig;erung der Anspr&uuml;che aus den Kapitallebensversicherungen sei nicht steuerbar, jedenfalls aber als Gesch&auml;ft mit Forderungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG steuerfrei. Hilfsweise sei die Bemessungsgrundlage auf der Grundlage der erzielten Marge zu ermitteln bzw. die Differenzbesteuerung nach &sect;&nbsp;25a UStG anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der wirtschaftliche Gehalt der Gesch&auml;ftsbeziehung zwischen Kl&auml;gerin und Zweiterwerbern beschr&auml;nke sich auf die Ver&auml;u&szlig;erung von Geldforderungen, sodass dem Forderungserwerber schon kein verbrauchsf&auml;higer Vorteil zugewendet werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Ver&auml;u&szlig;erung der Anspr&uuml;che aus Kapitallebensversicherungen sei jedenfalls als Umsatz im Gesch&auml;ft mit Forderungen steuerfrei. Entgegen der Auffassung des FG liege das charakterbestimmende Merkmal in der Abtretung einer Geldforderung auf die Ablaufleistung zuz&uuml;glich &Uuml;berschussbeteiligung. Der wirtschaftliche Zweck und das Interesse des Erwerbers seien auf die &Uuml;bertragung der Anspr&uuml;che bzw. Guthaben aus den bestehenden Kapitalanteilen der Versicherungsvertr&auml;ge gerichtet und nicht auf die &Uuml;bertragung der bestehenden Vertr&auml;ge in ihrer Gesamtheit. Die Kapitallebensversicherung sei Bestandteil der privaten Verm&ouml;gens- und Vorsorgeplanung. Auch aus Sicht der Kl&auml;gerin und der Zweiterwerber sei die Entscheidung des Erwerbs ausschlie&szlig;lich durch ihr Anlageinteresse motiviert. Bei den Zweiterwerbern handele es sich um Finanzinvestoren, f&uuml;r die der Erwerb eine reine Kapitalanlage darstelle. Der &Uuml;bergang weiterer Rechte (wie das Recht auf Beitragsfreistellung) sei hingegen von untergeordneter Bedeutung und diene allein der Optimierung der Anlagerendite.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FG davon ausgehe, dass das Wesen der Ums&auml;tze auch vom &Uuml;bergang sonstiger Rechte und Pflichten bestimmt werde, verkenne es, dass die Kl&auml;gerin neben der Abtretung des Anspruchs auf die Ablaufleistung keine weitere selbst&auml;ndige Leistung erbringe. Insbesondere stelle die &Uuml;bertragung der Pflicht zur Beitragszahlung keine Leistung des &Uuml;bertragenden dar, es handele sich allenfalls um die &Uuml;bernahme einer Verpflichtung durch den Erwerber und damit um eine Gegenleistung des Erwerbers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Anders als in der Rechtssache Swiss Re (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; vom 22.10.2009&nbsp;&#8211; C-242\/08, EU:C:2009:647) gehe es vorliegend um die &Uuml;bertragung einer Geldforderung gegen eine Versicherung und nicht um die &Uuml;bernahme von Versicherungsrisiken durch eine (andere) Versicherung. Soweit das FG im Rahmen der Gesamtbetrachtung von weiteren Leistungen der Kl&auml;gerin ausgehe, beruhe dies auf einer fehlerhaften Beurteilung der vermeintlichen Leistungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der &Uuml;bertragung der Anspr&uuml;che auf Ablaufleistung handele es sich um einen Finanzumsatz i.S. von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG. Die Abtretung des Anspruchs auf die Ablaufleistung bilde im Gro&szlig;en und Ganzen ein eigenst&auml;ndiges Ganzes und erf&uuml;lle die spezifischen und wesentlichen Funktionen eines Gesch&auml;fts mit Forderungen, da durch die &Uuml;bertragung zumindest in Bezug auf die Bezugsberechtigung eine &Auml;nderung der rechtlichen und finanziellen Situation herbeigef&uuml;hrt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Steuerbefreiung der streitgegenst&auml;ndlichen Ums&auml;tze werde auch vom Zweck der Steuerbefreiung gedeckt. Im Zusammenhang mit den streitgegenst&auml;ndlichen &Uuml;bertragungen erg&auml;ben sich erhebliche Probleme bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage, was durch die umfangreichen Ausf&uuml;hrungen im Urteil des FG belegt werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Die Kl&auml;gerin beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">das Urteil des FG vom 27.09.2017&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;3438\/14 aufzuheben und die Umsatzsteuer 2007 unter Aufhebung der Einspruchsentscheidung vom 19.12.2014 und Ab&auml;nderung des Umsatzsteuerbescheids 2007 vom 09.12.2014 auf 792.310,59&nbsp;EUR festzusetzen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">hilfsweise,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">die Umsatzsteuer auf der Grundlage einer Bemessungsgrundlage f&uuml;r die streitgegenst&auml;ndlichen Ums&auml;tze in H&ouml;he der von der Kl&auml;gerin erzielten Gewinnmarge von 4,8&nbsp;% festzusetzen und die Berechnung der festzusetzenden Umsatzsteuer dem FA zu &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA verteidigt die angefochtene Vorentscheidung und bringt erg&auml;nzend vor: Das Urteil entspreche den im EuGH-Urteil Swiss Re (EU:C:2009:647) aufgestellten Rechtsgrunds&auml;tzen, wonach es sich bei der entgeltlichen &Uuml;bertragung eines Bestands von Lebensr&uuml;ckversicherungsvertr&auml;gen um eine einheitliche, nicht steuerbefreite Dienstleistung handele.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin liege eine steuerbare Leistung vor. Aus der zitierten Rechtsprechung ergebe sich nicht, dass die &Uuml;bertragungen von Bargeld bzw. Forderungen gegen Bargeld mangels Zuwendung eines verbrauchbaren Vorteils nicht steuerbar seien. So habe der Bundesfinanzhof (BFH) im Urteil vom 19.05.2010&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;6\/09 (BFHE&nbsp;230, 473, BStBl II 2011, 831) den Sortenwechsel gegen Entgelt als steuerbare sonstige Leistung beurteilt. Einer Steuerbarkeit stehe nicht entgegen, dass der Vertragspartner Bargeld gegen Bargeld erhalte. Ausschlaggebend sei, dass die Leistung des An- und Verkaufs von in- und ausl&auml;ndischen Banknoten und M&uuml;nzen gegen Entgelt erfolge und damit eine wirtschaftliche Leistung erbracht werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;gerin k&ouml;nne nicht darin gefolgt werden, dass es sich bei der Zweitver&auml;u&szlig;erung der angepassten Kapitallebensversicherungen um einen steuerfreien Umsatz mit Forderungen handele. Den Erwerbern seien Kapitallebensversicherungen in G&auml;nze und nicht lediglich der Anspruch auf die Ablaufleistung &uuml;bertragen worden. Die &Uuml;bertragung der Kapitallebensversicherungen k&ouml;nne nicht auf die &Uuml;bertragung einer zuk&uuml;nftigen Geldforderung reduziert werden. Es handele sich um eine einheitliche Leistung, die nicht k&uuml;nstlich in eine &Uuml;bertragung der Forderung und eine &Uuml;bertragung der sonstigen Rechte und Pflichten aus dem Vertrag aufgespaltet werden k&ouml;nne. Die &Uuml;bertragung des Anspruchs auf die Ablaufleistung stelle keine Hauptleistung dar, die der Leistung das Gepr&auml;ge gebe, da dies dem Charakter des &uuml;bertragenen Versicherungsvertrags widerspreche.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A. Der erkennende Senat konnte nach Zur&uuml;ckweisung des Ablehnungsgesuchs des FA gegen den Richter am BFH X durch Beschluss vom 21.08.2019 (V&nbsp;R&nbsp;57\/17) in seiner sich aus dem senatsinternen Gesch&auml;ftsverteilungsplan vorgesehenen Besetzung entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>B. Die Revision der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und der Klage stattzugeben (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Senat kann dabei offenlassen, ob die Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt steuerbar ist, da es sich hierbei jedenfalls &#8211;entgegen der Auffassung des FG&#8211; um steuerfreie Ums&auml;tze im Gesch&auml;ft mit Forderungen (&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG) handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Ver&auml;u&szlig;erung der Kapitallebensversicherungen ist nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG steuerfrei. Das FG geht zwar zu Recht von einheitlichen Leistungen aus, ber&uuml;cksichtigt aber nicht, dass beim Handel mit Kapitallebensversicherungen die &Uuml;bertragung der (zuk&uuml;nftigen) Geldforderung die Hauptleistung darstellt, w&auml;hrend die &Uuml;bertragung der weiteren Rechte und Pflichten als Nebenleistung zu qualifizieren ist, die das Schicksal der Hauptleistung (Steuerfreiheit) teilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Mit der Ver&auml;u&szlig;erung ihrer Rechte und Pflichten an den von ihr erworbenen und vertraglich angepassten Kapitallebensversicherungen erbrachte die Kl&auml;gerin &#8211;wovon auch das FG zu Recht ausgeht&#8211; eine einheitliche sonstige Leistung. Denn bei wirtschaftlicher Betrachtung k&ouml;nnen die streitgegenst&auml;ndlichen Ums&auml;tze nicht k&uuml;nstlich in zwei Leistungen (&Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten i.S. von Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;c MwStSystRL und Ums&auml;tze im Gesch&auml;ft mit Forderungen i.S. von Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;d MwStSystRL) aufgespalten werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach der Rechtsprechung des EuGH, der sich der BFH angeschlossen hat, ist in der Regel jede Lieferung oder Dienstleistung als eigene, selbst&auml;ndige Leistung zu betrachten. Bei einem Umsatz, der ein B&uuml;ndel von Einzelleistungen und Handlungen umfasst, ist aber im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu bestimmen, ob zwei oder mehr getrennte Ums&auml;tze vorliegen oder ein einheitlicher Umsatz. Dabei sind unter Ber&uuml;cksichtigung eines Durchschnittsverbrauchers die charakteristischen Merkmale des Umsatzes zu ermitteln. Insoweit darf einerseits eine wirtschaftlich einheitliche Leistung nicht k&uuml;nstlich aufgespalten werden. Andererseits sind mehrere formal getrennt erbrachte Einzelums&auml;tze als einheitlicher Umsatz anzusehen, wenn sie nicht selbst&auml;ndig sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ein einheitlicher Umsatz wird nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des EuGH und des BFH f&uuml;r zwei Fallgruppen bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Zum einen liegt eine einheitliche Leistung vor, wenn eine oder mehrere Einzelleistungen eine Hauptleistung bilden und die andere Einzelleistung oder die anderen Einzelleistungen eine oder mehrere Nebenleistungen bilden, die das steuerliche Schicksal der Hauptleistung teilen. Eine Leistung ist insbesondere dann Neben- und nicht Hauptleistung, wenn sie f&uuml;r die Kundschaft keinen eigenen Zweck, sondern das Mittel darstellt, um die Hauptleistung des Leistungserbringers unter optimalen Bedingungen in Anspruch zu nehmen (vgl. z.B. EuGH-Urteile Bog&nbsp;u.a. vom 10.03.2011&nbsp;&#8211; C-497\/09, EU:C:2011:135, BStBl II 2013, 256, Rz&nbsp;54, m.w.N.; Stadion Amsterdam vom 18.01.2018&nbsp;&#8211; C-463\/16, EU:C:2018:22, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2018, 246, Rz&nbsp;23; BFH-Urteil vom 10.01.2013 &#8211; V&nbsp;R&nbsp;31\/00, BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, unter II.1.a&nbsp;bb, Rz&nbsp;19&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Zum anderen kann sich eine einheitliche Leistung daraus ergeben, dass zwei oder mehrere Handlungen oder Einzelleistungen des Steuerpflichtigen f&uuml;r den Kunden so eng miteinander verbunden sind, dass sie objektiv einen einzigen untrennbaren wirtschaftlichen Vorgang bilden, dessen Aufspaltung wirklichkeitsfremd w&auml;re (vgl. z.B. EuGH-Urteile Bog u.a., EU:C:2011:135, BStBl II 2013, 256, Rz&nbsp;53, m.w.N.; Stadion Amsterdam, EU:C:2018:22, DStR 2018, 246, Rz&nbsp;22; EuGH-Beschluss Purple Parking Ltd. und Airpark Services Ltd. vom 19.01.2012&nbsp;&#8211; C-117\/11, EU:C:2012:29, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2012, 674, Rz&nbsp;29; EuGH-Urteil Deutsche Bank AG vom 19.07.2012&nbsp;&#8211; C-44\/11, EU:C:2012:484, BStBl II 2012, 945, Rz&nbsp;21).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit das FG dar&uuml;ber hinaus die Gesamtumst&auml;nde des Streitfalls dahingehend gew&uuml;rdigt hat, dass die &Uuml;bertragung der Forderung bzw. des Anspruchs gegen die Versicherer nicht die Hauptleistung darstellt, hat es bei seiner W&uuml;rdigung die Interessenlage der Beteiligten nicht ber&uuml;cksichtigt. Der Senat ist daher an diese W&uuml;rdigung nicht gebunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zwar stellt die Beurteilung, ob eine einheitliche Leistung vorliegt, im Wesentlichen das Ergebnis einer tats&auml;chlichen W&uuml;rdigung durch das FG dar, an die der BFH grunds&auml;tzlich gebunden ist (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO). Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung hat der BFH aber im Rahmen der revisionsrechtlichen Nachpr&uuml;fung der Auslegung von Vertr&auml;gen durch das FG auch nachzupr&uuml;fen, ob das FG die f&uuml;r die Auslegung bedeutsamen Begleitumst&auml;nde, insbesondere die Interessenlage der Beteiligten, erforscht und zutreffend gew&uuml;rdigt hat (BFH-Urteile vom 10.02.2010&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;49\/07, BFHE 228, 456, BStBl II 2010, 1109, Rz&nbsp;33, zur Garantiezusage; in BFHE 240, 380, BStBl II 2013, 352, Rz&nbsp;35, zur Dinner-Show, sowie vom 13.&nbsp;11.2013&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;24\/11, BFHE 243, 471, BStBl II 2017, 1147, Rz&nbsp;44 a.E.). Dies gilt ebenso f&uuml;r die Frage, ob das FG bei der Pr&uuml;fung der Steuerfreiheit einer einheitlichen Leistung den Hauptbestandteil oder den dominierenden Bestandteil zutreffend bestimmt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Im Streitfall hat das FG bei seiner W&uuml;rdigung nicht ber&uuml;cksichtigt, dass das Interesse der K&auml;ufer (Fonds) als Leistungsempf&auml;nger allein auf den Erwerb einer Kapitalanlage gerichtet war und die &uuml;brigen Rechte und Pflichten lediglich der &quot;Optimierung&quot; der erworbenen Kapitalanlage dienen (vgl. hierzu Korneev, Betriebs-Berater &#8211;BB&#8211; 2018, 1248, 1250; Hahne, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Mehrwertsteuerrecht &#8211;MwStR&#8211;&nbsp;&nbsp;2018, 327-328; insoweit zutreffend auch Hummel, Umsatzsteuer-Rundschau &#8211;UR&#8211; 2016, 937, 939). Nach der Interessenlage der Beteiligten stellt die &Uuml;bertragung der (k&uuml;nftigen) Forderung die Hauptleistung dar, w&auml;hrend die &uuml;brigen Rechte und Pflichten als Nebenleistung zu qualifizieren sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Daf&uuml;r spricht bereits die Interessenlage des Versicherungsnehmers beim Abschluss einer (gemischten) Kapitallebensversicherung auf den Todes- und Erlebensfall. Der Versicherungsnehmer zahlt laufende Pr&auml;mien und erh&auml;lt daf&uuml;r bei Eintritt des Risikofalls w&auml;hrend der Laufzeit die Versicherungssumme und nach Ablauf der Laufzeit die Versicherungssumme (Sparsumme nebst Zinsen und &Uuml;berschussbeteiligung). Die Kapitallebensversicherung besteht somit &#8211;entsprechend der Zweigleisigkeit des Risikos&#8211; aus einem Risikobeitrag, soweit er sich auf die ungewisse Todesfallleistung bezieht, und einem Sparbeitrag, soweit er sich auf die Aussch&uuml;ttung des angesparten Versicherungskapitals bezieht (Winter in Bruck\/M&ouml;ller, VVG, 9.&nbsp;Aufl. 2013, Einf&uuml;hrung, Rz&nbsp;37). Dabei ist der Sparanteil f&uuml;r den Durchschnittsverbraucher der entscheidende Grund f&uuml;r den Abschluss einer Kapitallebensversicherung. Abgesehen davon, dass er selbst die Versicherungssumme am Ende der Laufzeit beziehen m&ouml;chte, w&uuml;rde er eine (sehr viel g&uuml;nstigere) Risikolebensversicherung (Todesfallversicherung) abschlie&szlig;en, wenn es ihm in erster Linie um die wirtschaftliche Absicherung seiner Angeh&ouml;rigen oder Kreditgebern f&uuml;r den Todesfall ginge (vgl. Grote in Langheid\/Rixecker, Versicherungsvertragsgesetz, Kommentar, 6.&nbsp;Aufl., Vor &sect;&nbsp;150 Rz&nbsp;3; M&uuml;nchKommVVG\/Heiss\/M&ouml;nnich, Bd.&nbsp;2, Vor&nbsp;&sect;&sect;&nbsp;150 bis 171, Rz&nbsp;13). Das Interesse an einer Kapitalanlage steht somit bereits beim Versicherungsnehmer im Vordergrund.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Beim Verkauf einer Lebensversicherung auf dem Zweitmarkt bleibt der Risikoanteil beim Versicherungsnehmer, d.h. seine Angeh&ouml;rigen sind im Todesfall weiterhin wirtschaftlich abgesichert. Dies geschieht, indem der zun&auml;chst gezahlte Kaufpreis im Falle des Versterbens des Versicherten gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;9 der Allgemeinen Gesch&auml;ftsbedingungen der Kl&auml;gerin nachtr&auml;glich erh&ouml;ht wird. Die nachtr&auml;gliche Kaufpreiserh&ouml;hung entspricht zun&auml;chst der Differenz zwischen der vom Versicherer ausgezahlten Todesfallleistung und dem Kaufpreis, den der Versicherungsnehmer durch den Verkauf seiner Police bereits erhalten hat. Allerdings wird der Kaufpreis, bevor er von der Todesfallleistung abgezogen wird, noch mit 9,5&nbsp;% Aufwand verzinst sowie um eventuell gezahlte Pr&auml;mien erh&ouml;ht, wodurch sich die Kaufpreiserh&ouml;hung nach und nach bis zum Ende der regul&auml;ren Laufzeit vermindert. Die Erwerber auf dem Zweitmarkt (Fonds) haben somit lediglich Interesse am Sparanteil. F&uuml;r sie stellt der Erwerb eine konservative Kapitalanlage dar. Der vom FG hervorgehobene &Uuml;bergang weiterer Rechte ist demgegen&uuml;ber lediglich insoweit und damit von untergeordneter Bedeutung, als er der Optimierung der Ablaufleistung dient.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(3) Der Anlagecharakter von Kapitallebensversicherungen wird best&auml;tigt durch die Gesetzesmaterialien im Zusammenhang mit der &Auml;nderung des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 des Einkommensteuergesetzes durch das Gesetz zur Anpassung des nationalen Steuerrechts am Beitritt Kroatiens zur EU und zur &Auml;nderung weiterer steuerlicher Vorschriften &#8211;BGBl I 2014, 1266&#8211; (vgl. Hummel, UR 2016, 937, 939). Danach ist f&uuml;r den Erwerber einer gebrauchten Lebensversicherung die Absicherung des versicherten Risikos nicht von Bedeutung, weil f&uuml;r die Erwerber ausschlie&szlig;lich die Renditeerwartungen aus einer Kapitalanlage relevant sind (BTDrucks 18\/1529, S.&nbsp;52 und 53).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Sache ist spruchreif im Sinne einer Aufhebung des FG-Urteils und Klagestattgabe, da die von der Kl&auml;gerin erbrachte Hauptleistung steuerfrei ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Steuerfrei sind nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG u.a. die Ums&auml;tze im Gesch&auml;ft mit Forderungen. Diese Vorschrift beruht auf Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;d MwStSystRL, wonach die Mitgliedstaaten u.a. die Ums&auml;tze im Gesch&auml;ft mit Forderungen von der Steuer befreien. Bei richtlinienkonformer Auslegung wird die Befreiungsnorm (vgl. hierzu BFH-Urteil vom 30.03.2011&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;19\/10, BFHE 233, 353, BStBl II 2011, 772, unter II.2.a, Rz&nbsp;29, sowie vom 16.04.2008&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;54\/06, BFHE 221, 464, BStBl II 2008, 772; BFH-Beschluss vom 17.05.2001&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;34\/99, BFHE 194, 544) dahingehend eingeschr&auml;nkt, dass von der Steuerfreiheit nur solche Anspr&uuml;che bzw. Ums&auml;tze erfasst werden, die Gegenstand von Finanzdienstleistungen sind, auch wenn sie nicht notwendigerweise von Banken und Finanzinstituten get&auml;tigt werden (EuGH-Urteil Swiss Re, EU:C:2009:647, Rz&nbsp;46, unter Hinweis auf EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien vom 19.04.2007 &#8211; C-455\/05, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;22 und Rz&nbsp;23; Philipowski in Rau\/D&uuml;rrw&auml;chter, Umsatzsteuergesetz, &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c Rz&nbsp;165; Heidner in Bunjes, UStG, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Rz&nbsp;19). Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnen Dienstleistungen nur dann als steuerbefreite Ums&auml;tze i.S. von Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;d MwStSystRL qualifiziert werden, wenn sie ein im Gro&szlig;en und Ganzen eigenst&auml;ndiges Ganzes sind, das die spezifischen und wesentlichen Funktionen einer in dieser Bestimmung beschriebenen Dienstleistung erf&uuml;llt (EuGH-Urteil Swiss Re, EU:C:2009:647, Rz&nbsp;45).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei einer einheitlichen Leistung &#8211;wie im Streitfall&#8211;&nbsp;&nbsp;liegt eine&nbsp;&nbsp;Steuerfreiheit dann vor, wenn der Hauptbestandteil dieser Leistungen steuerfrei ist (EuGH-Urteil Mailat vom 19.12.2018&nbsp;&#8211; C-17\/18, EU:C:2018:1038, Leitsatz 2; BFH-Urteile vom 06.09.2007&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;14\/06, BFH\/NV 2008, 624, unter II.3.; vom 21.06.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;3\/17, BFHE 259, 140, BStBl II 2018, 372, unter II.2.a&nbsp;bb). Da vorliegend eine einheitliche Leistung in Gestalt von Haupt- und Nebenleistung gegeben ist, richtet sich die umsatzsteuerrechtliche Behandlung der einheitlichen Leistung nach ihrer Hauptleistung. Das ist die &Uuml;bertragung der Forderung auf die zuk&uuml;nftige Ablaufleistung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Forderungen i.S. von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG m&uuml;ssen nicht bereits entstanden sein, da es dem Sinn und Zweck der Norm entspricht, auch den Umsatz aufschiebend bedingter und damit erst zuk&uuml;nftig entstehender Geldforderungen von der Umsatzsteuer zu befreien (BFH-Urteil vom 12.12.1963&nbsp;&#8211; V&nbsp;60\/61&nbsp;U, BFHE 78, 277; Philipowski in Rau\/ D&uuml;rrw&auml;chter, a.a.O., &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c Rz&nbsp;166; ebenso Abschn.&nbsp;4.8.4 Abs.&nbsp;1 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses &#8211;UStAE&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Von einem Finanzgesch&auml;ft i.S. von Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;d MwStSystRL ist bei Ums&auml;tzen im Gesch&auml;ft mit Forderungen auszugehen, wenn der fragliche Anspruch auf eine Geldzahlung gerichtet ist. Die Abtretung der (aufschiebend bedingten) Geldforderung &#8211;wie im Streitfall&#8211; ist demnach unabh&auml;ngig von ihrem Entstehungsgrund ein beg&uuml;nstigtes Finanzgesch&auml;ft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>44<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Abtretung des Anspruchs auf die zuk&uuml;nftige Ablaufleistung bildet auch ein im Gro&szlig;en und Ganzen eigenst&auml;ndiges Ganzes und erf&uuml;llt die spezifischen und wesentlichen Funktionen eines Gesch&auml;fts mit Forderungen. Denn durch die &Uuml;bertragung wird zumindest in Bezug auf die Bezugsberechtigung eine &Auml;nderung der rechtlichen und finanziellen Situation herbeigef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>45<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Schlie&szlig;lich weist die Kl&auml;gerin zutreffend auf die Vergleichbarkeit des Streitfalls mit der nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c UStG steuerfreien &Uuml;bertragung von sog. Bauspar-Vorratsvertr&auml;gen durch Kreditinstitute hin (vgl. Abschn.&nbsp;4.8.4 Abs.&nbsp;2 UStAE 2016\/2017; Philipowski in Rau\/D&uuml;rrw&auml;chter, a.a.O., &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;c Rz&nbsp;182; Heidner in Bunjes, UStG, &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8, Rz&nbsp;20). Kreditinstitute schlie&szlig;en dabei Bausparvertr&auml;ge ab und besparen sie zum Zwecke der Ver&auml;u&szlig;erung an Personen, die diese nicht selbst bis zur Zuteilungsreife ansparen k&ouml;nnen oder m&ouml;chten, sondern an einer raschen Zuteilung eines zinsg&uuml;nstigen Baudarlehens interessiert sind. W&auml;hrend der Erwerber eines Bausparvertrags neben der Geldanlagem&ouml;glichkeit eine Anwartschaft auf ein zinsg&uuml;nstiges Bauspardarlehen erh&auml;lt, ist der Zweiterwerber einer Kapitallebensversicherung ausschlie&szlig;lich an der Kapitalanlage interessiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>46<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zwar sind nach der Rechtsprechung des EuGH die Bestimmungen zur Steuerbefreiung eng auszulegen, auch bei enger Auslegung sind darunter aber jedenfalls solche &Uuml;bertragungen zu verstehen, die zum Zwecke der Geldanlage erfolgen. Im Streitfall ergibt sich der Anlagecharakter daraus, dass die zuk&uuml;nftigen Anspr&uuml;che von Fondsgesellschaften als Kapitalanlage erworben werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>47<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Entgegen der Auffassung des FG sprechen auch Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage als ma&szlig;geblicher Normzweck (vgl. hierzu EuGH-Urteile Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;24; vom 10.03.2011&nbsp;&#8211; C-540\/09, Skandinaviska Enskilda Banken, EU:C:2011:137, Slg.&nbsp;2011, I-1509, Rz&nbsp;21; BFH-Urteil vom 30.11.2016&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;18\/16, BFHE 255, 572, Rz&nbsp;12 und 17) f&uuml;r die Steuerfreiheit der streitgegenst&auml;ndlichen Ums&auml;tze.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>48<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Ansatz des von ihren Kunden (Fonds) erhaltenen Kaufpreises abz&uuml;glich der Mehrwertsteuer als Bemessungsgrundlage des Umsatzes (&sect;&nbsp;10 UStG) ist problematisch, da die Kl&auml;gerin f&uuml;r den Erwerb der Kapitallebensversicherung einen nur vergleichsweise niedrigeren Betrag an ihre Kunden gezahlt hat. Bei wirtschaftlicher Betrachtung liegt der Betrag, &uuml;ber den sie tats&auml;chlich verf&uuml;gen kann (vgl. hierzu EuGH-Urteil First National Bank of Chicago vom 14.07.1998&nbsp;&#8211; C-172\/96, EU:C:1998:354, Rz&nbsp;43 und 44) lediglich in der Differenz (Marge) zwischen Ein- und Verkaufspreis der Kapitallebensversicherungen. Soweit das Entgelt mit dem Gesamtkaufpreis (abz&uuml;glich Umsatzsteuer) bemessen wird, w&uuml;rde dies zu einer unzutreffenden Verbrauchsbesteuerung f&uuml;hren. Denn es fehlt an einem wirtschaftlichen Verbrauch in H&ouml;he der aus bereits geleisteten Pr&auml;mienzahlungen erdienten (k&uuml;nftigen) Zahlungsanspr&uuml;chen (zutreffend Hahne, MwStR 2018, 328; Korneev, BB 2018, 1250). Die Vermeidung dieser &Uuml;berbesteuerung wirft Fragen nach der Anwendbarkeit einer Margenbesteuerung oder der Differenzbesteuerung auf, zumal ansonsten dem Gesch&auml;ftsmodell des Verkaufs von gebrauchten Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt &#8211;mangels Vorsteuerabzugs der Erwerber&#8211; die Gesch&auml;ftsgrundlage entzogen w&uuml;rde (Korneev, BB 2018, 1251; Hahne, MwStR 2018, 327, 328).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>49<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da die Vorentscheidung bereits aus materiell-rechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben und der Klage stattzugeben war, bedarf es keines Eingehens auf die Verfahrensr&uuml;ge der Kl&auml;gerin (vgl. BFH-Urteile vom 13.12.2011&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;52\/09, BFH\/NV&nbsp;2012, 695, unter II.2., sowie vom 01.07.2008&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;71\/06, BFHE 222, 63, BStBl II 2008, 874, unter II.2.b&nbsp;dd).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>50<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.9.2019, V R 57\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.050919.VR57.17.0 Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt Leits&auml;tze Die Ver&auml;u&szlig;erung von &quot;gebrauchten&quot; Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt ist als Umsatz im Gesch&auml;ft mit Forderungen nach &sect; 4 Nr. 8 Buchst. c UStG von der Umsatzsteuer befreit. Tenor Auf die Revision der Kl&auml;gerin werden das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 27.09.2017 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-57-17-veraeusserung-von-kapitallebensversicherungen-auf-dem-zweitmarkt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;57\/17 &#8211; Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitallebensversicherungen auf dem Zweitmarkt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71531","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71531","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71531"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71531\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}