{"id":71534,"date":"2019-12-06T20:29:29","date_gmt":"2019-12-06T18:29:29","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71534"},"modified":"2019-12-06T20:29:30","modified_gmt":"2019-12-06T18:29:30","slug":"viii-b-86-19-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-erlass-einer-ueberraschungsentscheidung-bei-unterlassener-benachrichtigung-ueber-eine-aktenbeiziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-86-19-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-erlass-einer-ueberraschungsentscheidung-bei-unterlassener-benachrichtigung-ueber-eine-aktenbeiziehung\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;86\/19 &#8211; Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch Erlass einer &Uuml;berraschungsentscheidung bei unterlassener Benachrichtigung &uuml;ber eine Aktenbeiziehung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 16.9.2019, VIII B 86\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.160919.VIIIB86.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch Erlass einer &Uuml;berraschungsentscheidung bei unterlassener Benachrichtigung &uuml;ber eine Aktenbeiziehung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die unterlassene Benachrichtigung &uuml;ber beigezogene und verwertete Strafakten f&uuml;hrt nicht zu einer Revisionszulassung wegen einer unzul&auml;ssigen &Uuml;berraschungsentscheidung, wenn der Beschwerdef&uuml;hrer nicht schl&uuml;ssig darlegt, was er bei Kenntnis von der Aktenbeiziehung noch zus&auml;tzlich Entscheidungserhebliches vorgetragen h&auml;tte (Anschluss an den BFH-Beschluss vom 31.12.2012 &#8211; III B 95\/12, BFH\/NV 2013, 768).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 12.03.2019 &#8211; 12 K 1187\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde hat keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist nicht wegen des von den Kl&auml;gern und Beschwerdef&uuml;hrern (Kl&auml;ger) allein ger&uuml;gten Verfahrensfehlers gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die R&uuml;ge, das Finanzgericht (FG) habe sich bei seiner Tatsachenfeststellung zu den Aussagen des Zeugen A auf dessen Einlassung in einer den Kl&auml;gern unbekannten &quot;richterlichen Vernehmung&quot; vom 07.05.2012 vor dem Strafgericht gest&uuml;tzt, hat keinen Erfolg. Der hiermit geltend gemachte Verfahrensmangel, das FG habe eine &Uuml;berraschungsentscheidung gef&auml;llt und damit gegen den Grundsatz der Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs versto&szlig;en (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO), ist bereits nicht schl&uuml;ssig dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine &Uuml;berraschungsentscheidung ist gegeben, wenn das Gericht einen bis dahin nicht er&ouml;rterten rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gesichtspunkt zur Grundlage seiner Entscheidung gemacht und damit dem Rechtsstreit eine Wendung gegeben hat, mit der auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der Vielzahl vertretbarer Auffassungen nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung nicht rechnen musste. Die R&uuml;ge einer Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs wird, wenn sich der Versto&szlig; &#8211;wie hier&#8211; auf einzelne Feststellungen bezieht, nur dann ordnungsgem&auml;&szlig; vorgebracht, wenn der Beschwerdef&uuml;hrer darlegt, was er vorgetragen h&auml;tte, wenn sein Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r nicht verletzt worden w&auml;re, und dass bei Ber&uuml;cksichtigung dieses zus&auml;tzlichen Vortrags eine andere Entscheidung des FG in der Sache m&ouml;glich gewesen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dies gilt auch f&uuml;r den Fall der unterlassenen Benachrichtigung &uuml;ber beigezogene und verwertete Strafakten. Werden andere als die unmittelbar den Streitfall betreffenden Akten beigezogen, so sind die Beteiligten davon zu benachrichtigen oder die betreffenden Akten m&uuml;ssen zum Gegenstand der m&uuml;ndlichen Verhandlung gemacht werden; denn nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO darf das Urteil nur auf Tatsachen und Beweisergebnisse gest&uuml;tzt werden, zu denen sich die Beteiligten &auml;u&szlig;ern konnten. Eine Mitteilung darf selbst dann nicht unterbleiben, wenn den Prozessbeteiligten der Inhalt der Akten vollst&auml;ndig bekannt ist; denn diese Kenntnis bedeutet noch nicht, dass sich die Beteiligten zu diesen Tatsachen auch &auml;u&szlig;ern konnten. Entscheidend ist, dass die Beteiligten Kenntnis von der m&ouml;glichen Verwertung der Akten im anh&auml;ngigen Verfahren erhalten. Nur dann besteht f&uuml;r die Beteiligten ein Anlass zur Stellungnahme unter Ber&uuml;cksichtigung des Inhalts der beigezogenen Akten (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 31.12.2012&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;95\/12, BFH\/NV 2013, 768, Rz&nbsp;3 bis 6).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die unterlassene Benachrichtigung &uuml;ber beigezogene und verwertete Strafakten f&uuml;hrt jedoch nicht zu einer Revisionszulassung wegen einer unzul&auml;ssigen &Uuml;berraschungsentscheidung, wenn der Beschwerdef&uuml;hrer nicht schl&uuml;ssig darlegt, was er bei Kenntnis von der Aktenbeiziehung noch zus&auml;tzlich Entscheidungserhebliches vorgetragen h&auml;tte (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2013, 768, Rz&nbsp;3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Kl&auml;ger haben nach diesem Ma&szlig;stab nicht schl&uuml;ssig dargelegt, dass in der Bezugnahme des FG auf die &quot;richterliche Vernehmung des Zeugen [A]&quot;, von der die Kl&auml;ger annehmen, dass die zugeh&ouml;rige Niederschrift in den vom FG beigezogenen Strafakten enthalten war, eine unzul&auml;ssige &Uuml;berraschungsentscheidung liegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Zeuge A war nach dem Tatbestand des FG-Urteils bereits vom Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211; (Abteilung FKS) am 29.02.2012 und am 20.04.2012 vernommen worden. Den Kl&auml;gern war jedenfalls der Inhalt dieser Aussagen bekannt, da sie nach dem Sitzungsprotokoll vom 12.03.2019 die erneute Vernehmung des Zeugen A beantragt und ein von Herrn Rechtsanwalt B erstelltes Vernehmungsprotokoll mit einer inhaltlich abweichenden Aussage dieses Zeugen vom 06.09.2017 in das Verfahren eingef&uuml;hrt haben. Das FG hat im Tatbestand des Urteils ausgef&uuml;hrt, der Zeuge habe den Inhalt der Aussagen vor dem HZA im Jahr 2012 in der richterlichen Vernehmung vom 07.05.2012 best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Kl&auml;ger tragen zur Begr&uuml;ndung der Beschwerde lediglich vor, erst aus dem Urteil von der Aussage des Zeugen A in der besagten richterlichen Vernehmung Kenntnis erhalten zu haben. Sie verdeutlichen jedoch nicht, was sie in Kenntnis der Aktenbeiziehung noch zus&auml;tzlich vorgetragen h&auml;tten, sondern machen nur geltend, sie h&auml;tten sich nicht zu dem Ergebnis dieser Vernehmung verhalten k&ouml;nnen. Dies gen&uuml;gt den Anforderungen an die Darlegung des Verfahrensfehlers nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 16.9.2019, VIII B 86\/19ECLI:DE:BFH:2019:B.160919.VIIIB86.19.0 Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch Erlass einer &Uuml;berraschungsentscheidung bei unterlassener Benachrichtigung &uuml;ber eine Aktenbeiziehung Leits&auml;tze NV: Die unterlassene Benachrichtigung &uuml;ber beigezogene und verwertete Strafakten f&uuml;hrt nicht zu einer Revisionszulassung wegen einer unzul&auml;ssigen &Uuml;berraschungsentscheidung, wenn der Beschwerdef&uuml;hrer nicht schl&uuml;ssig darlegt, was er bei Kenntnis von der Aktenbeiziehung noch zus&auml;tzlich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-86-19-verletzung-des-rechtlichen-gehoers-durch-erlass-einer-ueberraschungsentscheidung-bei-unterlassener-benachrichtigung-ueber-eine-aktenbeiziehung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;B&nbsp;86\/19 &#8211; Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs durch Erlass einer &Uuml;berraschungsentscheidung bei unterlassener Benachrichtigung &uuml;ber eine Aktenbeiziehung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71534\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}