{"id":71552,"date":"2019-12-14T16:19:48","date_gmt":"2019-12-14T14:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71552"},"modified":"2019-12-14T16:21:16","modified_gmt":"2019-12-14T14:21:16","slug":"v-r-11-19-v-r-35-15-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-27032019-v-r-6-19-v-r-33-16-zum-vorsteuerabzug-aus-anzahlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-11-19-v-r-35-15-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-27032019-v-r-6-19-v-r-33-16-zum-vorsteuerabzug-aus-anzahlungen\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;11\/19&nbsp;(V&nbsp;R&nbsp;35\/15) &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.03.2019 V R 6\/19 (V R 33\/16) &#8211; Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.3.2019, V R 11\/19 (V R 35\/15)<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.270319.VR11.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.03.2019 V R 6\/19 (V R 33\/16) &#8211; Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Der Vorsteuerabzug aus einer Anzahlung setzt voraus, dass der Eintritt des Steuertatbestands zum Zeitpunkt der Anzahlung &quot;sicher&quot; sein muss.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r, ob im Zeitpunkt der Anzahlung alle ma&szlig;geblichen Elemente des Steuertatbestands bereits bekannt sind, so dass der Gegenstand der Lieferung genau bestimmt ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Der Vorsteuerabzug aus einer Anzahlungsrechnung h&auml;ngt nicht davon ab, ob der Zahlungsempf&auml;nger im Zahlungszeitpunkt die Leistung objektiv erbringen kann und ob er das will.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: Es reicht aus, wenn anhand objektiver Umst&auml;nde nicht erwiesen ist, dass der Anzahlende zum Zeitpunkt der Zahlung wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass die Bewirkung der Lieferung oder Erbringung der Dienstleistung ungewiss ist.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 9. Dezember 2014 15 K 4319\/12 U aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Unter &Auml;nderung der Einspruchsentscheidung vom 21. November 2012 und des Umsatzsteuerbescheids 2010 vom 6. September 2011 wird die Umsatzsteuer 2010 auf &#8230; festgesetzt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) bestellte im Streitjahr 2010 bei der G-GmbH (GmbH) die Lieferung eines Blockheizkraftwerks. Die GmbH best&auml;tigte den Auftrag am 29.&nbsp;M&auml;rz 2010 und erteilte f&uuml;r den Liefergegenstand eine Vorausrechnung &uuml;ber 22.500&nbsp;EUR zzgl. einem gesonderten Steuerausweis &uuml;ber 4.275&nbsp;EUR. Der Kl&auml;ger entrichtete die geforderte Anzahlung an die GmbH am 11.&nbsp;Mai 2010. Zeitnah schloss der Kl&auml;ger mit G2, einem Partnerunternehmen der GmbH, einen Verwaltungsvertrag und mietete von G2 einen Stellplatz f&uuml;r das noch zu errichtende Blockheizkraftwerk. Der Kl&auml;ger schloss au&szlig;erdem mit G2 einen &quot;Premium Service Vertrag&quot; ab, durch den sich G2 verpflichtete gegen pauschales Entgelt alle Serviceleistungen zur Aufrechterhaltung des Betriebs des Blockheizkraftwerks durchzuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die GmbH hatte von mehr als 1&nbsp;400 K&auml;ufern mehr als 62&nbsp;Mio.&nbsp;EUR eingenommen, war aber zur Lieferung der Blockheizkraftwerke technisch nicht in der Lage. Die Lieferung der Anlage unterblieb. &Uuml;ber das Verm&ouml;gen der GmbH wurde das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet und mangels Masse eingestellt. Die f&uuml;r die GmbH handelnden Personen wurden wegen gewerbs- und bandenm&auml;&szlig;igen Betrugs in 88&nbsp;F&auml;llen und wegen vors&auml;tzlichen Bankrotts zu Lasten der K&auml;ufer der Blockheizkraftwerke, nicht aber wegen Steuerhinterziehung strafrechtlich verurteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger machte f&uuml;r das Streitjahr 2010 den Vorsteuerabzug aus seiner Anzahlung geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte den Vorsteuerabzug nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hatte keinen Erfolg. Bei der in der Rechnung der GmbH ausgewiesenen Umsatzsteuer habe es sich um keine &quot;gesetzlich geschuldete Steuer&quot; i.S. des &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes in der im Streitjahr g&uuml;ltigen Fassung (UStG) gehandelt, sondern um einen unberechtigten Steuerausweis i.S. des &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG, der den Kl&auml;ger nicht zum Vorsteuerabzug berechtige.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und den Umsatzsteuerbescheid 2010 vom 6.&nbsp;September 2011 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 21.&nbsp;November 2012 zu &auml;ndern und die Umsatzsteuer 2010 auf &#8230; festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat hat mit Beschluss vom 9.&nbsp;M&auml;rz 2017 das Ruhen des Verfahrens bis zur Entscheidung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) in den Rechtssachen Kollro&szlig; C-660\/16 (V&nbsp;R&nbsp;29\/15) und Wirtl C-661\/16 (XI&nbsp;R&nbsp;44\/14) angeordnet. Der EuGH hat mit Urteil Kollro&szlig; vom 31.&nbsp;Mai 2018 C-660\/16 und Wirtl C-661\/16 (EU:C:2018:372) &uuml;ber die Sache entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des Kl&auml;gers f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Klagestattgabe (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Finanzgericht (FG) hat zu Unrecht entschieden, dass dem Kl&auml;ger aus der Vorausrechnung der GmbH kein Vorsteuerabzug zustehe, weil es sich bei der in dieser Rechnung ausgewiesenen Umsatzsteuer um keine &quot;gesetzlich geschuldete Steuer&quot; i.S. des &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 UStG, sondern um einen unberechtigten Steuerausweis i.S. des &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG gehandelt habe. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat bereits f&uuml;r einen Vergleichsfall den Vorsteuerabzug ohne Berichtigungsverpflichtung bejaht (BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Dezember 2018 XI&nbsp;R&nbsp;44\/14, BFH\/NV 2019, 499, Leits&auml;tze&nbsp;1 und 2). Dem schlie&szlig;t sich der erkennende Senat an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Anzahlung berechtigte den Kl&auml;ger zum Vorsteuerabzug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG kann ein Unternehmer die gesetzlich geschuldete Umsatzsteuer f&uuml;r Lieferungen und sonstige Leistungen, die von einem anderen Unternehmer f&uuml;r sein Unternehmen ausgef&uuml;hrt worden sind, als Vorsteuer abziehen. Die Aus&uuml;bung des Vorsteuerabzugs setzt voraus, dass der Unternehmer eine nach den &sect;&sect;&nbsp;14, 14a UStG ausgestellte Rechnung besitzt (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG). Soweit der gesondert ausgewiesene Steuerbetrag auf eine Zahlung vor Ausf&uuml;hrung dieser Ums&auml;tze entf&auml;llt, ist er bereits abziehbar, wenn die Rechnung vorliegt und die Zahlung geleistet worden ist (&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG beruht auf Art.&nbsp;167 und Art.&nbsp;168 Buchst.&nbsp;a i.V.m. Art.&nbsp;65 der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL). Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;167 MwStSystRL entsteht das Recht auf Vorsteuerabzug, wenn der Anspruch auf die abziehbare Steuer entsteht. Werden Anzahlungen geleistet, bevor die Lieferung von Gegenst&auml;nden bewirkt oder die Dienstleistung erbracht ist, ist das gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;65 MwStSystRL zum Zeitpunkt der Vereinnahmung des Entgelts der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die gesetzlichen Voraussetzungen f&uuml;r einen Vorsteuerabzug auf eine Zahlung vor Ausf&uuml;hrung der Ums&auml;tze gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG sind erf&uuml;llt. Der Kl&auml;ger hat die geforderte Anzahlung f&uuml;r das bestellte Blockheizkraftwerk geleistet. Dar&uuml;ber hinaus lag dem Kl&auml;ger eine Rechnung &uuml;ber die (k&uuml;nftige) Lieferung eines Blockheizkraftwerks i.S. von &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 UStG vor, die den Anforderungen an die Rechnungsangaben nach &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 UStG gen&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Auch die sich aus der Rechtsprechung des EuGH ergebende Bedingung, dass der Eintritt des Steuertatbestands zum Zeitpunkt der Anzahlung &quot;sicher&quot; sein muss, liegt vor. Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r, ob im Zeitpunkt der Anzahlung alle ma&szlig;geblichen Elemente des Steuertatbestands bereits bekannt sind, so dass der Gegenstand der Lieferung genau bestimmt ist (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;40&nbsp;ff., 51).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Im Streitfall waren alle ma&szlig;geblichen Elemente der k&uuml;nftigen Lieferung des Blockheizkraftwerks wie etwa Kaufgegenstand, Kaufpreis, Lieferzeitpunkt festgelegt (BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;47).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unerheblich ist, dass von Anfang an feststand, dass es nicht zur Lieferung des Blockheizkraftwerks kommen w&uuml;rde. Denn der Vorsteuerabzug aus einer (Voraus- oder) Anzahlungsrechnung h&auml;ngt nicht davon ab, ob der Zahlungsempf&auml;nger im Zahlungszeitpunkt die Leistung objektiv erbringen kann und ob er das will. Es reicht vielmehr aus, wenn anhand objektiver Umst&auml;nde nicht erwiesen ist, dass der (Voraus- oder) Anzahlende zum Zeitpunkt der Zahlung wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass die Bewirkung der Lieferung oder Erbringung der Dienstleistung ungewiss ist (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;50), wie der BFH bereits ausdr&uuml;cklich entschieden hat (BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;48 und 54). Im &Uuml;brigen ist nicht davon auszugehen, dass der Kl&auml;ger als Vertragspartner die Absicht hatte, die mit der Bewirkung der Lieferung oder der Erbringung der Dienstleistung verbundenen finanziellen Folgen auf sich zu nehmen, da er wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass diese Bewirkung der Lieferung oder Erbringung der Dienstleistung ungewiss ist (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;50).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Entgegen der Auffassung des FA handelt es sich nicht um einen unberechtigten Steuerausweis i.S. von &sect;&nbsp;14c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 UStG, f&uuml;r den der Vorsteuerabzug mangels gesetzlicher Steuerschuld f&uuml;r eine Leistung nicht in Anspruch genommen werden kann. Denn ist eine Unsicherheit &uuml;ber die ausstehende Leistungserbringung zu verneinen, entsteht die Steuer aufgrund der Zahlung nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;4 UStG (Art.&nbsp;65 MwStSystRL) und berechtigt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 UStG (Art.&nbsp;167 MwStSystRL) zum Vorsteuerabzug (BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;59).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Kl&auml;ger hat den Vorsteuerabzug nicht nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG zu berichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz 2 UStG ist der Vorsteuerabzug zu berichtigen, wenn f&uuml;r eine vereinbarte Lieferung oder sonstige Leistung ein Entgelt entrichtet, die Lieferung oder sonstige Leistung jedoch nicht ausgef&uuml;hrt worden ist. Unionsrechtlich beruht dies auf Art.&nbsp;185 Abs.&nbsp;1 MwStSystRL. Danach erfolgt die Berichtigung des Vorsteuerabzugs insbesondere, wenn sich die Faktoren, die bei der Bestimmung des Vorsteuerabzugsbetrags ber&uuml;cksichtigt werden, nach Abgabe der Mehrwertsteuererkl&auml;rung ge&auml;ndert haben, z.B. bei r&uuml;ckg&auml;ngig gemachten K&auml;ufen oder erlangten Rabatten. Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;186 MwStSystRL legen die Mitgliedstaaten die Einzelheiten f&uuml;r die Anwendung dieser Bestimmung fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der erkennende Senat h&auml;lt an seiner Rechtsprechung fest, nach der die Berichtigung des Vorsteuerabzugs gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 UStG eine R&uuml;ckzahlung voraussetzt (BFH-Urteile vom 2.&nbsp;September 2010 V&nbsp;R&nbsp;34\/09, BFHE 231, 321, BStBl II 2011, 991, Leitsatz&nbsp;1 und Rz&nbsp;21; vom 8.&nbsp;September 2011 V&nbsp;R&nbsp;43\/10, BFHE 235, 501, BStBl II 2014, 203, Rz&nbsp;27; vom 15.&nbsp;September 2011 V&nbsp;R&nbsp;36\/09, BFHE 235, 507, BStBl II 2012, 365, Leitsatz und Rz&nbsp;23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies ist mit den Unionsrecht vereinbar, da es nationalen Rechtsvorschriften oder Gepflogenheiten nicht entgegensteht, nach denen die Berichtigung des Vorsteuerabzugs f&uuml;r eine (Voraus- oder) Anzahlung beim Ausbleiben der Lieferung voraussetzt, dass diese vom Lieferer zur&uuml;ckgezahlt wird (EuGH-Urteil Kollro&szlig; und Wirtl, EU:C:2018:372, Rz&nbsp;69; vgl. hierzu BFH-Urteil in BFH\/NV 2019, 499, Rz&nbsp;71).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.3.2019, V R 11\/19 (V R 35\/15)ECLI:DE:BFH:2019:U.270319.VR11.19.0 Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.03.2019 V R 6\/19 (V R 33\/16) &#8211; Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen Leits&auml;tze 1. NV: Der Vorsteuerabzug aus einer Anzahlung setzt voraus, dass der Eintritt des Steuertatbestands zum Zeitpunkt der Anzahlung &quot;sicher&quot; sein muss. 2. NV: Ma&szlig;geblich ist hierf&uuml;r, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-11-19-v-r-35-15-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-27032019-v-r-6-19-v-r-33-16-zum-vorsteuerabzug-aus-anzahlungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;11\/19&nbsp;(V&nbsp;R&nbsp;35\/15) &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 27.03.2019 V R 6\/19 (V R 33\/16) &#8211; Zum Vorsteuerabzug aus Anzahlungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71552","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71552"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71552\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}